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Samstag öe« 16. April 1910.
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3. Blatt.
Druck und Verlag der Fuldaer Actlendruckerei in Fulda.
[] Zum «ath»<i>e«tag i» ««gsburg.
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Kreise, rüstig vorwärts.
m.;, Nedner-Kommrssron, an Deren ßcn Stadtpfarrer Msgr. Srteftntgg« berufen N s W einen nach eillbeiüichen Gesichtspunkten ^rhrfteten Mmr fettgestellt, wobei den gemein- ÄÄ< " SWto ««**„«J bm gtiorbenflui md bnmmbflm ?>-»«-» !>«'3««*" Mit gebührend Rechnung getragen wurde. TS sind durchweg zeitgemäße, brennenbe und bedeutsame Stagen für die Behandlung m den öffentlichen Sitzungen in Aussicht genommen Me Besucher des Katholikentages werden bte hervorragendsten rednerischen Kräfte begrüßen dürfen.
Die Preß-Kommission war zunächst dar- auf bedacht, eine künstlerisch in Farben ausgeführte Mitgliedskarte zu beschaffen, beten vornehm ausze- führter Entwurf von dem Münchener Künstler F> Baumhauer stammt. Den Besuchern des Satbolifen- iaqeK wti» ein eigens für diesen Zweck hergestellter, reich mit Illustrationen aus gestatteter „Führer durch Augsburg" treffliche Dienste leisten. Auch bie nötigen Offiziellen Festpostkarten, welche die schönsten Ansichten Augsburgs in fehter, farbiger Ausführung zeigen, werden nicht fehlen.
Die Finanzkommission war bestrebt den Augsburger Katholikentag aus eine durchaus gesunde finanzielle Grundlage zu stellen. In verhältnismäßig kurzer Zeit wurde aus opferbereiten katholischen Streifen ein Garantiefon dS von weit übet hunderttausend Start gezeichnet.
Besonders erfreulich ist bte Tatsache, daß. bet Aufruf des Lokalkomitees zur Gewinnung von weiteren ständigen Mitgliedern für die Generalversammlungen bei Katholiken Deutschlands allseits gute Slufnabme und lebhaften Widerhall gefunden hat. Bereits heute find bei der Anmelde-Kommiffion und beim Zentralkomitee mehr als 700 neue Anmeldungen als ständige Mitglieder eingeJaitfen. Weitere Anmeldungen als ständige Mitglieder nehmen entgegen die Herren Kaufmann Richard Kathan in Augsburg, Kapu- Ainergaffe B 13a, und Generalsekretär Dr. DonderS In Münster L S., Krummestraße 46
Die schwierigste Frage bildete für das Lokalkomitee zweifellos die Beschaffung einer würdigen Fest- Halle. Diese Frage konnte in glücklichster Weise । ihrer Lösung entgegengeführt werden, indem der Stadtmagistrat Augsburg auf Ansuchen dem Lokal- Komitee die hinter dem prächtigen Stadtgarten liegende igroße Konzerthalle in dankenswertester 'Weise unentgeltlich zur Verfügung stellte- Freilich : reichte die Halle in ihrem fetzigen Zustande nicht aus; es mußte daher zu einem Erweiterungsbau geschritten werden, der nach den dem Bedürfnisse und dem guten Geschmack in gleicher Weise Rechnung tragenden Plänen des Augsburger Architekten Herrn Albert Kirchmayer au8gefübrt werden wird Die Kosten dieses Erweiterungsbaues belaufen sich auf rund 48 000 Mark, von denen die städtischen Kollegien in zuvorkommendster Weise die Summe von 20000 Mk. übernahmen, so daß das Lokalkomitee noch für etwa 28 000 Mark aufzukommen hat. Der Erweiterungsbau geht nach seiner Herstellung in das Eigentum bet Stadt über.
