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37. Jahrgang

Fulda, Dienstag den 22. Februar 1910

Die Kommission mag prüfen, ob zu einer Aenberurrg der Geschäftsordnung in diesem Sinne der Augenblick

Grstes Hilcrtt

angebracht.

alS daß

unerheblicher Debatte wird der Etat

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Ästen emtiugetu Darunter waren zahl«

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«eSamenbrePetitzriU 25 Pf#., bei wieder- Holungen wird entspr. Padast gewährt.

Sotationrdrncknnd Verlag der Zuldaer Af-

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noch ta bet Rächt auS der PrwatllmS der Prvf. Arte d-echt» überführt «ar. Da, Prästdral-

bttviflictt.

Ein Antrag Brandenstein (tonf.) bett. Itegelung deS Verhältnisses zwischen Eisenbahnvcrwaltuug und Eisenbahnadjazenten geht an eine besondere Kommission

schlusi daran wird die Leiche nach dem Gute des Verstorbenen, Dinnhofstädt in Ostpreußen, über­führt, wo am Donnerstag nachmittag die Beisetzung in der Familiengruft stastfinden wird.

Der Gemahlin des Verstorbenen sind zahlretche Beileidskundgebungen zngegangen. Am Sonntag trafen nicht weniger als 600 Telegramme bet ihr ein. Als einer der ersten drückte, wie gemeldet, der Kaiser fein Beileid aus. Auch die Kaiserin hat in einem Telegramm ihrem Betleid Ausdruck ge­geben. Desgleichen das Kronprinzenpaar. Außer­dem sandte der Kaiser eine kostbare Kranzspende. Die Kaiserin, die am Sonntag in Plön gewesen war, kehrte abends von dort nach Berlin zurück, und sprach im Traaerhause vor, um der Gräpn Stolberg auch persönlich ihr Beileid auszudrücken. Ferner sind Beileidstelegramme eingegangen von den Präsidenten des Herrenhauses und des Ab­geordnetenhauses, sowie vom Reichskanzler.

Was die Neuwahl anlanat, so mehren sich die Hinweise darauf, daß Graf Schwerin-Löwitz (konfi) der Nachfolger des Grafen Stolberg werde. Graf Schwerm-Löwitz ist in weiten Kreisen bekannt durch feine Tätigkeit auf dem landwirtschaftlichen Gebiete. Seit einer langen Reihe von Jahren ge­hört er als Präsident dem preußischen Landes- ökonomiekollegium uitddem deutschen Landwirtschafts- rat en. Auch ist er Mitglied anderer landwirt­schaftlicher Korporationen. Seine Präsidialtätigkeit in den erwähnten Körperschaften zeichnete sich stets durch Vornehmheit und tiefe Kenntnis der zur Be­ratung stehenden Materien aus. Die geschickte Art und Weise, mit der er die Geschäfte des Präsidiums führte, lassen ihn für den Präsidentenposten im Reichstage besonders qualifiziert erscheineti.

* Graf Aehrenihals Besuch in Berlin.

Der österreichische Minister des Aeußeren Graf Aehrenthal ist gestern früh von Wien nach Berlin angereift. Dir „Nordd. Allg. Zig." widmet ihm im Namen des Reichskanzlers und des Auswärtigen Amtes einen herzlichen Willkommengruß. Die Sympathien, so heißt es darin, mit denen wir den Minister begrüßen, werden vertieft durch die frische Erinnerung an Ereignisse von historischer Bedeutung, bei denen sich die Allianz Oesterreichs-Ungarns und Deutsch­lands bewährte.

««»Schütter WWW

jSÄ wochenM-s.: ,M«strirkte SomttagrzeitMg"

Der protestantische Lchrer-MisstonSbund, der durch bte&brer bei dm^Schulktnderu MisfionSlieb. wecken und pfleg« will und da» Werk der Gust«»

Deutsches Reich.

- «i bet Bahre der RtichstagSpräfidmleu.

