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verantw. Redattarrr
LarlSchStter
Fuldaer
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Moxatrbcllage: „Salbtitt Geschichtsblätter"
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S»tatro«rdrucku«d Verlag der Laldarr M- tieudrnckerei i» Fulda Fernsprecher Rr. 9.
M 110. Erstes Blatt.
Fulda, Dienstag den 17. Mai 1910.
37. Jahrgang.
Kleines Feuilleton
— Der Haveysche Komet
hat am um
feinen frühesten Aufgang am Morgenhimmel iO. Mai erreicht. Er erschien damals schon 2.15 Uhr. Daraus verspätete sich sein Ausgang wieder, so daß er gegenwärtig unsichtbar geworden ist, weil er in den Sonnenstrahlen verschwindet. Sichtbar wird er erst wieder am 20. Mai, dann aber abends nach Sonnenuntergang. Um diese anscheinend regelten Hin- und Herbewegungen zu begreifen, muß fixn sich den Lauf von Erde und Komet um die Sonne klarmachen. Die Erde be
wegt sich, wie das alle Planeten tun, rechtläufig, d. h. von links nach rechts um die Sonne; der Komet ist jedoch rückläufig und wandert von rechts nach links um die Sonne. Die beiden Bahnen liegen aber nicht in derselben Ebene, sondern sind stark gegeneinander geneigt. Man kann sie sich wie zwei verschieden große Ringe denken, die ineinander hängen, ohne sich irgendwo zu berühren. Diesen Ringen entlang laufen Komet und Erde gegenwärtig aufeinander zu, derart, daß in der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag dieser Woche Sonne, Komet und Erde eine gerade Linie bilden. Da der Schweif des Kometen von der Sonne abgewendet ist, wird er also alsdann unsere Erde treffen. Das geschieht in der Zeit zwischenäundb Uhr morgens. Schon am nächsten Tage steht der Komet weit genug östlich von der Sonne, um noch nach ihrem Untergange am Abendhimmel zu leuchten. Die geringe Entfernung von der Erde beschleunigt dann nicht nur seine scheinbare Bewegung unter den Sternbildern, so daß er schon um den 25. Mai bis 11 Uhr nachts sichtbar sein wird, sie erhöht auch seine Lichtstärke so sehr, daß er im letzter« Maidrittel seine größte Helligkeit erreichen und einen ziemlich stark entwickelten Schweif zeigen wird.
— Ucker den Vorübergang des Halleyschen Kometen vor der Sonnenschcibe am Morgen des 19. Mai,
X Die Nationalliberalen in der Zwickmühle.
Mit der „verschorlemerten" Wahlrechtsvorlage hat der Reichskanzler den Nationalliberalm eine Zuwendung gemacht, die der Partei noch zum Verhängnis »erben kann«.
Eben haben in Kassel die betten nationalliberalen Vereine in einer Resolution einstimmig der Erwartung Ausdruck gegeben, daß bi; Fraktion keiner Wahlrechtsvorlage ihre Zustimmung zeben werde, die im Widerspruch steht mit den Be« chlüffen des Mageburger PreußentagS, daß sie also etzt die Volaae in der Fassung des Herrenhauses einmütig ablehnt.
r- Anders das Zentralkomitee der nationalliberalm Partei der Provinz Westfalen das einstimmig eine Resolution angenommen hat, in der eS heißt:
< Die Beschlüsse des Herrenhauses zum preußischen Wahlrecht bedeuten eine wesentliche Berbesserung Im Sinne der nationalliberalen Parieiforderungen. Eie gewähren zudem den gewerblichen Kreisen in er« weil erlern Umfange die Möglichkeit einer Vertretung im preußischen Parlament. Das Zentralkomitee hält daher einstimmig die Herrenhausbeschlüfle für eine geeignete Grundlage zu einer baldigen Verständigung.
