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M 95.

Samstag den 30. April MO

37. Jahrgang.

' fuldaer W Leitung«

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Druck und Verlag der Fuldaer Actkendrucker« in Fulda.

beiden genannten Brüder sind für die in der Loge

menschlichen Geistes über die widerstrebende Materie.

® -Aue TVeft und Missen. S

Opfer des Meeres wurden im Jahre 1850 die beiden Luftschiffer Brest und Dr. Armantieres, die in das Mttclländische Meer hinausgetrieben wurden. Im Jahre darauf stieg Powel mit zwei Begleitern cn der Südrüste Englands auf. Plötzlich schlug der Wind um und Powel, um nicht auf das Meer hinaus­getrieben zu werden, versuchte zu landen. Aber der Anker faßte nicht, und die Gondel wurde in rasender Eue über den Boden geschleift. Da sprangen die beiden Begleiter Powels heraus und der Ballon schnellte mit diesem in die Lüste und schwebte hinaus -ms das Wien. Von Powel und seinem Ballon sah man keine spur wieder. Das nächste Opfer der

Franzose L'Hoste, der 1887 bei Ä °uf di, offene See hinaus entführt sh ?efannt >st auch der Versuch des

"®rae ‘T Tahrr 1894, mit seinen bctben Genossen im Ballon dm Pol zu erreichen, wo­bei die kühnen Forscher wahrscheinlich auch in den Flutm de, Eismeeres den Tod gefunden haben. Aus der neuesten Zeit ist noch frisch in Erinnerung wie die beiden Leutnants Förtsch und Hummel bei der Gordon-Bmnettfahrt der Lüfte im Jahr 1908 voll Wagemut hinausfuhren auf die Nordsee und wie man später die Ballonhülle treibend im Wasser auf-

und der Arzt Dr. Schlosser an die Reihe, die im Falle einer durch letzteren hecbeigeführten Vergiftung eines Kindes die Schuld sehr geschickt auf den Apotheker ab-

Schon einer der ersten und kühnsten Pioniere in der Aeronautik, Pilatre de Rozier wurde ein Opfer seines Strebens nach Beherrschung des Lust­raumes. Er versuchte im Jahre 1785 mit einem Be­gleiter den Pas de Calais, jene schmälste Stelle des AermelkanalS, zu überfliegen. Unterwegs jedoch fing der Ballon Feuer, und aus großer Höhe stürzte er ab. de Rozier und sein Begleiter wurden in den Felsklip­pen der Bretagne tot aufgefunden. Mehrere Jahre später ,im Jahre 1803, kam der Lustschiffer DIinart ums Leben. Auch sein Ballon hatte hoch in den Lüf­ten Feuer gefangen. Im Jahre 1806 stürzte M o s- ment in Lille ab, und im Jahre 1812 wurde der Italiener Z a m b e c a r t bei Bologna ein Opfer Der Aeronautik. In demselben Jahre verunglückte bei Mannheim der Lustschiffer Bitt orf tödlich, wäh­rend 1819 die Aeronautik in der Person der Madame Blanchard das erste weibliche Opfer erforderte.

Die folgenden Jahrzehnte bringen wenig des Be­merkenswerten. Erst das Jahr 1870/71 und die Be- j lagerung von Paris ruft wieder ein allgemeineres Interesse für die Luftschiffahrt wach. Aus Paris wur­den damals 65 Ballons losgelassen, um Nachrichten! in die Provinz zu befördern. Von diesen erfüllten 57 ihren Zweck, 6 sielen den Deutschen in die Hände und 2 Rieben für immer verschollen. Sie wurden in das offene Meer hinaus getrieben auf Nimmerwiedersehen

