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35 M.

§a«rta- kn 7. Mai (910.

37. Jahrgang.

A fitldaer W Zeitung *

4. Blatt.

frwi und Verlag der Znldaer ActiendruSrrel in

Drei Jahre im „Laude der auf­gehende« Sonne".

(Nach Mitteilungen deS hochw. P WenzeSlanS Siitolb 0. F. M.)

Im Spätherbst des JahrrS 1906 trat von Fulda aus der hochw. FranziÄkanerpater Wenzeslaus K i n o l d die weite Reiss nach Japan an. Rach dem Willen seiner Obern sollt: er eine neue Mission, die der Franziskanerorden auf Sitten des Hochw Bischof» Berlivz von Hakodate (Japan) übernommen hatte, ins Leben rufen. Das Jntereffe, Gebet und Almosen der Bewohner Fuldas und Umgebung (auch manche» Witwrnopfer der Armen) halfen bet der opferreichen Gründung dieser Mission. So dürste den Lesern der „Fuld. Ztg.' gewiß jede diesbezüglich- Nachricht von dort willkommen sein.

Noch im Jahre der Ankunft des hochw- MiffionS- obern (1907) erstand da? erste FranziSkaner- klösterchen im »Lande der aufgehenden Sonne', wie der Japaner mit Stolz sein Vaterland nennt, nämlich in Sapporo, der Hauptstadt der nördlichen Insel Hokkaido. Es sollte das Missions^ntrum für die ganze Insel werden. Nach japanischer Art wurde es ganz auS Holz gebaut, besonders wegen der häufigen Eriffiöße, denen ein steinernes Haus schwieriger Stand hältt freilich hat diese Bauart auch manche Unmmehm- lichtesten im Gefolge und legt dem Missionar für den falten Winter Nordjapans nicht geringe Opfer auf. Mit P. Wenzeslaus war noch ein französischer Pater gekommen, Mauritius Bettin, ein ehemaliger Marine­offizier; ein halbes Jahr später folgten zwei andere Misftonäre In der ersten Zeit spielte ihre Wirksam­keit auf dem Gebiete der freien Schule, einer sogenann­ten S v r a chs nf ch ul e, deren die „Fuld. Ztg.' schon einmal Erwähnung tat. Man führte sich onf diese Weise recht günstig ein, besonders in den Kreisen der Gebildeten und erlernte dabei selbst die sehr schwierige japanische Spwche Die Zahl der Schüler betrug durchschnittlich 30—40. Durch sie wurden die Patres In der Stadt bekannt und errangen sich die Achtung der Heiden. Die wenigen Christen hingen ihnen mit aufrichtiger Liebe an und waren ganz glücklich, Or- denSleute in ihrer Mitte zu haben. Nachdem die PatreS die Drache erlernt hatten, konnte Me eigent­liche Seelsorge und MisfionStätigkeit beginnen, die in­folge de» do» Europa dorthin verpflanzten Geistes des Unglaubens und der falschen Aufklärung große Schwie- rigteiten zu überwinden hat. Trotzdem haben sich ihnen schon einige Katechumenen angeschlossm, und e» besieht flute Hoffnung, daß sich um das schlichte Klö­ster chen bald eine eifrige ChrPengnneinde bilden werde, zumal die Heiden rnchr und mehr die Kapelle besuchen.

Nachdem hu Jahre 1909 fünf weitere Missionäre (bnomter Br- Valentin Sauer vom Sl. Frauenberg und drei andere Dentfche) hinzugekommen waren, konnte man an Reugründungen denken Schon kurz vor ihrer Ankunft war in Hakodate-Kameda eine Station eröffnet worden, kurz nachher wurde in M u r o r a n, einer frisch aufblühenden Hafenstadt am Stilen Ozean, die dritte Gründung begonnen. Hier­über berichtet der Mssionsobere in den »Katholischen Missionen':

,3n K ameda ssl eine Beine Olemeinde im Ent­steh«!, und durch Konferenzen retb Hausbe­suche wird versucht, die Zahl der Christ«! zu ver­größern. Demnächst sollen auch UnterrichtS- k u rf e für fremde Sprachen, wie in Sapporo, eröffnet werden

„Mele Sorgen ivird noch die Station M u r o r a n machen. Einstweilen ist sie in einem ganz Keinen Häuschen nntergebracht, das ehedem als Kuhstall diente, jetzt aber zerfallen ist »mb unbedingt einet ande­ren Wohnung Platz machen müßte. So gerne die $atre6 auch bereit sind, in diesem Hause, dar nur zu deuttÄh an Bethlehem erinnert, sich zu behelfen, fe geht es doch nicht weiter, einmal weil es wirklich zu schlecht ist. und dann auch, weil es in dieser großen und aufblühenden Stadt wenig Anziehungskraft auS-1 übt.

