Einzelbild herunterladen
 

ftildaer

M 69.

Samstag, den 26. März 19(0.

37. Jahrgang.

man könnte die Hoffnung hegen, daß eS wieder bes­sern würde. Borderhaud ist hierzu aber leider wenig Hoffnung, denn die katholische Bevölkerung nimmt von dem Duezskandal mit derselben GleichMtigkeit Kennt­nis, wie wir dies schon bei früheren Anlässen beklagt haben-

Die österreichisch-! usfischc Versöh­nung wird feierlich eingeläutet. Mit tatkräftigem Beistand deS deutschen Bundesgenossen hatte Oester­reich-Ungarn im Winter 1909 seine bosnisch-herzego­winische Annexionspolitik durchgesetzt. Rußland hatte sich grollend damit adsinden müssen, daß die Balkan- volitik Iswolskis kläglich Schiffbruch litt und Ruß­lands angestammtes oder zumteil auch nur angemaß- teS Vorrecht in den Valkanländern als Schirncherr und Schutzmackt der kleineren Balkanstaaten einen argen Stoß erlitt. Iswolski mußte, obwohl er sonst vor Entfesselung eines Krieges sicher nicht zurückgeschreckt wäre — Beweis: die den Serben bestinnnt verspro­chene russische Hstfe im Falle eines Waffenganges mit Oesterreich Ungarn — den schon geschliffenen und ge­zogenen Degen wieder einstecken, teils wegen der finan­ziellen Schwäche Rußlands und dec noch immer be­stehenden innerpolitijchen Schwierigkeiten, zum größ­ten Teil aber wegen der unerschütterlichen Bundes­treue, mit der das Deutsche Reich sich an die Seite Oesterreich-Ungams stellte. — DieÄnnexionskrifis toat vorüber, aber die Diplomatenkrisis löste sie ab. Der offizielle Verkehr zwischen Rußland und seinem Nach- bam nahm ungewöhnliche und unleidliche Formen an, die die Fortdauer der Spannung in bedenMcher Weise zeigten. Der russische Hof schnitt den österreichi­schen in mehr als auffallender, in geradezu ostentativ beleidigender Weise. Ein Großfürst, dec den Kaiser Franz Joseph zu seinem 60jährigen Regierungssu- biläum hätte begrüßen sollen, entschuldigte sich und kam nicht nach Wien. Noch auffallender war die Tat­sache, daß der Kaiser von Rußland im letzten Sonimer auf bei Reise nach Italien die Fahrt über österreichi­schen Boden vermied und einen weiten Umweg über Deutschland und Frankreich machte — Aus einmal rauchten Ende Januar d. I. die ersten Nachrichten über die Anbahnung einer österreichisch-russischen Verständigung auf. Sie waren überraschend, aber richtig, und erfreulicherweise sind die Verhand­lungen der bislang streitenden und grollenden Kabi­nette von Wien und Petersburg in ziemlich kurzer Zeit zu einem gedeihlichen Abschluß gelangt- Die Bezieh­ungen sind wieder normal.

Auf dem Balkan schwimnit zur Veränderung einmal alles in hellster Freude. Ein wahrer Friedens­taumel ist über die sonst so unruhige Welt südlich der österreichischen 'Grenze gekommen. Bulgarien und die Türkei, noch vor ivenigen Wochen spinnefeind und zum Kriege bereit, feiern Verbrüderung, zu der der „Zar" von Bulgarien, unser Exlandsmann Ferdinand von Koburg, eigens nach Konstantinopel gefahren ist. Gleichzeitig ist der König von Serbien zum Besuche des russischen Zaren nach Petersburg gereist. Für die Beurteilung der kommenden Dinge aus dem Balkan sind diese Vorgänge jedenfalls von größter Wichtig­keit.

Im fernen Osten, in I n d i en, rüstet sich eine in­telligente. kraftstrotzende, ihrer Abstammung und Ent­wickelung nach nicht unsvmpathische Bevölkerung eines von den; großen Kaufmannsvolke bis aufs äußerste Ausgebeuteten Landes zu einem riesengroßen Befrei­ungskampf gegen das „Mutterland' England. Es ist wenig davon die Rede, aber ernste Beobachter schä­tzen die Situation als überaus gefährlich ein. Es sind keine Ereignisse, die ins Auge fallen, wohl aber zeigen kleine, an sich unwichtige Geschehnisse in großer Zahl, daß hier ein Riesenkanlpf im Anzuge ist, >oie ihn Eng­land seinerzeit in den amerikanischen Freiheitskämpfen sah, wie er eines Tages allen großen Kolonialmächten vevocstehen wird

wochen-Run-schau.

