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Fulda, Freitaq Den 22. April 1910
37. 3a'j ru in
! „ , dlbg. Heckcnroth (kons.) fordert für Littauen die «ulafsung der littauischen Sprache im Religionsunterricht. Bei Umwandlung einer nebenamtlichen Kreis« IchulmspektorsteUe in eine hauptamtliche muß der Nach- weis der Notwendigkeit geführt sein. Es muß darauf gesehen werden, daß der Kreisschulinspektor eine ent« schieden christliche Persönlichkeit ist. Ein enges Band zwischen Kirche und Schule ist notwendig. Darum ist auch die geistliche Schulaufsicht berechtigt. Auch wir wollen einen Fortschritt. Aber er muß sich an das christliche Leben unseres Volkes anschließen. Zwischen Kirche und Schule muß eine wirkungsvolle Verbindung bestehen. (Beifall rechts und int Zentr.)
Abg. Schwärze-Lippstadt (Z.) spricht sich gegen die von der Arnsberger Regierung getroffenen Maßnahmen zwecks plötzlicher Durchführung des Rektorensystems im Arnsberger Bezirk aus.
Geheimrat Heuschen verteidigt die Haltung der Arnsberger Regierung.
Freitag: Fortsetzung.
Beim Kapitel Schulaussicht erklärt
_ Abg- Kesternich (Z.): namens seiner Fraktion, daß sie an der Forderung der geistlichen Schulaufsicht nach wie vor mit aller Entschiedenheit festhalie, denn die Kirche habe darüber zu wachen, daß ein wahrhaft christlicher Geist die Bolks- Ichule beherrscht
(Sehr gut! rechts und int Zentrum.)
Nach weiterer unechebttcher Debatte geht die Vorlage an die Rechnungskommission. — DaS Haus berät dann den Gesetzentwurf betreffend die Haftuna drS Reiches für feine Beamten.
Lassen Sie es sich gut schmecken, Fräulein Edith, -ich wollte Ihnen schon längst mal eine kleine Freude machen. Und Blumen wollen Sie doch nicht —"
Die drei plauderten noch einige Minuten; dann verabschiedete sich Lucian, da er nicht länger stören wollte.
Nach seinem Fortgang fragte Edith leise den Bruder:
„Magst du ihn leiden?"
„Ja," entgegnete der, „sehr gut letoen mag ich ihn. Ob er aber der richtige Mann für dich ist?"
„Wie meinst du das, Thankmar?"
„Er ist ein Künstler und wie die meiften derselben sorglos, heiter in den Tag hinein lebend. Und da et außer seinem Gehalt nichts weiter hat, wie er sagt wer weiß, ob da eine Ehe mit ihm viel Glück in sich schließt, wenn pekuniäre Sorgen kommen, da er ja durchaus nicht zu rechnen versteht."
„Ja, er möchte eben gern mehr verdienen; deshalb ist er dabei, ein Schauspiel zu schreiben."
Thankmar lachte hell auf, wie auch Edith gelacht hatte, als sie davon gehört.
„Das kann doch sein Ernst nicht sein?"
„Doch, es ist so —*
»Dann wünsche ich ihm Glück. Schade um die verlorene Zeit! Wie Hst er nur auf die verrückte Idee gekommen? Denn das traue ich ihm wirklich nicht au — nee, wahrhaftig nicht!" ’ 8
»Ich auch nicht," sagte Edith leise.
„Kannst du es ihm denn nicht ausreden? Er wird sich höchstens unsterblich blamieren!"
„Ich habe einen schüchternen Versuch dazu gemacht aber Lucian war so empfindlich, daß ich es ausgeben mußte.
„Kann ich mir lebhaft denken! Na, wir sprechen em ander Mal mehr darüber. Jetzt weiter im Tert es ist schon spät! Wo warm wir doch sichen geblL den? Ah hier -- ahner — j'aime, tu aimes, il m aune — tote heißt es doch gleich?"
Lächelnd sah er die Schwester an.
Abg. Ledebour (So;.): Ob der Beamte weiß oder rot, grün ober schwarz, ist doch für die Haftungs-Verpflichtung des Staates gleichgiltig. Wir halten an dem Kommisstonsbeschluffe fest.