Die westfälischen Nationalliberalen, die das Signal zum Einschwenken blasen lassen, stellen sich in den schärfsten Gegensatz zu den bisher noch nicht aufgehobenem Beschlüsse des Magdeburger Parteitages, zu den wiederholten Erklärungen der I un g l i b er al e n, zu den Aeußerungen der hervor- ragendsten Parteiblätter in Deutschland sowie zu der jüngsten Kundgebung des Hansabundes. Können die annahmelustigen Westfalen ast' die gegnerischen Elemente der Partei zu fick herüberziehen? Oder werden die Westfalen sich vor einen oppositionellen Beschluß der Fraktion beugen? Das eine ist so unwahrscheinlich wie das andere. Es ist auch kaum denkbar, daß bei dieser Frage, die an sich so zroße Bedeutung hat und für die gesamte politische Entwicklung entscheidend wird, ein Teil der Fraktion mit Ja und ein Teil mit Nein stimmte, um dann nachher wieder gemeinsam fortzuwursteln, als ob die Eintracht gar nicht gestört wäre. Sollten nationalliberale Stimmen den Aus schlag geben zu Gunsten der verschlechterten Faffung des Wahlgesetzes, wie es die westfälischen Nationalliberalen wünschen, so fällt auf diese Partei die ganze Verantwortlichkeit für das Gesetz und seine Wirkungen.
Eine schwere Verantwortlichkeit; denn die Wirkungen des Gesetzes werden sich nicht etwa auf die gewünschte Eroberung von einigen Zentrums- Mandaten im Industriegebiet beschränken, sondern auch die sozialdemokratischen Großblockfreunde empfindlich treffen und überhaupt den Wind der Wahlrechtsagitation zum Sturme entfesseln.
Ter linke Flügel der nalionalliberalen Partei wird die große Schwenkung von der seit vorigen Sommer eingeschlagenen Hetzpolitik zu der regierungsfreundlichen Reaktion nicht mitmachen wollen. Andererseits ist es wohl zu begreifen, daß die Herren in Westfalen den Profit, der ihnen durch den Abänderungsantrag Bethmann-Schorlemer Angeboten worden, alsbald realisieren wollen. Sie rechnen Darauf, daß mit Hilfe der plutokratischen Verschlechterung dem Zentrum im Westen ein ganzes Dutzend oder gar anderthalb Dutzend von Mandaten entrissen werden könnten. Wir übernehmen keine Gewähr für die Zuverlässigkeit dieser Wahlspekulation, sondern sehen der Probe auf das Hoffnungsexempel mit Ruhe entgegen. Aber begreiflich ist es, daß die großen Geldbeutel in diese Aera Bethmann-Schor- lemer ihre Erntezeit für gekommen erachten.
Wer etwa den westfälischen Nationalliberalen den Vorwurf des Parteiegoismus machen will, der möge bedenken, daß die ganze sogen. Wahlresorm
überhaupt nur durch den liberalen ManbatS- hunger in Fluß gekommen ist. Ms Fürst Bülow durch die Katastrophe vom Dezember 1906 sich abhängig gemacht hatte vom Liberalismus, mußte er seinem neuen Brotherrn etwas bieten. Und die erste Fordermrg war: die Nebermacht der Konser- vativen im prmßischen Abgeordnetenhaus« muß ge- brachen werden; die Blockpolitik muß insofern auf Preußen fibertraaen werden, daß der Liberalismus im preußischen Abgeordnetenhaufe dieselbe unentbehrliche und ausschlaggebende Stellung erhält, wie im Blockreichstag; daher muß das preußische Wahl- recht zum Vorteil deS Liberalismus abgeändert werden! Und Fürst Bülow verschaffte den neuen liberalen Regierungsstützen daS Versprechen der Wahlreform m der Thronrede.
Der Hansabund zieht die richtige Folgerung aus dieser Vorgeschichte, wenn er in feiner jüngsten Erklärung besonderen Wert legt auf die Neueinteilung der Wahlkreise und die Schaffung von neuen Mandaten für die städtisch-industriellen Volksteilen. Der Hansabund zeigt damit allerdings, daß er wirklich ein politischer Verein und zwar ein liberaler AgitationS» und Wahlverein ist; aber das ist für uns keine Enthüllung. Im liberalen Jntereffe glaubt auch der Hansabund zu handeln, wenn er für die direkte Wahl schwärmt. Er denkt nämlich, die Beibehaltung der indirekten Wahl sei ein besonderer Vorteil für die konservative Partei und da der Hansabund den Konservativen Mandate abjagen will, so schwärmt er für die direkte Wahl, obschon die Frage »direkt oder indirekt?* mit den wirtschaftlichen Jntereffen an Gewerbe und Industrie gar nichts zu tun hat. Da der Hansabund mehr auf den Osten blickt, als auf den Westen, so hat er vorläufig den Raubzug in die konservativen Gefilde als Nr. 1 auf dem Programm stehen. Die westlichen Großindustriellen wollen nun aber mit Hilfe des Herrn v. Schorlemer erst einmal dem Zentrum Mandate abjagen.
