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87. Jahrgang
Fulda, Samstag den 19. Feburar 1910.
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Drittes Wlcrtt.
Reklamen- und Anzeigenteil.
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Aadatt gewehrt.
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Aus -em Nachbargebiete.
* Großenbach (Kr. Hünfeld), 18. gebt. 1910. Daß bei einer rationellen Viehzucht noch schöne Preise und wohl auch ein guter Verdienst erzielt werden, beweist ein dieser Tage dahier ob» geschloffenes Geschäft. Der Landwirt Joseph Ziegler von hier verkaufte ein 10 Monate altes, in das Zuchtregister eingetragene- Simmentaler Bullenkalb an einen Herrn in Großenmoor zum Preise von 375 Mark.
• Witzenhausen, 18. Febr. 1910. Gegen» wärtig tritt hier unter den Kindern die Diphte» ritis epidemisch auf; es sind schon einige Todes- fälle vorgekommen. Im Nachbardorfe Ellingerode herrscht Scharlach; da ein Kind des dortigen Leh» rers daran erkrankt ist, mußte die Schule geschloffen werden.
* Frankfurt a. M-, 18 Febr. 1910. Schützet unsere barmherzigen Schwesternl Diese eindringliche Bitte richtet das „Franks. Volksblatt- an die Polizeibehörden angesichts zweier Fälle, die sich in den letzten Tagen hier zugetragen haben. In dem einen Falle wurde eine Schwester auf dem Heimwege durch einen nichtswürdigen Menschen mit einer rohen Bedrohung beleidigt, während am Sonntag früh einer Schwester, als sie gegen 6 Uhr nach durchs wachter Nacht bei einem Kranken in ihr Kloster eintreten wollte, durch einen Rohling der Zutritt versperrt wurde. Der gemeine Mensch ging dann soweit, in nicht wiederzugebender Weise durch Erregung öffentlichen Aergernisses die Schwester tätlich zu beleidigen- Einige zu Hilfe kommende Frauen und Mädchen waren leider nicht in der Lage, die Personalien dieses Menschen sest- stellen zu können. Diese Vorfälle zeigen, wie herrlich weit wir es in den Zeiten des Ferrer- und Freiden- kerrummelS gebracht haben, daß man sich nicht scheut, Ordensfcauen, die sich den Aermsten der Armen mit Selbstaufopferung und Liebe stets annahmen, auf die gemeinste Art und Weise zu insultieren.
* Marburg, 18. Febr. 1910. Am 7. März beginnt eine Schwurgerichtsperiode unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Heer.
* Erfurt, 18. Febr 1910. Unsere Sladt wird im Mai d. I. die deutsche Kaiserin in ihren Mauern begrüßen können. Zu dieser Zeit findet die Einweihung des eigenen Heims des deutschen Eisenbahn - Töchterhorles stalt, das hier an der Hohenzollernstraße errichtet worden ist.
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Sie erhob sich hastig und vettieß das Staunet!
Das alte Fräulein schüttelte ganz erschrocken bmj Kopf.
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scheinung vor chr geistiges Auge. Sie sah den blonden Kopf deS „Oberhauptes der Familie", wie er, den Hut in der Hand, den Trauerzug an sich vorbeizichen ließ. Es war ihr ein schrecklicher Gedanke, ihm schreiben zu müssen, und ihn um eine Unterredung zu bitten, ehe sie die Pfeilburg verließ, um nach Koblenz zu- rückzureisen. Ihr Gesangsstudium war nahezu vollendet, der Professor hatte ihre Ausbildung mit wahrem Eifer betrieben. Sie hatte die Absicht gehabt, sich in England als Gesangslehrerin niederzulafsen, um so ihr Brot zu verdienen und selbständig für sich zu sorgen. Mit dieser Laufbahn erklärte sich der ehrgeizige Professor jedoch nicht einverstanden, er wollte vielmehr mit seiner talentvollen Schülerin glänze« und redete ihr zu, als Konzertsängerin aufzutreten, ihr einen großen Erfolg vorhersagend.
Jetzt, al» Herrin der Pfeilburg, als reiche Grundbesitzerin, fiel dir Frage de« Broterwerbs fort. Dennoch bedauerte Rottraut die Jahre ernste« Studium« nicht, die vervolUomnmet hatten, tod eine gütige Fee ihr in die Wiege gelegt, wa« die Herze« im Sturme erobert und helle Begeisterung entflammt: eine h«r- liche, klangvolle Menschenstimme.
Der Name Grafenhorst ließ sie ihre Aufmerksamkett Fräulein Hulda zuwenden, die eben fegte:
„Kusine Hedwig wird bald Wied« allein sein, Hartwig« Urlaub läuft in einig« Tagen ab, dann verläßt er den Grafmhorst.'
Rottraut schwieg und tat, aä hab, fU e» überhört
.Hartwig ist nämlich Rittmeister bet btx Kürassieren, die in K- lieben. Er ist mit de» Kommandeur de« Regiments befreundet und Prinz Ferdinand« Adjutant. Der Prinz mißt ihn ungern «ch kommt z» weil« zur Jagd nach Gorfenhorst.'
Auch jetzt noch sebwter, Rottraut hartnÄä, und Fräulein Hulda fuhr geschwätzig fort:!