[:] Fulda, 25. März 1910.

5-n= Osterfest fallt in diesem Jahre wicklich in eine stelle Zeit. Die Aufregungen der letzten Wochen, die Kämpfe und Entscheidungen in den Parlamenten, haben einer gewissen Reaktion Platz gemachst, die sich setzt in Gestalt fast allgemeinster Gleichgültigkeit ge­genüber den innerpolitischen Dingen äußert. Der Reichskanzler weilt in Rom und mit chm feiert die deutsche Presse Verbrüdecungsseste mit Italien. Die Kampfe gegen die preußische Wahlrechts- Vorlage gehen zwar weiter, da ja das Agitations­interesse der Genossen die Fortsetzung dieser Komödie Verlangt; aber der erste große Anprall ist vorüber, und die Partei sinnt bereits auf stärkere, bessere Wirkung versprechende Maßnahknen Die Blutigroten um Rosa Luxemburg erörtern den politischen Massenstreik für Penißen, weil sie sich einbilden, damit ein besseres Wahlrecht erzwingen zu können. Nun soll die theo­retische Möglichkeit einer derartigen Bezwingung des Staates in einem überwiegend industriellen Staats­gebilde keineswegs geleugnet werdeir; wer es tut, ver­gißt die Macht der Arbeit, die auch negativ ungeheuer ist. Aber bei uns in Deutschland haben die Genossen einstweilen anderes zu tun, als den Volttischen Massen­streik vorzubereiten. Die gesanrten Gewerkschaften des Bauhandwerkes flehen nämlich vor einer Ent­scheidung von großer Tragweite, die unter Umstän­den nicht einen Massenstreik der Bauhandwecker, wohl aber deren Gesamtaussperrung bringen tonn- Den zu verhüten, tfi den Gewerkschaften wichtiger als einen Massenstreik ins Werk zu setzen. In diesem Augen­blicke, wo die überradikalen Gemüter in der Sozial­demokratie sich berufen halten, einen Massenstreik in die Wege zu leiten, stehen also Die Führer bet revisioni­stisch gesinnten Gewerkschaften am Steuerruder, ängst­lich bemüht, ihr Schiff durch diese Gefahren hindurch »u lavieren Ein politischer Massenstreik wird also die Osterruhe sicher ebenso wenig stören wie die Ent­rüstung dec Natwnalliberalen.

In Ungarn hat ein Teil der Abgeordneten in kken letzten Tagen während einer Sitzung des Abge- Mdnetenhonfes die gute Erziehung ganz und gar ver­gessen und sich in einer Weise aufgeführt, die für die Betreffenden tief beschämend ist. Es muß ein regel­rechtes Bombardement auf den Ministertisch gewesen sein und der Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervary sowi^Ackerbaumimster Serenyi haben als Verwundete das Schlachtfeld verlassen. Nachher haben die Betref- fenbat, die sämtlich der Justhpariei angehören, zwar »Pater peceavi" gesagt, aber das ändert nichts an der Tatsache, daß das ganze Land mit wenigen Aus- inahueen ein derartiges Benehmen aufs Schärfste ver­urteilt und daß derartige Szenen nicht dazu angetan sind, biS Ansehen dieses Parlaments zu heben. In­zwischen ist das ungarische Abgeordnetenhaus aufge- -löst und die Mitglieder desselben sind nach Hanse ge­schickt worden.

q Jü Frankreich ist man mit dem Duezskandal • noch immer vollauf beschäftigt. Dieser Fall ist eine kür nie herrschende Regierungssippe, darin m sich die rechkdenkende Presse sowohl des Inlandes als auch des Auslandes einig Anhänger und Günst- Imge der Freimaucersippe, die dort leider das Hell in Händen halt, berauben Kirchen und Klöster um Selbe Maitceffen zu unterhalten. Das sind dettublicheZricheu der Zeit, und sie werfen ein grel- leS Schlaglicht ans die französische Regierung. Wenn denirtlge Skmidale dazu beitragen würden, dem katho­lischen Volke Frankreichs die Augen zu öffnen und es «aus seiner verderblichen Gleichgültigkeit auszurütteln, wenn es die Konsequenzen aus dieser liederlichen Wirt­schaft ziehen und bei den nächsten Wahlen mit dem Stimmzettel in der Hand die ganze Freimaurersippe »um Tempel hinauswerfen würde, dann waren die von der Kirche gebrachten Opfer nicht ganz, umsonst und

Zeitung«

2. Blatt.

vnlck und Verlag der znldaer Actiendnttkerei in Sulba.

