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lda, Freitag den 25. Februar 1910

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IKÄ’B«. w°chwl>ei-aL-: „Illustrierte Sonntagyeitmm

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Änxrtgen: o« <m- spaGgePetttreileoder bereit Baum 15 pfg. Reklameud'.eperitzckle 25 pfg., bet wieder- Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Rotatioikrdrvckund Verla-der Fuldaer Ak- tteitintderei in Zulda gernfprecher Nr.».

37. Ja'^an»

.Sie haben als Erbin nicht die Verpflichtung, noch vorhandene Schulden Ihre» BaterS zu zahlen", ergriff Hartwig das Wort, „kein Gesetz kann Sie dazu zwingen — das heißt: kein weltliches — mit dem eigenen Rechtsgefühl in unserer Bmst ist eS etwas anderes."

Rottraut horchte auf.

.So sind also noch Forderungen da?" fragte sie erstaunt.

„Eine Summe von sechSzigtausend Mark', ver­setzte Hartwig.

.Und wer hat dieselbe zu beanspruchen?"

Mein Vetter Hellmuth von Stahlbach', Antwor­tete'bet Graf. .Sein Vater hat dem Freiherrn Gün- cher Erich diese Summe geliehen, die Schuldscheine befinden sich in meinen Händen. Wünschen Sie sie zu sehen, gnädiges Fräulein?'

Er zog seine Brieftasche hervor, erhob sich und breitete mehrere Papiere auf dem Tische aul Rot- traut meinte den Boden unter ihren Füßen schwinden zu fühlen; sie erbleichte säh, aber auch sie beherrschte sich mit übermenschlicher Kraft, und ihre Stimme klang fest und ruhig, als ste sagte:

.Wollen Sie gütigst die Leitung der Geschäfte auch ferner führen, Herr Graf, und die Forderung der Freiherrn von Stahlbach befriedigen? Da» Rechtsgefühl in meiner Brüst' — ste lächelte spöttisch — .erlaubt mir nicht, ander» zu hondckn."

.Habe ich Sie recht verstanden? Sie gehen ohne Vorbehalt auf meine Andeutung ein? Ich soll die ganze hohe Summe zurückerstatten?'

Rottraut war ebenfalls auf gestanden; ihre stolzen Züge zeigten eine vornehme Ruhe.

.Ich wünsche e» so', sagte ste energisch, und der harte Familienzug der Pfeileck-» grub sich um die wei­chen Lippen.

.Aber wollen Sie fich nicht einige Tausend Mark jährlich reservieren?" fragte Hartwig- .Wovon woll­ten Sie sonst leben? E» ließe sich ja ein Arrange­ment treffen.*

scheint »glich E Knrnahme der $o.m> ‘wtbSeterta»e.ölerttb zStzcHch^v^rpreir lohne vringerlohn und juftt-HaelblnSiilbata:

Zeit von der Türkei nicht preisgegeben werden, weil die türkische Regierung dadurch dar Nationalbewußt­sein der Türken auf das bedenklichste kränken würde, zumal in einem Augenblicke, wo die SBelt in Grie­chenland nur die Schatten der alten großen Krakehl- macher de» Altertum» findet. Auf A e g h p t e n lagert der Engländer schwere Faust; aber der Fana­tismus, der am Sonntag zur Ermordung des Buiros Pascha führte, beweist, daß man mit der Erlangung größeren Einfluffe» seitens des Islam mAegYpen bestimmt zu rechnen hat. ^n Arabien liebäugeln viele Stämme seit langem gerne nut England Aber auch bei diesen wird man eines Tages zum Raflen- bewußtsein gelangen und einsehen, daß die Englän­der die vielen zur Bestechung der Hd^tlnme verwand­ten Summen al, politisches Anlagekapital betragen, dellen Zinsen später die beteiligten Stamme selber bezahlen muffen. Schwieriger liegt die Situation zweifellos in M e s o p o t a m i e n und südwestlich vom Kaukasus. Die Völker dort waren der Bot­mäßigkeit gegenüber der Türkei im Laufe der Zeit mehr und mehr entrückt. Jetzt hat England auf den Strömen Mesopotamiens das Schiffahrtsmonopol an sich gerissen und sucht die zahllosen Völkerstämme dort wirtschaftlich unter sein» Botmäßigkeit zu brin­gen, was zweifellos nicht schwer werden wird. In den benachbarten Bezirken ani Kaukasus haben die Russen ja mit der wirtschaftlichen Annäherung un­glaubliche Fortschritte erreicht und die dortige Be­völkerung zu echten Ruffen gemacht, obgleich die also geschaffenen neuen .Ruffen' sich ihrer Religion nach noch zum Islam zählen.

