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^ulda, Samstaa den 26. Februar 1910

37. Jahrqanff

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Z)r:ittes WlcrtL

Reklamen- ««d Anzeigenteil.

zwischen den Regierungsvertretern, welche über­zeugt sind, daß Abdul Hamid noch große Sum- men in Banken deS Auslandes versteckt hält, deren-sich die Regierung bemächtigen will, und dem ErsuMan, der für sein Leben fürchtet, wenn man wisse, daß nichts mehr bei ihm zu holen sei. Er heuchelt daher Wahnsinn, um sich dem starken Druck zu entziehen. — Das Kriegs- Ministerium hat alle Offiziere von neuem auf- gefordert, sich nicht mit Politik zu befassen.

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Ä .Illustrierte Sonntagszeitung"

-Mt täglich «üt - ahme »er §o.m- x^nMertaqe-viertel­jährlicher Vezug5preir ohm Sringerlohn nnd kesteTgeldinMdas-- wrrRrrisartrl'SSM.

Ausland.

% In der persischen Provinz Kurdistan, wo jüngst die persischen Orte Sakis und Wanne plötzlich von Türken besetzt wurden, die vorgaden, die dortigen aufständischen Kelhor-Kurden be­ruhigen zu müffen, werden 3000 Mann per­sischer Truppen zusammengezogen. Diese Streitmacht soll die Kelhor-Kurden bekämpfen und nach Wiederherstellung der Ruhe die Tür­ken aus dem Lande zu drängen suchen. Auch nach Schiras gehen von hier aus Trup­pen unter dem neuen Statthalter Ferman Ferma ab.

*. Ueber den Grund von Abdul Hamids Wahnsinn wird in alttürkischen Kreisen erzählt, daß die Villa Allatini in Saloniki seit Wochen der Schauplatz eines förmlichen Ringens ist

eine schwere Beleidigung: eine Behörde behandele niemand unwürdig. Dann war Anklage gegen Holzmeyer erhoben, weil er nicht nach der Vor­schrift den Schulunterricht mit Gesang und Gebet eröffne, es vielmehr als eine „würdelose Poffe" bezeichnet hat, wenn er das auf Kommando tun müsse. Als dritter AnNagepunkt lam das Be­nehmen Holzmeyers in dem neu geschaffenen amtlichen Schulkonvent in Frage. Holzmeyer halte in einer Konventsfitzung einen Antrag ge- stellt, daß der Lehrer nicht zur Teilnahme an den „sogenannten" patriotischen Schulfesten ge- zwungen werden dürfe, da der Zwang zu polt- Uscher Heuchelei führe. Holzmeyer wurde nicht so sehr sein radikaler Standpunkt zum Vorwurf gemacht, als vielmehr die Art seines Auftretens, in der eine gewollte Brüskierung und Provozie­rung seiner vorgesetzten Behörde erblickt wurde.

— Gegen das geheime Landtagswahlrecht arbeitet zur Zeit mit Hochdruck die national­liberale rheinisch-westsälische Großindustrie. Ihr Organ, die „Rh.-Westf. Ztg.", sagt: „Die gesamte rheinisch-westfälische Industrie ist ge- schlossen gegen die Einführung des geheimen Wahlrechts", sie hütet sich aber. Gründe dafür anzugeben, denn diese bestehen in nichts anderem, als darin, die Wähler, die nicht nach der Pfeife der betreffenden Industriellen tanzen, zwiebeln zu können. DaS Blatt verrät zum Schluffe:

„Wie wir vernehmen, ist eine Kundgebung zur Zeit in Vorbereitung, in der sich die bedeutendsten Männer der rheinijch-westfälischen Industrie zu einer Erklärung gegen das geheime Wahlrecht ver­einigen. Es wäre dringend zu wünschen, wenn die Stimmen dieser Männer sowohl in der nationalliberalen Partei, als auch bei den Konservativen und der Regie­rung nicht ungehört verhallten.-

Auf die Kundgebung sind wir gespannt und noch mehr darauf, welchen Eindruck diese For­derungen der Entrechtler der freien Willens­äußerung beim Landtage machen wird.

c< München, 25. Febr. 1910. Das bayeri­sche Abgeordnetenhaus verhandelte gestern über Interpellationen betreffend ein Zeugnis, zwangs«Verfahren in Nürnberg, wo im Disziplinär - Verfahren gegen einen Postsekretär, gegen einen Redakteur und gegen einen Post­beamten Zeugniszwang angewandt worden war. Namens der Staalsregierung erklärte der Ver­kehrsminister v. Frauendorfer, daß die Staals­regierung vor allen Dingen jeden Schein ver­meiden müsse, als wolle sie in ein schwebendes Verfahren eingreifen. Das Verfahren selbst sei im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen.

