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Zerufprecher «r. W.

37. Jahrgang.

Fulda, Mittwoch de« 23. Februar 1910

Erstes Matt

1867—1873 1874—1879 1879

1880—1881

1881

1881—1884 1884—1888 1888—1895 1895—1898

1898—1906

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Rabatt gewährt.

ÄetettetsbreiÄ* verinß ler Kulda«

Die Annahme des Antrags erfolgte mit 16 gegen 8 Stimmen. Der bett. Paragraph deS Entwurfs lau­tet nunmehr:' m „

Die Abgeordneten werden von Wahlmannern in Wahlbezirken, die Wahlmänner von den WSH. lern in Stimmbezirken gewählt. Die Wahl der Wahlmännrr erfolgt mittels verdeckter ©timm- gettel-'

Hierauf nahm die Kommission die von den Kan- fervattven zur Ausgestaltung der indirekten Wahl ge­stellten Anträge im allgemeinen an, dann wurde in die Debatte über den Antrag der Freisinnigen einge- treten, daß auch die Abstimmung der Wahlmän- ner geheim bleiben soll. Das Zentrum und die Konservativen sprachen fich gegen den Antrag auS, weil der größte Wert darauf zu legen sei, daß die Ur» wählen geheim seien, die Wähler aber wissen müßten, ob der Wahlmann auch tatsächlich bei der Wahl des Abgeordneten seiner Instruktion entsprechend gewählt bade. Die Abstimmung über diesen Antrag und die entgegenstehenden Bestimmungen der Vorlage wur­den auf nächsten Dienstag vertagt.

Deutsches Reich.

Q Graf Aehrenthal,

der österreichisch-ungarische Minister des Aeußern, ist am Dienstag früh in Berlin eingetroffen und, nachdem er vormittags mit dem Reichskanzler fast eine Stunde lang konferiert hatte, mittags vom Kaiser in Audienz empfangen worden. Um 1 Uhr fand beim Kaiserpaar eine Frühstückstafel statt. Abends war beim Reichskanzler ein großes Essen zu Ehren des Grafen Aehrenthal.

Die Anwesenheit des Grafen Aehrenthal, die sich der Form nach als ein Gegenbesuch dar­stellt, da der Reichskanzler von Bethmann-Hollweg im Herbst v. Js. bald nach seiner Ernennung seine Auswartung in Wien gemacht hatte, be­gegnet in Deutschland den freundlichsten Empfin­dungen, hat doch Gras Aehrenthal stets das Bemühen gezeigt, das Bündnis zwischen Deutsch­land und Oesterreich-Ungarn, durch persönliche Fühlungnahme zu pflegen und lebendig zu erhalten. Der gegenwärtige Besuch deS österreichischen Staatsmannes in Berlin und seine mit dem Leiter unserer Polüik gepflogenen Unterredungen werden sicher dazu beitragen, das bestehende herzliche

«tphevst tü-lich mtt Tlusnohme der $o'JV> Xitb Leierta-e.vlertel' Ehrlich« vrrngrprel, »h«e »ringerlahn «nd restest-eldinZuldas»' Wit «uroätis 1.50 Mt

vermttw. Sedattem TarlZchStter fSrbl«A«;ei-enr

Z.porzeü« in Mda.

wieder v. Levetzow. R. Frhr. v. Boul-Berenberg.

____ ____Graf v. Ballestrem.

Der letzte Präsident, Gras Stolberg, hat drÄ hre, von 1907—1910, seines schweren AmteS mit

Verhält»!- zwischen den verbündeten Staaten yt stärken und zu vertiefen.

• Der Wechsel ha RelchStagSpräfidium.

Gras Schwerin-Löwitz HÄ sich berÄ «6» Närt, die Würde des ReichStagSpräfidenten anzs- nehmen. In parlamentarischen Kreisen glaubt man, daß der Reichstag nicht ht die Karwoche hinein tagen werde, wie der Seniorenkonvent vor­geschlagen hat, sondern daß man di« beiden ver- breiten Lage dadurch einholen könne, wenn man die vorgesehenen Schwerinstage wegsallen läßt.

Gestern nachmittag sand in der DreifaltigkeitS- kirche die Trauerseier für den verstorben«

Simson, v. Arckenbeck. O. T. v. Seydewitz. A. Graf v. Arnim-Boitzenburg. G. v. Goßler. v. Levetzow.

