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üotatiansdruckund Verlag der Znldaer At- tiendrncktrei hl Zuld« Fernsprecher Ut. 9.

Erstes Blatt.

80.

Fnlda, Samstag den 9. April 1910.

37. Jahrgang.

bedeutet.

— Die türkische Regierung ist bemüht, den Auf. stand in Albanien möglichst harmlos hinzu- stellen. Und doch ist daran, daß die Lage außer- ordentlich ernst ist, nicht zu zweifeln. Es sind jetzt zu den 16 dort kämpfenden Bataillonen noch weitere 18 abgeschickt. Trotzdem ist von einem durchgreifenden Erfolg nicht zu reden. Ja, es gelang den Albanesen sogar, mehrere Kanonen zu erbeuten und die Mannschaft gefangen zu nehmen. Ter Aufstand hat auch schon auf s e r b i s ch e s Gebiet übergegriffen, sodaß man bei der Heimreise König Peters Alten- täte btfürchtet. Beide Regierungen find bemüht, fich gegenseitig in die Hände zu arbesten.

- Russisch« Beamten-Ehrlichkeit. Auf einer Station bei Petersburg wurde der Stationsvorsteher verhaftet, dem eine Reihe von Diebstählen nachge- wiesen werden konnte. Richt nur hatte er die Güterschuppen ständig geplündert, auch aus dem Gepäck der Paffagiere suchte er heraus, was er brauchen konnte. — Tie Spitzbübereien der Beamten machen nicht einmal vor dem Kirchenvermögeu Halt. So sind jetzt bei der Kirchenkaffe der Alexander- RewSky'Kachedrale, der Isrünungskirche der russischen Zaren, riesige llnterschleife entdeckt worden, die sich aus über IO Millionen Rubel belaufen sollen. Die Alexander-Rewsky-Kathedrale ist die reichste Kirche in ganz Rußland, da sie feit Jahrhunderten von den russischen Zaren mit Landgütern und Kircheuschätzrn in der ergiebigsten Weise beschenkt wurde, und eS wird chr Vermögen an liegenden Gütern sowie an Kostbarkeiten und Bargeld auf

mindesten- 100 Millionen Rubel geschätzt. Auf Be­fehl des Zaren, der erster Patron der Alexander- Rewsky-Kirche ist, wurden jetzt die beiden Archi« mandriten Tbeophan uud Ambrosius, die mit der Leitung der Vermögeusverwalrung betraut waren, ihrer Funktionen enthoben und zu lebenslänglicher Einschließung in ein Kloster verurteilt, sodaß sie mit dem veruntreuten Vermögen nicht viel werden an­sangen können.

♦ Der egtzptische Nationalismus hat einen Sieg errungen. Der gesetzgebende Rat hat sich nach längerer Debatte gegen die Erneuerung der Konzession der Suezkanal.Gesellschaft ausgesprochen. Die Entscheidung wurde von der vor dem Parlament wartenden Volksmenge mit großer Begeisterung ausgenommen.

** Der Kampf im Baugewerbe.

Die gestern nachmittag im Reichstags gebäude' unter dem Vorsitz des Geheimrats Wiedfeldt aus - dem ReichSamt des Innern gepflogenen Eini­gungsverhandlungen im Baugewerbe find am Widerstand der Arbeitgeber gescheitert, die erklärten, auf ihren Dresdener Beschlüssen be­harren zu müssen.

