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Samstag Sen H. Mat 19(0.

57. Jahrgang.

" fuldaer U Zeitung*

4. Blatt.

Druck und Verlag der Znldaer Acttrndruckeret in Lnlda.

Äue TVeff und wissen

Eine oder mehrere Ursprachen" (f

Der Durchgang durch den Kometenschweif wird

Nun ist ein Komet mit

Das ist, nur in einigen Zügen, die apologetische Methode Gutberlets. Daß sie Beifall findet und Er­folge erzielt, beweisen nicht nur die höchst lobenswerten Urteile der Männer der Wissenschaft aus allen Lagern, sondern auch die Neuauflagen, die Gutberlets Werke er­leben. Möge Sott den 74jährigen unermüdlichen hochverdienten Streiter für die Wahrheit noch lange erhalten in seiner Schaffensfreude und Schaffenskraft!

— Mit ihrer Bevölkerungszahl stehen jetzt di« Vereinigten Staaten, wie bislang schon ihrer Gebietsgröße nach an der Spitze aller Kulturländer. Das Zensusamt schätzt auf Grund seiner Erhebungen die Zahl der Bewohner der Vereinigten Staaten auf 91,424,423 Köpfe. New-Jork hat 4,5 Millionen Einwohner erlangt, Chicago 2282926 Einwohner, also mehr als Groß-Berlin und Paris. — Diese Zahlen sind natürlich noch kein Beweis dafür, daß die Vereinigten Staaten sich am kulturellem Wert europäischen Ländern mit einer ähnlichen Summe von Einwohnern auf eine gleiche Stufe stellen könnten. Dafür fehlt die geschichtliche Entwickelung, die diesem Völkerkonglommerat und seiner unge­heuren Arbeit erst einen festen Boden geben kann.

Man lese z. B. in dem Paragraphen „Die Ausstattung des ersten Menschen war eine übernatürliche" die na­turwissenschaftlichen Ausführungen über den Tod des Menschen?

wissenschaftlichen Forschungen auf ihre Berechtigung geprüft und beurteilt, ohne Engherzigkeit, aber auch ohne Preisgabe katholischer Grundsätze. Wir sind der

a Der 19. Mai 1910.

Nur noch wenige Tage trennen uns von dem Weltuntergang, wie allzu ängstliche Seelen fürchten- von dem Durchgang durch den Kometenschweif, der uns nichts schadet, wie die Wissenden behaupten; von dem 19. Mai, einem Tag wie alle anderen, an dem nicht einmal der Kometenschweif von uns berührt wird, W toentgften5 di e behaupten, die ganz genau Be­scheid wissen wollen

Dah. die Welt jetzt untergeht, wird ja wohl kein vernünftiger Mensch ernsthaft glauben, oder es müßte das alles, was an Zeichen und Wundern vorher kom­men soll, in größtem Eiltempo erledigt werden.

lets angeschafft und seiner Bibliothek einverleibt. — Auch ausländische Zeitschriften haben sich über Gut­berlets apologetische Schriften äußerst anerkennend ausgesprochen. Und vor kurzem kam die Kunde, daß eine Uebersetzung seiner „Apologetik" ins Flämische in Angriff genommen worden ist.

I raden Weges in die Reihen der Gegner eingebrochen, \ hat ihnen die Waffen abgenommen und sie mit diesen ihren eigenen Waffen geschlagen. Besonders der Dar­winistischen Entwicklungslehre, dem Evolutionismus und Monismus versetzt er tödliche Hiebe; es geschieht hauptsächlich in den beiden ersten Kapiteln „Die Erschaf­fung der Welt" und „Die Erschaffung des Menschen" (S. 1—289). In denselben beiden Kapiteln ist der größten Beachtung wert die klassische Behandlung der biblischen und naturwissenschaftlichen K o S m o g o n i e, des biblischen und naturwissenschaft­lichen Schöpfungsberichtes. Mit der Ruhe und Si­cherheit, die dem gereiften und alle Fragen klar über­schauenden Geiste eigen ist, werden hier die verschie­denen Theorien hinsichtlich des biblischen Schöpfungs­berichtes unter steter Rücksichtnahme aus die natur-

ben ihn umgebenden Dämpfen ein solcher Fremdkörper. Der in seiner elektrischen Ruhelage gestörte Aether ge­rät durch elektrischen Austausch mit den Kometendäm­pfen in Schwingung, und die Folge ist eine Lichtwir­kung, die wir als Kometenschweif sehen.

