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3? 98.

Samia- den 50. April MO.

57. Jahrgang.

fwldaer W Zeitung *

2. Blatt.

vruck und Verlag der Fuldaer Aettendruckerel in Fulda.

Unpolitische Zeitläuse.

(N.) Berlin, 28. April 1910.

(Nachdruck verboten.)

Echterdingen und Weilburg! Dort wie hier geht in einem Nu ein großes, stolzes Luftschiff elend zu Grunde. Denn die Elemente hassen das Gebild der Menschenhand. Ach nein, wir beherrschen die Lust noch nicht. Die Luft beherrscht uns.

Damals, als Zeppelins Ballon bei Echterdingen in Flammen aufging, brach ein Aufschrei des Mitleids in ganz Deuffchland empor Zugleich ein Aufschrei der opferwilligen Hilfsbereitschaft. Von allen Seiten reg­nete es Beiträge. Graf Zeppelin konnte sich sofort ein neues Luftschiff bauen.

Jetzt ist von einem solchen Aufschwünge nichts zu merken. Man zuckt die Achseln und geht seines Weges. Das hat seine zwei Gründe Erstens sagen sich die Leute, daß das Unglück jetzt nicht einen strebsamen Privatmann betroffen hat, sondern das Reich, und des­sen Kaffe gilt ja als unerschöpflich. Zweitens ist das Mitleid nicht so rein und zweifelsohne, wie damals. Man fragt sich, ob denn die Wiederholung des Un­glücks wirklich unabwendbar war, — ob man nicht durch den früheren Schaden etwas klüger werden konnte.

General von Lyncker, der Inspekteur der Verkehrs- kruppen, hat freilich sofort an den Kaiser telegravhiert: „Es läßt sich schon jetzt beurteilen, daß die Schuld an dem Unglück niemandem zuzumessen ist, sondern das­selbe ist durch höhere Naturgewalt verur­sacht.^ Ja, die höhere Naturgcwalt, das ist ein Sün­denbock mit ungeheuer breiten Schultern! In Berlin sagt man: „Von alleine kaput gegangen/ Als ich noch ein ABC-Schütze war, suchte ich wiederholentlich meinem Vater klar zu machen, daß meine Hose oder meine Schiefertafel ohne meine Schuld durch tückische Schicksalsschläge in die Brüche gegangen seien. Aber der alte Herr ließ sich nicht mit den „höheren NvtUr­gewalten" abspeiscn, sondern bläute mir ein, daß ich hüt meinen Sachen vernünftig umgehen müsse.

Das ist eben die Kunst, daß man sich mst den ^höheren Naturgcwalten" ab findet Daß stürmi­sches Wetter den Luftschiffen gefährlich ist, wissen wir doch allmählich zur Genüge, und daß ein starres Luft- jchiff von der Größe der Zeppeline sich auf freiem Felde ficht gut halten läßt, haben mehrfache Erfahrungen 4-i-u-sen. Hat man demgemäß gebandelt?

Drei lenkbare Luftschiffe, nämlich der unstarre Par- sevalballon, der halbstarre Militärballon und der ganz starre „ZrppAin 2" sollten von Köln nach Homburg fahren, um dort vor dem Kaiser zu paradieren Eine flhr interepante Probefahrt. Die Zeit drängt, da der Kaiser bald abreisen wollte, und das Wetter war april- mäßig schlecht. Die Wetterwarte konnte auch noch keine Beruhigung in Aussicht stellen, im Gegenteil waren weiterhin starke westliche Winde zu erwarten. Die Be­fehlshaber mußten sich darüber klar sein, daß nach einer alükklichen Hinfahrt die Rückkehr von Homburg nach Köln sich sehr schwierig gestalten würde. Durfte man trotzdem den Ausflug riskieren'?

