Einzelbild herunterladen
 

Jfe 02.

Donnerstag, den \T. März MO.

37. Jahrgang.

* fuldaer W Leitung *

2. Blatt.

Druck und Verlag der Fuldaer »rtlendruckertl in Fulda.

0 Die Verfassung für Elfatz- Lothringen.

Die Mitteilung des Reichskanzlers in der Mon- taaSsitzuna des Reichstages, es fei ein Gesetzentwurf über die gesetzgeberische Selbständigkeit der Reichs­lande Elfaß-Lothringnn ausgearbeitet, der über kurz den Bundesrat beschäftigen werde, hat in der deut- scheu und französischen Presse ein lebhaftes Echo ausgelöst. Man ist sich überall der großen Be­deutung bewußt, die dieser Schritt der Reichs­regierung für die Weiterentwicklung der deutsch­freundlichen Stimmung in den Reichslanden sowohl als auch für die deutsch-französischen Beziehungen hat.

X Man kann der Regierung dazu gratulieren, daß sie endlich eingesehen hat, daß sie die Verleihung der aesrtzzeberischen Selbständigkeit an die Reichslande dort mehr Sympathien für Deutschland schaffen muß, als es die verflossenen 40 Jahre vermocht Haben. DaS Gefühl der Zugehörigkeit zu Deutsch­land hatte in der reichsländischen Bevölkerung ge­rade seit der Aufhebung des so sehr gehaßten Diktaturparagraphen unendlich gewonnen. Mit einem Schlage war die Protestbewegung zurück­gedrängt worden. An die Stelle der weitaus meisten unentwegten Protestler traten Lente von der Quali­tät derer um Vonderscheer, Dr. Will, Haus u.s.w., die im engsten Anschluß an das deutsch« Zentrum bestrebt sind, auf dem Boden der bestehenden Ver- hällniffe eine Hebung d r politischen, sozialen und wirtschaftlichen Vcrhätln ssc ui erstreben. Die Herren um Wetterte u.s.w. haue» sich jchon mehr mäßigen - gekint. Das war eine Folge des damaligen Ent­gegenkommens der Regierung. Kommt jetzt eine wirkliche Verfassung, die nicht allzusehr von altpreußischer Kurzsicktiokeit getragen ist, dann wird daS Gefühl der Zugcbö'- kok zum Deutschen Reiche sehr bald das geiaiiue . ysland ergreifen.

Die Regierung tarnt uch das in diesen Tagen von der französischen Presse bestätigen lassen. Dort ist man von diesem Vorgänge gar nicht erbaut und die einzige Hoffnung ist die alldeutsche Hetze. Bereits begegnen w'r auch in der alldeutschen Presse Flaumachern, bc den Bundesrat auffordern, 'doch ja eine mögii. u eingehende Prüfung der Opportunität des geplanten Vorgehens vorzunehmen. Wir haben zu Herrn von Bethmann-Hollweg das V«trauen, daß er unerbetenen und schädlichen Rat­schlägen der alldeutschen Elemente mit der gebühren- »en Nichtachtung von sich weisen ivird.

Hebet den Inhalt des angekündigten Gesetz­entwurfs glaubt der »Berliner Lokal-Anzeiger'' nähere Angaben machen zu können. Der Schwer­punkt der Vorlage soll einmal in der Gewährung eines liberalen Wahlrechts, zum anderen darin liegen, daß die Statthalterfrage anders als bisher geordnet fein wird, sodaß durch die lebens­längliche Uebertra^ung des Amtes die Stetigkeit der Führung besser gesichert ist. DaS Stimmen­verhältnis im Bundesrat soll sich nicht zu ungunsten Preußens verschieden. — Wie weit diese Mitteilungen authentisch find, entzieht sich unserer Kenntnis. Viel­leicht ist es besser, die Vorlage selbst abzuwarten. Immerhin dort man aus den Ausführungen des Reichskanzlers ichließen, daß die Reichsregierung den Wünschen der Elsaß-Lothringer nack der politischen ^Eelbständigleil des Reichslandes weithin entgegen- komme» will. Wie weit und in welchen Formen, ,— das wird sich ja noch prüfen lassen. Jedenfalls ist eS schon ein wertvoller Vorteil, daß diese seit dreißig Jahren zurückgestellte Frage jetzt wieder in Flutz gebracht worden ist, und zwar von der Regie­rung ;etbst unter freundlichen und vertrauensvollen ^Erk'ärungen. Gerave in der letzten Zeit hatten ge- i»rsse nuaugenebme Zwischenfälle und deren Aus- (puyu" > -in e.-nc kindlichen Presse die Hoffnungen

