69.
Samriag, den 26. Mürz 19t».
* fttldaer W Zeitung *
5. Blatt
Druck mtd Btrteg •« S«w«r Actiendruckent in Zulda.
U. Jahrgang.
Nettsrme»- rnrtk Anzeige»teil.
wird als
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weiteste Berbrer No. 3563. «mm
einer so unzuverlässige» Partei möglich sein? Wenn «an vollends hört, daß der „Hospitant der Rational- liberalen", Abg. Everling, lediglich im Interesse seines Wahlkreises diese Taktik erziele» konnte, so sagt daS genug; u. a. auch, welch groß« Einfluß dieser Hospitant auf seine Fraktion hat. Dke KrankheitS- ktzwptome sind damit noch lange nicht erschöpfend auf- awfiMt Die Reihe beginnt mit dem unerträglich« Hochmut nach den Blockwahlen, wo sich di« Liberalen afe Diktatoren im Reichstage aufspirlten und endet mit dem Zusammenbruch bei den nächsten Wahl«, wofür wir mit allen Kräften tätig sein wollen und werden- ____________________________
auch nicht zu höherer Bedeutung aufgebauscht werde« durch em BiSmarckscheS „Rechenexempel', daS allzu scharf und daher schartig ist
In Summa: das Zentrum hat ganz recht, wenn eS mit der klein« Wurst «ach der groß« Speckseite wirst, d. h. durch die Beibehaltung der indirekte» Wahl den groß« Borteil der geheime» Wahl erring, was auf anderem Weg« nicht zu hab« «ar.
m Chromolithographie. Format 128X68 mm. 100 Stück Mk. 3,20. Diesem „einfachsten, schönsten Kommunion-Andenken' — so nennt der allbekannte Kunsthistoriker Dr. P. Albert Kuhn das Bild — ist aufrichtigst zu wünschen. —
________________ chikdche« für Kmchen «ed 3RÄ» cheu. Gebetduchdilochen in Chromolithographie.
10 Darstellungen. Format 85X45 mm. C. mit gezacktem Rand, 100 Stück Mk. 2,—. C. mit gt- zacktem Rand, Feingoldschnitt und Leinwand-Imst»« üon-Prägung. 100 Stück Mk. 4,40.
Literarischer.
Re« Kommunion-Andenken. Di« DerlagSanstall Beuziger & Co. A. G. Einsiedeln, Köln a. Rh. hat ihre reiche Auswahl an Kommunion-Andenk« auch dieses Jahr wieder um einige herrliche Slum* mern bereichert.
Ro. 14024. JesnS segnet und bricht Brot _ vor sein« Jüngern z« Emmaus. Wandbild in künstlerischer Chromolithographie. Bildgröße 27,5X17 cm. Papstrsormat 41X28 cm. Das Stück 28 Pfg. Das einnehmende Gruppenbild zeugt in der Zeichnung nicht minder als in der Farbeugabe von einer geübte» Künstlerhand. — No. 4262. Christus mit Hostie und Christus mit den Jünger« zu Emmaus. Gebettwchbildchen in Chromolithograpfsie. 2 Darstellungen. Format 107X55 mm. C. mit gezacktem Rand und FeingolLschnitt; 100 Stück Mk. 6,50. Lebensvolle, lebendige Bildchen, aus denen viel f'ftmigkeit, Glaube und Demut spricht. — No. 4267. Christus am Altäre von M. Feuerstein, Prof, an der k. Akademie in München. Gebetbuchdildchen
der Hafenarbeiter sich, auf ein« Arbeitsvertrag geeinigt haben
* Immer «bell Der Schutzmann Riese in Altona hatte ein Kind aus dem Treibeis der Elbe vor de« sicher« Ertrink« gerettet. Durch das unfreiwillige kalte Bad stellte sich bet dem Beamte» ein cheumaüsches Leid« ein, durch das er dienstunfähig wurde Darauf kündigte die Stadt Altona ihm d« Dienst «nb «Ließ chn ohne Pension, weil er »och nicht 10 Jahre im Dienst der ©tobt ge» feanben hatte. Riese verklagte nun di« Stadt auf Zahlung einer Pension, und die Stadt hat nunmehr den Prozeß sowohl beim Land^richt als auch beim Okerlaudesgericht verloren, das die Stadt verurteilte, an 9tiefe eine Jahrespenfio» zu zahlen.