Im K ri e g s f a l l e, wenn eine ernste militärische Aufgabe es erfordert, muß natürlich das äußerste ris­kiert werden, mögen auch Millionenwerte und Men­schenleben aufs Spiel gesetzt werden. In Friedens- zeiten aber tft schon manche Parade auf dem Tempel­hofer Felde bei Berlin wegen schlechten Westers ausge­setzt worden, obwohl sie nur auf dem festen Erdboden und nicht in stürmischen Lüsten sich abspielen sollte In Anbetracht der Kinderschuhe, in denen unsere Lust- schiffahst noch steckt, hätte ich als Leiter den Befehl zu der Ausfahrt nicht gegeben.

Man wird sagen, die Luftschiffe seien doch nicht dazu da, um in Baumwolle verpackt zu werden; man müsse doch auch lernen, bei schlechtem Wester und wi­drigem Wind zu fahren. Sehr schön! Ohne schwie­rige und gefährliche Uebungen geht es natürlich nicht. Nur muß man da Schritt für Schritt mst gehöriger Vorsicht vorgehen. Nickt gleich so große Fahrten im Aprilwetter. Und was die .Hauptsache ist: ich würde den Kampf gegen die Winde in den A n f a n g der Fahrt legen. Bei den herrschenden Wesstvinden hätte ich gesagt: Wenn eine Uebungsfahrt gemacht werden soll, so wollen wir nach Westen hin fahren und sehen, wre wett wir kommen; dann erproben wir die Wider­standsfähigkeit gegen Wind und Wetter, ohne uns den Istickweg zu gefährden. Mit dem Winde werden ton schon wieder Heimkommen, auch wenn die Füllung nicht mehr ganz straff und die Motoren nicht mehr ganz frisch find.

Die Luftschiffe sollten aber durchaus nach dem süd­östlich gelegenen Homburg. Dieses Wagnis war höch­stens dann zulässig, wenn für die schwierigere Rück­fahrt die sorgfältigsten Vorkehrungen getroffen waren Namentlich mußte man damit rechnen, daß der Zeppe-1 linballon einer Nachfüllung bedürfen würde- Hätte I das nötige Material und Personal für die Rachfüllung |

mit Wasserstoffgas sich immer in seiner Nähe befunden, so hätte der Aufenthalt auf dem Felde bei Limburg sich nicht so lange hinzuziehen brauchen.

Offenbar ist man bei dieser Zwischenlandung in der Nähe von Limburg zu zuversichtlich gewesen. In Erinnerung an den verhängnisvollen Birnbaum vom vorigen Jahr wählte man ein baumloses Feld. Dort gibt es keine Hindemiffe, aber auch gar keinen Schutz vor dem böigen Wind. Graf Zeppelin hatte s Z. den Ballon in dec Weise verankert, daß er einen Bauem- waaen in den Erdboden eingraben und die Spitze des Luftschiffes durch eine Stahltroffe an diesem Wagen befesttgen ließ. Auf diesen einfachen Kunstgriff verließ man sich auch in Limburg. Der Wagen hielt stand, aber die Stahltrosse brach durch. Einige Techniker sa­gen mm, die Trosse sei nicht richtig an dem Wagen an­gebracht gewesen; sie habe zu wenig Bewegungsfühig- keit gehabt, so daß sie von den wechselnden Windstößen hin und her gezerrt und verdreht worden sei, bis das Metall brüchig wurde. Andere meinen, die Trosse sei zu lang bemessen gewesen: dadurch habe der im Winde schaukelnde Ballon einen so großen Spielraum erhal­ten, daß die haltenden Mannschaften zeitweilig ihren Einfluß verloren Ferner wird daran erinnert, daß Stahlstossen überhaupt ihre Tücken haben und die alten braven Hanftaue zuverlässiger sind, wenn man sie nur stark genug nimmt. Endlich ist die Frage aufgeworfen worden, ob nicht die Gondeln des Luftschiffes fort­während hätten besetzt gehalten werden müssen, damit im Falle des Losreißens die Maschinen und die Steuer Betätigt werden könnten. Demgegenüber wird behaup­tet, in einem losgeriffenen Luftschiff, das nicht „ab­gewogen" sei, könnten die Maschinisten und Steuer­leute doch nichts ausnchien, — was dem Laiennerstand nicht recht einleuchten will, da man meinen sollte, der kritische Weberberg bei Weilburg hätte sich mtt Mo- torstaft und Steuersteilung doch wohl überfliegen oder umfliegen lassen.

