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ikfchrdütSsttchmN Aurnahme der Soä« »»dLeiertageviertel- jMllcherverugrpreir ohne vringerlohn «nd vestelseldinZuldas»' wie auswärts 1-50 Bit Dtrawto. «edaktemr «a,irch»tt«r firtteAnzet-«:

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A«zrl-en: vie d» fpaMgePetttzelleoder derrn Baun <5 pfg. «eklamendiepetttzelle 25 pfg., bei wieder, holnngcn wird entfpr.

Rabatt gewirrt.

üotatkonrdrnS««» Verlag der Fuldaer Ak» liendruckerei in Fulda Lernsprecher Ur.».

Erstes Blatt.

Fulda, Dienstag den 29. März 1910.

37. Jahrgang.

nach dem Kaiserkanal ad.

schwerden vorgekommen.

* Der russische Minister Iswolski hat einen drei­wöchigen Urlaub genommen, um sich ärttlich be­handeln zu lassen. Er leidet an den Folgen der Ueberanftrengung.

* Gemeutert haben in China zwei Bataillone moderne Infanterie; sie verschanzten sich in der nördlichen Borstadt von Tschint'.ang und versuchten, die Stadt zu umzingeln und emzunehmen. Die Revolte ist offenbar ernsterer Natur gewesen. Einzel«

zur blinden Zerstörung überlassen darf? Anscheinend aber haben sich unsere verantwortlichen Minister weder I in Preußen noch im Reiche diese Frage bisher ernst­haft gestellt, sonst Hütte von ihrer Sette doch irgend ein Versuch geschehen müssen, um das unaufhaltsam näker rückende Verhängnis, soweit eS an ihnen ist, ob- zu wenden. Nichts verlautet darüber. Der Herr Staatssekretär darf nicht erwarten, daß eine der Par­teien ihn selbst als Mittler oder Schiedsrichter cmrust, weil solche Friedenshcmdlung der anrufenden Partei alhuleicht als Schwäche ausgedeutet werden könnte; solchem Verdacht der Schwäche aber roirb sich eine Partei bei der gegenwärtigen Sachlage im Baugewerbe nicht leicht aussetzen wollen. Die bisher private Aus­einandersetzung zwischen den baugewerblichen Par­teien würde durch das Eingreifen d«S Staatssekretärs

ringeres Haubelt es sich bei den drohenden Entschei­dungen über die Kriegserklärung im Baugewerbe, die in den nächsten Wochen fallen sollen. Sind das etwa noch privatwirtschastliche Fragen, die hier zwischen! Unternehmern und Arbeitern des Baugewerbes zum Austrag gebracht werden, oder stehen nicht vielmehr große volkswirtschaftliche und staats­politische Interessen in Gefahr, die kein Staatsmann ohne schwere Pflichtverletzung aus dem Auge lassen und mit fatalistischem Gleichmut dem ver­hängnisvollen Hader der Parteien als Spielball bis

1869 zählten die Kölnischen Blätter 3 Redatteure, die Kölnische BoWzeitung hat deren heute 16, einge» schlossen He drei auswärtigen Vertreter in Berlin und Rom. Bon den gegenwärtigen Mtgliedem der Re­daktion ist Justizrat Dr. Julius Bachem schon .änger als vierzig Jähre tätig. Dr. Hermann CardaunS hat ihr mchr als dreißig Iah« angehört. Die heutige Stellung der Zeitung in der deutschen Joumastrolttik bedarf keiner besonderen Würdigung anläßlich des gol­denen Jubiläums. Außer der Festschrift veröffentlicht der Verlag der Kölnischen Volkszeitung auch eine umfangrcitne, 64 Seiten umfassende Jubiläums- Festnummer, welche zahlreiche Beiträge hervot- mgrnder, im öffmtlichen Leben stehender Männer und Frauen des In- und Auslandes enthält. Dies- Fest- nummer wird allen Beziehern der Zeitung am Morgen des 1. April zu Händen kommen