♦ Anch die junge Tücke hat ihre Skandal- ch e». In der staatlich« Pulverfabrik von Sei- tun-Bnruu und der Gasfabrik von Dolma- Bagtsche wurden Unterschleife im Betrage von et- lich« Tausend Pfund entdeckt. Die Direktor« und mehrere Offiziere wurde» vor dar Kriegsgericht gestellt. — AuS Bassorahchder Generalsteuerbirektor der Provinz, Cheflet Betz, nach Aegypten «tflohm, nachdem er die Staatskasse tun 40 000 Mark und verschiedene Kaufleute um zusammen 300000 Mack erleichtert hat- — In UeSküd wurde bei der Taüakkregie eine Veruntreuung von 30 000 Mack entdeckt. Ganz alttückisch mutet ine Nachricht an, daß der Oberbuchhalter Nedschati Bey, welcher die Millionen« diebstähle m einem Ministerrum aufgedeckt hat, entlassen wurde. Der pflichttreue Beamte hat sich jetzt an de» Großwefir und an das Parlament mit ein« Denkschrift gewendet, in welch« er sogar ben Scheich- ul-Jslam wie den betreffenden Minister der Mitschuld an d« Unterschlagung« beschuldigt. Einftwesi« hat er damit nur bewirkt, daß mehrere Unterbeamt«, die ihm Material geliefert haben, ebenfalls in — Tis» ziplinaruntersuchung gezog« wurden.
Aus dem Nachbargebiete.
* Mühlhausen i Th., 22. März 1910. Der 50 Jtchre alte Weichensteller Kranich wurde gestern auf dem hiesig« Bahnhofe von rötet Rangiermaschine überfahren. Er starb noch während der Rächt an ben erlittenen Verletzung«.
* Eisenach, 23. März 1910. Emm dreisten Schwindel verübte eine unbekannte, 30—35 Jahr« alte Frauensperson. ®re begab sich nach dem Standesamt und meldete den Tod eines Arbeiters Bindel an Da die zu Protokoll gemachten Personalangaben des angeblich Verstorben« nach dem Standesamtsregister stimmte», stellte man der Person die Mich« Bescheinigung über dir geschehene Eintragung aus. Mtt dies« begab sich die Schwindlerin nach der Ortskran- krökaffe und nahm dort die für dm Todesfall des B. fällige Sterbesumme von 90 Mk. 'm Empfang. Als dann der Leichenbestatter sich nach dem Toten erkundigte, stellte sich der Schwindel heraus
* Erfurt, 23. März 1910. In der Lmgelschen Schuhfabrik ist man Mass end ie bstä hle» auf die Spur gekommen- Fortgesetzt halten ein Zuschneider und zwei Arbeiter Ober- und Unterleder, sowie Schuhleisten geftohlm und einem am Wenigenmarkt ansässigen Schuhmacher zugetragen. Letzterer ist verschwunden. Eine Haussuchung förderte eine Menge des gestohlenen Materials jutage.
♦ Darmstadt, 24. März 1910. Schon feit längerer Zett gährt es unter dem Personal der hessischen Irrenhäuser, das eine Besserstellung seiner GehattsverlMtassse anstrebt. Die Folge war eine Anzahl Besprechungen, verbunden mit Vorstellungen. die anscheinend ohne Erfolg geblieben sind, denn nun wird direkt mtt einem Ausstand aller hessisch« Jrrenwärter gedroht. Zwecks Beilegung dieses Konfliktes fand im Ministerium des Innern eine Verhandlung statt, in der für den Augenblick durch beruhigende Erklärungen ernstliche Störung« beseitigt wurde». Die Jrremvärter erhalt« außer der frei« Beköstigung eine jährliche Vergütung von 600 Mk. und außerdem steht chuen nach Ljähriger einwandfreier Führung eine Gratifikation von 1000 M. zu. Bei' Vakanzen können sie dann auch als Oberivärter fest angestellt werden.
tausendfach ärztlich ampfohten. X
Nm echt in btaoen Kartons fite 1 V-
vermischtes.