W. v. Wevell-Piesdors.

Die gestrigen Beschlüffe der Wahlrechtskommission haben ja wie alle Kommissionsbeschlüffe nur einen vorläufigen Charakter, doch eröffnen sie einen neuen Ausblick aus eine annehmbare Erledigung der ganzen Frage. Durch die Vereinbarung mit den Konser­vativen ist es dem Zentrum gelungen, die von ihm in der ganzen Frage als wichtigste Forderung be­trachtete geheime Wahl mit einer so kompakten Mehrheit durchzusehen, daß dadurch die Aussichten der Vorlage gegenüber der Regierung und dem Herrenhaus wesentlich günstiger geworden sind. Da­für hat es allerdings das Zugeständnis der Beibe­haltung der ind irekten Wah l der Abgeordneten bringen müssen, eine Konzession, die selbst von sozial­demokratischer Seite als eine kleine Konzession be­zeichnet worden ist und gegenüber den Vorteilen, welche die geheime Wahl bringt, wohl verschmerzt werden kann. Daß die Regierung die Beibehaltung der öffentlichen Wahl als unerläßlich betrachten würde, war weder nach ihrer seitherigen Haltung anzunehmen, noch ist es nach den Erklärungen des Ministers in der Kommissionssitzung zu befürchten.

Unter diesen Umständen darf der Beschluß der Kommission als ein wesentlicher Fortschritt bezeichnet werden, der geeignet ist, einer annehm­baren Gestaltung der ganzen Vorlage den Weg zu ebnen.

erschienen zahlreiche Abgeordnete aller Partei«^ ebenso die Beamten deS Reichstags, ferner die Prä­sidien und viele Mitglieder beider Häuser deS Land­tags. erschienen außerdem der Reichskanzler, der selber einen Kranz am Sarge niederlegte, di« Minister, Staatssekretäre, die Mitglieder des Bundes- rats, das diplomatische Korps, viele höhere Offi­ziere und Angehörige der Hofgesellschaft, Vertret« der Stadt Berlin. Der Kronprinz erschien alt Vertreter des Kaisers, legte am Sarge einen Krarq nieder und begrüßte die Gräfin Stolberg. Nach Vortrag eines Chores und Gemeindegesang hielt Prediger Lahusen die Trauerrede. Rach der Traue»» feier nahm der Kronprinz von beit Leidtragenden Abschied. Sodann wurde der Sarg von Uuteroffi- zieren des Regiments Gardesdukorps auf den Leichenwagen gehoben, woraus sich der Leichenzug nach dem Lehrter Bahnhof in Bewegung setzt«. Die nächsten Leidtragenden folgten bem Leichen­wagen in einem Gefährt. Sobann gingen zu Fuß in dem Trauerzuge Vizepräsident Dr. Spahn unb ein Vertreter des Reichskanzlers. An sie schloß sich der gesamte Vorstand des Reichstags unb das übrige Traucrgeleite. Den Schluß des Zuges bil­deten zwei Galawagen des Kaisers unb der Kaiserin, sowie bie Wagen, welche bie Kranzspenden trugen. Vom Lehrter Bahnhof aus erfolgte die Heber« führung der Leiche nach Diuhofstädt in Ost» preußm. Dort wird sich der Kaiser bei der Bei­setzung durch den Generaladjutant« v. Diackenks- vertreten lassen.

2 Die ersten zehn Reichstagspräsibenten. D« verstorbene Reichstagspräsident Graf Stolberg war der zehnte Präsident deS deutschen Reichstage-, Seine Vorgänger waren:

Maer W Zeitung

W°ch-Mims<! Illustrierte SomüagrMng"' MM-tellagt: „Kildaer Geschichtrblätter"

/[] Ein Kompromiß in der Wahl- rechtskommißion.