„Set nicht vielen Jahren war Murvran an arm- seliges Fischerdorf Aber die prachtvolle Lage und der natürliche gute Hafen zogen bald die Aufinecklanckett der Meaierung auf sich. Sett Jahren wird nun an dem Aufbau der Stadt gearbeitet. Der schöne Hafen mit der Kohlenstation und da? riesige Stahlwerk, das die Regierung im Verein mit dem englischen Hause Armstrong mfffühtt, sichern ihr eine bedeutende Zu­kunft. Um mehr Platz zu schassen, wird ein großer Berg abgelprengt und in das Meer gefahren. So ost ich nach Muroran komme, wird mir immer traurig zu Mute, wenn ich diese Arbeiten sehe und an die Unsummen deicke, welche sie kosten, und dann damtt den armseligen Zustand der Mffion vergleiche. Dort spielen Millionen keine Rolle, und hier würdm einige Tausend genügen, um die Mission instand zu sehen und einen Katechisten anMstellen. Wird jemand hälfen?

»Im BtiffionSbezirk Muroran wohnen auch die meisten Aino». Auch diesen armen, verlassenen und verstoßenen Menschen möchten wir helfen. Schon fett tiefen Jahren hatte sich der hochwst. Bischof Berlioz mit dem Gedanken getragen, eine Mission in deren Mitte zu beginnen. Er selbst hat wiederholt wochen­lang unter denselben gelebt und sich deren Sprache an- geeignet »Ein Erfolg ist sichet unter diesen Annen', fegte er »st. Aber leider konnte er seine Pläne wegen verschiedener Umstände niemals ins Werk setzen. Einige wenige ausgenommen, welche in der Nähe der Stadt Muroran wohnen, find die meisten noch geltet Und doch wie empfänglich find triefe Leute, noch echte Naturkinderl Und gerade der Ausländer, der thnen zeigt, daß n rin .Her; für sie hat, gewimtt sofort lhr Vertrauen Don den Japanern werden sie verachtet und selbst g-uneben; darum meiden sie ihrer- seitS auch wieder die Japaner. Für die Fremden find sie zugänglich, und das ist auch der ®runb, warum oie Protestantische Mission deS Engländers Bachalor Erfolg hatte. Aber noch ist feine Mffion nicht bis in das Zentrum der AinoS gedrungen, fonbem hat weljr die leicht zugänglichen Plätze aufgesucht, wo in- viffen nur wenige wohnen. Wir unsererseits möchten iv.tten unter ihnen, in ihrer Hauptstadt, wie sie daS armselige Dorf nennen, eine Mission beginnen.

△ Die Armeereform vor 50 Jahre».

In diesem Jahre feiert ein großer Teil unserer preußischen Infanterie- und Kavallerieregimenter sein 50jährige» Jubiläum, wie letzte Woche die beiden Gar- de-Grenadierreflimenter.

Me diese Regimenter verdanken ihren Ursprung der großen Armee-Reorganisation, welche der damalige Prinzregent von Preußen, der nachmalige Kaiser Ml- helm I„ mit Unterstützung seines Kriegsministers von Roon durchsetzte, im Gegensatz zu der VolEvettretung Die heftigst«: parlamentarischen Kämpfe setzten damals das ganze Land in die größte Aufregung.

Die alte preußische HeereSverfaffung beruhte auf dem Gesetz vom 3. September 1814. Die allge­meine Wehrpflicht wurde dadurch zwar festge­legt, jedoch im Hinblick auf die Staatsfinanzen nicht vollkommen durchgeführt. Die geringe Stärke der Armee sollte im Ernstfälle durch Ausstellung zahlreicher Landwehrregimenter ausgeglichen werden. Jedes Linienregiment wurde einfach durch ein Land­wehrregiment zu einer Brigade aus gebaut. Die mili­tärischen Nachteile dieser Einrichtung liegen auf der

Hand. Jedoch auch in wirtschaftlicher Hinsicht läßt sich diese Orgcmisatton nicht billigen. So wurden z. B- im Jahre 1852 von 66 000 brauchbaren jungen Leuten nur 38 000 eingestellt, die also gegenüber den übrigen alle Lasten und Hätten des Heeresdienstes zu tragen Botten.

