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37. Jahrgang

Fulda, Samstag den 26. Februar 1910

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als daß er wieder wird, was er vor dem Jahre 1907 gewesen. Ein Zusammenarbeiten für die gemein- sckaftlichen wirtschaftspolitischen Interessen ist wieder möglich, aber es ist auch nicht ausgeschlossen, daß die barten und selbstbewußten Köpfe von hüben und drü­ben hier und da wieder zusammenstoßen. Hoffentlich werden die Mitglieder des Bundes der Landwirte gegenüber allen kulturkämpferischen Einflüssen sich noch den jüngsten Erfahrungen noch mchr als bisher bewußt werden, daß die berechtigten Interessen bej Landwirtschaft, sowohl die materiellen als die idealen, nicht ohne oder gar gegen das Zentrum erfolgreich zu wahren sind. Wenn die Hauptversammlung sich freute über die Proben der Ohnmacht, die der hetzende Libe­ralismus bei den Nachwahlen abgelegt hat, so wird sie den Anteil des Zentrums an diesem Erfolge gewiß nicht unbeachtet gelassen haben. Der letzte durchschla­gende Triumph in Mülhrim-Wpperfürth war ja tat­sächlich eine Zentrumsleistung. Der Direktor des Bundes, Abg. Diederich Hahn, würzte die Verhand­lungen mit einer pikanten Parole, indem er einen landwirtschaftsfreundlichen „Block von Hehl bis Heh- debrand' in Zukunftsmusik besang. Wir dürfen wohl annehmen, daß dieser Block nicht zur Ausschaltung, sondern zur Einschaltung des Zentrums bestimmt sein soll Wir wünschen auch, daß der Gährungs- und Klärungsprozeß in der nationalliberalen Partei mit der Ausstoßung der jungliberalen Elemente enden und die Rückkehr des rechten Flügels zur „altliboralen" Mäßigung bringen möge. Aber die Genesung braucht Zeit, und es ist vielleicht noch etwas verfrüht, das neugeborene Kind bereits mit einem Ramm zu be­legen.

Am Freitag und Samstag voriger Woche fand im Reichstag die Besprechung des Neuen Tole­ranzantrags des Zentrums statt. Die Ne­gierung scheint der religiösen Freiheit, die dem Tole­ranzantrag zugrunde liegt, keine Bedeutung üeizu- messen, denn bei der Beratung war weder der Reichs­kanzler noch außer dem Braunschweigischen Bundes­rotsbevollmächtigten ein Vertreter der Verbündeten Regierungen zugegen. Auch die anderen Parteien des Reichstags, obwohl die meisten von ihnen dem Grund­gedanken des Antrags zustimmten, konnten sich für ihn nicht erwärmen und so wurde er denn auch in ncrment- licher Abstimmung mit 160 gegen 150 Stimmen ab­gelehnt. Wenn nun auch das Zentrum hierin keinen positiven Erfolg aufzuweisen hat, so ist doch aus der Besprechung des Antrags für uns ein großer nwrali- scher Vorteil cntftanben; denn die einzelnen Bundes­staaten sind darmif aufmerksam gemacht Warden, daß in ihren Landen noch nicht alles so ist, wie es für die Katholiken sein müßte, und dies zu erreichen, war ja auch der Hauptzweck dieses Zentrumsantrags.

Ein Nachspiel zur Einbringung der Wahlrechts- Vorlage im preußischen Abaeordnetenhause durch den Reichskanzler bildete eine sozialdemokratische Inter­pellation im Reichstag über Aeußerungen des Reichskanzlers üb er das Reichstags­wahl recht im Abgeordnetenhause. Der Reichs­kanzler erklärte, daß ec unbedingt an dem bevorstehen­den Reichstagswahlrecht sesthalte, und die Parteien des Hauses schenkten seinen Worten Glauben, wenn die auch hervorhoben, daß die Art dec Kritik des Reichskanzlers am Reichstagswahlrccht über das zu­lässige Maß hinausgegangen sei. Bei dieser Gelegen­heit sprechen sich auch sämtliche Parteien des Reichs­tags für Beibehaltung des jetzigen Wahlrechts für den Reichstag aus.

