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Donttttstog den H- April MV.
57. Jahrgang.
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Zeitung«
2. Blatt.
Druck und vertag dar $ul6oa IltMsdnEmt i« Zulda.
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hp. .Meter bi. Ued»»te» b« ’M«« “ c>nbte 1910 erfährt tnt Kmre'pondenz „V«r und Politik" folgende Einzelheilen: Die Ge- somiwhl der in diesem Jahre M Uebouaea em. gezogenen Reservisten ist bed«1enS hoher <M \m hoXbre tis weide» nämlich insgesamt 112 Slad-offiriere, 513 Hanptlente und Riltmeifler, l2L0'Oberleulnants, 6024 Leutnants, 670 Aerzte, 336 Letrrmäre, 98 Apocheker, 49093 Unter. Offiziere und rund 387 c00 Mannschaften einbe- rufen. Die Dauer der llebrmg ist sehr ver- schreden und wechselt zwisches 56 Tage» und 14 Tagen. Die Sofien der gefamlee Hebungen im deutschen Sieiche betragen rund 8 Millionen Mark. Bekanntlich sollen künftighin bei den Armeekorps je 2 R eser ve ins au ter irr e gi- meuter aufgestellt werden. Während bisher nur insgesamt 13 Reserueinsanierieregimenter ausgestellt wurden, will man jetzt im Interesse der Ausbildung des Be«rll>ubtenfiandes diese Zcchl bedeutend erhöhen.
)( Snzialdemskratische Konsequenz. Der Vorsitzende des soziatdemolratifchen Arbeiter, abstinenlenbundrs, „Gmi^se" Neumarm in Frank- suri, wendet sich m einer Auslastung über den Schnapsboykott in sehr kräftigen Worten gegen die laue Ausführung des Beschlusses:
„Kurz nach dem Schnapsboykotl-Beschirns« war in der Arbeüerpieffe nur eine Stimme für de« Boylolt. Später aber glaubte der Parteivorstand den Partei« tagsdeschtuß ein wenig abschwächen zu müssen. Diese und auch andere Borgänge haben dazu beigetragen, daß der Boykott in letzter Zeit nicht besonders energisch durchgesührt wird. In der Parteipreffe liest man überhaupt keine Artikel mehr für de» Boykott. Es macht keinen guten Eindruck, wenn während des Boykotts in unserer Parteipresse Schnaps-Inserate erscheinen. Es ist erfreulich, daß der Metallarbeileroerbrmd des« wegen seinen Mitgliedern zuruft: „Genossen, meidet den Schnaps! Beachtet nicht die Inserate in den Parteizeitungen!" Es ist traurig, daß selbst noch in unseren Gewerkschaftshäusern Schnaps zum Verkauf gebracht wird. Wenn hier keine Aendernng eintritt, werden wir uns dem Hohn und Spott der Gegner aussetzen. Ma» wird uns dann nicht mehr eine revolutionäre Partei, sondern eine resolutionäre Partei nennen."
Ja, wenn die Sozialdemokralie mit ihren Gewerkschastshäusern ohne den Schnaps durchkommen könnte! In manchen Gegenden find sie auf guie Geschäfte mit dem Schnapsvertrieb ge. radezu angewiesen.
" Die sozialdemokratischen Maifeier,r folien nach den Versammlungen unter freiem Himmel am vergangenen Sonntag n-uürllch auch in großem Maßstabe »nd aus öffentliche» Plätzen veranstaltet werden. Während den Genossen tn Lübeck die nachgesuchte Genehmigung zur Mai- feier unter freiem Himmel polizeilich untersagt wurde, stellien die Magistrat von Würzburg und Chemnitz ihnen dazu öffentliche Plätze zur Ver- fügung.