• Panik im Zirkus. Seit einigen Tagen find Soldaten des EismbahuregüuentS auf dem Terrain des alten Botanisch« Gartens in Berlin damit beschäftigt, feite Mauern gewaltsam zu sprengen. Montag mittag sollten zwei Türme ba alt« Rollschuhbahn, die nur 50—100 Meter vom Zirkus Sarrasimi entfernt standen, niedergelegt werd«. Bald nach 12 Uhr siel der erste Turm. DaS Sprmg« des zweit« Turmes machte aber mehr Schwierigkeit«. Gegen 1 Uhr erfolgte plötzlich eine hesttge Detonation — vermutlich wurde ein doppeltes Quantum des Sprengstoffes genommen. Im Zirkus Sarrasaui entstand to- folge des tonLerährilichen Knalles rin« Panik unter d« 16 irtesiinten »nd den Pferd« im Marstall. Die Elefanten zersprmgtm die schwer«, eisern« Schssss- keckn, mit denen sie gefesselt waren. Das alarmierte Zickuspersonal eilte hecket und hatte alle Mühe, die scheu gewordenen Tiere zu bändigen und zu besansti- gen. Ech nach einer halben Stunde war die Ruhe ’ wuderhek gestellt.
* Weil er nicht versetzt Word« war, erschoß sich in Qu dlinburg der IchMcige Untertertianer 'Jennrich, Sohn eines Juweliers.
* Der Streik der Harburger Hnsenarbeiter, der M Wochm gedauert HÄ, ist nunmehr beendet, nachdem der Hafe.rbetriebsvrreiu und der Verband
Deutsches Reich.
** Wie röt Fieberkranker wälzt sich der Natio- nalliberalis mns auf dem Krankenlager. Di« Krcsstcabnahme in der nattonalliberaleu Partei schreitet rapid« »enm. Immer deutticher arbeitet sich eine Grenze zwischen AMberalm und JunMeralm heraus, besonders in dem industriellen Westen. Dort tft bte 'Reaktion eingetreten gegen die zwar noch immer geleugnete, aber jedermann sichtbare LinkSab- schwenkung der Nationalliberalen. Die national- liberale Parteipresse steht nut wenigen Ausnahmen unter dem Einflüsse der Jugendbewegung und drängt die Partei zu einem immer engeren Slnschluß an die Partei« der Luck« Einige größere Preßorgane, wie die „Magdeburger Ztg." und der „Schwab. Merkur*, die zu einer Versöhnung mit ben Konservativ« rieten, sind zum Schweig« gckracht wocken. Sagegm erheb« sich jetzt neue Stimm« in bet nationalliberalen Provinzialpresse, die ihren Bed«ken gegen die Linksabschwenkung Ausdruck veckeihm. So lesen die „Saarbrückener N«esten Nachrichten* der national- liberalen Partei aus Anlaß des Vordringens her Konservativen im Westen ziemlich scharf den Text und betonen:
„Man sollte es vermeide», zwischen den wichttasi« Berufsständen der Nation die Drachensaat des Miß- trauens zu sä« und weiter zu pflegen. Wem geschieht das alles eig«tlich doch allein zum Vorteil? Die Sprache der Tatsachen ist so deutlich, daß man sich fast schämt, die Brombeerenweisheit niederzuschreib«: Zentrum und Sozialdemokraue sind die lachend« Dritten. Und pvar schadet der Bruderzwist der nationalen Packte» erfahrungsgemäß viel weniger ben Konservativen als gerade uns, den Nationalllbe. raten. Wo will übrigens der flraktionsches Basser- mann sich Wiederwahlen lassen? Welleicht in Amsterdam? Man findet eS aussällig, daß er am Montag vor der Beratung des Etats des Auswärtig« Amtes und des Reichskanzlers und vor der Stirterwng der auswärtigen Politik plötzlich für den Rest der Tagung nach Amrteckam ab gereift ist, obwohl er sich für den Montag zum Wort gemeldet hatte. Man erinnert sich noch, daß am Sonntag eine Ausschnßsitzung bet nationalliberal« Partei stattgesunden hat. Die Debatten soll« seht heftig geroefen sein und man habe dem „$etfnt>rer“ tüchtig den Kopf gewaschen' auch der preußische Führer Friedberg kam unter die Räder und — mit Rech:. Das schlimmste des LinksabmarscheS to, daß es den Nationalweralen er» schwerst wird, sich an der Wahlrechtsreform in Preußen zu beteiligen. Es steht ja nun fest, daß, sofern nicht das Herrenhaus die Vorlage ablehnt, das Gesetz auch ohne sie zustande komntt. Die Konzession an ben Liberalismus, die es enthält, nämlich die geheime Wahl, ist eb« ohne de«Liberalsmus, ja gegen den Liberalismus durchgegang«."