Durch das ungebührliche Benehmen der sozial­demokratischen Fraktion des Abgeordnetenhauses ge­genüber dem Reichskanzler bei der Einbringung der Wahlrechtsvorlage wurde ein konservativer Antrag auf Aenderung der Geschäftsordnimg des Abgeordnetenhauses hervorgerufen, der aber bei den Parteien des Hauses aus der Erwägung heraus, daß ein einzelner Fall, der sich wahrscheinlich nicht mehr wiederholen werde, kein Anlaß zu einer Aende­rung der Geschäftsordnung fein könne, keinen beson-

Wochen-Rundschau.

[:] Fulda, 25. Februar 1910.

Der Reichstagspräsident Graf Stol- jh e - g ist gestorben, in den Sielen, im Gegensatz zu 'seinen Amtsvorgängem, welche alle in Ruhe chre Muße genießen konnten. Drei Jahre war er Präsi­dent, ebensolang wie fein zweiter Vorgänger Frhr. Hon Buol-Berenberg (1895-98). Die Präsidenten deS Deutschen Reichstags sind nicht lange im Amt. Graf Ballestrem schlug mit acht Jahren den Rekord, .wenn man nicht die zwei Perioden v Levetzows(von '1881-84 und 1888-95) zusammenzählt. Die Presse aller Parteien hat dem verblichenen 11- Präsidenten Lob und Anerkennung gezollt. Die Wahl des neuen Reichstagspräsidenten ist auf den 1. Marz fchgesetzt. Als wahrscheinlicher Nachfolger des Gmfen Stolberg itoirb Graf Schwerin-Löwitz genannt, bet be­reits am Samstag vom Reichstag zum Hilfspräsiden- ien erwählt würbe tmb sich auch bereit erklärt hat, eine eventuelle Wahl anzunehmen.

f Durch Kompromisse bas Gute an einer Gesetzes­vorlage sichern unb möglichst viel Schlechtes auszu- 'merzen, ist Pflicht der Abgeordneten und Parteien, sofern der ganze Fortschritt nach Lage der Dinge nicht erreicht werden tonn. Der „Alles- ober Nichts"- Standpunkt der Sozialdemokratie entspringt weder dem Pflichtgefühl noch der Klugheit. Und'noch immer ist der Spatz in der Hand der Taube auf dem Dache vorzuziehen. Die preußische Wahlrechts­reform wird ohne Kompromisse nicht zustande kom­men. Auch das Zentrum wird hier ober ba von seinen an sich berechtigten Forderungen Zugeständ- inisse machen müssen, um das Wertvollste an der Re­form, die geheime Wahl, zu sichern — vorausge­setzt, daß diese Zugeständnis-' feine Grundanschau-

beren Anklang fand und deshalb der Geschaftsord- nungskommission überwiesen wurde, wo er womöglich ein stilles Begräbnis finden wird.

Der österreichische Minister der auswärtigen An­gelegenheiten, Baron Aehrenthal, stattete nun- mehr auch der deutschen Reichscegiemng seinen Be- such ab Die Bedeutung dieses Besuches geht weit Über den Rahmen der gewöhnlichen Ministerbesuche hinaus. Bismarck sagte einmal, daß der Balkan die Knochen eines pommerschen Grenadiers nicht wert sei Heute aber ist der Balkan der Zankapfel Euro­pas Im vorigen Jahre stand seinetwegen der Völ­kerkrieg -auf Messers Schneide, und nur dem treuen deutsch-österreichischen Bündnis ist der Friede zu dan- ken gewesen. Neuerdings ist der österreichisch-russische Gegensatz gemildert worden. Zweifellos wird der Be­such des österreichischen Ministers dieses Thema be­treffen. Er ist ein Dokument der BüudmÄreue bei­der Monarchien; und wenn des deutschen Reichskanz­lers bevorstehender Besuch in Rom dem „Dritten im Bunde" die Extratour-Gelüste nimmt und die öster­reichisch-italienischen, nicht gerade brillanten Beziehun­gen bessert, so hat Europa Ruhe unb Frieben. Denn die stärkste Schutzwehr des Friedens ist der stacke Dreibund!

