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SotationrdruSund Verlag der Fuldaer N- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher M.Y.
37. Jahrgang.
Fulda, Montag den 21. Februar 1910
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Zweites Wtatt
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in Lohnklasse
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nung tätig sind, sowie ferner, ob sie einen ober viele Arbeitgeber haben. (Nichtversicherungspflichtig sind jedoch Personen, welche selbständig Unterricht in körperlichen Fertigkeiten, wie Tanzen, Schwimmen, Schneidern erteilen Dies bezieht sich aber nicht aus Personen, die diesen Unterricht an einer Schule erteilen.)
3. Die Besatzungen deutscher Seefahrzeuge und
4. die Hausgewerbetreibenden der Tabak« unbi Textilindustrie. -X-. W
Bei allen Berstcherungspflichtigen entfällt die! Hälfte deS Beitrages auf den Arbeitgeber. — Die hervorragende Rentabilität der Invalidenversicherung, die sich nur dadurch erklärt, daß das Reich zu jeder Invaliden« oder Altersrente einen festen Zuschuß von jährlich 50 Mk. zu leisten hat, ist aus nach« stehender Tabelle zu ersehen: Es sind gezahlt
„Mit tausend Freuden', jubelt« das alte Fräulein ,14 «■ * 11 — ....... ....Md
nach 10 Jahren
„ 20 „
„ 30 „
„ 50 ,,
Versicherung.
Wenn von Versicherung die Rede ist, glauben die Meisten, es handelt sich um ein Institut für nur gewisse Menschenklassen, für Angestellte, Arbeiter u- dgl., und diese Klaffen selbst halten es nur für zweckmäßig, in einer Versicherung zu bleiben, solange sie in einem gewissen Dienstverhältnis sind. Nichts ist falscher. Die Versicherungsanstalten sind n-eit umfassender, auch die reichsgesetzliche Invalidenversicherung- Es erscheint angebracht, wieder einmal auf die Vortelle dieser Versicherung hinzuweisen; sie bietet:
1. Krankenfürsorge, wenn von ihrer Gewährung die Erwerbsfähigkeit des Versicherten abhängt (fog. vorbeugendes Heilverfahren, durch kostenfreie Kuren in Lungenheilstätten, Kranken- und Genesungshäu- srn, Heilbädern usw.), und Angehörigen-Unterstiitiung während der Dauer des Heilverfahrens,
2- Krankenrente (vorübergehend),
3. Invalidenrente (dauernd),
4. Altersrente,
5. ober Rückerstattung bet Halste ber Beiträge: a) im Falle eines Betriebsunfalles, der dauernde Erwerbsunfähigkeit des Verletzten zur Folge hat, b) im Sterbefalle des Versicherten an die Hinterbliebene Witwe ober Kinder unter 15 Jahren, ober c) bei Verheiratung der weiblichen Versicherten. Bor der Rückerstattung im Falle ber Verheiratung wirb jedoch gewarnt! Weiterkleben! Jährlich 10 Wochenbeiträge, mindestens zu 14 Pfg. — 1,40 Mk., erhalten die Versicherung in Kraft und verschaffen der Frau die Mittel zur Verhütung der Invalidität und im Jnvaliditätssallc Jahrcsreuten von einigen hundert Mark.
Die Weiterversicherung ist jeder männlichen und vor allem weiblichen Perfon anzuraten, die nicht mehr verstcherunaspflichtig ist- Auch hier genügen jährlich 10 Wochenbeiträge, also mindestens 1,40 Mk., um die Versicherung aufrecht zu erhalten. Es empfiehlt sich jedoch, möglichst voll zu kleben (also jährlich 52 Marken), denn je mehr geklebte Marken, desto höher die Renten. Etwaige früher geklebte und inzwischen verfallene Marken leben, in jedem Falle nach 200 pflichtmäßig ober freiwillig geklebten Marken wieder auf. sie werden also bei ber Rentenberechnung wieder berücksichtigt. — Freiivillige Beiträge dürfen für 1 Jahr zurück nachträglich nachgeklebt wer-
72,80 104,00 124,80 156,00 187,20, 145,60 208,00 249,60 312,00 374,40’ 218,40 312,00 374,40 468,00 561,60, 364,00 520,00 624,00 780,00 936,00 Davon hat der Angestellte nur die Hälfte bezahlt Er bekommt aber dafür an Invalidenrente jährlich
14 Pf. 20 Pf. 24 Pf. 30 Pf. 86 Pf.
~ ™ M. M. M.