lieber die technischen Einzelheiten läßt sich ja schwer urteilen Es kommt nur darauf an, daß die Sachver­ständigen aus den Vorgängen die heilsame Lehre für die Zukunft ziehen- Durch Schaden muß man flug und immer Hügel werden . Und deshalb soll man nicht ein­fach die „höheren Naturgewalten" vorschieben, sondern sich vielmehr sagen: Wir müssen den Naturgewalten die Geheimnisse ihrer Kraft ablauschen und müssen ler- j nen, wie wir uns gegen sie zu schützen haben! Die I Hauptsache ist im vorliegenden Fall die Erkenntnis, I daß für die großen Luftschiffe der Aufenthalt

* Mehr Propagauda für die katholischen Arbeirervereme!

Seit Jahren arbeiten die katholischen Arbeiterver­eine mit sichtlichem Erfolg an der wirtschaftlich-sozialen Hebung und allseitigen Veredelung von Arbeitermas­sen, und doch ist die Kulturbedeutung ihrer Arbeit verhältnismäßig wenig in das öffentliche Bewußtsein gedrungen. In der amtlichen Statistik, in den be­hördlichen Erhebungen, in der sozialwissenschastlichen Literatur und in der Presse spielen wohl die gewerk­schaftlichen Organisationen als Arbeiterinteressenten- verstetung eine" Rolle, bei weitem aber nicht in dem Maße die konfessionellen Arbeitervereine.

Man kennt eben die katholischen Arbeitervereine in der Oeffentlichkeit einmal zu wenig oder auch gar nicht, und in aller Stille hat sich das öffentliche Urteil dahin geblldet, daß diese konfessionellen Arbeitervereine als selbständige Arbeiterorganisationen nicht anzusehen seien- Das Urteil ist einseitig und falsch. Tie katho­lischen Arbeitervereine können als eine Art Stan- desorganisation der Arbeiter betrachtet wer­den Das wollen sie auch fein. In diesem Sinne öffentlich gewertet zu werden, können sie auf Grund ihrer Aufgaben und Leistungen beanspruchen.

Was l e i st e n nun die katholischen Arbeiterver­eine? Sieht man von der kulturell im höchsten Maße bedeutungsvollen religiös-erzieherischen Arbeit in die­sem Zusammenhang ab. so verbleiben der Leistungen wahrlich noch genug. Man denke nur an das weit­schichtige und vielseitige Bildungswesen der Vereine. Wo existieren heute Vereinsorganisationen, die sich der umfassenden und geistigen Hebung und Bildung der breiten Masse annehmen, es seien denn die konfessionellen Arbeitervereine? Sie wecken geistiges Leben und entwickeln es vädagogisch weiter. Ihr vielseitiges Vortragswesen, ihre U n t er­richt s k u r s e, ihre Presse sind die erfolgreich an­gewandten Arbeitsmittel. Wer sie kennt, wird ihnen