In U n g a r n hat sich am Samstag eine neue Re­gierungspartei gegründet unter dem Namen „Natio­nale Arbeitspartei", in der der Ministerpräsident Khnen-Hedervary das Resormprogramm der Regie­rung entwielte unb eine Wahlreform auf ber Grund­lage des allgemeinen Wahlrechts zusicherte Das Be­denkliche an'dieser Politik Khuens ist aber sein allzu unbedingtes Hmneigen zu der neu erstehenden libe­ralen Partei und bereit Führer Tisza. Dieser ist ein entschiedener Gegner einer demokratischen Wahlre- sorm. Zwar hat der Ministerpräsident schon öffent­lich ausgsprochen, daß er in diesem Punkte nicht der Ansicht Tiszas ist, aber es ist fraglich, ob er in der Lage und dauernd Willens sein wird, sein Ziel gegen Tisza durchzusetzen.

In England strebt infolge des am Montag erfolgten Wiederzufammentritts des Parlaments die feit langem bestehende Krise der Entscheidung entge­gen. Neben der Erledigung des Budgets handelt es sich bekanntlich um die Regelung des Verhältnisses zwischen Oberhaus und Unterhaus in der durch die llnterhaus-Neuwahlen verzeichneten Rich­tung. nämlich Beseitigung des Vetorechts des Ober­hauses und zeitgemäße Reform desselben durch Be­seitigung der Erblichkeit der Peerssitze. Schwierig­keiten begegnet nur die Vetofrage, da die den Aus­schlag gebenden Iren nut dem von der Regierung vor- geschlagencn Modus ber vorläufigen Regelung durch Resolutionen noch nicht einverstanden sind.

Auf dem Balkan ist eine relative Ruhe einge­kehrt. Der Streit um Kreta ist wieder einmal um ein Stück hinausgeschoben worden. Die Machte haben sich redlich bemüht, möglichst viel Del auf die Wogen ber Erregung zu schütten Aber hinter all diesen Be­ruhigungsmeldungen steht die bange Frage: Auf wie lange? Daß für die Dauer der Friede erhalten bleibt, ist kaum anzunehmen. Da» iiingtürkische Komitee sucht in dem Bestreben, sich im Lande Ansehen zu ver­schaffen, eine günstige Gelegenheit loszuschlagen. Die Situation ist in den letzten Tagen dadurch bedenklicher geworden, daß es im Komitee selbst wieder einen Riß gegeben hat. 43 Deputierte, meist unzufriedene Ko­miteemitglieder, haben in Konstantinopel eine neue Partei mit dem Namen Volksvarfei gegründet. Diese Tatsache kann natürlich ben Durst des Komitees nach blutigen Lorbeeren nur vermehren.

In Aegypten hat die nationale Strömung bis­her sich im allgemeinen in aanz ruhigen Bahnen gehal­ten. In ber vergangenen Woche ist sie jedoch in einem verbrecherischen Anschlag, dem der Präsident des Mi­nisteriums zum Opfer gesallen ist, in erschreckender Weise zum Ausdruck gekommen. Das Attentat ist als ein Ausfluß des Hasses gegen die englische Herrschaft anzusehen.

Deutsches Reich.