X Bim der Stands lchronik. Der Fall Münsterer gab der liberalen Presse ivilikvmmene Gelegenheit, m der häßlichste» Weise gegen das Zentrum zu Hetzen, indem sie Münsterer als „Zentrumspfarrer"' usw. bezeichnete, was et gar nicht ist und ihn um jeden Preis dem Zentrum an die Rockschösse zu hängen suchte. Man warnte damals die liberale Presse, weil keine Partei gegen unwürdige Elemente gefeit sei. Jetzt ist dem unsinnigen liberalen Treiben gegen das Zentrum berefts die Strafe aus dem Fuße gefolgt: In Charlottenburg ist unter Hinterlassung einer Schuldenlast von 300000 Mark der liberale Stadtverordnete und Kaufmann Max Vogel spurlos verschwunden. Er trat angeblich ernt Geschäftsreise auf zwei Tage an, ist aber bis jetzt noch nicht wieder von dieser Reife zurückgekehrt. Abge- sehe« von bat emkaffiertz» Mieten, die sich aus etwa 10000 Mark belaufen, führt Vogel »ach oberflächlicher Schätzung etwa 76000 Piavk bares Geld mit sich. Auch hat sich herausgestellt, daß Vogel Wechsel in bedeutender Höhe getatscht hak. „Mit welchem Rechte," schreibt die ,A«gÄ>. H^stzriwng', wollte die liberale Presse es nns wehten, wenn
wir jetzt den Spieß umdtehen und die liberale Partei für den Betrüget Vogel verantwortlich machen wollten? Wird wohl die liberale Presse die entsprechende Lehre aus dieser Geschichte ziehen? Wir glauben nicht daran. Sie ivird den Fall Vogel tunlichst totschweigen, jedenfalls aber nicht verraten, daß es sich um einen liberalen Stadtverordnelen handelt." — In einer üblen Lage ist auch das Memmmger Blatt in Würzburg geraten, das eben, falls den Fall Münsterer kräftig ausgebeulet hatte und jetzt m feiner Verlegenheit nicht weiß, was es zu den Unterschlagungen des Bürgermeisters S Hüller von Moßbach, des eistigsten Botlämpsers des Memmingetschen Bauernbundes sagen soll.
= Besteuerung des Entkommtus der Landwirte.
Man schreibt uns:
Da durch den § 23 des Einkommensteuergesetzes — Auskunft der Arbeitgeber — die Empfänger festet Löhne verhältnismäßig scharf zur Einkommensteuer herangezogen werden, so ist es nur eine Forderung bet Gerechtigkeit, daß auch die anderen Kreise der Bevölkerung ihrem wftklichen Einkommen entsprechend veranlagt werden
Am schwierigsten gestaltet sich dieses bei den Landwirten, deren Einkommen bisher nach veralteten Grundsätzen schätzungsweise ermittelt worden ist.
Da nun infolge des Zolltarifs und der Wertsteigerung im allgemeinen die Preise der landwirlschastli- chen Prodlckie in den letzten Jähren bedeutend gestiegen sind ,so waren die bisher angewandten Schätzungsnormen zur Ermlltelung des landwirtschaftlichen Reineinkommens nicht mehr zeitgemäß.
Wie wir erfahren haben, find von der Einkommensteuer-Veranlagungs Komnnssion noch Anhörung einer größeren Anzahl Landwirte aus den verschiedensten Gegenden des hiesigen Kreises neue Schätzungsnormen ausgestellt. Man hat an Hand von genauen Berechnungen und Vergleichen dem Einkommen und der Lebenshaltung von Fabrikarbeitern, Angestellten, Gewerbetreibenden pp. gegenüber folgende Grundlage geschaffen.
Das Reineinkommen wird berechnet nach der Größe des Grundbesitzes (Anzahl der Hektar) und zwar: für ein Hektar minderwertiges Land
(Acker und Wiesen).....er. 100 M.
für ein Hektar besseres Land . . ca. 120 -140 „
für ein Hektar gutes Land . . . ca. 160—184 „
|ür ein Hektar bestes Land . . . ca. 200 „
für ein Hektar Wald, der sorstmäßig
bewirtschaftet wird.....ca. 40 „
Landwirten, die Dienstboten Ijahen, werden 15 Prozent von dem so ermittelten Reinerträge hierfür in Abzug gebracht.
Die Schätzung nach diesen aufgestellten Normen wird natürlich individuell, d. h. jeder einzelnen Besitzung nach Größe, Bewirtschaftung, Viehbestand, Ernte, eigenen Arbeitskräften usw. angewendet; wes- hatb auch die Einschätzung, durch eine Voreinschätz- ungs-Kommissivn, bestehend aus Mitgliedern des betreffenden Bezirks — zum größten Teil ans Landwirten — denen die Verhältnisse jedes einzelnen Steuerpflichtigen bekannt sind, alljährlich erfolgt.