* Das Schimpfen als politisches Handwerkszeug.

Welch eine Sturmflut von Schimpfworten ist seit dem letzten Hochsommer aus die Väter der Reichs­finanzreform niebergegangen! Man dachte schon, es sei ein dauerhafter Rekord in diesem Sport geschaffen. Aber heute wird wegen der Wahl­rechtsfrage noch viel mehr und noch viel kräfti­ger Unflat erzeugt und verspritzt- Die Sozialdemo­kratie ba tsich im Schnupfen wieder einmal selbst über­troffen.

Der Schimpffeldzug vom vorigen Sommer ist nicht ganz erfolglos geblieben; aber die Sozialdemokratie hat ihre Bente nicht den Gegnern (Konservativen und Zentrum) abgejagt, sondern vielmehr aus der Jagdtasche ihrer liberalen Hetzgenossen nehmen müssen. Die letzte Nachwahl in Mühlheim-Wipper­fürth hat auch die Verblendetsten erkennen lassen, daß dem Zentrum durch die saftigen Schmähungen der Finanzreform nicht beizukommen ist.

Abwechflnng muß sein. Erst wurde über „Volks- tierrat* an dem armen Steuerzahler gezetert, jetzt über „Volksverrat* an dem armen Wähler. Von „Volksver- rot redet die Sozialdemokratie immer, wenn eine Par­tei etwas Positives durchsetzt oder annimmt. Mag auch das Erreichte noch so wertvoll sein, — die So­zialdemokratie sagt, es fehle noch etwas daran, und das Fehlende hätte man auch noch erreichen kön­nen, wenn man nur nicht gar so feige und höllisch nie­derträchtig gewesen wäre.

Es ist ja richtig, daß aller Fortschritt nur Ian g- s a m und mühselig Schrittchen vor Schcittchen sich erreichen läßt; es fehlt immer noch etwas an bet Vollkommenheit, und wenn jemand einen Eiffelturm baut, so kann man ihm vorhalten, daß er noch längst nicht an den Mond herangekommen fei- Die Un­wahrheit und Ungerechtigkeit liegt aber in der Behaup­tung, daß sich noch mehr habe erreicher,lassen. Der verständige Mann sieht die Grenzen der Kraft und sagt: Besser etwas als gar nichts! Die unverständige Masse aber hält den für den größten Wohltäter, der den Mund am weitesten auf- reißt gegen die Arbeitspolitiker. „Rieder mit den Leuten, die uns in mühsamer Arbeit Brot verschaffen! ES leben die Worthelden, die uns Kuchen verspre­chen !"

Die Sozialdemokratie weiß ganz genau, daß die Arbeitermasseir int Saufe der Zeit über die in der Re­form ecrerchten Verbesserungen, die in erster Linie dem Zentrum zu verdanken sind, ganz anders denken wer­den — als augenblicklich unter dem Einfluß bet so­zialdemokratischen Tatsachenverdrehung — und daß diese die Verbesserungen, die die Refocnt bringt, nach Kräften ausnutzen werden. Bei der nächsten Wahl werden sie schon sehen, daß sie mit dem neuen Wahl­recht besser fahren als mit dem alten. Jetzt, so lange mit der Hetze noch Geschäfte zu machen sind, muß diese Einsicht um jeden Preis verhütet werden, und deshalb muß das Zentrum schlecht gemacht wer­den, koste es was es wolle! So lieft man denn an den Köpfen der sozialdemokratischen Blätter in der Klischeesprache: „Das Zentrum hat abge- lehnt. . ." „Tas Zentrum stimmte gegen . " „Das Zentrum verwarf" uftu. usw., um ja die Wahrheit nicht bekannt werden zu lassen.