II. III.
Pflege deine Stimme.
Nicht nur im strengen Winter, sondern sozusagen ba8, ganze Jahr dindurch gebrauchen viele Menschen regelmäßig irgendeine Tablette oder Bonbon, um ihre Stimme zu pflegen, sie vor Katarrh zu schützen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß die in der Schweiz seit 60 Jahren geschätzten Wybcrt-Tabletten auch in D.utschland leichten Eingang gefunden haben. Dentz eine einzige Probe davon zeigt sofort deren einzigartig« Wirkung auf die Stimme.
Hustenreiz, Heiserkeit, Verschleimung verschwinden fofort nach deren Gebrauch und soviel steht fest: Wer einmal die angenehmen Eigenschaften’ der Wybert« Tabletten erprobt hat, wird dieselben nie mehr missen wollen. Wybert-Tabletten sind daher für Sänger, Raucher, Redner, Sportsleute und alle, die ihr« Stimme pflegen wollen, ein unentbehrlicher Begleiter, In Originalschachteln ä 1 Mk. — sind dieselben in den Apotheken erhältlich. Depots in Fulda: Engel-Apotheke, hof-Apotheke und Löwen-Apotheke. [2343
»ich btti ja die „Ällerweltsiante' für alle Pfeilecks.''
Deck Boot legte an- Die beiden Damen gingen bei schmalen Wtesenpfad entlang, bis ste, durch ein niedere» Erlmgebüsch schreitend, die Kirche erreichten. E» war noch früh, erst halb zehn, folglich dauerte eS noch eine halbe Stunde, bis der Gottesdienst begann.
Eingedenk de» von Rottraut geäußerten Wunsches empsaU Hulda sich vorläufig und redete eine Sc» kannte an, bie fn ber Gegend zum Besuch war. Rot» traut ging auf der rechten Seite der Kirche, die von schönen eßen Linden umstanden war, und setzte sich auf fts» versteckte Bank, auf der sie unbemerkt bleiben
vermischtes. »
♦ Ein nervöser Mieter in Berlin hatte seines Hauswirt aus Abstand verklagt, weil die Köchin bei letzteren ihn durch lautes Pfeifen störe. Der Kläger, wurde jedoch abgeroiefeu. Zur Erheiterung sei noch folgendes Satz-Monstrum aus der Urteilsbegründung' des Gerichts mitgeteilt: .Was das Pfeifen anlangy so steht diese Geräuscherzeugung hinsichtlich ihres Stärke, selbst wenn man davon ausgehen wollig wofür sich aber kein Anlaß bietet, daß nämlich bot’ betreffende Dienstmädchen über eine sehr kräftige Lunge und außerdem noch über die Fähigkeit ver« fügt, ihre Lungcnkraft in die entgegensteheuden Pfeife t.ne umzusetzen, etwa auf derselben Stufe eines lauten Sprechens oder mittellauten Singens.'
