J» 69.
$amsta$, öe» 26. Mäkj 19(0.
57. Zahrgang.
* MMer W Zeitung r? -_______________________________________________________________
4. Blatt.
Druck und Verlag der Fuldaer Actirndruckerek in Fulda. j
Gericht verurteilte ihn zu 4 Monaten und 2 Wochen Gefängnis
♦ Mam^ 22. März 1910. Gestern abend unternahm der Aviatiker Verhetzen auf dem großen Sande einen wohlgelungmeu Flug. Er umkreiste mehrmals den großen Sand und hielt sich etwa acht Minuten in der Lust.
♦♦ Das BÄlowsche Zmangserrteig- nungsgesetz ««- das deutsch-österreichische Bündnis.
Die Hakaiisten fordern ungestüm die Ausführung des Bülowschen PolenenteignungsgesetzeS, gegen das bekanntlich im Herrenhause Graf Haseler und btt Schwager des Kaisers gestimmt habem Run hat brrz- lich über einen Einspruch des osterreichrsc^n Mmrsters Grafen e h r e n t h a l in Sachen des Enteingungs- gesetzes die „Zukunft" eine auch von uns wiedergcge- bene interessante Nachricht gebracht. Die ^Münchener Neuesten Nachr." können die Meldung bezüglich des Grasen Aehrenthal bestätigen, berichten aber im Gegensatz zu dem Hardenschen Organ, daß der deutsche Grafen Aehrenthal in Sachen des Enteignungs- gesctzes nicht zugesagt, sondern vielmehr den Wunsch des Grasen Aehrenthal a b g e l e h u t habe. Es lvird hinzugejögt, Bethmann Hollweg habe sich wiederholt schon jo stark auf den bisherigen Polenkurs fepgelegt, daß er auch dem Grafm Aehrenthal nichts anderes gesagt haben könne. Zu diesen Nachrichten wird nun der »Schief. Volksztg." geschrieben:
„Es mag schon sein, daß das Münchener Blatt recht hat, dann aber kann es leicht geschehen, das Graf Aehrenthal seiner Freundschaft mit Deutschland oder richtiger der preußischen hakatistischen Politik zum Opfer fällt. Und das wäre doch einfach ein Skandal! Was für ein Minister des Aeußeren dann in der Doppelmonarchie wiederkommen wird, weiß die ganze Welt. In Oesterreich-Ungarn sind die Parlamente mächtiger als bei uns. Wenn da die Delegationen den Minister des Aeußern stürzen, weil er zu deutschfreundlich ist, dann kommt kein „treuer Sekundant" wieder, sondern eine ganz andere Nummer, vielleicht ein Tf cheche. Und England steht immer »och bereit, um alle Leute, die an der Einkreisung Deutschlands mit teilnehmen »ollen, in fein Garn zu locken. Mag aber die Meldung )er „Münch. Reuest. Nachr." zutreffend sein ober nicht, jedenfalls steht fest, daß die preußische Polenpolitik, die neuerdings auch auf den heftigsten Widerstand der russischen Presse stößt, und die einen einstimmigen Protest des amerikanischen Repräsen« tanlenhauses herbeigeführt hat (der srestrch in Deutschland wie auf Kommando oder sogar auf Kommando totgeschwiegen wurde), endlich auch den Geduldeimer der österreichffchen Polen hat überlaufen lassen. Wird »as Gesetz aus geführt, so wollen sie alle Brücken, »uch die Bündnisbrücke, zu einem Staatswesen ab» brechen, das im 20. Jahrhundert zu solch unerhörten Maßnahmen fchreitet. DieHakatisten werden darauf antworten: „Unsere innere Polüik gehl Ausländer nichts an." So kann man sagen, aber schließlich rnü .eu wir Soch den Oesterreichern das Urteil darüber anheimgeben, ob sie das Bündnis mit uns weiter fortführen wollen oder nicht. Berpstichtet fmd sie nicht dazu. Graf Aehrenthal will die intimste Freundschast mit dem Deutschen Reiche ausrechterhalten, — gut denn, so morden die Galizier unseren Freund Aehrenthal. Wenn die Polen „den Eisenring der Slawischen Union schließen, überlebt er die nächste Delegation nicht," sagt Harden. Da sieht man, was für Opfer unsere wahnwitzige hakatistische Politik erfordert. Wann kehrt man um?"