Unterstaatssekrelär v. Lindequift: Wir bitten Sie Me Regierungsvorschläge wiederherzustellen. Sollten Sie das aber nicht wollen, so bitten wir wenigstens, dem Anträge Erzberger zuzustimmen.
Der Antrag Erzberger wird hierauf angenommen, und in der so veränderten Fassung das Gesetz.
Freitag: Interpellation Bassermann (natl.), betr. das Mülheimer Eisenbahnunglück; Gesetzentwurf betr. Beteranenbeihilfe; Kolonialbeamtengefttz.
Preußischer Landtag.
Abgeorbnetenhans.
Sitzung vom 21. April 1910.
Fortsetzung der zweiten Beratung über den Kultusetat.
G Die Wahtrechtskommisfio» des Herrenhauses
erledigte am Donnerstag die zweite Lesung der Vorlage. Das Schlußergebnis war die Annahme mit 11 gegen 8 Stimmen.
Werpieffe in Elsaß-Lolhrrngen hat sich noch weit mehren Angriffen gegen Den Bischof und die konfessionelle L-chule geleitet, als die preußische liberale Lehrer- I ich ast, und darum war das Vorgehen des Bischofs be- ' rechtigt. Das Zentrum soll nach dem Abg. Dr. Fried- be:g für das Nationale natürlich kein Verständnis haben. Nein, Herr Dr. Friedberg, dafür haben nur Sie Verständnis. (Heiterkeit.) Der Abg. Friedberg ha t es nicht für möglich, daß ein Mann mit solchen Ansichten wie ich Kreisschulinfpektor sein kan.i. Man sollte es aber nicht für möglich halten, daß ein Manu, wie der Abg. Dr. Friedberg, der alt und grau im Parlament geworden ist, sich einen solchen Schnitzer zuschulden kommen läßt, hier emen Abgeordneten als o <a,lnAen.in elendester Weite zu denunzieren, j Lebh. Zustimmung im Ztr., U -ruhe und Widerspruch uud;-.ufe tmks: Zur Ordnung!) Ich schließe: der ronlelftonslofe Religionsunterricht — vorauf läuft das ganze Bestreben der Lehrerschaft hinaus — ist nichts |
Am nächsten Mittag klingelte es.
Edith in ihrem einfachen Hauskleide, eine große Wirtschaftsschürze darüber gebunden, öffnete.
Ein sehr adrett gekleidetes Dienstmädchen stand an der Vorsaaltür, einen Karton int Arm.
„Einen schönen Gruß vom gnädigen Fräulein, und sic schickt das," bestellte das Mädchen in etwas schnippischem Tone, indem es den Karton und ein Briefchen bingab. „Das gnädige Fräulein wartet auf Antwort."
Edith öffnete den Brief, der von der Kusine kam, und las:
„Liebe Edith!
Da ich gestern gesehen habe, daß Du kein Jackett hast, schicke ich Dir das meinige. E? tut mir leid, ba§ Du Jo frieren mußtest Es ist zwar schon vom vorigen Jahre, doch noch ganz modern und du wirst es sicher gern noch tragen.
Sßentt es Dir heute abend recht ist, werde ich mal mit bei e'.tch Vorkommen und sehen, ob es paßt. Gib bitte, dem Mädchen Bescheid. Umstände macht euch aber ja nicht!"
Besten Gruß von Haus zu Haus!
Deine Martha."
In Ediths zartes Gesicht ftieg bet diesen so herablassenden Zeilen eine leichte Röte; außerdem fühlte sie sich von dem Dienstmädchen so geringschätzend gemustert.
„Sagen Sie Fräulein Hildebrcmdt, daß ich mich freuen würde, wenn sie mir heute abend ein Stündchen senken wollte! Besten Gruß -" bestellte sie dem Laschen und ging dann ins Wohnzimmer, in dem die Citem und der Bruder schon am Mittagstisch saßen.
„Nun, was war denn?"
„Martha hat etwas geschickt."
