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106.

Mittwoch, de, U. Mal 10(0.

37. Jahrgang.

* Watr W Leitung *

2. Blatt.

Druck und Verlag -er Fuldaer Actiendruckrret in Fulda.

X Die Verschiebung des Zuwachs- stenergesetzes

ist sehr zu bedauern. Aber es ist nichts mehr da­gegen zu machen. Die Unsicherheit wird ein halbes Jahr länger dauern. Man darf wohl annehmen, daß im Herbst unbedingt festgehallen wird an der vorgesehenen Rückwirkung des Gesetzes auf die seit Anfang April getätigten Rechtsgeschäfte, damit das Reich von der Verzögerung wenigstens keinen finanziellen Nachteil hat.

Wer trägt die Schuld an der Ver­zögerung? Tas ist schwer zu sagen, und eine solche rückschauende Kritik verspricht auch keinen rechten Nutzen. Wenn der Reichskanzler schließlich mit einer gewissen Flucht in die Oeffent- lichkeit für die sofortige Erledigung des Gesetzes eingetreten ist, so muß demgegenüber ein Doppeltes hervorgehoben werden: 1. Daß es den Abgeord- neteu durchaus nicht an gutem Willen und Fleiß gefehlt hat, und 2. daß auch die Regierungs­kreise ein gutes Stück der Verantwortlichkeit zu tragen haben, da das beigebrachte Material manche Mängel auswies.

Jedes Ding hat zwei Seiten, und so hat auch die Verschiebung dieser Gesetzgebung die gute Seite- daß, wie wir schon hervorhoben, der Vorwurf der Ueberhastung zum Verstummen gebracht wird und die Interessenten gemäß ihrem Wunsche noch aus­giebig zu Worte kommen können. Die Hoffnung richtet sich auf eine weitere Klärung der Frage.

In dieser Hinsicht ist es vom Vorteil, daß die Kommission die zweite Durchberatung des Entwurfs vollendet hat und ein vorläufiger Bericht der öffent­lichen Meinung vorgelegt werden soll. Es wird nun gewiß eine Menge Kritiken und Abänderungs­vorschläge von den verschiedensten Seiten auftauchen. Wir möchten aber die Kreise, die zur Mitwirkung an der weiteren gesetzgeberischen Arbeit im Spät­herbst berufen sind, crgebenst bitten, die Prüfung und Verarbeitung des im Sommer einlanfenden Materials nicht bis zur Wiederaufnahme der offi­ziellen Sitzungen zu verschieben, sondern die Zwischenzeit möglichst zu sichtenden und klärenden Vorarbeiten zu benutzen. Das gilt besonders den Herren vom R e i ch s s ch a tz a m t. Das halbe Jahr bietet reichlich Zeit, um die beklagten Lücken in dem Begründungsmaterial auszufüllen und die nötigen Aufstellungen zu machen, die sowohl die wichtigen Einzelsragen als auch die Gesamtwirkung des Gesetzes in klares Licht stellen.

Vielleicht darf man hoffen, daß die gründliche Durcharbeitung der Materie zur Vereinfachung des ganzen Ge-etzcs führt. Bis jetzt macht der Ent- wurf den Eindruck einer k a s u i st i s ch e n U m st ä n d - lichkeit. Wenn das Bürgerliche Gesetzbuch in derselben Weife auf alle Einzelheiten einginge, würde es ein halbes Dutzend Bände bilden.

An die Interessenten, die sich an der wei­teren Arbeit durch sachverständige Kritik und Vor­schläge beteiligen wollen, ist die Mahnung zu rich­ten, daß sie einen Sturmlauf gegen die fragliche Reichs st euer selbst aufgeben und sich auf Ver­besserungsanträge beschränken, die mit dem Grund­gedanken vereinbar sind. Die Reichsabgabe vom Wertzuwachs muß kommen und wird kommen;daran ist nichts zu ändern. Es bandelt sich nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie.