In ähnlichem Sinne äußert sich der Berliner Mitarbeiter der „Köln. Volksztg." zu der Möglichkeit der Lockerung des deutsch-österreichischen Bündnisses durch unsere Polenpolitik:
Die alldeutschen Großsprecher werden gleich antworten, wir könnten auch ohne Oesterreich fertig »erden. Wir verbünden uns dann „einfach" mit Italien ober mit Rußland, vielleicht auch mit England usw. Wie wenn die anderen Staaten Schachfiguren »ären, die wir nach Belieben hin- und hersehen könnten! Sv stehen die Dinge aber doch nicht. Es gibt Staaten, denen an einem Bündnis mit uns nichts liegt, sondern nur an einem Bündnis gegen uns. Es ist deshalb geradezu albern, wenn so oft von einem Bündnis mit Rußland gesprochen wird in einem Tone, als ob wir dieses alle Tage haben könnten. Ein deutsch-russisches Bündnis ist erst denkbar, wenn das französisch-russische sich aufgelöst hat, nicht eher. Vorläufig scheint das aber noch gute Weile zu haben. Mit England können wir freilich ein Bündnis schließen, aber erst dann, wenn wir zur See abrüsten. Begehen wir Selbstmord, so werden uns alle unsere Konkurrenten in Ruhe taffen. Bei einem Bündnis mit Oe st er- reich-Ungarn stehen wir uns am besten, weil der Habs- burgifche Kaiserstaat vielleicht der einzige ist, der nichts von uns verlangt.... In Oesterreich kann man mit den Polen nicht so umgehen, wie dies in Preußen der Brauch ist, und ebenso bars man auch die Tschechen nicht brüskieren, denn auf die Dauer kann man ohne sie ebensowenig auskommen. Bisher Haden aber die galizischen Polen sich noch immer entgegenkommender gezeigt, als die Tschechen, und sie haben auch das Bündnis mit Deutschland und Den Dreibund hochgehalten, wovon die Tschechen schon längst nichts mehr wissen wollen. Sie Haden statt der Allianz mit Deutschland immer eine solche mit Rußland verfochten. Dieser Ansturm gegen den Dreibund ist an den galizischen Polen gescheitert. Die Polen teilen aus guten Gründen nicht die Schwärmerei der Übrigen slawischen Bolksstämme für Rußland. Sie treten daher in Delegationen immer so energisch für das Bündnis mit Deutschland ein, baß auch die Tschechen und Slowenen kaum Widerstand zu leisten wagten, jedenfalls aber keinen Erfolg bamit hatten. Summa Summarum: Wir lönnten durch Ausgabe der hakatistischen Polttik in internatio- naler Beziehung nur gewinnen, denn sie gereicht uns lebltglic* zum Schaden, während irgend ein Vorteil in len a Weise erkennbar ist. Selbst der preußische Kulturkampf und das deutsche Sozialistengesetz haben in der ganzen Welt nicht eine so einhellige Beurteilung erfahren, als die Politik zur Unterdrückung des Polen- tums. Man sollte sich also endlich entschließen, davon abzulaffen, und die Gründe dafür müssen durch die Wahrnehmung verstärtt werden, daß diese Polttik zwar ein ^eibenaelb" kostet, aber selbst noch Ansicht ihrer Freunde erfolglos ist und ein völliges Fiasko gemacht hat.
Wir dürfe» wohl annehmen, daß das Zwangs- enteiguungsgesetz vorläufig nicht angew endet werden wird, mag nun Aehrenthal in Bulin sich als Opfer seiner Anwendung hingestellt haben oder nicht, und mag Bethmann die Zusage seiner Nichtanwendung gemacht oder abgelehnt haben Aber erhebend tft die Lage nicht, in die uns unser Hakatisinus gebracht hat, und in der er uns festhält. Ueber die Drangsalierung unserer deutschen Brüder in den russischen Ostsecpriwin^n und in Ungarn klagen die stimwfüh- renden Organe des Hakatisnms, daß cs einen Stein erbarmen muß, von Böhmen ganz zu schweigen, und dabei stellen sie den edlen Ruffen, Madjaren und Tschechen durch ihre ostmärkische Maßnahmen gegen das Deutschtum einen Freibrief aus! Dem eben verstorbenen Dr. L u e ge r ist es gelungen, durch Schaffung der Christlich-sozialen Partei dem Deutschtum in Oesterreich einen festen Halt zu geben. Jetzt ist der Hokaiismus auf dem besten Wege, den P o l e n k l u b el österreichischen Parlamente in dst> Slavische Union
Reklamen- und Anzeigenteil.