Es ist diese Hypothese zur Erklärung des Kometen­schweifes jedenfalls die einleuchtendste. Wollte man an­nehmen, daß der Schweif aus wirklichen Stoffen be­stände, so müßte der Kometenkops unbedingt eine an­ziehende Wirkung auf die — man denke — auf 3 Millionen Meilen sich erstreckende und, wie wir wissen, äußerst dünne Masse ausüben. Das erscheint ganz un­wahrscheinlich, da die eigentliche Masse des Kometen­kopfes herzlich belanglos ist. Selbst einen Zusammen­stoß des Kometenkernes mit der Erde würde die Erde nicht wegen der Masse des Kometen, sondern einzig wegen seiner Geschwindigkeit und seiner Zusammen­setzung aus giftigen Substanzen zu fürchten haben.

Schließlich auch gesetzt den Fall, die Schweifbil­dung wäre, wie von anderer Seite verfochten wird, nicht bloß das Ergebnis elektrischer Schwingungen, sondern sie habe wirklich Materie zur Unterlage, so müßte diese Materie von ungeheuerster Dünne fein. Denn es ist noch niemals beobachtet worden, daß der Kometenschweif den Lichtstrahl auch nur des kleinsten Sternleins aus feiner Bahn gelenkt hat. Wenn die Dichtigkeit des Schweifes eine nur einigermaßen beacht­bare fein sollte, so müßte der Kern, der doch während der Sonnennähe den Schweif ausströmt, von so unge­heuerer Größe fein, daß er ohne besonders große Ver­änderung Billionen von Kubikkilometern mit diesen Gasmassen anfüllen könnte. Zum Beweis kann der Lexell'sche Komet dienen, der sich f. Zt. der Erde der­artig näherte, daß er zum mindesten eine gewisse Ein­wirkung auf die Erdbahn hätte ausüben müssen, wenn er über eine nur einigermaßen beträchtliche Masse ver­fügt hätte. Es trat aber das Gegenteil ein, die Bahn des Kometen wurde von der Erde gestört- Es muß also schon die kleine Erde eine unvergleichlich viel grö­ßere Masse darstellen als der Komet; und es ist infolge­dessen entweder nur die Theorie einer unendlich dün­nen, für uns Erdenbewohner ganz belanglosen Schweif- matcrie oder wohl noch richtiger einer auf Lichtwirkun­gen zurückzuführenden, nur für uns subjektiv bestehen­den Schweifbildung anzunehmen.

Es wird also, selbst Den schlimmsten Fall einer ma­teriellen Schweifbildung vorausgesetzt, die Nacht vom 18- auf den 19. Mai durchaus gefahrlos verlaufen. Vielleicht gibt es zur Feier des Durchganges einen größeren Sternschnuppenfall, Nordlichterscheinungen, ober auch eine allgemeine Erhellung des Firmaments.

Aengstliche Gemüter können sich also trösten, zu­mal in allerletzter Zeit von namhaften Gelehrten über­haupt bezweifelt wird, daß wir den Schweif des Ko­meten passieren müssen, da ja noch nicht einmal die Länge desselben und seine entgültige Richtung fest­steht.

zu widerlegen. Er geht ihr in all ihre Schlupfwinkel - - - . -----------

nach und erörtert jedes einschlägige Problem mit überhaupt für die Erde keine auffallend wahrnehmbaren dankenswerter Gründlichkeit, sodaß sein Werk in der Folgen habem Tie gabeln von einer Blausäurever- $at zu einem wertvollen Beweis für die antimechaui-1 öistung und ähnlichem kann nur der auftischen, dec 'Usche Auffassung vom Menschen wird" (Theolog. Li- absolut keine Ahnung von dem Wesen eines Ko- teraturbericht 1904). — Und die Literarische Beilage metenschweifes hat.