Achtung zollen müssen. Ihrem Einfluß ist es zu der danken, wenn bei Tausenden unserer Volksgenosse» die im Kampf ums Dasein längst verwischten Schul- kenntniffe wieder in das Bewußtsein zurückgerufen uni aufgefrischt worden sind, wenn die Bedeutung de elementaren Kenntnisse (des Lesens, Schreibens uni Rechnens) für das Fortkommen des einzelnen und de gangen Gesellschaft wieder mehr begriffen worden ist wenn Geschichte und Geographie, Staat und Gesell­schaft aus toten Begriffen wieder Sinn und Lebe» in den Köpfen gewonnen haben. War es nicht ein Kulturleistung, als die katholischen Arbeiterverein daran gingen, den Gedanken der Selbsthilfe volkstüm lich zu machen? Wurde nicht ein Stuck staatliche Ge> schichte gelehrt, da man das Werden der staatliche» Sozialpolitik und deren Ziele darlegte? Wie Vie' haben nicht Arbeiterverficherung und Arbeiterschutzge. setzgebung tatsächlich im Bewußffein des Volkes ge Wonnen durch die austlärcnde Arbeit der Arbeiterver eine! Es steckt Erziehungsarbeit in der heute festzu stellenden Tatsache, daß das öde Schimpfen über di. Bettelsuppen unserer Arbeiterverstcheru.ug fast völlie zurückgetreten fft .

In neuerer Zeit ist das Gebiet der „Verede­lung der Lebenshaltung" durch die Arbei­tervereine in Angriff genommen worden — welch ein» Fülle von positiven Bildungselementen! Wirtschafts, künde, Nahrungsmittelchemie, Ernährungslehre, Koch, kunst, Gesundheitspflege, Säuglingspflege, Hhgiem der Arbeit, Wohnungspflege, moderne Erziehungskunf — all das wird hiervon ersaßt. Ein Faktor von nich zu unterschätzender Bedeutung für die politisch» Bildung unseres Volkes werden die Arbeiterver- eine, indem sie daran gehen, die Beziehungen zwischen Staat und Staatsbürger, Staat und Arbeiter heraus zuarbeiten, wenn sie in Wesen, Zweck und Mittel bei» Staates einführen, in die Theorie der Steuern, bei Landesverteibigung, der Weltpvlitik- Hier ist die Ge. legenheit, und sie wird reichlich in den katholischer Arbeitervereinen ausgenüht, die geistigen und sittlicher Voraussetzungen für die Anteilnahme der breiten Mas sen am politischen und staatlichen Leben zu schaffen Die Veredelung von Herz und G e in ü t in der Av beiterschast wird durch die Vereinsarbeit mächtig ge> terbert Es sei hier erinnert an bie Bibliotheken, ar die Volksunterhaltungsabende, wie sie die Vereine bet größeren Städte abzuhalten pflegen. Sicherlich ha­ben auch die öffenüichen Einrichtungen, die dem Zweck der Volksbildung dienen (Bibliotheken, Volkskonzerte und Volksvorstellungen usw.) dadurch gewonnen. DaS Handwörterbuch der Staatswissenschasten führt darum mit Recht die konfessionellen Arbeitervereine unter ben Arbeiterbildungsvereinen auf.

Der Wert ber Arbeitervereinsarbeit gewinnt aber insofern, als er an die besondern Standesbe- dürfnisse der Arbeiter anknüpft und diesen gerecht wird. 'Wir hatten einmal eine Zeit ständiger Bildung und Organisation; es kam die Periode der Auflösung; wenn nicht alle Zeichen trügen, sind wir heute wieder auf dem Wege der Wiedererneuerung ver­loren gegangener gesellschaftlicher Organisationsformen wenn auch in Ziel und Mitteln den modernen Vev- hältnissen angepaßt. Wir sehen wieder Stände sich or­ganisieren zur Wahrung ihrer Gesamtinteressen. Die Arbeiterschaft hat zwar den Gedanken der Organisation längst erfaßt und praktisch ausgenützt, der sozialistische Teil indes, einer verstiegenen Doktrine folgend, zu weit­gehend,' der nichtsozialfftische Teil zu eng auf das berufswirtsichaftjliche Gebiet sich beschrän­kend. Es fehlt in der Tat so etwas wie Standes- organifation der modernen Lohnarbeiter. In den konfessionellen Arbeitervereinen, wie wir sie uns den­ken, ist die Grundlage einer solchen Organisation ge­geben- Die katholischen Arbeitervereine arbeiten im­mer bewußter darauf hinaus, wirkliche Standesvectre- tung von Lohnarbeitern zu werden, Organisationen, die nicht nur erziehen und schulen sollen, sondern die besondere Aufgabe haben, den gesellschaftli­chen Wert der gewerblichen Arbeit dem Arbeiterftande selbst sowie der Gesellschaft zum Be­wußffein zu bringen und ihn auf allen Gebieten ge­sellschaftlicher Lebensäußerung zu Vertreten.

