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II

Monaisbellage: „Zuldaer Geschichtsblätter

9

Erstes Blatt.

Fulda, Dienstag den 26. April 1910,

M 94.

37. Ja;ria,n

-eranlw. Rttaftexri «arl Schütter

Urschet« täglich mn Avrnahm« der So.m- ««dZelertage.viertel- jShrlichervePlgrpreir ohne Sringerkohn und vrsteSgeldmZuldnst» wie ««swärtr 1.5V Mk.

Snzrige«: vtr etn> fpaltige Petitzeile oder deren Kaum 15 pfg. Revamendrepetitzette 25 pfg., bei Wieder­holungen wird enispr.

Uabaft gewährt.

Soiatkonsdruckund Verlag der Kutdaer M- tiendruckerei in Fulda Fernfprechrr Nr. 9.

Eine

Kaiser hat statlfindende enbuirdes in

Deutscher Reichstag

Sitzung vom 25. April 1910.

[] Tie Kämpfe nm die Diamanten.

Die Auseinandersetzungen zwischen dem Äbg. Erz» berget und den, Staakssekreiär Dernburg in der Budgetkommlss i on des Reichstages" bei Be- ratung des Kriegskostenantrages haben am Montag ihre Fortsetzung gesunden.

Ter Staatssekrelär beleuchtete die Denkschrift aus Südwestafrika. An Hand der Akten stellte er Irrtümer der Denkschrift fest, und wandte sich dann gegen die Behauptung, daß er bet den Verhand­lungen mit den Diamanlen-Jnteressenten die Reichs­interessen nicht gewahrt habe, Zum Schluß be­kämpfte er wieder den Antrag Erzberger. Ter störe die Verhandlungen mit der Kolonialgesellschaft. Er habe alles zu erfüllen sich bemüht, was die Kom­mission verlangt habe, mehr sei nicht zu erreichen gewesen.

Die weiteren Verhandlungen bekamen insofern eine interessante Abwechselung, als inzwischen auch die wirtschaftliche Vereinigung einen An­trag eingebracht hat, der von demselben Gedanken ausgeht, wie der Erzdergersche Antrag. Er will den Ertrag der Vermögenssteuer auf alle Gesell­schaften mit über 300'03 Mark Vermögen von 81 Millionen Mark (die Erzberger beantragt hattet auf 36 Millionen herabfetzen, sie auch nicht in 4 Jahresraten, sondern in 6 erheben. Weiter verlangt er, daß

I) die Diamanten nicht unter die Vorschriften der Bergverordnung fallen;

2) der Landesfiskus allein das Recht der Festsetzung und Erhebung der Bergwerksabgaben erhält und ihm allein die Berghohett zukommt;

3) Lmveskoazessionrn und BergwerMonderberech- tiguageu nach Anhörung des südwestafritanischen Lan- desrates nur mit Zustimmung des Bundesrats und Reichstages erteilt werden können."

Dieser Antrag wurde vom Staatssekretär Der«' bürg sogleich ebenso abgelehnt, rote bet Erzdergersche. Im Haufe aber fand er Zustimmung. Konservative, Freikonservative und Nationalliberale waren zwar dagegen, die übrigen Parteien waren wenigstens bereit, entschieden etwas ähnliches durchzusetzen. Den Kern deS Streites bildete die Behauptung Dern- burgs, Erzberger wolle das Vermögen der Gesell­schaften .konfiszieren.' Zu diesem Punkte machte sowohl der Abg. Lattmanu (wirtsch. Vgg.) als auch Abg. Erzberger Ausführungen von größerem Interesse. Abg. Lattmann führte auZ:

Ausland.

r Die Wahlen t« Frankreich

haben durchaus nichts Neberraschendes gebracht. Die greuliche Wahlmache der Regierung und die schlechte Organisation der bürgerlichen Opposition ließen mit aller Sicherheit einen Erfolg der Re­gierung erwarten. Daran hat auch der in den letzten Wochen erörterte Liquidationsskandal nichts geändert. Die Katholiken haben die Stunde wieder einmal versäumt, vielleicht für immer. Briand kann sich beruhigt in seinem Ministersessel überlegen, wie er die seinen Wählern mit den schönsten Worten gegebenen Versprechungen er­füllen will — oder auch nicht. Die künftige Stärke der einzelnen Parteien läßt sich rach den bis­herigen Ergebnissen noch nicht genau seststellen. Sie hängt vom AuSgange der Stichwahlen ab.