Die „5kr«zztg." bemerkt hierzu: „Das Zentrum . wird sich in alle Zukunft rühmen tonnen, eine „libe- , rate ResoMck erzwungen zu haben- WS eine „libe- ’ rate Errungenschaft" wird die Reform jedenfalls nicht । auszugeben sein." DaS merferr die Liberal« selbst und begehen daher eine Torheit nach der ander«, so daß sie bald im Reichstag nicht mehr als bündnisfähig angeseh« werd«. Im Reichstage hart« sich |bie Vertreter aller Fraktionen dahin geeinigt, daß mau für die arbeitslos gewordenen Tabakarbeiter neben den im Etat zu ihrer Entfchädignng ausgeworfeuLN V/a Mill. Mark noch eines Betrag von 750 000 Mack für außerordentliche Unterstützung« bewillig« wolle. Nachdem dies in der Budgetkommff- feort geschehen war, beantragt« die Nationakkiberalen noch eine besondere Resolution, nach der durch ein« NachtragSetat weitere Mittel für die Unterstützung der Tabakacketter zur Verfügung gesteift werden sollten. Mtt dieser Resolution durchbrach« sie die vorher getroffen« Vereinbarungen, an die ßdj die Fortschrittlichen loyal gehalten hatten und zwar lediglich zmn Zwecke der Parteiagitation unter dm Twbak- arbeiten!. Cie überzeugten sich freilich dann noch recht- zeitig, daß dies Spiel nicht zu ihrem Vorteil aus schlagen würde Aber wie fall ein Zufammenarbeiten mtt
Achilles »«d die Schildkröte.
Nach einem alten Scherzexempel wird der fänefc . fifeige Achilles im Wettlauf memals dre trage Sch töte übechoten, wenn diese nur «“«Ä kri.nn Tat ßäuft auch Achilles hundertmal schneller v-i-d°ch. --»»«w iort mkommt, wo sie begann« hat zu laufen, cken bereits zu einem Punkt gelangt der ein Huudert- tel des von ihrem Partner durchlaufenen Weg^ wck kr Hegt. Kommt Achilles dort an, dann ist ine Schild- ckte wieder um ein Hundertstel des zweit« von jlchllles durchlaufen« Wegeabschrnttes todter. Und » tonn Achilles bis zum füngften Tage lauf«, er lmrd sie Schildkröte nie eiuholen, immer wird fee ein Hun- jertstel der letzt« Wegestrecke des Achilles voraus
An diese Schnurre wurden wir erinnert, als wir In liberal« Blatte« ein Stück einer Rede Bismarcks aus dem Jahre 1867 las«, worin der erste Kanzler da» kühne Urteil a6gibt, die t»direkten Wahlen bildet« „an sich eine Fälschung der Wahlen, der Meinung des Volkes." Zum Bewerfe dieser Behauptung stellte er nämlich eine Berechnung auf, bie bei Lichte besehen, in das Kapttel der mathema- iischen Derblüffungsspiele gehört, von d«m die oben erzählte die bekannteste ist. Das »einfache Rechen- exempel" Bismarcks war folgmdes:
Die Mehrheit braucht in jeder Stufe der Wahl nur eins über die Hälfte zu feto. Der Wahlmann braucht also nur einen Urwähler mehr er die Hälfte der Abftimmend« to fern« Klaffe feines Stimmbezncks zu repräsentier«. Dw Gesamcheit d« Wahlmärmer braucht also nur bte Hälfte der gesamten Urwähler nebst jedesmal nm einer Stemme mehr hinter sich zu haben. Wird der Abgeordnete nun von der Hülst» befer Wahlmänner plus 1 Stemme gewählt, so hat er kaum ein Viertel der Urwähler hinter sich; ein anderes Viertel hat bei der Wahl dieser Wahb männer anders gestimmt und bte andere Halste hat bei der Wahl der übrigen Hälfte der Wahtmänner mUge- wirkt. Und romn die Mehrheit im Parlament aus der iHWfte der Abgeordneten plus 1 besteht, so hat diese 'kaum ein Achtel der Wählerschaft hinter sich