Zu der Verhandlung war als Vertreter der Arbeitgeber die 13er Kommission erschienen, von den Arbeitern waren die Vorstände der vier in Be­tracht kommenden Gewerkschaften anwesend. Ge­heimrat W iedselb t wies einleitend darauf hin, daß die Regierung den Grundsatz habe, sich zunächst in derartige gewerbliche Streitigkeiten nicht einzue mischen, sondern es den Parteien überlaste, mög­lichst einen Ausgleich der Differenzen zu finden. Wie die Dinge aber jetzt liegen, nachdem von beide» definitive Erklärungen abgegeben worden sind, scheine es aussichtslos, daß die Parteien selbst noch einen gütlichen Ausgleich fänden. Unter diesen Umständen habe es die Regierung für ihre Pflicht gehalten, die Hand zum Vergleiche zu bieten- Zunächst schlug Geheimrat Wiedfeldt vor, wie bei den Tarifveryand« lungen im Jahre 1908 drei Unparteiische zu wählen, die dann die Weiterführung der Sache in, die Hand zu nehmen hätten. Die Arbeitgeber und Arbeiter zogen fich zurück, um zunächst über diesen Vorschlag zu beraten. Er wurde aber von ben, Arbeitgebern abgelehnt. Dann versuchte Geheim­rat Wiedfeldt eine sachliche Beratung hrrbei- zusühren, um doch noch zu einem Ausgleich zu kommen. Dies wurde aber von den Arbeitgebern ebenfalls abgelehvt. Sie erklärten, eine sachliche Beratung habe keinen Zweck, denn fit müßten aus ihren Dresdener Beschlüsse»! verharren. Darauf wurde, da es zu einer fach, lichen Verhandlung trotz der wiederholten Versus nicht kommm konnte, die Verhandlung abge­brochen.

Die Verständigung ist also gescheitert und das Reichsamt des Innern wird vorläufig bi«. Einigungsverhandlungen auch nicht wieder auf«, nehmen.

heblicht Verbesserung derdeutsch-französischtn Beziehungen bin. — Präsident Fallisres beab- sichtigt dem König Viktor Emanuel im Laufe dieses Sommers einen Besuch abzustatten.

** Auch Italiens Flotte wird jetzt von Mann­schaftsunruhen heimgesucht. Die,Roma" erhält aus Gaeta die Nachricht, daß erneute Zwischenfälle an Bord des Kriegsschiffes „Amalfi" ausgebrochen sind. Schon seit einiger Zeit war die Mannschaft des Schiffes gegen die übermäßige Strenge des zweiten Offiziers aufgebracht, so daß die Mannschaft ihrer Unzufriedenheit durch Beschädigungen an Bord Lust machte. Eine Anzahl Geschützverschlüffe des Modells 91 sowie mehrere Geschützteile verschwanden. An anderen Geschützen wurden Teile so schwer be­schädigt, daß das gesamte Geschütz unbrauchbar wurde. Infolge dieser Zwischenfälle trat nach einer eingehenden Untersuchung die Verhaftung eines Matrosen ein.

* Tie nervösen Franzosen regen sich zurzeit über einen schlechten Aprilscherz eines Berliner illustrierten Blattes auf, welches am 1. April ein Bild mit Text veröffentlichte, das eine „Parade" von 9 Luftschiffen im neuen „Luftschiff- Hafen auf der Lüneburger Heide" darstellte. Wenn der Pariser „Matin" etwas nachdächte, hätte er den faulen Witz durchschaut. So aber nimmt er ihn ernst, reproduziert eine Zeichnung des Bildes vom „Deutschen Luslschiffhasen" uni- knüpft daran einen Alarmartrkel unter der lieber» schrift „Der Lufthasen Hamburg". Das Blatt wird schwe sich seinen Hereinfall nachher, wenn rhm die Augen aufgegangen sind, eingestehen, und die Franzosen haben wieder Anlaß, gegen die Deutschen zu Hetzen. Die Schuld trägt der weder geistreiche noch kluge „Aprilscherz".