Die Festhalle wird mit der vorzunehmenden Erweiterung, bie auf der Nord feite an der Rofenaustraße etwa 10 Meter auf ihrer ganzen Länge beträgt, auf dieser Sette etwa 1000, auf der ©übfeite etwa 600 Quadratmeter verfügbaren Raum gewinnen. Ihre I ganze Brette wird nach Fertigstellung der Erweiterung bei einer Gesamtlänge von 73 und einet Höhe von 15 Metern eine Gesamtbreite von 49 Metern erhalten. Die Halle wird also um etwa 3 Meter länger und nur um 50 Zentimeter schmälet als die Festhalle in Breslau fein. Die Breite der um die ganze Halle lausenden Gallerie beträgt 6% Meter. Die Halle wird Raum für insgesamt 5000 Sitz- und 2000 Stehplätze kneten, von denen etwa 2200 auf die Gallerie entfallen, die in der Haupffache für die Damen und die Studenten rtfertiiert wird
Einen besonders hübschen Rahmen für die Festhalle bietet der unmittelbar an fit anstoßende prächtige ©tabtgarten mtt seinen reizvollen, wohlgepfleg- t n Anlagen, in dessen kleiner, etwa 1000—1200 Per- simen Platz gewährender Konzerthalle voraussichtlich bie gesoffenen Versammlungen st altfinden werden. Auch für die Sitzungen der vier Ausschüsse werden wohl die im Stadtgarten selbst schon vorhandenen Räume mit gütiger Genehmigung des Vereins Stadtgarten in Bmühung genommen werben können. Damit werben alle offiziellen Veranstaltungen in Lokalen stattfinben, die ausnahmslos in zwei bis drei Minuten von der Festhalle ans zu erreichen sind.
Auch die übrigen Kommissionen: die Ordnungsund Begrüsiungs-, die Fest-, die Altar- und die Fest- zugs-Lommisston, haben fleißig gearbeitet und waren bestrebt ihre Arbeiten zu fördern, soweit es nur immer möglich war
Der Feftzug der katholischen Vereine am Sonntag dürste eine gewaltige, ergreifende Kundgebung werden. Die Herren Bischöfe, sowie die sonstigen Ehrengäste werden den Festzua von einet neben dem hohen Dome, gegenüber dem bischöflichen Palais, zu errichtenden Tribüne aus an sich vorbeidefilieren lassen.
Für Dienstag, den 23. August, vormittags etwa 8 llhr ist eine Männerwallsahrt geplant, die sich vom hohen Dome durch die Karolinen- und Maxi- miliansstraße zum Grabe des hl. Bischofs Ulrich in
der nach ihm benannten Stadtpsarrkirche, einem wahren Schimrckkäftlein edelster Gotik, bewegen wird.
Am Mittwoch, den 24. August, abends ist ein ® “ rtens eft im Stadtgatten mit Beleuchtung des- 1eI6en projektiert. Tas Festmahl am Donners- ag, ben 25. August, mit dem bie Festtage schließen, im herrlichen Goldenen Saal des PniST* u ’t3ti-mben- den bet Stadttnagiftrat dem überlassen hat^ bie,rot Zwecke in gütigster Weise Bem Vorbereitungen Eie jetzt gediehen.
nJc ■eK$en lrügen, wird auch der erste
Deutscher Reich.
)( Zu der Bewegung unter dm Eisenbahnern macht soeben eine Notiz die Runde durch die Presse, in der auf die sonderbare Agitation der (früher Trierer) Eisenbahn «Handwerker- und .ArbeUer-Verbandes aufmerksam gemacht wird. ES heißt darin:
6o veranstaltete der alte Trierer Eifenbahnhand- metler» und Arbeiterverband, jetzt Sitz Berlin, der über 40000 Mitglieder zählt, in bet letzten Zeit eine Reihe großer Versammlungen, in benen der Syndikus be8 BerbandeS (nebenbei bemerkt ein jugendlicher Jur.st) eine SOprojenhge Lohnerhöhung für alle Eisenbahw Handwerker und -Arbeiter (waS jährlich rund 50 Mill. Mark Mehrkosten würde) forderte. Dieselbe Forderung enthält auch eine an daS preußische Abgeordnetenhaus gerichtete Petition des genannten Verbandes, bie be« zeichnenberweise u. a. durch folgende Kraftstellen begründet wird: »Die Eisenbahn-Handwerker u. »Arbeiter müssen mit gebundenen Händen zusebrn, daß st: von Jahr zu Jahr mehr auf einen Tiefstand der Lebenshaltung hemßzedrückr werden.... Sie müssen in KrankhAt-Men ohne Rücksicht auf Demütigungen beffergejteüte Verwandte oder Bekannte um Hilfe an« gehen und sich, so bitter es ist, in Schulden stürzen... Sie müssen sogar noch die Laste» der erhöhten Steuern der ReichSsiuanzresorm trage» . . ."