Deutsches Keich.

* Berlin, 26. April 1910. Der

für das am 2. Juni dieses Jahres Bundesschießen des nationalen Schü Ncwyork einen Preis gestiftet. — Der bayerische Mikitärbevollmächtigte in Berlin, Generalmajor o. Gehsattel, wurde zum Generalleulnant be­fördert. — Die Beisetzung der Leiche des verstorbenen Abg. Fr. Hager findet am Mittwoch nachmittag in Breslau statt. Die Zentrumssraktiou des Abge­ordnetenhauses wird in eine Deputation vertreten

Ma« sage, die Kolonie fei für das Reich er­worben wordm. Stabet gehöre der größte Tell der Rechte nicht dem Fiskus, sondern den Gesellschaften. Das Rech habe die Wertsteigerung in der Kolonie verursacht und solle davon nicht einmal seinen Teil erheben können. England habeTrans- vaal 600 Millionen Kriegskontribution auferlegt, zahlbar in drei Jahre«, und die Gold­minen müßten die Garantie übernehmen. Redner nennt noch eine Reihe von anderen Präzedenzfällen. Er selbst habe am 13. Dezember 1906 unter Zustim­mung vom Regiernngsltsche beantragt, »alle Land- und Bergroerksrechte von Kolonialgesellfchasten für verwirkt zu erklären und sie an den Fiskus des betr. Schutzgebietes zurückfallen zu lassen ohne jede Gegen­leistung." Das fei viel weiter gegangen als sein jetziger Antrag, und doch habe es damals nicht nur den Beifall des Reichstages, sondern auch der Regie­rung gefunden, nur fei der damalige Zeitpunkt für die Durchführung als nicht günstig bezeichnet Worten. In dem Anträge Lattmann fehe er Verbesserungen seines Antrages. Die klare Auseinandersetzuug mit den Ge­sellschaften habe, wie er bestimmt wisse, viele Freunde in allen Fraktionen. Lehne man heute die Abrechnung mit den Gesellschaften ab, so würde man tu etwa zehn Jahren mit Schrecken sehen, welche ungeheuren Auf­wendungen bis dahin nölig würden, um die sich als unvermeidbar erweisende Ablösung vorzunehmen.

Nach ununterbrochener fünfstündiger Sitzung vertagte sich die Kommission auf Dienstag.

an der Umverfität Münster tatsächlich große Mängel bestehen und habe einen Komm ssar nach Münster ge­sandt, um sich über die dortigen Verhältnisse zu orten« tieren. Nus Grund des Ergebnisses dieser Untersuchung f>m gekommen, daß in d<c Tal

Äbg. Dr. Regelei» (kons.) spricht sich gegen die Errichtung einer Universität in Frankfurt aus.

Abg. Dr. Liebknecht (Soz.): Die heutige Universität trägt ausgeprägten Klaffencharalter. Akademische Lehr- frecheit gibt es bei uns nicht. Das mutige Vorgehen des Bonner Rektors gegen das skandalierende Korvs Borussia begrüßen wir; dagegen hat der Hallenser Rektor bei der letzten Wahl durch Heranziehung der Studenten z» Schlepperdiensten gegen die Sozialdemo­kratie eine schwere Amtsüberschreitung begangen.

Abg. Dr. Bell (Ztr.) fordert eine Reform des juristischen Studiums, Erweiterung auf sieben Semester, Ausfüllung der Lücken bezüglich des Völkerrechts und des internationalen Privalrechts. Die lleberfüllimg der Universitäten erfüllt unS mit banger Besorgnis.

Rach weiteren unerheblichen Debatte erfolgt Ver­tagung ans Dienstag.

sein. — Ein Konsukatsgebühreugesetz ist dem Reichstage soeben im Entwurf zugegangm. Die Vorlage will das Gebührenwesen in einer Weise regeln, die sowohl dem Interessen des Reiches als auch denen der Konsuln gerecht wird.

Die Wahlrechtskommisfio« des Herrenhauses trat am Montag zur Feststellung des Berichts an das Plenum zusammen.