** Der Seemannsstreik in Marsrille scheint auf der ganzen Linie zurückzugeßen- Man wartet nur noch aus die Abreise des Unterstaatssekretärs Cheron nach Paris, um allgemein die Arbeit wieder aufzunehmen. Cheron selbst sah ein, daß er mit den äußersten Maßnahmen, der Verhaftung der Syndi- katssckrctäre und deren Anklage nur die größte Erbit­terung Hervorrufen würde, und stand daher davon ab Die Drohung des Marineminffteriums, erforder­lichenfalls die eingeschriebenen Seeleute der letzten Al- terSllaffe unter die Fahnen einzuberufen, hat doch sicht­lich zum Nachgcben gestimmt. — lieber die Stellung der „eingeschriebenen Seeleute" in der stanzöfischen Marincverfaffung ist noch folgendes nachzutragen: „Eingeschriebene" Seeleute heißen die Matrosen der fronzöstfchen Handelsmarine deshalb, weil jeder von ihnen in ein staatliches Register eingetragen und dem Stnm'n der Kriegsmarine-Matrosen eingereiht wird. Sie sind vom 18. bis zum 50. Lebensjahre verpflich­tet, im Kriegsfälle in der Kriegsflotte Dienst zu tun. Sie genießen erhebliche Vorrechte vor den nickt einge­schriebenen Seeleuten und unterstehen, was für ihre Stellung bezeichnend ist, nicht dem Handels-, sondern dem Marinemrntsterium. Zu erwähnen ist auch, daß sie wegen Fahnenflucht bestraft werden, wenn sie sich weigern, in See zu gehen.

* Die französische Parlaments - Session ist, nachdem die Kammer wegen der Aenderungen des Senates am Budget nochmals zusammenge­treten war und eine Dauersitzung abgehalten hatte, am Freitag spät abends geschlossen worden.

** Demoustratiouen gegen Deutschland scheint England zu beabsichtigen. In der Londoner Preffe wird behauptet, daß die britische Admiralität eine große Uebungssahrt in der Nordsee, an der über hundert Schiffe teilnehmen sollen, ange- ordnet habe. Das Blatt gibt zu verstehen, daß das die britische Antwort auf die Uebersiedelung der deutschen Hochseeflotte nach Wilyelmshaven sei. Die vereinigten Streftkräfte umkaffen 22 Schlachtschiffe, 13 Panzerkreuzer, 10 geschützte Kreuzer und Späh­schiffe, 50 Zerstörer, 6 Werkstattschiffe und 20 Unterseeboote. — Allzu tragisch braucht man das nicht gerade zu nehmen.

** Der Kohlenarbeiterstreik in Süd-WaleS, der nun bei eil« im 5. Monat andauert, geht seinem Ende entgegen. Die Ergebnisse der Ab- stimmung über das Eiuigungsabkommen sind nunmehr fast sämtlich bekannt. Danach sind bis jetzt 97 273 Stimmen für und 34963 Stimmen gegen die Annahme des Abkommens abgegeben, was eine Entscheidung gegen den Ausstand

!!! BolkSverei«. Auf daS für di« Stadt Fulda und Umgegend unserer heutige« Zeitung beigelegte Flug­blatt mache« wir besonders aufmerksam. Pflicht der Katholiken, vorab der Männer, ist eS, an den Ver­sammlungen des BokksverrinS vollzählig teilzonehmen. Diese seien daher nochmals ganz besonders darauf hin. gewiesen; sie solle« aber auch nicht Untertassen, soweit als möglich, ihre Frauen diesmal nxitjubnngen. Solche Versammlungen müsse« eine Kundgebung un­serer Zugehörigkeit zu einer Bereinigung bilde«, die fich die Hebung unserer geistigen und materielle« Interesse« zum Ziel gesetzt hat. Darum bringen auch unsere kirchlichen Behörde« diesem Vereine die wärmsten Sympathien entgegen, «nb auch unser Hoch«. Herr Bischof hat seine Teilnahme an der morgigen Be^ sammlung »«gesagt.