** Die körperliche Züchtigung in der Volks- schule. Vom Kultusministerium erging ein Erlaß, der die Einschränkung der Körperstrafe in der Volksschule bezweckt. Die Verordnung gipfelt in folgenden zehn „Merksätzen", die zwar nichts Neues enthalten, aber doch sehr beachtenswert sind: 1. Das Recht der körperlichen Züchtigung soll dem Lehrer nicht genommen werden. 2. Ehren- fache des Lehrers muß es sein, die Anwendung der Körperfirase in seiner Schule auf ein Mindest- maß zu beschränken. 3. Mißbrauch der Züch- tigungsrechtS verrät mangelhafte pädagogische Durchbildung. 4. Die Körperstrafe ist kein ge­eignetes Mittel zur Beförderung des Lernens. 5. Sie soll nie angew endet werden, ohne daß zuvor der etwaige Einfluß häuslicher oder physiologischer Berhältniffe auf daS Verhalten des Schülers gewürdigt worden ist. 6. Die Körperstrafe darf in ihrer Anwendung weder die Gesundheit deS Schülers schädigen, noch seine Ehre antasten, noch die Schamhaftigkeit verletzen. — Es folgen dann noch einige weitere Punkte, in denen auf Mittel zur möglichsten Vermeidung der Prügelstrafe hingewiesen wird.

zersetzenbet Schärfe werden sogar herausbeschworen, wenn die Baupläne veröden und die „Saison" un­fruchtbar in verbittemden Kämpfen, statt in freudigem Schaffen vertan wird. Um alles dies und nichts Ge­

stand der Zarin als Neurasthenie, die offenbar auf die Aufregungen der Revolutionszeit zuriickzu- führen sind.

** Zwischen Kanada und den Bereinigten Staaten soll eine entgültiye Regelung der Zoll- und ' ältnrsse bevorstehen, wodurch!

* Kaiser Franz Joseph »en Oesterreich begibt sich Mitte Juni nach Ischl, wo er feinen 80. Geburts­tag feiern wird. Vorher werden zur Gratulation beim Kaiser m Wien der Kronprinz von Rumä­nien, em Prinz des italienischen Königs­hauses und der Prinzregent von Bayern erscheinen. König Eduard von England wird auf der Reise nach Marienbad in der zweiten Augustwoche den kaiser in Ischl besuchen. Vorher kommt wahr- cheinlich im Monat Juni Kaiser Wilhelm nach Wien. Er hat den Plan noch nicht oufge»

Ausland.

** Der Reichskanzler in Rom.

Der Reichskanzler ist Montag nachmittag von Rom nach Florenz abgereist. Am Abend vor­der hatte zu Ehren des Reichskanzlers großer Empfang beim Botschafter von Jagow statt- gefunden.

Mehrere römische Blätter schreiben den Unter­redungen deS Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg mit italienischen Staatsmännern erhebliche poli­tische Bedeutung zu. Auch die Berliner amtliche Mftteilung über den Besuch deS Reichskanzlers n Rom wird eifrig besprochen. Die Blätter prechen große Befriedigung darüber aus, daß der Besuch deS Reichskanzlers den Mächten des Dreibundes Gelegenheit bot, so entschieden volle lebereinstimmung hinsichtlich der Sachlage im Orient zu« Ausdruck zu dringen.

Demnach scheint wirklich der Lieblingsplan ISwolßkiS, der Bund aller Balkanvölker unter Rußlands Fittichen seiner Verwirklichung um ein i ° .------ --—.-------

bedeutendes näher gerückt zu fein. zu dem Range einer Angelegenheit von

bet*4" einem ml?

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naenre. oie ortenbat i Anerkennung nicht rauben, daß fie da» Ihre "ach besten Kräften getan Dazu konimt die volle Schuld auf das Haupt der Partei, die sich unversöhn­lich zeigte, und sie wird es erleben, wie ein sozialer Kampf ohne die Sympathien der Oeffentlichkeit trotz aller Machtrüstungen sich letzten Ende» als ein un­fruchtbares Beginnen Herausstellen wird.