gur protestantischen Zeitung „Der alte Glaube" Der Sern des Kometen besteht wahrscheinlich aus schreibt in Nr. 10 vom 1. Juli 1904: „Die bedeu- festen Stoffen, die unter Einwirkung der Sonne in tenbfte Leistung unter diesen Veröffentlichungen (Gut- Glut übergeben. Es entströmen dem Kern Dämpfe decket, Lemme, Schmidt, E. L. Fischer) ist ohne Zwei- in gasartiger Form, als Wasserstoff, Kohlenwasserstoffe, fei die Kritik der naturalistischen Anthropologie von Ratriumdämpfe und vielleicht noch sonstiges. Außer bern katholischen Sipologetiter Gutberlei. Sie zeichnet der Wärme entsendet die Sonne nun auch noch unge- üch durch ihre Beherrschung des Stoffes, ihre Be- heure Mengen elektrischer Energie, sie prägt dem mit den modernen Theorien, ihr gesundes, sie umgebenden Weltenraum einen elektrischen Zustand teilweise scharfsinniges Urteil höchst vorteilhaft vor auf, sodaß sich der Träger der elektrischen Erregbarkeit, mand)en anderen Erzeugnissen der christlichen Apolo- der Aether, in elektrischem Gleichgewicht befindet, öetu aus." — Zufällig ist uns bekannt geworden, wel- Taucht nun ein fremder Körper in diesen Aether ein, tpen Wert man auf einer Seite, die Gutberlei sonst der nicht dieselbe elektrische Spannung besitzt, so crge- Tetn steht, einem anderen seiner apologetischen Werke, bett sich selbstverständlich elektrische Entladungen, die em „Kosmos", beigelegt hat. Das Deutsche Mu- eine ähnliche Wirkung haben, wie es die Lichterschei- »5 ". Meisterwerke der Naturwissenschaften und nungen bei Experimenten mit den Geißlerschen oder *ect)nit tn München hat die genannte Schrift Gutber- Erookes'schen Röhren sind- " - - -

fen Kampf setzte er in den folgenden Jahren fort in den Schriften: „Der Mensch, fein Ursprung und seine Entwicklung (1896, zweite Auslage 1903), „Der Kampf um die Seele" (2 Bände 1899, zweite Auflage 1903), „Gott, der Einige und Dreifältige" (1908), „Der Kosmos" (1908). Fürwahr, eine staatliche Reihe von Büchern! Aber was noch wichtiger ist: In all diesen Werken bewährt sich Gutberlei als ein höchst scharfsinniger, schlagfertiger und geistreicher Anwalt des Christentums in seinen Fundamentalwahrheiten, als ein Gelehrter von geradezu einzigartiger Beherr­schung der modernen philosophischen und naturwissen­schaftlichen Literatur. Es würde zu weit führen, dies an der Hand der einzelnen Werke des großen Apolo­geten darzutun. Es genüge, das Urteil derGegner Gutberlets hierüber zu vernehmen. So schreibt im Sonntagsblatt der New-Dorker Staatszei- t u wg vom 15. Mai 1904 ein Rezensent, der völlig auf

antichristlichem Standpunkt steht, über Gutberlets „Der Ansicht, daß jeder Leser von diesen Partien des Buches Mensch" (2. Ausl.): „Das Werk ist eine mit dem mit großer Befriedigung und neugestärkt im Glauben ganzen Apparate der Philosophie und Raturwissen-1 an die hl. Schrift scheiden wird. Der Paragraph schäft ausgerüstete Streitschrift gegen die mechanisch- „Eine oder mehrere Ursprachen" (S. 248-283) wird monistische Weltanschauung und ihre religiös-sittlichen manchen Lesern eine Ueberraschung bringen: Der Konsequenzen- Auch wenn man sich nicht mit dem „Philosoph" und „Apologet" Gutberlei tritt uns hier Verfasser auf den Boden des positiven Christentums als ein tüchtiger Sprachenkenner entgegen Das W stellen vermag, wird man ihm das Zeugnis geben Werk ist, wie alle apologetischen Schriften Gutberlets muffen, daß er sich nicht nur einer lobenswerten Ob-1 für weitere Leserkreise geschrieben es will jeftioität bei der Darstellung der von ihm bekämpften die Apologie der christlichen Grundgewohnheiten wenn Lehren befleißigt, sondern vor allen Dingen auch den möglich, in die Reihen aller Gebildeten tragen Des- glänzenden Beweis hierfür erbracht hat, daß man halb ist es nicht wissenschaftlich trocken abgefaßt nicht notwendig Atheist zu sein braucht, um als Per- sondern mit einer gewissen Wärme, die wohltuend treter der exakten Wissenschaft gelten zu können." — wirkt. Ja. die Paragraphen „Die Regierung der lieber dasselbe Werk „Der Mensch" (2. Aust., be-1 Weit', „Die besondere Fürsorge Gottes für die Men- Eet m der „U mschau" Nr. 14 vom 12 April scheu", „Die Vorsehung und das Leiden" und „In 1904 (^ranfTurt a.JD1.) ein scharfer Gegner Gutber-1 cruce salus' enthalten geradezu ergreifende Ausfüh