)( Der Geschäftsbericht des Reichsversiche­rungsamtes ergibt einige Zahlen von allge« meinerem Interesse. Es waren danach im letzten Jahre 27,1 Millionen Personen gegen Unfall versichert. 653376 Unfälle wurden angemeldet, 136441 erstmalig entschädigt. Die Schiedsge« richte für Arbeiterversicherungen hatten 76000 Berufungen und 39 000 Anträge auf anderweit« Feststellung der Renten zu erledigen. Bei der Invalidenversicherung kennt man die Zahl der Versicherten nicht. Die Versicherung hat in den 22 Jahren ihres Bestehens bisher aus Bei­trägen 187 Millionen Mark eingenommen. Am Schluffe 1909 hatten die Versicherungsträger ins­gesamt ein Vermögen von l1/» Milliarden.

* Ein Budget, aus dem man lernen kann. In der sozialdemotratischen ,Neuen Zeit' ver­öffentlicht ein unverheirateter Genoffe sein Jahres budget. Der Mann hat insgesamt 1045 Marl ausgegeben, davon 69,05 Mk. für Verbands beiträge und 22,23 Mk. für Steuern ins gesamt. Die Verbandsbeiträge waren also übe, dreimal so hoch wie die „unerschwinglicher Steuern". Außerdem gab der Genosse aus fist „Vereinsbeiträge" 9,30 M., für „Litera­tur" 57,59 Mk., für „Bildungsmittel* 13,25 Mk. für Streikunterstützungen 3,70 Mark und für den Bau einer „roten Turn­halle 5 Mk. — Von seinem Jahreseinkommen hat also dieser Genoffe 157,89 Mk., also fast ein Fünftel der Gesamtausgabe direkt oder in­direkt der Sozialdemokratie geopfert.

+ Ueber die Erbanfall steuer sprach wie be» richtet auf der Tagung des Bundes der Land­wirte in Berlin Prof. Suchsland-Halle. Seinen Ausführungen entnehmen wir noch das folgende:

Zunächst feien auch die Nationalliberalen unb Fre sinnigen gegen die Besteuerung des Kinder- und Gatten­erbes gewesen, bann aber hätten sie aus politischen Gründen ihren Widerstand aufgegeben unb den Bund der Landwirte wegen seiner konsequenten Haltung mit ben schlimmsten Beschimpfungen bebacht. Mit großem Geschick wies Redner dem Großkapital und dem ihm verbündeten Liberalismus nach, wie sie alles versucht hätten, um die das Kapital treffenden Steuern zu Falle zu bringen, wie sie selbst über die geringfügigste Steuer Zeter und Mordio geschrieen und wie das Großkapital noch im letzten Augenblick versucht habe, die Talon­steuer zu umgehen. Endlich geht Redner auf die Erb­schaftssteuer selbst ein. Das wahre Gesicht der Steuer auf das Kinder- und Gattenerbe fei ein Gesichl mit einer krummen Nase, und vor biefer krummen Nase fei der Liberalismus auf die Kniee gefallen. (Brausender Beifall und stürmische Heiterkeit.) Die Erbschaftssteuer, io führte Redner aus, sei nur deshalb so eifrig ve» fochten worden, weil bei ihrer Annahme das Groß­kapital steuerfrei ausgegangen fei. Mit anerkennens­wertem Freimut bat Redner die evangelische Geistlich­keit, die zum größten Teil dem Bund der Landwirte seine ablehnende Haltung gegen die Erbschaftssteuer übel genommen habe, den Appell an die christlich Nächstenliebe zu unterlassen. Die Gründe, die zur Ab­lehnung geführt hätten, feien sittlicher und politischer Natur.

Einspruch muß erhoben werden dagegen, daß her Redner zum Schluß sagte, daß einem aus der Grundlage des gleichen, allgemeinen Wahl­rechts gewählten Parlament eine so allgemeim Besitzsteuer, wie d.e Nachlaßsteuer sie darstellte, nicht in die Hand gegeben werden dürfe. Aut der Diskussion sei noch erwähnt, daß Dr. Oerte! mit anerkennenswerter Entschiedenheit die Angriff« derer zurückwies, die dem Bunde einen Vorwurf daraus machten, daß er mit dem Zentrum zusammengegangen sei; es sei doch keine Sünde,

die Negierungsvortage macht.- umgekrempelt. Ihre sind freilich noch nicht verbindlich, und ein Linea wäre voreilig. Das Eine aber ist sicher: Ohne chie geheime Wahl stimmt das Zentrum keinem Kompromiß zu.