Sic schnürte den Karton auf und nahm das Jackett heraus, das vom feinsten hellen Tuch und mit schwerer weißer Seide gefüttert war.
Thankmar las mittlerweile den Brief.
(Fortsetzung folgt.)
„Wer mag das noch sein? Doch nicht etwa gar Ray?
t "LH glaube nicht! Es wird wohl Lucian fein," agte.Edith,, leise. Man hörte auch wirklich die ftohliche S mime des jungen Künstlers, dein Frau Burkner geöffnet hatte. °
Edith wurde unruhig, zerstreut.
„Na, du hast wohl nun keine Ruhe mehr Dita? Geh nur 'rüber, ich werde schon allein fertig; es sst ja nicht mehr viel," meinte Thankmar outmütig
»Wozu? Nein, ich bleibe." Indessen schlug ihr das Herz. Sie bemühte sich, ganz bei der Sache zu fein, aber doch lauschte sie auf das, was in dem anderen Zimmer gesprochen wurde.
Jetzt ttopste es an Thankmars Tür.
„Herein!" rief dieser, und auf der Schwelle stand Lucian Waldow mit lächelnder Mene.
„So fleißig? Ich wollte Ihnen nur mal „outen Wend' sagen. Ich störe doch nit. wenn Sie mit den ollen Griechen und Römern Zwiesprache halten?"
„Nicht im mindesten. Bitte, nur näher treten!" Der junge Mann stand auf und begrüßte den Ein- getretenen, indem er ihm herzlich die Hand schüttelte und ihm einen Stuhl hinschob.
„Ah, Fräulein Edith —"
„Sie hilft mir bei meinen Arbetten — Vokabeln 'raussuchen ist mir fürchterlich. Und sie sst selbfllos genug, sich mir zu opfern."
„Dadurch leme ich ja immer wieder von neuem —"
Lucian nahm „für einen Augenblick" — wie er sagte — Platz und zäMch ruhten seine Blicke auf dem geliebten Mädchen.
„Fräulein Edith, ich habe Ihnen auch etwas mtt- cebracht. Hier —' er legte em in weißes Vaviec gehülltes Päckchen vor sie hin. B Wtet
„Das soll mir?" fragte sie erstaunt.
„Ja — ja —" er nickte ihr fröhlich zu.
Sie legte den Federhalter aus der Hand und wickelte das Paket auf, jn dem sich ein Stück Ananastotte befand.
„Aber, Herr Waldow — Sie halten mich wohl «ar
für ein Leckermaul?" 0
„Das bist du ja auch," nickte der Bruder.
Edith Büttners Liebe.
6] Roman von Fr. Lehne.
Er blickte auf, als die Schwester eintrat.
„Kommst Du? Das ist gut! Dann werde ich den Horaz solange beiseite legen und erst mit Dir präparieren."
Er sagte ihr die französischen Wotte, die er nicht wußte. Sie schrieb die deutschen dahinter, sie zuweilen aus dem Wörterbuche suchend, und übersetzte gleichzeitig mit ihm, was ihr nicht schwer fiel, da sie im Französischen sehr gut beschlagen war.
Nach einer Weile unterbrach er sie und sah sie abei forschend an.
„Du, Dita, sag' mal, mit wem promeniettest Du denn heute nachmittag mtf der Luisenstraße und verschwandest nachher im Cafä Schreyer?"
Bei dieser unvermuteten Frage errötete sie doch etwas.
„Wenn du es weißt, weshalb fragft du da noch? Es ist doch auch weiter nichts dabei."
„Nein", entgegnete Thankmar ernst, „nein, das, ivas meine Schwester tut, ist nichts Unrechtes — ich weiß es! Ich meinte nur — übrigens halte ich Waldow für einen Ehrenmann, sowett ich ihn beurtellen kann."
„Ja, Thankmar, das ist er auch! Und wenn er oder ich nur etwas Geld hätten, so wäre ich heute schon ferne anerkannte Braut! Er wattet darauf, daß sich ihm einmal eine Stelle als Kapellmeister oder Muflkdirettor bietet. Ich will es den Eltern nur noch nicht sagen, damit sie sich jetzt nicht auch Sorgen um Mich machen."