Weshalb aber das Zentrum seine eigenen Wün­sche zum Teil zuciickstellen mußte, um andere Fort­schritte wieder zu erzielen, w o j n r das Zentrum ge­stimmt hat, und w a s es an Erfolgen wirklich erreicht hat, das wird in dieser Presse „ehrlich" unter­schlagen. Die sozialdemokratische Presse treibt hier ein geradezu ekelhaftes Falschspiel. Sie weiß genau so wie wir, daß das Neichstagswahlrecht für den Preußischen Landtag unter keinen Hal­ft ä nb e n zu erlangen war. Sie weiß genau, daß ohne die Stimmen der konservativen Partei eine we­

sentliche Reform der so verbesserungsbedürftigen Wahlrecht« nicht zustande kommen konnte; sie lueiM ganz genau, daß ohne diese Zustimmung auch ba] preußische Herrenhaus und die preußische Regierung nicht „mittuen*, mag sonst auch eine MehrheF für irgend eine Frage im Landtag vorhanden sel«Z ihr ist gang genau bekannt, daß wesentlich) Verbesserungen in der Wahlreform erzielh worden sind, darunter eine von grunblegenber Bedeip tung, nämlich die geheime Abstimmung. DqZ alles weiß die sozialbemokralifche Presse ganz genary genau so wie wir, und doch leistet sie in der Verheinp lichung, Verdrehung und Entstellung der Tatfaches bas Menschenmögliche, schwinbelt, baß sich bte Balk«A biegen, damit nur ja die Wahrheit nicht zum Turckp bruch kommt und daS Falschsptel ihrer Partei durch, schaut wird.

Die sozialdemokratische Presse wendet ein, da) geheime Wahlrecht ohne die direkte Wahl sei wertloy Nun hat aber die geheime Wahl auch an sich ihzz volle große Bedeutung. Schrieb doch zu Ansanß dieses Jahres „Genosse* Eduard Bernstein in bar sozialbemokratischen „Fränk. Tagespost* (Nr. 7):

Es gab eine Zeit, wo man in Parteikreisen gfl»1 neigt war, die Beseitigung der öffentliche» Stimmabgabe für wichtiger zn halten, alS selbst die Brfeitignng der Klaffeneintetlung der Wähler . ..

Und der „Genosse* Franz Mebrlng, keiner bar letzten in ber Partei, schrieb in ber offiziellen Wocheiz» schüft ber Partei, ber „Neuen Zeit* (Nr. 23):

Die Beseitigung ber indirekten Wahß batte zwar nicht viel auf sich, aber eine geringe Verbesserung war sie immerhin.

Auch Mehring steht auf dem Standpunkte, ba| der industriellen Scharfmacherpresse

an der indirekten Wahl ganz und gar nichts, aber umsomehr an der skrupellosen Aufrechterhaltung der öffentlichen Wahl gelegen ist.

Mag die sozialdemokratische Presse gegen dast Zentrum Hetzen, mag sie toben in einer Weise, die schon mehr pathologisches Interesse erweckt, btt Wahrheit wirb sich burchsetzen, unb bi» Zentrum wirb auch in Zukunft badet gut fahren. Auf den „Abfall* der chüstlichen Arbeiter wird sie heute so gut falsch spekuliert haben, wie da­mals bei der Reichsfincmzreform. ______

Deutsches Reich.

----- Die Koalitionsfreiheit nehmen die Sozias»! demokraten mit Recht für sich im wirtschaftlichen Kampf in Anspruch. Mit brutaler Rüäfichts» losigkeit treten sie aber die Koalitionsfreiheit ihrer Gegner mit Füßen. Anfang März haben die sozialdemokratisch organisierten Friseurgehilsen von Nürnberg und Fürth (der Verband bet Friseurgehilsen Deutschlands, Zweigverein Nürn­berg-Fürth) ihren Prinzipalen einen Tarifvertrags« entwurf vorgelegt, in welchem sich in § 6 sol« gende Forderung der für Fr >heit begeisterten sozialdemokratischen Gehilsei eelei findet:

„Der Verband ber Friseu geht fen Deutschlands wird als Organisation der Geht!, n aberkannt. Unter» zeichneter (der Arbeitgeber) verpflic tet ich zur Beschäf» ligung von Verbandsmitgliedern, uwe t dies mögliss) ist. Unorganisierte Gehilfen werden unter der Be» dingung eingestellt, daß sie sich der Organisation an» schließen."