ES muß bei dieser Gelegenheit doch darauf aufmerksam gemacht werden, daß der Triersche Verband nicht mehr seine alte Leitung hat. In den Kämpfen mit seinem Vorstand haben die jungliberalen Elemente gesiegt und diese haben den Sitz des Verbandes nach Berlin verlegt. Früher standen die Führer des Verbandes dem Zentrum nahe. Heute haben die Links- liberalen die Führung in Händen, und wie dieses einzige Beispiel zeigt, ist ihre Vertretung der Arbeiterinteressen so ungeschickt und ausreizend, als nur möglich. Auf diese Weise wird sicher nichts erreicht werden.
* Neber sozialdemokratische Achtung vor der Gleichberechtigung aller Arbeiter wird der .Frankfurter Zeitung' aus Frankfurt a. M. geschrieben:
Seit einiger Zeit besteht hier ein Arbeitersekretariat der Hitsch-Dunckerschen Gewerkvereine, das schon recht gute Erfolge auszuweisen, aber auch bie eifrige Gegnerschaft der Sozialdemokratie gefunden hat. lleberaU suchen bte sozialdemokratisch organisierten Gewerk- schasller die Gewerkvereinler aus den Arbeitsstellen za verdrängen. Besonders haben sie es auf die Metallund tBrauereiarbeüer abgesehen. Merkwürdigerweise ist es nun ben Gewerkschaften gelungen, mit der hiesigen Löwendrauerei, einer meist von mittelilänbli« rischen Flaschenbierhändlern (!) gegründeten Genoffen- schaslsbrauerei einen Vertrag abzuschließen, durch den die Brauerei für nicht sozialdemokratische Brauereiarbeiter gesperrt ist. Auf Veranlassung einer Anzahl von Brauereiarbeitern, die dem Verein der Deutschen Volkspartei angedören, beschäftigte sich dieser gestern in seiner letzten Sitzung vor der Auflö'ung mit der Angelegenheit und faßte eine Resolution, in der die Gleichberechtigung aller Arbeiter ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit in allen Betrieben für eine selbstverständliche Forderung erklärt, die einseitige Festlegung der Arbeitszuweisung in der Löwenbrauerei verurteilt und der Bürgerschaft empfohlen wird, mit allen geeigneten Mitteln darauf hinzuwirken, daß die Brauereibelriebe, die auch auf die Geschäftsverbindung mit bürgerlichen Kreisen stehen, die Gleichberechtigung aller Brauereiarbeiter nicht verletzen.
Ausland.