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Oesterreich England
1073
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die gelesen sie Tages- in der Stadt Fulda und umliegenden Kreisen.
Holland 108
Belgien 104
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und ist
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benutzen. Sie erscheint täglich in einer Auflage von rnehr als
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schafftem Zuchtmaterial betrieben. Auch die Verarbeitung und der Verkauf der Produkte durch genossenschaftliche Molkereien rc. bricht sich von Jahr zu Jahr mehr Bahn. So organisiert und mit den nötigen äußeren Bedingungen auSgeftat- tet, kann der bäuerliche Selbstwirtschafter den ganzen spezifischen Vorteil seiner Betriebssorm: die sorgfältige persönliche Arbeitsleistung, voll zur Geltung bringen. Mit Hirn und Herz am Erfolg seiner Arbeit interessiert, fortgesetzt angeregt durch die mannigfachen Bildung s mittel und Veranstaltungen der Genossenschaften und landwirtschaftl. Vereine bewährt er sich als ein vortrefflicher Pionier intensivster Bodennutzung.
Diese für unsere Landwirte äußerst anerken- nenden Worte wird man sich merken müssen, wenn die sozialdemokratische Presse abfällig über unsere Landwirtschaft urteilen zu müssen glaubt. Bei einer Gelegenheit steht allerdings selbst der Bauer bei ihr in hoher Geltung, und das sind die Zeiten der Wahl. Da wird er sogar als „Bruder" Landwirt angeredet. Die Bauern haben aber für die „roten" Liebenswürdigkeiten bisher kein Verständnis gehabt, und das soll auch in Zukunft so bleiben!
Desgleichen machen, wie aus dem letzten Berichfdes internationalen Sekretärs der gewerkschaftlichen Landeszentralen über die Gewerkschaftsbewegung hervorgeht, die dazu gehörigen deutschen Gewerkschaften die größten Aufwendungen für Streiks. Während die sozialdemokratischen Gewerkschaften Deutschlands 1907 15L Millionen oder 31 v. H. ihrer Gesamtsahresausgabe für Streiks ausgaben, wurden in Großbritannien zum gleichen Zwecke nur 2,7 Millionen oder 6,5 v. H. dafür verwendet. Dagegen fielen in England 66 v. ©., in Deutschland 29 v. H. der Gesamtsahresausgabe auf die Unterstützungen. Daß die Streikbewegung in Deutschland solchen Umfang hat und die sozialdemokratischen Gewerkschaften hier so gewaltige Summen für Streiks ausgeben können, steht zweifellos in ursächlichem Zusammenhang damtt, daß der Staat den Arbeitern jn großem Umfange die Sorge für Alter, Invalidität und Krankheit abgenonmen hat. Denn in England haben die Gewerkschaften diese Lasten
hinktnzutrelben und dadurch die Kette zur Erdrosselung des Deutschtums im Verbündeten Nachbarlande zu schließen und das deutsch-österreichische Bündnis, die Säule und Grundseste unserer europäischen und Weltgeltung, zu lockern.
Und Leute, die eine Polittk vertreten, die das Deutschtum in der Ostmark selbst in letzter Linie direkt schädigt, die unsere Weltgeltung bedroht, nehmen für sich die nationale Gesinnung in Erbpacht und verschreien die Zentrumspartei, weil sie den Hakatisinus nicht mitmacht, als antinational! Wenn wir es täten, touren wir Frevler am deutschen Volke und Reiche, wie die Narren und wohlbesoldeten Schreier des HakatiSnius es tatsächlich find.
Handel und Industrie.
* Berlin, 24. März 1910. Die geringe Unternehmungslust wurde heute noch verschärft durch di« Zurückhaltung der Spekulation wegen der in Newyoick eingetretenen Abschwächung. Diskonto stellte sich aus die bevorstehende Trennung des Dividenden- seines, Deutsch-Luxemburger angeblich auf formierte Deckungen höher. Rheinstahl zog 1 Prozent, Staatsbahn auf Wiener Anregung l1/« Prozent an. Dagegen verloren Harpener und Siemens u. Halske aus Posttionslösungen 1 Prozent. Weiter fest lagen auch Reichsanleihen. Tägliches Geld 3 Prozent. Uttimogeld 53/« Prozent. Privatdiskont 3'/- Prozent.