^rroimft Dr. R c h: „Daß fein (Gutberlets) rungen Ueberall aber sind die Darlegungen anziehend Ech die 2. Auflage erlebt, was meines Wissens kei- und durch die Einbeziehung naturwissenschaftlicher ntm andern mit oerselben Tendenz vergönnt war, I philosophischer und linguistischer Erwägungen inter- oarf als ein gute? Zeichen betrachtet werden. Und effant, selbst da, wo man cs nicht vermuten möchte in der Tai ist cs auch von allen dem Referenten be-1"" " - • • ~ - --

kannten Werken dieser Art weitaus das Bedeutendste, mich viel bedeutender als Wigands großes Weck, das von allen Gegnern der Entwicklungslehre immer als dos höchste in seiner Art hingestellt wird — von

zs Kali.

Die Verabschiedung des Kaligesetzes im Reichstag bat die allgemeine Aufmerksamkeit auf einen Industrie­zweig gelenkt, der für unsere deutsche Volkswirtschaft von eminentester Bedeutung ist, auf den Kalibergbau

Dieser Zweig unseres gewerblichen Lebens ist noch verhältnismäßig jungen Datums, und der Be­deutung des Kalis ist man sich erst in den letzten Jahr­zehnten bewußt geworden.

Was ist Kali?

Kali ist der Name für Abraumsalze. Tief in der Erde hat man in ehemaligen, vom Meere ge­petzten Becken große Salzlager gefunden. Die ober« ften Schichten derselben enthielten aber kein reines aalj, sondern Mischsalze. Diese wurden früher weg- geräumt, um zum reinen salze kommen zu können. Daher: .Abraumsalze" Die Chemie hat aber er­kannt, daß diese Abraumsalze toeaen der Beimischung anderer Bestandteile wertvoller sind, als das Salz selbst. Diese Kalisalze bilden die Grundstoffe für Chemikalien, die unentbehrlich sind in der Me­dizin, Photographie. Malerei, Färberei, Wäscherei Bleicherei, Weberei, Seifensiederei, Elektrotechnik, vor allem bei der Herstellung von Schießpulver und Zündhölzern, Papier, Glas, Anilinfarben usw.

Am unentbehrlichsten aber hat sich das Kali ge­zeigt für die Landwirtschaft als Dünge­mittel, vor allem für die Rüben, Kartoffeln, Wein­berge, aber auch für alle anderen Futter- und Getreide­pflanzen in Verbindung mit anderen Düngemitteln. Der ungeheure Nutzen ist so sehr erkannt worden, und der Verbrauch so rasch gestiegen, daß in Deutschland tm sichre 1892 noch 500 000 Doppelzentner verbraucht wurden, 1906 schon 2 285 000 Doppelzentner.

Durch die jährlichen Ernteerträgnisse werden aber aus dem Erdboden ungefähr 10 Millionen Doppel­zentner Kali jährlich entzogen; der Boden wird also immer kaliärmer. Daraus kann man ermessen um wieviel mehr die Landwirtschaft in Deutschland produ­zieren würde, wenn der Kaliverbrauch noch entspre­chen gesteigert würde.

Und das ist möglich; denn Deutschland besitzt unermeßliche Kalischätze und hat sozusagen ein Mo­nopol; denn es ist weckwürdigerweife das ein - 3 i ge Land in der Welt, soweit man bisher gefunden hat, welches so groß- Kalilager hat und zwar am sogenannten Magdeburg-Halberstätter Becken, dann in Thüringen und bei Fulda; nun sollen auch in Baden, bei Freiburg, Kalilager entdeckt worden fein und cs ist nicht unmöglich, daß auch im großen fränkischen Becken, wo eben große Salzlager gefunden wurden, auch noch Kali gefunden wird

Daraus ergibt sich, daß es sich hier um einen nationalen Reichtum handelt, der mehr wert 'st als die Diamantenlager in Deutsch-Südwestasrika

*) Staatslexikon. Dritte, neubearbeitete Aus. läge. Unter Mitwirkung von Fachmännern herausge- geben tm Auftrag der Görres-Gesellschast zur Pflege der Wissenschaft tm katholischen Deutschland von Dr. Julius Bachem in Köln. In fünf Bänden. Dritter Band: Kaperei bis Paßwesen. Lex.-8° (VIS. u. 1628 Sp.) Freiburg 1910, Herdersche Verlagshandlung. Mk. 15.—: geb. in Halbfranz Mk. 18.—.