Ueberaa» herzlich kommt di« Teilnahme am Tod« be» ReichstagSpräfibenten Grafen Stolberg- Weruiaerod« zum Ausdruck. AuS allen Parteien werden km Dahingeschiedene« herzliche Worte deS Gedenkens ^widmet. Allseitig werden sei» Ge- nchtigteitsßnu und fein« persönliche Liebenswürdig- leit anerkannt. Wenn man ihn nun zur letzten

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 21. Februar 1910.

Bor Eintritt in die Tagesordnung bemerkt

T- VizepräsidentDr. Porsch: Der Deutsche ReichS- tag ist durch den Tod seines Präsidenten in tiefe Trauer versetzt worden. Auch dieies HauS nimmt an der Trauer teil, und ich habe bereits, Ihr Einverständnis vorauSsetzend, dies dem Reichst ageunb der Familie des «erstorbenen gegenüber |«m jKuSbntd

schSitsordnung anaebracht.

Aba. Dr. ». JadzdewSki (Polt): DaS Einzelvor- kommniS, daS auch wir durchaus mißbilligen, darf nicht ein Anlaß sein, die Geschäftsordnung zu ändern. Anderswo, z«m Beispiel in Oesterreich, kommen doch noch ganz andere Szenen vor, wogegen die Geschäfts­ordnung auch nichts ausrichten kann. Und lange Reden werden auch in England, dem Musterlaube des Par­lamentarismus gehalten, selbst von den Bänken der Regierung anS. Ich hoffe, daß der Antrag in der Kommission «bgelebnt wird.

Abg. Mchbeck (treff. Volksp.) äußert Bedenken gegen

wie Faltarbeit", »Schlacht von Neumünster", »blut- besudelte Städte" usw. nur so wimmelt- Welche Wir- htng derartige Darstellungen auf die Empfindungen der Leser ausüben, liegt auf der Hand, und et ist klar, daß die sozialdernokr. Preffe mich zielbewußt dar­auf ausgeht, eine derartige ,die fanatische Wut und Empörung ihrer Leser ins maßlose steigernde Wirkung zu erreichen. Nun lassen aber, wie offiziös dargetan wird, die Berichte aus Frankfurt daran keinen Zwei­fel, daß di» dortige Polizei durch Befchimpfungen und Angriffe, die aus der Menge zahlreich gegen fie er­folgten, auss äußerste gereizt wurde, und daß sie erst dann mit blanker Waffe die Mafien zurückzudrängen begann, nachdem etwa fünfzehn Schüfie gegen sie ge- sallen waren. Um daraus der Polizei einen Vor­wurf zu machen, dazu gehört schon eine Anschauung, die in jedem Uniformierten den geschworenen Feind des Bürgers erblickt und gewöhnt ist, bet jedem Kon­flikt von voruhereüt und ohne Prüfung jegliche Schuld der bewaffneten Macht zuzuschieben. Auch daS Organ der Frankfurter Sozialdemokratien »Die Vclksstimme", di: ihre Schilderung über die Ereignisse mit der lieber- schritt »Die Frankfurter Blutnacht" versieht, gibt ein- zig und allein der Polizei für die Borgänge die Schuld. Rach glaubwürdiger Versicherung handelt es sich aber um be w u ß t vorbereitete Angriff t, na­mentlich solchen lichtscheuen Gesindels, dar sich bei solchen Gelegenheiten stets durch Angriffe be­sonders auf die Kriminalbeamten auszeichnet. Man sand nämlich in den Taschen einiger Verhafteter Re­volver, Messer und Schlagringe sowie Steine, waS zeigt, daß eine gewiße Verabredung unter dem Pöbel bestand, die Polizei zu provozieren und anzu greisen. Verwundet wurden ungefähr 25 Schutzleute und einige Konimifiare durch Steinwürfe, Flaschenwürse, Glas- ttk'rfen und Streuen mit gestoßenem Pfeffer. Wenn man das Recht der Notwehr für jedermann gelten läßt, dann wird man wohl auch der Polizei dieses Recht zubilligen müssen: denn darüber, daß die Not­wehr zum mlndesien nicht überschritten ist, wenn sich die Polizei gegen Revolverkugeln zur Wehr setzt, wird wähl kaum ein Zweifel herrschen Daß dabei auch einmal einer ein» dfet- ?ann, der vielleicht nicht selbst mit deut Stein?! ..eriett hat, vielleicht auch überhaupt nicht die Absicht hatte, der Polizei etwas

Abg. Dr. Schröder-Kassel matt.): Die Ansichten über paritätische Arbeitsnachweis« find doch sehr ge­teilt. Der Antrag muffe der Kommission für Handel imb (Scrottbt überwiesen werden.