Wenn man die Sache recht überdenkt, ©daun ergibt stch auch ohne weiteres, warum Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen bei alle» Erkältungen so ausgezeichnete Dienste leisten:

©Die PanMen enthalten eben in vollkommenster Form alle wirksamen Bestandteile der berühm­ten Sodener Heilquellen, und es ist klar, daß ©ähnlich, nur um vieles prompter als die Quellen seibft wirken müssen. Daß die Pillensalze auch dem Magen vortrefflich bekommen, ist eine an- ©genehme Nebenwirkung. Man kauft Fays Sodener in einschlägigen Geschäften für 85 Pfg. per Schachtel.

Aus dem Nachbargebiete.

* Hünfeld, 25. Februar 1910. Das H. Schütrumpf'sche Ehepaar in Leimbach feierte am 20. Februar die goldene Hochzeit und erhielt ein Kaiser!. Gnadengeschenk von 50 Mark. Der Bruder des Jubilars, der 83jährige V. Schütrumpf, starb am Tage vor der Feier, auf die er sich besonders gefreut hatte.

* Lauterbach, 23. Februar 1910. Die Masern- und Scharlach-Erkrankungen nehmen einen bedenklichen Charakter an. Die Volksschule wurde hier und in der Nachbargemeinde Maar geschlossen. Auch in Angersbach, Laudenhausen und Frischborn find Erkankungen vorgekommen.

* Langenselbold, 25. Febr. 1910. Der Knieftock des Stallgebäudes des Landwirts Heinrich Mon wurde eingeäschert. Es wird Brandstiftung durch einen Pflegeschüler vermutet, der seitdem ver­schwunden ist.

* Friedberg, 25. Febr. 1910. Die hiesige Großherzogl. Blinden-An statt kann in diesem Jahre das Jubiläum ihres 60jährigen Be- stehens feiern; sie wurde als Privatanstalt im Jahre 1850 gegründet und 1859 übernahm der Staat die Schule als einzige Blinden - Anstalt Hessens. Die Anstalt ist Schule und gewerbliche Anstalt, kann aber nur bis zu 40 Schüler auf- nehmen und ist immer voll besetzt. Unter den Zöglingen befinden sich 25 im schulpflichtigen Aller. Die Anstalt ist längst zu klein geworden und soll einem Neubau weichen, für den die Stände be­reits zwei Raten bewilligt haben.

t. Kassel, 25. Febr. 1910. Der Albertus- Magnus-Verein hat unter der rührigen Lei­tung des Herrn Fr. Millers im vergangenen Jahre sich recht gut entwickelt; die Mitgliederzahl ist um 27 gewachsen und beträgt jetzt 75. An Jahresbeiträgen wurden 135 Mark gezahlt (nach Abzug der Unkosten). Außerdem hat ein Herr durch Zahlung von 100 Mark die lebenslängliche Mitgliedschaft erworben. Möge man sich überall und in allen Kreisen immer mehr für den Verein interessieren.

♦ Apolda, 23. Febr. 1910. Das Söhnchen des Arbeiters Thirsch wurde von einem Wagen üb er­fahren und getötet.

* Hachenburg, 24. Febr. 1910. In der Nähe des Bahnhofes Hachenburg wurde die Leiche des aus Selters i. W. stammenden Metzgergesellen Neu­haus gefunden. Allem Anschein nach ist Neuhaus freiwillig in den Tod gegangen.

♦ Aus dem Rhringau, 22. Febr. 1910. Auf einem holländischen Schleppkahn ist der von Koblenz aus mitfahrende Zollbeamte auf der Fahrt zwischen Schierstein und Mainz über Bord ge­stürzt und ertrunken.

* Bad Ems, 25. Febr. 1910. Um Erspar- nifse an Schulausgaben zu machea hat der Magistrat mit Zustimmung der Schuldeputation beschloffen, an der hiesigen Volksschule künftig zwei Lehrerinnen, und zwar je eine im oberen und unteren Schulbezirk, anzustellen.

vermischtes.