/ Die Wahlrechtskommiffion deS Abgeordneten­hauses beriet gestern einen konservativen Antrag, der verlangt, daß die Abgeordneten durch LVahlmänner gewählt werden sollen, daß also die i n d i r e k t e Wahl bleiben soll. Nach längerer grundsätzlicher Besprechung der Vorzüge der direkten und indirekten Wahl, erklärte das Zentrum,daß es zuOpfern gegenüber der konservativen Auffassung bereit sei, wenn von den Konservativen nnb der Regierung die geheime Wahl sugestanden werde. Das Zentrum brachte rinen Antrag ein, wonach der bereits gefaßte Beschluß auf Einführung der geheimen Wahl ,n Verbindung gebracht wird mit dem konser­vativen Antrag, der die indirekte Wahl durch Wahlmänner beibehallen will. Nunmehr er­klärten die Konservativen, sie seien prinzipiell Gegner der geheimen Wahl, aber unter diesen Umständen seien sie bereit, für die geheime Wahl einzutreten, um die direkte Wahl zu erhalten. So wurde der An- 'trag geheime Wahl und indirekte Wahl «»genommen. Dafür stimmten neben Zen- krum und Konservativen auch die Nativ- »alliberalen. Die Minister des Innern hatte erklärt, daß die Regierung bei Annahme des kombinierten Antrags kaum noch großen Wert auf ein positives Ergebnis legen könne. Ein Antrag der Freisinnigen auf andere Einteilung der Wahlkreise wurde abgelehnt, da er von den Übrigen Parteien als nicht zur Wahlrechtsreform gehörig angesehen wird.

AuS den Verhandlungen über den Antrag betr. indirekte und geheime Wahl wird uns noch berichtet:

Die Konservativen hatten zunächst Beibehaltung der indirekten Wahl beantragt. Zur Begrün­dung führte ein konservativer Redner aus: daß seine Packet an den Hauptgrundlagen des bisherig« Wahl­rechts festzuhalten geneigt sei, die bestehen in der öffentlichen, indirekten und Dreiklaffen-Wahl. Den röfeten Weck lege man auf Beibehaltung der in-

irekten Wahl.

Der Minister erwideck, daß die direkte Wahl hie Grundlage des Entwurfs sei, sie stelle Eine zeitgemäße Ausbildung des alten Wahlrechts, dar.

Der Redner des Zentrums erkläck, daß seine Partei grundsätzlich auf dem Standpunkt der gleichen direkten und geheimen Wahl stehe Wenn die von den Konservativen angegebenen drei Grundlagen des alten Wahlrechts beibebalten werden sollen, brauche man hie Vortage gar nicht zu machen, da dann ja gar «nicht» wesenüicheS mehr geändeck werde. Für das Sentrum sei aber das wichtigste, die geheime iahl zu erreichen. Dabei sei aber auch der Wunsch (iet Bevölkerung, die direkte Wahl zu erlangen und selbst gleich den Abgeordneten zu wählen. Die Wahl- Männer würden jetzt ja doch nur gewählt, indem sie -sich auf einen bestimmten Kandidaten verpflichteten. Die indirekte Wahl sei doch eine erhebliche Erschwer­nis des ganzen Wahlverfahrens.

Bon nationallideraler Seite wird er» Päck, daß die indirekte Wahl keine Berechtigung mehr Habe und daß man die Anträge der Konservativ« -ablehnen werde.

Würbe und Aufopferung gewaltet. Er war b« erste Präsident, der im Amte geftorben ist.

* Berlin, 22. Febr. 1910. Ein neues Must« sürGemeinde Biersteuerordnungen.defl« wesentlichste Abweichung von bem bisherig« Muster darin besteht, daß eS an Stelle des bis­herigen Zuschlages zur ReichSbrausteu« für bat im Gemeindebezirk gebraute Bi« eine Fabrikate ft euer in gleich« Höhe wie für baS von auswärÄ eingrführte Bi« vorsieht, haben bie beteiligt«« Minister mit Rücksicht auf bie am 1. April b. IS. in Kraft tretenben Vorschriften beS ß 68 bet neuen ReichsbrausteuergesetzeS in einem Rundockch vorn 29. Januar b. IS. bekannt gegeben.

Der sreistnnige Redner spckcht sich ebenfalls gegm die Abänderungsanträge auS, während der Redn« der Freikonservativen fie befürwor­tet.

Der Redn« der Konservativen hebt noch­mals hervor, daß seine Packei den Hauptweck auf die indirekte Wahl lege, bet der« Aufrechterhaltung man vielleicht andere Konzessionen machen könne.