Oestlich unv westlich je ein verlockendes Heu- bündel, tmd dazwischen die nationalliberale Fraktion als Buridans Eselin! Dieses philosophische Tier verhungerte zwischen den divergierenden Anziehungskräften. Ein Nachfolger kann vielleicht zerrissen werden.
Deutsches Reich.
** Berlin, 16. Mai 1910. Zum Tode des Prof. Dr. v. Savigny in Münster hat der Kaiser dem Bruder des Verstorbenen, dem ZentrllmSabgeordneten Dr. v. Savigny, Landrat in Büren, ein Telegramm gesandt, worin er die herzlichfleTeilnahme und wärmstes Beileid zumAus- druck bringt. — DieKronprinzessin ist in ihrer Heimqt Schwerin in Mecklenburg eingelrosfen. — In Gegenwart des Kaiserpaares und anderer Fürstlichkeiten wurde am Montag das Stislungs- fest des Lehrinsanleriebataillons in althergebrachter Weise gefeiert.
* Der neue Bischof von Paderborn, Karl Joseph Schulte, wellte sell Donnerstag in Berlin, um sich dem Kaiser vorzustellen und den Staatsbehörden den übli hen Besuch zu machen. Am Freitag mittag begab er sich ins neue Palais bei Potsdam. Der Kaiser empfing ihn in Gegenwart des Kultusministers im Garten und unterhielt sich mit dem Bischof bei einem Spaziergänge vor der Terraffe längere Zeit äußerst freundlich. Danach empfing auch die Kaiserin den Bischof, der weiterhin zur Frühstücksiafel zugezogen wurde. Nach anderthalbstündigem Aufenthalt im neuen Palais fuhr der Hochw. Herr nach Berlin zurück. Abends weilte er zur Tafel beim Reichskanzler.
** Der frühere Präsident Roosevelt stattete am Samstag in Berlin dem seinerzeit eingerichteten Roosevelt-Zimmer in der Bauakademie einen Besuch
sowie über die letzte vorliegende Beobachtung erhalten wir von Dr. Guthnik, Observator der Königl. Sternwarte zu Berlin und Herausgeber des Werkes Littrow, DieWunderdesHimmelz folgende Angaben. Nach einer erneuten Berechnung der Kieler astronomischen Zentrale wird voraussichllich der Eintritt des Kometen in die Sonnenscheibe am rechten oberen oder westlichen Rande um 4 Uhr morgens, der Austritt am linken unteren oder östlichen Rande eine Stunde später ffattfinben, die Dauer des Durchganges mithin 1 Stunde währen. Da bisher noch nie mit Sicherheit ein Komet vor der Sonnenfcheibe gesehen worden ist, so muß auch diesmal die Wahrscheinlichkeit, daß der Komet auf der Sonne sichtbar fein wird, selbst für große Fernrohre verneint werden. Immerhin ist aber die Sichtbarkeit vor der Svunenscheibe nicht ganz ausgeschlossen, und dann wird der Komet voraussichtlich als ein sehr kleiner, dunkler Fleck, vielleicht umgeben von einem matten Hofe, sich präsentieren. Jedenfalls wird die Sonnenscheibe von den Astronomen der günstig gelegenen Sternwatten unter scharfer Kontrolle gehalten werden und auch für Nichtastronomen, die sich des Besitzes eines mittleren oder größeren Fernrohres erstellen, kann es sich möglicher Weise Verlohnen, die Sonne gleich nach ihrem Aufgange einige Stunden hindurch nach kleinen dunklen Fleckchen abzusuchen, die sich von den gewöhnlichen Sonnenftecken durch ihre schnelle Bewegung über die Sonnenfcheibe hin unterscheiden. Der Komet wird ungefähr die Mitte der Sonnenfcheibe passieren. Falls der Schweif genau von der Sonne abgewendet sst, wird zur gleichen Zett auch der Durchgang der Erde durch denselben ftatifinben- Nach einer noch unbestätigten Zeitungsmeldung soll die Länge des Schweifes am 12 Mai in Bamberg gleich 40* geschätzt worden fein. Dies entspricht einer wahren Länge von 40—45 Millionen Kilometern. Da der Komtt am 19. Mai nur 24 Millionen Kilometer beträgt, so wird fein Schweif noch um 20 Mill. Klm. übet die Erde hinausragen. Die Welligkeit des Kopfes deS Kometen, mit freiem Auge in der Morgendämmerung gesehen, war nach Beobachtungen auf der Bettiner Sternwatte am 14. Mai gleich der eines Fixsternes von der 2. Größenklasse. Aus der neuen, von
ab. AuS der Königlichen Porzellamnanusaktor ging dem Präsidenten eine mehr als einen Meter hohe Vase zu, die aus der Vorderseite dar Bildnis des Kaisers trägt, über dem sich der NamenSzua deS Kaisers befindet. — Am Pfingstsonntag ist Roose- vett mit Familie nach London abgereist.