uv Fortschritt sehr herabgedrückt.

. Ment Anerkennung dafür, daß sie schellen und Kleinigkeiten des

AU.i.gs .,m Deinen lassen in ihrer Zuversicht aus eine gedeihliche Entwicklung des Landes unter erweiterter Selbständigkeit.

Deutsches Reich.

* Zur Steuer auf Leuchtmittel. Die Zeit- schuft für bie Schokoladen-, Kakao- und Zucker­

warenindustrie und für alle verwandten Erwerbs­zweige Gordian schreibt unter der b^eichnenden Ueberschrift: „Etwas für den Hansabund":

Als am 15. Juli von der Reichstagsmehrheit be­schlossen wurde, zur Beschaffung der unbedingt nötigen Geldmittel auch eine Steuer auf die Leuchtmittel der vornehmen oder leistungsfähigen Kreise gu legen, da erhoben die mit Phrasen angefüllten Poli­tiker einen Donnerlärm! Diese Steuer sollte ein Aus- bund aller Schlechtigkeiten sein, sie sollte ... ja, was sollte die nicht alles für schlimme Krankheiten herauf­beschwören l Die Steuer ist gekommen, kein Men ich merkt etwas davon. Jede Steuer ist für Handel und Industrie eine reine Kalkulationsziffer; der Privat­mann muß sich mit ihr absinoen. An Steuern sollten an das Reich abgeführt werden bei elektrischen Metall- fadenkampen bis zu 15 Watt 10 Pfg. für die Glüh­lampe, von 15 bis 25 Walt 20 Pfg. für die Glühlampe, von über 25 bis 60 Watt 40 Pfg. für die Glühlampe. Alle Welt schrie: Das überleben wir nicht. Direktoren der Glühlampenfabriken und elektrischen Werke stellten sich an die Spitze der Hansabundgründung.n und ge­bärdeten sich, als ob sie verhungern müßten. Und heute? — — Heute meiden dieselben Herren: Wir ermäßigen den Preis der 25er, 32er, 50er Metall­fadenlampen von drei Mark auf 2 Mark! Hatten da die Herren, die den Apolhckervreis der Metallsaden- lampen kannten, nicht recht, wenn sie beschlossen, daß hier für die Allgemeinheit eine Steuer herauszuholen sei? Wollt Ihr einen großen Absatz machen, daun sollt Ihr, weil Ihr es könnt, von eurem groben Gewimiausschlag einen Teil bergeben!? Jetzt ist es also so gekommen: Alle Lichtkonsumenten muffen den Leuten, die die Leucht- mittelkteuer durchgebracht haben, von Herzen danken, weil sie es sind, die einen enormen Preisnachlaß in elektrischen LeuchtmiUeln hervorgerufen haben. — Und was sägt der Hausabund? Gr schweigt!

a. Das Hausarbkitsgesetz wurde in der zustän­digen Kommission des Reichstags weiter beraten. Es kam dabei zu sehr wichtigen Beschlüssen. So wurde ein § 3a eingejügt, der die Ausgabe von Lohnbüchern oder Ärbeitszetteln vor- schreibt. Weiter routte beschlossen, daß der Bun­desrat solche Arbeiten in der Hausarbeit verbieten kann, welche mit erheblichen Gefahren für Leben, Geftmdheit ober Sittlichkeit verbunden sind. § 12 schreibt den Gewerbetreibenden die Anlage von Ver- zetchnisseu der Hausarbeiten vor. Damit wird es wohl unntöglich gemacht, baß z. B. Offiziersdamen aus Pommern für Berlmer Firmen zu erschreckend niedrigen Preisen Heimarbeit machen, um sich mit dieser Konkurrenz gegenüber der Heimarbeiterin ein Nadelgeld zu verdienen.

