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-mnahm« -er §o.m- U.W Feiertage virrtel- sührlicher SeMgrprrir ohne vringerlohn und vepellgeld in Fulda so­wie aurwärtsl-5« Ult-

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Z.parzeüek in Fulda.

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85. Erstes Blatt.

Fulda, Freitaff den 15. April 1910.

37. Ia'fnani.

Preußischer Landtag,

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 14. April 1910.

Eingegangen ist die Nebenbahnvorlage.

Die zweite Beratung des hkisenbahnetatS wird bei den dauernden Ausgaben fortgesetzt.

Abg. Flesch (Fortschr. 53p.): Das Koalitionsrecht der Eisenbahnarbeiter darf nicht beschränkt werden. Um Streitigkeiten vorzubeugen, müssen die Arbeiler» ausschüsse weiter ausgedehnt werden.

Abg. König (Ztr.): Es hat mich mit besonderer Befriedigung erfüllt, aus der Rede des Herrn Ministers zu ersehen, welch« Bedeutung er der Rede meines Fraktionskollegen Gronowsli, der dem Stande der Eisenbahnarbeiter und -Handwerker angehört hat und deshalb aus eigener Erfahrung spricht, beimißt. Die beteiligten Arbeiter werden daraus wieder einmal er­sehen haben, daß ihnen eine Rede, wie die des Abg. Granowski, die sich von Ueberlreibungen fernhält und das Erreichbare erstrebt, viel mehr nützt als eine sozial­demokratische Agitationsrede, die den Arbeitern eher schadet als nützt. Ersreulicherwelse mißt auch der Minister den Arbeiterausschüssen hohe Bedeutung bei. Möge er dasür sorgen, daß ihr Zweck nirgends ver­eitelt wird. Den Streckenarbeitern wird leider der Urlaub vorentbalten. Ein Erholungsurlaub müßte allen Bahnarbeitern zugebilligt werden. In meinem Wahlkreis ist der Lohn der Eisendahnarbeiter noch durchaus ungenügend. Der Minister sollte energisch Redemur schaffen, wenn seine wohlwollenden Absichten bei den unteren Behörden kein genügendes Verständnis finden.

Abg. Hammer (kons.): Die Lokomotivführer haben leider nicht die Achselklappen der Assistenten, worauf sie großen Wert legen, (stürm. Heiterkeit.) Die Weichen­steller und Bahnwärter sollten Gummimäntel bekom­men. Die Beamten des Außendienstes sollten nicht überlastet werden.

Abg. Dr. Wagner (frk.) klagt über die Brsoldungs- verhältniffe der Eiseubahnangestellten in Breslau.

Abg. Schreiner (Ztr.) hält die Klagen der Bahn­arbeiter im Saarrevier für nicht unbegründet.

Minister v. Breitenbach: Die Löhne sind im großen und ganzen befriedigend. Wir Haden kein Jn- t reffe an niedrigen Arbeiterlöhnen. Die Bahnarbeiter haben auch besondere Vorteile: Sie können in Be­amtenstellen ausrücken. Unsere Wohlsahrtseinrichtungen sind sehr wertvoll. Nur wenn zwingende Verhältnisse vorliegen, verstehen wir uns zu Arbeiterentlaffungen. Von 121000 Arbeitern sind 105000 urlaubsberechtigt. Im Jahr« 1908 sind 240000 Tage Urlaub allein zu Erntezwecken gewährt worden.

Abg. Dr. Grunenberg tZtr.): Die Lokomotivführer und Heizer haben noch eine viel zu lange Arbeitszeit. 32 Prozent haben über 12 Stunden Dienstzeit, 10 Pro­zent arbeiten 13—14 Siunden und 5 Prozent 14 bis 15 Stunden. Diese übermäßige Dauer der Dienstzeit muß bei der schweren Verantwortung der Beamten schleunigst verkürzt werden. Es kommen sogar ununter­brochene Dienstzeiten bis zu 16 Stunden vor. Darunter leidet die Betriebssicherheit, und auch die Zugver­spätungen sind zum Teil eine Folge davon. Zur mög­lichst gründlichen Ausbildung der Lokomotivführer sollte der Staat die Fachschulen noch mehr fördern.