Der Landwirtebund hielt in Berlin seine Übliche Frühjahrsparade ab, die erfte nach dem großen Blocllrach. Von den Steuerhetzem war dem Bunde der Landwirte eine ganz besondere Revanche für seine Beteiligung an dem „Raubzuge" angedroht worden. Man hatte als Gegengewicht gegen bei agrarischen iöunb ben Hansabund gegründet, unb zugleich als deinen Torpedo zur Sprengung des Landwirtebundes z>en neuen „Bauernbund" losgelassen. Unter diesen Umständen wurde der diesjährigen Hauptversamm­lung mit besonderem Interesse entgegengesehen. Das Ergebnis ist — kurz gesagt — die Bekundung, daß der Bund der Landwirte unerschütteck und unverzagt dasteht. Die unnatürliche Verbindung mit dem Libe- rolismuS, der zum größten Teile anttagrarisch ist, hatte den Bund in eine schiefe Stellung gebracht. Da­mals prüfte man die Kundgebungen des Bundes vor allem von dem Gesichtspunkte aus, ob und inwieweit die Taktik des Fürsten Bülow unb das aufgepeitschte .konfessionelle Urteil ben Bund bewegen könnten, int »Verein mit ben alten Feinden der Landwickschast 'gegen die alten Freunde der Landwirtschaft vom Zen­trum zu Felde zu ziehen. Jetzt aber hat der Bund die Freiheit der Bewegung wieder, unb e? kann nie­manden überraschen, daß er seine Kampffront wieder i dorthin richtet, wo die Gegner ber von ihm bertretenen jJnteressen sitzen Zu dieser Klärung der Lage hat die tolle Agitatton der gesamten Liberalen von Bas- sermann bis Payer das ihrige beigetragen. Wir sagen daS nicht etwa, um ein Bündnis zwischen dem iLandwiriebund und dem Zentrum an die Wand zu : malen- Unsere Partei bleibt, was sie war, und vom .Bund der Landwirte erwarten wir nichts anderes.

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Kleine Größen.

Von Egon Noska.

(Nachdruck verboten.)

. In der Regel pflegen Menschen, die ungewöhnlich klein sind, auch keine großen Geister zu werden. Das alte Wort des Lateiners „Mens sana in corpore isano" — „ein gesunder Geist ein gesunder Körper" sinket hierbei seine natürliche Geltung. Indessen ge- höck eben nicht Größe des Körpers unbedingt zur Gesundheit, unb wir besitzen gerade aus unseren Ta­gen zwei Beispiele von Männern, die bei geringer Größe des Körpers eine ungewöhnliche Bedeutung patten, und daß beide ein hohes Lebensalter erreich­ten, beweist auch, baß in bem kleinen Körper eine ge­sunde Lebenskraft steckte

, A d o lf Menzel die „kleine Exzellenz', bet "berühmte Maler, und Ludwig Winb thor/t, bie -Perle von Meppen", diese BerÜhmthetten unserer . Zeit, der große Künstlet und ber große Staatsmann, bie ungewöhnlich kleine Erscheinungen waren, haben das biblische After beide überschritten.

Indessen waren beide eben nut klein, vielleicht mich auffallend klein, zumal gegenüber ihrer geistigen lvröße. Aber sie waren immerhin keine Zwerge.