Jedenfalls gehört die islamitische Frage zur Zeit zu den springenden Punften der Weltpolitik .

MonaUdellag«: „Mdaek Seschichtrblätter"

tz»ebrc. nbmarät.

18] Roman von G. Freifrau von Schlipp end ach- .Der Herr Graf gibt ihr auf dem Schloß das ,Gnadenbrot", berichtete der Krämer. „Graf Hartwig jift ein guter und gerechter Herr, an ihm haftet lein Makel. Bloß sehr genau ist er; unfereinem gibt er nichts zu verdienen. Als ich vor einigen Jahren krank lag, hat er mir Wein geschickt; auch den Herm Doktor hat et bezahlt und die teueren Arzneien."

Rottraut stand auf, ihr schien die Lust plötzlich recht drückend. Sie verabschiedete fich von Zachowias und ging durch die Felder auf einem Umwege nach Hause-

Je mehr der Zeiger der Uhr sich der vierten Stun­de näherte, desto erregter fühlte sich das junge Mäd­chen. Zu Fräulein Huldas Kummer aß fie nur ganz wenig zu Mittag, ihre Hände waren eiskalt, ha8 Blut hämmerte in ihren Schläfen und färbte ihre sonst so blaffen Wangen fast fieberhaft.

Nun schlägt die große Turmuhr vier Rottraut tritt an das Fenster und blickt hinaus Da zuckt fie erschrocken zusammen, eine Kalesche rollt heran, Kut­scher und Diener tragen die Livree ihres Hauses, den blauen Rock mit Wernen Wappenknöpfen.

Sie bleibt stehen und zählt jede Sekunde — bald i darauf kommt Friedrich mit einet Visitenkarte mit )em ihr so verhaßten Namen: „Hartwig, Graf Pfril- 'ck-Grasenhorst, Rittmeister im Küraffierregiment Prinz Adolf."

„Ich laste bitten" Wie seltsam ihre Stimme klingt! Ob Friedrich bemerkt bat, wie sie zittert? Sie fanibft ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden-

Dann fetzt fie sich so, daß sie daS Licht im Rücken ha, ergreift ein Buch und tut, al» fei sie in besten Lek mre vertieft.

Sie Tür wird geöffnet. Friedrich läßt den Besuch ,cintyten, dann fällt die Sammetportiere hinter ihm, und sie ist mit dem Grafen allein. Sie erhebt sich Und bleibt auf ihrem Platz stehen. Hartwig macht

vermischtes.

* Der jüngste Sohn deS Kaisers erlernt in P l ö n augenblicklich das Schmiedehandwerk beim Schmiedemeister Hattendorf.

einige Schütte auf sie zu und verbeugt sich mit vol­lendeter Höflichkeit vor ihr.

.Ich folge Ihrem Befehl", sagt er ruhig, .und komme, um nrit Ihnen das Nötige zu besprechen, wie eS mir mein Amt auferlegt."

.Bitte." Rottraut deutete auf einen Stuhl, fie selbst nimmt ihren früheren Platz wieder ein und spielt mit dem Papiermesser, das fie zum Ausschneiden des Buches benützt hat. Es ist so sttll im Zimmer, daß man da» Summen einer Fliege hott, die zum Fenster hinau» will

„Mit dem Tode des Freiherrn Günther Erich hött der Konkurs auf. Das ist Ihnen wohl Mannt, gnädiges Fräulein?"