Die Unhaltbarkeit der preußischen HeereSverfaffung trat vor allem Bei den häufigen Mobilmachungen zwi­schen 1830—59 zutage, die ja bekanntlich zum Teil auch unserem heffischen Kurfürstentum galten. Prinz­regent Wilhelm, der geborene Soldat, faßte daher im Jahre 1859, bei der erneuten Mobilmachung ben Ent­schluß die Rückführung der mobilen Armee auf den Friede'nsstand gleichzeitig zur gründlichen Heeresre- fonn auszunutzen. An Stelle des KttegSministerS von Bonin, der zum kommandierenden General drS VIII. Armeekorps ernannt wurde, trat Roon, der die Durch- führung der vom Prinzen erstrebten Reformen durchzu­setzen versvrach „ , t ,

Bei der Neuordnung schied zunächst die Landwehr 1. Aufgebots, die bisher zur eigentlichen Feldarmee gehött hatte, ganz auS dieser aus und blieb für KriegS- zwecke erst in zweiter Linie bestimmt. Dafür wurden die Jnfanterieregimmter der Linie fast verdoppeü, und die übrigen Waffengattungen stark vermehrt. Der Mehraufwand für daS Heer betrug ungefähr 9 Millio­nen Taler, eine Bagatelle im Vergleich zu ben enor­men Ausgaben für unsere heutige Militärmacht.

Bei der Beratung der Militärvorlage im Abgeord­netenhaus wurden zwar die Vorteile der wirklichen Durchführung dec allgemeinen Wehrpflicht und der Entlastung der älteren Landwehtteute allgemein aner­kannt. Jedoch glaubte man mit Einführung der zweijährigen Dienstzeit zu demselben Er­gebnis gelangen zu können. Die Regierung hielt an der dreijährigen Dienstzeit unbedingt fest. Für das Jahr 1859 kam es zwischen Regierung und Abgeord­netenhaus zu einem gewissen Kompromiß in der Heeresfrage. Da jedoch in den folgenden Jahren Volksvertretung wie Regierung starr auf ihrem Stand­punkte beharrten, kam es zu schweren Konflstten, die erst nach dem siegreichen Feldzuge des Jahres 1866 beigelegt wurden- Bismarck selbst bot die Hand zur Beseitigung dieses Streites, indem er durch die Ein­bringung der Jndemnitätsvorlage selbst anerkannte, daß das bisherige Verfahren gesetzwidrig gewesen sei.

Inzwischen ist auch die Forderung jener Tage, die zweijährige Dienstzeit, erreicht; und es kann der preu­ßisch-deutschen Armee nicht nachgesagt werden, daß sie dadurch Schaden gelitten habe. Das deutsche Heer gilt unbestritten noch Beute als das erste der Belt.

Ans dem Eis- und Steinzeitalter.

Von Paul vom Wildbach.

Nachdruck nicht gestattet.

Auf unserer Erde hat es nicht immer so ausgesehen wie heute. Es hat Zeiten gegeben, wo heute blühende Gefilde mit tiefem Eis überzogen waren: so das Rheintal, die Voralpen, das östliche Frankreich, ganz Norddeutschlanb, Sibirien, Amerika- Die gleichen Gegenden waren bann aber auch zeitweilig wieder von einem viel wärmeren Klima begünstigt, so daß selbst eine tropische Pflanzen- und Tierwelt dort lebte.

Wodurch diese Schwankungen hervorgerufen wur­den, darüber hat selbst die Wissenschaft heute nur leise Vermutungen; möglich, daß sie durch Beränderungen in der Temperatur der Sonne, möglich auch, daß sie durch Vorgänge int Innern der Erde begründet find. Eine allzu große Veränderung der Temperatur fft dazu übrigens gar nicht einmal nötig. 6—8 Grad Reaumur mehr oder weniger mögen dazu genügen, um auch heute wieder die gleichen Erscheinungen hervorznrufen Da unsere mittlere Jahrestemperatur ungefähr -l- 9® R beträgt, so würde ein Herabsinken um 9 Grad uns schon völlig wieder unter Eis setzen können. Und eine gleiche Umwandlung nach dec heißen Seite hin würde eine Erhöhung des Mittels um 9 Grad Hervorrufen. Der Unterschied zwischen einem kalten Wintertag und einem warmen Sommertag an der gleichen Stelle ist bekanntlich bei uns viel größer.