auf freiem Felde höchst gefährlich ist und des­halb nach Möglichkeit vermieden oder abgekürzt wer­den muß.

„Also müssen wir das ganze Reich mit Luft­schiffhallen spicken, damit die Lenkballcns bei jedem Winde einen sicheren Hafen erreichen können". So rufen eifrige Leute und stellen sogar einen Wettlauf der Städte in der Errichtung solcher Hallen in Aus­sicht. Derartige kostspielige Anstalten schießen aber nicht wie Pelze aus der Erde Es ist auch gar nicht so leicht, im Sturmwind ein riesiges Luftschiff in eine enge Halle hineinzubugsieren. And was soll werden, wenn in der Rot zwei Schiffe zu gleich in dieselbe Halle flüchten wollen, in der nur eins Platz hat. Ich glaube, man müßte doch erwägen, ob nickt mit einfacheren Mit­teln eine gewisfe Sicherung zu erreichen ist, zum Bei­spiel durch Vorrichtung von geschützten Lagerplätzen, wo das Luftschiff der Gewalt des Windes weniger aus­gesetzt ist, als auf freiem Felde. Inzwischen scheint mir das beste Aushilfsmittel zu sein, daß die Luftschiffe sich auf dem Erdboden nicht länger aufhalten, als un­bedingt notwendig ist, sondern lieber aufsteigen und in der Lust ihr Heil suchen. Das Unheil, das jüngst in einem Gewitterwirbel einen unlenkbaren Ballon be­troffen hat, wird der Lenkballon meistens vermeiden können. Jedenfalls ist er in der Luft weniger gefährdet als vor dem zweifelhaften Anker. Wenn er dahin- schtoebt, hat er doch eine gewisse Aussicht, in ruhigere Suftftrömungen zu kommen ober eine geschützte Stelle für die Landung zu finden. Auch für die Verwendung ber Luftschiffe im Kriegsfälle wirb es jg nötig sein, daß sie reichliches Material mit sich führen, um mög­lichst lange in ber Lust bleiben und auch die größten Umwege machen zu können.

Die fogenannte Schuldfrage sollte nur insoweit er­örtert werden, als sie die Unterlagen für die praktische Nutzanwendung liefert Nicht um Vorwürfe zu schleu­dern, sondern nur um festzustellen, was künftig getan ober unterlassen werden muß.

Als allgemeine Nutzanwendung möchte ich schließlich folgende Regel aufftellen: Wenn du eine kühne Fahrt unternehmen willst, so frage nicht bloß: Wie komme ich hin? — sondern frage vor allem: Wie komme ich z u rü cf? Sehr oft scheint der Hinweg be­quem, während der Rückweg feine besonderen Schwie­rigkeiten und Gefahren hat. Respiee finem! Be­denk das Ende. Der Eingang in ein Abenteuer ist leichter zu finden, als der Ausgang.

eS in Lüttich eine Weltausstellung veranstaltet, die Mllionen von Fremden anlockte und dieser Tage haben sich in der belgischen Hcmpfftadt die Tore einer Weltausstellung geöffnet, die nicht minder interessant und erfckgreich zu werden verspricht tote ihre Vor­gänger König Albert, Belgiens Herrscher, hat sie eröffnet und auf seinem Rundzange besonders lange ht dem deutschen Teile der Ausstellung verweilt. Deutsche Industrie und deutscher Gewerbefleiß können jedenfalls auf das Urteil des belgischen Königs stolz sein. „Das ist die Macht Deuffchlands, die sich hier entfaltet!" meinte der König DaS find keine bloßen Höflichkeitsworte, sondem es ist das Urteil eines Mannes von außerordentlichem Verständnis auf ollen industriellen Gebieten.