Abg. k Welcher (tonfj hält ebenfalls den einseitigen Arbeitsnachweis für vorteilhafter als den paritätischen.

Abg. Kranse-Waldenburg (Ions.) betont, daß die Arbeitsnachweise sich ledigllch auf die Vermittlung der Arbeit beschränken müßten.

Nach belanglosen Aussührnngen der Abgeordneten Dr. Liebknecht (soz.) unb Hirsch-Essen (natl.) und dem Echlußwat« deS Dr. Flesch (freis. Vp.) rotrb die Bov- lage der Kommission für Handel und Gewerbe übte- ” b Mittwoch: Stadter Weiterungen und kleinere Etat».

r Berlin, 21. Februar 1910. Der Kaiser besuchte Montag vormittag den Reichskanzler. — Zum Nachfolger des Grafen v. Tattenbach als deutscher Botschafter in Madrid ist der Gesandte in Lissabon Prinz Max zu Ratibor . und Corvcy ausersehen. — Heute wird August ' Bebel, der Führer der deutschen Sozialdemo- ' kratie, 70 Jahre alt.

)( Da der Reichstag auch heute seine Sitzung ausfallen läßt, der kommende Samstag und Mon­tag ebenfalls sttzungsfrei sind, so würde der Etat nickt rechtzeitig erledigt werden können, wenn das Haus schon am 18. März in die Osterferien ein­treten würde. Man will daher einem Beschlüsse des Seniorenkonvents zufolge bis in die Kar­woche hinein tagen.

4- gin außerordentlich« Noiartag vereinigte am Sonntag einige hundert preußische Notare ttn Ber­liner Architektenhause. Man beschäftigte sich mit den Entwürfen zu den Gesetzen auf Abänderung des preußischen GerichtskostengesetzeS und der preußischen Gebührenordnung sür Notare. Die Abgg. Mertin (frk.), Bartscher <Z.), Meyer (R), welche der Land- tagskommission zur Bearbeitung der genannten Ge- setzentwürfe angehören, beteiligten sich mit einigen anderen Kollegen an der Verhandlung. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, welche u. a. verlangt: Neuordnung und Erhöhung der Stotariats- gebühren, Fortfall der beabsichtigten Ermäßigung für Beglaubigungen, Beurkundungen von Versamm- lungert und Verlosungen, sowie für die Neuaufnahme von Inventaren, Siegelungen und Entstegelungen

x Gegen die preußische Wahlrechts-Borlage hat der vereinigte Berliner Freisinn am Sonn­tag eine Protest - Kundgebung veranstaltet. Es sprachen Dr. Wirmer, Dr. Naumann und Gold- ichmidt. Wiemer piokiamierte: »Der Feind steht rechts." Naumann antwortete beift Reichskanzler auf seinen Hinweis, die Freisinnigen hätten bei einem besseren Wahlrecht nicht» zu gewinnen: Dieser Appell an die kleinlichste FraktionSrech- nerei charakterisiert den Mann, der ihn auSge- sprachen hat, mehr, als die, an die er gerichtet ist - FraktionSrechnerei hat Neumann allerdings nie verstanden; daher konnte er auch nur auf den Krücken einer ganzen Sammlung von Parteien und Partei-Schattrerungen in dar Parlament ge- l0n*e$attttf4«%1»6de. Im Abgeordnetenhaus haben die Abgg. Ecker, Dr. Schiffer«! und Genoffen den Arttrag eingebracht: .Die R.niflL StaatSregiernng ui ersuchen, die auf Schaffung von Naturschutzparken gerichteten Bestrebungen zu unterstützen."