* Zur Kriminalstatistik der Geistlichkeit. Der sranzöfifche Statistiker Dr. Verkrin, Mitglied der Pariser Universität, hat soeben eine Arbeit über di« Kriminalität der Geistlichen und Laien Frankreichs erscheinen lassen. Er kommt dabei zu folgenden Ergebniffen, die ausschließlich auf amtlichem Ma­terial beruhen: Es kamen von 1893 bis 1901 aus 100 000 Juristen jährlich im Durchschnitt 48 Ver­urteilungen zu Zuchthaus, je auf 100000 Aerzte 16, Künstler 28, weltliche Lehrpersonen 5, auf 100000 Welt- und Ordensgeistliche zusammen kamen nicht ganz drei Verurteilungen. Diese Ru- brik vermindert sich noch, wenn man erwägt, daß unter den „Klerikern* auch alle diejenigen Laien begriffen sind, die aus der Kirchenkaffe ihren Haupt­unterhalt beziehen, also Küster, Kirchendiener, Kirchenschweizer, ja selbst die Frauen, die Kirchen- wäsche besorgen.

* Die Ursache des grausigen Mordes in Olden­burg ist ein Raubversuch des jungen Denker. Sein Vater hatte eine größere Summe in Verwahrung, die sich der Bursche des Nachts anzueignen ge­dachte. Statt in der Nacht, erwachte er erst om Morgen um 6 Uhr, versuchte aber noch die Tat auszuführen. Abends hatte er sich schon mit einem Küchenbeil und einem langen Dolchmesser aus- gerüstet. Da er von dem zwei Jahre älteren Bruder, mit dem er in einem Bette schlief, gehin­dert wurde, brachte er diesen durch Beilhiebe und Dolchstiche um und ging bann an den Schrank, wo das Geld verwahrt war. Als der Vater er­wachte, fiel der Sohn über ihn her und richtete ihn fürchterltch zu, ebenso tötete er die Mutter nach Betäubung mit einem Beilhiebe durch einen tiefen Stich ins Hecz. Dann kochte der Mörder den Kaffee für den Mieter, einen jungen Bankbeamten, da er deffen Fragen fürchtete. Die Flucht wurde ihm zum Gluck verlegt, als die Schutzleute ihn wezen eines Einbruchs, den er am Abend vorher ausgeführt hatte, verhafteten.

-Unverschämt. Gläubiger: „Gestern war ich dreimal mir der Rechnung hier." — S chn l dner (entrüstet): ' imb da kommen tote heute

schon wiee

— Reue» Richter: „Außerdem

haben Sie stch der Beamtenbeftechung schuldig ge­macht." — Dieb: „Aber, Herr Richter, wieso bennt — Richter: „Sie haben dem Polizeihund, der Si aufspürte, eine Wurst angeboten."

— Vor dem Spaziergang: „Du, Agathe, blicks geradeaus, ob uns nicht ein Automobil überfährt Du, Charlotte, nach abwärts, ob wir nicht in ei» Loch der Untergrundbahn stürzen, und du, Theobald, siehst aufwärts, ob uns nicht ein Aeroplan auf beit Kopf fällt!'

Drastisches Beispiel. Leutnant: „.... Na, kannst Du mir ein Beispiel davon geben, was Disziplin ist?' — Rekrut: „Wenn der Herr Leutnant sagt, ich wäre ein Schasskopf und ich antworte: Jawohl, Herr Leutnant!' —

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Deutscher Reich.

* Die Berechtigung der Paritätsklagen d" Katholiken in Preußen muß ein sich als KalhoM bezeichnender Autor in einem Artikel „Parität in der neuesten Nummer (6) der „Grenzboten", die über den Verdacht der Zentrumsfreundschaft erhaben sind, zugeben. Unter anderem weist er darauf hin, daß die Paritätsklagen der Katho­liken in einer von langer Hand betriebenen syste­matischen Regierungspraxis, die Katholiken zurück- feben, ihren Grund Haden. Als Beffpiel führt der Autor folgendes an:

Friedrich Wilhelm III , der nüchternste aller preu­ßischen Könige, war der katholischen Kirche abhold und in der Idee der polizeilichen Bevormundung der Kirche befangen. Eine ausgiebige Verwendung von Katholiken für den Staatsdienst schien ihm und seinen Ministern mindestens unklug. An tüchtigen katholischen Be­amten, geschult unter dem Regiment Napoleons und der Rheinbundstaaten, fehlte es nicht. Aber sie kamen nicht auf. Dies und das herrische, Religion und “anbeeilte oft verletzende Austreten der meist aus dem Osten entnommenen höheren Beamten trug wenig da'n bei, die neuerworbenen Landesteile dem Staat innerlich zu geromneu. Wrmntr, wie L. v. Vinke, E. v. Rochow uns D. Smnfenuiaa, des Katholizismus und Ultramontanismus unverdächtig, beklagten die Regie- rungspraxis. Auch unter Friedrich Wilhelm IV. und in der ersten Zeit Wilhelms L verstummten die Klagen der Katholiken über mangelnde Parität nicht. An Anlaß fehtte es nicht. Selbst in überwiegend ka­tholischen Gegenden, besonders in den Blschofsftädten, waren die Landräte und Gerichtsdirektoren protestan­tisch. Unter dem Regierungsschutze bildeten sich künst­liche kleine protestantische Gemeinden, oft meist aus Beamten bestehend. In der katholischen Presse und in der Unterhaltung wurde beklagt, wie schwer die Re­gierung die katholischen Diasporagemeinden aufkommen lasse. Daß der weltberühmte katholische Mathematiker Wcyerstraß von dem kleinen Lyzeum Hosianuin in Braunsberg nach Berlin kam, hatte er der Parlaments­dialektik von A. Reichensperger zu verdanken. Weiter betont der Verfasser: Daß sich gläubiger Katholizismus und strenger Wiflenschastsbetrieb wohl vereinigen lassen, wird durch die Tat vollauf bestätigt. Und schließlich empfiehlt er der Regierung zum Nachdenken die Gewissenssrage: Ob denn wirklich immer bei der Auslese für das Beamtentum lediglich nach sachlichen Gründen verfahren worden ist.

s Gleichwohl glaubt der Verfasser dem Zentrum taten zu dürfen, „die Parität ssrage einmal ruhen zu kaffen und mehr die gemeinsamen als tren­nenden Punkte hervorzukehren". Sonderbare Logik!

i * Zentrum und Postbeamte. Zn dem s. Zt. hier besprochenen Artikel der „Postwelt", des Organs der Oberpostschaffner rc., gibt die Re­daktion in Nr. 8 in längeren Ausführungen die ^Erklärung ab, da : mit dem Artikel ein Angriff auf die Zemrumsvärlri nicht beabsichtigt gewesen ■fei. Auch der Verfasser des fraglichen Artikels verwahrt sich gegen den Vorwurf, daß er die Zentrumsabgeordneten habe angreisen wollen. Angesichts dieser Erklärungen kann man davon absehen, auf die mißverständliche Fassung dieses Artikels nochmals zurückzukommen.

: Seines Amtes entsetzt wurde der liberale

Lehrer Holzmeyer in dem liberalen Staate Bremen. Holzmeyer Ist der Führer des radi- len Flügels der bremischen Volksschullehrer. Holzmeyer hatte in einer Refolutton der früheren Vorstand des bremischen Lehrervereins beschuldigt, er habe die „Würde" des Lehrervereins gegen­über der Behörde nicht genügend gewahrt. Da­rin eMickte der Senat als vorgesetzte Behörde

^ebrarcömarät.

19] Roman von G. Freifrau von Schlippenbach.

Ungeduldig trocknet Settraut endlich die Augen end teilte Hulda in Kürze mit, daß sie schon morgen sie Heimat verlassen und erst nach drei Jahren wie« »erkchreu werde. Alle Reden der betrübten alten Dame kurz abschneidend, kleidete sie sich um und ver­geß das Hous, um einen Gang durch den Garten zu nach«: und Friedrich ins Dorf zu schicken; ct sollte Zacharias mit dem Wagen morgen bestellen. Der Zug nach dem Süden ging um zehn Uhr ab. Bor­ger tooHte Rottraut noch b« Gräber ihrer Eltern bc= tzchen; dann aber galt es, wieder in die Fremde zu ziehen.

„Ich werde zuerst meine Willis Wiedersehen und win für mich allein sorgen', dachte Rottraut stolz.

Durch Ursel hatte fie von den geheimnisvollen drei kchlägen gegen das Portal der Pfeilburg gehört in ser Nacht, die auf den Familientag folgte, der Gün­ther Erich verstieß.