Ausland.

♦* Um eine Ausrede ist die korrupte französische Sozialistenbande nicht verlegen; ihren bisher verhüt- chelten Liebling D u e z sucht sie jetzt von ihren Rock- schößen abzuschütcln und — man sollte es nicht für möglich halten — den Kongregationen anzu- hätlgen. Duez habe feine Unterschlagungen, so be­hauptet diese freche Liigensippschaft, im Einvernehmen mit den Geistlichen auSgeiibt, er sei nur ein Werkzeug derselben gewesen, um so das Verlorene wieder zu erlangen. So sagte die „Petite Republigue", der Mi­nister werde, wenn er wolle, die gute Gelegenheit be­nützen können, nm die Machenschaften der Ordcits- geistlichkett (!) blohzalkgen, die durch eine zielbe­wußte Korruption (! ) das Gesetz von 1001 in Miß­kredit zu bringen suchte- - Die „Lanterne" schreibt: Die weitere Untersuchung des Ducz-Skandals wird wahrscheinlich die Kongregationen und deren Freunde in schwerer Welse belasten. (?) Es ist deshalb die Pflicht der republikanischen Partei, die Regierung in dieser Angelegenheit mit aller Kraft zu unterstützen — Die »Aurore" schreibt: Duez, der den Kongre­gationen bewilligt hatte, was sie verlangten (?), war bekanntlich der Nachfolger des Jmbert, der die Hin­terlassenschaften des Baron Reinach zu regeln hatte Die Klerikalen hofften, daß sie durch Duez alle Ge- heunniffe des Panamaskandals erfahren würden. Dies ei ihnen auch gelungen, und rhre pgriamentarisch-n Wortführer hätten bereits den Auftrag erhalten diese Geheimnisse, welche selbstverständlich auf Fälschungen beruhten, auf der Kantmertribüne zu enthüllen Da aber die Republikaner gewarnt seien, würde das par- bamentarijche Manöver der Klerikalen vereitelt werden Dasselbe Blatt erzählt, daß Duez int Jahre 1905 vom -5<W in längerer Audienz empfangen worden sei. —

seber sind die französischen radikalen Zeitungs­

schreiber blödsinnig, ober ihre Leser, die einen solchen dummdreisten Schwindel glauben.

♦* Die Albanesen machen der Türkei wieder Schwie­rigkeiten. Der Albanesenführer Terwisch Hima erhielt mehrere Depeschen aus verschiedenen Orten Albaniens, in welchen gegen die Forderung der Regierung, die Albanesenschrist mit türkischen Buchstaben zu lehren, protestiett, und ihm der Auftrag gegeben wird, des­halb Schritte im Unterrichtsministerium zu tun. In Berat wurden auf Beschluß einer großen Ver­sammlung von 15 000 Mann alle türkischen von der Regierung gelieferten Schulbücher vernichtet- — Die jungtürkische Regierung wird hoffentlich einsehen, daß ihr ein Versuch, der christlichen Bevölkerung tückische Absonderlichkeiten aufzuwingen, zum Verderben ge­reichen muß.

Aus -em Nachbargebiete.

* Ans der Rhön, 12. März 1910. Auf dem bei Hammelburg gelegenen Sodenberg wird jetzt prächtiger Basalt gewonnen; es werden täg­lich mehrere Waggons abgeliefert und überallhin verfrachtet. Der Sodenberg mit seinem Aussichts- turm inmitten alter Burgmauern wird wohl am längsten gewesen sein.