Rottraut nickt, und er fährt fort: „In den acht­zehn Jahren hat zuerst mein Vater durch die Einkünfte deS Guts» die Schuldner befttedigt, die fich einstellten, später habe ich e» Übernommen. Die Einnahmen sind genau gebucht, und ich ersuche Sie, gefälligst da­von Einsicht zu nehmen."

.Ich denke, e» bedarf besten nicht, Herr Gras- Ich danke Ihnen für die Mühe, die Sie gehabt und bin floh, daß Sie derselben in Zukunft enthoben sein werden", versetzte Rottraut mit kalter Höflichkeit.

Hartwig verneigte fich gemeßen.

„Die Pfeilburg bringt jetzt wieder ein, toa» sie einbringen muß", fuhr er nach einer Pause fort. .Sie wirst im Jahr durchschnittlich einen Nettogewinn von zwanzigtaufend Mark ab, während sie in der Zeit, bevor mein Vater ste verwaltete, nur die HAste er­gab '

.Bitte", unterbrach ihn Rottraui, .da» gehött nicht hierher — ich meine die Bemerkung über die Zeit, in der Ihr Herr Vater hier nicht» zu sagen hatte."

Hartwig zuckte zusammen Eine heftige (Entgeg­nung schwebte ihm auf der Zunge, aber er beherrschte sich und schwieg.

„Hiermit spreche ich Ihnen meinen Dank aus In Erinnerung an den verstorbenen Grüfen", fuhr Slot- traut fort „Ich werde Sie nicht Wetter behelligen, da ich auf ber Pfeilburg zu bleiben gebetete."

weit abgelehnt, denn „Schmitt gehört immerhin noch zu den vernünftigen Zentrumsleuten, aber er ist kotz alledem vollkommen ZentrumSmann- - DaS find Musterpatttoten; ihnen ifi ein Kandidat des Umsturzes lieber als ein Mann, bet voll und ganz Ä mit Liebe an den Traditionen seine, Vaterlandes festhält. ______________

Aus -em Nachbargebiete.

. «aha 24. Febr. 1910. Die Eisenbahndirektion Erfurt läßt jetzt Erhebungen darüber anstellen, welche Vorkehrungen zu treffen sind, um auf der Strecke Gerstungen-Vacha^Hünfeld einen höheren Raddruck als bisher zulasten zu tönnen. Veranlassung hierzu gibt wohl der ge­waltige Versand von Kalisalzen. Die m unserem Jndustriebezirk bestehenden acht Kalibergwerke ver­frachten jetzt täglich gegen 500 Doppelungen.

* Biedenkopf, 24. Febr. 1910. Der S t ab t • Haushalts.Etat für 1910 wurde m Enmahme und Ausgabe auf 169 436 28 Mark festgesetzt. An Steuern gelangen 185 Prozent Zuschläge zur Ein­kommen-, 200 Proz nt zu den Real- und 100 Pro- reut zu den Betrrebssteuern zur Erhebung. - Die seit vorigen Herbst im Hinterlandkreis e>ngeführte Wand er haus Haltungsschule hat sich bis- her aufs beste bewährt.

♦ Weimar, 23. Febr- 1910. Vor dem Weimarer Landgericht als DerufungSinsianz stand heute der Student Seidel aus Jena, der Angehörige emes Jenenser Korps. Er hatte einen -s ch utzmann bei einem nächtlichen Rencontre durch Revolverschusse verletzt Er wurde vom Schöffengettcht Jena wegen Bedrohung zu 25 Mark Geldstrafe^und wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu 150 Geldstrafe ver- utteilt. Von der Berufungsinstanz wurde er heute zu 300 Mack Geldstrafe verurteilt. Der Staatsan­walt hatte zwei Wochen Gefängnis beantragt.