Ein solcher aber war zum Beispiel Johann Wil- ,helm Prey er, bet berühmte rheinische Stilleben, ^scker, der Jahrzehnte hindurch als Rettor ber Düs- Künstlerschule Ansehen genoß. Preyer, der T '» Rheydt das Licht ber Welt erblickte, wat ein eigentlichsten Sinne. Seine eitern waren bnirkm' gründe Menschen 'wn normalem Wuchs unb ftinhe™"1? tfr° Körperbau; aber von den zehn oj Aiern blieben drei im Wachstum zu- W, m&brenb sich die anderen normal entwickelten. farmebätoTS Ä« “'Wtörittenen Stande

*** unb daß Wilhelm

Preher, ber kleinste von allen breien, der als vollkom­men ausgewachsener Mann wie ein etwa achtjähriger Knabe erschien, stets kräftig unb gesund war, ein un­gewöhnlich hohes Alter erreichte, seine sämtlichen Ge­schwister überlebte unb bis zu seinem Tode kaum je­mals ernstlich krank gewesen ist. Sein älterer 5Bruber, Gustav Preher, bet ebenfalls Zwerg war und sich auch ber Malerei widmete, starb, ehe er noch in der Kunst sich einen großen Namen erwerben konnte.

Peter von Cornelius, der damalige Leiter der Düsseldorfer Akademie mar,. wurde im Herbste 1822 ber Lehrer Preyers. Et wies biefen auf bie Still­lebenmalerei hin Später wat Cornelius dann nach München gegangen, und als Preher sich auch dockhin wandte, wat fein erster Besuch bei dem Meister- Er erzählte selbst gern von diesem ersten Besuch daS fol­gende scherzhafte Erlebnis: Er kam vormittags in die Wohnung von Cornelius, wo er vom Dienstmäd­chen ben Bescheid erhielt, daß der Herr Direttor nicht zu Hause sei. Da er zu wissen verlangte, wann der Herr nach Hause zurückkehre, meldete baS Dienstmäd­chen der Herrin, daß draußen ein Knabe sei, der durchaus ben Herrn Direktor zu sprechen wünsche Die Frau Direktor, bie zweite Gattin beS Künstlers eine ebenso schöne wie liebenswürdige Frau, bie Preher noch nicht kannte, verfügt sich hinaus, um selbst mit dem Shtaben zu sprechen: „Was willst Du mein Junge?' fragt sie den vor der Tür wartenden Maler, der beim Erscheinen der schönen, stattlichen Dame ehverbietig sein Somtbarett zieht. „Ich wün- sche den Herrn Direktor zu sprechen', antwortet Preher mit seiner dünnen Knabenstimme. Mein Mann ist nicht zu Hause; kann ich ihm nicht bestellen was Du ihm zu sagen hast?" „Mein, ich muß ihn selbst sprechenl' DaS artige Benehmen »eS .Knaben' erregt das Interesse und bie Neugier der Dame, und sie sagt schfteßlich: „9hm, mein Junge, wenn Du Zett hast, so komme nur herein, vielleicht kommt mein Mann balbl' Preher, beffen ganzer Künstlerübemiut nun erwachte, spielte nun geschickt bie Rolle des Kna­ben weiter, beantwortete bie Fragen, die an ihn ge- stellt wurden, mit einer Kindlichkeit unb doch dabei so gescheft, daß die Fron Dircktmtu ganz entzückt von

dem netten Jungen ist, ihn streichelt und hätschelt unb ihn schließlich — lebhaft, wie sie war — auf den Schoß nimmt, um sich so recht herzlich au dem munte­ren Geplauder des Kleinen zu erfreuen. Da wird plötzlich bie Türe geöffnet und Cornelius erscheint, der fofort die Situation erkennt unb, ben Künstler begrüßenb, ausruft: „Ei, guten Tag, Herr Preyer, wie kommen Sie nach München!' Mtt lautem Auf­schrei läßt bie Frau Direktorin ihr Schoßkind fahren unb flüchtet in ihr Zimmer, währenb Cornelius unb Preyer sich vor Lachen ausschütten wollen. Später beim Mittagsmahl, zu dem Preyer bann bleiben mußte, belachten bann alle drei gemeinsam das heitere Mißverständnis.