Abg. Witzmann (ntlb.) verlangt Aufbesserung der Eisenbahngehilfinnen.

Abg. Schmidt-Warburg (Ztr.) wünscht Gleichstel­lung der Baurate mit den Richtern.

Abg. Delius (fortschr Vp.) bittet um Vermehrung der elatsmäßigen Weiksührerstellen und Fortfall der Bevorzugung der Mililäranwärter bei Besetzung der Ajsistentenstellen.

Abg. Leinert (Soz.) bemängelt die Löhne der Eisen- bahnardeUer und Htlfsbeamten. Zur Renovierung der Wohnung eines Eisenbahndireltwns-Prästoenten gibt man 16- bis 20000 Mark aus. Warum denn die Sparsamkeit bei den Arbeiterlöhnen ? Der Minister spricht so gerne von dem Wohlwollen, das er den Eisenbahnern entgegenbringt. Vom Wohlwollen allein kann kein Mensch leben; anständiger Lohn, das ist viel mehr wert, alS alles Wohlwollen. Wir muffen weiter verlangen, daß das Koalitionsrecht für die Eisendahn­arbeiter eingeführt werde. Nach dem Reichsvereins­gesetz haben alle Staatsbürger das Koalitionsrecht. Die Eisenbahner sind also nicht ausgenommen. .Gegen die Berhällntffe der staatllchen Arbeiter muffen rohr protestieren im Namen der Humanität, im Namen der

Menschlichkeit. (Beifall bei den Sozialdemokraten, Un­ruhe rechts.)

Eisenbahnminister v. Breitenbach: Erst schien es, daß der Abg. Leiuert zur Sache sprechen wollte, aber bald ist er wieder in den Ton verfallen, den wir bei ihm kennen. Er hat nur ins Land htnausgesprochen, das Vertrauen und die Autorität zu unterdrücken. (Lebh. Zustimmung.) Es ist ganz unrichtig, wenn der Abg. Leinert es so hinstellt, als ob die Bewegungs­freiheit der staatlichen Arbeiter über Gebühr ein­geschränkt würde. Alle Parteien des Reichstages bis auf die äußerste Linke sind darin einverstanden, daß wir einen Streik der staatlichen Arbeiter und Beamten unter keinen Umständen dulden dürfen, ihn vielmehr nötigenfalls auch mit dem Mittel der Entlassung unter­drücken müffeu. (Allgem. Beifall, Widerspruch b. d. Soz. Abg. Ströbel ruft: Das ist ungesetztlich.)

Präsident v. Kröcher bittet, die Zwischenrufe, die der Ordnung des Hauses widersprechen, zu unterlassen. (Erneuter Lärm bet den Sozialdemokraten. Unruhe rechts und lebhafte Ruse: Zur Ord­nung!)

Präsident v. Kröcher: Das nutzt ja nichts. (Abg. Ströbel ruft: Sie haben ja keine Ahnung von Ord­nung. — Lebhafte Rufe: .Unerhört!" rechts und in der Mitte, große Unruhe im Hause.)

Präsident ». Kröcher: Ich kann nur konstatieren, daß das Benehmen der Herren (auf die Abgg. Hoff­mann und Ströbel hinweisend) nicht so ist, rote es unter königStreuen Leuten Sitte ist. (Lärm b. d. Soz. Abg. Hoffmann ruft: „Was! Königstreu?" Große Unruhe im ganzen Hause, lebh. Rufe rechts: „Raus- schmeißen!')

Präsident v. Kröcher: Herr Abg. Hoffmann, Sie sind ja königstreu. Sie haben dem König ja Treue ge­schworen. (Abg. Ströbel: Das sind Witze, die wir schon oft gehört haben. Große Erregung im ganzen Hause und Rufe: „Zur Ordnung rufen!")

Präsident v. Kröcher: Zur Ordnung rufen hilft ja nicht. (Abg. v. Pappenheim (kons.) erbittet erregt das Wort zur Geschäftsordnung.)