Ein nicht geringer Teil der Landwirte betrachtet den einmal auf sie veranlagten Steuersatz als Privileg und legt gegen eine begründete und gerechtfertigte Höherveranlagung die zulässigen Rechtsmittel ein, die meistens ohne Erfolg sind.
Hierbei handelt es sich vielfach um Beträge von nur 3—5 Mk., wogegen sie 20 Mk und noch mehr Kosten haben, wenn sie zu Personen gehen, die mit den gesetzlichen Bestimmungen nickt verkant sind und bei diesen die Rechtsmittelschreiben sich anfertigen lassen.
Mr glauben nun, daß durch die Einschätzung auf Grund dieser neuen Schätzungsnormen eine größere Gleichheit der Veranlagung der Landwirte unter sich herbeigeführt worden ist, sowie, daß dadurch den Vorwürfen der übrigen, namentlich der städtischen Steuerpflichtigen — d i e Landwirte seien zu ge- ring veranlagt, — die Spitze abgebrochen ift
Aus dem Nachbargebreie.
* Kelkheim (Taunus), 11. April 1910. Unter der fettgedruckten lieb er sehr ist „Klerikale Kampfe s a r t"' lief vor einigen Tagen eine Notiz durch die ganze fteidenkerische, sozialdemokratische, liberale I
Presse; darin ward einem gläubigen Publiko die grausige Mär erzählt, daß ein Beamter des Volksvereins, Herr Dr. Messer t-M.-Gladbach, in einer hier gehaltenen Rede gesagt habe:
„Mil geistigen Waffen find die Freidenker, Freimaurer und Freireligiösen nicht zu bekämpfen. Wenn sie hier mit Lumpen von abgefallenen Priestern ein- dringen, müssen sie mit Knütteln aus dem Orle gehauen werden." Auf den Zuruf: „Toleranz!" fuhr Dr. Meffert fort: „Ja, hebet Freund, wenn auf Eie ein wildge- wordener Äulle losrennt, üben Sie daun Toleranz oder schlagen Sie ihn nicht erufach niever- Und wenn Eie ein Floh beißt, üben Sie dann Toleranz oder — und Dr. Meffert führte dabei die entsprechende Hand- beweguug aus — knacksen Sie ihn nicht einfach tot?"
Die liberale „Augsburger Abendzeitung" (Rr. 84 vom 26. März 1910) wußte mit Berufung auf die „Vossische Zeitung" gar noch zu erzählen: Einen Apostaten erflart man katholischerseits direkt für vogelfrei. Anfangs März hafte der frühere katholische Geistliche Dr. Schiller, der jetzt Lehrer der Frankfurter frei« religiösen Gemeinde ist, in dem Taunusorte Kelkheim, wo kürzlich ein Kapuzinerkloster errichtet wurde, einen Vortrag über seinen Austritt aus der katholischen Kirche gehalten. Um ihm entgegenzutreten, sprach nun der katholische Geistliche Dr. Meffert aus M.-Gladbach Hierzu war auch der Vertrauensmann der freireligiösen Gemeinde in Höchst, ein Arbeiter namens Eckert, eingeladen worden- Die Kampfesart Dr. Mefferts mögen folgende Stichproben kennzeichnen Folgt obige Stelle und am Schluffe: „Die Folgen der Meffert- fchen Hetzrede blieben auch nicht mis. Der bereits erwähnte freireligiöse Vertrauensmann Eckert mußte sich, um sich vor Tätlichkeiten zu bewahren, unter den Schutz des Bürgermeisters und Ortsgendarmen begeben." — Herr Dr. Meffert sandte, sobald er von diesem Humbug Kenntnis erhielt, den betreffenden Zeitungen (Voffische Zeitung und Augsburger Abendzeitung) Berichtigungen, worin es heißt: „Unwahr ist, daß die Freidenker Kelkheims eingeladen waren, wie denn den Herren bei ihrem Erscheinen von dem Komitee sofort erklärt wurde, daß sie mystifiziert (getäuscht) worden seien. Der als Vertrauensmann der freireligiösen Gemeinde Höchst bezeichnete