* Die christlich-soziale Bewegung hat in den letzten Jahr n auch im Vorarlberg gewaltige Fortschritte gemacht; die Landtaoswahlen haben für den Landtag längst eine sichere christlich-soziale Mehrheit geschaffen, aber auch in den Slabtvertretungen sind schöne Erfolge erzielt worden. In Bregenz haben die letzten Gemcinderatswcchlen zwar den Chtistlichfozialen die Mehrheit ndch nicht gebracht, aver doch eine solche Anzahl neuer Sitze, daß man jetzt schon bie Tage der Herrschaft der Freisinnigen als gezählt ansehen darf. Und in Dornbirn, der größten Stadt des Landes mit bedeutender, hochentwickelter Industrie, ist der Freisinn jetzt vollständig aus dem Sottet gehoben. Bei ben am Mittwoch den 6. April vollzogenen Wahlen errangen die Chtistlichfozialen in allen vier Wahl- körpern 2109 Stimmen, die Freisinnigen nur noch 779 und die Sozialdemokraten 624; letztere sind die Abzweiglinge und Schüler des Freisinns. Den Christlichsozialen fallen damit volle 28 Mandate zu, den Freisinnigen nur noch 10 und den Sozialdemokraten 4. Die Chtistlichfozialen werden nun auch die BürgetmetstersteUe besitzen und erhalten noch weitere fünf Stellen im Magistrate, während der Freisinn sich mit einem einzigen Magistratsrate begnügen wuß. Tas ist das Ende des Freisinns nach 41« jährigen Herrschaft. Bisher zählte der Freisinn im Gemeinderate immer noch 20 Sitze,' davon muß er jetzt volle 10 abgebe».
* Tie griechische Regierung hat an Frankreich das Ersuchen gerichtet, ihr einen General und vier höhere Offiziere zum Zwecke der Reor- gati'fation der Armee zur Verfügung z» stellen.
* Der König von Spanien unterzeichnete die Verordnung über die Auslösung der Kammer, deren Sitzungen feit dem Sturze des Kabi- netls Mama suspendiert waren. Die Neuwahlen sind im Mai.
* Der Bürgerkrieg in Abessinien hat den Ausgang genommen, der vorau-zuieben war. Ras Wolle, der Bruder der Kaiserin Tafln, jst kleinmütig geworden; er hat Bolen mit reichen Geschenken zu Ras Miezei gelaust. Seine Klugheit kommt aber zu spät, da die Regentschaft' ent« schloffen ist, ihm nicht nur Tigre/ sondern auch seine Statthalterschaft über Yrdaichu zu nehmen,
*♦ Neue Kämpfe zwischen Spaniern und Kabylen im Rif an der Nordküste von Marokko sollen nach Pariser Meldungen zu erwarten sein So ist die Garnison von Ceuta um zwei Geme- bataillone verstärkt worcen, und bte Spanier haben den Bau der Straße von. Ceuta nach Tetuan, den sie wegen des Mellllaseldzuges unterbrochen hatten, wieder ausgenommen. Es wird sogar, was gegenüber dieser Meldung stutzig «achen muß, behauptet, die Spanier beabsichtigen
nicht- anderes als einen neuen Vorstoß gegen das Innere Marokkos zu unternehmen.
Aus dem Nachbargebiete.
* Gießen, 15. April 1910. Beim Abspringen von einem in Fahrt befindlichen Wagen der Straßenbahn kam ein auswärtiger Fahrgast so zu Fall, daß er bewußtlos liegen blieb.
* Berleburg, 15. April 1910. Im Betriebe der Firma C. Koch wurde der Schlosset Frettlöh von der Transmission erfaßt. Außer Verletzungen des Kopfes, der Nase und des linken Armes wurden ihm zwei Rippen gebrochen.
* Offenbach, 15. April 1910 Die zuständigen kirchlichen Behörden und Organe erheben im Rechnungsjahre 1910 zur Bestreitung der Bedürfnisse folgenden Zuschlag zu den Staatssteuern: Die evangelische zwölf Prozent, bie katholische fünf unb einhalb Prozent. Das rote Offenbacher Abendblatt macht dazu die Bemerkung: Mer aus der Kirche austritt, ist von diesen Steuern befreit." — Dazu gestatten wir uns die weitere Bemerkung: Wer gar aus der roten Partei, den roten Gewerkschaften austritt, das Abendblatt abbestellt, spart noch mehr Geld und braucht viel Extrasteuern nicht zu zahlen, bie etwa nach Schweben oder Rußland wandern. — Der Bäckerstreik und Brotbohkott wird von sozialdemokratischer Seite mit aller Entschiedenheit durchgeführt. In einer am Mittwoch abgehaltenen Volksversammlung, die von ca 700 Personen besucht war, wurde eine Resolution angenommen, die den Brotboykott noch verschärft. — Eine Versammlung der Transportarbeiter beauftragte die Lohnkom- mifsion, einen Loh ntarif auszuarbeiten und diesen dem Unternehmerverband vorzulegen. Der gegenwärtige Tarif laust mit dem 30. Juni ab.
