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M 83.

Mittwoch -en 13. April MO.

57. Jahrgang.

« Waer W Zeitung *

2. Blatt.

Druck und Verlag der Zuldaer Actlendruckerel [iw Fulda.

mngsbeschluß festlich feierte, beim Bekanntwerden des Widerrufes zu ernsten Unruhen. Die Volks- maffen versuchten, das Regiemngsgebäude zu stürmen und in Brand zu stecken, sie kannten nur durch Ge­wehrfeuer der Gendarmerie davon abgehalten werden. Es werden weitere Ereignisse befürchtet.

* Die politische Lage in Spanien ist schon seit dem Abtreten des konservativen Ministeriums Maura ein Rätsel. Bekanntlich übernahm damals der bürgerlich Liberale Canalejas die Regierung, ohne über eine feste Mehrheit in der Kammer zu verfügen. Andererseits konnte er auch den König bisher noch nicht dazu bewegen, das Dekret über die Auflösung der KorteS zu unterzeichnen. Dies ist wohl auf die Abneigung des Königs Alfons gegen die liberale Regierung zurückzuführen. Es mag daran das Drängen Canalejas auf eine Ab. änderung des Konkordates mit dem Vatikan mit schuld sein. Nun scheint CanalejaS einen neuen Versuch zu machen, den König für seine Politik zu gewinnen. Offiziös wird aus Madrid berich. tet, daß der Auflösungs > Erlaß dem König am Donnerstag vorgelegt werden soll. Im Falle der König ihn unterzeichnet, würden die Neuwahlen im Mai stattfinden, sodaß die neue Kammer schon am 14. Juni zusammentreten könnte. Die Libe­ralen und Republikaner hoffen natürlich auf einen für sie günstigen Ausgang der Wahlen. Vielleicht behalten sie recht; aber es ist doch auch zu be­denken, daß die Partei Mauras in einzelnen Pro­vinzen über wohl organisierte und geradezu un- einnehmbare.Wahlkreise verfügt, daß die Katho­liken schon seit langer Zeit die Wahlen vorbereiten und daß in der republikanischen Partei ganz ernste Differenzen zwischen einzelnen Parteihäuptern aus- gebrochen sind. Damit ist jedenfalls die Möglich­keit nicht ausgeschloffen, daß die Wahlen für den Liberalismus eine weiffg erfreuliche Ueberraschung bringen.

** Die serbische Regierung hat die Errichtung einer modernen staatlichen Geschützfabrik in Serbien beschlossen. Die Fabrik soll in Cuprija errichtet werden.

Nach Abzug obiger Werbungskosten vom Roher­träge verbleibt das Gesamteinkommen. Vom Gesamt­einkommen sind in Abzug zu bringen: a) Schuldenzinsen, gleichviel ob von Hypotheken oder son­stigen Kapitalschulden, h) Die Beiträge für Kranken- Unsall-, Alters- und Invalidenversicherung, Pensions-. Witwen- und Waisenkassen, soweit sie den Steuer­pflichtigen persönlich betreffen und zusammen 600 Mk. nicht übersteigen c) Lebensversickerungsprämien so­wohl für den Steuerpflichtigen selbst, als auch für Frau und Kinder: es muß aber eine richtige Lebens­versicherung auf Todes- ober Erlebensfall sein, sogen. Sparverstcherungen für Kinder zählen nicht dazu. Höchstbetrag für die Abzüge ist wiederum 600 Mk., eine Summe, die bei kleinen Einkommen übrigens sel­ten erreicht wird.

Haus- und Gmndbesitzer, welche eine Hypotheken- chuld vertragsmäßig zu amortisieren haben, können diese Tilgungsbeiträge bis zur Höhe von einem Pro­zent des ursprünglichen Kapitals (und nicht mehr als 600 Mk.) in Abzug bringen. Renten und dau­ernde Lasten, die auf Privattiteln beruhen, z. B. Alt­anteile, Verpflegungen auf Grund eines Verpflegungs­vertrages.