Die Forderung bedeutet die Aufhebung der Koalitionsfreiheit für alle nicht sozial­demokratisch gesinnten Arbeiter.

)( Der Hansabund hat alle möglichen Interessen» ten an der sozialen Versicherung zu einer Besprechung über die Reichsversicherungsordnung zum 15. Aprij nach Berlin einberufen. — Der Bund der Indu, ftridl en hat ähnliche Absichten. Er Beruft zum

Unpolitische ZeitiSufe.

(N.) Berlin, 24. März 1910.

(Nachdruck verboten.)

Osterglocken! Zu Weihnachten und zu Pfing- ten werden die Glocken auch geläutet; aber gerade bei )er Ofterfeier hat der Glockengang für uns einen ganz lesonderen Wert. Als Kennzeichen des Weihnachts- estes gilt uns ber Stern über bet Krippe; da tritt .ms Auge in ben Vordergrund. Beim Pfingstfest itenken wir an feurige Strahlen, die vom Him­mel gekommen find, um die Welt zu durchglühen; man könnte sagen, die Pftngsffreude werde durch den G e - s u h l Z s i n n vermittelt. Die Ostersreude aber lassen toit gern durch das Ohr eingehen, die klingenden t ” ruf(n uns nach dreitägiger Verstummung die beseligende Osterbotschaft zu: Auferstanden, auf- egiunbtn!

t ^r touibtige Glockenklang ist einförmig und doch stnd nur wenige Töne, die sich fort unb fort wiederholen. Als ob die Osterglocken Knnten Wort immer von neuem hetausrufen

niVnVin£e ®Drt -Auferstandeu*! Aber vf genUßtmU,^ twllssjff cn dem einen Wort liegt oK1«?0? ~ro[f.I,nb Hoffnung. Die Bot- schaft der Auferstehung, die ba zufamrnengepreßt ist in einen kurzen Roten, Hellen Jubelruf, bedeutet die Seicht D°n nHera UtM ,mb b« B-nffung zu ewiger

bi- lakonische Sprache der Oster- bfnOb<n aUf b-ln Turm spiel sich nur ein Mc einfacher Vorgang ab. Die Klöppel schlagen nach einander an das geschweifte Erz der einen und bet «nbeten Glocke. Der eine Ton klingt etwas höbet »te ber andere. Die kräftigen Schallwellen bringen' wett hinaus über bie Straßen und Fluren, in die Häu­ser der Menschen und ihre lauschenden Ohren. Bum und Bam, Klang und Kling! Phpsikalisch betrachtet: mir etwas tönendes Etz. Aber für ben denkenden Seift eine gewaltige Offenbarung, für das fühlende K-rz beseligende Musik. Als ob aus dem Frühlings- ^ymimel Enaelstimmen herniedertönten, die der Welt . **■ •t°v< Kunde von ihrer vollzogenen Erlösung bräch- ien Als ob auf bet Kanzel dem Volke eine Osterpre- oigt gehalten würde in einer vereinfachten Weltsprache.

alle Rationen gleich gut verstehen.

Sine Osteipredigt in drei Tellen: die GlaubeuS- doiichast von der V e t g a n g e n h e i t, die Mahnung k u n^f t ° S - n w a t t, die Verheißung für die Z u - ; „Au ferst an den* klingt es vom Turm. Er

ist nufcrftanbui, der durch feinen Tod uns erlösen wollte. Ter Tod und das Vecdecben hatten gesiegt, wem» sie ihn im Grabe sestzuhalten vermocht hätten. Aber als er im Strahle ber ausgehenden Ostetsonne aus der Gruft hecvorgtng, war der Frühling für die neue Welt angebrochen. Der Himmel hatte über die Hölle triumphiert, das Licht über die Finsternis, die Tugend über bie Bosheit, bas Heil über bie Rot. Äo> bet absteigenden Lime war bas Weltschicksal wie­her auf die au fite; gende Linie gebracht. Die Mensch­heit konnte von da ab stch wieder vorwärts, auswärts rmgen. Neues Leben konnte ringsum av flennen, denn bie Sonne wat wieher aufgegangen nach bet langen Polarnacht von vier Jahrtausenden. Die Sonne des Heiles, tut am ersten Offertege aitfgeqanqen ist, strahl» auch uns heute noch. Die Erneuerung der Welt sollte nicht mit einem Schlage vollendet sein, sondern ihre allmähliche Entwickelung sollte begründet werden da­durch, baß ben Menschen bie Möglichkeit wieder ge­geben wurde, sich zu erneuern und ihrerseits Auf- effiehung zu feiern.