bei der Reichstags-Ersatzwahl insgesamt 40,913 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Marx- Düsseldorf (Zentr.) 20,376, Erdmann-Köln (Soz.) 10,924, Falk-Köln (natl.) 8465 und Hoemann« Gummersbach (Christlichsozial 1140 Stimmen. Zersplittert waren 8 Stimmen. Die Stichwahl zwischen Marx und Erdmann ist auf den 26. Februar angesetzt. — Die »Franks. Ztg/ ist über den Erfolg des Zentrums bei der Wahl so erbost, daß sie de« Zentrumswählern Ungezogenheiten an den Kopf werfen zu müssen glaubt; sie meint, daß das Zentrum seine alte Stimmenzahl behauptet habe (bekanntlich hat es sie um 404 vermehrt), könne von der Urteilsfähigkeit der von ihm Genasführten nicht gerade einen hohen Begriff geben; die Partei lebe geradezu von der geistigen Unmündigkeit ihrer Wähler. — Wie vornehm! Die sozialdemokratischen rc. Wähler sind natürlich alles gescheite Leute, Ausbunde vsn politischer Weisheit, die Zentrumsleute aber sind — Esel. Nun hofft das Blatt weiter, daß die Stichwahl, wenn alle ihre Schuldigkeit tun, mit dem Siege des Sozialdemokraten enden wird. Wir meinen, daß an dem Kopse dessen, der ausrechnen wollte, daß der Sozialdemokrat in Mül' heim bei der Stichwahl siegen würde, ganz außer» rdentlich lange Ohren sitzen müssen.
Deutsches Reich.
♦ Für bett Toleranzantrag stimmten nach der Abstimmungsliste mit dem Zentrum die Polen und Sozialdemokraten sowie folgende einzelne Abgeordneten: Dr. Böhme (Wild), Hanssen (Däne), Fürst v. Hatzfeld (Rp.), Götz v. Olenhusen (Hospi- taut des Zentrums). Der Stimme enthalten haben sich: v. Bolko (!.), v. Dannenberg (Welfe), Eickhoff (fr. Bp.) Feldmann (!.), Gräfe-Sachsen (Antis.), Köhler (Antis.), Werner (Antis.), Graf v. Westarp (k.).
+ Die Reichsiagskommisfion zur Votberatttvg des Kaligesehes hat sich konstituiert. Vom Zentrum ge- hören ihr an die Abg. Erzberger, Fritzen, Dr. Denn, Bereit), Dr. Mayer-Kaufbeuren, MMer-Fnlda, ras Oppersdorff, Schüler.
)( 48 Resolutionen, zum Teil tn der Lange einer halben Zeitimgsspalte, liegen nunmehr zum Etat des Reichsamtes des Jnnernvor. Es werden darin so ziemlich alle Fragen behandelt, die mit der Sozialpolitik in mehr ober weniger engem Zusammenhänge stehen. ,
♦ Die Einigung ber Linken. Der von den drei freisinnigen Parteien eingesetzte Viererausschuß hat die Beratungen über das Eir.tgungsprogramm und das Statut enbgiltig abgeschlossen. Der Name ber zweiten Linken soll fein: Fortschrittliche Volks- Partei. , ,
X Nach dem amtlichen Wahlergebnis von Mülheim - Wipperfürth - Gummersbach wurden
den Ausgeschlossen ist dies nur, wenn die Anwartschaft aus den früher geleisteten Beiträgen schon er» loschen ist ober bereits Invalidität im Sinne des Ge- sebcs vorliegt. (§ 146 des Jnvaliden-Verstch.-Ge- etzes.) - Im Zweifelsfalle ist bei der Lanbes-Ver- sichemngsanstalt anzufragen. — Ehefrauen die sich bei ihrer Verheiratung die Halste ihrer Bettrage zu- rüderftatten ließen, können nur dann weiter versichern, wenn sie inzwischen von neuem eine versicherungspflichtige Tätigkeit ausgeübt haben (NB. Nach dem neuen Entwurf der Reichsverstchemngs-Ordnung § 1346 sollen die verfallenen Macken nur bann toieber aufleben, wenn die versicherte Person wieder verfiche- rungspflichtig wird. Da dadurch zukünftig die früher geklebten verfallenen Macken verloren wären, io wird dringend angeraten, unbedingt sofort weiter zu kleben und dadurch jenem drohenden Verluste vorzubeugen.)