♦* Der Hansabund hält eS für nützlich, etwas für den Mittelstand zu tun. Er hat eine »Abteilung zur Förderung der Jntereffen deS gewerblichen Mittelstandes" gebildet, deren Aufgabe die Kredit-Organisation für den Mittelstand, besonders die Beleihung offener Buchforderungen, sein soll. DaS ist ganz schön, allerdings haben an- oere das früher schon getan.
** Gegen die Reichswettzuwachssteuer ist eine Maffmemgabe der Magistrate und Gemeindeverwaltungen von Groß-Berlin in Vorbereitung. Es soll, rote die Merl. Reuest. Nachr/ mitteilen, namentlich gegen die Steuerskala und die Bestimmung protestiert werden, daß den Gemeinden nur 40 v. H. zufallen sollen. Femer soll eine Ergänzung des Gesetzes gefordert werden, die dm Gemeinden freien Spielraum zur Berücksichtigung der lokalen Verhältnisse gewährt. Die Steuerfreiheit des Fiskus würde einer Anzahl Berliner Vorortsgemeinden wichtige Einnahmequellen verschließen. Die Annahme des Regierungsentwurfes müßte eine Aende- rung der Finanzpolitik Groß-Berlins, in erster Linie eine Erhöhung der Einkommensteuer über 100 v. H., zur Folge haben.
— Die Zeugniszwangsfolter. Der frühere Redakteur des Neuroder Volksblattes, Edmund Noma ck in Zabrze, hat seinerzeit in einem Disziplinarverfahren gegen einen Amtsgerichtsrat in Clausthal seine Aussage verweigert, worauf das Zeugniszwangsverfahren gegen ihn eingeleitet wurde. No- wack wurde zuerst mit einer Geldstrafe belegt und dann in Zeugniszwangshaft genommen, in bet er sich heute noch (nahe an sechs Monate nach seiner Inhaftnahme) befindet. Das Neuroder Volksblatt erläßt infolgedessen einen Ausruf um Unterstützung des schwergeprüften Redakteurs, der infolge des Prozesses seine Stellung verlor und infolge Bezahlung hoher Gerichtskosten in einem Prozeß, der mit dem Disziplinarverfahren gegen den Clans- thaler Amtsgerichtsrat im Zusammenhang steht, in eine sehr bedrängte Lage gekommen ist. Nowack wird am 4. Juni (nachdem er sechs volle Monate in Zeugniszwangshast verbracht haben wird) aus der Hast entlassen. Der »Fall Nowack" ist ein neuer Beweis für die dringende Notwendigkeit der endlichen Beseitigung des Zeugniszwanges für Redakteure, dieses mittelalterlichen Ueberrestes der Folter.
* Das moderne deutsche Jnfanteriegepäck. Die Einführung der grauen gelbuniform wird — wie die ,Mil.-pol. Korrespondenz' hört — in absehbarer Zeit die Abschaffung des fellbezogenen Tornisters und seinen Ersatz durch durch ein anderes, mehr kriegsmäßiges Muster nach sich ziehen. Die angestellten Versuche und Proben kommen übereinstimmend, wenn auch in verschiedener Aussührung, auf das Ruck» sackmodell hinaus. Der Soldat soll auch in den Stand gesetzt werden, nicht wie bisher, zur Entnahme einer Kleinigkeit den ganzen Tour- nister mühesam ausschnallen zu müssen. Der frühere Widerstand gegen ein solches, angeblich unsoldatisch wirkendes „Felleisen" ist in der Armee jetzt grundsätzlich geschwunden.