Darum lassen die Osterglocken an zweiter Stelle d-m Mahnruf ertönen: Stehe auf! Du und ich, wir sollen nnS erheben ans Rocht und Tod, aus Schwäche und Verzweiftung, aus Unglück und Schuld. Stehe auf, denn die Kraft dazu ist dein redlichen Wil­len gegeben I Wenn Kummer, Reue, Schmerzen, Sor­gen dein Haupt Niederdrücken wollen, spanne die Rackenmuskeln und halte den Kopf wieder doch in frischet Osterzuverficht: es soll imb wird noch alles wieder gut werden! Und wenn Verzagtheit dick in Leichentücher geschnürt hat, fpreuqe mit kräftigem Ruck die lahmenden Fesseln, rege die Glieder in neuer Tat- k-ast und freue dich, daß dir noch etwas Lebenskraft zum Streben und Schaffen, zum Sühnen und Bestem gegeben ist. Stehe auf, stehe immer wieder auf raffe d'M zum tausendsten Male empor, wenn du auch'nmn- hunderineuiiundneimzigmal nieder geworfen worden “m- irdischen Jammertal sind nun einmal Un-

®"b ^^b zu Hause; es geht nicht ohne Schick­sawschlage und Fehler ab. sogar ber Gerecktefällt siebenmal an einem Tage, imb auch bet beneibpfft. Sterbliche hat seine büfteren Shmben in beneu er hJr jagen machte. Die Pilgerfahrt des menschlichen Le­bens besteht aus Fallen und Ausstehen. Ruc n^t liegen bleiben i Immer wieher sich aufrichten unb mri- t" streb-nl Die Osterbotschaft gibt uns die LZr daß auch in ber schlimmsten Not, wenn alles verloren' scheint, bie Hilfe unb Erlösung hem Gutwilligen ge- ichert ist. . °

Gin Ringen und Kämpfen bleibt das irdische Le­ben; ein vollkommenes Glück und einen gesicherten

Frieden erlangen wir erst, wenn wir selbst über den Kalvarienberg und durch die Grabespforle gegangen sind, nach unserer eigenen Auferstehung.

Die Ankündigung dec persönlichen Ostecu ist dec tröstliche Beiklang im Festgeläute. Die Aufer­stehung verheißen sie dir unb mir unb allen unseren Lieben. Austrstehung unb Wiedersehen in dem besse­ren Jenseits, (amt es eine herrlichere Botschaft geben! L-lles, was uns auf Erben bedrückt und quält, ist nur wie eine vorübeteilende Wolke, bie für ben Augenblick bie Sonne verdunkeln, aber nicht Fte auSlöscheu kann. Auch Jahre unb Jahrzehnte sinh nur ein flüchtiger Augenblick im Vergleich zu ber Ewigkeit, bie uns er­wartet. Wer haS (ich klar macht, wird niemals die Geduld unb bie Festung verlieren. Ende gut, alles gut! Unser Gnbe wirb gut sein, wenn wir nur fest- balteu an hem Zeichen des Heils, bas zu Ottern triumphiert hat. „Folge mit nach'* Wer im Leiben getreulich nachsolat, wirb auch in bet glorreichen Auf­erstehung Nachfolgen.

Ein Osterspaziergang ist hoch ganz etwas anberes, als ein Wahlrechtsspaziergmig nach ber neuesten Mode. Dort der Friede, hier der Kampf; dort ber reichste Trost, hier bie bohrende Verbitterung; hort die be­seligende Hoffnung, hier bie aussichtslose Zrerbisfen- ijeit

Die Natur ist schön, wenn nur ber Mensch nicht seine Häßlichkeiten unb Qualen hineinträgt Der Christ, her am Dftertage ducck bie Fluren wandelt, wird das hellste Auge haben für die Lieblichkeit des jungen Lenzes. Er hat bte Hoffnung im Herzen unb genießt also in vollen Zügen alle Anzeichen be3 neuen Lebens und Treibens in ber Natur- Uno wenn er über den Friebhof butch bie Reihen ber Grabet geht so fühlt er auch dort ben Frühlingshauck aimteiaen' weil die Auferstehung verkündet ist. '