In Europa glauben die Gelehrten nicht weniger als vier solcher Eiszeitalter feststellen zu können, und zwar waren dieselben hauptsächlich dadurch bedingt, daß die heute noch vorhandenen EiSgletscher der Alpm einerseits und die bet skandinavischen Ge­birge anderseits eine ganz ungemein große Ausdehnung aufwiesen. Die sogenannten erratischen Blöcke in dec norddeutschen Tiefebene sind nichts anderes als Fels­stücke, welche von den norwegischen Gebirgen abge­sprengt und durch die ungeheuren Gletschermassen bis zu ihrer heuttgen Stelle hintransportiett wurden, wie auch heute unsere Alpen aletscher noch gewaltige Stein­massen meilenweit mit sich schieben, ja, wenn das Eis manchmal in wärmeren Zeiten wetter abschmilzt, ganze Mauern davon zurücklassen. Die auf der Erdober­fläche vorhandenen Steinmaffen sind auch die untrüg­lichen Zeichen zur Bestimmung der Grenzen dieser alten Gletscher und des ganzen Umfange» jener Eis­zeitalter. Zur Zett der größten Ausdehnung der Glesscher füllte der Rhonegletscher z. B- die ganze Südwestschweiz aus und brang mit seinem Hauptarm bis nach Lyon vor. Das schweizer Mittelkand von ®enf bis hinauf nach Solothurn war von einem nörd­lichen Arm des Rhonegietschers erfüllt, während der Rheingletscher als ungeheuerer Eisstrom über den Bodensee bis nach Sigmaringen und Ehingen in Würt­temberg sich hinzog. Von den Gebirgen Skandinaviens aus aber begrub eine gewaltige Eisdecke fast ganz Nord­deutschlaad, verband fich im Westen mit einem schot­tischen Eiszentrum und ließ nur den äußersten Süden England eisfrei Niederland und der Unterlauf des RheineS bis an die Ruhrmündung lagen noch unter dieser skandinavischen Eisdecke.

Mit der Veränderung der Oberfläche bet Erde ging natürlich ein Wechsel auch bei deren Bewoh­nern vor sich: tu den Ablagerungen der Gletscher finden wir heute ht ben milden Gegend«« Mittel­europas die Reste von ausgesprochenen KMetieren, so des wollhaarigen Mammuts, deS stbirischen RashornS, des Moschusochsen, deS Reuntittes, des Polarfuchses. Mit chnen zusammen lebten, durch die Gletscher in die Ebene vetttteben, der Steinbock, die Gemse, da» Mur- meltier, welche wir heute nur in den hohen Alpm an- treffen; ferner aber auch Einwohner der kalten östlichen Steppen, tote das struppige Wildpferd, der Bison und Urstier, das rölliche Ziesel und der Zwergpfeifhahn- In ben Schluchten hausten der Höhlmbär, die Höhlen­hyäne und der Höhlenlöwe

Ganz anders erscheint dagegen die Tierwelt, welche uns in ben Ablagerungen der warmen Zwischen­eiszeiten entgegentritt. Da finden wir Reste des Rie-

Fangm Sie doch unter ben Ainos an', sagte mir kürzlich jemand, »es wäre doch schade, wenn dieser in- tcreffante Volksstamm aussterben würde, ohne daß eine gute Anzahl in ben Himmel geschickt würde.' Ja, das wäre allerdings schade- aber ich glaube, wenn es gelingt, wird das Aussterben hinausgeschoben, well der Grund ihrer Abnahme ein ähnlicher ist, wie bei ben Indianern in Nordamerika. Aber jeder Anfang fcftet Geld- Doch würde das Unternehmen, gut vor­bereitet, keine allzu hohe Summe fordern. Mr sind aber schon durch die oben erwähnten Gründungen am Ende unserer Leistungsfähigkeit. Darum, verehrte Leser und Leserinnen, strecke ich Ihnen bittend meine Hand entgegen für die armen Ainos. Verlassen und verachtet wie diese Armen sind, muß die chrislliche Nächstenliebe fich ihrer annehmen Die Opfer und Entbehrungen in bet Mission derselben wollen wir gerne auf unS nehmen.'