Die Selbstversicherung kommt in Frage, wenn keine frühere Markenverwendung nachgewlesen werden kann- Sie ist bei noch nicht vollendetem 40. Lebensjahre mit beliebig hohen Macken zulässig für
1. Betriedsbeamte, Werkmeister, Techniker, Hand- lungs g e h i l f e n (nicht Lehrlinge) und sonstige Angestellte, Lehrer, Erzieher, Schiffsführer (soweit alle diese nicht schon zur Weiterversicherung berechtigt sind) bei einem Jahresarbeitsverdienst von über 2000 Mack, aber nicht über 3000 Mk.
2. männliche und weibliche Gewerbetreibende und Betriebsuriternehmer, die r.tfjt regelmäßig mehr als 2 versicherungspflichtige Lohnarbeiter beschäftigen, sowie sämtliche Hausgewerbetreibende (soweit nicht schon versicherungspfltchtig). auch alle solche Frauen, die in ihrer eigenen Wohnung als selbständige Gewerbetreibende waschen, bügeln, schneidern, P u tz m a- chen, nähen, stopfen, malen, schreiben u. a. m.
3- Personen, die nur freien Unterhalt verdienen, darunter fallen auch erwachsene Geschwister und Kinder, die in geschäftlichen ober landwirtschaftlichen Betrieben ihrer Angehörigen regelmäßig arbeiten und für diese Arbeit freien Unterhalt bekommen,
4. Personen, die durch Bundesratsbeschluß von der Versichenmgspflicht befreit sind, weil sie nur vorübergehend beschäftigt find. (Die S e l b st Versicherern uter3uild4 dürfen die Hälfte ihrer Beiträge von ihren Arbeitgebern zurückverlangen),
5. Personen, bte aus einem die Berechtigung zur Selbstversicherung begründenden Verhältnisse aus- scheiden, können die Selb st versichern n g fortsetzeu.
Der Vollständigkeit wegen sei hier noch hinzuge- ftigt: Ver>icherungspslichtig sind vom vollendeten 16. Jahre ab
1. die gegen Lohn ober Gehalt beschäftigten Arbeiter, Gehilfen, Gesellen, Lehrlinge unb Dienstboten ohne Rücksicht auf bte Höhe des Verdienstes. Als Gehilfen gelten auch Kochfrauen, Aufwärt e- rinnnen — unb die in einem festen Dienstverhältnis stehenden Krankenpflegerinnen und Wartefrauen — sowie ferner Tochter unb Schwestern, die gegen Barlohn ben Haushalt ihrer Angehörigen führen, also zu diesen in einem wirklichen Arbeits- und Lohn Verhältnis stehen,
2. Betriebsbeamte, Weckmeister, Techniker, Hanb- lungsgchilfen unb Lehrlinge, sonstige Angestellte, bereu bienstliche Beschäftigung ihren Hauptberuf bilbet, sowie Lehrer und Erzieher beiderlei Geschlechts, fofem Lohn ober Gehalt gewährt wird, ber regelmäßige Jah- resarbeitsverbienst aber 2000 Mk. nicht übersteigt. Dazu gehören auch Hausdiener, sowie G e s e lisch a f t s d a m e n. Aus die Versicherungspflicht der Lehrer und Erzieher ist es ohne Einfluß, ob sie an öffentlichen ober privaten Anstalten wirken, ob ste in den Häusern ihrer Schuler ober in bet eigenen Woh-
„Mtt Ausnahme von mir*, tönte es in scharfem Ton bis zu den Ohren der unfreiwilligen Lauscherin.^ „Erlaube, lieber Onkel, daß ich bei meiner Ansicht bleibe Ich habe meine Pflicht als Kavalier getan, als ich ihr auf dem Bahnhof meinen Wagen anbot,1 und als Oberhaupt der Familie tat ich es ebenfalls, indem ich ihr die Schlüssel deS Erbbegräbnisses zu», sandte. Beide Mal hat mich die Baronesse kalt zurück« gewiesen, bamit habe ich genug.*
Die Sprechenden entfernten sich, unb Rottraut blieb allein. Ein Gefühl, bas an Haß grenzte, erfüllte ihr Herz; die Wocke Hartwigs trafen sie wie Peitschen-, hiebe, ihr Stolz bäumte sich dagegen auf. Was mochte ihr Vater hier gesündigt haben? Ueberhaupt, wohin sie kam, war sein Andenken verflucht, überall hattet er Böses getan und seinen Nebenmenschen Leid verursacht.