Nachdem in England das Ministerium Asquith sein Programm im Unterhause durch alle Stadien, die der entgiltigen Entscheidung vorausgehen mußten, durchgebracht hat, fallt nunmehr daS letzte Wort dem Oberhause und dem König zu. Es ist nicht zweifel­haft, daß sie dem „Ja" des Unterhauses ihr „Nein!" entgegensetzen werden, sodaß danach die Auflösung des Parlaments und die Ausschreibung von Neu- waUen erfolgen wird. Man nimmt im allgemeinen an, daß die Wahlen erst im-Juni oder Juli statffinden werden.

Auch England hat seine Balkankaiasttophe zu verzeichnen Das neue Militärlustschiff ist in Farn­borough durch einen furchtbaren plötzlichen Sturmstoß zerstört worden- Es wird eben noch langer Erfah­rungen bedüffen, bis wir imstande sind, dem rebel­lischen Wind mit Erfolg zu trotzen.

Auf der Balkanhalbinsel ist es, abgesehen von den keineswegs leicht zu nehmenden Kämpfen der Türken gegen die Albaner, leidlich ruhig. Was an Jntriguen gesponnen wird, b!e ja auf diesem Boden nie abreißen, ist schwer zu durchschauen. Jedenfalls geht die Agitation für den Balkanbund weiter, wozu Hilmi Paschas Aufenthalt in Rußland wesentlich bei­getragen zu haben scheint, auch heißt es, daß Fürst Nikita von Montenegro sich eifrig um den Königs­titel bemühe.

wochen-Run-schan.

ftj Fulda, 29. April 1910.

Der Kaiser hat den Reichslanden ^inen all­jährlichen Besuch abgestattet. Im ganzen Lande ist-der Monarch mit dem hergebrachten Jubel ^Egrußtwor- den. Es lag diesmal eine gewisse feierliche Stim­mung über dem Empfange, den Elsaß-^othrmgen dem Kaiser bereitete. Noch schweben die Reichslander in= b»ug auf die Erfüllung ihrer Wunsche in Hangen und Bangen aber sie geben sich der unerschütterlichen Hoff- imng hin, daß die Stunde nahe ist, da das Reich chnen als verspätete Morgen gäbe die Erweiterung ihrer Rechte, den Ausbau ihrer Verfassung zu einer grö­ßeren Selbständigkeit barbringen will. Nicht alle hoch- fliegenden Träume der Reichsländer werden sich ver­wirklichen. aber es liegt nicht nur im Interesse Elsaß- Lothringens, sondern vor allem auch im wohlverstan­denen Interesse des deutschen Reiches, wenn jetzt end­lich nach vierzigjährigem Warten dem wiedergewonne- nn Lande ein solches Maß von Freihett und Selbstän­digkeit gewährt wird, wie es sich nur irgend möglich machen läßt. Die Elsaß-Lothringer haben sich wäh­rend der 40jährigen Wartezeit als loyale Bürger er­wiesen und es geht daher nicht an, wegen einzelner bedauerlicher Vorkommnisse bie Gesamtheit leiden zu lassen. •