* Säbels Abschied. Wie verlautet, besteht in Heereskreisen die Absicht, mit der bald bevorstehenden Abschaffung des Kavalleriesäbels und seinem Ersatz durch das am Sattel zu tragende, mit einer Vorrichtung zum Auspflanzen auf den neuen langen Karabiner versehene kurze Seitengewehr auch den Offiziersdegen durch eine handlichere Waffe zu ersetzen. Ein naheliegender Gedanke ist
Geheimrat Miethe eingerichteten photographischm Sternwarte der Technischen Hochschule zu Chattotten- burg sind in den letzten Tagen Aufnahmen des Halley- schen Kometen gelungen, welche sehr interessante Schweifbildungen zeigen, worüber mit der vom Geheimrat Miethe in liebenswürdigster Weise erteilten Genehmigung noch berichtet werden soll.
— Was der Halleqsche Komet schon alles verbro- chen hat. Der Hallehsche Komet, von dessen Harmlosigkeit wir uns schon übermorgen werden überzeugen können, hat nach der überhitzten Fantasie unserer Vorfahren eine ungeheure Verbrecherlaufbahn hinter sich. Richt nur heute, sondern auch zu allen anderen Zetten hat man das Erscheinen von großen Kometen für alle ungewöhnlichen Ereignisse verantwortlich gemacht, hat alle Unglückssälle, die sich ereigneten, alle Katastrophen, welche die Welt erschütterten, auf feine Rechnung geschrieben, und ihm noch viel mehr Verbrechen, die sich nicht ereigneten, „angedichtet". So wird jetzt in einem österreichischen Blatt eine „Kometeu-Chronik" veröffentlicht, in der die Schrecknisse des Halleyschen Kometen aus den Jahren 1385, 1460,1535 und 1610 verzeichnet stehen. So hat er im Jahre 1385 ungeheure Heuschreckenschwärme mit sich gebracht, die „alles gantz kahl frassen, weß in weiten Landen eine grotze Hungersnot entstund und ein dös Sterben um sich grifft. Noch schlimmer benahm sich der Komet im Jahre 1460. Da verursachte er sogar Unruhen und „Kttegsläufte in Hongrien, reo Türken und Tattern einbrachen". Das Jahr 1535 hatte sehr viel Aehnlich- feit mit dem Frühling des Jahres 1910. Es hat den Anschein, als ob er Komet in diesen beiden Jahren 1535 und 1910 dieselben Launen hätte. Der Witterungswirrwarr dieses Jahres, wo am Eismeer tropische Hitzen und in ttopischen Gegenden Winterftöste herrschen, und wo täglich große Gewitter herrschen, hat nach der „Kometen Chronik" einen Vorläufer im Jahre 1535 gehabt, denn „der Komet erhob gar erschröckkiche Stürme und Unwetter mit unaufhörlichen Plätzen. In Krossen in Schlesim führete der Sturm einen beladenen Wagen durch die Lust, und nahm in Sonderhett die Häuser der Juden arg her. In einem Hausflur wurde das alte Testament gedrucket, das führete er In alle
die Einführung deS Marinedolches, der von de» Offizieren unserer Flotte säst ausschließlich getragen. wird und sich großer Beliebtheit erfreut. Der Ernstfall dürste in absehbarer Zett die nicht berittenen Offiziere mtt Karabiner und Seitengewehr beroaffnet finden, eine Praxis, wie sie in Südwestafrika der Feldgebrauch bereits bei allen vor beit Feinde stehenden Abteilungen erfolgreich nutzbar gemacht hat.
* Verbot des Simplizissimus in der Armee? Wie die sozialdemokratische.Frankfurter Volks- stimme rotffeft will, hat der Kriegsminister v. Heeringen allen Offizieren das Abonnement und auch daS Lesen deS SimpliziffimuS verboten, weil dieses Organ wiederholt die Person des allerhöchsten Kriegsherrn karikatierte. Man muß sich eigentlich wundern, daß ein solches Verbot nicht schon viel früher erfolgt ist.
Ausland.
J Roosevelt mit Familie und Lord Dundonald, der im Auftrage des Königs dem ftüheren Präsidenten nach Queenborough cntgegengefahren ist, sind eingetroffen. Montag morgen wurde Roosevelt vom König empfangen. Er verblieb fast eine Stunde im MarboroughauS, besichtigte den Buckingham- Palast mit dem Botschafter Whitelaw Reid und ging durch das Zimmer, in welchem der Sarg mit der Leiche des Königs ausgestellt war.
# Der Gesetzentwurf zur Vergewaltigung Finnlands ist von der Duma-Kommission mit einigen Abschwächungen angenommen worden.
** Einen Verkehrsweg durch das nördliche Eismeer will Rußland für den Handel zwischen Westsibirien und Westeuropa schaffen. Ein entsprechender Gesetzentwmf ist bereits ausgearbeitet.