Herr Eckert benahm sich in einer Weise, daß ein parlamentarisch zulässiger Ausdruck gar nicht ausreicht, um dieses Benehmen zu charakterisieren. Erst nachdem ich -hm eine energische Zurechtweisung hatte angedeihen lassen, stellte er die ärgsten Flegeleien ein. Unwahr ist, daß ich die Aeußerung getan hätte: „Wenn Sie bicr mit Lumpen von abgefallenen Priestern eindrin- <tm, müssen sie mit mit Knütteln aus dein Orte gehauen werden". ebenso das Wort von dem Rieder- ‘djlagtn des wlldgewordenen Bullen Diese Behmip- tingen sind blank erfunden oder, um einen Ausdruck der „Frankfurter Zeitung" zu gebrauchen, „erstunken und erlegen". Käme noch meine Aeußerung über den Floh: „Wenn ein Floh Sie beißt, üben Sie dann noch Toleranz oder? Hierfür verweise ich auf den Zusammenhang. Am Schluffe meiner dreieinhalbstündigen Ausführungen sagte ich: „2Semt Ihnen die Freidenker ihre Verleumdunqsslugblätter und ihre Berleurndungspreffe ins Haus werfen, oder wenn Sie gar an Ihre Kinder fich heranmachen, um diese geistig zu vergiften, wie solches Unglaubliche geschchen ist (Zuruf: wo? meine Antwort: in München), bann geben Sie solchen Burschen die wolverdiente Antwort! (Zuruf: Toleranz; meine Antwort: ja, lieber Freund! was haben Sie für Vorstellungen von Toleranz! Wenn Sie ein Floh beißt, üben Sie dann auch Toleranz? und mit Bezugnahme auf den unmittelbar neben mir sitzenden, allen Versammlungsteilnehmern wohl bekannten 8rjt suhr ich weiter: „Und wenn Ihnen jemand eine Krankheit ins Haus schleppt, oder Sie die Krankheit im Körper haben, dann holen Sie den Arzt und verlangen von ihm, daß er intolerant gegen die Krankheit ist.") Wie der Zusammenhang zeigt, mußte ich dem naiven Zuruser klar machen, daß Toleranz und passives Geschehenlaffen zwei ganz verschiedene Dinge sind. — Unwahr ist, baß der freireligiöse Vertrauensmann Eckert von dem Ortsbür- germeister und Ortsgendarmen geschützt werden mußte; wahr ist vielmehr, daß die anwesenden Franziskaner- (nicht Kapuziner-) patres beschützt werden mußten und ein Trupp handfester Männer sie nach Hause begleitete, um eventueller freidenkerischer Kulturbetätigung vorzubeugen." — Ob die übrige Presse, welche die freidenkerische Schauermär I verbreitet, so liberal ist und widerrufen wird?
-- ........ .
vermischter.
** Zehn Söhne beim Militär. Die Kmghama- sche Familie im Orte Robdenitz bei Ronneburg (Sach- i sen-Wenburg) besitzt neben fünf Töchtern zehn Söhne, die sämtlich Soldat geworden sind, und zwar bei do» verschiedensten Truppenteilen. Außer vier Infantes risten, die in Altenburg beim 153. Infanterie-Regiment ihrer Dienstpflicht genügten, wurden zwei zu den Sägern, einer zu den Pionieren, einer zur Artillerie, einer zu den Husaren und einer zu den Ulanen ausgehoben.
** Seine« Bruder erschlug im Streite mit einer Eisenstange in dem lothringischen Jndnstrieorle Al- g r in g e u der Italiener Luigi. Der Mörder flüchtete.
** Wegen Unterschlagungen in noch unbekannter Höhe ist der Vollziehungsbeamte Röder von der Bürgermeisterei der Vororte Triers geflohen.
** Die Verhandlung gegen Hosrichter wich am 28. April stattfinden.
*♦ Verschüttet wurden durch Einsturz der Trockenschuppen für Tabak in den Docks zu Marseille, in denen 80 Arbeiterinnen beschäftigt waren, zehn Ar- beiterinnen. Drei wurden schwer verletzt.