* Wegen des Mißerfolges der persischen inneren Anleihe haben der persische Finanz- Minister und der Justizminister ihr Entlassungs- gesuch eingereicht.
* Die Streikbewegung in den Bereinigten Staaten ist stark in der Abnahme begriffen. In Philadelphia haben die Delegierten der pennsylvanischen Gewerkschaften den Generalstreik für den ganzen Staat Pennsylvanien endgültig verworfen. In Chicago ist zwischen den Direktoren der westlichen Bahnen und den Lokomotivführern und Heizern eine Einigung erzielt worden, die sich aus alle Streitpunkte mit Aus- nähme der Lohnfrage erstreckt. Diese Frage wird nach Uebereinkanst später durch einen Sonderausschuß geregelt werden.
haben deshalb
durchschlagenden Erfolg
* Bom „dummen" Bauer.
In der Sozialdemokratie steht sür gewöhnlich der Landwirt in keinem besonders hohen Ansehen. Gelegentlich und namentlich dann aber, wenn eS sich um eine rein wiffenschaftliche, von politischen Tendenzen losgelöste Aussprache handelt, dringt auch einmal ein gerechteres Urtei über den deutschen Bauernstand aus „Genossen"- Munde an die Oeffentlichkeit.
In einer internationalen Monatsschrift, den „Dokumenten des Fortschritts" (Nr. 10 1910) bespricht der sozialdemokratische Führer und Ab- geordnete Dr. Eduard David die landwirtschaftliche Betriebsentwickelung aus den Jahren 1882, 1895 und 1907, wobei er zu dem Resultat kommt, daß im Gegensatz zu der Voraussage des Erfurter sozialdemokratischen Programms von der naturnotwendigen Verdrängung des landwirtschaftlichen Klein- und Mittelbetriebs der letztere eine steigende Lebenskraft entwickelt. Diese Lebenskraft verdankt nach David dieser bäuerliche Betrieb seiner Leistungsfähigkeit in der intensiven Kultur, die namentlich auch im genoffenschastlichen Zusammenschluß ihren Ausdruck findet.
Diese Erscheinung veranlaßt dann Dr. David zu einem Loblied auf den Bauernstand: „Ein dichtes Netz von genoffenschastlichen Kredit- Organisationen und Bezugsquellen für erprobte Maschinen, bestes Saatgut, Kraftfutter- mittel und künstliche Dünger überzieht," so führt er aus, .heute das ganze Land. Die Viehwirt-
Aurland.
* Der Republik Mexiko wird der deutsche Karser zu ihrer am 16. September stattfinden. den Jahrhundertfeier der Unabhängigkeit eine Statue Alexander v. Humboldts als Geschenk übersenden. Mexiko verdankt bekanntlich Alexander o. Humboldt sehr viel, und noch heute stützen sich Forscher wie Industrielle bis zu einem ae. wissen Grade auf seine Werke. Bis jetzt existierte m der ganzen Republik keine Statue des berühmten deutschen Gelehrte»
Vermischter.
♦ Die Summen, die bas deutsche Volk jährlich für geistige Geiränke ausgibt, berechnet das ReichsarbeitS- blatt auf nahezu drei Milliarden Mack jährlich, also immer noch rnchr als doppelt soviel wie sämtliche Ausgaben für Heer und Marine, mehr als viermal soviel wie die Aufwendungen für die gesamte Arbeiteroer- ftcherung und etwa fünfmal soviel als die Ausgaben für die öffentlichen Volksschulen betragen.
♦ Zwei neue „Parsevals" sind nach der Fettig- stelttmg des kleinen Sportluftschiffes „P. V." bei der Lustfahrzug-Baugesellschaft in Bitterfeld in Bau genommen worden Die beiden neuen Luftlreuzer werden je 1500 Kubikmeter Wasserstoff fassen und Mei getrennte Maschinen besitzen.
* Die Selbstmorde unglücklich Liebender in Berlin nehmen kein Ende. Im Wildpark bei, Potsdam erschoß der 20jährige Feiler Ueckert seine ©ej liebte, eine 16jährige Federarbeiterin, und bann sich selbst Immer sind es junge, unreife Menschen, die in irregeleitetem Gefühlsüberschwang das Leben von sich werfen.