„Also so stehst du mit Waldow?"
Frei und offen begegnete sie seinem Blick.
„Ja, so stehe ich mit ihm und nicht anders, Thankmar l"
Da drückt er ihr die Hand, ohne ein weiteres Wort |u sagen, und sie tiertiefen sich wieder in ihre Arbeiten.
Mit leisem Klang schlug die Vorsaalglocke an.
Die Rechnungskommiffion beantragt, die Etats- Überschreitungen von rund 58'/- Millionen unD die außeretatsmäßigen Ausgaben in Höhe von 900 000 Mk. Nachträglich zu genehmigen.
Abg. Erzberger «Zentr.i: Im Bericht ist ein Schreiben des früheren ReichsschatzsekreiärS Sydow an den Präsidenten des Reichstags zu finden, worin mitgeteilt wird, daß für die Etatsüberschreitungen t’9tn «atfer Entlastung erteilt fei. Das ist ein bisher nicht vargekommener Vorfall. Nach der Reichsverfassung ist zur Entlastung die Genehmigung des Reichstags und des Bundesrats erforderlich.
Abg. Hengsbach (Soz.) bemängelt die Ausgaben zur Vertretung des deutschen Kaisers bei den Ber- mählungsfeierlichkeüen des Königs von Spanien Bei dem chronischen Dalles des Reiches, sollten diejenigen die Kosten ans ihrer Privatschaliille tragen, die solche Vertretungen für notwendig hielten.
Reichsschatzsekretär Wermuth bemerkt, das vom Abg. Erzberger angezogene Schreiben werde wohl in seiner Bedeutung überschätzt; es handle sich lediglich um die Notifizierung eines Verwaltnngsakts. Ob die Form korrekt fei, lasse er dahingestellt. Jedenfalls soll das Budgetrecht des Reichstags und des Bundesrats nicht eingeschränkt werden.
Abg. Erzberger (Zentr.) erwidert, daß dann zum mindesten die Form des Schreibens geändert werden müffe.. Dem Abg. Hengsbach gegenüber stellt er fest, daß für die von ihm bemängelten Zwecke ein besonderer Titel im Etat ausgeworfen und vom Reichstag auch bewilligt worden fei.
Abg. Hengsbach (Soz? bleibt dabei, daß die Kosten für Empfänge fremder Staatsoberhäupter aus der Privatschatulle des Kaisers bestiitten werden müßten.
Reichsschatzsekretär Wermuth stellt fest, daß das betr. Kapitel des Etats des Auswärtigen Amts von jeher dazu milbenutzt fei, um Kosten für internationale Repräsentationszwecke zu bestreiten.
. Einser (Zentr.): Wenn der Abg. Hengs-1 Frage aufwerfen: Wie kann ein Mann, der auf i weiter als ein Hmm#« ™ x m .
d"^en soviel einzuwenden hat, warum! einem solchen Standpunkte steht, preußi-1 überhaupt (®eifall im^ Sen tri *^affun9 der Religion w°ndet er sich nicht an seine Parteigenossen aus Baden,! scher Kreisschulinsp ettor sein? <Große Un- Präsident v t x
Württemberg und Bayern, die in den betreffenden I ruhe im Zentrum.) Wie kann er die Rechte des I Er dürfe saaen daü ein Ordnung.
2anbtagen für den Etat und damit auch die darin I Staates gegenüber de'. Kirche vertreten? (Zustimmung I nicht daß er in elJsber 98pVh™n^te"llni| ete' aber
.^^Epst-" .bewilligt haben., links un/Zuruf: Mll ersuch gar ®ieVn? | "^m sichten des Herrn Heß mögen sehr ehrenwert fein, aber sie machen ihn untauglich für ein Amt, das ihm die Staatsaufsicht über die Schule überträgt (Lebhafte Zustimmung links.) Herr Heß hat die Lehrerschaft vor dem Minister des Atheismus bezichtigt, das wird der
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 21. April 1910.
Erste und zweite Beratung eines Gesetzes betr. daS Reichsschuldbuch.