Eine andere Berühmchett von geringer körperlicher Größe war der Polyhistor Hermann Cenring, der ebenfalls durch ein stattliches Lebensalter bewies, daß der kleine Körper gesund und kräftig war Ge­boren 1606 zu Ostfriesland, starb Conring erst tm Jahre 1681 in Helmstadt, wo er an der Universität eine Zierde des Lehrkörpers war. Er war ber Be­gründer ber deutschen Rechtsgeschichte, aber auch in verschiedenen anderen Wissenschaften eine Leuchte.

Einst wurde er vom König von Dänemark, ber ihn zu seinem Staatsrat ernannt hatte, eingelaben, an seinem Hofe zu erscheinen. Der König sandte ihm einen Hofwagen mit vier Pferden, den großen Ge­lehrten abzuholen; der Wagen fuhr vor, unb Corning bestieg bas Gefcchrt.

Aber ber Kutscher machte keine Miene abzusahren. Endlich fragte man ihn, ob et denn nicht bald die Rückreise antrete. Jo, meinte er, er solle ja einen Gelehrten zu Hofe fahren. Der sitze schon lange im Wagen, bedeutete man .hm. „Ach, da» ist ber Herr, ben ich fahren soll?' fragte der Kutscher derwundert. „Dem zu Gefallen hätt' ich nmhrlich nicht nötig ge­habt, vier Pferde einruspannen Denn hätf ich auch auf bem Arme zum König bringen können '

Der große Gelehrte aber Ivar viel zu vertieft in seinen Gebanken, als baß er von diesem Zwiegespräch hätte Notiz nehmen sollen.

Auch der berühmte Satiriker unb Physiker Lich­tenberg, ber von Geburt an klein war und dazu

noch burch einen unglücklichen Fall in seiner Jugend bucklig wurde, gehörte zu den kleinen Größen uni zwar zu denen, die unter ihrer unglückseligen Erschei nung litten, denn der berühmte Mann war nich ohne Eitelkeit.

Jebesmckl, wenn beim Beginn eines neuen Se> mesterS neue Studenten in seinen Hörsaal in Göt­tingen kamen, wo er einer der berühmtesten Universi­tätslehrer war, betrat er nicht ohne Verlegenheit den Lehrstuhl, denn ber Gedanke, daß bie jungen Leute, die von ihm viel gehört hatten, nun über ben Anblick des Krüppels erschrecken müßten, bereitete ihm nicht geringe Pein. Er ließ sich ungern in den Rücken sehen unb ging selten aus. weil er den Anblick seiner Gebrechlichkeit ungern andern zeigte.

Klein und buckelig waren auch der Philosoph Moles Mendelsohn und ber Dichter Gottlob Wilhelm Burmann, welcher im Jahre 1805 in Berlin starb. Während Lichtenberg und Moses Men­delsohn nicht bie fünfziger Jahre überschritten hatten, erreichte Burmann ein Atter von nahezu 70 Jahren unb hätte es vielleicht zu einem sehr hohen LcbenS- alter gebracht, wenn er nicht durch Hungern und Mangel an Pflege wahrend einer Krankheit seine Lebenskraft eingebüßt haben würde.

— Auch! Serenissimus: (besucht das Atelier deS Hofmalers. Er bleibt vor einer Staffelei stehen): »Ach, da haben Sie Frau von Milde porträtiert, wirklich famos! sehr ähnlich!' — Maler: „Ver­zeihung, Hoheit, das ist ja nicht Fran von Milde, daS ist ja Fräulein von Senden.' — Serenissimus: „Ah, Frmrlein von Senden — auch sehr ähnlich!"

— Bestätigung. Minna: „Mein neuer Schatz ist Vizefeldwebel der Reserve." — Lina: „Da» glaube ich nicht, daS sind doch feine Herren.' — „Minna: „Das ist der meine auch; gleich am ersten Abend habe ich ihm 50 Mark leihen müssen.

— Aufrichtig. Frau: „Ob ich heute zum Kaffee­kränzchen gehe, weiß ich noch nicht!" — Mann: „Es hangt wohl davon ab, wer sonst noch hin­kommt?" — Frau: „Nein, wer nicht hinkommt.'