* Eine klassische Statue ist in Waffergesahr. Ein Sturzregen, der feit 48 Stunden Rom mit einer Sintflut überschüttet, ift, man weiß nicht wie, in den Bauch des Pferdes bet berühmten Reiterstatue des Kaisers Marc Aurel eingebiungen und hat ihn ge- füüt. Um das Einsinken des Pferdeleibes zu verhindern, mußte schnell eine Operation vorgenommen werden. Bei dieser Gelegenheit bemerkte man, daß Roß und Retter einer gründlichen Reparatur bedürfen.
** Zum Kampf gegen die Trusts wird aus Washington gemeldet, daß der Oberste Gerichtshof eine neue Verhandlung in der Angelegenheit der Standard Oil- und der American Tobacco Company anordnete
Re-attionsdrieftaften
D. 100. Außer Ihrem Gehalt wird als Einkommen gerechnet der Mtelwert der eigenen Wohnung und der Zins aus der vermieteten Wohnung, außerdem der Wert dessen, was Sie aus dem Feld ziehen. Abziehen können Sie nur die Zinsen der Schuldsumme. Da die einzelnen Po . en uns nicht bekannt sind, ist eine genaue Angabe der Höhe Ihrer Steuer uichr möglich. Sie wird fich etwa in tun- Sieuerstufen 1653—1800 und 1800—2100 Mk. bewegen und demnach 26 oder 31 Mk. betragen. Ihre zwei Kinder berechtigen zur Ermäßigung um eine Stufe. Die Steuer würde demnach auf 21 oder 26 Mk. ermäßigt. 200•/« Gemeindesteuer heißt, die Gemeindesteuer beträgt das Seppeltt der Staatssteuer.
F. K. Sie haben vermullich die neue Reichsfiempelabgabe im Auge. Diese wird in Ihrem Falle nicht bezahlt zu werden brauchen,^wenn ein entsprechender Antrag gestellt wird. Der Stempel fällt nämlich weg, wenn der Kausbetrag für bebaute Grundstücke 20 0M Mmk, bei unbebauten (Stunbftüden 5000 Mark nickt überschreitet und zugleich der Läufer ein Jahreseinkommen von nicht mehr als 2000 Mark hat. Die staatliche Stempelgebühr aber ist zu entrichten. Die Sätze der weimarijchen Gebühren find uns nicht bekannt.
tt. E. Schankwirtschaft d. L die gewerbsmäßige Verabreichung von Getränken zum Genüsse auf der Stelle ist nur nach Erteilung der Konzession zuläisig. (§ 33 Gewerbeordnung) Die Erlaubnis erteilt in Fulda der Stadtansfchuß. Vor der Erteilung hat er die Orts- polizei- und Gemeindebehörde zu hören. Der Sladt- ausschuß hat Erkundigmigen über die Person des Antragstellers einzuholen bet den Behörden, in deren Bezirk der Antragsteller ansässtg war. Die Ausstellung eines Führungszeugnisses genügt nicht, vielmehr besteht die Vorschrift, daß zur Erteilung von Wirtschaslskonzes sionen Führungszeugnisse nicht erteilt werden dürfen, damit die einzelnen Polizeibehörden ein vollständiges Gutachten über die Zuverlässigkeit des Gewerbetreibenden abgeben können. Ueber hier nicht «mfäifige Person« kann die Polizeidrrektion hier auch kein Gutachten abgeben.
Reklame»- nnd Anzeigenteil.
&& NESTLE
Sb**1; Altbewährte Nahrunc ! fürKinderundKranke
(SefrranöutarML
56]91 oman von G. Freifrau von SchliPpeubach.
Rottraut war so erschöpft von den Ereignissen der letzten Sbmben nnd dem Mangel an Schiaj in der Nacht, daß sie sich nach ihrer Heimkehr fofirt zur Rich« legte und fest ein schlummerte. Als sie erwachte, saß Willis «eve« ihrem Lager; die ältere Schwester streckte zärtlich die Arme nach der jüngeren aus; wußte sie doch, daß das zarte Wesen in Zukunst ganz von ihr abhängig sei, daß sie ihr die Heimst ersetzen müsse, die sie beide verloren.
Willis kniete neben dem Bett nieder und legte den Kops auf das Kissen. RErw.tt fühlte, wie der schlanke Körper bebte und Tränen ihr eigenes Gesicht seuch- tetee; leise stvich sie über das blonde Haar ihres Lieblings.