** Milde im Strafvollzug. Der „Bankier" F r ie d- b e r g, der vor einem Jahre wegen seiner großartigen Schwindeleien zu langjähriger Gefängnisstrafe verurteilt worden ist, hat soeben einen 3monatigen E r- holungsurlaub zur Wiederherstellung seiner Gesundheit erhalten. — Das ist ein sehr erfreulicher Fortschritt. Hoffentlich kommt er aber nicht bloß Verbrechern von der Qualität dieses Herrn Friedberg, der die veruntreuten Millionen seiner bedauernswerten „Geschäftsfreunde" aus den Kreisen des kleinen Bürgertums in Gesellschaft von Dirnen verpraßte, zugute, sondern z. B- auch Preßsündern, die nichts getan haben, als das, was sie auf Grund ihrer ehrliche» liebetjeuguug für die Allgemeinheit für das Beste hielten
* Ueberfallen und uiedcrgestocherr wurden von einem Tagelöhner bei Ilmünste t, Oberbayern, drei heimkehrende Bauern, von denen der eine sofort, der zweite di München in der Klinik starb.
* Wie furchtbar die Hungersnot unter der armenischen Bevölkerung Anatoliens aufräumt, beweist eine im armenischen Patriarchat in Konstantinopel angelangte Meldung, die lakonisch besagt, daß die Stadt Hadschin in Cicilien, die vor kurzem noch 7500 Einwohner zählte, im Lauft des letzten Winters infolge von Todesfällen durch Hunger entvölkert worden fei.
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SUPERIOR,
Deutschland 1 347 Streiks Ungarn 201 Streiks Frankreich
Deutsches Reich.
+ Das streikreichste Land. Die im ,Reichsarbeits« blatt' veröffentliche vorläufige Uebersicht über die Streiks und Aussperrungen im Jahre 1909 ergibt folgendes: Die Zahl der beendeten Streiks betrug 1419 (1347), die Zahl der betroffenen Betriebe 4508 (4774), wovon 1226 (1214) zum völligen Stillstand gebracht mürben. Die Zahl der gleichzeitig Streikenden betrug 91803 (68392). Die Streiks hatten in 255 (206) Fällen vollen, in 488 (437) teilweisen und in 676 (607) keinen Erfolg. Ein B egleich mit den amtlichen Berichten über die Streikbewegung anderer Lander ergibt, daß Deutschland weitaus die meisten Streiks auf weist. Aus dem Jahre 1908 liegen folgende amtliche Nachweise darüber vor:
* lieber die neue feldgraue Uniform der Offiziere sind die näheren Bestimmungen setzt erschienen. Die Vorschrift legt Wert darauf, daß die Kriegsbekleidung der Offiziere hinsichtlich der Farbe der Mannschaftsuniform gleicht. Sie muß getragen werden im Felde und bet allen Gefecktts-usw.-Uebungen gegen einen nicht nur markierten Gegner. Die dunkelblaue Uniform muß getragen werden als Paradeanzuz, im Garnifonwachdicnst, beim Kirchgang, beim Ge- richtsdienft als Ausgeh- und Gesellschaftsanzug.
= Eine empörende Kritik des herrlichen Buches „Zurück zur bl. Kirche" von Professor Albert ö. Ruville finden wir in der ,Franks. Zeitung'. Wir lesen da:
Die bloße Denkrichtung des Proteftantismus genügte chm nicht, er wollte auch etwas für das Gefühl und die Sinne haben; die dogmatische Zersplitterung und Unfid)erbett_be§ Protestantismus stieß ihn ab, weil er das Bedürfnis nach einer unfehlbaren Lehr- auforität hatte. Alle», was fein Her, begehrte, sand er in der römifchen Kirche, also war es gan, natürlich, daß er ,u ihr ging. Weniger verständlich ist es, daß er auch von Erkenntnissen spricht und feine Bekehrung tu rechtfertigen sucht. Denn in diesem Teile seiner Schritt zeigt er einen so kläglichen Mangel an kritischem Vermögen (!) und sogar an historischem Verständnis, daß man beinahe fragen möchte, wie dieser Mann dam komme, Univerfikäisvrofeffor der Geschichte zu fein (!), ro«nn man nicht wüßte, daß es Menschen gibt, deren Demru wie durch eine Brandmauer m zwei Hälften geteilt tft, von denen die eine nichts von der anderen ist! der einen geht es gan, vernünftig zu, mäbrenb man in der anderen, die gewöhnlich auch der Litz der Religion ist, keine Spurvernünftigen Denkens entdeckt Es gibt eben Leute, die nicht selbst denken können (!) und in geistig-religiösen Dingen «ne Autorität brauchen, tmter der allein sie sich wohl fühlen. Wenn der Protestantismus solche Leute ver- fiert, fo tft bet Vcrkuft nicht groß; auf der anderen Sette wird aber auch der KatholipsmuS keinen besonderen Staat mit ihnen machen können.