Die deutsche Luftschiffahrt war auch in der vergangenen Woche vom Unglück verfolgt. Abermals ist ein Zeppelin-Luftschiff geftranbet und zum Wrack geworden, das noch kurz vorher als stolzer Segler der Lüfte gegen die rebellischen Elemente mckämpfte. Wohl ist es ein Trost im Unglück, daß die Katastrophe keine Menschenleben mit vernichtet hat, aber der Material­schaden ist doch groß und der Ruf etwas beeinttächtigt, den gerate unsere Motorballons in der ganzen Welt genossen. Man hat im stolzen Bewußtsein des bisher Erreichten von der „Eroberung der Lüste" gesprochen. Unfälle aller Art aber haben bargetan, daß dieser Stolz noch nicht berechtigt ist Wir stehen vielmehr in den Anfängen ber Eroberung und die Natur, die das Gebild von Menschenhand haßt, wirt» sich wohl noch mehr wie einmal wild aufbäumen, bevor wir sie voll­ständig besiegt haben-

Der Schauplatz der wichtigsten innerpolitischen Kämpfe war die Budgetkommission des Reichstags. Abg. Erzberger hatte dort bei der Beratung über das deutsch-südwestaftffanische Krtegskostengesetz einen An­trag eingebracht, der die großen Vermögen in den Kolonien stärker zu den Kriegskosten heranholen sollte. Der Antrag ging sehr weit. Tie Beratung zeigte, daß wir heute für derartige Gedanken noch nicht reif sind. Immerhin aber gingen aus den Beratungen der Kom- mission Beschlüsse hervor, die den ersten Schritt auf dem von Erzberger gebahnten Wege bedeuten, und die hoffen lassen, daß man eines Tages enffchlojsener den Weg gehen wird, den England in ähnlichen Fällen mit glänzendem Erfolge ohne Angst vor seinen Groß- kapitalisten gegangen ist

Die Beratung des Kultusetats im preußi­schen Abgeordnetenhause ist diesmal ruhiger verlaufen als in früheren Jahren. Immerhin aber brachte sie manche interessante Rede, an deren Spitze man wohl die des Zentrumsabg. Dr. Heß stellen darf, ber vor dem Hause und dem ganzen Lande ben unwiderleg­lichen Beweis erbrachte, daß die letzten Ziele des libe­ralen deutschen Lehrervereins auf die EnichrMichung der Schule hinauslaufen. Zwar versuchten mehrere Freunde des genannten Vereins eine Reinwaschung, aber sie mißglückte kläglich, denn von den vom Abg. Heß vorgebrachten Tatsachen vermochten sie auch nicht ein Jota abzustreiten. Es ist gut, wenn die Lehrer von Zeit zu Zeit über die Ziele und die Marschroute dieses Vereins aufgeklärt werden.

Das Herrenhaus hat am Donnerstag die Be­ratung der Wahlrechtsvorlage wieder auf genommen. Nach allem, was man dort hörte, war es unzweifelhaft, daß bie gesamten Kommiffionsberatungen im Herren­hause „für die Katz" gewesen find Dort batte man den Ergebnissen der Blocksehnsucht, die ber Reichskanzler von Bethmann-Hollweg während seiner römischen