Präsident v. Kröcher fortfahrend: Dann geben Sie mir (nach rechts) eine Geschäftsordnung in die Hand, mit der ich gegen derartigeZwischen- rufe etwas ausrichten kann! Der Herr Minister hat das Wort.

Eisenbahnminister v. Breitenbach (in seiner Rede sortfahrend) weist an der Hand von statistischem Ma­terial die sachlichen Bemängelungen des Abg. Leinert zurück. (Lebh. Beifall im ganzen Hause.)

Freitag: Fortsetzung.

+ Zur Richtigstellung.

Die liberale Presse hat kürzlich das Sprüchlein er­funden, die Verständigung zwischen Konservativen und Liberalen in der Wahlrechtsftage werde hauptsächlich dadurch verhindert, daß das Zentrum unter allen Umständen mit den Konservativen die Re­form machen wolle und zu dem Zwecke mit allen Mit­teln die Konservativen gegen die Liberalen aufhetzen.

Das eine ist so dumm wie das andere- Wir haben den Wunsch, daß eine brauchbare Reform zu­stande komme; die Mindestanforderungen an diese „Brauchbackit" sind in dem Kompromiß niedergelegt. Werden diese Mindestanforderungen nicht erfüllt, so hat das Gesetz für uns keinen Wert, und wir werden es seelenruhig ablehnen. Von unserem Parteiftand- punkte aus betrachtet, ist für uns die Ablehnung der Vorlage mindestens so vorteilhaft, wie die Annahme. Und wenn die Liberalen meinen, daß wir so fürchter­liche Angst vor der Gemeindedrittelung hätten, so sollen ste sorgen, daß sie nicht zu früh jubeln. Wir werden unseren Besitzstand auch bei der Gemeindedrit­telung zu wahren wissen. Aber freilich fiir eine der­artige Verschlechterung des Wahlrechts, wie die Ge­meindedrittelung, die den plutokratischen Charakter des Wahlrechts noch erheblich verstärkt, werden wir niemals zu haben sein.

Dann heißt es, wir seien es, welche die Konser­vativen gegen die Nationalliberalen a u f h e h e n. Ach, das ist wirklich gar nicht not­wendig, das besorgen die Nationalliberalen selbst

ganz allein und viel eifriger und viel besser. Sie be- llagen sich, daß die Konservativen ihnen kein genügen­des Entgegenkommen bewiesen. Aber wirklich, die Mittel, die sie anwenden, um dieses Entgegenkommen zu erreichen, sind die denkbar untauglichsten. Statt die aus den Kämpfen um die Reichsfinanzreform noch nachzittemde Erregung zu dämpfen, haben ste nur noch Oel in das Feuer gegossen Es sind ja keine weltbe­wegenden Mionen, aber gerade die Seinen mit der persönlichen Spitze vergifteten Bosheiten wie das Manöver gegen den konservativen Antrag für die öffentliche Wahl und die Stellungnahme zu Gunsten der Sozialdemokraten bei der Geschäftsordnungsde­batte am Dienstag Witten außerordentlich verbitternd. Dann braucht man nur zu denken an die wüste natio­nalliberale Agitation im Wahlkreise des Grafen Stol­berg — in Wahrheit, wenn die Konservativen auf die Nationalliberalen sehr schlecht zu sprechen sind, dann sind diese selber schuld.

Die Nationalliberalen beklagen sich, daß sic von der Mehrheit ausgeschaltet würden. Nein, sie schalten sich nur selber aus, genau ebenso wie sie es bei der Reichsfinanzreform getan haben. Herr v. Zedlitz glaubte auf das Herrenhaus Eindruck machen zu können mit der Warnung, daß eine Op­positionsstellung der Nationalliberalen und Freikon- fervativen bei der Wahlrechtsreform die Folge haben werde, daß diese Patteien dauernd in die Opposition getrieben werden und daß damit dem Zentrum ein unheilvoller maßgebender Einfluß gewähtt werde. Diese liftige Predigt ist doch sehr durchsichtig. Die Nationalliberalen und die Freikonservativen haben es selberjederzeitin derHand, das Zen­trum aus einer solchen Stellung zu verdrängen. Wir zweifeln übrigens auch gar nicht daran, daß ste nicht die geringste Lust haben, dauernd in der Opposition zu bleiben. Die Geschichte von dem ausschlaggeben­den Einfluß des Zentrums kann in Preu­ßen-Deutschland immer nur ein Märchen sein. Nein, das Zentrum ist nicht Trumpf, aber Nationalliberale und Freikonservative möchten Trumpf werden, wir Dr. Bell sehr treffend die Situation gekennzeichnet hat.