„Ich habe viel zu sühnen, und ich will es, so wahr mir Gott helfe'-, gelobte sie sich int Geheimen; bann verließ ste ihr stilles Plätzchen, benn die Glocken läuteten und die Kirche füllte sich schnell. Sie trat durch ein Seitenpförtchen hinein und stieg die Treppe zum Chor hinauf, dock nahm sie Platz und betete lange unb inbrünstig.
Eine seltsam gehobene, fast glückliche Stimmung kam über sie. Der Gesang begann; aus vollem Her»( zen stimmte Rotckaut mit ihrer wundervollen Stimme ein. Klar und hell schwebte ihr herrlicher Alt durch die kleine Kirche, sie vergaß ihre Sorgen, die bittere Kränkung, die sie soeben erfahren, den Zwiespalt ihres, Lebens und daß ihre Verwandtschaft nur wenige Schritte von ihr entfernt saß. Ihre Seele strömte in bet Musik au8. Bald jubelte ihre Stimme wie heller Lerchenschlag, bann wieder klang sie flehend unb innig, um im nachAn Augenblick in unendlicher Weich-' heil hinzuschmelzen.
Die Gemeinde stutzte bei den erften Tönen dleset noch nie gehörten Sängerin, die Köpfe wandten sich nach dem Chor, um zu sehen, wer e8 fei; allmählich hörte dieser und jener zu fingen auf, alle lauschten wie gebannt. Zuletzt fangen nur wenige ganz leise mit, Rottrauts Stimme füllte fast allein den heiligen Raum- ' (Fortsetzung folM T
Preußischer Lauvtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 19. Februar 1910.
Der Gesetzentwurf über die Reis ekosten ber Staat- ttonüen wurde nach kurzer Debatte einer Kommission toerroiefen. — Dann ging das Haus über zur Beratung des Etats ber direkten Steuern.
Abg. Ecker-Winsen (natl.) verweist auf die Statistik deS Prof. Delbrück über die ungenügende Veranlagung des Grundbesitzes. . ....
Abg. v. Hennigs-Techlm lkons.) bekämpft die Delbrückfchen Darlegungen, die von Unkenntnis strotzten. Ein Mißstand sei die Offenlegung der Wähler!,sten mit den Steuerbeträgen vor den Wahlen.
Finanzminister v. Rheinbaben bedauerte, daß die bei Wahlen aufgelegten Steuerlisten veröffentlicht worden seien und verlangte, daß ein derartiges Verfahren unter Strafe gestellt werde. Mt Enlschteden- heit wies er den Vorwurf zurück, daß die Landräte bei der Steuerveranlagung die Grundbesitzer zu mild behandelten. Die Schätzung des Professors Delbrück über die Veranlagung beruhe auf schwankender Grundlage. Gewiß lasse sich noch eine genauere Deklaration erreichen, imt dürfe diese Frage nicht zur Parteisache gemacht werden. Alle Staatsbürger mußten sich der Ehrlichkeit bei der Steuererklärung befleißigen.
Abg. Frhr. v. Zedlitz wünschte, daß in dem neuen Einkommensteuergesetz Kontrollmaßregeln zum Zwecke einer gemachten Bestimmung vorgesehen wurden.
Abg. Dr. Heisig iZtr.) regt an, daß Musterbeispiele landwirtschaftlicher Buchführung vom Finanz- und Landwirtschastsministerium ausgearbeitet werden.
Rach weiterer unerheblicher Debatte begann die 2. Lesung des Etats des Finanzministeriums.
' In der Debatte, an der sich unter anderen die Abg. Schröder-Kassel (natl.), Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben, Abg. Schmedding (Ztr.) beteiligten, kam die Lage der sogenannten .Alt-Pensionäre' zur Sprache, u. a. der vor dem 1. April 1907 pensionierten Beamten. Der Finanzminister lehnte eine nachträgliche Erhöhung der Pension grundsätzlich ab. Eine Aufbesserung von 10'/» würde 9 Mill. Mark erfordern.