Nicht abzugsfähig sind Verwendungen zur Verbesserung und Vermehrung des Vermögens, zu Geschäftserweiterungen, Kapitalanlagen und Kapi­talabtragungen. soweit nicht bereits nach dem Vor-

Nach §81 sind abzugsfähig vom Roheinkommen zu­nächst die sogenannten Werbungskosten, das sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung des Einkommens. Zu den Werbungsko- sten gehören a) Ausgaben für Erhaltung — nicht auch für Erweiterung ober Neubau — der zu landwiri- schaftlichen ober gewerblichen Zwecken dienenden Ge­bäude oder sonstigen baulichen Anlagen (Mauern, Zäune, Wege, Brucken, Brunnen, Schleusen); d) für die Erhaltung ober Ergänzung — nicht auch für Verbesserung und Vermehmng des lebenden und toten Wirtschaftsinventars, z. B. Ausgaben für Reparatu­ren, für Neuanschaffung unbrauchbar gewordener oder auf sonstige Weise untergegongehen Inventars; c) Kosten der Versicherung der Wirtschaftsgebäude, des lebenben unb toten Wirtschaftsinventars unb ber Wa­ren- und anderen Vorräte unb Wirtschastserzeugniffe gegen Feuer-, Hagel- unb andere Schäden; d) der Pacht- und Mietzins für die zum Geschäftsbetriebe gepachteten und gemieteten Grundstücke, Gebäude und Utensilien; e) für Heizung und Beleuchtung der

Für je zwei weitere solcher Familienangehörigen tritt eme Ermäßigung um eine weitere Stufe ein.

Bei einem Einkommen von mehr als 6500 bis höchstens 9500 Mark wird der Steuersatz ermäßigt um eine Stufe beim Vorhandensein von 3, um zwei Stu­fen beim Vorhandensein von 4 ober 5, um je eine wei­tere Stufe beim Vorhandensein von je 2 weiteren sol­chen Familienangehörigen.

Nicht mitzurechnen sind die Ehefrau des Steuer­pflichtigen unb diejenigen über 14 Iahre alten An­gehörigen, bie entweder im landwirtschaftlichen oder gewerblichen Betriebe des Steuerpflichtigen dauernd tätig sind oder ein, eigenes Einkommen von mehr al­ber Hälfte des ortsüblichen Tagelohnes haben.

Der früher zulässige Abzug von 50 Mk. pro Kind ällt jetzt fort, fo daß derjenige, welcher nur ein Kind besitzt, keine Ermäßigung mehr erhält, auch keine« Abzug machen darf.

Endlich liegt es im Ermessen der Veranlagungs-' kommission, einem Steuerpflichtigen, der nicht mehr als 12 500 Mk. Einkommen hat, auf Grund des § 20 wegen besonderer W i rt sch af ts e rsch w er- nifse eine Ermäßigung bis zu drei Stufen zu ge­wahren. Wirtfchastserfchwerniffe solcher Art sind außergewöhnliche Belastung durch Unterhalt und Er- Ziehung der Kinder, Verpflichtung zum Unterhalt mit­telloser Angehöriger, ob auf Grund gesetzlicher oder moralischer Verpflichtung, andauernde Krankheit, Ver­schuldung und besondere Unglücksfälle.

Auf einem vielfach verbreiteten Irrtum beruht die Meinung, daß Rentenempfänger von ihren Pensionen oRenten keine Steuer zu bezahlen brauchten. Zu- nachst bestimmt § 6 des Gesetzes, daß Einkommen aus Rechten auf periodische Hebungen und Vorteile irgend­welcher Art steuerpflichtig sind; sodann definiert § 14 unter bteje periodischen Hebungen ausdrücklich bie Pensionen unb Wartegelber, sowie solche Rentenbe- zuge, welche an die Person des Empfangsberechtigten geknüpft |inb. Hierzu sind in allen Erläuterungen zum Gesetz bann auch namentlich angeführt: Unfall- Al- ters- und Invalidenrente. Dagegen ist das Kranken­geld nicht steuerpflichtig.