pelt und unter das Knie ein weißes Letnentuch ge­bunden. Ferner mußten wir mit dem linken Fuß in eine Art Pantoffel (Latschen) fahren, der festgebunden wurde, weil wir ihn sonst beim Gehen verloren hätten. Die Bedeutung dieser Aenderungsvornahme in unse­rer Befleidung habe ich nicht erfahren. Sie war mir stets zu gleichgültig, als daß ich ein Bedürfnis empfun­den hätte, mich einmal darüber von einem höchster- leuchteten Bruder informieren zu lassen. Dergestalt ent- und befiel bet begaben wir uns auf die maure- rischen „Steifen'. Der Bruder Präparateur lud uns mit ausgesuchter Höflichkeit ein, ihm zu folgen. Vor­aus gingen die erwähnten beiden dienenden Brüder, ein jeder bewaffnet mit einem brennenden Stearin- kerzen-Stummel, bann folgte ich, hinter mir Prause, und ben Schluß machte ber Stuber Präparateur- Ein entzückendes Bild, das jedem Unbefangenen Tränen der Heiterkeit in die Augen treiben mußte! Zunächst | stieg diese Vergnügungsreise-Gesellschaft von fünf Mann eine ziemlich lange Treppe in einen Keller hinab und dann wieder eine gleichlange Treppe andererseits ! in die Höhe. Die Stufen dieser Treppen waren recht ausgetreten und wir mußten ungeheuer vorsichtig schreiten, um nicht zu straucheln, was bei dem schlot­ternden Latschen an unserem linken Fuß um so leichter möglich war, wenn auch die beiden dienenden Brü­der bemüht waren, in gebückter Stellung die Stufen zu beleuchten. Wir standen auf der obersten Stufe der auswärts führenden Kellertreppe vor einer schwar­zen Tür Diese öffnete sich scheinbar von selbst nach innen zu und wir wurden hindurchgeschoben. Lautlos und unsichtbar schloß sich die Tür hinter uns. Wir warm allein. Wir waren (gefangene. Der Raum, in welchem wir uns befanden, war wenig größer als ein Abteil eines Eisenbahnwagens und war mit schwarzem Stoff ausgeschlagen; auch der Fußboden war mtt schwarzem Stoff belegt, ebenso die Decke.

— Die älteste Turmuhr dürste nach einer Mittei­lung des „Buch für Alle' die Uhr der Kathedrale von Petersborough in England sein. Im Jahre 1320 wurde das Werk vollendet, und noch heute versieht die alte Uhr getreulich ihren Dienst. Sie ist die Arbeit eines Mönchs. Das Werk ist übrigens sehr einfach ge­arbeitet. Der Gang wird durch zwei 300 Pfund schwere Bleigewichte geregelt, die an einem 90 Meter langen Seil herabhängen, das sich um eine Holzrolle auf- wickelt. Sie schlägt die Stunden an den großen Kir­chenglocken; dann dröhnt ein 72 Pfund schwerer Ham­mer gegen die gewaltigen Glockenwände Das Gang­weck und das Schlagweck sind sehr einfach und sinn­reich durch eine kurze Schnur verbunden. Die alte Uhr besitzt übrigens keinen Stundenzeiger. Trotz de» einfachen Weckes und der rohen Arbeit hat die ehr- würdige Turmuhr sechs Jahrhunderte lang getreu­lich ihre Wicht erfüllt.

zur Bruderliebe geübten Tugenden sehr charakteristisch. Ein weiteres Kapitel tritt dafür ein, daß man (es handelt sich offenbar um die altpreußischen Logen) den Juden in der Freimaurerei mehr entgegenkomme — vielleicht nach dem Wunsch des Verfassers so ähn­lich wie in Rom und Paris. Denn auf die Katho­liken ist er gar nicht gut zu sprechen. Drei Katholiken waren nämlich daran schuld, daß er bei seiner Ver­sitzung in eine andere Stadt hier keine Ausnahme in die Loge fand.