* Ansgesperrt wurden in fämtlichrn Textilwerker! von Gronau im Reg.-Bez. Münster etwa 8000 Arbeiter.

kisch-bulgarische Freundschaft verträgt auch die abge­leiertsten Trinkspruchphrasen nicht Man konnte nicht zu kühl bleiben und durfte nicht zu warm werden. König Ferdinand mußte recht sehr Rücksicht nehmen auf seine Bulgaren und des Sultans Mazedonier. Und der Sultan mußte sich davor hüten, zu viel Auf­hebens von der Ehre zu machen, die ihm durch den Königsbesuch widerfahren ist-" Das Gesamturteil über den Besuch geht dahin, daß er wohl für längere Zett gute Beziehungen verbürge, die aber die großen Linien der Balkanpolitik nicht ändern könnte.

i Der Besuch König PeterS von Serbien in Petersburg hat sein Ende erreicht. Am Samstag reiste Serbiens König über Moskau nach Konstantinopel ab. In der russischen Kund­gebung über das Ergebnis des Besuches heißt es:

.Nach der Meinung der serbischen Regierung wird die friedliche und freie Entwicklung des unabhängi- gen Serbien unter treu anderen Balkauftaaten eine wertvolle Stütze tu der Befestigung der guten Bezie­hungen zur Türkei finden und zugleich setzt die serbische Regierung alle ihre Kräfte an dir Erhaltung der entsprechenden Beziehungen zu Bul. garten und feinen anderen Nachbarstaaten. ®te russische Regierung, die ausrichtig mü diesen I Bestrebungen sympathisiert, wird Serbien ebenso wte bisher ferne tnoratijche und tatsächliche Unter-! stütznng auf diesem Wege leihen.»

deutscher Reich.

* Berlin, 28. März 1910. Von einer Reise des Kaisers zum Papste ist wieder die Rede. Das Mailänder Blatt ,Perseveranza' behauptet, der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg habe sich mtt dem Papste über den Besuch des Kaisers im Vatikan in Verbindung gesetzt. Bestätigung bleibt abzu- ' warten.

Die höheren Mädchenschulen der katholischen Kongregationen bereiten der „Ftkf. Ztg.» andauernd furchtbare Beklemmungen. Ritt Entsetzen hat sie festgestellt, daß in Hessen-Nasfau be- (reite fünf Kongregationsschulen (Frankfurt, Kassel, Wiesbaden, Limburg und Fulda) anerkannt worden ifind, während im Ganzen dort bisher nur 12 pri­vate Anstalten anerkannt seien. Das ist, meint die „Frkf. Ztg.», eine schändliche „Imparität", eine »schwere Gefahr für den konfessionellen Frieden». Insbesondere aber bedeute »in Hefsen-Nassau, dem Lande der Reformation, die große Zahl von Ordens­schulen, diesen Erzeugniffen der Gegenreformation, eine Beunruhigung der Bevölkerung, die unbedingt hätte vermieden werden sollen». Schrecklich! Schreck­lich ! Die armen Protestanten im Lande der Refor- malion! Sie sind die Stiefkinder, schinden sich und rackern sich ab und eS hilft doch alles nichts, ganz unverdienterweise werden ihnen die Katholiken bei jeder Gelegenheit vorgezogen, ihnen fallen die Aemter, Ehren und Bevorzugungen von selbst in den Schoß! Sollte die Sache nicht ein wenig anders hegen? Sollten dieZahlen, wenn sie so stimmen, nicht beweisen, daß die Kirche wie immer, so auch heute noch eine Trägerin der Kultur, eine Lehrerin und Bildnerin des Volkes ift; daß das Schulwesen der Kongregationen auf der Höh« steht und sich auch Neuerungen schnell anzupaffen ver­mag? Wer das „Wohlwollen» der preußischen Regierung für die katholischen Kongregationen und ihre Einrichtungen kennt, der weiß, daß di« Regie- rung den Kongregationsschulen ihre Genehmigung nicht erteilen würde, wenn sie den gesetzlichen Be­stimmungen nicht genügten. Daß die Bestätigung der Schulen aus einen »Kuhhandel» zwischen Regie­rung und Zentrum zurückzusühren sei, wie die Franks. Ztg. glauben machen will, ist eine dreiste Unter­stellung. Fürst Bülow hat einmal im Reichstag ausgeführt, ein „Kuhhandel» zwischen Regierung und Zentrum habe niemals stattgefunden. Man solle ihm einmal die »Kuh» zeigen, nicht ein »Kälbchen» werde man vorführen können. So ist es auch heute noch. Das weiß auch die »Frkf. Ztg.» und ihr Artikler sehr gut, aber das Zentrum muß doch einen Hieb bekommen.