X Tie Entlastung des ReichsgeriiPs macht den be­teiligten Instanzen große Sorgen. In der zustän­digen Reichstagskommsssion ist soeben der Vorschlag der Regierung, wonach die Revision versagt werden soll, wenn die vorhergehenden beben Instanzen gleichlautend geurteilt haben, einstimmig adgelehnl. Ein Antrag, allgemein die Revisionssumme aus 5000 Mark sestzusetzen, wurde gleichsalls abgelehnt; dahin- gegen ein Kompromißanlrag, zur Aufarbeitung der Reste Hilfsrichter zu bestellen, zu weiteren Entlastung des Reichsgerichts generell einen neuen Senat einzu­führen und die Revistonssumme allgemein auf 4000 Mark zu ersähen, mit 15 gegen 6 Stimmen ange­nommen. — In Fachkreisen herrscht vielfacher Zweifel darüber, ob das der richtige Weg zur En - lastung des Reichsgerichts ist. Aber was muß an- grsichts des jetzigen Notstandes (— der Termin- kniender ist stets auf ein volles Jahr hinaus be­setzt l —) nicht alles probiert werden!

ae.Die Reichs vrrficherungsordimug beschäftigt gegen- wärlig die Interessenten sehr stark. Ein außer­ordentlicher deutscher Gewerkschaftskongreß, der oon der Generalkommission der freien Ge­werkschaften Deutschlands einberufen war, trat am Montag in Berlin zusammen, um zur Reichsver- si herungsordiiung Stellung zu nehmen. — Am Sonntag trat der Elferausschuß der deutschen Lan­des verf i ch cr un g s ansta lt en in Berlin zu­sammen, um zur Reichsversicherungsordmmg Stellung zu nehmen.

)( Die großen Flottenmanöver dieses Frühjahrs vollziehen sich :n der Nordsee. Sie beginnen am 29. April mit dem Auslausen des zweiten Ge­schwaders und der Aufklärungskreuzer von Kiel. Die beteiligten Schiffe haben durch die dänischen Ge­wässer nach der Nordsee zu Stampfen, um sich mit dem Wilhelmshavener (1.) Geschwader zu vereinigen.

+ Eine Interpellation wird, wie wir hören, von den den christlichen Gewerkschaften nahestehenden Reichstagsabgeordneten vorbereitet. Es handelt sich um folgenden Tatbestand. Der Reichstag hat im Etat der Post- und Telegraphenverwaltung einige Millionen gestrichen- Die Postverwaltung will dies nm; anscheinend mit der Entlassung einiger tausend Arbeiter beantworten. Aus Düsseldorf wird gemeldet, daß dort beretts ca 100 Telegrapbenarbeiter, die dem christlichen Verband angehören, entlassen worden find. Die Jnterpellaiton will den Gnind der Enüaffung fessstellen. Bei dieser Gelegenheit soll auch die ganze eigenartige Haltung, welche die Postverwaktung gegen­über dem christlichen Verband einnimmt, einer Kritik unterzogen werden.

* Gras v. Pvsadowsky-Wehner, der frühere Staats- Minister, ist, wie der .Reichsbote' mitteilt, in den AuffichtSrat der Preußischen Lebensvcrsicherungs- Aklien-Gesellschaft in Berlin eingetreten. Der Graf scheint danach, meint das Blatt, jede Rückkehr in eine hohe amtliche Stellung als ausgeschlossen an« Zusehen.

— Dir völlige Trennung von Kirche und Schule forderten die liberalen protestantischen Geistlichen Thüringens, die sich in diesen Tagen zum zweiten Thüringer Kirchentag in Gotha zusammengefunden hatten. Die Versammlung stimmte unter anderem folgenden Leissätzen des Seminardirrk- torS Dr. Witzmann (Gotha) zu:

1. Der Religionsunterricht ist ei» wesentlicher und unentbehrlicher Unterrtchtsgegenfland der VottSschnle. 2. Die kirchliche Beaufsichtigung des Re­ligionsunterrichts ist, wo sie noch besteht, aufzu­heben. 3. Retn Lehrer sollte gezwungen sein, wider seine Ueberzengung Religionsunterricht zu erteile«. 4. KatechiSmuSunterricht im ge­wöhnlichen Sinne deS Worte- gehört nicht in die Volksschule.

Em Petition betreffend Abschaffung von Animier­kneipen wird ohne Debatte der Regierung zur Berück­sichtigung überwiese«.