= Straßenkundgebungen, wie sie sich in Frauk- furt bei ben Wahlrechtsdemonstratumm abgespielt haben und ähnlich auch in Halle unb in Neumünster, gehören zu den bedauernswerteste» Erscheinung« der letzt« Zett. Bedauernswert nicht mir weg« he» habet geflossenen Blutes, sondern auch weg« der wüst« Agitation und Aufhetzung, die sich im Anschluß an sie in manchen Blättern zurzeit breit machen. Man b«ucht nur b H .Borw rtS" tu ben letzten Tagen verfolgt zu haben, um zu erfennex, weich willkomme­nen Stoff die Sozialdemokratie in diesen Zusammen- stötz« zwischen da auf^hrtzteri Maße und d« Pvli- zeiorganen gefunden hat; der schwelgt <«•

radezu tu den weitschweifigst« Bericht« übet Ssw Münster, Halle unb Frankfurt, unb e» w rd jemanden, ha die VerdrehungSkunst dieser Blatt ek kennt, nicht peita in Erstaunen setzen, daß r» von Ausdrücken,

♦ Hage«, 2L Abr. 1910. Bei der Land­tag».Ersatzwahl anstelle bei verstorben«, Abg. Reinhardt Schmidt wurde der gememfE Kandidat der Frerjdmiaen und Ratwnalliderai«.

den Antrag.

Abg. Bormonn (Soz.): Ich will Sir (nach rechts) nicht von Ihrem Vorhaben abbringen, ich will uns auch nicht der Vorgänge wegen, die den Autraa ver­anlaßt haben, zu entschuldigen versuchen. Sie können sich ja doch nicht in unsere Denkweise hinein denken. kSehr richtig rechts-, Heiterkeit.) Wir waren damals | über bie Vorlage, durch welche das Volk aufs Blut grreit wurde (Große Heiterkeit) svo-itau erregt. Unser Austritt war nicht vorbereitet. Beschließen Sie was Sie wollen; auch in Preußen muß es noch einmal Früh­ling werden. (Gelächter.)

Darauf wirb der Antrag an die Geschäftsordnungs- kommifsiou verwirf en.

ES folgt bte weite Berütung des Etats der Zentral- gtnsffenschaftSkasse.

Abg. Meyenschei« <Ionf.) weist di« gegen d,e Zentral- genofienfchaftskaffe erhobenen Vorwürfe zurück.

Abg. Dr. Gronenberg (Ztr.) verlangt größeres Ent- gegeukommen der ZentralgenoffensckajtÄafse gegenüber dem Handwerk. Die Kasse dürfe sich nicht lediglich aus die Unterstützung der Landwirtschaft befchränke». Nur durch dir Vereinigung der Geuoffeusckasten zu wirt­schaftlich« Zwecken farm das Genossenschaftswesen seine großen Aufgaben erfüllen. DaS Genosstnschafts- fystem deS Abg. Crüger, der die Bercimgnug der Genofienschast« ablehnt, ist ein System der System- losiykeit.

' Abg. Grüget (sreis. Volksp.): bin nicht gegen

eine Bereinigung der Genoff-nschasteu im allgemeinen, sondern mit gegen eine Veremigung, die von der Zentralgenofienschaftskafie gefördert wird. An der Evtschuwiguugsaition können sich die Genossenschaften nicht beteilig«.

Abg. Rretb (kons.) rät den Genoffeuschaften bei der Beihilfe |U Uuterstützungsaktionen Vorsicht an.

Präsident der Zentralgenoffenschastskasse Dr. Heilige«stakt wendet sich gegen die Ansicht des Abg. I Dr. GSrunenberg, als ob die Zeulralgeuoffenschaftskafie dem Handwerk weniger entgegenkomme als der Land­wirtschaft, «ud empfiehlt weiterhin für landwirtschaft­liche Genossenschaften da- System der Berbandskaffen

von 14 Mitgliedern.

©obamt geht das Haus zur Beratung des Antrag?