Ms letzten Trumpf spielt Herr v. Zedlitz aus, daß die notwendige Beruhigung im Lande nicht eintreten werde, wenn die Reform nicht von den Mittelparteien unterftützt werden Tie freckonserva- tive Pattei hat ganze 36 000 Wähler, die Liberalen haben zwar eine einflußreiche Presse, aber ihre Ge­folgschaft wird immer Seiner, und der größere Teil derselben will auch von der von Herrn v. Zedlitz ge- plantm Wahlrechtsreform ebensowenig wissen wie von dem Kompromiß. Werm Herr v. Zcdlitz logisch sein will und es ihm mit der bauemben Beruhigung im Lande ernst ist, dann muß er für das gleiche Wahl­recht eintreten- Fällt ihm aber nicht ein!

Deutscher Reich.

Die Reichstagsersatzwahl in Lyck

W Lhck, 14. April 1910. In der Reichstagser­satzwahl in O l e tz k o-L y ck-J o h a n n i s b u r g( den der berftorbene Reichstagspräsident Graf Stolberg vertrat) wurden 23 737 Stimmen abgegeben. Hiervon entfielen aufKochan (ntl.) 12 655, aufKraemer (kons.) 10161 und auf Linde (Soz.) 910 Stim­men. Zersplittert waren elf Stimmen. K o ch a n i st somit gewählt.

Das ist ein außerordentlich überraschendes Ergebnis. Allgemein sah man den Wahlkreis des verstorbenen Reichstagsprästdenten an als sichern Besitz der Konservativen und hiell demgemäß die glatte Wahl des konservativen Kandidaten für zweifellos. Bei der Wahl von 1907 erhielten die Konservativen 20 343, die Freisinnigen 833 und die Sozialdemokraten 650 Stimmen. Daß feit dieser Wahl 10000 konservative Wähler ins liberale Lager abgefchwenkt sein sollten, ist nicht anzunehmen. Es müssen für den Auskall der Wahl wohl Gründe in

^ebranömarHL

57]Roman von G. Freifrau von Schlippenbach.

„Ich werde für den Winter verreisen", dachte Hart­wig. „Es ist mir unmöglich, in ihrer Nachbarschaft zu bleiben, ich fürchte, mich zu verraten und sie soll den Tttumph nicht haben daß ich hoffnungslos die Toch­ter dessen liebe, dem ich als Oberhaupt der Familie feinen Platz unter den Pfeilecks geben konnte. Ja, Rottraut, Tochter Günther Erichs, Du hast Dich bittet gerächt!"

Am folgenden Tage umzingelten HattwigS Leute den Wald, in welchem man den Wllbbieb vermutete, obgleich der Forst zur Pfellburg gehörte.

„„Sie wirb natürlich wieder ärgerlich auf mich sein," sagte sich bei Graf, „mir ist es völlig unbegreiflich, warum sie ben Zacher zu schützen sucht. Ich will es barauf ankommen lassen Schön-Nottraut, Du ver­langst Fehbe mtt mir! Wohlan, Du sollst sie haben!"

ES lag heute ein leichter Nebel auf der Gegend, bc r,rf) im Walde verdichtete. Rvttraut steckte dar C < sich, aber auch einen Seinen sechsläufigen Re- li Ehe ste zur verabredeten Stunde zur Wolfs- sch chi ging, besuchte ste ben Friebhof, um am Grabe ihrer Mutter zu beten

Reben dem Hügel der armen Anne-Liese, dicht am Zaun, wölb' e sich ein zweites Grab, in dem ihre Mut­ter lag, die tolle Karolinc, die vor einigen Monaten > gestorben war.