Befreit sind auf Grund des § 5 des Gesetzes nur bie dm Kriegs- unb militärischen Friedensinvaliben gesetzlich gewahrten Penstonserhöhungen, Verstümme- lungszulagen unb die Ehrmsolde; ebenso sind befreit bie Pensionen und Besoldungen, welche aus der Kasse eines anderen Bundesstaates bezogen werden.

Wirtschastsräume — nicht auch der für den persönli­chen Haushalt benutzten Räume; f) bie Anschaffungs­kosten ber eingekauften Roh- und Hilfsstoffe unb Wa­ren unb sonstigen Materialien, welche für ben laufen­den Betrieb einschließlich der Nebenbetriebe zugekauft worben sinb Bet Lanbwirten kommen hier beispiels­weise in Betracht: Samen, Pflanzen, Futter- unb Düngemittel; g) bie Löhne der für den Gewerbe­oder Wirischaftsbetrieb angenommenen Angestellten, Gesellen, Gehilfen, Arbeiter, Gesinde einschließlich des Geldwertes der etwa zu gewährenden Bekösttgung und sonstigen Naturalleistungen, soweit solche nicht aus ben Betriebsbesiänben entnommen sinb; h) bie für dieses Personal gesetz- unb vertragsmäßig zu entrich­tenden Beiträge zu Kranken- usw. -Kassen; j) die im Betriebe zu entrichtenden indirekten Abgaben, Zölle, Betriebssteuem, Warenhaus- und Schlachthaussteuer, Branntwein-, Tabak- unb Zuckersteuer; k) bie an bie Gemeinde zu zahlenden Realsteuern in Höhe ber vom Staate verlangten Grund-, Gebäude- und Gewerbe- ’teuern; 1) bie Beiträge zu den Berufskammem (Han­dels-, Landwirtsckasts- und Handwerkskammer, Aerzte-, Anwalts-, Apothekerkammer usw.); m) ein entsprechender Prozentsatz für Abnutzung des Sub­tanzwertes der zuni Wirtschaftsbetriebe notwendigen Gebäude, Gerätschaften usw., soweit die Anschaffungs­kosten nicht unter Betriebsausgaben verrechnet sind.

Zu den Werbungskosten gehören autfi Ausgaben ür Kleidung oder Amtstracht, die speziell ber Aus­übung bes Berufes bient, wie bie Talare ber Richter unb Rechtsanwälte, die besonderen Arbeitskleider ver- chiedener Handwerker und Arbeiter, auch der Berg­leute, nicht aber auch solche Amtskleidung, die stets getragen wird, wie die Uniformen der Polizei- unb mistigen Beamten- Die Ausgaben für wissenschast- iche unb berufliche Fachliteratur sind nicht abzugs- ähig, wohl aber 5 Proz. des Anschaffungswertes als Amortisation.

„Ein Lob aus Ihrem Munde!" rief Rottraut. »Das ist in ber Tat etwas Seltenes! Glauben Sie mir, ich bin nicht unempfinblich bafür; so wenig ich auch sonst danach trachte, aber hier empfinde ich es mit stolzer Freude; wollen Sie mir zum ersten Male die Hand drücken, Freiherr von Pfeileck?"

Sie streckte ihm mit einem wehmütigen Lächeln bie Hanb entgegen, unb er legte bie feinige hinein; über fein meist verbrießliches Antlitz glitt ein Abglanz einet Freunblichkeit, bie man selten auf ben harten Zügen bemerkte. Rottraut behielt bie Rechte des Freiherrn in ber ihren unb betrachtete sie.

„Eine rauhe Hanb", sagte sie, „aber doch bie eines Edelmanues! Unb wenn ich nun auch um bie zweite bäte — da! Geben Sie sie mir!"

Sie nahm die Pistole, welche Dietrich noch immer hielt, unb ließ sie auf ben Boden gleiten.

Der Frechere stand mit finsterem Gesicht von ihr ' abgctoanbt, da legte Rottraut bittend bie Hand auf feinen Arm. „Sie haben selbst ein Kind, — eine Tochter — die Sie innig lieben", sagte sie mit beweg­ter Stimme. „Denken Sie, ich sei dies Kind und flehte zu Ihnen: „Vater gib Deinen Vorsatz auf, tue es mir zu Liebe!"