Weckvolles Material ist in den „Erlebnissen und Enttäuschungen eines alten Logenbruders" nicht ent­halten- Sie sind aber geeignet, einem eine angenehme, heitere Stunde zu verschaffen.

fischte. Die beiden Offiziere blieben verschollen. Zu erwähnen ist bann noch die Unglücksfahrt des Abg. Dr. Delbrück mit dem Ballon „Pommern' an­fangs April dieses Jahres und des Professors Abegg aus Breslau mit dem Ballon „Schlesien', die in der Nähe Stettins ein Opfer des Meeces wurden, beide Katastrophen noch in allzufckscher Erinnerung.

Weniger zahlreich sind die Katastrophen, die durch Explosion von Ballons herbeigeführt wur­den. Im Jahre 1897 stiegen auf dem Tempelhofer Feld bei Berlin in ©egentoart vieler Offiziere Bei der Kaserne der Eisenbahner Dr. Wölferi und der Me­chaniker Knabe in einem Ballon auf. Der Ballon explodierte in der Lust und die beiden Insassen stürz­ten, furchtbar zerstümmelt, tot zur Erde nieder. Noch alle stehen wir unter dem Eindruck des Unglücks bei Reich en sachsen in unserer nächsten hessischen Heimat, dem vier blühende Menschenleben durch die j Tücke eines Blitzstrahles zum Opfer fielen.

Auch die Luftschiffahrt mit lenkbaren Bal- l on s kann auf eine stattliche Reihe schwerer Unfälle zurückblicken. Auf dem Tempelhosir Felde fand der Ingenieur Schwarz bei einer Versuchsfahrt mit seinem lenkbaren Aluminium-Luftschiff den Tod. Ein furcht­bares Ende nahm im Mai 1903 bei Aokland in Kali­fornien eine Probefahrt des von amerikanischen Luft- schissem und Finanzleuten erbauten Lenkballons Great Morell. Das mit 16 Personen bemannte Luftschiff, das 150 Meter lang war, stürzte aus einer Höhe von etwa 100 Metern infolge einer Gasexplosion in die Tiefe; von den 16 Insassen finden sieben ben Tod. Im vorigen Jahre entführte der Sturmwind die fran- zösische „Patrie" über Länder und Meere. Wo sie gesunken ist, weiß fein Mensch. Nur in Irland fand man Trümmer, die sich bei einem Anprall der luftigen Freibeuterseglerin losgelöst hatten. Der französische Lenkballon „Republtque" wurde hoch in den Lüsten von einem abgerissenen Propeller getroffen, das Gas entweicht und der unstarre Ballon saust in die Tiefe mit vier tapferen Offizieren, die von ber ganzen Nation betrauert werben. Und noch kürzlich, fast zu gleicher Zeit mit der Katastrophe von Weilburg, über­schlug sich in Farrnborough das neuerbaute englische Armeelustschiff und wurde vollständig zerstört.

All diese Vorgänge zeigen uns eins mit Gewiß­heit: Wir stehen mit der Beherrschung der Stifte im­mer noch am Anfang- Menschenweck ist Stückweck, sobald sich höhere Mächte dagegen auflehnen. Eins ist notwendig: in ftetiger Arbeit das schwere Problem

Prozeß der Prozeß eines Gottes sein soll, der in jedem einzelnen Geschöpfe ringt, leidet, siegt und stirbt, um im religiösen Bewußtsein des Menschen die Schranken bet Enblichkeit zu überwinden und seinen bereinigen Triumph über das gesamte Weltleib vorwegzunebmen (236): so ist baS eine Weisheit, die letzten Endes auf die Münch hansiade hinausläuft, daß der Mensch an seinem eigenen Schopf sich ans dem Sumpfe ziehen soll Seneca und andere Wortführer des sterben­den Altertums haben schon bekannt: Niemand kann sich selbst eckösrn, es sei denn einer, der ihm die rettende Hand bietet