Durch den nebelfeuchten Wald schritt Rottraut; es tropfte von den Bäumen, das Laub raschelte unter ihren Füßen, ihr mutiges Herz zittette doch ein wenig, und sie sagte sich, daß es sicherer gewesen wäre, wenn sie Friedrich und ewige handfeste Männer in der Nähe der Schlucht versteckt hätte. Aber es widerstrebte ihr, daß man von ihrem Gange erfuhr.

An der verabredeten Stelle sah sie ben Wilddieb bereit? auf sie warten; er hielt die Flinte in der H°ud und sein wildes Aussehen war durchaus kein vertrauenerweckender Anblick.

»Gebt das Geld bet*,brummte er verdrießlich „Ich

warte schon lange auf Euch, hättet auch pünkllicher sein können!"

„Wo ist das Papier?" entgegnete Rottraut. „Glaubt Ihr, ich werde so dumm fein. Euch die Summe zu geben, bevor ich das Dokument in ben Händen habe?"

»Ha, ha, ha! Ihr seid eine Schlaue!" lackte der Strolch, „aber ich bin Euch doch über. Glaubt Ihr denn, ich könnte Euch nicht zwingen, mir die lumpige Summe zu geben, ohne daß Ihr den Wisch kriegt? So lange ich ihn habe, müßt Ihr bluten! Na, wird s bald? Wo lst das Geld?"

„Ihr erbalttt es nicht, ehe ich das Papier in Händen habe."

Zacher wollte auf ste zuspringen, stutzte aber und horchte in den Wald hinein. Hatte da nicht ein dün­ner Ast geknackt? Nahten sich da nicht Schritte? Doch es blieb alles still, und abermals drang er auf Rot- traut ein.

Sie wich einige Schritte zurück und zog den Re­volver. „Rühtt nuch nicht an!" rief sie

Anton lachte. „Mich schreckt Ihr nicht! Zum Teufel — ich bin entdeckt!" ö

Jetzt ließen sich deutt'.ch hastige Schritte verneh­men, und gleich darauf tauchten aus dem Nebel einige Gestalten auf, mehrere handfeste Männer und eine befeblenbe Sttmme rief: „Faßt ihn, Leute, und bindet ihn!"

Erbleichend startte Anton die Nahenden an

®et Grafenhorster!" knirschte er zwischen den Zahnen, als HattwigS Gestatt zwischen den Bäumen Mbar tourbe. Blitzschnell riß die Wilderer bie Flinte an die Backe und zielte auf den Rähettommen- den - aber eoenso schnell Wrang Rottraut auf ihn zu und Mug den Lauf zur Sette. Der Schuß krachte und verfehlte sem Zjiet, und im nächsten Augenblick war Anton Zaeyet gefangen.

„Sie haben mir das Leben gerettet" fanfe ßtrnf Pfeileck mit tiefer Bewegung zu Rottraut,' die jetzt be­bend und kraftlos am Stamm eines Baumes lehnte „Wie soll ich Jftnen dafür danken?" 9

„Indem Sie den Schürfen untersuchen lassen" versetzte sie, sich des Zweckes ihres Hierseins erinnernd' „Er muß eine Brieftasche bei sich haben, die er dem

Zacharias stahl Der Inhalt der Tasche ist mein Eigentum, ich war hierher gekommen, um sie zu em­pfangen."

Fragend und verwundett hefttten sich Hartwigs Blicke auf baS junge Mädchen. Welches Geheimnis verknüpfte die beiden?

Anton Zacher war gefesselt; auf Befehl Pfeilecks untersuchte der Förster den Wilddieb und fand in der Brusttasche seiner Lodenjoppe auch die Tasche.

„Hier, gnädiges Fräulein", sagte Hattwig und legte das Gewünschte in Rottrauts Hände. Ein flüch­tiger Blick überzeugte sie, baß das Papier darin lag.

„Soll ich Sie zur Psttlburg zurückbegleiten?" fragte der Graf, nachdem die Leute ihren Gefangenen in Sicherheit gebracht.