* Erfurt, 14. März 1910. Der städtische Etat für das Verwastungsjayr 1910/11 balan­ciert mit 5653 800 Mk., geg n das Vorjahr mehr 472500 Mk. Der Einkommenste uerzusch lag bleibt bei 158 Prozent wie im Vorjahre stehen, dagegen hat die Grundsteuer nach dem gemeinen Werte eine Ermäßigung von 2,94 pro Mille gegen 2,90 pro Mille erfahren.

* Meiningen, 16. März 1970. Am Sams­tag geriet der Arbeiter Anschütz von der König!. Eisenbahnhauptwerkstatt zwischen die Pfuffer zweier Wagen und wurde so schwer verletzt, daß er bald darauf starb.

* Schmalkalden, 16. März 1910. Wegen En twendung von Leitungswasser wurde vom hiesigen Schöffengericht ein hiesiger Ein- wohner zu 4 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Mann hatte mit Absicht die Wasserleitung ganz schwach laufen lassen, weil dann die Uhr den Verbrauch nicht genau anzeigt, und sich dadurch eines Diebstahls schuldig gemacht.

vermischtes.

** Ei» Flühlingsgewitter ist in diesen Tagen an einig«» Orten beobachtet worden. In Hildes­heim putfl nachts em Gewitter mit starkem Regen nieder, dem am nächsten Morgen starker Schneefall folgte. In Danzig zog abends ein Gewitter auf. Die elektrischen Entladungen währten ungefähr eine halbe Stunde und waren von geringem Strichregen begleitet.

** Tie Wkttzuwachssteuer wurde von der Char­lottenburger Siadtverordnelen-Versammlung geneh­migt. Roch an demselben Abend trat der Magist- rat den unwesentlichen Abänderungsvorschlägen bei und bereits am darauffolgenden Mittag 12 Uhr war die Steuer vom Bezirksausschuß uns vom Ober« Präsidenten genehmigt.

** 3» gunstrn der Pariser Urberfchwemmuugsopser wurde m Auteuil ent Rennen veranstaltet, dem Präsident Fa Ute res beiwohnte. Der Reinertrag vrtrnz 260 000 Fr.

** Peary — ein Schwindler! Nach der großen Blamage mit dem falschen Nordpolentdecker Dr. Cook brach die Begeisterung für Peary umso stärker hervor und er ist bis jetzt in zahllosen Banketten beinahe in allen Städten der Bereinigten Staaten als unsterb­licher Mitbürger gebührend gefeiert worden. Zahl­lose wissenschaftliche Vereine auf der ganzen Welt ha­ben ihn zum Ehrenmitglied ernannt, doch vergebens wartet man, daß der große Wamt endlich die greif­baren Belege für seine Entdeckung in Form wissen­schaftlicher Notizen und Tagebuchauszeichnungen so­wie ausführliche Schilderungen bringen werde. Bis­her ist nichts dergleichen geschehen. Wie ein New 3)otfei" Blatt vor wenigen Tagen mit sehr eindeutiger Ironie schrieb, „hat Peary seine Tätigkeit befcheidener- weise nur darauf beschränkt, seinen Gegner Cook als