(frris. Volksp.) betr. Organisation des öffent­liche» Wr6d»«a6toeifc8 über.

Adg. Dr. Flesch (freis. Vp.): Unser Antrag ersucht zunächst bi« Regierung um Vorlegung eines Berichtes über den Stand der Organisation des öffentlichen ArbeitSuachweijeS. Er ersucht ferner die Regierung, die Bestrebungen zur Ausdehnung des allgemeinen öffentlich« Arbeitsnachweises von den großen Städten auf die kleineren Städte und das flache Land durch die Orgaiüftüion öffentlicher an keine einfritige BtrufS- erganifatton weder der Arbeitgeber noch der Arbeit- nenntet angeschloffene Arbeitsnachw eiSverb änbe zu tut ter« stütze» trab durch wettere Geldmittel zu fördern.

Abg. Dr. Gruneuberg (Zentr.) tritt für paritätische Arbeitsnachweise ein, die weitet ausgedehnt werd« müßten. Die einzelnen Stellen mußten miteinander enge Fühlung haben, sodaß fich leicht ein Bild vom ArbeitSmarkt« geben lasse. Der Antrag möge einer Kommission ernt 21 Mitgliedern überwiesen werden.

geeignet ist.

Aba. LustmSky (ntlb.): Ein Bollwerk gegen Un» gehörigkrit« tm Hause ist weniger die Geschäftsord­nung, alS der Seist des Hanfes. Die Kommtsflon wird sich klar werden müfien, ob jenes Vorgehen der Sozialdemokrat« prinzipielle Bedeutung hat, oder ob - ’ “ 'luß momentaner Erregung war. Nur tm fe erscheint nnS eine Renderung der Ge-

j Erster Stgenstaud der Tagesordnung ist bet An­trag Ahrens (wns.) betr. die

«ettbentug bet Geschäftsordnung.

, Der Antrag verlangt, daß wirksame Bestimmungen jittr Aufrechterhaltung der Ordnung deS Hauses unb 'zur Einschränkung von Reden, welche die Zett bet !Hauses ungebührlich in Anspruch nehmen, getroffen 'werden.

' Abg. Dr. v. Heybebraub (lonf.): Wir bezweck« mit unterem Antrag, Vorfälle rote bte neulich bet der .Einbringung der Wahlrechtsvorlage vorgekommeo« 'zu verbtndern. Die bisherrgea Bestimmungen der ®e» schäftSordnung reichen dazu nicht au8, und wir bean- trag« nun, daß die GeschäftsordnungS-Kommfffio» die nährte Formulierung der Erweiterung der Präsi- 1 dialbesugniffe auSarbeiten möge. Fetner beantrag« wir, daß der Präsident befugt ist, einem Redner nach anbntbalbftünbiger Rede daS Wort zu entziehen, falls 'das Haus den Redner nicht länger hör« «in. Echo» 'das Besteh« solcher Bestimmung« ist geeignet, je» ; Mißbräuche hintanzuhallen. (Bestall rechts.)

i Abg. Herold (Ztr.): ES scheint unS bedenklich, «*. Süßlich einer Emzelfalles eine derartige Aenderung der ISeichäslsordnung vor,»nehmen. Jedenfalls wird bt« GeschästSorVnmtgskommission das emstftch überleg« müfien. Der zwette Test des Antrages hat freilich , etwas bestechendes (Zuruf Imls: Eo^ aber er deutet doch eine Einschränkung der Redefteihett, u»d vor allem erscheint es bedenkltch, d e Entschewtmg vo» einer augenblicklichen Mehrheit, die sich v« mom«. lauen Stimmungen leiten kaffen könnte, 3”

machen. Zudem sind es doch ergenllich nicht einzel« überlange Reden, di« den Sang der Verhandlung« aufhaltm, vielmehr sind im allgemein« die RÄ»« «n Parlamente immer läng« geworben. DaS W« Ditttel, di« Verhandlungen kurzer zu yftalten, »m es, d.rß alle Redner deS Hauses sich eine größere Be­schränkung auferiegten. Immerhin mag die Kommffflo» auch den zweit« Vorschlag deS konservativ« Antrag» prüf«. (Beifall im Zentrum.)