„Wir dachten zuerst, es sei einer der toten Ritter, üt das Wappen zertrümmert, aber der Zacharias bat jvei Männer durch das Dorf retten sehen. Er schwört '«rauf, es feien Graf Hermann August und der Frei­herr Dietrich auf Tesenweiß gewesen. Ganz sachte st er ihnen nachgeschlichen; er hat gesehen, wie sie in »Niger Entfernung von der Pfettburg abgestiegen jnd, und bann fiat er auch die drei Schläge gehört. Us sie fort waren, sah er die drei Stücke des Sand- scins auf den Boden umherliegen. Me kamen alle rei überein, es niemand z« erzMen; denn der Frei­er Günther Erich war unser Gebieter und wir wa- ]n „’fi’n Treue schuldig. Der Mond hat just in der M 5CÖ geschienen, so daß der Zacharias sich nicht ßUicyen konnte.'

Erzählung hatte das junge Mädchen kies fktzt dachte sie daran, als sie die Auge» l kfjwebnefitmnb über ihr Heim gleiten ließ uns wa t zerschlagene Wappen traf. So wie da- r hcu! der Mond sein mildes Licht

"r uie Pfeilburg; das Wetter hatte sich gegen

Sonnenuntergang hin aufgeklärt, voll und runb stieg das Nachtgestirn über dem dunklen Forst empor, und tauchte die Gegend in durchsichtige Silberschleier. Das regenfeuchte Schieferdach des SchloffeS glänzte uud in den Bogenfenstern spiegelte sich der Schein des Mondes. Rottraut stand lange und umfaßte liebevoll mit einem letzten Gruß alles um sich fier.

„Ich will Dich wieder zu Ehren bringen", sagte sie ernst. „Sie haben unser Wappen zerbrochen und mich und Willis geächtet — sie hatten ein Recht dazu. Meine Pflicht wird es sein, uns die Stellung zurück- zuerofiern, die den Töchtern eines Pseileck durch die Geburt zukommt. Du sollst in neuem Glanz erstehen. Tu beflecktes Schild meiner Ahnen, es soll wieder rein strahlen und geachtet werden! Dazu helfe mir Gott!'

Und wie einst die edlen Ritter ihres Geschlechtes die Hand zum Eide erhoben, so stand jetzt Rotttaut stolz aufgerichtet da, und ihre Stimme klang feierlich durch die Stille, als sie sagte: „Ehre und Streue das soll mein Wahlsrruch sein!'

7. Kapitel.

DaS Küraffierreginient Prinz Adolf zog nach dem Herbstmanöver mit klingendem Spiel in seine Garni­son zu St. zurück, von einer jubelnden Bolksmenge be­gleitet, die hinterher stürmte.

Alle Fenster der Häuser waren beseht, und auf offen Gesichtem las man das fröhliche Willkommen, das man den schneidigen Söhnen der Mas entgegen« brachte. Denn die Stadt war wie ausgestorben, wenn die schmucken Krieger in den Straßen fehlten' Die Geselligkeit stockte ohne die Herren Offiziere und dcn liebenswürdigen Prinzen Ferdinand, der so glan­zend zu repräsentieren ttrftanb- Der Palast des Kom­mandeurs lag auf dem großen Alexanderplatz, und seine schönen Raume füllten stch oft mit heiteren Men­schen. Bälle, musikalische Abende und Gartenfeste wechselten in bunter Reihenfolge ab, und alle kamen darin überein, daß eS keinen aufmerksameren Wirt gäbe, als den hohe» Gastgeber, der gewinnende Leut­seligkeit mit den feinsten Umgangsformen vereinte, Seit mehreren Jahren Witwer, führte seine ebenfalls

verwitwete Schwester, die Füffttn Charlotte zu Ro- thenstein. sein Hauswesen. Sie ersetzte seinem Töch­terchen die Mutter, die der Prinz leidenschaftlich ge­liebt. Er war ein stattlicher Mann von fünfzig Jah­ren, von ritterlichem ^'Instand und tiomefimem Aeuße- ren. Mehr als ein Prinzeßchen hatte freudig einge- toiffigt, feine zweite Frau zu werden, trotz des Al­tersunterschiedes; aber der königliche Witwer schien an keinen zweiten Ehebund zu denken, obgleich er ein großer Verehrer der Frauen war und ihnen in seiner bestechenden Art huldigte.