„Was verlangen Sie von mir?" fragte der Frei­herr.

»Daß Sie Ihre Uebereilung einsehen, Freiherr v°n.Meileck - daß Sie ein v. söhnliches Wort an Gras Pfeckeck senden! Bitte — Onkel Dietrich!"

Zum ersten Mecke gab sie ihm diesen Titel, ber wie eine weiche Liebkosung an bas Ohr bes rauhen Man­nes klang. Langsam wandte er bas Haupt nach ihr um und blickte sie eine geraume Weile forschend an Und immer mehr glättete sich die Falte zwischen sei­nen Brauen, immer fteundlicher wurde das harte Gesicht.

„So" — Rottraut strich liebkosend über feine Züge — so gefallen Sie mir", sagte sie schelmisch; „nun noch ben Mund weniger herb geschloffen und ein kleines ganz kleines Lächeln darum — Onkel Dietrich" ju­belte sie ich lerne Sie erst heute wirklich kennen!"

gesagten Ausnahmen zugelassen sind. Die zur Be- ftreitung des Haushalts des Steuerpflichtigen und für den Unterhalt feiner Familie gemachten Auf­wendungen für Wohnung, Nahrung, Kleidung, Be­dienung, Pflege, Erziehung gemachten Aufwendungen. Der Geldwert aller im Haushalt verbrauchten Er­zeugnisse unb Waren des eigenen landwirtschaftlichen ober gewerblichen Betriebes muß daher als Einkom­men mitgerechnet werben, ebenso ber Mietwert ber eigenen Wohnung. Lohn unb Kost bes Gesuches ober der Arbeiter, die bloß im Haushalt beschäftigt sind, ist ebenso nicht abzugsfähig. ,

Hausbesitzer können (nach § 8) abziehen einen ge­wissen Prozentsatz (je nach Lage ber Verhältnisse von %—1 Proz.) vom Gebäubeweri für Abnutzung, so­dann bie Gemeindesteuern in Höhe der staatlich ver­anlagten Grund- unb Gebäudesteuer. Ferner im Sinne von „Geschäftsunkosten" einen nach dem Durchschnitt der letzten drei Jahre zu berechnenden Betrag für not­wendige Reparaturen, die Beträge für Feuerversiche­rung, Kanalgebühren, Abortentleerung, Wafferzins, Müllabfuhr, Kaminfegergebühr usw, welche als tat­sächliche Betriebs- oder Unterhaltungskosten anzuseher sind und nicht schon unter den Reparaturen verrechnt sind.

Ist so das steuerpflichtige Einkommen feftgeftcP fo tritt, wenn der Veranlagte Kindern unb anberen Angehörigen auf Grund gesetzlicher Verpflichtung Um trrstützung gewährt, bie Ermäßigung auf Grund des § 19 ein, die sich jetzt bei Einkommen unter 6500 Mk. wie folgt stellen.

Es wird Ermäßigung gewährt beim Vorhanden­sein von

2 Kind. ob. and. unterhaitbez. Angeh. um 1 Stufe 3 od. 4 „ „ „ „ „ „ 2 Stufen

3 » 6 „ „ „ 3 „

Ausland.

** Auf der spanischen Insel Las Palmas hat die Regierung vor einiger Zeit eine selbständige Sektion für öffentliche Bauten geschaffen, diese Maßregel aber soeben widerrufen- Veranlassung dazu war die Be­schwerde von Tenerifa, das auf die wachsende Bedett- rnng von Las Palmas eifersüchtig ist. Infolgedessen kam es in Las Palmas, wo man gerade den Regie-

Der Baron sagte gerührt: „Sehen Sie, ich bin ein rauher Kerl, aber Sie verstehen es, das Ding da drinnen" — er wies auf fein Herz — „windelweich zu machen. Wahrhaftig, ich schäme mich, es wieder klopsen zu fühlen."