„Rem, aber — ich bitte Sie, morgen elf Uhr vormittags zu mir zu kommen", versetzte Rottraut mit tiefem Ernst in der klangvollen Stimme.

Er ergriff ihre Rechne und das Haupt darüber neigend, preßte er einen langen, heißen Kuß barauf, der das junge Mädchen erschauern machte, bann, ohne noch ein Wort zu sprechen, verschwand er im Siebet

Am Morgen des nächsten Tage- stand Rottraut am Fenster ihres Schreibzimmers und blickte in die sonnige Landschaft hinaus- Der Herbst schien heute noch einmal dem sterbenden Sommer Platz zu ma­chen; golden lachte die Sonne au« tiefblauem Him­mel herab. Die Luft war fiat und der Sturm hatte ich gelegt

Rottraut halte am Tage vorher mit Willis ge­sprochen und ihr Hellmuts Wünsche rnttgeteilt; gleich, zeitig hatte sie den jungen Leuten eine Unterredung gestattet, ehe ste sich für ein Jahr trennten.

-Denn Ihr seid beide jung, mein Liebling", sagte te, „cs ist ein ernster Schritt fürs ganze Leben und Ihr tut besser Euch erst zu prüfen, ob Eure Siebe auch echt und fest ist!"

„Ach, Trautchen, das ist sie Wittlich", versicherte Willis unter Tränen lächelnd. „Hellmut und ich halten fest zu einander "

(Schluß folgt.)

den Personen der Kandidaten mitbeftimmenb ge­wesen sein.

** Berlin, 14. April 1910. Der Kaiser wird Ende Mai zur Jagd zum Fürsten von Dohna-Schlobitten in Prökelwitz fahren. Von da fährt der Kaiser nach Danzig-Langsuhr und dann zum 600 jähr. Stadtjubiläum von Stolp. Dann folgen die Kaisermanöoer. — Der allge­meine Fürsorgeerziehungstag wird in den Tagen vom 27.—30. Juni in Rostock tagen. Man wird sich insbesondere mit der Frage der krankhaft veranlagten Fürsorgezöglinge befassen.

X Ueber einen deutsch-französischen Zolltarif ist kürzlich in einer Konferenz der zuständigen Reichs- und preußischen Ressorts beraten worden. Halb­offiziös wird darauf hiuge.viesen, daß der Bundes­rat diskretionäre Vollmacht besitzt, gewiss« Zölle (wie Spirituosenzölle) Frankreich gegenüber ebenso wie herab- auch heraufzusetzen. Das ist ein deutlicher Wink mit dem Zauupfahl an die franzö­sische Adresse, und wird die Franzosen bei den kom­menden Verhandlungen sicher gefügiger machen.

)( Das Kleiubahngesetz, wie man bie Sammlung aller Erweiterungsbauten der Eisenbahn zu nennen beliebt, ist bern Abgeordnetenhaus« soeben zugegangen. Danach sollen in diesem Jahre fast rund 200 Millionen Mark, zur Hälfte durch Anleihen zu decken, für Erweiterungsbauten aus gegeben werden, davon allein 41 Millionen für die Anlage von 2. Glei­sen an größeren Strecken, 75 Millionen Mark für bie Erweiterung des Wagenparks und des Lokomotiv- Matertals. Außerdem soll eine Hauptstrecke Witten- West nach Schwelm-Barmen hinüber gebaut werden, eine Strecke, bie späterhin einen erheblichen Teil des Vettehrs Berlin-Hamm-Köln auf sich ziehen dürste, weil dadurch andere überlastete Strecken entlastet werden.

** In der Kalifrage steht eine Einigung der Regierung und der Parteien in naher Aussicht; sie dürste erfolgen nach folgenden Grundzügen: Kontingentierung der Förderung, getrennt nach Inlands- und Auslands-Absatz (Doppel-Kontin­gent), kein Zwangs • Syndikat, keine Vertriebs- Gemeinschaft, Maximalpreis für das Inland etwa 10 Prozent unter dem jetzigen Preis, Minimal preis für das Ausland, Kontingentierung durch eine besondere Kommission mit Berufung an eine Ober-Kommission, mäßige Förderabgabe an daS Reich, eine Abgabe für Ueberfchreitung des Kon­tingents in der Höhe von 16 Mark pro Doppel­zentner reines Kali an die Reichskaffe.