Vom Zentrum wird «widert, daß man nicht wissen könne, welcher Schluß aus der letzten Erklä- rung des Sonfervativ« zu ziehen sei. Für daS Zen­trum sei und bleibe das wichtigste die geheime Wahl Bck Erreichung derselben könne man andrer- seits ein Opfer bckngen. Die geheime Wahl sei in erster Sitzung ab« nur mit 15 gegen 13 Stimmen beschlossen word«. Bei dieser geringen Majorität, der Stellung ber Regierung und des Herrenhauses sei kaum zu «warten, die geheime Wahl zu retten. Würd« ab« die Konservativen dafür stimmen und so eine große Majorität sich dafür ergeben, dann würd« Regierung und Herrenhaus wohl eher zur Konzession derselben zu bewegen sein. Wenn man dann wirklich die geheime Wahl erreiche, werde das Zentrum vielleicht der indirekten Wahl nicht so sehr widerstreben- Die jetzige Abstimmung sei aber nur als vorläufige zu betrachten.

D« Sozialdemokrat spricht sich gegen die konservativen Anträge aus und versucht dann wieder sich am Zmtrum zu reiben; er erklärt mit Pathos, w«n das Zmtrum an seiner Taktik festhalte, werde man seh«, wie die Sozialdemokraten mit dem Zen­trum im Lande umspringen werden.

Ein ander« Redner des Zentrums erwideck, der Sozialdemokrat versuche wie srüher, auch jetzt wieder, fich als Lehrmeister des Zsttrums aufzuspie- lm, wozu chm aber jede Legitimation fehle. Das Zentrum wolle nicht wie die Sozialdemokraten eine Taktik der Verschleppung und Verhetzung treiben. Um das geheime Wahlrecht zu erreichen, könne man schon eine kleine Konzession machen. Der Sozial­demokrat habe selbst die direkte Wahl als eine Keine Konzession bezeichnet Der sozialdemokratische Abg. Ledebour habe im Reichstag die entschiedene Stellung­nahme des Zentrums für das geheime Wahlrecht lobend anedannt.

Der erste Redner des Zentrums führt noch aus, daß man durch Ablehnung jeder Verbesserung des Wahlrechts den Wähle« weniger diene, als wenn man wenigstens die geheime Wahl erreiche.

Der Minister erkläck, wenn man die direkte Wahl aus d« Borlage entferne, dazu die Merkmale für Erhebung der Wähler in eine höhermAbteilung ablehne und die geheime Wahl in das Gesetz bringe, werde man das Zustandekommen des Ge­setzes im höchsten Maße erschweren. (Der Minister seht also der geheimen Wahl kein „unan­nehmbar" entgegen. Der Berichterstatter.)

Der Redner der Kon servativen glaubt, daß man sich doch mit der Regierung und dem Her- rerchause einig« werde. Das geheime Wahlrecht sei ja im Prinzip von der Mehrheit schon angenommen. D« bisherig« Abstimmung könne man Rechnung tragen, auS ihr die Konsequenz« ziehen und jetzt auch für die geheime Wahl stimmen.

Jnzwisch« ist der Antrag des Zentrums einge­bracht worden, der das Verlangen nach geheimer Wahl mit dem konservativen Antrag betr. indirekter Wahl verbindet.

Nachdem d« Sozialdemokrat nochmal ge­sprochen, wird er von einem Redner des Zen­trums darauf festgenagelt, daß er ausfühck, die Führer d« Sozialdemokraten hätten die Arbeiter nicht mehr im Zaum und könnten einen politisch« Streik nicht verbind«« Dieses Geständnis sei für die christ­lichen Arbeiter äußerst wichtig, und darauf sei für die Folge die ToM der christlichen Arbeüer den Sozial­demokrat« gegenüber gegeben.

verständig kam jedes Wock hervor und dabei belebte sich ihr sonst leicht verschleiertes Auge und blitzte leb­haft auf.

„Sie habe« beute in der Kirche so herrlich ge­sungen", sagte die Freifrau. „Wollen Sie uns nicht auch hier mtt Ihrem Talent erfreuen? Hulda könnte fie begleiten."

Ohne sich nötig« zu lass«, sagte Rottraut freund­lich zu und fang mehrere Lieder. Elsa umarmte Rot- traut stürmisch und rief einmal üb« das andere: „Schade, befc Hartwig Sie nicht Höck, « liebt Musik fe sehr."

„Mein lieber Kind, Sie haben eine Nachti gallen- kehle", eckläckr die Freifrau begeisteck. „Sie könnt« Brot mtt Ihr« Stimme verdien« "

DaS jungt Mädchen lächelte

„Einst wollte ich eS", versetzte sie, „und wenn eS nötig wäre ..." sie schwieg und vollendete den Satz nicht.