J- Der kathel. Geselleuverein begeht Sonntag den 17. 2lprit das Schutzfeft des hl. Joseph durch ein«'

Art des Vorgehen- gegen die Wahlrechtsdemonstra- tionkversuche nicht unsere Zustimmung finden könnte. Der jetzige Umfall des Polizeipräsidenten hat unsern Beifall ebenso wenig. Durch dieses Nachgeben wird in der Sozialdemokratie doch nur der Anschein er­weckt, als sä die Polizei vor der „Macht" der Sozial­demokratie zurückgewichcn. Im Jntereffe der Autori­tät der öffentlichen Ordnung fft das zu bedauern.

)( Sozialdemokrotische Wahlrechtstund­gebungen sind nach der sozialdemokratischen Preffe für dm morgigen Sonntag in ganz Preußen geplant. In Königsberg Hai man einer Versammlung unter freiem Himmel die Genehmi­gung versagt, in Kiel den Antrag der Genehmi­gung eines öffentlichen Auszuges, in Bochum wurde ein „Meeting" unter freiem Himmel ge­stattet, ein Umzug verboten, desgleichen in Elber­feld, Remscheid usw.

* Noch immer das erfundene Kanzler- inlerview. Die „Rordd. Allg. Ztg." sieht sich heule zu folgender Feststellung genötigt: „Nach einer Mitteilung im „Berliner Tageb!." hat Der römische Korrespondent des „Nuskoje Slowo", Herr Goldstein, der Redaklion dieses Blattes er­klärt, der Reichskanzler habe ihn nach dreisachem Ersuchen am 28. März zwischen 9 und ‘MO Uhr im Palazzo Caffarelli empfangen und mit ihm unter vier Augen gesprochen. Diese Behauptung ist erfunden."

(*) Zweckverbands - Gesetz. Die Frage der Verbindung nachbarlich belegener Gemeinden zum Zwecke gemeinsamer Wahrnehmung lommunaler Angelegenheiten wird gegenwärtig geregelt durch den Tit. IV der Landgemeinde-Ordnung für die 7 östlichen Provinzen der Monarchie vom 3. Juli 1891, die ein Jahr später auf Schleswig-Hol­stein uud 189/ aus Hessen - Nassau ausgedehnt wurde. Danach können Landgemeinden und Guts­bezirke mit nachbarlich telegenen Landgemeinden oder Gutsdezirken oder mit benachbarten Stcftten zur Wahrung einzelner kommunaler Angelegen­heiten nach Anhörung der beteiligten Gemeinden und Gutsbesitzer durch Beschluß des Kreisaus- schuffes bezw. Bezirksausschusses verbunden wer­den, wenn die Beteiligten damit einverstanden sind. Für eine Verbindung von Stadt zu Stadt zur Wahrnehmung gemeinsamer kommunaler Au gelegenheiten fehlt ;edoch gegenwärtig die gesetz­liche Grundlage; diese herzustellen wird die wich­tige Aufgabe des kommenden Gesetzes sein. Außer­dem wird die Zweckoerbandsbilvung auch Den westlichen Provinzen zugänglich gemacht werden, die sie gegenwärtig noch nicht besitzen.

>7 Reichstagsersabwahl in Posen.