Fleischmanns, Dennerts usw. Büchern ganz zu schwei­gen." — Das Türmee-Jahrbuch 1904, das an dem kathol. Standpunkt Gutberlets ungemein viel aus­zufetzen Hai, zollt ihm trotzdem folgendes Lob: „Der reich gelehrte, belesene, scharfsinnige und urteilsfähige Verfasser bekämpft (in feiner Schrift „Der Mensch") mit den schärfsten Waffen die mechanische Entwick­lungslehre und darwinistische Desszendenzlehre bezüg­lich des Mikrokosmus, wie er in seiner früheren Schrift den mechanischen Monismus bezüglich des Makrokos­mos zurückwies. Nirgends können wir uns besser unterrichten, wieviel noch der modernen Weltanschau­ung, der Evolutionstheorie, daran fehlt, für wissen­schaftlich erwiesen zu gelten, nirgends wird die Man- gelhasti^eit ihrer Beweise schlagender nackigewiesen als hier. Es ist eine wahre Fundgrube aller Ein­wände gegen diese Theorie, den gläubigen Anhängern derselben zur Ernüchterung borgeboten.' — Den- n e r t, der gerühmte protestantische Apologet gegen Monismus und Darwinismus, urteilt über Gutberlets „Mensch": „Der bekannte geistreiche Verfasser untcr= nimmt es in diesem umfangreichen Werk, in Rarer und sachlicher Weife die monistische Lehre vom Menschen

4- Tas Siaatslexikon der Görres- gesellschaft*)

, Den ersten beiden Bänden des Staatslerikons ist '"gleichfalls verhältnismäßig kurzer Zeit der dritte ^anbt neuen (3. Auflage) gefolgt. Mit Genugtu- nng begrüßen wir die Ankündigung des Verlages, daß mit der Vollendung des ganzen Werkes im Jahre 1911 bestimmt gerechnet werden darf.

Der neue Band enthält die Artikel unter den Stich» Wörtern Kaperei bis Paßwesen. Eine große Zahl neuer Artikel hat Aufnahme gefunden, viele andere sind um« gearbeitet und verbessert worden. Es würde zu weit führen, eine Ueberstcht nur über die wichtigsten Artikel zu geben; wir begnügen uns mit der Hervorhebung nur einiger Artikel, die speziell an dieser Stelle beson­deres Interesse Hervorrufen. Unter dem Buchstaben „K" finden wir ein vollständiges Kompendium des Sir« chenrcchts und der Kirchenpolitik: die Ueberschriften der größeren Artikel Kirche, Kirche und Staat, Kir­chenamt, Landesherrliche Kirchengewalt, Kirchengut, Preußische Kirchenpolitik, Kirchenrecht, Kirchenstaat, Kirchensteuer, Kirchenstrafen, Kirchhöfe, Klerus, Kon­kordate, Konzil, Kulturkampf und Maigesetzgebung, Kurie lassen zur Genüge den überaus reichen Inhalt erkennen. Sämtliche Artikel sind von berufenen Ken­nern der Materie bearbeitet, einzelne nehmen nach Um­fang und Inhalt den Charakter einer vollständigen Mo­nographie an-

Besonders hervorheben möchten wir die beiden Ar­tikel über den Kulturkampf im Deutschen Reiche. Es ist dankbar zu begrüßen, daß diese beiden wichtigen Artikel, welche in Wahrheit die beste Darstellung jener großen Bewegung in knapperen Rahmen darstellen, in einem Sonderabdruck zur weiteren Verbreitung zur Verfügung gestellt worden sind. Wir verfehlen nicht, auch an dieser Stelle diese sehr zeitgemäße Broschüre angelegentlichst zu empfehlen. Der Preis derselben (60 Pfennig) ist so niedrig, daß die Anschaffung je­dermann möglich ist.