Als einmal in einer Versammlung in Paris La RevelliSre Lepeaux seine neue Religion, den Theo- PhllanttopiSmus, verkündete und deren Ausbreitung und AuSblldung zur Weltreligion als Kinderspiel hin- stellte, entgegnete ihm Tallcyrand, er sei ganz ber Mei­nung deS neuen Rcligionsstisters, nut eines fehle noch ber neuen Religion zur Vollkommenheit. „Unb bas wäre?' meinte bet Mann. Ihm ward die Antwort: „Sie müssen wie Christus leiben, sich kreuzigen lassen und sterben und am britten Tage wieder auferstehen *

Befolgen Sie diesen Rat, Herr Professor Drews, bann wollen wir über Ihren monistischen Pantheis­mus als die Zukunftsreligion der Menschheit weiter verhandeln.

Allerlei.

— WaS kostet das gesprochene Wort im Reichstage^ Jüngst ging eine Notiz durch die Presse, die die Kosten des gesprochenen Wortes im Reichstage be­rechnete und zu dem Ergebnis kam, daß jedes Wort 10 Pfennige koste. Dieser Berechnung war die Auf­wendung für den stenographischen Dienst mit 600000 Mark zu Grunde gelegt. Diese Summe, die im Etat für 1910 genau 597181 Mk. betragt, umfaßt indessen die Geschastsbedütfnisse Schreibgebühren, Register zu den stenographischen Berichten usw., hat aber mit der eigentlichen Angelegenheit nichts zu tun. Der stenographische Dienst im Reichstage setzt sich im Etat folgendermaßen zusammen: Besoldungen in Höhe von 108350 Mk., Wohnungsgeldzuschüsse 30300 Mk. Wenn man hiervon noch die nötigen Abzüge macht, bann erhält man die Ausgaben für das stenographische Büro in Höhe von rund 120100 Mk. Nach dieser Aufstellung würde das gesprochene Wort im Reichstage nur 2 Pfennige kosten; für I manche Reden ist das reichlich genug! Aehnlich ist es im Herrenhaufe, wo die Ausgaben für den steno­graphischen Dienst ungefähr rund 28000 Mk. be­tragen; unter Einrechnung aller übrigen Auf­wendungen, wie Wohnungsgeldzuschüsse usw. werden die Ausgaben 40000 Mark betragen. Das gespro­chene Wort im Herrenhaus kostet demgemäß etwa 8 Pfennig. Es ist also 4 mal so teuer wie das Wort im Reichstage; jedenfalls ist es also demgemäß auch um so viel mehr wert. Diese ganze Rechnung ist aber trotzdem falsch. Will man die Kosten des in den Parlamenten gesprochenen Wortes überhaupt feststellen, so müssen selbstverständlich alle Auf- Wendungen bmeingezogen werden, durch die ein Wort im Reichstage erst möglich wird. Es müßte also zuerst der Ausgabeetat der Parlamente in Be­tracht gezogen werden, der für 1910 beim Reichs­tage sich auf 2103255 Mk., beim Abgeordneten- bauie auf 1799915 unb beim Herren ause auf 306530 Mk. stellen. Nach dieser Rechnung würde dann das gesprochene Wort im Reichstage ungefähr 40 Pfennig — ein teures Wort — kosten. Im Herrenhaus sogar ungefähr 60 Pfennig und nicht viel weniger im Abgeordnetenhaus. J.

△ Schwarze Tage für die Luft- fchiffahrt.

Zu ben schwarzen Tagen unserer deutschen Luft­schiffahrt muffen wir sicherlich in erster Linie bie Tage von Echterdingen unb von Weilburg rech­nen; Eckterdlngen, bas bie Trauer um ben Verlust eines Kulturwerkes auftobern ließ in bie Lohe einer nationalen Begeisterung, bie ben Verlust vielfach wett machte; und Weilburg, über bas wir heute trauern. Beide male sind es Schiffe des Typs „Zeppelin", bie von höherer Gewalt zerschmettert würben.