einen Schwindler und sich als den alleinigen Ent­decker des Nordpols zu bezeichnen. Es wäre an der Zeit, diese Behattptung ein wenig zu beweisen"'. Tat­sächlich hat seit einigen Wochen in ganz Nordamerika die Stimmung für Peary in bedenklicher Weife umge- fchlagen und so begeistert man ftüher für ihn war, so sehr enttäuscht ist man jetzt, ja, es beginnt sich be­reits eine Art Entrüstung gegen den Kapitän zu regen, der sich darauf beschränkt, fein Weck über feine Nordpolfahrt, wie er erklärt, in sehr ausführlicher Weise zu schreiben, dec aber bisher ftrttte verweigert hat, einer wissenschaftlichen Kommission, seine Pa­piere abzuliefern. Der Unterausschuß des amerika­nischen Marinekomitees, welches mit der Untersuchung der Ergebnisse dieser Forschungsreise betraut wurde, hat bisher noch nicht das geringste Material erhalten und der Vorsitzende dieser Körperschaft, dem inbeson- dere die Zeitungsredaktionen hack zusetzten, damit end­lich etwas Authentisches über die Nordpolentdeckung publiziert toetben könne, hat sich vor kurzem öffenttich dahin geäußcck, daß das Marinekomitee nicht in der Lage sei, vorläufig die Beobachtungen Peary s am Nordpol irgendwie wissenschaftlich zu klassifizieren, do die ihnen vorliegenden Notizen allerdings Messungen und Observationen enthielten, aber nur bis zu eine, Strecke von 89 Grad, 6 Minuten nördlicher Breite. Wie Peary der Kommission mitteilte, müsse er die wei- teien Notizen, welche die Beobachtungen aus dem wei­teren Wege bis zum Pole enthielten, noch genauer ord­nen, ehe er sie überreichen könne, aber die Ausflucht gebrauche Peary bereits länger als zwei Monate und der Verdacht ist nicht abzuweisen, daß solche Nottzen überhaupt nicht existieren. Unter anderem ist einer der wärmsten Anhänger des Kapitäns, der Milliardär Camegie, der Peary wiederholt bei stch empfangen hat, von ihm abgefallen, nachdem er sich durch Pro­fessor Hargrave von dem Marinekomitee hat Vortrag halten lassen. Aus den Wocken Professor Hargrave'S, die auch in den Newyorker Blättern publiziert wer­den, geht hervor, daß man, so bedauerlich dies auch sei, Peary nicht mehr ernst nehmen könne.

Reklamen- und Anzeigenteil.

" ■ —■ — .....-......— ■

Nur die echte Scotts Emulsion, keine Nachahmung!

Der Weltruf von Stotts Emulsion bürgt für die Güte des Präparates, und die mit ihm erzielten Erfolge sind unbestritten. Billigere, viclfack minder- wertige Nachahmungen von Scotts Emulsion hat es von jeher gegeben und neue tauchen immer wieder auf.

Es hieße aber am verkehrten Ende sparen, 1 wenn man anstelle des

B '7/L, altbewähReu Original- Präparates solche Nach- ahmungen kaufen wollte, fcrt vfi ettt htejrt ö 1

— «m ^rcmtir' denn nur der Erfolg zrlch« bei Scr.it»

**” entscheidet, und diesen hat die echte Scotts Emulsion, aufzu- weisen. Darum Vorsicht beim Einkauf! Man bestehe darauf, die echte Scotts Emulsion mit unserer bekannten Fischer­schutzmarke zu erhalten und lasse sich keine Nachahmungen aufreden.

L. ...........-----—.... -

Kevrnndmavkt.

34] iHonian von G. Freifrau von Schlippenbach.

»Wer sind die fachen Verleumder?" brauste der junge Mann eutrüftck auf.

»Zacharias ist Rottrants und mein Freund," ver­letzte Willis würdevoll, »der Krämer im Dorf."

»So? Welches Dorf meinen Sie?"

»Nun, das, welches unterhalb der Pfeilburg liegt."

„Sind Sie vielleicht Baronesse Pfeileck?" rief der Jäger.

»Natürlich! Rottraut und ich sind fett Weihnach­ten dock und Tante Hulda sst bei uns "

»Ach. die Familientante! Aber nun sagen Sie mir, bitte, Ihren Namen, er wird gewiß hübsch sein."

„Warum glauben Sie das?" fragte sie unschuldig ihm das holde Gesicht zuwendend.

»Hm, ich habe so meine Gründe", lächelte er

„Ich heiße Willis," gab sie zurück.

( »Das paßt für Sie," rief er entzückt. „Willis, ein ' Zauberwesen, eine Elfe, die dem Jäger erscheint und .hu blendet."

Sie klatschte in die Hände.