Der zweite für uns vornehmlich wichtige Buchstabe ist der Buchstabe „P", die politischen Fragen. Wir können nur die wichtigsten Artikel kurz nennen: Ko­lonien und Kolonialpolitik, Innere Kolonisation, Kon- stitutionalismus, Liberalismus, Marinewesen, öffent­liche Meinung, Militarismus, Nachlaß- und Erbschafts­steuer, Nation, Nationalitätsprinzip, Panslavisrnus, Parität, Parlamentarismus, Politische Parteien.

Eingehende Berücksichtigung finden weiter die juri­stischen und die wirtschaftlichen und sozialpolitischen Fragen. Besondere Hervorhebung verdienen die Län­derartikel .deren Bearbeitung im Staatslexikon gerade­zu mustergültig genannt werden darf. Von den bio­graphischen Darstellungen nennen wir die Artikel übet Kettelet, Lamenuais, Laffale, Leibnitz, Lieber, Liszt, Glocke, Maistre, Mallinckrodt, Manning, Marr, Mon- talembcrt, Möser, O'Konnell, Montesquieu.

Sehr erfreulich ist es, daß auch in diesem Band wieder eine Anzahl neuer Kräfte sich in die Dienste des großen Unternehmens gestellt haben. Wir nennen z. B. den Herausgeber der „Sozialen Revue", Dr. Rehbach für eines feiner Spezialgebiete, den Kinderschuh, den Münsterer Universitäts-Professor Naendrup, bekanntlich eine Autorität auf kolonialrechtlichem Gebiet, für den Artikel Kolonialrecht, den Grneralsekertär des Schwei­zer katholischen Volksoereins Hättenschwillet für den Artikel Mittelstand, ein Gebiet, das von ihm kürzlich in einer umfassenden Monographie behandelt wurde; fer­ner die gefeierte Schriftstellerin und Herausgeberin der „Christlichen Frau" Hedwig Dransfeld für den Artikel Mutterschutz, die zweite Dame unter den mehr als 130 Mitarbeitern, den hervorragenden Kirchenrechtslehrer Sägmüller für die Artikel Kirchenstrafen, Orden und Papst.

So bestätigt und rechtfertigt auch der dritte Band be§ Staatslexikons das Urteil, das wir über die beiden ersten Bände haben fällen müssen: Eine unerschöpf­liche Fundgrube des Wissens, ein Standard Work der katholischen deutschen Wissenschaft. Besonders der neue britte Band vereinigt in sich den Inhalt einer ganzen lirchenrechtlichen und politischen Handbibliothek. Für ben katholischen Politiker und Publizisten ist das eoiaatslexikon schlechthin unentbehrlich.

Als Einzelbeispiel für die vortreffliche, jk »rnnfnA^f <?Uf “nb Zeitgemäße Art und Weife, wie Gutberlei

wSltlbCtlCl alv llpOlOßCt. I ^te Apologie behandelt, fei feine neueste Schrift:

Welche Fragen waren bedeutsamer für den Men- Zott und die Schopfun g Begründung und scheugeist als die Fragen nach dem Woher? Wohin? Apologie der christlichen Weltanschauung, von Dr. Wozu? der ganzen Schöpfung und insbesondere des Konstantin Gutberlei, Domkapitular und Professor Menschen? Welche Fragen beschäftigen aber auch in (Regensburg 1910, Verlagsanstalt von G I. Manz, d« Tai lebhafter unsere heutige gebildete Welt, die I V**- 4<5 S., Preis 8 Mk), ein wenig naher zerglie- gtäubige wie die ungläubige, als diese? tert-

Der Unglaube arbeitet in fieberhafter Kraftanstren- ®ert gehandelt seinen Gegenstand in fün

gung, um dem Menschengeiste plausibel zu machen, Weln, d.e wie folgt uber chneben pnd: DieEr- ben .estlos gelost oh" e Zu ruckgeh e na u f<tn e,n ($rbfünbe, $on ben Engeln. Was die Schrift charak- ®ott, durch die Annahme ^"^ °us sich bestehenden bag $ die apologetische Be-

^bntie' 9-i^ und Äensw durch ben Wandlung ihres Gegenstandes im Gegensatz zu der

SbrfniT fln^nShoHeihiaer dogmatischen, die man aus katholischer Seite dem

iS.SSffÄ i bkSKSK ml. 8.W W -m-d-ch." r«f.