Wenn! Dem Bismarckschm Rechenexempel liegen röte Menge von Voraussetzungen zu Grunde, die in Wirklichkeit nicht zutreffen. Erstens ist vorausgesetzt, äafe immer und überall die obsieg«de Partei nicht größer sei als eins über die Halste. Zweitens ist vorausgesetzt, daß diese höchste profitable MehrhettSbüdung in allen Stufe» bet Wahl immer einer und derselben Partei zugute käme Und drittens kommt dazu noch dir Voraussetzung, dafe die unterliegende Partei in allen Bezirken recht hat, dies einstimmig getan hat. Letzteres wird am besten durch ein Beispiel klargestellt. In einem Wahlkreise war« 300 Wahlmcimter zu wählen in 100 Ur» wablbezrckn mit je 1 Wahlmann für eine Wähler- klasse. Die Rechte errekfa in der Hälfte der Bezirke, uEfo in 151 Bezirken, die Halste der Stimmen und noch eins bu^u, Bringt oljo mit bent gebot üon eüunn Biertel der Urwähler plns 151 Stimmen die Mehrheit bei Wahlmärmer auf ihre Seite- Die Linke un- 1 erliegt, obschon fee — nach der Bismarcksch« Rech- nm»g — sich drei Viertel der Lrwahler auf ihre Sette hat! Diese Aufrechnung könnte aber nur dann gutreffen, wenn an den 149 Bezirk«, bei denen die Linke fitgtev ausschließlich liberale Urwähler sich betet-' li«t hätten. Wüt« dort konservative Stimm« abgegeben worbe» und in der Minderheit geblieben, |» würden diese Stimmen dem Gesamtaufgebot der Rächt« zuzuzählen sein, und man würde bann nicht mehr behaupt« können, daß die obsiegende Partei nur über röt Viertel der Urwähler verfüge. i
In Wirklichkeit lieg« die Dinge so: An her ein« Stelle wird mit knapper Mehrheit gefiegt, an der an- der« Stelle mit beträchtlicher Mehrheit. Die ausfallend« Minderheiten fato also bald klein, bald grafe. Die zahlenmäßigen Vorteile und Nachtette, die sich hierbei ergeben, »erteilen fech auf d« kämpfend« Partei« tot DurMmitt gleichmäßig Daourch werden die Zufälle des Wechsflglückes ausgeglichen. Was insbesondere die indirekte Wahl angeht, so wird wird im groß« und ganzen da» Endergebnis dasselbe bleiben, mag men die Wchlstim- tn« aus den drei Klass« nach dem Vorschläge des Regjeruugs entunrrfes zusamnwnrechnen oder mag m-m d« Abgcordintm von den Wahlmännerrr wähl« las- s«. Die Frage des direkten oder todirekten Versus mrS ist praktisch minderwertig, und kann
<$ebi-anömarät.
il] Jianttttt w» 8. Freifrau von SchUppenbsch
Bei Zacharias machte Rottraut ebensickls Halt und teilte ihm ihre Unterredung mit Anton mtt. Der alte Krämer meinte, der Wilddieb würde das Geld schnell vertun und in nicht allzulanger Frist Wiederkehr«, um neue Erpressung« zu versuch«.
Mit einem befangenen Gefühl begegneten sich Hartwig und feto schöner Gast an jenem letzten Abend; die frühere Mrmlkchkeit unb Kälte taten sich in ihrem Verkehre abermals tunb: sie vermied« es geflissentlich, allein zu blech« und einander anzureden.
Graf Pfeikeck ahnte ein dunkles GehetumiS und kannte es nicht ergründen. Wie schuldbewußt Rottraut dagestandm hatte, als er fee im Gespräch mtt Zacher entdeckte l Welches Band knüpfte sich von ihr yi dem verkommenen Menschen? Fürchtete fee chn »der hatte fee Heimlichkeiten, von den« niemand et- I »öS afinte? Sur fee nicht so, wie e$ fchten und Oer» xugnete sich das Blut Günther Erichs nicht in feiner kochter? Würde» auch bei ihr dunkle Schatt« her- tortreten und das lichte Bild trüb«, das er sich gegm «wen Willen von ihr gemacht hatte?