* Worms, 14. April 1910. Auf Veranlassung der Frankfurter Kriminalpolizei wurde der aus Worms stammende 29 Jahre alte Wolf Lüdky, der sich auch Ulrich Refchewski nennt, mit feiner angeblichen Frau wegen Mädchenhandels verhaftet.
* Heringhausen, 15. April 1910 Es darf als ziemlich sicher angenommen werden, daß die D i e- meltal sperre gebaut wird. Ob aber die Wasserkräfte auch in dem Muße wie bei der Edertalsperre für elektrische Kräfte ausgenutzt werden, ist noch zweifelhaft.
* Allendorf (Lahn), 15. April 1910. Hier findet die 5. große Bundesausstellung des miMdeutschen Kaninchen- und Geflügelzüchterver- 6 a n b e 8 vom 23.-25. April statt.
* Erfurt, 13. April 1910. Der Kreistag hat heute die Vorlage der Eingemeindung Ilversgehofens in Erfurt einstimmig angenommen.
* Mainz, 15. April 1910. Der Zuzug von ausländischen Arbeitern scheint dieses Jahr außerordentlich stack zu fein. Täglich treffen solche in Hunderten im hiesigen Hauptbahnhof ein, um über Köln in das rheinische Industriegebiet wetteczureisen. Selbst mit Sonderzügen werden die fremdländischen Arbeiter, hauptsächlich Kroaten und Italiener, nach Deutschland befördert.
Vermischter.
* Der deutsche Kronprinz, Ehrenmitglied der Berliner Drechsleiinnung, bat dieser ein eigenartiges Geschenk zuteil werden lassen, nämlich eine große Salonsaule, die er selbst angefertigt hat. Die nutz- bäum imitierte Säule ist ca. 1 Meter unb 17 Zentimeter hoch und bat einen vierkantigen Socket unb ebensolche Oberplatte. — Wie bekannt, hat der Kronprinz seinerzeit das Drechslerbandwerk erlernt.
* Erschöpft ist die „Samfon"-Gmbe zu A n- b re a 8 b e r g. Damit hat bet Oberharz ausgehört, bie wichtigste Silbecerzfundstätte Deutschlands zu sein. Die erwähnte Grube war auch das tiefste Silberbergwerk in Europa. Ein Drittel der 80 Mann zählenden Knappschaft ist unter günstigen Bedingungen in den Ruhestand getreten, bte übrigen Bergleute haben sich Arbeit in ben benachbarten Orten gesucht. Das Bergwerk von St. Andreasberg wurde 1520 eröffnet und hat außerordentliche Schätze geliefert.
* Die Hungertragödie eines Kindes. In Witzin- gerceuih in Niederbayern wurde ein zu Tode erschöpfter, zehnjähriger Knabe aufgefunden, der vor feinem Verscheiden noch erzählte, daß er sieben hungernde Geschwister und einen beröienftlofen Vater habe. Das Kind war deshalb auf die Wanderschaft gegangen, um Ostergaben für feine Angehörigen zu erbetteln- Es war von Ort zu Ort gegangen unb hatte kein Ei, kein Stück Brot anzurühren gewagt und auch leinen Pfennig, der ihm ba unb dort gereicht wurde, für sich verwandt, um nur recht viel nach Hause bringen zu können. Das Kind ist bann vor Kälte unb Hunger erschöpft zusammengebrochen unb konnte, von mitleidigen Menschen verpflegt unb trotz ärztlichen Beistandes, nickt mehr am Leben erhalten werden.
* Karten fnt je 100 Kronen gibt die Fürstin Pauline Metternich zu einem Vortrag über Erinnerungen aus ihrem Leben. Es sollen 120 Stuck verausgabt werden und der Ertrag soll der Wiener Poliklmck, bereit Protektorin die Fürstin ist, zugute kommen.