„Tun Sie es nicht", bat sie herzlich, „geben Sie chm Gehör und unterdrücken Sie die weichen Regun­gen nicht. Sie werden glücklicher sein unb glücklich machen." y

„Sie find eine H-xe, ober nein, Sie sind eine 3auberm fffim habe ich aber ebenfalls eine Bitte an ■sie, ba ich ja nicht anders handeln kann, als Sie wünschen sie haben mir so gründlich dm Text ge- S ba§ 'W Sünder mir ganz erbärmlich beSw aSoIlen.(Sie dann und wann nach ®e=

komme" und uns alten Leuten Sonnenschein und Frohsinn bringen?"

Rottrauts soeben noch heiteres Gesicht umbüfterte

h"beu vergessen, daß wir — meine Schwester l'nö 'A — 'N kürzester Zeit die Gegend verlassen" bemerkte sie sehr ernst Sie kämpfte heldenhaft mit i^rer tiefen Bewegung, die sie zu überwältigen drohte.

»Daß ich mit keinem Mißklang zu scheiden brauche, bas werde ich Ihnen ewig danken", fuhr sie fort »Ich habe Ihr Wort, daß Sie noch heute die nötigen Schritte tun, um die Sache auszugleichen."

„Wenn sich zwei Widersacher ausföhnten, taten sie stets einen tiefen Trunk zum Zeichen, daß ber Zwist beenbet fei", sagte ber Freiherr Dietrich. „Sie dürfen es mir nicht abschlagen, Salz und Brot mit mir zu teilen und dazu ein Glas vom Besten zu trinken."

Er bot Rottraut ben Arm unb führte sie mit etwas altväterlicher Höflichkeit in das Haus. Frau Guste glaubte ihren Augen nicht zu trauen, als sie ihren gestrengen Hausherrn heiter neben ber Herrin ber Pfeilburg einherschreiten sah.

„Mutter", rief er ihr zu, „laß schnell einen Imbiß bereiten unb eine Flasche von dem alten 1850 Madeira heraufholen — wir wollen frühstücken!"---

(Fortsetzung folgt)

jn A°ch schlimmer steht bie Sach- für den Freisinn dem Wahlkreise bes öerungludten freisinnigen Dr

Akbrmk U e ck e r m ü n b e - U s e b o m -W o l l i n. Wahlberechtigt sind bort 25 900, gewählt haben 1907

Zahler, von benen bie Freisinnigen nur 6353 stimmen erhielten, wahrend auf die Konservativen -TT 6l<e, Sozialdemokraten 6113 fielen. In der LlC9l.e Dr- Delbrück mit 11011 Stimmen ■ibcr 9415 kon^-rrative. Seit 1874 hatten die Na- .lonathberaten, bie Konservativen, die Freisinnigen, wieber die Konservativen, und wieder bie Freisinnigen nacheinander den Wahlkreis in ihrem Besitz. Da bi«! Sozialdemokratie nur 200 Stimmen hinter dem Frei- itnn zurückblieb, wird — unter Berücksichtigung der bekannten liberalen Hetzpolitik — letzterer wahrschein­lich aus der Stichwahl gedrängt unb so um seinen Sitz gebracht.

wäre immer wieder die Schlangenumstrickungen, die schatten der Vergangenheit zu fühlen unb ein Mißtrauen zu empfinden, das alles tötet was iick frei und harmlos tunbgeben möchte? Sich sagen m müssen, daß man von Geburt an gebranbmarit! — Sehen Sie, alle diese Qualen habe ich tausendfach er­duldet seit meiner Kindheit — meine ganze ^uoetib war mir vergiftet — wie ein Reif fiel c?auf mein junges Leben. Unb gestern haben Sie mit rauher Hand ben Schleier von ben Augen bes unschulbigen Wesens gerissen, das ich in ängstlicher Sorge gehütet wie mein höchstes Kleinod. Sie haben den Frieden ber jungen Seele zerstört, ber sich nie wieder Herstellen läßt! Sie haben einem Herzen, bas fromm unb rein vertraute und liebte, den Glauben genommen! O Sie können stolz fein auf Ihr Werk —"

Ihre Stimme brach in Tränen, aber sie Überwand sich heldenhaft und fuhr fort; „Seit ich hier lebe, habe ich den heißen Wunsch gehabt, zu sühnen, was'mein Vater verbrach. Ich habe gehofft, ben Fluch in Segen zu verwandeln — mein redliches Wollen sollte mir dazu verhelfen. Sie haben mich gestern gelehrt, daß es vergebliche Mühe ist, auslöfchen zu wollen, was sich nicht auslöfchen laßt."