Ter Vorstand des deutschen Städtetages hat in einer Eingabe leider auch noch die Reichs­steuer auf den Wertzuwachs radikal bekämpft, aber er hat do h auch praktische Vorschläge zu wichtigen Punltrn der Gesetzgebung gemacht, die sorgfältige Erwägung verdienen. Namentlich die Anregung, den Anteil der Gemeinden auf wenigstens 50 Prozent zu erhöhen und die Zinsen in höherem Um­fange anzunehmen. Heber diese Punkte spricht sich auch Justizrat Kausen in Köln, der verdiente kommunalpolitische Führer der dortigen Zentrums- parlti, in der »Köln. Volksztg.* aus. Letzterer ist außerdem der Ansicht, daß das Reichsgesetz ebenso wue die Kölner städtische Zuwackssteuerordnung ver- zichtrn solle auf die Heranziehung des vor dem 1. Aprst d. I. emgetretenen Wertzuwachses, sodaß also nur die künftige Wertsteigerung steuerpflich- » glauben nicht, daß diese sehr be­deutende Abschwächung des Gesetzes Aussicht auf Annahme hat. Wahrscheinlich wird das Reich vor dem Rückgnff auf frühere, erst jetzt zur Liquidation gelangende Gewinne der Grundbesitzer nicht ver­zichte», da auch zahlreiche kommunale Zuwachssteuer- Orbnungen diesen Rückgriff ohne ernste Anstöße durchgelührt haben. Aber mit vollem Recht und auch mit Aussicht auf Erfolg können die Vertreter der kommunalen Jntereffen und Erfahrungen darauf hinardeiten, daß 1. den Gerneinden der gebüh­rende Anteil an dem Wertzuwachs in ihrem Gebiet gesichert wird, und daß auch die Anrechnung der Aufwendungen in einem solchen Umfange er­folgt, daß wirklich nur der unverdiente Wert­zuwachs (und der gründlich!) besteuert wird.

In Sachen der Beteiligung der Gemeinden möchten wir nochmals den Vorschlag zur Erörterung

stellen, ob nicht das Reich sich auf einen Tarif beschränken kann, der ihm die verlangten 50 Pro- zent bringt, und dann den Gemeinden frei­stellen soll, durch Zuschläge gemäß ihren ört- lichen Verhältniffen sich das zu verschaffen, was ihnen zukommt und zuträglich ist. Die leidige Pause ist nun einmal angetreten. Machen wir aus der Not eine Tugend und nutzen sie zur Klärung und zur Verbefferung des Werkes nach Kräften auS!

Deutsches Reich.

)( Für die Mannesmann-Interessen in Marokko, die bekanntlich auch vom Zentrum in der Budgetkom­mission des Reichstages nachdrücklich vertreten worden sind, nimmt jetzt der Verband deutscher Eisen- und Stahlindustrien er energisch Stellung. Er hat unter dem Gesichtspunkte der nationalen und wirtschaft­lichen Interessen Deutschlands sich in einer ausführli­chen Denkschrift dahin ausgesprochen, daß er diese so überaus wichtigen Jntereffen mit aller Energie ge­wahrt wiffen wolle. Die Minenangelegenheit hat inso­fern nunmehr aktuelles Interesse, als am 10. Mai die internationalen Verhandlungen über das neue marokkanische Berggesetz in Paris beginnen. Die deutsche Industrie erwartet, daß mit Rücksicht auf die eminent wirtschaftliche Bedeu­tung der deutschen Minenintereffen in Marokko vor allem an dem Grundsatz der Priorität der Mutung, der auch dem Geist der Algeeiras-Afte allein entspricht, mit allem Nachdruck festgehalten wird. — Das deutsche Volk kann sich dem nur anschließen. Formell wa­ren die Gebrüder Mannesmann wohl n i ch t im Recht, aber sie als erste Finder von Erzen in Marokko haben ein Anrecht darauf, vom Deutschen Reiche geschützt zu werden. Denn was sie erreichen, kommt der deutschen Industrie zugute.

* Die Freifahrkarten für Landtaqsabgeordnetr wer­den jetzt ausgestellt. Sie gelten für die Zeit vom Tage der Eröffnung des Landtages bis zum Tage des Schlus­ses oder der Auflösung — mit Ausnahme des Zeit­raumes einer Vertagung nach Artikel 52 der Verfas­sung — für die Fahrt von dem Wohnsitze des Inha­bers nach Berlin und zurück auf den Staatsbahnen. Sind Plätze erster Klasse nicht in ausreichender An­zahl im Zuge vorhanden, so werden Plätze zweiter Klasse zur Verfügung gestellt.

]:f Dresden, 10. Mai 1910. Das neue sächsische Berggesetz scheint gesichert zu sein. Die zweite Kammer hat soeben die Fassung der ersten Kammer gut geheißen. Die Neuregelung betnfft besonders die Einführung von Sicherheits­männern im Bergbau.

Ausland.