Es haben bie Tage von Echterbingen unb Weil­burg in ber Geschichte ber Luftschiffahrt, bie von dem Ausstieg bes ersten Freiballons in St. Cloud, dem 21. November 1783, datiert, schon eine große Reihe Vorgänger, wobei es sich um Ballons jeder Art — von ben Flugmaschinen sehen wir ab — handelte, fluch wirb der Tag von Weilburg nicht ber letzte In einer Art fein. Zu verwundern bleibt dabei, baß trotz biefer reichen Zahl Unfälle bie Ernte, die Freund Hein gemacht, verhältnismäßig spärlich ausgefallen ist. Man wird die Zahl der tötlichen Unglücksfälle mit etwa 100 nicht zu tief angeben, vielleicht eher zu hoch. Selten war es ein Versehen der in ben Lüsten I chwebenden Menschen, wobnrch bas Unglück herbei- zeführt wurde. Die schlimmeren Feinde der Lust- chiffer sind dir Elemente, sind Feuer und Unwetter Es ist gerade als ob sich die Elemente gegen bie Ver­wegenheit bes Menschen wehren wollten-

ren höflichst bitten, sich zu cntficlben?' Na, die Sache | kann gut werden, dachte ich. Von Schönheitsabenden und Nacktlogen war damals bie Welt noch nicht an­gekränkelt, wenigstens hatte ich davon noch nie etivas vernommen. Hast du „A' gesagt, mußt du auch „B" sogen. Also flugs herunter mit Frack, Weste und — „halt" fommanbterte der Bruder Präparateur, „ich danke, meine Herren, es genügt/ Gott fei Dank! ich war gerade daran, mich des dem Körper am näch­sten liegenden weißleinenen Kleidungsstückes zu entle- bigen. Inzwischen aber hatte sich an einen jeben von uns beiben einer ber bienenben Brüder herangepürscht unb hatte uns bie Hose des linken Beines hochgekrern-

Zu einer grauenerregenden Todesfahrt gestaltete sich die Fahrt des berühmten Luftschiffers Tissan- d i e r im April 1875 mit zwei Begleitern. Sibel und ®roc6 Spinelli Als bie brei in eine Höhe von etwa 7500 Meter gelangt waren, verloren Sibel unb Erocö infolge der dünnen Lust und ber großen Kälte bie Besinnung. Der Ballon stieg bis auf 8000 Meter unb nun wurde auch Tissandier ohnmächtig Der Ballon fiel jetzt unb fiel immer schneller. Tissandier erwachte wieder aus seinem bleiernen Schlaf unb ver­suchte Ballast auszuwerfen; er war aber zu schwach unb rief seinen beiben Begleitern zu, sie sollten sich ermannen unb ihm helfen. Doch bie lauerten, taub und stumm, in einem Winkel der Gondel die Köpfe in ihre Reifedecken gehüllt, und alle Versuche, sie zu retten, waren vergeblich. Sie waren tot Ihre Ge­sichter waren blauschwarz, und aus ihrem Munde j floß Blut Mit gewaltigem Anprall stieß der Ballon aus die Erde; ein wildes Rasen über den Boden, bis ber Ballon enblidj an einem Baum hängen Blieb und Tissandier als einzig Ucberlebenber ben Fuß auf die Erde fetzen konnte

” Freimaurischer Mummenschanz

Vor kurzem erschien im Marituna-Verlag in Ber­lin W ein merkwürdiges Buch: 25 Jahre Freimau­rer, von Otto Milim. Erlebnisse und Enttäuschungen eines alten Logenbruders. Der Inhalt ber 74 Seiten stacken Schrift wird durch das ausgedruckte Motto ge­kennzeichnet: „Nein, Herren, seht mir ins Gesicht! Ich seh' es ein, ihr habt uns nur zum Vesten." (Goethe.)