„Wann werden Sie mit dem Kurator der Pfeil­burg sprech«»" fragte der Freiherr. „Sie totff«, daß Hartwig die Geschäfte nach dem Tode seines DaterS geführt hat. DaS Gut, das verwahrlost war ist «lebet gut ta Stande."

„Ich werbe eS morgen tun', antwortete Rot. traut. „Ich bi» dafür, altes Unangenehm« nicht auf- zufchiedm.'

„Sie tun recht daran', stimmte der Freche« bei. „Mir scheint. Sie find eine tn sich abgeschlossene, ener­gische Natur. Lerzecheu Sie mir meine Offenheit ich hab« mir mtt meinen Jahr« viel Menschmkenn^ ni» erworben uub beurteile die Dinge und Charak­tere d« Mensch« mit der geklärten Ruhe deS Alters '

Rottraut zögerte, dann sagte fier „Ich weiß, ich tot anders, «tt die meisten jung« Mädchen in mei­nem Alter; «ber dir LebenSverhWukffe, in denen wir auftoargf«, bild« unser Wesen und dir meinigen waren eben außergewöhnliche.'

„Ich weiß es, mein Sind', versetzte der alte Mann milde, sei« weg« Hand auf die weiße RottrantS legend- Sie beugte sich nieder und drückte die war- mm, jungen Lipp« daraus.

NO1 Warum find Sie nicht mein Baker!' rief fie

tziebrandmarüt.

he] gtoman oon G. Freifrau von Schlippenbach'

„Gefällt Ihnen Hockwig?" fragte fie in ihrer un­vermittelten Art, „find« Sie ihn schön?'

Rottraut zuckte zusammen. Seltsam! Sie hatte ifoebm aa den gedacht, der so plötzlich genannt wurde, immer wieder hocke sie die tiefe Männerstimme, die so böse Wocke gesprochen.

„Rein', kam eS hack üb« ihre Lippen, „« sieht hochmütig und eingebildet aus.'

„Ach, in Zivil ist er nicht halb so schön, tote in Kein« Kürassieruniform. Ich sage Ihnen, wenn er so neben dem Prinzen reitet und sein wilde» Pferd {ügelt, dann muß er jedem gefallen! Miss« Sie, ich oll ihn heiraten, das ist schon fdt lang« Zeit be- timrat"

„So?" kam eS gedehnt über RottrautS Lipp«.

„Jetzt noch nicht, erst nach einigen Jahren, wmn sch dir langweilige Schule beendet habe. Ach, ich Muß noch schrecklich viel Urnen", seufzte die Kleine. »Hartwig ist sehr flug und kann eine dumme Frau »lebt brauchen. Ich möchte nur miss«, ob ich Ihn lieben werde? Bis jetzt hab« ich die Brüder ebenso lieb und Max sogar noch etwas lieb«. Da kommt -Tante Huldch« mit ihrem Mops, sie sucht uns ge­wiß '

Sie eilte dem alten Fräulein entgegen, und man setzte dm Spaziergang zu dreien fori, bis die Kaffee­stunde sie in das Haus zurückrief.

Die Unterhaltung drehte sich um England; Rot« hont erzählte sehr fesselnd von Ladh Deepmoorcs Heinml, von Schottland, wo sie einen Sommer zuge- bradjt und der Fahrt auf der Jacht des jung« Mar» bon Aberstone, des Neffen ihrer Wohltäterin. ? Freiherr war in seiner Jugend wett gereist und v-nchtete seinerseits von Land und Leuten, die et len» y'1 fielcrnt. Er freute sich, mtt welchem Verständnis lcJn langer Eastzuhöcke, wie vockrefflich ihr Uckefl ’ö c «unst und Theater war, Wie fein Ihr Empfind«

die moderne, allzu realistische Richtung. Sie spujte viel gelesen und nachgedacht hab«, klar und

leldenschafülch. „Warum kann ich nicht achten, waS mir daS Höchste sein müßte? Weshalb nur mit Bit­terkeit an den denken, der mir das Leb« gab, ohne mir den Namen unbefleckt zu lass«, den ich trage! Sehen Sie, daS ist der Zwiespalt meines Schicksals, der sich nicht ausgleichen läßt. Die Tochter des Zucht­häuslers und der Chansonettensängerin ist gebrand- markt für alle Zeiten!"

Der Freiherr stutzte und sah ste scharf an.

„Wer — wer hat Ihnen diese hacke Aeußerung wiederholt?' fragte « ärgerlich. „Das ist nicht allein taktlos, eS ist ein Mangel an Herz, der nicht zu ent­schuldig« ist!'