** Das fünfzigjährige Jubiläum begeht am 1. April die „Kölnische Volkszeitung». Aus diesem Anlaß ist eine von dem früheren langjährigen Hauptredakteur Dr. Hermann CardaunS verfaßte Festschrift erschienen, vom Verfasser als eine Chronik der Zeitung bezeichnet. Sie bietet aber mehr, nämlich eine Fülle von zeitgeschichtlich interessantem und wertvollem Material. Die Vorgeschichte schildert die verschiedenen Gründungsversuch« des Berlagsbuch- händler» Joseph Bachem in Köln aus dem Ende der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Die kurze Lebens- und Leidensgeschichte der Rheinischen und der Deutschen Volkshalle ziehen an unserem Auge vor­über. Am 31. März 1860 erschienen bann die Köl­nischen Blätter, die unmittelbare Vorgängerin der jetzigen Kölnischen Volkszeitung. Auch sie hatten mit Mvßen Schwierigkeiten, nicht bloß materieller Art zu kämpfen Am 1. Januar 1869 trat die Titeländerung ein und gleichzeitig die bedeutende Erweiterung des Umfanges der Zeitung. Seit Beginn der siebziger i Jahre, welche überhaupt unter der Einwirkung de» ' kirchenpilllttschen Konflikte» in Preußen und im Deut- : schen Reich einer Zentrumspresie im eigentlichen Sinne i erst zum Dasein und zn größerer Bedeutung verhalfen, bähtet der Aufschwung der Kölnischen Volkszeitung, welcher sich von da ab stetig fortgesetzt hat- Im Jahre

geben, persönlich dem Kaiser Franz Joseph da» Z ep- I heften fehlen noch, da sie geheim gehallen werden, pelins che Luftschiff in Wien vorzuführen. I AuS Nanking gingen zwei Bataillone Infanterie ♦ Die Kabinettskrise in Italien ist noch m der | nach dem Kaiserkanal ad.

Schwelt. Giolitti empfahl bei seiner Audienz dem König eine Kabinett Mareora oder Luzatti. „ _..u_____o ...

Marcora, der Kammerpräsident, hat jedoch den Auf-l Tarifver h ältnisse bevorstehen, wodurch Kanada trag des Königs abgelehnt, weil er keinen Ausweg die amerikanischen Mmimalzölle zugestanden werden, aus dem geschaffenen Konflikt vorzuschlagen wußte. I ■" . — .