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 21 Februar 1910.

Trauerfeier.

Der Präfideritenstuhl ist ebenso wie die Präsidentev- »locke schwarz umflort. Die Abgeordneten sind zum Teil in schwärzet Trauerkleidung erschi««. Auf der Tribüne sind zahlreiche Vertreter der Regierung, an ihrer Spitze Der Reichskanzler, anwesend.

Vizepräsident Dr. Spahn (zur Rechten des Präst- dentenfitzes) häü folgende Ansprache: Ich habe dem hohen Haufe eine schmerzliche Mtteiluug zu mach«. Unerwartet und tieferschüttert hat un» bte Nachricht aetrosim, daß unser Präsidmt«fitz verwaist ist. Graf nr Stolberg, der von uns all« hochverehrte Präsid«t, lebt nicht mehr. Der Herr über Leb« und Tob hat »m Samstag abend 6V« Uhr feinem zelllichen Wirk« bte Grenze gezogen. Zum ersteumuke hat der Tod dem hohen Haufe feinen Präsidenten mitten aus I seiner Tätigkeit hinweg genommen. Auf den Schlachtfeldern Böhmens und Frankreichs hat der Entschlafene in blutigem Ringen dem deutschen Volke des neuen Reiches Herrlichkeit miterftritten, bei Köntg?- «rätz lag er schwer verwundet. In Liebe zu Kaiser enb Reich, in bei Fülle seiner Kraft ist er im öff«t- lichen Leben wie im Verwaltungsdienst mit der gleichen Begeisterung wie draußen für die Ehre und Größe deS Vaterlandes im Innern erfolgreich eingetreten. In fast 3Vjähriger Zugehörigkeit zu unferem Hause haben 'wir in gemeinsamer Arbeit die edelmännisch« Gesin­nung und Unerfchrockenheit deS Verstorben« schätzen gelernt Seines Amtes hat er feinem Gelöbnis getreu mit Liebenswürdigkeit und Unparteilichkeit, mit Sach­kunde unb Geschästslenntnis gewaltet Unter feinem 'Präfibnnn hat der Reichstag Beschlüffe gefaßt, die für die Geschicke des deutsch« Volkes von weittragender JBebeutung sind. Der Tod hat ihn unS pr früh «t» tiff«. Doch der Wert des Mensch«lebens wird nicht durch feine Länge bestimmt, gute Arbeit gibt herrlich« Lohn. Für die Mähen unb Arbeit«, welche der Ver­storbene dem deutsch« Volke geliefert hat, wirb ihm das deutsche Volk in Treue ein warmes Andenken be» wahr«. Das hohe Haus bttte ich, mich zu ermächti­gen, der gräilichen Familie unsere Anlellnahme zum Ausdruck zu bringen. Da niemand widerspricht, nehme ich an, daß bie^e Ermächtigung nur erteilt ist.

' Reichskanzler von Bcthmann yollweg: Der fchrvere Verlust, ben bei Reichstag durch den T»b feines Präsi­denten erlitten hat, wird von den verbündeten Regie- runqen schmerzlich empfunden. Der Deutsche Kaiser und der Bundesrat suhlen sich einS mit dem Reichs­tag in der Würdigung der Verdi«st«, bte sich der Verstorbene um das Wohl des Reichstags erworb« hat. Die Pllicht« seines hohen Amtes waren ihm Inhalt des Lebens und ihre treue Erfüllung sichert dem kerndeutsch« Manne Achtung, Dankbarkeit und Liebe, nicht nur im Reichstag, sondern bei alten, welche be­rufen waren, in Gemeinschaft mit ihm dem Baierlaube AU bienen.

! Vizepräsident Dr. Spahn teilt hierauf mit, daß vom Prinzreg«tm von Bauern unb dem früheren Präsidenten des Reichstags Graf Ballestrem Belle»-, kundgebunge» eingegangen feien. Wetter find Bri- leidsschreiben eingegangen vom bayerisch« Staats- minifter Freiherrn von Podewils, vom rourttembergi« sch« Ministerpräsidenten von Weizsäcker, von der babi- schen Regierung, von der hessischen Neuerung unb em» Prästdmten des preußischen Abgeorduet«haufeS a>t‘ ^f^Borschlag beS Präsident« vertagt sich bas HauS.