. - Z^Awurk bringt die gleichen Aenderungen für das Reichsschuldbuch, rote vor kurzem vom preußi chen Landtag für das Staatsschuldbuch getroffen sind; es handelt sich hauptsächlich um Erleichterungen bei bet Eintragung und Löschung von Beträgen in das Schuld- buch.
Staatsfekrelär Wermuth empfiehtt die Vorlage.
Nach unerheblicher Debatte, in der alle Redner ihre Zustimmung zu der Vorlage erklären und an der sich die Abgg. Dr. Am Zrbnhoff (Ztt.h Drescher (kons.), Ortet (natl.), Dr. Pachnicke (sortschr. Vp.) u. Dr. Arendt (Rp.) beteiligen, wird die Vorlage in erster und zweiter Lesung angenommen.
Die liebersicht der Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete für 1907 wird nach unerheblicher Debatte der Rechnungskommission überroiefen.
Es folgt die erste Beratung der Rechnungen über den
Haushalt der Kolonien für daS Rechnungsjahr 1900.
Abg. Erzberger (Ztr): Man kann witllich nicht mit großer Freude an die Prüfung dieser Rechnungen Herangehen, die nun schon neun Jahre zurück- liegen. Wie viele von den Beamten leben denn noch, die für die richtige Verwendung der damals bewilligten Ausgaben haftbar sind? Der damalige Reichskanzler ist nicht mehr da; der Kolonialdirettor Nicht und der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes ebenfalls nicht. Was hat denn da die ganze Beratung noch für einen Zweck? Was nützt es, wenn der Reichstag beschließt, daß HOO Mark für den und den Zweck zu verwenden sind, und nach neun Jahren er« fätjrt er, daß 3000 Mk. dafür ausgegeben worden sind? Der Wunsch ist daher nicht unberechtigt, daß die Rechnungslegung etwas früher erfolgt. (Beifall im Zentrum.)
Unterstaatssekretär im Kolonialamt v. Lindequist: An der vom Vorredner beklagten Verzögerung ist nicht allein die Kolonialverwaltung schuld. Die Vorlage ist dem Reichstage schon 1904 zugegangen, nun konnte sie infolge verschiedener Umstände — Reichstagsauflösung Ufw. — dem Rechnungshof nicht früher zugehen.
Die Vorlage geht an die Rechnungskommission' — Daraus folgt die zweite Beratung der Ueberficht der Reichsoussaben und Einnahmen für bas Rechnungsjahr 1910.
I Minister hoffentlich zurückiveisen! (Sehr gut! links, l I Herrn Heß' Rede erklärt sich nur so, daß das Zentrum dringend ein Agilasionsmittel braucht, und deshalb einen Kulturkampf inszenieren möchte. (Sehr richtig!
I links.) Aber darauf fallen wir nicht herein! (Lebh. Beifall links.)
I Abg. Heckenroth (kons.): Ich habe mich in der I Hauptsache zum Wort gemeldet, um unferm Bedauern I darüber Ausdruck zu geben, daß im deutschen Lehrer- I verein sich die radikalen Elemente immer mehr I in den Vordergrund drängen. Wir haben es gegen« I über diesen radikalen Heisspornen immer bedauert, I daß sich der gute Kern des Lehrerstandes von ihnen I immer zu sehr in den Hintergrund hat drängen lassen I und hoffen, daß sie ihren Einfluß in Zukunft mehr j I geltend machen werden. Jedenfalls hat Herr Schepp, I die Behauptungen des Herrn Dr. Heß nicht widerlegen I können. Hoffentlich geht die Leitung des Deutschen I Lehrervereins bald in besonnenere Hände über. (Lebh.