Der Exbr.'. war schon durch seine Aufnahme in die Loge zur wahren Bruderliebe bitter enttäuscht. Wer lacht auch nicht laut auf, wenn er folgende' Schil­derung lieft:

| . In der Vorhalle eines Saales wurde ich von dem Bruder Präparateur und zwei dienenden Brüdern empfangen. Dann war noch ein vierter Herr anwe­send, ber mir als Herr Prause vorgestellt würbe, und ber, gleich mir, am heutigen Abenb in bie Mysterien bet königlichen Kunst eingeführt werben sollte. Unb nun begann der Hokuspokus: Zunächst würben wir burch ben Bruder Präparateur höflichst ersucht, alles, was wir an Geld und Pretiosen bei uns führten, ihm auszuhändigen. Mein Portemonnaie, meine Uhr mit ber Kette wanberien in seine Hände. Meinen Ver­lobungsring hatte ich daheim auf der Waschtoilette versehentlich liegen gelassen „Darf ich nun bie Her-

l°ien' ^en Jahrhunderte zu verwirk- zuwälzen verstanden, gegen den bann ein Strasverfah-

«ch-n suchen, unbeirrt durch bedauernswerte Zwischen- rcn eröffnet wurde. Die gerichtlichen Aussagen der falle und im Vertrauen auf den, endlichen Sieg des 16eiben aenautltel. früher sind Mr di- in her Pn«

Drews Beweise.

Es ist eine leichtfertige, um nicht zu sagen, leicht­sinnige Beweisführung, die Drews eingetragen hat, um baqutun, daß Christus nicht geleb:: habe.

Contra factum non valet argumentum: Gegen Tatsachen gibts keinen Beweis, sagt die alte Scholasti! unb biefen selbstverständlichen Satz hat Drews außer Acht gelassen. Darum mußte er scheitern. Auch sein Freund unb Kollege Boethlingk, der gleich, wenn es ein Feueckein gegen bie „Pfaffen" anzufachen gilt, mit der Petroleumklüme gelaufen kommt, kann ihn mit seinen hohlen Deklamationen im „Freien Wort", die- fem Organ für Halb- unb noch minder „Gebildete" nicht retten

Drews „arbeitet" an verschiedenen Stellen seines Buches mit den Schriften von Ghillany: „Die Menschenopfer bei ben alten Hebräern" und von Dau- m e r: „Der Feuer- und Molochdienst der alten He­bräer"- Diese beiden 1842 (!!) erschienenen Wecke bilden für Drews die Grundlage, um das Leiden des Messias als uralte Sagen nachzuweisen, unb zu zei­gen, ,wie bie Annahme sich zu bilden vermochte, daß in feinem schimpflichen und unverdienten Tode Gott jckbst sich für die Menschheit geopfert habe' (51).

Ghillany, ber eine Gewährsmann Drews, war Stadtbibliothekar in Nürnberg und befreundet mit Daumer, dem spätem — Konvertiten. Letztem werden also Drews unb alle seine Nachbeter wohl fallen lassen und an ben erstem wird bie „Frankfurter Zeitung" auch wenig Freude mehr haben, wenn wir ihr verra­ten, daß Ghillany seine Aufstellungen machte, um den — Ritualmord zü beweisen, zu dem noch heute, wie er behauptet, jeder Jude verpflichtet fei "

Eine weitere Grundlage ber Drewsschen „Beweis"- führnng ist die Behauptung, daß Tod unb Aufersteh­ung des „Christus" uraltes babylonisches Erbgut ge- welen fei. Dock in Babylon sei von den Sterndeu­tern im Anschluß an das Vorrücken des Frühlings­punktes, b. h. eines ber beiden Schnittpunkte von Son­nenbahn unb Himmelsaquator, der allmählich alle Sternbilder der Ekliptik (Zwillinge, Stier, Widder usw) durchläuft, jetneils die mtsprechende mytholo­gische Deutung auf einen sterbenden bezw. auferstehen- ben Gott verkündet werden. Eine Probe für bie Ar­beitsweise Drews sei anzuführm gestattet:

„Ilm das Jahr 800 v. Chr. war die Sonne, der

Eine schwarze Zigarrenkiste! Das also war b „schwarze Kammer", von ber ich schon in meinen jüng­sten Jahren gehört hatte, und deren gruselige Schiibe- rung ich stets für einen schlechten Witz gehalten hatte, da ich mir unmöglich denken konnte, daß Män­ner, Männer, welche ernst genommen sein wollen, sol­chen Mummenscherz treiben können. Der B.: Prä­parateur kehrte nach einiger Zett zurück und richtete die höfliche Ditte an uns, ihm zu gestatten, uns die i Augen verbinden zu lassen und ihm bann zu folgen.

DaS Augenverbinben besorgten bet bienenden Brüder bestens. Zu diesem Zweck bedienten sie sich Binden, die mit zwei in bie Augenhöhlen passenden kleinen Polstern versehen waren, und ich kann oersichem, daß es absolut unmöglich war, auch nur einen Schnnniek zu sehen. Nach einer langen Wanderung, bei welcher wir Ann in Ann gingen unb von ben dienenden Brü­dern an ber Haub geführt wurden, und währenb wel­cher wir vorn Bmber Präparateur mit Warnungs­rufen wie: „Bücken Sie sich, bücken Sie sich recht tief, hier liegt querüber ein Balken, unter dem Sie durch­kriechen müssen." „Machen Sie einen recht großen Schritt, hier fließt ein Wasser, das Sie überschreiten müssen", unb ähnlichen Scherzen in eine recht gruselige Stimmung versetzt werden sollten (ich fühlte, wie Prause merklich an meinem Arme zitterte, ber Zweck war wieberum nur halb erreicht), hieß es plötzlich: „Halt!" „Wir stehen vor einer Tür, klcpsen Sie an!' ! In bem Augenblick, in dem wir biefer Weisung Folge leisteten, dröhnte ein mächtiger Schlag uns von innen entgegen. Diesmal war der Zweck der Hebung ganz erreicht, denn nicht nur Prause, sondern auch ich, der ich mir einbilde, recht beherzt zu sein, schreckte zusam­men unb unwillkürlich, aber naturgemäß, prallten wir einen Schritt zurück. Wozu dieses Blech!? — Mir aber wollte es scheinen, als ob ich ein leises Kichern ber uns führenden Drüber vernahm Kinder! Die Tür wurde jetzt, luie es mir vorkam, geöffnet und eine Stimme fragte: „Wer ist da?" „Zwei Suchende, die Einlaß begehren", antwortete der Bruder Präparateur usw. Nachher Tarnen bann noch einmal verschieden; „Reisen", bie, wie bie eben geschilderten, die Kandi­daten „bange" machen sollten.

Nun kommt der Exbr. auf die Erfahrungen zu sprechen, die er in der Loge zur wahren Bruberlieb; gerade mit ber Vruberliebe gemacht habe. Zuerst kommen zwei Brüder, ber Kreisphysikus Dr. Treber

jm etcrrjnlb des Stieres gestanden batte r infolge des P°lonrfen§ der Tag- und Nacktgleicheh in dasjenige »es Widders eingetreten. Damit war sie nach nftro» Äscher Denkweise selbst zum Widder geworden. »Senn sie vorher als der Stier den Frühling eröffnet »nd die Welt von der Herrschaft des Winters erlöst batte, so gingen diese Funktionen nunmehr auf den Widder über und biefer wurde zum Symbol de? Gottes und der sühnenden Opseckiere. Nun wurde von den Persern das Sternbild des Widders mit einem Worte bezeichnet, das ebensowohl auch „Lamm" bedeuten tonnte* (damit soll es dann zusammenyängen, daß die Juden am Frühlingsanfang das Passahlamm zu verzehren pflegten, und auch die Idee des „Lammes Gottes" stammte daher. [101 f]).