* Aus Kurhessen, 23. Febr. 1910. lieber „Geist­liche Kurpfuscher" schreibt man bet „Echtes Ztg." aus Kurhessen: Neben der Tätigkeit der Kur­pfuscher, welche unsere Gegenden seit Jahren rntt Vockiebe beglücken und den Leidenden zwar sehr häu­fig nicht ihre Krankheit, aber mit um so größerer Si­cherheit ihr Geld abnehmen, fällt in diesem Winter wieder eine besonders rege Betriebsamkeit jener (pro­testantischen) Wanderprediger auf, die von Dors zu Dorf ziehen, dock ihre gewöhnlich acht Tage bauemben Gastspiele geben und nicht mit Unrecht als geistliche Kurpsuscher" bezeichnet werden. Scharen­weise eilen die „Bekehrten" ost auf weiten Wegen zu den abendlichen Versammlungen, um sich dock ihren geistlichen Hochmut immer wieder von neuem kitzeln zu lasten. Die wahnstnnigen Ausartungen der „Ge­meinschaftsbewegung", wie sie vor einigen Jahren in Großalmerode und anderen Otten zutage traten, schei- neu wieder aufleben zu sollen- Daß die Bewegung im Grunde eine kirchenfeindliche Tendenz hat, wird von ihren Führern zwar niemals klar ausgesprochen, zeigt sich aber deutlich in dem immer seltener werden­den Kirchenbesuch ihrer Anhänger. WaS für ein Un­frieden durch die Gemeinschastsbewegung in die Fa­milien und in das ganze Gemeindeleben hineingetra­gen wird, davon kann sich der Außenstehende keinen Begriff machen, ebensowenig von der Verwirrung, die in den Köpfen einfacher Leute durch da» Treiben der Sekienprediger entsteht. Die Sendboten aber leben auf Kosten der armen Betörten herrlich und in Freu­den, und in ihren unergründlichen Taschen sammeln sich neben den Markstücken der begüterten auch die mühsam erworbenen Groschen der Geringen.

Deutsches Reich

• Wann find die nächsten Reichstagswahlen? Seit einigen Wochen beschäftigt fich die Oeffenilichkett mit der Frage, wann die nächsten Reichstagswahlen sein werden. Es wurde geschrieben, daß vermutlich ber Reichstag bald nach ber im Frühjahr zu Ende gehen­den Sestion aufgelöst und die ReichStagSwahlen nech im Frühjahr beziehungsweise Sommer des Jahres 1911 stattsinden würden. Demgegenüber sagt die Kreuzzeitung, die Regierung könn:. nicht daran den­ken, in der Sommerszeit Neuwahlen auszuschreiben Man dürfe vielmehr als fessttehend ansehen, daß nicht vor ONober ober November 1911 gewählt würbe Uns scheint diese Auffaffung der Kreuzzeitung das richtige zu treffen. Trotzdem wird man gut tun, für alle Fälle ba3 Pulver trocken zu halten, um für die Reichstagswahlen gerüstet zu sein.

* Pfarrkirchen, 23. Febr. 1910. Die Ursachen der Anfechtung der Wahl des ReichStagsabg. Mayer (Ztr) waren u. a. folgende: In Arnstorf hielt sich der Polizeioiener im Js-lierramn auf und konnte sehen, wie die Wähler ihre Zettel in die Ku- vetts steckten. In Lohbruck wännte sich die Wahl- kommiffion im Parterre des Wirtshauses, während der Polizeidiener den Ofen yeizte und sich im Wahl­lokale allein befand usw. Da ?lbg. Mayer nur mit 16 Stimmen über die absolute Memh-'t siegte, kam die Wahlprüfungskommiffion, wie gemeldet, zu einer Kas­sierung ber Wahl.