„Ich war heute unfreiwillig Zeugin Ihres Ge­spräches mtt Graf Pfeileck", erwiderte Rottraut. „Meine eigen« Ohr« trügen nicht.'

„Ich bebau«e es aufrichtig", war des Freiherrn Antwock, „eS würbe Hartwig höchst unangenehm sein, wenn er da» wüßte."

»Das glaube ich nicht", versetzte Rottraut schroff »Man braucht ja keine Rücksicht auf de» „Wilden Pfeileck" Stint» zu nehm«.'

»Sie sind bitter", tadelte d« alte He«, „ob« zu Hartwig» Entschuldigung liegt manche» vor'

»WaS meinte « damit, daß « persönlich weniger al» alle anbeten Grund habe, mein« Batet zu sie» bat?'

D« alte Mann schwieg.

„Bitte, ich muß eS miss«', bat Rottraut ernst.

„Günther Sckch schoß sich mtt Hermann August, dem Bat« ht» jetzigen Besitz« des Grafmhorst, und verwundet« Sw, er behielt infolge dessen einen steif« Arm. Während fich Hermann August tu ber Klinik befand, verlobte sich ber „wilde Pfeileck" mtt Hedwig von Rödler, die vom bem Verwunbeten ebenfalls auf baff Heißeste geliebt wurde."

„Ist e» baut ein Verbrech«, daß « vorgezogrn Würbe unb Hermann August leine Segafiebc fanbl' rief Rottraut heftig.

„Hören &t weiter", fichr b« Wc-M fori, „lebt bald vernachlässigte Günther Erich feint Braut, btt Hm leidenschaftlich zu getan roat; bie Verlobung wurde aufgelöst unb bte Verlassene gab in bitterem

Stolz dem Grafen Pfeileck daS Jawort. Die Eh» war keine glückliche, dmn daS Herz d« Gräfin ge* hörte noch immer dem Unwürdig«, d« mit cht Off- spielt. Erst als ihr Gatte starb, edannte Gräfin Heb- wig, welch« Edelstein fie an ihm besessen. Hardoie hat unter diesen Verhältnissen schwer gelitten, m» deshalb muß man ihn entschuldigen, wenn er tatto

sondere hart urteilt'

„Ich habe meinen Batet in den letzt« 8<chMA nicht mehr gesehen. Melleicht fürchtete « die Äugte fein« ältesten Tochter, die fo früh klar edannteu, wat einem Sind in so zartem Alter beff« verborgen bleib» Er vermied eS geflissentlich, mit mir zusammmzutrnßi f«. Ander» war es mtt Willis, die von jeh« setU ausgesprochener Liebling war. Er besuchte sie meh» fach unb überschüttete ste mit Geschenk« und £tefr

kosungen. Lady Deepmoore ließ eS ungern geschehe^, konnte indes dem Batet nicht da» Recht streitig mW chm, nach dem er sich sehnte. Meine Schweltet cchnß bisher nichts von den traurig« FamlltenvechLwttf» s«; ste ist eine sehr zartfühlende Statur, die namaM unter der Erkenntnis der Wahrheit leiden würde, Fch fürchte alle» für sie, wenn fie ein« benötigen Shern m« erführe, und et wirb mein eifrigster Bestreteq sein, fie davor zu schütz«! Er soll wenigsten» ea*e Mensch« geb«, d« da» Andenken bet „wild« Pfech» eck" sich rein und ungetrübt erhält." Rottraut stmris hoch auf gerietet da, baff Haupt ststz erhoben, ß? schim emporzuwachsm — bewunderns ruhte» Hf Blicke der Frriherrn auf ber könteMchen Gestalt JBü übrigen trat« herzu, die Unterhaltung deckst HU privaten Eharakt«, unb bie letzte Stunde he» Be­suche» verlies in wenig« ernst« Seife.

Spät abend» erst brachte der Sagen an» Tsife» hall Rxtosut unb Hslbn nach der Weilburg, herzlich« Abschied unb Dank lohnte chrea ftrunÄHW Wirten

„Baten, Mutter", geftand Eya, „ist fie nicht «fe zückend? Ich bin vollständig »erfleht in meine «oU Koustne."

Der Frech«! und fetz« GaMu lächelten-

„Sind wir et den» nicht auch?' dachten ftz M Stillen. Wocksetzung folgt)