»Ach! Sie glauben auch an Märchen, dar freut vrch!" jubelte sie.

»Seit heute ganz fest," gab er ernsthaft zu-

»Werden Sie mich zur Pfeilburg zurückbringen?" ]We sie nach einer Weile in bittendem Tone. »Es spät fein, Trautchen — so nenne ich Rottraut immer - wird sich ängstigen."

'84 kenne den Weg," versetzte Hellmut, „eS ist nen ,e'nr ®ro®e Freude, Fräulein von Pfeileck ken- fenünH) mvn' FH bin erst seit gestern auf dem Gra- st und —" er beendete den Satz picht.

«tuntet. '$tÜlen nebeneinander her und plaudecken

Weite hungrig," gestand sie ihm nach einer

S(enÄe' M 68 keine Waldbeeren gibt." eu-tcht kann ich Ihren Hunger stillen," sagte

Hellmut schnell. „Wir wollen hier rasten. Sie werden müde jein, in meiner Jagdtasche habe ich noch genü­gend Proviant."

»Dos ist ja herrlich!" rief Willis, und bald faßen bewe nebeneinander und sprachen den Vutte-bröden zu, die Hellmut gaflfrei seiner holden Gefährtin anbot Auch der braun und weiß gefleckte Hühnerhund Lord erhielt seinen Anteil; neugestäckt setzten sie dann den Weg fort. Sie kamen an einem rauschenden Bach vorbei. Willis beugte sich über denselben und fchöoste das kühle Naß mit der hohlen Hand.

-Wollen Sl« auch trinken?" fragte sie harmlos -sehen Sie, wie gut ich gelernt habe, den Becher zu entbehren."

Sie hielt iym dm rosigen Kelch hin, und er neigte den Kopf und trank daraus, immer wieder einen un­löschbaren Durst heuchelnd.

»Nun ist'» aber genug," lachte sic und trocknete die Finger an ihrem Tuche ab. »Nun wollen wir uns beeilen, nach Hause zu kommen."

, Die letzte Wegstrecke legten sie schnell zurück Als fle durch das Dorf kamen, stand Zacharias vor feinem

„Aber Fräulein?" rief er, „wo sind Sie mir fo Äef.Äen?-Ä *ft in 9rö6tet Angst um Sie und jucyt Sie überall."

langen ÖOmUS' ber ^nse Säger folgte ihr

, "'"h der Pfeilburg zurückkehcke, dun­

kelte «s bereits stack; ihre erste Frage galt der Schwe­ster. Ursel sagte ihr, sie sei nach dem Armenhause gegangen und mußte eigentlich längst zurück sein D e Alte war so unruhig daß sie ihre Herrin damit an- steckte und eine heimliche Angst sich Rottmuts be- mächtigke. Ein Gedanke quälte sie besonders- wenn nun der wüste Gesell, der Anton Zacher, das hinge wehrlose Geschöpf im Walde trqf, wenn er ste be­leidigte und ihr Böses znfügte, sie vielleicht beraubte und tötete — des Vaters Schuld an dem Kinde rä­chend«-»

In unbeschreiblicher Bangigkeit wartete Rottraut aus Willis. Ste schickte ins Dorf, in das Armenhaus, und beschloß, den Forst mit Fackeln durchsuchen zu lassen — da, Gott sei Dank, vernahm sie Willis mun­tere Siimnie, und gleich daraus stürmte diese ins Zim­mer und in die Arme der Schwester- In hastiger Frage und Antwort klärte sich alles auf und mit einem Seufzer der Erleichterung schloß Rottraut ihren Lieb­ling zärtlich in die Arme.