# Karlsruhe, 24. Febr. 1910- In Baden fin­det am 1. März eine Nachwahlzum Abgeordncten- hause statt für den Zentrumsabg. Schmitt, besten Mandat durch Beförderung zum Obeclandesgerichts- rat erloschen ist. Schmitt wurde im letzten Wahl­kampfe mit großer Majorität gewählt Nun ver­suchen die Liberalen den Zenttmnskandidaten Schmitt mit den Sozialdemokraten in die Stichwahl zu drängen, indem sie entweder auf eigene Kandidatenaufstellung verzichten oder auf bem Lande eine möglichst laue Agitation treiben. So zu lesen in zwei offiziellen Schriftstücken aus bem liberalen La­ger, bie bem „Bad. Beobachter" auf den Redakttons­tisch geflogen find. Die Unterstützung Schmitt'S wird

k Das Wiedererwachen des Islam-

Seit die Jungtucken bie alte verrottete Wirtschaft de» AlttückeniumS beseitigt haben, ist andauernd die Rede von dem -Wiedererwachen deS Islams. | Da» Auftreten de» jungtückischen Militärs ließ erkennen, daß man die neue Zeit begriffen und in der Fockdauer de» alten Regiments mit Recht den Keim für den baldigen Untergang des Gesamtmohamme- janisnruS gesehen hatte Sine der Riesenprovmzen ier Tückck nach der anderen vvm Attas tm Nord- 'pesten Afrikas bis zum Fuße des Kaukasus und an fie Felsen des Kara-Dagh war ja der Tuckei un Laufe der letzten 15, 20 Iah« entriffen worden; Dieber onbere drohten der Macht des Mohammeda- ftsmus zu entgleiten wie jetzt Aegypten, Arabien, Mesopotanien, Armenien, Kreta und im weiteren Sinne auch Persien, besten Austettung zwischen Ruß­land und England die völlige Vemlchtung eines sehr großen Zweiges des Mohammedanismus bedeuten würde Es ist zu verstehen, daß diese Erscheinungen >lle wirklich tückischen Patttoten mit Trauer und mtt Entrüstung über das alte Regiment erfüllen mußten, Und daraus ist denn auch die jungtürkische Revolutton ßu erHären.

Seit das Jungtürkentum die Sache in die Hand .genommen hat, geht durch bie islamitische Welt ein 'geistiges Aufwachen. Der Morbversuch eines fanatisierten Mohammedaners auf den europäischer ^Neigungen verdächtigten Gouverneur von Aegypten ist nur ein äußere» Anzeichen dafür. Im Innern liegen augenbliMch die Konsolidierungsbestrebungen des Islam. Wir hö«n in der letzten Zeit so viel von Rüstungen der Tückck gegen Bulgarien und Griechen­land. Sogar die Redifs, die Reservemannschaften, sollten kürzlich einberufen worden fein, was in bet Presse ber ganzen Welt als ein Zeichen höchster Kriegsentschlossenheit der Türkei gedeutet wurde. In Wirklichkeit rüstet die Tückei, aber nicht pegen Bul­garien oder Gttechenland, auch nicht zur Wieder- erobentng des Nowibazar oder Bosniens von Oester­reich, es riiftet für sich selb st, um fich militärisch in die Reihe wenigstens der mittleren Mächte zu heben. Die Armee ist vor zwei Jahren mit einem neuen Mausergewehr mit Sammellader» versehen worden- Dtts-S Gewehr wird augenblicklich der ge­samten fReieru-ni.. " in die Hand gegeben. Die

Einziehungen von ... -uten zeigen den entschlossenen Willen, einen geordneten Truppenersatz durchzufüh­ren Die Alarmnachttchi über Festungsbauten j. B. in Uesküb und Adrianopel erweisen sich als ein Er­gebnis des Entschlusses, die einmal begonnenen Festungsbauten auch wirklich durchzuführen. Alles in allem darf man ber jungtückischen Regierung baS Zeugnis ausstellen, daß sie die Zeichen der Zeit be- “griffen und eingesehen hat, daß mit dem ewigen Jn- triguieren zwischen den Großmächten auf die Dauer die Rettung und Festigung des Islams nicht zu er­reichen fein würde.