* Die schwedische Dichterin Ellen Key ist auf einem Spazteroang in bet Nähe von Tothedorg verunglückt. Sw kam zu Fall unb brach ein Bein.
* Vollständig emgeäfchert wurde bei starkem Winde bas 26 Hauser mit 200 Einwohnern zählende Tors Nemautens im sckweizerffcken Ramon Freiburg.
% Zn einer wahren Landplage wachsen sich immer mehr die galizischen Arbeiter aus, die in Schlesien als Sachsengänger Dienst finden. In dem Dörfcken Wiscyawe bei Trebnitz versuchen auf der dortigen königlichen Domäne die galizischen Ardener in der Somtlagnachl in das Mägdezimmer einzudringeit. Bei dem dabei entstehenden Lärm erschien der Aufseher Bereuter, um nach dec Ursache des Lärms zu forschen. Tie galizischen Arbeiter fielen über ihn her, und als ihm fein Stiefbruder, der Kitecht Schönfeid, zu Hilfe eilte, überfielen die Galizier auch ihn und richteten beide mtt Beiten und Messern furchtbar zu. Der Ausseher brach tot zusammen, an dem Auskommen des schwerverletzten Knechtes wird gezweifelt. Die Täler, drei Galizier, wurden feftgenommeu.
* * Die Turmuhr als Guillotine. Ein Aufsehen erregender Vorfall hat Lck vor wenigen Tagen in
Mailand auf dem Domplatze abgespielt unb wenig fehlte, so wäre durch eine eigentümliche Verkettung von Umständen ein Menschenleben zu beklagen gewesen. ES werden gegenwärtig, wie man der .Ins." schreibt, auf dem Mailänder Dom verschiedene Reparaturen vorgenommen, unter anderem unterzog mat die große Kirchenuhr letzter Tage einer genauen Pcü fung und fand auch in ihrem Werke mancherlei zu her bessern. Die Arbeit übernahm ein Spezialist dieses Faches, der Mailänder Mechaniker Gtulio Marnaro, der mit seinen Instrumenten bewaffnet, die Verbesserungen vornehmen sollte. Im .Ziffernblatte der Uhr, dessen Größe man unten vom Platze wohl kaum entsprechend richtig emschätzen kann, das aber tatsächlich eine Höhe von 6U Metern besitzt, befindet sich eine kleine Oeffnung, durch welche man auf den Platz bin« untersehen kann. Marnaro hatte den Gang des Werkes abgestellt und den Hebel, durch welchen der Fortgang der Zeiger gehemmt wird, befestigt. Er machte eine kurze Erholungspause während feinet Arbeit und benutzte diese, um durch die Oeffnung hinunter auf die Menge zu blicken, welche sich in einer Tiefe von vielleicht 60 Metern in der hellen Sonnenwärme Über ben Matz bewegte. Bei biefer Gelegenheit bemerkte bet Mechaniker nicht, das knapp neben der Oeffnung her große Zeiger der Uhr sich befand. Während et den Kopf noch hinaus gestreckt hatte, vernahm er plötzlich hinter sich ein klapperndes Geräusch, der Hebel, den et befestigt hatte, war frei geworden, das Räderwerk wirbelte und schnurrte — die Uhr setzte sich in Bewegung. Schnell wollte Macnaro feinen Kopf zurückziehen, um das Weck wieder in Ordnung zu bringen, da bemerkt er zu seinem namenlosen Schrecken, daß der Zeiget der Uhr den Kopf festgeklemmt hat: Er kann nicht mehr zurück. Ein wahnsinniges Entsetzen erfaßt ihn und int selben Augenblicke erkennt er, welches grauenvolle Schicksal ihm droht. Wenn nicht schnelle Rettung naht, so wird er von dem Zeiger der Uhr bei lebendigem Leibe geköpft werden. Was soll er tun? Er beginnt in feiner Todesangst ans voller Lunge zu brüllen, so viel er nur kann, aber kein Mensch auf dem Platze unten vernimmt fein Hilfegefchrei, denn die Höhe, in der er sich befindet, ist zu groß. Angesicht- vieler hundert Personen ist er hilflos verlassen, ohne Rettung dem Tode preisgegeben s Einige bange Sekunden verfliegen, eine halbe Minute ist vorbei und sie dünkt dem Bedauernswerten wie eine Ewigkeit. Immer nähet rückt der Zeiger, wenn noch wenige Minuten vergehen, ist jegliche Hilfe zu spät. Wieder schreit er und wieder verhallt seine Stimme ungehört Eine Ohnmacht will schon seine Sinne umfangen, da, bevor, noch das Bewußtsein schwindet. Vernimmt et hinter sich Tritte, zufällig waren Leute heraufgekom- men, die dir entsetzliche Situation übersahen und durch Abstellen des Hebels das Uhrwerk im selben Augenblicke zum Stillstand brachten- Mehr tot als lebendig, ober doch unverletzt, wurde der Mechaniker nach Hause gebracht.