äustimmung rech-s und im Ztr., Unruhe links.) Der ebner wendet sich gegen die Abschaffung des Katechis- I musunterrichts und fordert Durchdringung des ganzen Schulunterrichts durch den Religionsunterricht. Des- I h<ttk> muß die Kirche ein gewisses Ueberwachungsrecht I
haben. (Beifall rechts und im Ztr., Hört, hört! links) Abg. Dr. Heß (Ztr.): Es scheint ja, daß ich mit
meiner gestrigen Rede in ein Wespennest gegriffen habe. Wie ist d'.e Presse nach meiner harmlosen Rede aufge« I treten! Und dann das Aufgebot von Rednern, das die Linke gegen mich losgelasfen hat! Ich habe Ihnen doch gar nichts getan. (Heiterkeit rechts und im Ztr.) Das „Berliner Tagebl." spricht von einer skrupellosen Ber-1 dächtigung von 66 000 ehrenwerten Männern. Davon kann natürlich keine Rede sein. Und dann: ausae- I rechnet das „olle ehrliche Berliner Tageblatt!" (Lang- anhaltende Heiterkeit., Die „Vossische Zeitung" hat mich sogar als fachmännisch gebildeten Zeloten be-1 zeichnet. Am auffallendsten ist mir die Aufregung der beiden Vorredner. Der Abg. Schepp hat fein einziges von meinen Zitaten widerlegt. (Sehr richtig! im Ztr.) Der Abg. Finedberg erinnerte daran, daß ich kgl. preußischer Schulinspektor bin. Ich habe das Anstands- gesuhl, daß man nicht die Beamtengualifikation von I Abgeordneten hier ins Haus zerren kann. (Lebh. Zu-1 ftimmung im Ztr.) Wenn ich aber nächstens ver- setzt werde, dann wissen Sie warum. (Heiter-1 feit.) Ich bin bereit, mit dem Abg. Schepp nach I Straßburg zum Lehrertag zu gehen, aber nur unter I errer Bedingung: daß man mich als Festredner aus-1 treten laßt. (Große Heiterkeit.) Der Abg. Schepp hat erwähnt, daß in München sich sogar drei I Herren auf den Standpunkt der konfessionellen I : w»*»* gestellt hätten. Drei ganze Herren! Der ganze I ^ren steht auf dem L-tandpunkt der Simultan schulen. I wc>ui uie|tc au» meuteren taemeinoen
fierÄ »roße Masfe der gebildet ist, 2. für den Umfang des ganzen Gemeinde-
I bezirks, wenn dieser nicht mehr als 5000 Einwohner zählt, 3. für den Umfang besonderer, von der Ge- meindeverwaUungsbehörde zu bildender Drittelungs« | bezirke von nicht weniger als 1749 und nicht mehr als 5000 Einwohnern, wenn die Gemeinde mehr als 5000 Einwohner umfaßt. Die DritteluNgsbezirke sollen tun» sichst räumlich zusammenhängen und abgerundet fein.
। Sie müssen, wenn die Gemeinde in mehrere Wahß bezirke geteilt ist, innerhalb dieser liegen."
In der Frage der Maximierung, die nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses 5000 Mark und für Gemeinden mit mehr als 20000 Einwohnern 10000 Mark betrug, blieb es bei den Beschlüssen erster Lesung, nach der diese beiden Summen 3000 M. und 6000 M. an Staatssteuern betrugen, jedoch mit der Maßgabe, daß die Maximierung sich nur auf di» Einkommen- und Ergänzungssteuer bezieht.
Der Kulturträgerparagraph (§ 8) wurde nach einem Anträge der Subkommisfion wie folgt geregelt: Jn die nächsthöhere Abteilung rücken auf: di» Mitglieder des Reichs- und Landtages, gewählte Mitglieder eines preußischen Provinzialrates oder Aus- jchusses, eines Landes- oder Bezirksausschusses, Mitglieder des Vorstandes einer preußischen Handels-,
Die Kommission hat die Haftung auch auf die em- geborenen Beamten in den Schutzgebieten ausgedehnt .. r Abg. Erzberger (Ztr.): Prinzipiell stimmen wir dieser Ausdehnung zu. Aber e? ist mir ftaqlich, ob wir schon heute eine solche Gleichstellung von farbigen mit weißen Beamten beschließen können. Ich beantrage daher, diese Frage noch nicht durch Gesetz »u »» regeln, sondern, wie in der Vorlage den Wea der Verordnung des Reichskanzlers zu wählen. 8
Abg Schultz (Resormp.s äußert sich in demselben Smne, ebenso die Abgg. Roth (wirtsch. Vgg.) und Pottziiy
Die Kommission verhandelte zunächst über den in der ersten Lesung beschlossenen Artikel V., wonach bei künftigen Wahlrechtsänderungen eine Zweidrittel- maj orität notwendig sein soll. Nachdem Minister o. Moltke sich noch einmal lebhaft gegen die Bestimmung gewandt hatte, wurde sie mit 14 gegen 6 Stimmen abgelehnt. Jedoch soll, wie verlautet, im Plenum bes Herrenhauses ein Antrag auf Wiederherstellung ! dieser Bestimmung gestellt werden.