■ Auf jeden Fall blldet sich der Islam mehr und mehr zu einem wichtigeren Faktor im Konzert der Mächte aus. Die Frage wird nur die fein, wo die Grenzen seiner Macht liegen, cknfacher gesagt, was er noch retten kann und was nicht. Auf die Oberhohckt über Bulgarien hat die jungtückische Regierung verzichtet, als der ehrgeizige Fürst Ferdi­nand von Bulgacken sich selbst zum „Zaren" ernannte. Angesichts des entschlostenen Willens Rußlands, Bul- gattens Selbständigkeit durchzusehen, blieb ja der jungtürkischen Regierung nichts anderes übrig. Eben­so stand es mit Bosnien und Nowibazar, wo Oesterreich alle wickschaftlicheu Jntereffen längst an sich gezogen hatte, sodaß fich das Volk dock längst als zu Defterreid) gehörend fühlte- Nun aber Kreta, Arabien, Mesopotamien und Aegypten! Kreta ist tja eigenllich griechisch. Es wird aber für absehbare

„Ich werde arbeiten", entgegnete ste würdevoll „Auch das Weib hat seinen Stolz und versteht, toal e» heißt: „«bei verpflichtet, obgleich" — sie zuckte die Achseln — „man eS von der Tochter de» „wilden Pfckleöft nicht voraussetzt."

Wie bitter da» gesprochen wurdet

„In wievick Jahren Dauben Sie diese letzte. Schuld tilgen zu können?" fuhr Rottraut fort

„In deck Jahren ungefähr", antwortete Hartwig, „bann find alte Gläubiger bezahlt."

„Nun wohl, ich wünsche jedoch, daß jährlich zwei, tausend Mack an die Armen de» Dorfe» Pfeilbura verteilt werden und daß die irrsinnige Karoline baba bevorzugt wird Friedrich und Ursel sollen ihren Gehalt verdoppckt beziehen und hier wohnen bleiben, um das Hau» zu hüten, bis ich wiedeckehre."

Eine verabschiedende Bewegung deutete dem Gra­fen an, daß Rottraui die Unterredung für beendigt betrachtete.

„Ich möchte Ihnen im Namen Stahlbach» dan­ken", sagte Hattwig mtt mehr Wärme al» bisher. „Er lebt in ziemlich dürftigen Verhältnissen; die wiedev- erftattete Summe ermöglicht e» ihm, standesgemäß aufjutreten-'

„Dl bitte schr, ich tue nur meine Pflicht!" lau­tete Rottraut» tote Entgegnung.

Stillschweigend verneigte fich Hartwig und vev» ließ da» Zimmer.

Lange blieb da» Mädchen regung»lo» mitten tm Raume stehen und starrte vor sich hin; dann aber löste fich ihre mühsam erzwungene Ruhe, fie warf fich auf das weiße Bärenfell vor dem Kamin und brach hi ein krampfhafte» Weinen au». Sie schluchzte wie rin Kind, bat au» bet Heimat verstoßen wird. So fand Hulda fie; da» weiche Her, de» alten Fräu­leins fühlte den Schmerz ihre» Liebling» mit, ohne ihn zu kennen. Was mochte Hartwig mit ihr vev» handelt haben? Er hatte ungewöhnlich ernst au»ge- sehen, al» ihn die „Familientaute" in der Halle täf

Gortleduna folaP

• Eine einträgliche Kapitalanlage besitzt ber Hof­besitzer Schlüter in Surren moor in Gestalt einer Zuchtsau, die ein Gewicht von 780 Pfund hat und in acht Wilften 128 Ferkck lieferte-

♦ AlS Opfer ber Bergiftungsaffäre am schwedi­schen Hofe ist Frau AnnaWallenberg, welche, wie mehrere andere Personen, nach einem Diner bei dem früheren Oberstatthalter Tamm, unter Vergif- tungseckcheinungen eckrantt war, gestorben.