* Ein Sindentenstreik ist an der Universität Al Agbar in Kairo ausgebrochen. Die Studenten verlangen — tüchtigere Lehrer.
* Eine Lokomotive mit 28 Rädern, die für di« Atchison and Santa Fe-Eisenbahn in Amerika gebaut worden ist, ist wohl die größte der Welt; sie wiegt ohne Tender nicht weniger als 4620 Zentner zusammen mit dem Tender 7000 Zentner. Der Tender ist imstande, 16 000 Liter Petroleum für die Feuerung und 45000 Liter Wasser für den Kessel mitzunehmen. Die Bedeutung dieser Riesenlokomotive für ben Eisenbahnbetrieb liegt nicht nut in der kolossalen Kraftentfaltung, deren diese Lokomotive fähig ist. Bei ben alten Lokomotiven entweichen durch den Schornstein gewaltige Hitzemengen, die nutzlos in bie Atmosphäre ausgestoßen werden. Die neue amerikanische Maschine ist so konstruiert, daß die Heiz« traft der entweichenden Gase ausgenutzt wird: die Abzugsrohren sind so angelegt, daß die entweichende glühende Luft zugleich zur Heizung des Kessels bei« trägt. Dadurch erfährt der Verbrauch an Heizung?» material eine Ersparnis von nicht weniger als 50 pCt. Die Maschine ist imstande, einen schwer be« labenen Güterzua von l1;« Kilometer Lange ohne Schwierigkeit zu ziehen.
* Mark Twain, ber bekannte amerikanische Humorist, ist sehr leidend. Sein Zustand ist bedenklich.
Literarisches.
Verordnung über den Verkehr mit Kraftfahrzeug» unb Anweisung über die Prüfung von Kraftfahrzeugen, mit den vorgeschriebenen Formularen und Buchungstabellen. Vom 5. Fe« biuat 1910. Herausgegeben vom Geh. Justiz, rat Univ.-Professor Dr. Karl Gareis in München. Verlag vo» Emil Roth in Gießen. Preis broschiert Mk. 1.00, flexibel gebunden Mk. 1.30.
Trotz vorzüglicher Ausstattung ist dies die billigste Ausgabe des neuen, wichtigen, für jeden Automobilisten, für Chauffeure, sowie für Kraftfahrzeug« Fabriken und «Handlungen, aber auch für Gerichts« und Polizeibehörden unentbehrlichen Gesetzes Hu rühmen ist nicht allein die übersichtliche Darstellung und Anordnung, sondern auch dir Beigabe aller in Vorschrift kommenden Formulare, Buchungsvorlagen und -Tabellen in klaren Mustervordrucken.
Reklamen- und Anzeigenteil.
Wenn Sie Ihr
gesund, munter und geistig frisch sich entwickeln sehen wollen, so geben Sie ihm Dr. Hoannel'S ßaem trogen. Warnung! Ma» verlange ausdrücklich den Namen Vr ffommel
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Sarg
B*rta,8.«ttfntr.r
WIEN-PARIS, i
/ beste
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