। Tage sich von Bülow hatte einimpfen lassen, mehr I Widerstand entgegengesetzt, als es der Regierung lieb I war. Man hatte es in der Kommission offenbar nicht gut für möglich gehalten und auch dem Ansehen eines Politikers nicht für förderlich erachtet, daß ein Kanz­ler v or den Ostertagen und vor der Romreise zu Bü­low die Beschlüsse der Mehrhett im Abgeordnetenhause mehr oder weniger bedingungslos akzeptieren und sie nachher im Blocksinne für unannehmbar erklären konnte; denn auf etwas anderes kommt bie ganze Ge­schichte nicht hinmis Als von Bethmann seinerzett im Abgeordnetenhause verkündete, die Staatsregierung halte die Beschlüsse der Abgeordnetenhaus-Mehrheit für einen gangbaren Weg, da hat die gesamte Presse, und zwar auch die von den Regierungsämtern doch fo über­aus ängstlich inspirierte „Nords. Allg. Zig.", bie Auf­fassung vertreten, daß die Regierung diese Beschlüsse annehmen wecke. Nachher, nach dem Besuche beim Blockoater Bülow, lautete es bann anders. Da konnte nidn dieses Ergebnis der römischen Blockbekehrungs- reife beS Kanzlers unmöglich höher einschähen, als es die Herrenhauskommission getan hat, als sie sich ge­genüber den erneuten Verschlechterungsexperimenten ablehnend verhielt Run aber erwies sich das Unmög­liche als möglich! Anstatt sich den Beschlüssen der Herrenhauskommission zu beugen, ließ der Reichskanz­ler durch den Oberprasident. d. Rheinprovinz v. Schor- lemer einen Antrag einbringen, ber die nationallibe­ralen Wünsche auf Verschlechterung der Diittelung er­füllen soll, und trat bann mit der ganzen Wucht seiner Stellung als Ministerprüsident dafür ein Dieser An­trag, der den Angelpunkt für diese ganze Wahlrechts- Vortage abgeben muß, will die Gemeindedrittelung für alle Gemeinden bis zu 10 000 Einwohn em, für Gemeinden von 10 000 dis 30 000 Einwohnern zwei Drittelungsbezirke, für größere Gemeinden einen wei­teren Drittelungsbezick auf jede angefangenen 20 000 Einwohner, womit natürlich den minderbemittelten Ve- völkerungsschichten auch ber jetzige so spärlich bemes­sene Rest des Einflusses auf die Wahlen genommen werden würde. Die Beratungen haben am Donners­tag ein Ergebnis noch nicht gehabt. Es hielten ver­schiedene Herren Reden dazu, die mehr oder weniger überflüfflg waren. Man wird aber wohl schon heute ragen können, was Gras Oppersdorf am Schlüsse.seiner Rede sagte: „Angesichts des Antrages Schorlemer vermag ich an das Zustandekommen der gesetzgeberi­schen Wion nicht mehr zu glauben." Wenn diese Zeilen im Druck erscheinen, wird man darin wohl kla­rer sehen.

Die französischen Kammerlvahlen sind so verlaufen, wie vorauszusetzen war. Tie Interesse­losigkeit der ftanzösischen Katholiken trat hierbei wieder einmal in ber eklatantesten Weise hervor, sodaß es dem Jakobinertum gar keine große Mühe kostete, das Steuerrruder wieder an sich zu reißen Die Katholiken haben aber auch rein nichls getan, um sich mit dem schmachvollen Joch zu befreien, in das Freidenker und Sozialdemokraten ste hineinyezwängt haben- Und doch hatten sie hier die beste Gelegenheit zu zeigen, daß sie sich wieder aufraffen wollen und können. Es sind in der letzten Zeit ja wiederholt von verschiedenen Sei­ten Stnftrengnngen gemacht worden, die Katholiken um ein Banner zu scharen, um sie unter diesem Banner zum Siege zu führen, aber es ist zu nennenswerten Erfolgen nicht gekommen, weil jeder ber verschiedenen Gruppen, die sich zwecks Sammlung der Katholiken gebildet haben, an einem anderen Stricke zieht. Es fehlt der Geist der Unterordnung, ein jeder mochte baS Oberkommando führen, während es in Wirklichkeit in jedem Heere, das Befolge erzielen will, nur einen Oberkommandierenden geben kann. Alle Ermahnun­gen des hefligen Vaters und der Bischöfe haben bie Katholiken Frankreichs nicht aus ihrer Lethargie auf« zurütteln vermocht und es gewinnt fast den Anschein, als ob das katholische Frankreich nicht mehr die Kraft besäße, gegen die ungläubigen Umsturzparteien Front zu machen. Oder muß noch mehr Unheil hereinbre­chen, bevor man in Frankreich aufwacht?

Das kleine, aber regsame Belgien versteht es meisterhaft, den Fremdenveckehr und damit den Wohl­stand des Landes zu heben. Dor fünf Jahren hatte