* Der geborstene Stamm der alte« Femlinde in Dortmund ist über Nacht zusammengebrochen. Sonntag morgen war das letzte Zeichen einer alt- historischen Herrlichkeit verschwunden Der schmuck Berg, der so viele Jahre das Auge des Vorüber­gehenden erfreute, ist verwaist und wird in wenigen Tagen dem Erdboden gleich gemacht sein. Ten alten Lindenstamm hat das Museum in feine Obhut ge­nommen.

• Verhaftung in der Braganza-Affäre. Die Mil­lionenwechselaffäre, in deren Mittckpunkt Prinz Fran- Joseph von Braganza steht, hat in Berlin zur Verhaftung des Engländers Clark geführt. Für den Prinzen ist Mefe Verhaftung insofern bedeutungsvoll, als Clark beim Berliner Landgericht die Freigabe der durch die Kriminalpolizei beschlagnahmten Wech­sel beantragt hatte. Diese Wechsel hätten gegebenen- falls dem Prinzen am 25. Februar zur Zahlung vor- gelegt werden können Vanderbilts Unteckchnft gilt auf den Wechseln als gefälscht, denn dieser angebliche Vanderbilt, der sich als illegttimen Sohn von Korne­lius Vanderbilt auSgibt, ist früher bereits in Wien durch den Chck der Sicherheitspolizei als Schwindler entlarvt und seinerzeit in Oesterreich des Landes ver­wiesen worden.

* Ei« fetter Konkurs. Vielleicht 2% Prozent! Das ist das Resultat des KonkuckeS der Berliner Holzgroßfirma Julius Brühl jun. Kürzlich waren die Gläubiger noch auf 5 Proz- vertröstet worden. Der Konkursverwalter Aschheim wies jedoch in ber Gläubigerversammlung darauf hin, daß die äußere Uckache beS Zusammenbmches bie übermäßige Kre­ditgewährung an die insolvente Firma Kuck Vallen- tin gewesen sei. Den Passiven von zirka 4% Mill. Mack stehen ganze 100 000 Mark Aktiven gegenüber, woraus die obengenannte Dividende in Aussicht ge­stellt wirb.

• Der Enkel deS Fürsten Bismarck, der zwölf, jährige Fürst Otto v. Bismarck, ist an einem Nieren- leü>en so schwer erkrankt, daß eine Operation not­wendig erscheint. Das Selben rührt von einer Nierenquetschung her, bie der Knabe sich vor Jahren beim Reiten »uzog. Die Operation wird Professor Israel vornehmen.

* Mit der Handsäge auf bie Ehefrau stürzte sich ber irrsinnige Gelegenheitsarbeiter Klahr in Steg litz unb brachte ihr furchtbare Verletzungen am Kopf bei. An einzelnen Stellen wurde der Aermsten di« Kopfhaut förmlich heruntergesägt. Der Attentäter entfloh, wurde aber gefaßt und in einer Irrenanstalt untergebracht.

* Gegen bie deck Gnesener Gymnasiasten, die s Zt. aus dem Direttorzimmer nacht» die PrüfungSaufga- ben für da» Stbiturientenejamen entwendet hatten, hat jetzt bie Staatsanwaltschaft Anklage wegen Einbruchsdiebstahl erhoben- Da» enffpricht ja dem Buchstaben des Gesetzes, aber vielfach wird bie Meinung bestehen, daß e» sich mehr um einen Dum. mejungenstreich al» um ein Verbrechen handelte-

* Der französische Sozialist HcrvS ist wegen Auf­reizung zu Bechrechen und Verherrlichung des Mor­de» ohne Zubilligung mildernder Umstände zu vier Jahren Gefängnis und 1000 Franc» Geldstrafe verurteilt worden. Hervö hatte in einem Artikel einen anrüchigen Burschen namens Lia, beuf verteidigt, der wegen Übertretung des Aufent­haltsverbots verhaftet werden sollte und dabei einen Polizisten tötete und mehrere andere verwundcke.