Der Etat wurde erledigr.
Montag: Konservativer Antrag betr. Geschäfls- ördnungsgaranlien; 2. Lesung des Etats der Preußenkasse, Anträge über den Arberlernachweis unb über die Regelung des Verhältnisses zwischen den Eisenbahnen und den Anliegern.
mußte. Ihr Herz pochte laut bei dem Gedanken, daß sie in wenigen Augenblicken die Verwandten ihres Vaters sehen würde, jene stolzen Verwandten, die sich von ihnen losgesagt, die sie und ihr Schwesterchen mit Voructeilen betrachteten, welche ste vielleicht nie ganz besiegen konnten.
Sie hörte das Rollen von Rädern, Wagen hielten vor ber Kirche, bie Gutsbesitzer ber Umgegenb versammelten sich zum Gottesdienst. Bei dem Gedanken, die Tiefenhaller wiedcrzusehen, freute sie sich; die freundlichen alten Leute meinten es jedenfalls gut mit ihr; die Freifrau hatte sie mütterlich in die Arme geschlossen, stls ihr Gatte sie mit der jungen Verwandten gestern bekannt gemacht, und hatte ste „mein liebes Kind' genannt.
Stimmen, die näher kamen, bewogen Rottraut, sich noch tiefer hinter den Baumen zu verbergen.
Plötzlich eckannte sie die sanfte Greisenstimme des Tiefenhallers: „Du uckeilst vorschnell, ohne sie gesehen zu haben. Ich sage Dir, sie ist eine echte Pfeileck! Der gute Spruch unseres Wappens: „Ehre und Treue" wird von Rottraut verstanden und geübt werden"
„Ich habe nun einmal ein gewisses Mißtrauen gegen sie", versetzte die markige Männerstimme, bie Rottraut am Morgen ihrer Ankunft auf bem Bahnhof gehört hatte, „bie Tochter eines Menschen, ber im Zuchthause faß, und bereu Mutter eine Chansonettcn- fängerin gewesen, flößt mit kein großes Zutrauen ein — —*
„Wie bitter Du das sagst!" tabelte ber alte Mann.
„Ich denke, ich ganz besonder- habe keinen Grund, den Nachkommen Günther Eckch» hold zu sein! Du vergißt, Onkel, welches Lckd er meinem Vater zufügte unb daß meine Mutter ihm fremd blieb, ttotz aller feiner Liebe, well ste ihre erste Neigung bereits vergeben hatte.'
„DaS ist lange her', ivarf der Freiherr ein. „Wir alle müssen uns beftreben, ohne Vorurteile ber Herrin der Pfeilburg zu begegnen, beten Persönlichkeit mir durchaus dazu geschaffen scheint, sich mit ber Zett hier Anerkennung und Liebe zu gewinnen/
„Später gewiß", gab Rottraut zurück, „heute will ich von dickem Recht noch keinen Gebrauch machen. Bitte, kümmern Sie sich nicht um mich; sobald wir landen, möchte ich allein fein."
„Wie Sie wünschen", entgegnete Hulda schüchtern.
Rottraut bedauecke sofort ihre Wocke, als sie Huldas eingefchüchteckes Gesicht sah, deshalb reichte sie ihr die Hand und sagte freimütig:
„Verzeihen Sie mir, ich war recht häßlich, Sie müssm Geduld mit mir haben- Glauben Sie mir, ich erkenne c8 hoch an, daß Sie mir in diesen traurigen Tagen Gesellschaft leisten wollen. Es gehört viel Mut dazu, bei mir zu bleiben, der Tochter des Geächteten."
Ihre Stimme Bebte, und sie wandte schnell den Kopf zur ©eite, damit niemand ihr Gesicht sehe. Hul- chenS Herz schmolz. schnell ergriff sie die schlanke Miid- chenhand und küßte sie im Ucberschwang ihrer Gefühle. Rvttraut entzog sie ihr fast hastig.