Diesem Bericht über die beiden Neugründungen deS Jahre» 1909 und über die geplante Station unter den armen AinoS fügen wir aus Privatbriefen noch einige Züge auS dem Missionsleben hin­zu. Me eben bereits erwähnt würbe, kommen in Japan nicht selten Erdbeben vor. Br Valentin war kaum drei Monate im »Sonnenlande', als am 17. September ein Erdstoß erfolgte. Er schreibt: »Es war um halb 5 Uhr morgens. Zur Vorbereitung auf da» schöne Fest der Wundmale des hl. B. Franziskus war ich etwas früher wie gewöhnlich aufgestanden. Da plötzlich fängt das Haus an zu wanken und zu schwan­ken, daß ich glaubte, es seien große Walzen unter dem Fundament und werde fortgerollt. Die Silber an bet Wand fingen an sich zu bewegen und das Geschirr zu flirten, und ich selbst mußte mich festhalten, daß ich nicht nmfiel Es hat über eine halbe Minute ge­dauert und soll das größte Erdbeben in Hokkaido ge­wesen fein.'

Von den wenigen Eh tisten weiß der hochw. P Wenzeslaus nur Erfreuliches zu be­richten: »Welcher Geist der Liebe und Zusammenge- hSrtgkett herrscht, kann man besonders ersehen, wenn jemand krank tft. Aus freien Stücken wird für ihn gebetet und ihm sonst geholfen, auch ganz fern stehen­den Glaubensgenossen. Neulich war ein Kind krank Mehrere hörten davon und bestellten, obwohl selbst arm, eine hl. Messe für das kranke Kind. »Gott wird unsere Sttnber dafür segnen', sagten die guten Leute. Einige andere, besonders ein sehr gebildeter Herr, be­stellt ost eine hl. Messe für alle Mitglieder der Ge­meinde. »Einig« vergessen es vielleicht ober sind nicht in bet Lage, deswegen will ich eintreten*, sagte er bebet in kindlichem Glauben '

Allerdings sind der Christen noch wenige. Von den 50 Millionen Einwohnern Japans sind nur 60000 Katholiken, b- h. ungefähr ein Achtel Prozent. Sap­poro selbst zählt nur wenig über 100 Katholiken Man begreift daher, daß e8 dem Missionär manchmal trau­rig zu Mute wird, wenn er sich an die schönen Feste in der Heimat und an die Menge der Gläubigen er­innert, die in Scharen die Kanzel, den Beichtstuhl oder die Kommunionbank umdrängen. »Wenn dieser Brief ankommt*, schreibt P. Wenzeslaus uuterm 17 März 1910, „find bei Ihnen die Osterglocken schon längst verklungen. Im Geiste höre ich sie oft vom fernen Europa herüberklingen und zu ben schönen Festen einladen, von denen man hier nichts merkt. Wenn die hl. Messe auch etwas Fefitagsfti-nmung einflößt, so ist doch alles verflogen, wenn man auf die Straße kommt und das Alltagsleben sieht. Anfangs mutet es einen sonderbar an, wenn man von der Höhe eine Großstadt sieht und nirgends einen Turm gewahrt, nur ab und zu das hochragende Dach eines Buddhistentempels mit ben Drachenverzierungen. Doch in den ersten Jahr­hunderten bei Christentums ftigt er sich selbst tröstend binzu, war e» ähnlich, und doch war damals die Blütezeit.'

In bet Tat sind die Aussichten des Sa» tholiz i-mus In Japan ziemlich günstig. In einer öffenllichen Versammlung erklärte Dr. Anezak- Masaha, Professor der vergleichenden Religionswissen­schaft an bet kaiserlichen Universität in Tokio „die katholische Kirche als dir mächtigste, vollkom­menste und erhabenste Einrichtung, die m der Geschichte bet Menschheit bekannt ist. „D a s w ah r e Ehristentum ist jenes', so rief et aus, „das feinen Miitelvunkt in Rom hat* Rach deiner Ueberzeugnng sei „die Religion der katholischen Kirche deshalb für Japan zu empfehlen, well sie mehr als alle anderen das Autoritätsprinzip bochhält-' Nach dem Urteile des hochw P. Wenzeslaus ist auch des­halb gute Hoffnung, weil „in dem japanischen Geiste so viä Gutes steckt*