ja, es verlautet schon, daß Luzatti, her bisherige | Volkswirtschaftliches und Soziales. Ackerbaummister den Auftrag zur Kabinettsbildung * Z» den Kämpfen im Baugewerbe um den neuen angenommen habe. T^as Kabmett Luzatti würde I Arbcitstarif schreibt die „Soziale Praxis»: „Krieg sich überwiegend aus Mitgltedem der Linken zu-1 ober Frieden im Baugewerbe? Das ist jetzt die b£ sammensetzen. Es würde wahrscheinlich k irchrn-1 hemmende Frage, von deren Beantwortung nicht nur feindlich gefinnt ieuu Gewisse glätter gehen so-1 ba3 Wohl und Wehe von Hunderttausenden in oen gar ^010611, mit den französischen »Kultur-1 Bauunternehmer- und Bauarbeitecfamllien abhängt, ampfshelben» Combes oder Br,and zu vergleichen. fonoem die auch Gedeihen oder Lähmung aller Bau- Luzalll selbst i|t ^siaeht, erfreut sich eines guten I f)i(f5getoerfce — Eisen-, Stein-, Erden-, Holzindustrie, 3JZaIer=' Dachdecker-, Schlosser-, Rohrlegergewerbe

Jhniftetmm des Aeußeren wurde wahrscheinlich I u[ro —, die Möglichkeit der Ausführung ösfenllicher ^it.oni behalten oder an seine Stelle der Bot-1 Bauten und neuer gesunder Wohnräume entschei- schafter in !t Om,a^ treten. dunzsschwer in sich birgt. Man schätzt, daß in ©tofc-

Aus Anlaß des Besuchs Königs Ferdnunws I Berlin allein etwa Million Menschen mit ihrer '« K°n>fa" .n-pel^and-n zwischen den leitenden M.- ^schaMchen Existenz auf ein blühendes Saugt- nifiern ^mlgarien» und der Türkei Bewrechungen I werbe unmittelbar oder mtttelbar angewiesen sind- st«" - Ueber den toasllosen Verlaus des ossiztellen Man kann sich darnach leicht ein Bild machen, was ’y01’ ebenso senu -cdrmken ge-1 ffir ein Maß von Kauf- und Steuerkcaft durch das Echt, wie über die Tat.ache, daß sich König Ferdi- Bangewerbe geschaffen oder, fall» da» Gewerbe dar- naud auf dem Gala^ncr beim sultan fast aus sch ließ-1 niedergeworfen wird, mit ihm zerstört wird. Arbeits- rn'n?Tl scheu Botschafter unterhielt. Der I losigkeit und Annennot in bedenllichet Häufung und .Voss. Ztg» wird dazu geschrieben: „D-e neue fand «rfenenber S»ärfe werden foaar Beraufbrirfimnr«.

Draußen verfolgten alle die kühne Rettung mit ge­spannter Aufmerksamklt- Es fing an zu dunkeln, flammend rot ging die Sonne unter und malte den Himmck in ol-!Lenden Farben, und über Ser und Wald legte sich der Abendfrieden.

„Jetzt ist er oben — jetzt steigt er die morsche Treppe hinunter», flüsterte man sich zu — „sie muß feine Last doch wohl noch tragen — jetzt muß er unten sein.» — Die Tür knarrte und bewegte sich; sie wurde von den ungeduldig Harrenden aufgersssen — der Graf stand vor ihnen, die leichte Mäbchengestalt in den Armen. Er legte Willis auf die Gartenbank, die schnell herbeigebracht wurde, dann wandte er sich ab. Rottraut kniete neben der geliebten Schwester nieder^ sie mit zärtlichen Kosenamen rufend. Auch die ande­ren Anwesenden zogen sich zurück, um die rührende Szene nicht zu stören. Dann trug man Willis ins Hau», nachdem sie da» Bewußtsein wieder erlangt hatte

ES wurde leer auf dem Platz, der eben erst Zeuge fieberhafter Erregung gewesen; nur Hartwig und Rol- tiaut standen sich gegenüber, und das flammende Abendrot umgab sie wie eine feurige Lohe.

„Sie haben sich die Hand verletzt», sagte Rottraut bedauernd, al» sie große, rote Tropfen an Hartwigs Gelenk herabrieseln sah.

„Es ist nichts», entgegnete er leichthin, .eine un­bedeutende Schramme, die ich mir beim Zerschlagen des Glase» dort oben holte.»

„Darf ich sie nicht verbinden?» bat sie. .Wollen Sir mir Ihre Hand geben?»