+ Zur Reichsversicherungsordnung. Die Ar- belterorgantfottcnen, die der Gesellschaft für soziale Reform angegtiebert sind, haben in einer Kon­ferenz am Mittwoch zu der Frage der Reichsverstche- mngsordnung Stellung genommen und auf eine An­zahl von Forderungen sich geeinigt. Sie lehnen vor allem entschieden die Halbierung der Beiträge und des Stimmrechtes für bie Krankenkassen ab, verlangen bie Mitwirkung bei bem Renienfestse tzungsverfahren in bet Unfallversicherung und bie Erhöhung ber Juvaliden- versicherungsrenten für bie Invaliden mittlerer Jahre in Form einer Kinderrente. Die in der Vorlage vor­gesehene Errichtung der Versicherungsämter erkennen sie als eine notwendige Verbesserung an. Sie sind Gegner einer gesetzlichen Festlegung ber freien Aerzte- wahl. Das find die Grundlinien, auf denen sich die christlichen Gewerkschaften, die Hirsch-Duncker- schen Gewettoereine, ber Eisenbahnerverband, die ka­tholischen Arbettewerbände, bie evangelischen Arbei­terverbände vereinigt haben.

• Die Geschäftsordnungskommission des Abgeordnetenhauses hat einen ErgänzungSpara- graphen zur Geschäftsordnung beschlossen.

Danach kann im Falle einer die Würde be­bau s e s schädigende Verletzung ber Ordnung der Präsident einen Abgeordneten für den Rest deS TageS von der Sitzung anSschließen. Auch kann auf den Vorschlag des Präfidenlen daS Haus ohne Besprechung einen Abgeordneten bis zur Dau« von sechs, im Wiederholungsfälle in derselben Tagung, biS zur Dau« von 12 Tagen aus dem Sitzungssaal anSschließen. Segen Ordnungs­rufe oder Ausschließung kann der Abgeordnete spätesteuS am folgenden Tage Einspruch erheben. Das HauS entscheidet frühestens in der nächsten Sitzung ohne Be­sprechung, ob d« Ordnungsruf ob« die Ausschließung berechtigt war.

Die Verschärfung der Geschäftsordnung bei preußischen Abgeordnetenhauses ist eine Folge de­nn gebührlichen Benehmens der Sozialdemo­kratie. Den letzten Anlaß gab der skandalöse Empfang, den sie dem Reichskanzler und Mmisterpräfidenlen von Bethmann-Hollweg, als dieser zum ersten Male in dieser Eigenschaft da- Hau- betrat, durch Pfui» und Abzugsrufe be­reiteten. Die Debatte in der Kommission ver­lief sehr ruhig. Die meisten Bestimniungen wurden mit überwiegender Mehrheit angenommen. Bei einzelnen stimmten die Nationalliberalen und daS Zentrum dagegen.

* Die WahtprüfuugSkommiffüm des Reichstage? erklärte auch bet der Wahl des Abg. Sievers (natl.), Lüneburg-Winsen, die Agitation in Krieger­vereinen für unzulässig. Sie wird daher die UngültigkeitserklSrung der Wahl Sievers bean­tragen, wie die Wahl des Abg. Wehl (natL).

8. Die 2 offnem ter für die Hausindustrie sind trotz deS Widerspruchs der Regierung und der Arbeitgeberparteien des Reichstages von der zuständigen Kommission des Reichstages soeben an btr Hand eines Zentrumsantrages beschlossen worden. Diese Lohnämter sollen das Recht haben, Mindestzeitlöhne oder Stücklöhne fest­zusetzen.

* Eine „dringende" Interpellation. Vorgestern habn die Rattonalliberalen im Reichstage eine Interpellation über das Mithelmer Eisenbahnunglück