Mtttwoch: Etat.

am Zeuge zu flicken, ist nicht zu vermeiden und man lann daher nur eindringlichst den Rat wiederholen, den jüngst der Berliner Polizeipräsident erteilt hat, nämlich, sich nicht an bernrtigen Sachen zu beteiligen. Neugierde und Schaulust ist jedenfalls in einem solchen Falle wenig am Platze und kann zu bösen Folgen 'ihren. Um sich über die näheren Umstände in N«- münster und Halle ein Urteil zu bilden, wird man noch das Ergebnis der amtlichen Untersuchung abwarten müssen; blutig ist es ohne Zweifel dabei abgegangen, unb hier scheint auch nach dem, was bisher feststeht, bte Polizei allerdings etwas sehr nervös gewesen zu sein. Wenigstens können auch bürgerliche Blätter das Ver­halten ihrer Organe nicht in allem ganz billigen. Aber wenn die Polizei Blut vergossen hat. so füllt btt mo­ralische Verantwort ng auf die Veranstalter der Kundgebungen. Uebrigens ist auch das Blut von Po­lizisten geflossen; wir schließen daraus nicht, daß di« Demonstranten, mit der „Vorwärts" sagen würde, „blindwütige Bluthunde" warm, wohl aber erklären wir unS, daß die Polizisien, wenn sie daS Blut ihrer Äametabcn fließen sahen, auch die Geduld verlor« und rücksichtslos einhiebm. Auch die Polizisten sind Menschen, unb wenn man ihre Geduld aufs äußerst« mißbraucht, so ist et kein Wunder, daß auch sie einmal über die Strängt schlagen.

* Znm Wahlartsfall in Mülheim-Wipper- fürth muß selbst der „Vorwärts" bekennen:

„Unser Erfolg ift vorwiegend auf Kosten btts Liberalen errungen; in dem meist evangelisch« unb ! liberalen Kreise Gummersbach hatt« wir allein ein« Zunahme von 1500 Stimmen, trotzdem gerade hier bt« i Liberalen bte eifrigste Agitation entfalteten. Die Gum­mersbacher Nationalliberalen verfielen am Schluß b«r Wahlkampfes gar auf b« komische» Gedanken (offen­bar auS Kon ten auf bas Zentrum), sich

alS b« wahre» utz der Religio« anzupreis« Ma» merkt, daß der NattonalliberaliSmuS anfängt, alt M werden."

Bitter, aber wahr,

♦ Der frühere Reichstag» - «bg. Schack ist, wie auS Hamburg gemeldet wird, schon seit End« der vergangenen Woche in die Irrenanstalt Friedrich sberg, und zwar als Pensionär, ein- gezogen. Die Sach« wird in Hamburg sehr ge- heim gehalten.

• O«de Knllurkrmpferti treibt wieder einmal di« Frankfurter Zeitung in ihr« Nr. 47, wo sie sich üb« dm Etntrrtt von Kindern i« den Herz-Jesu-Verein ereifert Sie meint, ba »Klerikalismus" wolle auf diesem Wege Einfluß in d« Schule gewinnen und will deshalb die Auf­sichtsbehörden gegen diesen Verein scharf mach«. — Dabei haudrit e« sich gar nicht um ben ,£>try Jefn-Dertin", sondern um den »Kindheit-Jesu- Verein" zur Unterstützung d« Missionen. Schließ­lich geht diese rei« katholische Sache da» kultur- kämpf«ffche Blatt gar nichts an. Man sieht ab« aus diesem Vorgänge mied«, wie manchm Blättern jedes und alles dazu dienen muß, etwas in Kultur­kampf zu machen. WaS die Unterstützung da MisfionSbestredungen durch Kind« und bertn Gebet in diesem Sinne mit der »Klerikalisinung da

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