Es folgt die Beratung eines Berichtes der Budget- kommission, betreffend die Lerminberung ber Reichstags­druckfache«.

Nach Erörterung der BerhSlluisse der Reichsdruckerei zwischen dem Abg. Erzberger (Zentr.) und dem Unter» staatssekretär tm Reichspostamt Franz werden die Sotnmiff onSanträge angenommen.

Erste Beratung des Gesetzentwurfes betreffend die Errichtung eine» Kolonialtsnsulargerichtshoses. Die Vorlage bestimmt, daß für Sachen der Kolonial- und Konsulargertchtsbarkeit ein oberster Gerichtshof mit dem Sitz in Berlin errichtet werden soll.

Abg. Am Zehnhoff (Ztrtt erörtert die Zweckmäßig- kett eines gemeinschafttichen Obergerichts und beantragt, die Vorlage der Kommsssion gur Entlastung des Reichs­gerichts zu überwessen.

Abg. Dove (Fortschr. Vp.) begrüßt die Vorlage' üenn es sei wichtig, daß endlich eine einheitliche Instanz für Kolonialrecht geschaffen werde.

Abg. Semler (voll.) seht Zweifel darein, ob es richtig sei, Verwaltungsbeamte mtt ben Richterstellen zu beauftragen.

Abg. Schultz (Rp.) meint, daß die Vorlage zu Be­denken Anlaß geben werde, wegen der großen Kosten.

Staatssekretär Dernburg bedauert, daß die Bor­lage dem Reichstage nicht ftüher habe zugehen lönnen. Der gegenwärtige Zustand der Reichsunsicherheit in den Kolonien sei so halttos geworden, daß tnuttchste Be­schleunigung der Vorlage dringend nottue.

Abg. Dr. Giese (kons.) stimmt der Vorlage zu.

Abg. Stadthagen (Soz.) meütf, daß die Vorlage, so wie sie jetzt aussehe, dem kaiserlichen Bersügungs- recht zu viele Befugnisse einräume.

Die Vortage geht «n eine Kommission von 14 Mit­gliedern.

Erste Beratung des KonsulatSgebühreugesetzes.

Staatssekretär Frhr v. Schoen: Der Gefetzentwürf bezweckt vor Allem, die Beschwerden der Schiffahrt über den jetzigen, nun schon über 4 Jahrzehnte be­stehenden Tarif abzustellen. Daher ist eine angemessene Herabsetzung der Sdjiffgebühren unter besonderer Be­rücksichtigung der Segetschiffahrt notwendig.

Abg. Graf Kauitz (kons., beantragt Verweisung ber Vorlage an die Budgetkornmifsion.

Abg. Dove (forischr. Vp.) schließt sich diesem Bor- schlage an.

Abg. Semker (aat) führt ans, daß seine Partei­freunde mit der Herabsetzung der Schiffsgebühr einver­standen seien.

Die Vorlage geht an die Budgetkommission.

Erste Beratung eines Gesetzentwurfes betreffend die Ausgabe kleiner Aktien in den Konfulargerichtsbezirken und im Schutzgebiet Kiautschan. Der Gefetzenlwurf bestimmt, daß in den vom Reichskanzler dafür be­stimmten Konsulargerichtsbezirken Aktie« auf einen Betrag vo« 1000 Mark, jedoch nicht weniger als 200 Mark, ausgegeben werden dürfe«.

Staatssekretär Frhr. ». Schoen; Um der Befürch­tung vorzubeugen, als sei die Vorlage nur der erste Schritt z« einer Durchbrechung unserer bewährten Aktiengesetzgebung erkläre ich im Voraus, daß eine weitere Ausdehnung seines Geltungsbereiches nicht beabsichtigt ist.

Abg. Schwarzr-Lippstadt (Ztr.) äußert schwere Be- denken gegen die Vorlage. Die Erfahrungen die man mit den englischen Shares gemacht habe, sollten doch ein abschreckendes Beispiel sein. Vor allem fei zu be­fürchten, daß durch die Ausgabe kleiner Aktien der Sprtulationsrout Vorschub geleistet werde.

Abg. Ortet (natl.) und Abg. Frhr. e. Richthofen (kons.! stimmten ber Vorlage zu.