Lud als fee sich am ander« Tage von ihm und Mutter verabschiedete mtt dem freimütig offen« der schönen, dunkle» Augm und dem herzgewin-
«enden Lächeln, da wußte er, daß fee war, tote fee bor seinem geistig« Auge dastand r ein reines, edles, stok- C Weib, das, über jeden niedrigen Verdacht erhaben, schlicht« Weg des Rechtes ging.
14. Kapitel.
WMS erholte fech schnell von ihrem Unfall, nur mußte fee den Fuß noch schon« unb sich fchr ruhig verhalten, was dem lebhaft«, kleinen Fräulein recht schwer fiel.
Heute besonders war eS zum Berzweifeln lang- »eilig; Tante Hulda und Rottraut warm nach Echerrau hinüber gefahrm, Ursel hatte mtt der Wäsche zu tun unb hatte keine Zeit für fte, und Friedrich ^hatte feine junge Herstn begleitet. Müßig schlmderte
Willis durch die Zimmer unb kam auch in das Gemach, We Rottrmit ine Leute zu empfangen pflegte und mit dem Verwalter oedjaubetie
Es sah hier aus, wie in dem Büro eines Henn; ein großer Schreibtisch stand am Ferchrr, bedeckt mtt Rechnungen unb Papieren, Säckchen mit Getreideproben, Erbsen und Wicken, daneben verschiedene Hnf- eism, eine Reitgeck «ui» Stulphandschuhe. Ferner ein großer Schrank, der WirtschaftSsach«, Kontrakte bet Pächter, Kontobücher nsw. mthiett. An einem Holzbrett hing« mehrere Schlüssel, barmtet einer von besonders verschnörkelter Form: es war der zum roten Turm, und bte Augm des jung« Mädchens strahlt« auf bei seinem Anblick. Willis kletterte auf ben Schemel und holte ihn vom Nagel. Lange schon war es khr bremtenber Wunsch gewesen, endlich einmal i» erforsch«, wie es tot Innern des all« Gemäuers, da» sie feit Ursels Erzähktmg cht neugierig von außen betrachtete, auSsah. Der rate Turm war sehr hoch, seine Spttze überragte bte Weilburg unb deren stdwärtS befindlich« kleiner« Tur». Die untere HLste wor noch wohterhallm, wägend der obere Deck baufällig erschien. DaS darin befindliche runde Fenster, dessen Scheib« trübe und von Spton- getnebm überzog« war«, war wohl lange nicht geöffnet worden. Drei andere in bie dick« Mauern eingelassene, vergttteck und mit grünlichem Glase versehene Bogenfenster spendeten Licht. MlliS hatte ihre Schwester -st gebeten, mtt ihr jene Stätte » betreten, wo bte Ahnfrau Brigitte ihr Wese« triefe- jtt ihrem Erstaunen verweigerte Rottmut es stet, ' Es mußte doch köstlich sei», fech in dem geheiümisvolle« Raum Mnznseh«, in dem der arme erschlagene Freiherr lkunz gefegen und wo sein junge» Weib um ihn geweint hack
Noch leicht lahmend ging MD, Sb« den Schloßhof, der wie ausgestorben btiag; ihr Herz Köpfte fast hörbar. Jetzt war sie am Ziel ihrer Sehnsucht: fee steckte dm Schlüssel in» Schloß, aber es bedurfte der ganz« «rast de» fangen Mädchens, um ihn umzu- dreh«; mtt leisem «narr« ist sich die stack essen- beschlagene Tür au, dem bitten Eichenholz auf Ein gedämpfter Sicht fiel durch die trübe» Scheib«, und
ein unangenehmer Modergeruch schlug der 3i«gierigen entgegen; ein Schauer fibertiefdte fee, aber als echte Evastochter mußte fee wissen, wie es in dem Raume auksah. Sie trat also ein, bie Tür halb offen laßend, um Licht und Luft Hineinström« zu taffen- Da standen eine große, mit Messing eingelegte 2tufee, ein eiserner Saiten mit der Aufschrift „Archiv der Freiherr« von Pfeileck-Pfeilburg", einige HMzerbrochene Stühle und ein bretbeiniger Schemel. Der Turm hack eine achteckige Gefallt; eine morsche ILendet- ireppe führte nach oben. Das Bild eine» schönen, fangen Mannes hing a» bet Wand. Willis wußte, daß es ifcen Urgroßvater darstellte. St wat auf der Jagd verunglückt — am Ta« zuvor hack man ein LiM im rat« Turme gesehen, wie die alte Ursel er» zählte Willis fühlte plötzlich ein namenloses Grauen. Wie nun, wenn die Ahnftau jetzt erfefaene? Wenn fee die Wendeltreppe herab schwenkte unb auf fit pckäme? — Horch! warm das nicht Schrick? Schlich 68 nicht näher, langsam — vorsichtig und jetzt — ein schrille,, entsetzliches Lachen! Da, fange Mädchen schrie laut auf, sank in Me «nie und bedeckte das Antlitz mit den zitternd« Händen.