Dietrich war gestern in erhöhter Stimmung ge­wesen und schämte sich der heftigen Worte, die ihm in der Erregung entfuhren, als er Stahlbachs Liebe zu Willis bemertte. Jetzt brummte et dumpf: „Sie können es mir doch nicht verdenken, daß es mir"un- natürlich scheint, wenn ber Sohn meines unglücklichen Freunbes Ihre Schwester liebt?"

„Gewiß gibt es vieles, was dagegen spricht!" stimmte Rottraut ein. „Sollen aber zwei junge Het­zen unter dem Schatten eines dunllen Verhängnisses leiden, an dem sie keine Schuld haben? Wäre es nicht ein schöner Ausgleich, wenn die Tochter Günther Erichs dem Sohne Stahlbachs durch ein Leben voll Zärtlichkeit das Glück schenkte, das seinem armen Va­ter geraubt ward?"

»Sie haben ihm schon fein Vermögen zurücker- ftattet", sagte Dietrich, „diese Tat war allerdings edel!" “

* Der Kampf in Abessinien ist wirklich ausge­brochen. Ras Wollie, der Bruder der Kaiserin Taitu, rückt gegen die Hauptstadt Addis Abeba, vor. Ras Mieael ist ihm entgegengetreten unb hat mit ihm ein Vorpostengefecht gehabt. An dem Vor­postengefecht haben sich auf Seilen der Regierungs- truppen nur 60 Soldaten beteiligt. Der Schwager Mieaels, Osmar, soll in dem Gefecht schwer ver­wundet worden sein. Ob Wollte über die Truppen Mieaels einen Sieg davontragen wird, hängt davon ab, inwieweit er die Unterstützung der Häuptlinge des Tigre-Stammes erhält. Sein Anhang konzen­triert sich hauptsächlich aus der Landbevölkerung, die nur wenig zum Kriege geneigt ist. Erhält er nicht starke Unterstützung, dann dürfte er bald ge­zwungen sein, sich der Regierung auf Gnade oder Ingnade zu ergeben.

ö Reichstagsersatzwahlen.

Der Tob hat in kurzer Folge dem Leben dreier Reichstagsabgeordneten ein Ende gefetzt. Die dadurch nötig werdenden Ersatzwahlen beanspruchen das be­sondere Interesse des Politiekrs.

Betrachten wir zunächst bie Ersatzwahl für ben ver­storbenen Reichstagspräf., ben kauf. Grafen v. Stolberg im Kreise O l e tz k o-L h ck-J o h a n n is b u r g. Das Mandat ist sicherer Besitz ber Konservativen, trotzdem möchten die Nationalliberalen es gern an sich reißen, die Konservativen aber wehren sich energisch. Der Kampflärm findet lauten Widerhall in der beiderseiti­gen Presse. Die Liberalen klagen über unerhörten Terrorismus der Junker und Landwirtsbündler. Die konservative Presse ihrerseits hat an bet nationallibe­ralen Kampfesweise auszusetzen, baß sie sich grober Entstellungen, Verdrehungen unb Lügen bebient. Wo­zu aber eigentlich die ganze Aufregung unb all bet Lärm? Bei ben Wahlen im Jahre 1907 siegte Griff Stolberg mit 20 343 Stimmen, während feine drei Gegner zusammen etwa 1500 Stimmen erhielten, da­vor der Freisinnige, der ber „stärkste" war unb noch von bet Freisinnige, ber ber „stärkste" war unb noch Auch bei früheren Wahlen waren bie Konservativen ihren Gegnern immer weit voraus. Da scheinen uns doch bie Aussichten der Nationalliberalen so schlecht zu stehen, daß der Spektakel sich nicht lohnt.