.Forsche nicht weiter, meine geliebte Willis", sagte sie, „es wurde Dich nur noch tiefer schmerzen, die Wchrhett zu erfahren. Siehst Tu, wir muffen uns bestreben, das Mißtrauen zu arifräften, das man uns eniMgenbringi — wir müssen stets den Weg wan- belü, den unser Gewissen uns vvrschreibt."
.Trckutchen, Du bist mein Vorbild in allem!" lief WiLs begeistert. „Hellamt sagte das auch —
«Du scheinst schon recht intim mit ihm zu fein', bemerkte Rottraut mit leisem Tadel.
-Mr werden uns treu Reiben", flüsterte Willis, bas crMhende Gchcht an die Schulter der Schwester oepgenb. In diesem Augenblick trat Lady Deepmoore o^win und brachte einen Bries aus Tiefenhall für Rottraut. Er war von Eifa, die ihr miiteilte, daß
Verlobung mit Graf Pfeileck seit mehreren Tagen gehjjt fei. Die Eltern hätten elngeschen, daß sie nicht zueftiander patztey, und sie reise auf einige Wochen ju ihrer verheirateten Schwester nach Dresden.
Aer Abend vereinte die Hausgenosse«, und alle waren bemüht, Rottraut mit zartester Rücksicht zu um-
Lady Deepmoore in ihrer mütterlichen Art HMfchelte ihren Liebling, und Fürst Amossoff überbot >lch geradezu in Aufmerksamkeiten-
„Peter Iwanowitsch", fing Rottraut an, als sie mit dem Russen allein war, „ich habe eine große Bitte an Sie."
„Sprechen Sie, Duschenka. Sie wissen, daß ich Ihnen treu ergeben bin — obgleich Sie mir höchst unverblümt einen Korb gaben, als ich Ihnen einen Heiratsantrag machte."
„Können Sie mir in diesen Tagen eine größere Summe leihen?"
„Sie haben ganzüber mich zu verfügen. Nach meinem Tode erben sie ohnehin —"
„Still, ftiB, sprechen Sie nicht so, mein Freund! Und verstehen -sie mich recht: ich nehme das Geld nur als Darlehen an und werde es Ihnen zurück- erstatten."
Sie atmete erleichtert auf und bedankte sich lich. Als sie später an ihrem Schreibtisch saß, brachte chr Friedrich einen Brief Hartwigs. Er teilte ihr darin mit, daß Freiherr Dietrich von Pfelleck sich in f0 netter Weise entschuldigt habe, daß das Mißverständnis gütlich bei gelegt worden war.
»Jetzt, will ich mich mit der Bitte beeilen die ich im Verein mit Hellmut von Stahlbach nach d-r Pfeilburg sende", lautete es in dem Briese weiter. „Es wird Ihnen bereits bekannt fein, daß er Ihre Schwester innig liebt itnb in feinem Namen trete ich alä Brautwerber vor Sie, mein gnädiges Fräulein und halte hiermit für meinen Vetter in aller Form um die Hand von Fräulein Willis an. Ich kann nur sagen, daß es mir eine Ehre sein wird, ein Kind der Pfeilburg zu meinen Verwandten zu rechnen "
Ueber Rottrauts ernstes Gesicht glitt ein Freuden- schimmer. Das sagte er — er, der doch wußte daß die Verlobte, die er für Stahlbach begehrte die Tackte ter des „Zuchthäuslers" war!"
Sie warf einige Worte auf einen Bogen und klingelte dem Diener, dem sie diese Zeilen für den Boten aus Grasenhorst übergab. Dann blieb sie an ihrem Schreibtisch stehen und blickte sinnend in die Dunkelheit hinaus. Draußen stürmte es, kein Stern war am Himmel zu sehen, der Wind peitschte die Neste der
entlaubten Bäume gegen die Fenster: es Lang, als klopfte jemand —
Und jetzt fuhr Rottraut jäh empor Sein! Das war nicht des Sturmes Spiel — leise und deutlich pochte es an die Glastür, die zur Veranda führte — und da — war das nicht eine menschliche Gestatt? Lugten da nicht zwei Augen herein — sie suhlte einen kalten Schauer ihre Glieder durchrieseln- Und im nächsten Angenblftk hatte ste denjenigen erkannt, welchen sie zu sprechen gewünscht: Anton Zacher. Sie öffnete die Tür nnd hieß ihn eintreten; furchtlos stand sie ihm gegenüber. Der Wilddieb schien über ihren Mut erstaunt und lachte hämisch.