„Ka< tun Sie da?" rief sie. „Das ziemt sich nti)t So" — ste zog das Fräulein an sich und um- arrate sie herzlich, „so ist'! besser, nicht wahr?"
„Meine liebe Rottraut", flüsterte Hulda, tief beglückt, „ach vergeben Sie, daß ich Sic so veckraut nenne, ei soll nicht wieder geschehen."
„Im Gegelt nl, ich bitte darum", erwiderte das junge Mädchm „Es wirb mir lieb sein. Unb", ein reizendes, schalkhaftes Lächeln huschte über das schöne Gestchss „und ich darf Sie doch Tante Huldchen nennen, «ich! wahr?'
tzwbrandmartit.
14j Roman von G. Freifrau von Schlipp end ach'
Fräulein Hulda war so eü:gefchüchtr:t, daß sie ganz still da saß unb scheu zu ihrer jungen Begleiterin hinübersah, auf bereu Gesicht tiefer Emst thronte- Dir dunklen Augen Rottrauts glitten bewundernd über die schöne Landschaft, übet dieses fontige. fruchtbare Stückchen Erde, das ihre Heimat wat- Wie ost hck^ sie sich nach ber Pseilbucg pesehnt, von der ste eine deutliche Erinnerung bewahrte trotz der za i Jugend, in der sie sie verließ- Sie fühlte es, sie ehöcke hierher, wo ihre l'lhnen gewandelt, und sie wußte es. ste würde an stillem Heimweh kranken, w -.m fic jetzt abermals fort sollte, eine Fremde üb:;al, ire nirgends auf die Dauer Wurzel fassen konnte.
„Gnädiges Fräulein, da kommen bie Grasenhor- ster", sagte Fckedckch, „Gras Hartwig U3» feine Mut- Ar wollen auch zur Kirche."
Aus einer vorspringenben Bucht heSor schoß eil zweites Boot über bie blaue Fläche deS Sees- Von zwei kräftigen Ruderern getrieben, näherte e» sich schnell-
Rotckaut zuckte peinlich berührt zusamt, ihr war diese Begegnung sehr unangenehm, immer wieder timf sie mit denen zusammen, die sie gern gemi^en hätte. Jetzt fuhr das Boot au8 Grafenhorst an ihnen vorüber, sie hob den Kopf und blickte hin- Neben dem Grafen saß eine Dame, beide grüßten sehr höflich. Eine leichte Neigung des Kopfes tionfeiten des fu.Wrft Mädchens war die Erwiderung, während Fräulein Hulda fteundlich rointte- ES schwebte Rottraut auf d« Zunge, Friedrich ben Befehl zur Rückkehr zu geben, boch baS hätte wie felge Flucht mrSgesehen; ste warf den Kopf ttotzig zurück, ein Hacker Zug grub sich um ihre Lippen, ihr Stolz bäumte sich auf, — ste *Ee nicht zurücktreten, deshalb zwang ste sich, ruhig I“ fein, und Hulda» Worten aufmerffamä Gehör gu schenken. ♦
U.Sie werden boch im Familienstuhl fitzen?' fragte
alte Fräulein ängstlich; „die von der Pfeilburg Me». dock, ihre, bestimmten Plätze-^ r ’
in Lohnklasse I. II. III. VI. V. M. M. M. M. M. nach 10 Jahren auf 125,60 151,20 171,60 192,00 212,40
„ 20 ,, „ 141,20 182,40 213,20 244,00 274,80
„ 80 „ „ 156,80 213,60 254,80 296,00 337,20
„ 50 „ „ 188,00 276,00 338,00 400,00 462,00
Wem es nicht schon Gewissenszwang ist, der lasse sich durch das Rechnungsergebnis bestimmen: so« fort zu versichern — zu kleben, zumal die, erstrebte Pensionsversicherung der Pri< vatangestellten (Privatbeamten) nebenher' das Verbleiben der Versicherten in der reichsgesetzlichen Invalidenversicherung' vorsieht. _______