„Das kann ich selbst!» Er schlug sein Tuch um die Wund«.

„Ich möchte Ihnen danken, und kann es doch nickt», preßte sie mühsam hervor. „Sie werden ja von mir keinen Dank annehmen wollen»

Ihr Ton Hang wieder so, daß es ihn ärgerte, und er versetzte kurz: .Sitte, es ist nicht der Rede wert. Ich bin ein guter Turner; e» war wirklich nur eine Kleinigkeit, dort emporzuKettem; dem braven .Lord» gebührt mehr Dank als mir.»

^ebranömarät.

42)Roman von G. Freifrau von Schlippenbach-

.Jch fürchte, es war die Karoline», bemerkte Ursel. „Ich sah sie vor etwa zwei Stunde» forttaufen. Sie ist immer sehr unruhig, sobald Vollmond ist.»

Man holte Weckzeuge und Eisenstangen herbei, die Tür gab jedoch nicht nach; die Männer arbeiteten im Schweiße ihres Angesichts, endlich ließen sie er- schöpft dir Arme sinken. .Es geht nicht», sagten sie, ist zu fest, die kann kein Mensch sprengen.» . t R°ttraui sah so bleich au», daß Hulda sie besorgt bat sie solle sich doch nicht ängstigen, t» müßte» sich Mittel und Wege finden, um Willi» zu befreien-

Wen» wir mur rj« Leiter hätten, die bi» hinauf reicht», warf der Verwalter em. „Aber der Turm V l°»« niemanb^S ba» frnfe Güter hlnew. Man könnte nur durch ba» nmbe Fenster in der Spitz« etwa» erreich« und selbst dann — wie soll man es möglich mach«,, da» Fräu- lem zu befreien — die innere Wendeltreppe ist morsch und trägt vielleicht die Last eines Menschen gar nk£i mehr.»

„Bringen Sie immerhin die längste Leiter, die Sie haben», befahl Graf Pfeileck. „Ich werde ver­suchen, emporzuklimmen, das Gerank be» wilden Wei­ne» bildet Sproffm zum äufftieg.»

Roürmü legte in ihrer namenlosen Erregung die ; Hand auf Hartwig» Arm, und er fühlte, wie dieselbe bebte

„Sie — Sie wollten es wagen?» murmelte sie. „Er ist ja die Tochter dessen, der Schänd« und Schmach über die Familie gebracht — ba» Kinb be» wanne», bet Ihren Eltern Leib zugefügt hat.»

„Willi» ist bie Schwester berjenigai, die ba» Un- recht zu sühnen strebt», versetzte Hartwig ernst, „gaf­fen Sic es mich jetzt aussprechen, jetzt in biefer ernsten etunbt, wo Sie um bas halbe Kinb bangen, ba» «»ch mir unb meiner Mutter teuer ist! Sie haben i®66 zerbrochene Wappenschild wieder hergestellt Sie

sind eine echte Edelstau, die wett ist, unsere» Name» zu tragen!»

Er wandte sich ab, um seiner Bewegung Herr zu werden, und Rottraut, die stolze Rottraut, fühlte, wie eS heiß in ihren Augen emporquoll, wie sie alle» durch einen Tränrnschleier sah. Und bann lag ihre ganze Seele in ben Blicken, mit denen sie den gefahrdrohen­den Weg verfolgte, ben anzutreten Graf Hartwig hn Begriff stand.

„Wie wollen Sie aber bas Fräulein aus bem roten Turm heraus bekommen?» fragte ber Verwal­ter-

„Ich war einmal mtt meinem Vater in dem alt-» Eulennest», antwortete Hartwig, „ich kenne bie kunst­volle Einrichtung des Schlöffe», das sich leicht von innen öffne» läßt, wenn mau e» mir versteht.»

„Herr Gras», bat Rottraut erschüttert, .bitte las­sen Sie einen anderen an Ihrer Stelle da» Weck der Rettung versuchen. Ecklären Sie ihm das Geheimnis de» Schlosse», ich will demjenigen eilte hohe Beloh­nung sichern, der sich der Gefahr ausfetzt.'