* Kaiser Franz Joseph wird im Laufe des Som­mers eine Reise nach Bosnien und der Herze­gowina machen. Der Kaiser hatte schon vor län­gerer Zeit den Wunsch geäußert, die neuen Reichs­länder zu besuchen, doch äußerten die Aerzte große Bedenken im Hinblick auf das hohe Alter des Mo­narchen Die Regierung ließ die Reise sogar amtlich dementieren. Nun scheint der Kaiser seinen Willen durchgesetzt zu haben- Wie aus Serajewo gemeldet wird, hat dort die Nachricht von der Kaiserreise große Begeisterung hervorgerufen.

volkswirtschaftlicher und Soziales.

) ( Zur wirtschaftlichen Lage spricht sich der soeben erschienene Jahresbericht des Rheimsch-Wcstfäischen Kohlensyndikats ans: „Die Entwicklung des Wirtschaftslebens in den ersten 4 Monaten des laufen­den Jahres hat den am Schluß des Jahres 1909 ge­hegten Erwackungen nicht ganz entsprochen. Im Koh­lenverbrauch, besonders für Hausbrandzwecke, haben sich derartige Ausfälle ergeben, daß trotz der Einlegung von Feierschichten große Mengen auf Sager genommen werden mußten. Auch der Abruf für industrielle Zwecke hat sich langsamer gehoben, als erwartet wer­den durste Immerhin ist eine Besserung festzustellen, die, wie wir hoffen, andanern wird." — Beim Stahlwerksverband stellte sich der Ver­sand für Produkte A (Halbzeug, Formeisen, Eisen­bahnmaterial) auf 416 000 Tonnen gegen 364 669 Tonnen im gleichen Monat des Vorjahres.

Aus Rirche und Zchule.

(*) Die Ludgerns-Feier in Werden. Mitten im rheiniscb-westfälischen Industriegebiet spielt sich für einige Wochen ein eindrucksvolles Wallfahrtsleben ab- Es handelt sich um ein kirchlich-historisches Fest, um die Verehrung eines Mannes, der unter Karl dem Gro­ßen als Apostel im Siegeszug des Christentums mit voranschritt. Der aus dem heutigen Holland stammende erste Bischof von Münster, der heilige L u d g e r u s, der Karl dem Großem geholfen hat, die Friesen und Sachsen für das Christentum zu gewinnen, und der als Kind noch den Apostel der Deutschen, den heiligen B o- n i f a t i u s gesehen hat, hatte an der Ruhr die A b-

tei Werden gegründet. Nach seinem Tode zu Bil- lerbeck im Jahre 809 wurden seine irdischen Ueberreste auf seinen Wunsch und mit Zustimmung Karls des Großen in der Abtriftrche in Werden beigrsetzt. Im vorigen Jahre hatte die Diözese Münster das Gedächt­nis des 1100. Todestages des ersten Bischofs von Münster mit großen Feierlichkeiten in Münsier und im Dom zu Billerbeck begangen. Eine Feier in Werden, dem landschaftlich herrlich gelegenen Städtchen an der Ruhr bei Essen, hatte unterbleiben müssen, weil in der Abteikirche gründliche Wiederherstellungsarbeiten vor­genommen wurden. Nunmehr hat am letzten Sams­tag die Feier des 1100. Todestages des heiligen Lud- gerus für Werden begonnen. In der Krypta der Kirche wurde der Schrein, in dem der Sarg mit de» Gebei­nen Lv.dgeruS ruht, und der Sarg selbst in Gegenwart des Kardinals Fischer geöffnet. Die Gebeine und die Uckunden fanden sich unversehrt vor. Der Sarg wird bis zum 22. Mai zur Verehrung ausgestellt Am er­sten Tage wurde die Feier mit einer prunkvollen Pro­zession eingeleitet. In fast breiftünbigem Zuge wurde der Schrein mit dem Sarge durch die vielfach engen, winkeligen Straßen des alten Städtchens unter Be­gleitung vieler Tausende getragen. Vor dem Sarge schritten Kardinal Fischer, der Erzbischof von Utrecht, her Bischof von Paderborn und eine Reihe Aebte. Zur Seite des Schreines gaben das Ehrengeleit Mit­glieder des Malteserordens in Galatracht, mit gezoge­nem Degen Tagtäglich werden jetzt in Werden Pro­zessionen aus allen Himmelsrichtungen einziehen.

Aus dem Nachbarg-biele.

* Herbstein, 10 Mai 1910. Anstelle des bei dem Großfeuer 1907 abgebrannten Stadthaus es er­steht gegenwärtig ein stattlicher Neubau. In seinem schmucken Baustil macht das Gebäude einen vorteil­haften Eindruck- Es ist im Rohbau vollendet und soll im östlichen Flügel das Rathmis mit zwei Lehrerwoh­nungen, im westlichen Flügel wird das Stadtwirts- haus mit Metzgerei untergebracht. Der Bau wird eine weitere Zierde unterer neuentstandenen Oberstadt.