Ein großer Teil unserer Leser kennt das Buch Prof. v. Ruvilles aus eigener Lektüre, der andere wenigstens aus dem ausführlichen Auszuge, den wir ihnen seinerzeit vorgelegt habe». Sie sind darum in der Lage, sich über die gehässige Aus- laffung des Frankfurter Organs der Judendemo, hatte, ein Urteil zu bilden." Es ist geradezu em- hörend, zu scheu, mit welcher arroganten Hochnäsig- eit der religiöse Nihilismus, der in der „Franks. Zta/ fein Unwesen treibt, über ein Buch von der Bedeutung des Werkes Professor v. Ruvilles abzu- urteUen sich erdreistet. Der Berfaffer der Kritik agt die .Augsburger Postzkg.', versteht offenbar die Ausführungen v. Ruvilles gar nicht. Statt nun eine eigene Denkunfähigkeit und Verständnislosig- kett einzugestehen, setzt er sich ausS hohe Roß und hat die Stirne, alle religiös denkenden Menschen als Tölpel und Dummköpfe hmzustellen. Auch bter ttttt wieder die Erscheinung zutage, daß das tvJrrJ“I^.«ttum in der Gehässigkeit gegen die katholische Kirche an der Spitze marschiert. "
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Ihr rigkner Vorteil, wenn Sie zu Ihren privaten U6b MMicheu Anzeigen 3^* ständig "W die
.fultaer Zeitung1
Aus dem Rachbargebieie.
0 Weidenau, 24. März 1910. Bet der am 21. März fialtgefundenen Ergänzungswahl der Gemeindevertretung wurde in der 1. Klaffe Peter Lotz, in der 2. Klasse Gregor Kräh, in der 3. Klasse Joseph Schmitt einstimmig wiedergewählt.
0 Hanau, 25. März 1910. Dis im deutschen Metallarbeiteroerdand organisieren hiesigen Diamantschleifer sind mit ihren Arbeitgebern in Verhandlungen getreten, um einen dreijährigen Tarifvertrag zu erzielen, der eine Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältniffe in sich schließt. Bei den bisherigen Verhandlungen waren 35 Diamantschleifereien beteiligt. Die Schleifer verlangen vom 1. April d. IS. ab eine Arbeitszeit von 9 Stunden (bisher 10 Stunden), vom 1. Januar 1912 ab 8 Stunden, einen Zuschlag von 25 Prozent für Ueberstunden, Festlegung eines Mindestlohnes und Regelung des Lehrlingswesens. Zur Regelung entstehender Drfferenzen soll eine Schlichtungskommission ernannt und als unparteiischer Vorsitzender der jeweilige Gewerbe- gerichtsvorsitzende hinzugezogen werben. Die Verhandlungen sind noch nicht zum Abschlufle gekommen.
△ Marburg, 23. März 1910. Der soeben erschienene Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben des Kreishaushalts des Kreises Marburg schließt ab mit 348 254 M. An Steuern müssen 166 500 M. aufgebracht werden.
* Eisenach, 24. März 1910. Ein hiesiger Bauunternehmer glaubte, wie bereits gemeldet, von der Stadt 7800 M für abgetretenes Straßenareal fordern zu können, und als er nicht gleich befriedigt wurde, beantragte er die Pfändung, der dann ‘ die städtische Dampfwalze zum Opfer fiel. Jetzt hat es sich aber herausgejtellt, daß diese 7800 Mark bereits un- term9. Oktobergezahlt worden find.
* Corbach (Waldeck), 22. März 1910. Die Leidenschaft für das Kartensviel ist einem jungen Bureaugehilfen in Medebach verhängnisvoll geworden. Um Spielschulden zu decken, unterschlug er Armenaelder, Jagdscheinaelder u. dgl. mehr. Tas
rnusl .von
., - ----------------- .. ..—i schäft wird nach einheitlichen Plänen für
lelbft zu tragen und vermögen deshalb nicht so hohe Gemeinden und Gaue mit bestem, gemeinsam be- Ausgaben für Streiks zu machen. -- — - -..... ' - - -