Abg. Kaempf (fortsch. Bolksp.): Wenn wir uns an der industriellen Erschließung OstafienS mtt Erfolg be­teiligen wolle», so müffen wir uns so schnell wie mög- lich den dort nun einmal herrschenden Gepflogenheiten anpassen, und das kann nur geschehe» durch Ausgabe kleiner Aktien.

Abg. Eichhorn (Soz.) erklärt, daß seine Freunde legen die Vorlage stimmen werden.

Staatssekretär deS ReichsjnstrzamteS LiSc» erkiärt, 3 denke niemand daran, unsere bewährte Rktiengefetz- gebrnig für das Inland irgend wie abzuändern.

Abg. Schultz (Resormp.) stimmt zu, wen» der Rahmen der Vorlage nicht erweitert wird.

Abg. Lattmann (»Etsch. Vgg.) lehm daS Gesetz ab.

Im weheren Verlauf der Debatte weife» die Abgg. Hecksl^r I fortsch. Bolksp.) und Areudi (Resormp.) darauf hm, daß in England unter denselben Bedingun- ge« eme höhere Spiellust sich entwickelt hat. 9

Vorlage gedl an die Budgetkvmmisflon.

Dienstag: Wahlprüfungen.

ES handle sich lediglich um die Frage, ob die äteichsten in der Kolonie in besonderer und aicherordentlicher Weise einmalig zu den Krieas- kostm heran gezogen werden können. Der Gedanke werde heute als grundstürzend und revolutionär ver- schrien, mid doch habe die Kommiffion und der Reicks- tag seit Jahre» diesen Gedanken gebilligt. Der ©runb. bet «"trag btt Fort- Lto ra ^Spartet dagegen, der die Kriegskost-n Schuld dem ganzen südwestafri­kanische» Schutzgebiet auferlegen wolle, nicht Ena» H,u"?-rte von Millionen dkn Reichste» anfetlegl Der Antrag Erzberaer wolle ihnen um 80 Millionen au,lasten und jtin eigener Antrag nur 86 Millionen. Daß der Antrag Er»b^» IMre Mark steuerfrei taffe,

daß eben nur die ganz Großen, und «"rofsin werde» sollen. Wie könne ^"^'^Eniiögenskonfislation' gesprochen SSetmö3tn von 300000 Mk. einmal mit 3000-Btatfberangejogen werde. Man solle doch nickt °°“ .lierlegunq heiliger Rechte' in den Kolonien reben während nnr hier i» der Heimat tm Interesse der 9t samthett einzelne SMenzen nicht berücksichtigen. Me wolle m<m dcmmh die Ostmarkenpolttik rechtfertigen? Wie die AuSkauMg der Besitzer bei der Anlegung von Truppenübungsplätzen, bei «analbauten u.stw.?

Abg. «rzberger, der tm Interesse der Klar- ftahtng der «^rhAtniffe erst an letzter Stelle das Wort »ahm, konnte diesen Gedanken weiterhin noch dahm ergänzen:

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 25. April 1910.

Vor Eintritt in die Beratungen gibt der Präsi- bent Kenntnis vo« dem Ableben be8 Zentrumsab- georbneten Dr. Hager. Das Hans erhebt sich in Ehren des Verstorbene» vo» feinen Sitzen. W ’

Das Haus setzt die 2. Beratung über den Kultus- etet beim Kapitel .Universitäten' fort.

Abg. Dr. Sanff»«in (Zentr.) bittet um Ber- Mehrung der Otbinariate der katholisch-theologischen Fakultäten.

KnltuSminifler v. Trott zn Salz: Die Ausgaben für unsere Universitäten werden dauernd steigen müsse», wenn unser Hochschulwesen seine führende Stellung behaupten soll. Wünschenswert wäre, daß auch bd »NS die ©ebeireubigfett für Hochschnlzwecke sich ähnlich uttrotdette wie m Amerika und andere» Ländern, wo Jonate «»geheure Summen dafür her geben. Die

Bibl'vtheksgebühren werden die bebürftiaen Studieren» ben mcht so sehr betasten, für sie find ja (toetcbteiungen »o^efeben.. Unsen hohe Stellung m der Zwilssatton 8rt>tetet uns, daS Hochschulgastrecht AnSländern zu gr« »fm eigenen der Budgettommrssion