„Fütchtck Ihr Euch denn gar nicht vor nür?" fragte er. „So bei nachtschlafender Zeit ganz allein mit einem Kerl zu fein, wie ich es bin?"
'„Rein, Anton Zacher, ich fürchte mich nicht", versetzte Rottraut. „Aber warum feib Ihr zurückgekehrt? Ich hatte Euch doch Geld gegeben, damit Ihr die Gegend meidet."
Der Wilddieb lachte höhnisch.
„Ewig reicht das Geld nicht", meinte er spöttisch. „Nun, was gebt Ihr mir heute für ein gewisses, wertvolles Papier, —"
„Das Ihr dem Zacharias gestern gestohlen hobt", unterbrach ihn Rottraut. „Ich weiß alles."
„So?" fragte Anton gedehnt. „Wißt Ihr denn aber auch, was in dem Fetzen steht?"
„Gewiß weiß ich das! Es ist das Testament meines Ahnen, des Freiherrn Wendt von Pfeileck —"
„Das Ihr sauberer Papa unterschlagen wollte —' „Schweigt", herrschte Rottraut ihn an. „Wagt eS nicht noch einmal, den Namen dessen zu nennen, der trotz feiner Sünden mein Vater war!"
„Ein Kollege von mit aus dem Zuchthause!" versetzte der Wllddieb lachend.
Rottraut öffnete die Türe.
„Verlaßt sofort das Zimmer!" rief ste entrüstet „Ich wünsche nicht mehr, mit Euch zu sprechen"
Anton sah ein, daß er zu weit gegangen war.
»Nichts für ungut", sagte et mit plumper Höflich
keit, „ich werde tun, was Ihr befehlt- Wann und wohin werdet Ihr mir das Geld bringen? Und wieviel bietet Ihr mir?"
„Morgen um drei Uhr nachmittags komme ich zur Wolfsschlucht", erwiderte Rottraut, „an jene Stelle, wo ich Euch schon einmal sprach."
„Das Papier ist für Euch wohl einen hübschen Batzen wett", bemerkte Anton, „unter tausend Mark toegt Ihr es nicht!"
„Ich willige nicht ein, diese Summe zu zahle»!' rief das junge Mädchen entrüstet, „das ist Erpressung!"
„Die Pfeilburg ist mehr wert", höhnte Zacher.
„Ich werde Graf Pfeileck mit den Unterhandlungen betrauen!"
„Damit schüchtert Ihr mich nicht ein", lachte- Zacher.
Noch einigem Hin- und Herreden ließ der Wilddieb fünfhundert Mark ab; et dachte bei sich: „Ich kann ja wiederkommen — das mit dem Grafenhorst ist leere Drohung, das tut sie nimmer."
„Also morgen um drei bei der Wolfsschlucht", sagte Rottraut nochmals, ehe der Strolch in der Dunkelheit verschwand.
Auch Hartwig hatte durch seinen Förster von dem Wiederauftauchen des Wilddiebes gehört und beschloß, sich seiner zu bemächtigen. Er bestellte in aller Stille seine Leute, mit denen er die Wolfsschlucht umzingeln wollte, den gewöhnlichen Schlupfwinkel Zachers.
Hartwig hatte gewartet, bis' er Rottrauts Antwoc auf sein Schreiben erhielt. Sie nahm Stahlbachs Werben um Willis an unter der Bedingung, daß die jungen Leute noch ein Jahr mit bet Verlobung wartete» und sich nicht als gebunden betrachteten. Der Brief wat höflich kalt abgesaßt — und wieder fühlte sich Hartwig durchfiöstelt, ärgerlich knüllte et den Bogen zusammen. Hellmut war mit Rottrauts Bedingungen nicht zufrieden, da sie ihn auf so lange Zeit vom Zick seiner Sehnsucht fernhielt,
(Fortsetzung folgt.)