* Die persische Anleihefrage droht einen internationalen Charakter anzunehmen. Rußland und England haben Persien verständigt, daß es strategische Bahnen nur durch Engländer oder Russen bauen laffen dürse, daß eS ferner nur solche Anleihen ausnehmen dürfe, über welche England und Rußland die Kontrolle zustände. Der deutsche Botschafter Graf Wolff- Metternich in London hatte in dieser Frage mit dem englischen Minister des Auswärtigen Rücksprache, durch welche die zwischen der deutschen und englisch-russischen Auffassung bestehenden großen Differenzen nicht ausgeglichen werden konnten. Deutscherseits wird betont, daß es den Grundsätzen des internationalen Rechtes widerspreche, wenn zwei Mächte untereinander Vetträge schließen, durch die das Recht eines dritten Staates eingeengt wird. Die persische Frage droht sich schwieriger als die marokkanische zu gestalten. Die systematische Einengung der handelspolitischen Interessen der Dreibunb-Staaten durch die russisch- englische Entente-Politik kommt auch in der persischen Frage zum Vorschein.
\ lieber den Aufruhr in Changsa, der Hauptstadt von Hunan in Südchina, hat der apostolische Vikar von Südhunan, Franziskanerbischof Madaini, dem Franziskanergeneralal in Rom die ersten Mitteilungen gemacht. Wie der „Köln. Volksztg." aus Rom darüber telegraphiert wird, richtete sich die Revolution anfangs wegen der Reisteuerung gegen den Gouverneur, welcher verkleidet flüchtete, nachdem die Gouvernementsgebäude nach vergeblichem Widerstand in Asche gelegt waren. Alsdann richtete sich die Volkswut gegen die anderen Mandarinen und gegen die vornehmsten Einwohner. Die
Windttchttlngen aus." Damals scheint der Komet also antisemitisch veranlagt gewesen zu fein." Im Jahre 1610 fuhr „erschröcklicher Feuerregen nieder; auch regnete es Steine und dicken Staub; das war am 12- Februar." Aus allen diesen Mitteilungen kann man ersehen, daß der Komet wirklich ein schrecklicher Verbrecher ist. Diese Mitteilungen werden noch vermehtt durch alte Drucke, welche als Erinnerungswerk an daS Kometenjahr von der Treptower Sternwatte gefummelt und herausgegeben wurden. Nicht immer handelt es sich um die Verbrechen gerade des Halleyschen Kometen, da man allen großen Kometenerscheinungen zu allen Seiten ein gewisses Mißtrauen entgegengebracht hat. Ein „Eindruckblatt" bringt sogar eine poetische Auflage gegen den Kometen vorn Jahre 1661. In diesem Gedicht werden alle Verbrechen, welche der Komet begangen hat, oder die man ihm zuschreibt, hübsch zusammengefaßt: „Kometen waren zu allen Zeiten, Zornbotten Gottes und bedeuten, Wind Teuerung, Pest, Krieg und Waffersnoht, Erdbiebn, Schlachten, Fürstentodt. Das Ableben König Eduards wurde ja auch schon mit dem Kometen in Verbindung gebracht. Wir find also anscheinend heute in der Auffassung der Himmelserscheinung noch nicht sehr viel weiter, wie unsere Vorfahren vom Jahre 1661.
— Ein Mann, der nicht schläft. In Nikolsk-Usso- riisk in Rußland starb vor einigen Tagen ein Rechtsanwalt namens Petronowitsch, der seit sechs Jahren fast nicht geschlafen hat. Der Anwalt hatte vor ungefähr sechs Jahren das Unglück, bei einer Eisenbahnkatastrophe eine schwere Vettetzung zu erhalten. Er erlitt einen Schädelbruch und schwebte mehrere Wochen zwischen Tod und Leben. Aber vermöge feiner statten Konstitution erholte er sich wieder und sein Zustand wurde ganz erträglich. Schon nach einigen Monaten konnte er als völlig geheilt mis der Klinik entlassen werden. Im allgemeinen hatte er keinerlei Beschwerden. Rur ein seltener Begleitumstand erinnerte ihn ständig an die Katastrophe. Seit dem Tage, wo er den Schädelbruch ettitten hatte, floh ihn der Schlaf- Zuerst empfand er eS nicht als sehr störend, da sich auch-keinerlei Bedürfnis nach Schlaf bei ihm geltend madue. Aber allmählich litt er doch ungeheuer unter