„Rein», entgegnete Hartwig fest, .bitte, hindern Sie mich nicht länger. Ich nehme ein Sell mit, ba» E ich cm den stacken Mauerhaken knüpfen, der neben bem runden Fenster hervorragt; wenn die Wcndck- fa»We zu baufällig erscheint, lasse ich mich daran hin- unter.

Set den letzten Worten begann er schon die Letter emporzuklimmen Da» schwache Klopfen war ver­stummt, Willi» war halb bewußtlos zu Boden ae- S1' «£J1?ne £ nervöser Angst anefa?

onDer. Wenn Re am Ende bie ganze Rächt hier zu- brmgen mußte, wenn die Ahnfrau Brigitte ibr«i^

Sorge um fie, ^dazwischen horte sie Me Stimme ber Shten, bie m rätselhaften Worten von ihrem Ba- 1” ®" %eräuf$ oberhalb ihres Kopses ließ

fie auffchmim — Gottlob ba kam ber Retter! Willis schne laut vor Freude und wollte ihm entaeaemiT«

* Unb E einem »e£t owch fie ohnmächttg zu lammen.

Er verbeugte stch höflich und entfernte sich, um fein Pferd zu holen, bas im Dorfe geblieben war.

.Natürlich», bachte Rottraut, .er bebauet! schon, mir ein Wort ber Anerkennung gezollt zu haben Nun gut, mein Herr Graf, ha Sie e« wollen, führen wir ben Krieg weiter. Sie verstehen e3 vortrefflich, die weichen Regungen zurückzu dämmen — so sei denn Fehde -w.kchcn uns, wie unsere Ahnen fie geführt! Wir wollen sehen, wer zuerst die Waffen streckt!»

Und erhobenen Hauptes ging fie über ben Platz unb verschwand tm Portal ber Pfeilburg.

ru E°s Hartwig ritt in seltsamem Widerstreit ber Erfühle durch bie laue Sommernacht heim, er verstaub neb selbst nickt. Wie kam es boch, baß er vorhin zu Rottraut gesprochen, wie man mir zu bem Weibe 'Zrrcht, bas man verehrt und zu dem man sich mächttg hmgqogen fühlt- Und jetzt wieder der kurze, fast fembliche Abschied.

Ns er den roten Turm Betreten hatte, war ba» Licht Snti* auf ba» Bilb be» Freiherrn Wendt von Zfetleck gefallen; e» glich auffallend bem verstorbenen Grafe» Hermann August, unb plötzlich erinnerte sich ber ü»hn der Worte be» Vater». Als sie ein Jahr vor seinem Tobe ba» alte Gemäuer betraten, well e» etwas im Archiv nachzi sehen gab, hatte dieser gesagt: „Hüte Dich vor bet Pfeilbutg — fie bringt Unheil.»

„Wie meinst Du das, liebet Batet?» fragte Hart­wig damals. „Später sollst Du e» wissen», versetzte Hermann August. Unb als er km Sterben lag, ba teilte et bem Sohn mit, welche Rolle Günther Erich in seinem Leben und bem Hedwig» gespielt hatte. —

In der Pfeilbutg ging es jetzt luftig her: bie Gäste aus tenglanb waren eingetroffen unb Rottraut suchte fie zu amüsieren Man unternahm gememschast. lich mtt ben Nachbarn Ausflüge unb Bootpartien, Tanz unb Spiel wechselten ab — unb dennoch meinte Willi» oft, eS fehle etwas. Sie war bleicher al» sonst unb noch etwa» angegriffen. Der Arzt verordnete «»en Secaufriuhalt, unb so beschloß bie zärtlich be* otgte Schwester, bie Aufforderung des jungen Lord» von Abcrsione anzunehmen, wobei Laby Teepmiw» unb Edith sie unb Willi» begleiten sollten. ' - ■ ./