In jeder Mission folgt Freud auf Leid in buntem Wechsel; besonders aber trifft dies zu, wenn eS sich um Reugründungen handelt wie in unserem Falle. Manches Opfer wurde schon von den Missionären ge­fordert, und noch viele stehen bevor. Die Pattes bringen dieselben gern im Dienste des ersten großen MiffiouärS Jesu Christi, der unter den größten Mühen und Entbehmngen einst auf Palästinas heissgem Boden seine Kirche gründete und die ersten Apostel und Jün­ger gewann. Dürfen sie dabei auf die barmherzige Liebe der Gläubigen in der Heimat rechnen? — Den edlen Wohltätern der Mission, die bisher durch ihren beharrlichen Eifer und warmes Interesse den Mut der Missionäre aufrecht erhalten haben, fei an dieser Stelle ein dankbare» „Veroelfs Gottl' gesagt.

E. B., Kl. Frauenberg.

senhitscheS, des Flußpferde», deS fünf Meter hohen ©übelefanten, des Nashorns, der Säbellatze, welch letztere den Tiger an Größe und Blutdurst und wohl auch an Buntheit des Felle» übertraf.

In die Zett zwischen bet brüten und der vierten Eisperwde fällt auch daS erste Auftreten deS Men­sch en in Europa. Zahlreich sind die Funde an Waf­fen, Geräten und selbst Zeichmmgen, aus welchen wir unS ein ungefähres Bild seiner Lebensweise machen können. Er war Nomade; Ackerbau und Viehzucht waren ihm fremd, ebenso die Kenntnis der Metalle. Seine Waffen und Werkzeuge stellte er au? Stein her, den et durch rohe Behauung in die gewünschte Form, hauptsächlich die des „Faujllells' brachte, b. h. eines Steinknollens von mandelförmiger Gestalt, oben spitz, unten mehr abgerundet. Dazu kamen spater noch Werkzeuge aus Hom, Knochen ober Elfenbein, mit welchen bewehrt er seine Jagdgebiete abzog, bis die Abnahme beS Wildes ihn zwang, neue Gebiete aufzu­suchen. Die ältesten Funde dieser Zett stammen haupt­sächlich aus der Gegend des Städtchens Chelles ht bet Nähe von Paris, und aus der Umgebung, in welcher sie sich beftnbe», muffen wir schließen, daß damals an der Seine ein durchaus warmes Klima herrschte. Es wuchsen dort der kanarische Lorbeer, bte Feige, der Buchsbaum und in den Flüssen und an ihren Ufern eine ganze Reihe Tiere, die wir heute nur mehr in warmen afrikanischen und asiatischen Gegenden vor- fuiben. Der Riensch lebte damals deshalb auch zu­meist im Freien, wo er besonders an den Flußufern dem Flschsang oblag und die großes Dickhäuter in Fallgruben fing.

Auf die Zeit dieser allerältestett Funde folgt eine Periode mit gemäßigt kühlem Klima, deren Ende schon in eine falte Steppenzeit fällt, welche das Nahen der letzten, vierten Eiszeit verkündet. Wir können sie ver­folgen durch Frankreich, Spanien, Italien, Belgten, England, Deutschland, Oesterreich und Polen, ferner durch Algier, Egypten, das Somaliland, Palästina, Indien, Zentralasien und Nordamerika. In dieser Zeit sind an die Stelle der lüärmetiebenben Tiere der heißen Zone schon das Mammut und das sibirische Nashorn getreten-

Bald darauf erscheint eine echte Kältcperiode, wo daS Rennlier, der Steinbock, Eisfuchs und die Gemse im heutigen Frankreich häufig auftritt Da» kaltfeuchte Klima zwang ben Menschen, seine Wohnung an geschützten Otten aufzuschlagen, hauptsächlich unter Felsvorsprungen und in Höhlen, welche uns hi» auf den heutigen Tag seine Feuerstätten, Mahlzeiten- und Industrie-Reste aufbewahrt haben. Charakteristisch für diese Zeit sind unter den Geräten gewisse Klein­formen aus Feuerstein, große lange Klingen, Kmtzer und Schaber mit halbbogensörmiger Schneide.