®L der Universität Mün ft et

Aba worden, und besonders war es der

tSt ItaS die dortige Universität em-

trat. Aus fernen AuSfuynnigm habe ich ersehe», daß

Finanzminister ist meiner Meinung, doch werden die betreffenben Maßnahmen roefentlid) davon abhängen, daß auch Me Stadt Münster sich nicht ablehnend ver­hält. Wenn sich die Stadl Münster entschließen sollte, ihrem Abg. Schmedding für seine Verdienste um die Universität ein Denkmal zu errichte.!, so würde in der Widmung am Sockel auch mein Name stehen. (Lebh. Bravoruße im Zentrum) Die vom Abg. Kauffmann aufgeworfene Frage der Vermehrung der kakholisch- theologifchen Fakultäten wird einer Prüfung unter­zogen. WaS das Genossenschaftswesen angebt, so wird dasselbe heute tm Lehrplan der Universitäten schon be­rücksichtigt; dagegen würde es zu weit führen, wenn man besondere Lehrstühle für dieses Spezialgebiet er­richten würde.

Abg. Heistg lZtr.) macht Bedenken gegen die Er­hebung einer Zwangsbibliothekgebühr geltend und weist bann auf Lücken im Lehrplan der landwirtschaftlichen Hochschulen hin. Schließlich fordert Redner die An­erkennung und Entführung desDr. med. vet.i« Preuße«.

Abg. Dr. ». LiSzt (Bolksp.): Bei der Erörterung der Frage der ausländischen Studenten darf nicht außeracht gelassen werden, daß daS Entgegenkommen gegen die Ausländer werbendes Kapital ist. Redner plaidirt dann für besondere Professuren für Völkerrecht und fordert Ordinariate für Kokonialrecht.

1 Darf nun jeder Lehrer nach seiner Uebcrzeugung ‘ den Religionsunterricht erteilen? Das gäbe ja eine ; nette religiöse „Ueberzengung' bei den Kindern, zu« ' mal wenn noch der Lehrer in den aufrückenden Schul- ; klassen wechselte. Oder bezweckt die Resolutton, daß , nur d i e Lehrer den Religionsunterricht erteilen, die ■ eine „Ueberzengung' haben? Me dann, wenn an einer Schule keiner der Lehrer die gewünschte „Ueber- zeugung" hat? Fällt der Religionsunterricht bann ganz aus? In jedem Falle könnte das Resultat dann ’ recht interessant werden

* Bon der Saar, 23. April 1910. Die Bedräng­ung der unpolitischen Kriegervrrein e im Saar­gebiet geht ungestört fort. In Sulzbach wurde am Freitag unter sehr starker Beteiligung der Bürgerfchast und ehemaliger Soldaten ein verdienter Veteran aus dem Kriege von 1870/71 zu Grabe getragen. Der Verstorbene war mit Orden und Ehrenzeichen auSge- zeichnrt Auch hatte ihn eine feindliche Kugel schwer verwundet. Dieser verdiente Veteran war dem nach der letzten Reichsiagswahl gegründeten unpolitischen Militärvrrein beigetreten. Der Militäwerein wollte seinem um daS Verland verdienten Mitglieder die bd Begräbnissen von Veteranen übliche Salve über das Grab widmen. Doch wie es bisher in ähnlichen Fäl­len anderswo geschehen ist, so hat auch hier der Büc» germeister dem Verein diese beabsichtigte Ehrung eines alten Soldaten, der für fein Vaterland auf dem Felde der Ehre fein Blut vergossen, aber auch seine lieber- zeugung hochgehalten hat, untersagt. Wann end­lich wird diese Drangsalierung der unpolittschen Krie­gervereine aushören, die sich doch kein anderes Ver­gehen haben zuschulden kommen lassen, als daß fle keine Wahlagitation zu Gunsten des liberalen RdchS- tagskandidaten in den Reihen der kameradschaftliche» Kriegervereine dulden wollten?