In Posen hat der Rechtsanwalt Vernarb v. Ehrzanowski bekanntlich sein Reichstagsmandat nie- dertegen müssen, weil er zum Geschäftsführer der pol­nischen Wirtschaftsgenofsenschasten gewählt worden ist. Um das Mandat entbrannte in den Reihen der pol­nischen Wählerschaft zwischen der konservativen und der radikal-demokratischen Richtung ein Kampf von beispielloser Heftigkeit. Die radikale Richtung, als deren Dirigenten man Herrn Koffcmty ansehen darf, teilte die Kandidatur des Arbeitersekretärs Nowicki aus Posen in den Vordergrund; die konservative Richtung entschloß sich für die Kandidatur des Gewerk- chaftssekretärs S o s i n s t i aus Bochum- Nach ^zahlreichen Vorversammlungen, in denen es zum Teil ehr stürmisch herging, schritt endlich am 29. März das Prvvinzialwahlkomitee zur Entscheidung über die Kandidatur. Diese siel auf Herrn Sosinski. Die radikale Presse murrte und grollte. Aber die Gefahr der Doppelkandidatur schien beschworen, als Nowicki eibst eine Erklärung veröffentlichte, daß er fich der Entscheidung des Provinziallomitees füge. Auch der Polnische deniokratrsche Verein, der die Kandidatur Nowicki unterstützte, und das Posener Lokalkomitee satten beschlösse», die Kandidatur SosinsÄ zu unter» tützen. Indessen Korsanty und seine Leute verstehen ich auf Taktik; sie ordnen sich äußerlich dem Spruche der geordneten Parteiinstanzen unter, und wissen doch durch eine „spontane Kundgebung des Volkswillcus" ihren Willen durchzujetzen. In einer Versammlung in Posen wurden am Montag überaus scharfe Angriffe gegen Svsinski gerichtet. Er fei, so wurde ihm vor-

Ausland.

»Die belgisch« Kammer hat ehren von der Re- gierung eingebrnchten Antrag, wonach für die Schulen der kirchlichen Kongregationen und Orden, deren staatliche Anerkennung vor- gesehen ist, 12 Millionen Franken Zuschüsse ge- währt werden sollen, mit 73 gegen 57 Stimmen angenommen. Bei der Opposition hatte der An­trag den schärfsten Widerspruch hervorgerufen.

♦* Znm italienischen Botschafter in Paris ist der rühere Minister des Auswärtigen Tittoni er­nannt worden. Diese Ernennung hat eine gewrffe Bedeutung dadurch, daß Tittoni stets em überzeugter Anhänger des Dreibundes gewesen ist. Gleichwohl i t Tittoni der französischen Regierung genehm, und das deutet auch auf die gegenwärtig bestehende er­

geworfen, Polizeispitzel gewesen, hab« bei Kaisers Geburtstag an der Spalierbildung teilgenommen usw. Die polnischen Demokraten hickten nunmehr die Kan­didatur Nowicki aufrecht, und infolgedessen kam e8 zu einem erbitterten Kampfe der Polen untereinander. Die Wahl hat gestern ftattgefunben. Das folgende Telegramm berichtet über das Ergebnis:

□ Posen, 8. April 1910. (Tel.) Bei der heu­igen Reichstagsersatzwahl erhielten: Oberbürgermtt- ster Dr. Wilms (kons.) 12 579, Sosrnski-Bo- chum (offizieller polnischer Kandidat) 6964, Ro- wtcki (poln. Demokrat) 11487 und Matus- zewski (So»-) 2241 Stimmen. Es findet Stich­wahl zwischen WümS und Nowicki statt.

Deutsches Keich.

r * Berlin, 8. April 1910. Der,(Staaten* Beiger' veröffentlicht die Bedingungen für die Be­werbung um Arbeiten und Lieferungen in der Staatsbauverwaltung. — Ein zweiter deutscher Wohnungskongreß soll zum Frühjahr 1911 einberujen werden. In diesem Jahre 1910 tagt bekanntlich ein internationaler Wohnungskongreß in Wien.

...H neuer W-hlrechiSs-nntag. Nachdem die Poli- KSL" nachträglich dec demokc. Vereinigung die ShE?/ -"I" Massenversammlung im Hum- boldthakn gegeben hat, sind die „Genossen" wild gewor- den. Sie wollten nun auch eine Demonstration veran­stalten u. zwar gleick am kommenden Sonntag Wie der Vorwärts berichtet, find die Genossen Ernst und Bora- nmnn beim Polizeipräsidenten persönlich dahin vor­stellig geworden, mit dem Versprechen, daß die So­zialdemokraten in kleinen Gruppen fich zum Trepto­wer Pack begeben würden, jeder Bezick von seiner Zahlstelle aus unter Leitung des BezirkSführers und der Ordner, etwa in der Stacke von 50—100 Mann. Die Bezirksführer und Ordner würden dafür sorgen' daß der Verkehr nicht gehemnit mürbe. Der Polizeiprä­sident erklärte, daß, Ivenn so Verfahren würde, er dem Zu- und Abmarsch nichts in den Weg legen wolle; auch würde er einer Versammlrmg im Friedrichshain kerne Schwierigkeiten bereiten. Die sozialdemokratische Parteileitung ist darauf beim Treptower Gemeinde-