Hier ist Drews das Opfer seiner fürchterlichen Kri­tiklosigkeit unb Leichtgläubigkeit geworben. Er bat seine Kennti« au§ ben Schriften ber einseitigsten baby­lonischen Mythenfabrikaiiten bezogen, mts Winckler, Jeremias, Jensen. Seine ganze Beweisführung steht und fällt mit ber Beantwortung ber Frage, ob ben alten Babyloniern bie Kenntnis ber Prozession, das Vorrücken ber Tag- und Nachtgleichepunkte bekannt war. Unb diese Frage ist erledigt unb zwar vernei- tt( n b. Noch nicht einmal nm Ausgang des zweiten Jahrhunderts v Chr- haben bie Babylonier bie Prä­zision gekannt, bie erst von Hipparch oon Niräa, dem Astronomen von Rhodos entdeckt wurde (Das ist das unanfechtbare Ergebnis ber Arbeiten Kuglers von besten großem Weck „Sternkunde unb Sternbienft in Babel", zwei Bände (Aschenborff-Munster) bisher er­schienen sind.

Haben wir bisher Ausstellungen Drews berücksich­tigt, bie noch einigermaßen eine wissenschaftliche Dis­kussion gestatten, so fehlt es in bem Buche nicht an Be­hauptungen, bie einfach als Unfug bezeichnet werben müssen. Wir nehmen als Beispiel bie Behauptung, bie Bezeichnung Christi als „Nazarener" habe nichts mit bem Ort Nazareth zu schaffen, bem Namen eines vorchristlichen Kultgottes einer Geheimsekte!!

Und solche Phantasien füllen ben weitaus größten Teil des Drewsschen Buches!! Es ist nicht übertrieben, wenn ber Frankfurter Pastor Bornemann geurteilt hat, beim Lesen von Drews Buch habe er bie Empfindung gehabt, als hätte er „einen Zirkus für nittkwlogische ober religionsgeschichtliche Kunststücke be­ucht unb wenn ein anderer (Weinel, aa O S 7) neint, „es ist gar nicht möglich, die Fülle der Gesichte ilnd den ganzen Wirbeltanz mnthologischer Gespenster wfzuzahlen die in ber Drewsschen Walpurgisnacht sich un Stellbtchein geben" 1 ’

Unb ganz zu schweigen von ber Schreckensherr- fchast, welche Drews übt, um bie gesichertsten Zeugnisse “ür Christus aus ber Welt zu schaffen. Alles, einfach tlles, was dafür spricht, ein Bericht des Tacitus in Zeugnis der Apostel unb Evangelisten, ein Zeug­nis bes Paulus: alles muß unecht sein. Drews befiehlt unb wills, unb die Tatsachen — nun, bie sol­len eben nicht. Tatsachen find brutal unb fragen o gar nichts nach ben Wünschen eines außerordentli­chen Philosophieprofessors. Begreiflich, daß alles un­echt sein soll: benn wer die Sonne vom Himmel Mrzt, .nuß die Planeten nachwerfen. Die geschichtliche Existenz eines Petrus, eines Paulus zu bestreiten, ist ft* einfach ein Aderwitz. Sind aber die Apostel ge­schichtliche Persönlichkeiten, dann ist auch Christus, ber öettenjigt worben unb von den Toten auferftanben ist, rn^geschichtliche Persönlichkeit Ohne ihn wären sie psychologisch unbegreiflich.

bii>f*rnkpfoc$ok’9ifä’en Verständnis aber mangelt c3 ^hebeckonstruktion, welche glaubt, bie gewal- ffbrift; ~"vun9 der Weltgeschichte, das Fortwicken tfoflrfi™ Jahrtausende nach feinem Tobe, jene ein- Lett r,?.L'? e£[un9' welcher die alles sonst vernichtende tmg etfifirrnn^a6,e.n fann' mit »»er — Phantasiebich.

9Uern (j? 8u können.

SnnTn niÄ &eint' ber Menschheit aufhelfen zu einem Monismus, nach welchem ber Welt-