* Erfurt, 7. Mai 1910. Nachdem die Revision gegen das Todesurteil gegen den Glasbläser Lutz aus Friedersdorf zurückgezogen ist, ist heute das Todes­urteil rechtskräftig geworden. Das Geweih des Hirsches, den Lutz vor der Mordtat im Gehrener Forst erlegt hatte, ist auf Anordnung des Fürsten von Schwarzburg dem Polizeisergeanten Fey aus Erfurt als Geschenk überwiesen worden. Der Polizeihund Feys hat bei der Ermittelung des Mörders ausgezeich­nete Dienste geleistet.

* Bad Nauheim, 10. Mai 1910. Der Bezirks­tag der Fleischerinnungen für Hessen und Hessen-Nassau wird am 22 und 23. Mai dahier abge­halten werden.

* Meiningen, 10. Mai 1910. Die Klage der Frau Amtsgerichtsrat B u r ch a r d i auf Aufhebung bet Entmündigung ist bekanntlich vom Gericht ab- geroiefen worden. Frau Burchardi war bei der Ur- tellsverkündigung mit anwesend und ließ sich zu fol­gender Aeußerung hinreißen: „Ich danke Ihnen meine Herren, für die Mühe, die Sie durch mich ge­habt haben. Wenn ich aber die lirteilsgründe zusam­menfasse und würdige, komme ich dazu. Ihnen zuzu- rufeit: Unsinn, du siegst!* — Der Gemeinderat hat dem Verein für S ch i f f b a r m a ch n n g d e r We rr a zu den bereits früher bewilligten 700 Mk. weitere 200 Mack als Beitrag für die Vorarbeiten zu den Tal­sperren übertoiefen.

* Aschaffenburg, 9. Mai 1910. Die Brauereien Aschaffenburgs und der Umgegend haben beschlossen, den B i e r p r e i s für das Hektoliter um 2 Mk. zu er­höhen

vermischtes.

* Tas „staatsgefährliche* Rotweiß. Der Ritter­gutsbesitzer v. Mulewitsch aus der Provinz Posen sollte sich gegen die Regierungs-Polizeiverordnung vom 17. April 1891 vergangen haben, wonach, ohne Genehmigung Fahnen in anderen als den preußi­schen Landesfarben oder den deutsche^ Reichsfarben öffentlich nicht ausgehängt, ausgestellt oder getragen werden dürfen. Herr v. M. feierte im August 1909 eines Sonntags seine silberne Hochzeit. Bei der Gelegenheit war ohne sein Wissen eine Fahne in Weiß-Rot an seinem Hause ausgehängt worden. Obwohl der Angeklagte nachwies, daß er selber die Fahne nicht hatte aushängen lassen, verurteilte ihn die Strafkammer in Posen zu einer Geldstrafe. Er habe, sagte sie, schon am Sonntag, den 28. August von dem Aushängen der Fahne Kenntnis erhalten, sie aber erst Montag entfernen lassen. Das Kammergericht verwarf die gegen dieses Urteil vom Angeklagten eingelegte Revision. — Das Vaterland ist nun wieder gerettet!

* Wegen Gotteslästerung und Mißhandlung stand dieser Tage in Posen vor dem Militärgericht des fünften Armeekorps der Unteroffizier Slawik vom 37. Regiment in Krotoschin. Die Verhandlungen förder­ten eine ganze Reihe Mißhandlungen zutage, von de­nen folgende angeführt feien; Bei bet Instruktion der Rekruten vermochte der Musketier Jüngling ben Na­