klb- lue0en der Genehmigung vorstellig geworden, ®n.Ale.’e wurde ihr erteilt. Da der Magistrat Berlin allerdin^ümer des Treptower Packes ist, fo mutz um \tr. sozialdemokratischen Partei noch

Es ist alter 6eim Magistrat nachgefucht werden, der Parteileitung?" zweifeln, daß der Magistrat Packes aum cJL,bl< Erlaubnis zum Betreten des monürdL

lunoen ftolffirhpn öffentliche Massenversamm- ZS 5unf Wochen nach dem 6. März jr. .., ereignen, was man damals unter

«utolcuLig ungeheurer Poltzeimacht, unter Bereitstel-

3 größerer ^ruvvcnabteilungen unmöglich zu ina- chen gesucht hat. Das ist ein sehr merkwürdiger Vor- gang. — Mr haben von Anfang an kein Hehl daraus oemach.. daß die vcn der Berliner Polizei beliebte

totales.

Fulda, den 9. April 1910.

) Die heutige Kreistagssitzung war nur. von sehr kurzer Dauer. Vor Eintritt in die Tagesordnung teilte der Vorsitzende Herr Land­rat Springorum mit, daß in der strittige» Landwegebausache Oberpräsidialrat Mauve un­ter Zuziehung des KreisausschuffeS und von Vertretern der Landgemeinden verhandelt habe. Unter Zuziehung von Battrat Wolff soll Regie- rungsbaurat Stiehl ein Gutachten in der Ange­legenheit erstatten und dieses einer voraussicht- sich in der nächsten Woche stattfindenden KteiS- ausschußsitzung vorlegen. Herr Richard Müller beantragte hierauf, die heutige Sitzung zu vertagen. Als Gründe führte er an, daß die Kreiswegelast einen Hauptposten deS KreisetatS bilde und über diese Last noch keine Verständi­gung erziell sei, daß ferner daS Urteil bei Provinzialrats noch auSstehe und die Ver­handlungen des KreiSausschusieS eine Klärung, vielleicht auch eine Verständigung bringen würden.1 Die nächste Kreistagssitzung bitte er in etwa vier Wochen anzuberaumen. Der Antrag bei Herrn Richard Müller wurde einstimmig ange­

nommen.

** Eine hohe Auszeichnung ist Herrn Oberlehrer Dr. Lübeck vom hiesigen Gymnastum zuteil ge»' worden, der bekanntlich im Aus'rage der GörreS- geseüschast bet Erforschung des altchristlichen Morgenlandes in Jerusalem obliegt. In Anerkennung semer wiffenschastltchen und lsterarischeu Bestrebungen hat ihm der Erzbischof von Tyrus beim Abschluß seiner Tätigkeit m Jerusalem den Titel Archi- mandrit verliehen. Die Archimandie ist die höchste Prälatur der orientalischen Kirche, die zum Tragen der bischöflichen Insignien iwrechtigt.

Preußischer Landtag»

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 8. April 1910.

Vor Eintritt in di« Tagesordnung macht Präsident ». Kröcher unter lebhaftem Beifall des Hauses Mit­teilung von einer Einladung des Kriegsministers zur Besichtigung der Luftschiffahrtseinrichtungen in Tegel; die Besichtigung soll am 14. d. M. statt­finden.

1 Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der 2. Beratung des

' Bauetats.