Prinzeß Sfilva, sein einziges Kind, war jetzt fünfzehn Jahre alt und ein allerliebstes Geschöpfchen, das, vom Vater verwöhnt, von der Tante verzogen, sich die Herzen im Spiel gewann. Man nannte fie in K. nur: „unsere kleine Hoheit', und liebte sie wegen ihrer Freundlichkeit und Holdseligkeit, mtt der sie jeden beglückte, gleichviel welchen Standes er war.

Heute sreute sie sich schon seit dem frühen Morgen auf des geliebten Vaters Heimkehr und eilte von Zimmer zu Zimmer, bie Tante mit zahllosen Fragen auälenb.

„Es ist schon zwölf Uhr und sie kommen noch immer nicht", schmollte sie. „Tantchen, hast Du euch di« Depesche richtig gelesen, die Papa Dir gestern geschickt hat?'

„Ja doch, Du kleines Quecksilber', antwortete die Fürstin lächelnd, „so sitze doch endlich ruhig; t tnm ein Buch oder eine Handarbeit, bann wird Dir die Zeit schneller vergehen. DaS Regiment wird sich schon durch Musik anmelden.'

„Ach ja, sie spi-'lcn einen Marsch, ich liebe chn so sehr', fie trällerte die ersten Takte. „Siehst Du, Tantchen, wenn der Vater bann vorbeireitet und so sreundlich zu un5 emporgrüßt, dann möchte ich ihm nm liebsten an den Hals fliegen vor allen seinen Offi­zieren und Soldaten! Nicht wahr, die würden es mir nicht übel nehmen?"

„Wie kindisch Du »och bist", bemerkte die alte Dame und strich liebkosend über das hübsche, blonde Köpfchen „Du wirst doch nun bald stchszehn, — da muß man verständig werden, Shlvchen '

„Ach ja", seufzte die kleine Hoheit ernst. „Aber weißt 2>u, Tante, ich freue mich doch auch sehr auf die spätere Zeit, erstens fiört dos langweilige, viele Lewen und Studieren auf. —"

„Kind, Kind, wie kannst Du so sprechen', mahnte bie Fürstin, „beule doch daran, was Du Deinem Stande schuldig biftl'

„Nun ja', seufzte die Kleine, „aber das kann ich Dir sagen: Bm ich erst siebzehn Jahre, dann sehe ich kein Buch mefir an DaS hat Papachcn mir ver­sprochen und dann — dann wird es schön werden.'

„So? Was r,^ft Du denn dann tun?' fragte die Fürstin.

„Tanzen, alle Lage tanzen, mit Papa cmSreitcn und immer etwas Neues und Lustigeres mir aus­denken ! Ach! Die Leutnants tanzen so himmlisch; da ist der EckerfiauS und der Freiherr von Wandlow, der Herkersdorf und besonders Papas Adjutant, Graf Pfeileck.''

„KlemeS Närrchen', versetzte die Gefragte und küßte das hübsche, rosig« Gesichtchen.

In diescln Augenblick lassen sich die noch entfern« ten Töne der Regimentsmusik hören, Sylva springt wie elektrisiert auf und eilt jubelnd anS Fenster, das sie weit aufstößt.

„Sie kommen, sie kommen!' ruft sie. „Ach Tante, Tante, höre doch!' Den Oberkörper hinausbiegend, blickte sie die Straße hinunter. Immer näher kom­men die munteren Töne, jetzt blitzen die ersten Helme in der Sonne, die Reiter biegen in langem Zuge um die Ecke und das Regiment zieht vorüber. An der Spitze teilt t Prinz Ferdinand auf seinem Vollblut, einen Schritt findet ihm Gras Melleck auf einem prächtigen, feurigen Goldfuchs. Tie schöne Uniform kleidet ihn vortrefflich, tiefgebrmn., blickt sein männ­lich schönes Gesicht unter der blitzenden Kopfbedeckung mit dem silbernen Adlet, tnrö seine dunkelbl-m-n Augen sehen weniger ernst aus, als gewöhnM freut sich, daß das Manöver zu Ende ist 1- balb Urlaub nehmen wird, um nach dem 1

zu reifen, wo die Rehe, Hafen und ie3

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Sehnsucht erwartet 7. -lqt)