In den Zeidmgen wird angesichts des frühen Osteriermins von diesem Jahr wieder viel aeübrieben über bie Festlegung bes Osterfestes. Nun freilich bte großen Schwankungen bes Osteriermins werben in unserer Zeit, bie immer schärfer mit ber Uhr in ber Hanb bie Lebensabschnitte regeln will, bVt unb ba unbequem empfunden. Wenn die Staaten unter stch und mit der Kirche einig wären, so ließe sich die Sache leickt regeln; doch bisher ist kein Forifchritt zu be­merken. Das ist aber auch nicht schlimm. Es^macht wenig aus, ob das Ostersest eine ober einige Wochm früher oder spater gefeiert wird — wenn cs nur rich­tig gefeiert wird. Da steckt der wunde Punkt Ein großer Teil ber mobemen Menschheit will überhaupt

bas christliche Auferstehungsfest nicht mehr feiern, fon» betn Ostern nur als Frühlingsfest gelten lassen. Dtz bleibt attetbingS von dem Ostersegen nichts übrig. Unb wie verzweifelt mager ist ber Ostertrost, wenn man nichts weiter vor seinen Augen hat, als bie all­jährliche Wieberkehr einer wärmeren Jahreszeit. E- isl schon viel tausenbmal wieder Frühling geworden in ber Welt, unb doch ist sie ein Jammertal geblieben. Die Unzufriedenheit tritt am schärfsten hervor gerade bei den Leuten, bie vom Frühlings fest reben und singen- Das ist auch ganz natürlich, ba ihnen gerabe bas fehlt, was ben Christen in heu unvermeibltchen Bitternissen des Lebens hoch hält: die Hoffnung auf ein besseres Leben nach ber Auferstehung.

Mag es noch so ost Frühling unb Sommer wer­den — des Lebens ungemischte Freude wird unO Sterblichen auf Erden nicht zuteil. Die unvermeid­lichen Bitternisse des Lebens kann man in vier gtoßg Gruppen teilen, wovon die eine Häiite zunächst den Leib, die andere Halste die Seele trifft.

Die körperlichen Heimsuchungen sind elnecjeittz Not um die Lebensbedürfnisse, andererseits Krankst beit. Die Propheten des „Zukunstsftaates* behoup> ten, daß sie die Not aus der Welt schaffen und allexz Menschen ihren Bedarf sichern könnten; aber die Evi fahrung und die bedächtige Vernunft sprechen gegq.) diese Möglichkeit. Ganz handgreiflich und zweifellos ist aber die Unmöglichkeit, die Krankheit mit ihren) ungeheuren Gefolge von Schmerzen, Jammer unj| Verzweiflung aus der Welt zu schaffm.

Zu den seelischen Leiden rechne ich einerseits M den Kummer und Verdruß, der durch enb täuschte Hoffnungen, fruchtlose Bemühungen, Za^I und Streit usw. heworgerufen wird, und andererseits die Gewissensbisse wegen eigener Verschiss, düng. Kann menschliche Kunst einen Zukunftsstaqtz schaffen, in dem alles gelingt, in dem alles sich ve» trägt, in dem es keine Sünde und kein quälenbe® Schuldhemußtsein mehr gibt?

Sein, bie Menschheit bleibt im Unglück stecken, 1/ lange sie auf eigene Faust in biefem Jammertale fortz wurstelt. Wahren Trost unb wirksame Hilfe brintz nur bte Osterbotschaft. Wer an bie Auferstehung glauv unb auf das ewige Leben hofft, ber erträgt bie imvetz weiblichen Plagen unb Lasten bes Diesseits in b® tröstlichen Gewißheit, baß sie ihren befriebtgenben Au­gleich im Jenseits finben. Er finbst sogar in b® schlimmsten Plage bes Schulbbewußtseins Trost, i» bem aufrichtigen Büßer bie Erlösung gewährt wirt

Cs gibt nur einen vollkommenen unb glückselig« „Zukunftsstaat*, unb an dessen Eingangspforte steß bas Osterwort: Auferstehung!