„Hi! hi! hi!" tönte es durch dm Rmmr, ,tS ist gut, daß ich Dich finde, mein Täubchen! Hcch Du Dich versteckt, daß Dich der wilde Junker, bet Günther Erich, nicht findet?'
Willis atmete erleichtert auf. Das war die Stimme der toll« Karoline, bie tat far nichts zu Leidet Sie fechte sich schnell und sagte in freundlichem Stone: „Ja, ich bin e,. Erzähll «st doch: was tat Such der z« Leide, d« ihr den „wild« Pfeileck' netmi?*
Die Irre beugte fech dicht zu ihr nieder.
,6t rot r Der Baier von der Herrin-, flüsterte sie geheimnisvoll, „er stellt bet Anna Liefe n«h, aber et soll meine weiße Taube nicht bekomm« — der schlei- ch«de Marder."
8he Willi, es hindern konnte, war die Irre hin- auSgeellt und hack die Türe hinter fech zugeschlag« — WllS war gefangen. Ih» Hilferufe hörte niemand, bte dicke» Stauern tiefe« keinen Laut der schwachen Müdchenftimme tauch. —
Rottraut und Hulda tarnen etwa zwei Stund« später ta der Pfeilburg an. Sie hart« in Scherrau Dietrich Pfeileck-Dede»weiß getroffen, dessen feindliche Art sich abermals gegen die Tochter Günther Erichs geäußert hatte, rote et ei jedesmal tat, wen» er sie sah. Ein tiefer Groll leuchtete ihr stets au3 ta» Auge» des Freiherrn entgegen, und »ft fragte fee sich, was wohl der Grund dazu kein könne.
Ursel hatte Willi, beretts vermißt und überall gefacht; mit ängstlichem Gesicht teilte sie Rottraut mit, daß das fange Mädchen nirgends zu finden sei Nachdem man das Haus und den Garten gründlich durchforscht, eilte Friedrich m, Dorf, um dort nachzusto- grn — niemand hack sie gesehm.
Die Kunde verbrettete sich schnell, und auch Graf Pfeileck erfuhr davon. Äs er in bet Schmiede einkehrte, nm feinem Pferde ein neues Hufeisen anlegen zu lassen. Er eilte in die Pfeilburg, von seinem Hühnerhunde Lord gefolgt. Das schöne Tier war ein großer Freund von Willis; so lange fee auf dem Grafenhorst geweilt, war e, kaum von ihrer Seck ge- wich«. Wahrend Hartwig bei Rottraut, die ganz verstört einherging, Erkundigungen einzog, weinte» und jammerten Ursel und Hulda um die Wette. DaS Gebahr« Lords mochte feto« Herrn stutzig, tat Hund lief teinfelnb nm den roten Turm und kratzte an der Tür, er lief zu Hartwig und wieder zurück unb schien chn auf etwas süfmerksam zu mach«.
„3d> glaube, Ihr Fräulein Schwester ist hier in Turm", sagte Graf Pfeileck zu Stotternd. „Lord fen- bet immer die richtige Spur, wir wollen doch einmal tUpfc»e
6t nahm einen Stein und schlug damit kräftig gegen bie Tür. Alle tauschten gespannt — da — drei schwache Schläge aus dem Innern.
„Willis, meine Willis!" rief Nottraut außer fech vor Frrode, „hörst Du uns, mein armer Liebling?*
»Das ssi unmöglich^, meinte Hartwig. „Die Stauern sind zu dick'
„Mr müssen die Tür aufbrech«! Der Schlüssel fehtt — wie ist sie nur fetnemgetommen?“ fragte Friedrich, „unb wer hat sie cingeffeerrt?' (Forts, f.)