* Zabrze (O.-Schl.), 24. April 1910. In Zabrze, mit 510C0 katholischen, 4000 evange­lischen unv 1C00 jüdischen Einwohner« (1905), wurde kürzlich ein neues städt. Krankenhaus eröffnet. Als Chefarzt und Afftfienzarzt wurden zwei evangelische Bewerber angestellt. Dazu schreibt der „Oberschl. Kurier':

„Für die Stelle eines Chefarztes am Gemeinde» lrankenhaus hatten sich auch hervorragend befähigt« katholische Bewerber gemeldet. Einem derselbe», der sich persönlich rt ielfte, wurde vom Bürgermdster mit Bezug auf ferne Konfession gesagt, falls er wirklich gewählt werden sollte, würde man wünschen ober ihm empfehlen, sich nicht „ultramontan'zn betätigen. Der Betreffende wurde aber nicht zur Wahl vorge­schlagen, mag sein, weil er zu wenig Verständnis für diesen „wohlgemeinten' Rat zeigte und sich nicht sofort mit Haut und Haar wohlfeil zum Kauf anbot. Der Direktor der höheren Mädchenschule scheint übrigens auch zu denken, daß er zu einer ganz besonderen Mission hierher nach Oberschlesien berufen sei, er ist ja auch Vorstandsmitglied des Evangekischen Bunde?. An der Schule wird nun seit langer Zeit bereits ein Oberlehrer gesucht. Es scheinen keine passende Mel­dungen eingegangen zu sein. Schließlich wurden vom Vrovinzialfchulkolleginm etwa fünf anstellnngssähige Kandidaten zur Auswahl präsentiert, die unseres Wissens alle katholisch waren. Ob sie alle zur Vorstellung berufen wurden, ist uns nicht bekannt Sicher ist, daß der Direktor es für nötig hielt, mit dem einen ober anderen der Bewerber eine Unterredung zur Ergründung der kirchlichen Gesinnung abzuhalten. Es kommt nämlich hauptiächlich ein Lehrer für Deutsch und Ge­schichte m Betracht! Eigentümlich, sämtliche vom Provinziaischultollegium empfohlene Bewerber wurde« als ungeeignet und nicht genügend befähigt vo» Direktor abgelehnt. Vielleicht findet sich noch ei» passender evangelischer Bewerber! Er hätte bU besten Aussichten! Wir sind in Zabrze ziemlich rodt in der Pflege der „Parität' vorgeschritten, das erhellt aus folgender Zusammenstellung: Bürgermeister evan­gelisch, besoldeter Schöffe evangelisch, Gemeinde» baurat evangelisch, Obersekretär evangelisch, Amtsvorsteher evangelisch, Polizeiinspektor evan» gelisck, Krimnakkommiffar evangelisch, Direktor der höheren Mädchenschule evangelisch, Chefarzt des Knappfchaststazaretls evangelisch, Chefarzt und Assistenzarzt des neuen Gemeindekrankenhauses evan­gelisch. Katholisch sind nur die Unterbeamten, Bo­len, Straßenkehrer und Patienten der Rrantenanftalten. Was soll das in dner Gemeinde von 90Prozent Katholiken heißen?'

* Ein Missionar ermordet.

Nach einem amtlichen Telegramm aus Deutsch- Ostafrika hatte der Pater Loupias dm Sulttm Lukarra, einen rebellischen Grenzhäuptling der Msinga, aufgesucht, um gegen ihn die Klage Eingeborener wegen Viehraubes zu vertreten. Lukarra wollte sich entfernen, angeblich um Vieh zu holen. Der Pater faßte ihn am Arm, um ihn zurückzuhatten, worauf die Leute Lukarras auf dessen Befehl den Pater mit Speeren töteten. Die Mörder flüchteten nach der andern Seite des Muhavuras auf kongobelgisches Gebiet. Der Vorfall ereignete sich am 1- April. Am 5 April wurde von der 11. Kompagnie eine verstärkte Polizei­abteilung an die Grmze in Marsch gesetzt. Der Vor­fall wird nach der Auffassung des Residenten für Ruanda voraussichtlich ohne weitere Folgen für die Ruhe des Lundes bleiben. Die übrige Bevölkerung beteiligt sich an der Verfolgung der Mörder.

Auf ber Tagesordnung stehen Petitionen _____

Petition betreffend die Blindenfürsorge beantragt die Kommission dem Reichskanzler als Material bezw. zur Berückfichttgung zu übetrodfen. Die Petitton wird nach warmer Befürwortung durch dm Äbg. Giesberts (Ztr.) im Sinne des KommissionsanirageS erledigt.

bin ich zur Uederzeugm

für die Universität Münster etwa? DurchgreifmdeS ge- fchehm muß. (Lebh. Beifall im Zentrum.) Auch der