»Aber jetzt mußt Du Hellmut — wollte sagen, Herrn von Stahlbach, leimen lernen!' sagte Willis, und ehe sie noch ausgesprochen, eilte sie in die Halle und rief: „Bitte, kommen Sie doch, Herr von Stahl­bach! Rottraut möchte Sic kennen lernenI"

Der junge Freiherr hatte seine Büchse und Kappe abgelegt und feinen Anzug, fo gut es ging, in Ord­nung gebracht. Jetzt folgte er dem jungen Mädchen

Staunend fall er sich um: wie reich und geschmack- 1 voll war hier alles, wie vornehm erschienen ihm die hohen Zimmer mit den Bogenfenstern, der dunklen Eichentäfelung der Türen — wahrlich, die Pfeilburg staud dem Grafenhorst nicht nach Willis ergriff in ihrer kindlichen Lebhaftigkeit seine Hand und führte ihn zu Rotkraut, beide einander vorsteltend.

„Entschuldigen Sie gütigst diesen Anzug, gnädi­ges Fräulein", begann Stahibach, »er paßt allerdings nur wenig für den Salon."

In ihrer freimütigen Art hielt Rottrant ihm die Hand hin. »Ich danke Ihnen", sagte sie herzlich. „Sie haben mir einen großen Dienst geleistet, Herr Baron. Ich sing bereits an, niich um den kleinen Wildfang zu sorgen."

Sie gab Willis leise einen Auftrag, woraus diese das Zimmer verließ. Hellmut aber sprach in tiefer Bewegung:

»Sie danken mir für den geringfügigen Dienst? Was soll ich da tun, wie soll ich das ausdrücken, was meine Seele bewegt, was ich mich heiß gesehnt. Ihnen auszusprechen? Nein, nein. Sie dürfen nicht abweh­ren! eie müssen hören, was ich Ihnen am lieb­sten kniend fügen möchte l Durch die Zurückerstattung

öcr fechzigtaujeild Mark hoben Sie so edel gehandelt, Vaß mein ganzes Leben nicht binreichen wiirde, Ihnen meine Ergebenheit und Verehrung au-szudrücken!"

In höchfier Erregung bebte die junge, frische Stirn« me, und Hellmut von Siablbach beugte sich über Rot- irauts Hände, sie inbrünstig küssend-

„Sie empfingen nur zurück, was Ihnen gehörte", sagte sie leise, „eS war selbstverständlich, daß ich eS tat."

„Mein Vetter, Graf Pfeileck, schrieb mir von Ihrem hochherzigen Entschluß; er bemerkte auch dazu, daß Sie nicht nölig hätten, nur das Geld zu zahlen, und er meinte, es sei schön und edel von Ihnen; jeder­mann müsse solche Gesinnung ehren, die aus dem Ge­fühl entspränge: »Adel verpflichtet-"

„Wie — das — das —' Rottraut stockte — „das schrieb Ihnen Graf Pfeileck?"

„Ja. bei meiner Ehre, das tat er! Und als ich gestern hier ankam und meine erste Frage war, ob ich Sie bald zu sehen bekäme, da wunderte es mich, daß er eine ausweichende Antwort gab. Ich dachte, der Grafenhorst und die Pfeilburg führten fleißige Nachbarschaft? Aber auch Fräulein Willis sprach sich so seltsam in dieser Hinsicht aus."

„Wir sympathisieren nicht miteinander", versetzt» Rottraut kurz. Dann fragte fle den Jüngling hastig, wo er bisher gelebt und was er getrieben hatte.

„Ich war in einer abhängigen Stellung", erzählte er, „weit von hier entfernt und glaubte, daß es noch lange mit mir fo fortgeben würde. Kennen Sie die Radierungen von Schneider? Es liegt in dem einen feiner Bilder, was ich mein Schicksal nannte, bis Hart­wigs Mitteilung mir die Ketten von den Armen streifte. Das Werk, von dem ich spreche, heißt: »DaS Gefühl der Abhängigkeit." Es stellt eine gefesselte Männergestalt dar, die, von einem schrecklichen Ung» tönt bewacht, von feinen Riese normen umzingelt, fei« nen Ausweg zur Freiheit findet und vor den bos­haften, glühenden Blicken des Unholdes feine ©neigt» unb Lebenslust erstarren fühlt."

(Fortsetzung folgt.)