nach und tum bar, daß nur durch die Annahme e in e i fen;, ,3*. bec J

Gottes, der den leblosen Stoff, die Pflanzen, Tiere !2^nschaft m allen 'brm Elnzeldwzlplmen ber und Menschen geschaffen habe, eine Lösung der „Welt- Sprachenkunde usw^ werden dre Of enbarungs- rätfet" gegeben wird, und der forschende Menschengeist ^^'^nvonder ^rschaffungder Wett und des I Menschen, vom Urstand des Menschen, vom Sundeu-

®U , . ‘ f fall und der Erbsünde betrachtet, verteidigt und ge-

Unter den Apologeten, die sich m bet Verteidigung rechtfertigt Dadurch ist die Schrift zu einer aktuel- dreser grundlegenden Fragen hervorgetan, Die ben hen geitgemägen u- originellen geworden, K°mpf gegen die moderne monistische und evolutio- benn be mit bcn angeblichen Resultaten der ntzttzche Weltanschauung sich zur Aufgabe gemacht Ha- Naturwissenschaften usw. sucht die Unglau­ben, steht Gutberlei ganz gewiß an erster Stelle. I 6ige Wissenschaft den erwähnten Lehren des Christen- Roch ehe andere auf dem Plan erschienen, nahm er h(mä jcbe wissenschaftliche Berechtigung abzusprechen die Auseinandersetzung mit dem modernen Monismus beziehungsweise sie als im Widerspruch mit den unb Evolutionismus mit großer Sachkenntnis auf und mobernen Wissenschaften stehend zu verschreien Gut­führte sie siegreich durch Zeuge hierfür sind ferne I perlet, der von jeher mit scharfem Blick die Kampfcs- sEme „Apologetik I flellungcn Der modernen Wissenschaft gegenüber dem I^,d?nde 1888/94, dritte Auflage 1903), „Ethik und Christentum verfolgt und seine Abwehr unb Gegen- 9te(rgion (1892), „Die AMmsfreihelt (1893 2. Auf- wehr darnach einrichtet, ist auch in diesem Werke ge- lage!907), „Der mechanische Monismus" (1893). Die-' - — - - - - -

Allerlei.

* Der Halbmond ein Hufeisen. Wir begehen wahr- cheinlich einen Irrtum, der auf einer späteren Um« beutung beruht, wenn wir bas bekannte Wahrzeichen »er Tücken für eine Rachbilbung ber Sichel beS Neu- monbes halten. Das Panier ber Nomadenhorbe, die in der Mitte des 13. Jahrhunderts am Euphrat ficht- bar mürbe und die sich fünfzig Jahre später nach ihrem mitten Emir Osman, dem Sohne Ertogruls, Osmanen nannte, bestand in einer Stange, an der ein türkisches Hufeisen und ein Roßschweif befestigt waren. Diese Stange wurde von einem Reiter dem Zuge boraufge« tragen und im Lager vor dem Zelte des Emirs aufge- pftanzt; sie diente als Sammelplatz bei plötzlichem Alarm und für ben Ausbruch bei Zuges zum Weiter­marsch. Der Roßschweif gilt noch heute bei ben Tür­ken als Auszeichnung für einen Pascha: ursprünglich war er bas Ehrenzeichen des Häuptlings und Anfüh­rers der Truppe allein. Das Hufeisen aber — unb Mar in ber heute noch bei ben Tücken üblichen Form — versinnbildlichte auf die augenfälligste Weise das Wesen einer berittenen Nomadenhorde, deren Existenz von der Leistungsfähigkeit der Pferde abhängt. Diese beruht wiederum hauptsächlich auf ber Zuverlässigkeit des Hufbeschlages, dessen Form sich natürlich ganz nach der Bodenbeschaffenheit richten muß. Sobald eine Horde dre heimatliche Steppe verließ unb Gebirgsge- tanbe betrat, war sie gezwungen, einen Hufbesslstag emzufiihren, der nicht bloß die Kanten, sondern auch bie innere Fläche des Hufes vor Verletzungen sicherte, r »^^wendigkeit ließ das noch beute im Orient ge« braudflicbe Hufeisen entstehen, das von dem bei uns üblichen sich dadurch unterscheidet, daß die Innenfläche

größeren Teil durch eine mäßig stacke Platte aus- gefüUt ist, wodurch das Eisen eine durchaus abwei­chende Form erhält, die ihm eine entfernte Aehnlichkeit mit einem liegenden Halbmond verleiht. Diese Aehn-

lichkeit hat bann später zu jener Umbeutung Veranlas­sung gegeben.