Spannender ist bie Lage in bem Kreise bes frei­sinnigen Dr. Hermes L a n b s h u t-J a u e t-V o l- k en ba in. Hier kann „Fo-Vo", bie neugeeinte Fortschrittliche Volkspartei, ihre Kraft zeigen. Ob sie Erfolg hat, ist eine anbere Frage. Denn wie ge- fährbet biefer alte freisinnige Besitz ist, ergibt sich ja chon aus ber schon erwähnten Tatsache, baß sich 1907 bie vier beteiligten Parteien, bie Freisinnigen, Reichs­varteiler, Sozialbemvkraten unb bas Zentrum fast bie ^oge hielten. Da bie Sozialdemokraten, welche 1907 um über 400 Stimmen zutückgegangen waren, nicht zuletzt gerade durch die Schuld der die Steuerhetze be­treibenden Liberalen vorausstchtlick auch hier bedeu­tenden Zuwachs zu verzeichnen haben werden, werden sie damit wahrscheinlich wieder wie 1903 in die Stich- ioabl gelangen, aus der sie 1907 verdrängt waren. Es wird sich nun darum handeln, welche der bürgerlichen Parteien die größte Werbekraft entfaltet. Fällt die dnffcheidung ähnlich wie bei ben anberen Ersatzwah- en ber Letztzeit, so werben bie Freisinnigen heraus­geworfen Sicher wäre ihre Nicberlage, wenn bas Zentrum von vornherein zugunsten ber Konservativen .eintreten würbe. Da die Bevölkerung des Kreises zu stark einem Drittel aus Katholiken sich zusaminensetzt ist es jedoch nicht ausgeschlossen, daß das Zentrum seine stimmen selbst so vermehrt, daß es in die Stich- gelangen könnte. Ein weiteres Prophezeien hat keine Unterlage. Alle vier Parteien gehen bei der Hauptwahl selbständig vor; als fünfte Partei treten uoa> die Christlich-Sozialen dazu (bie 1907 rund SO ©timmen hatten). Käme ber Freisinnige mit bem Sozialdemokraten in die Stichwahl, so könnte er feine Otettung nur von der vielgeschmähten Rechten er- Valteii.

II Einkommensteuer-Reklamationen.

In den nächsten Tagen werden bie bekannten Bries­chen ber Einkommensteuer - Einschätzungskommission kommen und bei den nicht der Selbsteinschätzung un­terstehenden Steuerpflichtigen geht das Reklamieren gegen vermeintlich oder tatsächlich zu hohe Einschätz­ung wieder los. Um vielleicht notwendig werdende Reklamationen vorzubereiten, und unbegründete Rekla­mationen überflüssig zu machen, seien hier einige Wmke gegeben. Es herrscht nämlich hinsichtlich der Bestimmungen übet Veranlagung unb Einschätzung Ar Staatssteuer noch immer große Unkenntnis beim Publikum. Wenn man sich nur ben Steuertarif unb bie paar Paragraphen, bie über die Ermäßigung der Steuersätze handeln, einmal ansehen würde könnte leder leicht feffftellen, ob er zu hoch eingeschätzt ist oder HlCyt.

on Steuerpflichtigen müssen sich die §§ 8, 19 unb 20 des Gesetzes genau ansehen, bie von ben Abzü- g e n und den Ermäßigungen ber Steuersätze handeln, und barnach ihre Veranlagung beurteilen.

^ebranömartit.

>5jRoman von G. Freifrau von Schlippenbach.

„Lassen Sie mich ihn dort allein aufsuchen", bat bas junge Mädchen. Die in regelmäßigen Pausen erfolgenden Schüsse führten sie ohne Mühe bis zu dem ;ie‘Ci~, P^tz, auf dem ber Freiherr seine Hebungen ingeute.

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' , e,’l! jagte Rottraut entschieben.

’ ttud weshalb nicht?" polierte ber Freiherr. »Das geht uns Manner allein an!"

Die Satte", gab sie erregt zurück.

Gegend scheiden"!!^ roi™ i» Frieden aus der len das Blut eines a "sachte nicht, baß um ihretwil- . M eines aus ihrer Sippe fliefct *

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n-cht achten zu bürfen wo schmerzt, da

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