men bes lommanbierenben Generals nicht anzugeben. S. ließ ihn bei feuerglütjenbem Ofen zehn Minuten lang ben Schemel strecken unb babei ben Namen des Generals in ben offenen Ofen hineinschreien mit der weiteren Zugabe: Mieses werbe ich nie vergessen * Für dieselbe Unkenntnis befahl er dem Musketier Holm unter das Bett zu kriechen unb zu singen: „Aus tie­fer Not ruf ich zu bir o Herr!" während Jüngling das Kleiderspind erklettern mußte, um von dort das Lieb: „Vom hoben Himmel bin ich für dich hinabgestiegen' erschallen zu lassen- Jüngling fang fein Sieb, wäh­rend Holm es nicht konnte. Hierfür mußte letzterer Gewehrübungen vor dem glühenden Ofen ausüben unb zwar so lange, bis er in Schweiß geriet unb zuletzt vor lleberanftrengung am ganzenLeibe zitterte. Zuletzt sengte seine Schürze, wobei bet unmenschliche Unter­offizier ihm zurief: „Du bleibst so lange stehen, bis bu verkohlst." Rekrut Dieirichkeit mußte bas von Holm nichtgesungene Sieb unter dem Bette fingen. Musketier Dubrow kannte ben Namen des Divisions­generals nicht: er mußte deshalb dieselben Uebungen wie Jüngling bis zum Erschöpfen ausfiihten unb dabei in ben offenen glühenben Ofen hineinschteien: „Hei­liger Petrus hilf, benn cs gibt keine Rettung mehr! Das Gericht erkannte auf De g r a b a t i o n unb b r e i Monate Gefängnis. Der Vorsitzende bedauerte es, daß die Strafe noch so gelind ausgefallen sei! Mit Recht.

* Die Stadt Frauenburg, die Residenz der enn- ländischen Bischöfe, begeht am 8. Juli unter größeren Festlichkeiten das Jubiläum ihres 600jährigen Be­stehens.

* Im bayerischen Bierkrieg hat jetzt auch die Regie­rung Stellung genommen. Das Finanzministerium hat einen geheimen Erlaß herausgegeben, in dem die Beamten aufgefordert werden, sich im Falle eines Bier­krieges an einer Agitation gegen die Bierpreiserhöhung nicht zu betelligen. Dieser geheime Erlaß zugunsten der Bierbrauer erregt großes Aufsehen und wird sicher im Landtag ein Nachspiel haben.

* Bei dem Wettfliegen auf der Udelna-Nennbahn bei Petersburg rannte der deutsche Aviatiker Wiencziers, der kürzlich bas Straßburger Münster um­flogen hatte, mit seinem Einflächer auf ben Zweiflächer des Schweizer Aviatikers Edmond auf, wodurch beide Flugapparate stark beschädigt wurden. — Beim Wett­fliegen in Lyon erreichte Panlhan eine Höhe von 1250 Meter und machte aus dieser Höhe einen ra­schen Abstieg, der großen Eindruck hervorrief.

* Die Zahl der bei der Explosion io Hüll (Ottawa) Getöteten wird jetzt auf neun, der Verletzten auf vierzig angegeben. Die Explosion ist durch die Entzündung eines erst kürzlich fabrizierten Spreng­stoffes entstanden. Der Sprengstoff lagerte in einem Magazin, dessen Mauern aus Stein und drei Fuß dick waren. Die Trümmer der Mauern wurden eine Viertelmeile weit fortgeschleudert und durch­schlugen eine Anzahl von Häusern. Die Stadtver­waltung hatte erst jüngst einen Prozeß verloren, den sie gegen die Gesellschaft angestrengt hatte, nm die Verlegung des Magazins aus der Stadt zu er­zwingen.

— Unbedacht. (Im Restaurant): „Fritz! Wel­cher Schafskops hat denn meinen Hut genommen und mir seinen hier gelassen?" — Fritz (Kellner): „Viel­leicht einer der Herren, der eben solchen Kopf hat wie Sie?"

— Boshaft. Autor: „In meinen Lustspielen kommt absolut fein fremder Witz vor." Kritiker: „Und selber machen Sie wohl feine?"

Literarisches.

Durch das Wohra-, Ohm- und Schwalmtal und den Knüll. Führer von I. Schneider. Mit 24 Abbildungen und einer Karte. 3. umgear­beitete und vermehrte Auflage. Marburg, Elwerl'fche Verlagsbuchhandlung 1910. Preis: steif fartoniert 2,— Mk.

Dies Wanderbuch führt durch die reichsten Ge­genden der alten Landgrafschaft Hefsen-Kassel, wo sich auch am meisten hessische Sitte und Tracht er­halten haben. Es ist eine Teilauflage des alten „Führer durch Oberhessen und die angrenzenden Gebiete", jedoch in stark vergrößertem Umfang. Neu ist vor allem die Aufnahme der Bahnfahrten auf den einzelnen größeren Wanderstrecken. Der Reisende wird dadurch auf alles Beachtenswerte aufmerksam gemacht, was sich bei der Fahrt dem Auge ausdrängt. Es sind hier auch wieder die trefflichen Illustrationen, die genaue Tourenführung und manche weniger ideale Angaben, die jedoch mit in erster Linie zur Befriedigung des „innern Menschen" beitragen, hervorzuheben.

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