ES bauert nicht allzu lange, so finden wir auch schon bildliche Darstellungen, besonders der ben Men­schen umgebenden Tierwelt, aber auch Anzeichen, daß' der damalige Mensch schon Musik und religiöse Tänze trieb. Wir finden Zeichmmgen von Tanzen mit Tiermasken, ferner zu Pfeisen sorgsam vorbereitete Vogel- und Renntierknochen und mancherlei Beweise, daß die damaligen Bewohner Europas, wenn sie auch keine allzu hohe Kulturstufe erreicht hatten, sich doch ganz der hohen GeisteSgcben erfreuten, welche den vernünftigen Menschen vor dem unvernünftigen Tier auszeichnen.

Allerlei.

— I« der Herrenmode sollen, wie die englischen Modenblätter verkünden, in diesem Sommer die grünen Farben vorherrschend sein. Von der Glockenform, der zierlichen, kommt man ab, dafür sollen breite Schultern beliebt werden. Der langschößige Nederrock soll mehr als bisher bevorzugt werden. Er ist in den neuesten Mustern etwas kurzer geschnitten und hat oft nur einen Knopf. Der Klapokragen bleibt. Auch der Strohhut hält sich, und ebenso kommen keine neuen Formen der Krawatte auf, außer daß vielleicht die mit künstlicher Seide gestickte Krawatte mehr Freunde erobern wirb.

— Em ÜLchen-Auta' für tat Kaiser im Kaiser- Manöver 1910. Für das diesjährige Kaisermanöver find mehrere Vorkehrungen getroffen worden, durch die dem Kaiser die Strapazen der anstrengenden vielstündigen Manöverübungen erträglicher gemacht werden. In erster Reihe ist ein „Küchen-Auto' zu erwähnen, das zum ersten Mal im diesjährigen Kaisermanöver benutzt werden soll. Die bisherige Feldküche, die den Kaiser in» Manöver begleitete, war in Anbetracht der ungeheueren Ausdehnungen, welche die jüngsten Kaisermanöver hatten und auch in Zukunft haben werden, recht unzulänglich. DaS neue »Küchen-Automobil' ist eine vollständig einge­richtete Feldküche, die vermöge chrer Eigenschaft als Automobil sehr schnell bis in die weitesten Gegenden des Manövergelände» dirigiert werden kann. Die Küche ist rntt allen notwendigen Geräten Ausge­rüstet, die zum Teil zusammenklappbar find, um auf leichte Wesse in dem Wagen untergebracht werden zu können. Die Kochgeräte befinden sich in dem Automobil selbst, während das Eßgefchirr, daß für ben Kaffer und seine Gäste bestimmt ist, aus Berlin aus der großen Schloßküche inS Manöver­gelände transportiert wird. Die Eßvorräte werden in einem besonderen Lastauto mitgeführt. — Eine zwette Einrichtung wird bei dem diesjährigen Kaiser­manöver gleicherweise zmn ersten Mal in Benutzung genommen werden. Um dem Kaiser die Möglich- kett zu geben, überall auf dem Manövergelände un­abhängig von den Bahnhöfen daS Hauptquartier zu errichten, werden von nun an zu ben. Kaiser- manövern für ben Gebrauch des Monarchen stets „zerlegbare Wohnhallen" mitgeführt werden. Die Hallen sind nqch Art der sogenannten Gommer- Villen hergrsrellt, die auch zusammenlegbar und schnell transportierbar sind. Die beiden Hallen, Ptm denen die eine ben Salon, die andere die Schlaf- zimmer bildet, sind aus Holz und Eisen hergestellt und haben ganz da» äußere Aussehen von Häuser. Die Hallen sind je 6 mal 10 Meter groß. Di« Schlafzimmer, die in der zweiten Halle untergebracht sind, sind demgemäß natürlich sehr klein, reichen aber für ben Bedarf völlig aus. Die Hallen können in einem Tage ausgestellt werden. Sie bilden zu­gleich für ben Kaiser den Manöverbahnhof, da die Eisenbahnzüge für den Monarchen während der Kaisermanöver vor diesen Hallen halten werden. -8

— Die falschen Haare. Bräutigam szum Dienst­mädchen seiner Braut): »Und wie konnten Sie sich diese Locke verschaffen, ohne daß Ihre Gnädige e8 merkte?" — Mädchen: „O, ganz einfach: ich habe sie abgeschnitten, während die Gnädige im anderen Zimmer war."