Abg. Fürbringer (natl.) sördert einen weiteren .Ausbau des Kanalnetzes und klagt über zu hohe Ab- 'gabenbelaftung der Wasserstraßen nach Westfalen. Weiter fordert Redner eine Ermäßigung der Abgaben 'auf dem Dortmund—Ems-Kanal.

Minister v. Breitrnbach erwidert, daß zurzeit an eine Aenderung des Tarifs für den Dortmund—Ems- Kanal nicht gedacht werden könne.

i Abg. Hammer (kons.) spricht sich gegen eine staat­liche Unterstützung in der Frage eines Bebauungs­planes für Groß-Berlin aus. Es könne nicht Auf­gabe des Staates sein, durch Unterstützung derartiger .Großstadtprojekte di« Abwanderung der Bevölkerung vom platten Lande in die Skavt zu begünstigen. Redner bespricht dann die Feuergefährlichkeit der Warenhäuser und fordert vor allem den Erlaß einet Vorschrift, wonach nur eine ganz bestimmte Zahl von Besuchern hineingelaffen werden dürfe. Zum Schluß weist Redner auf den Warenhandel der Beamten, besonders der Post- und Eisenbahn- Beamten, hin, de« er als einen außerordentlich großen ^Mißstand bezeichnet.

I Abg. Frhr. v. Zedlitz (frkons.) bringt Klagen der Baubeflifsenen über die Systemlofigkeit der Beförderung unb Anstellung der Regierun gsbauführer zur Sprache, 'r Minister v. Breitenbach erwidert, daß die Anstel­lung der Regierungsbauführer nach «an; bestimmten ! Grundsätzen erfolge. Bezüglich der Warenhäuser habe die Polizei schon jetzt die Befugnis, für Sicherung gegen Fenersaefahr zu sorgen und auch gegebenenfalls der . Ueberfüllunq der Warenhäuser vorzubeugen.

!! Abg. Schmedding (Zlr.) verlangt in dem neuen .Waffergefttz eine möglichst einheitliche Regelung der rechtlichen Verhältnisse bet der Beaufsichtigung und An­lage von Talsperren in Rheinland und Westfalen.

Unterstaatsfekretär Frbr. EoelS van der Brüggen ‘ sagt das zu.

ii Abg. v. Stockhausen (kons.) bittet, schon vor dem ; Erlaß des Wassergesetzes im Verwaltungswege einzelne Fragen, z. B. die Frage der Wahrung der Jntereffen ! Der an Kanäle angrenzenden Grundbesitzer bei Anlegung iunb Benutzung von Treidelwegen zu regeln.

In der Einzelderatuna tritt

,« Abg. Tourneau (Zlr.) für den Ausbau der Werra und für die Einrichtung von Stauweihern im Werratal ein.

Minister v. Breitenbach: Wir haben dem Werra- talfperrenverein eine Beihilfe gewährt; über die Ge- ' Währung größerer Mittel kann ich heute keine Erklä- , rung abgeben.

K Abg. Dr. Wendlandt (natl.) tritt ebenfalls für Regulierung der Werra ein. •

Geheimrat Peters erwidert, daß das vom Tal- , sperrenverein im Werragebiet feriiggefteüte Projekt demnächst zur Prüfung gelangen werde.

Bei den einmaligen Ausgaben erklärt

0 Minister v. Breitenbach auf eine Anfrage des Abg. ;t>om Rath, daß der Frage der Lahnkanalisierung, vorläufig noch nicht näher getreten werde« könne.

Es «ntspinnt fich noch eine längere Debatte über die Petition des Majors von Donath, die obere Oder durch einen Stausee zu regulieren. Regierungs­seitig wird daraus hingewiesen, daß dieses Projekt all­seitig al? nicht vorteilhaft dargestellt werde. Schließlich । wird die Petition einer besonderen Kommission über« i wiesen.

Samstag: Eisenbahnetat und kleinere Vorlagen.