Die §§ 1 bis 4, welche die indirekte und geheime Wahl enthalten, wurden— wie in der ersten Lesung — nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses unverändert angenommen. Dann kam man zur Frage der Drittelung. Der vom Reichs- kanzler am Dienstag als allein geeignete Grundlage für die Drittelung bezeichnete Antrag, wonach in Orten bis zu 20000 Einwohnern Gemeindedrittelung, in größeren Orten DritteluNgsbezirke von 10—20000 Einwohnern verlangt werden, wurde mit 11 gegen S Stimmen abgelehnt. Zur Annahme gelangte gegen die Stimmen der „neuen Fraktion" folgende Bestimmung über die Drittelung: „Die Gesamtsumme der Steuerdeträge wird berechnet: 1. für den Umfang des Stimmbezirks, wenn dieser aus mehreren Gemeinden
Abg. v. Karborff (frk.): Wenn die Behauptung des Abg. Heß über die Angriffe des deutschen Lehrer- vereins richtig sind, bann bedauern auch wir die Entgleisungen des betreffenden Vereins im aniichrist- ^lichen und antireligiösen Sinne auf das lebhafteste. In unferer Schulpolitik in der Ostmark erblicken wir einen wichtigen Faktor zur Stärkung des Deutschtums. Wir wünschen, daß die Regierung noch energischer in dieser Richtung vorgehen möge.
Abg. Schepp (forlschr. Vp.l: Der Abg. Heß hat gestern schwere Angriffe gegen den deutschen Lehrerverein gerichtet, die ich hier als unbegründet zurück- weisen muß. Seine Absicht ist nur, die dem Verein angehörenden 20000 katholischen Lehrer dem Verein zu entfremden. Er als Kreisschulinfpektor sollte sich doch scheuen, einen großen Teil der Lehrerschaft zu ver- dächttgen. (Lebh. Zustimmung links. Oho! im Ztr) Er bezichtigt den Verein der Hinneigung zur Sozialdemokratie. Mit der Sozialdemokratie hat ber Verein
,»u schaffen, bie Lehrer sinb ebenso gute Patrioten ,vuufl, mcm onll nrn,„ <
schlaffe der Lehrertage halten. Die Leh?cr betrachten we.'l man chn 7u°zett noch n1ch: 7esetti^n°k d/,» Religionsunterricht als sehr wefenklichen Bestand- Bischof von Straßburgbatnurau§FeefOTaerirSen
des Religiosunterrichts wollen wir den Kindern die Religion wieder lieb und wert machen. Daß Tews Chri us mit Mohamed und Buddha auf eine Stuft gestellt hat, ist ganz unrichtig. Herr Heß ärgert sich nur darüber, daß auch Katholiken dem Deutschen Lelrer- verem angehören. Je mehr das Zentrum den Verein angreift, umsomehr werden sich die Lehrer um ibn scharen. (Lebh. Beifall links.)
Abg. Friedberg (ntlb.): Der Abg. Heß wollte wohl mit seinem wohlvorberetteten Angriff zunächst das Vorgehen des Bischofs von Straßburg decken. Meine Freunde sind überzeugt, daß die Zurückweisung, die der Bischof von Straßburg erfahren hat, durchaus ae- rechl ertigt war Der Abg. Heß steht auf dem Stand- pun-te, daß die Kirche ein natürliches und sogar über« i natürliches Recht auf die Schule habe. Seine und des Zentrums Anschauungen gehen also dahm, daß die Schule nur em Annex der Kirche sei. Ich möchte die