.Seit de« Vater« Tode ist Hartwig -'
Sine ungeduldige Brrvegung Sottrva« unterbrach sie. " - • ' '•< ' > v
die Pfeilburg trat etwa« zurück «ad der bewaldete Regel zog sich weiter bi» Mr Ebene hin- TiefenhsL-. mit der Kirche winkt« freundlich herüber, und in in» gerae. da, qm der Forst zurückt rat. leuchteten die roten Dächer von Deden weiß, währeuh SchkrlM naV Winieltztt» unsichtbar blieben. , r * * * * 5
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Nehmen Sie
täglich ein Likörgläsch« Vr. Bommd's Haematogen unmittelbar vor der Hauptmahlzeit ! Ihr Appettt wird reger, Ihr Nervensystem erstarkt, die Mattigteit verschwindet und körperliches Wohlbe» ftnöm stellt sich rafcheft ein. Warnung: Man verlange ausdrücklich den Namm vr. Hammel.
Absatz nur in der Ferne haben- Alle ge würden 16« Betriebe noch e$» weitern, wen» projektierte Bah« zur Ausführung kommt. Welch reges Leb« würde sich an beiden Seiten der Bahnlinie im Stein- und vergbaube- trieb extfelt«, und welch lohnende Srbett würde
.Wollen Sie uns nicht nach Tiefenhall begleiten, liebes Kind", fragte die Freifrau freundlich. „Es wird für Sie sehr tranrig sein, so allein in der Pfeilburg zu bleiben.'
„Ich danke Ihnen herzlich,' versetzte Rottraut, .aber ich möchte lieber nach Hause-'
.Erlaub« Sie mir, bei Ihnen zu bleiben', bat Hulda schüchtern „Es wäre mir sehr lieb.'
DaS gutmütige, runde Gesicht hob sich bittend zu Rottraut empor, die verweinten Augen blickten so flehend, daß da« junge Mädchen feine Zustimmung geben mußte. Wer war glücklicher als die Aller- weltstante? Sie schwärmte für die Herrin der Pfeilburg, an die sie ihr weiches, guter Herz schon in der erst« Stunde öerloren hatte. Sie sollte jedoch an diesem Zagt wenig von ihrem .neuesten Schwarm' sehen, beim Rottraut hatte Briefe zu schreib« und zog sich bald tn ihr Zimmer zurück.
Hulda unterwarf währenddem die Pfeilburg einer genauen Boichtigrmg. Also hier hatte der Held ihrer Träume gewogt, der „wilde Pfelleck', für b« ihr Herz geschlagen. Lange staub sie vor bem Silbe Günther Erich« und sah e» mit feucht« Augen an. So hatte er au-gesehen an jenem unvergeßlich« Abmd, »lr er ihr s, reizend« Art b« Hof gemacht.
Tie Sfaftegrag« bet letzt« Tage, die gewaltsame Slbstbeherrschüag, bte Slottraut sich bei der Beerdigung aufedegt, rächt« sich jetzt; st« hatte heftige« Kopfweh und flihlte sich fieberhaft und unbehaglich.
Nun tret Tente Huldch« so recht in ihrem eigentlichen fileeent, denn jemand zu pfleg« und für ihn z» sorgen, tn® der gut« Seele HerzenSbedüchti».
So le« ken Rottraut auf dem Sofa vor bem bremsend« Kamin; Mt Allerweltstante breitete ein warme« Tuch fflbe ihre Füße, schenkte stark« Tee ein und badete die schmerzenden Schlafen mit kölnischem Wasser. Das junge einsame Geschöpf ließ alle« über sich ergehen, sie kielte dem alt« Fräulein freundlich zu, schenkte ihrem Geplauder aber nur wenig Lusmerksan» fett, denn tusirr wieder trat Hartwig« ritterliche Er-
sich bieten fite He jetzt zur Auswanderung gezwungme Bevölkerung der ®eg«b! Komm« wir nun zum Höhepunkt, fe liegt das Brand- und Ulstertal uns zu Füßen, welch» nur de« Bahnverkehr« warten, um die in ihrer Rlch, befindlich« reiche« und manigfaltigen Bodenschätze zu verwert«. Zur rechten Seite lieg« die »nolinlager bei Abtsroda und dem östlich« Mhaug der Wafierkuppe, auf der Wasser- scheide zwischen Ulster und Saale, wo auch da« berühmte rote Moor sich findet. AbtSrvda selbst besitzt eine mit Dampfbetrieb arbeitende Holzindustrie nnt großem Absatz; linkS «blickt dar Auge die wertvollen SSulenbasaltsteine de« Schafstein- .Welch ein Neinmeer'! hörte ich ein« Touristen diese Gebilde nennen. Sm Fuße dieses „Steinwaldes', auf der Höhe und d« Abhängm des „Ehr«- berge«*, liegen Tufsteinb rüch e mtt unübetteeff« barem Material. Ein« gleich groß« Wett, tote die vorgenannten, zu reicher und bauember Ausfuhr geeignet« Jndustrieerzeugntsse und Mineralien, haben gewiß auch die fast in jedem Berg festgestellten mächtig« Braunkoblenlager- Ich will hier außer ,ber Wafferkuppe nur nmnen den Schwabenhimmel, Silrnbtrg und dm sich daran lehnenden HilmettSer Berg. lDiefe Teile der Rhön sind vor vielen Jahren, wenn ich nicht irre, von einem Her« Müller zu Fulda auf BraunkvUen gemutet worden und wahrscheinlich noch im Besitz der Nachkonnnm derselben.)
Die Bahnstrecke Lütter-Poppenhausm-Wüstensach- sen-Hilder» würde alle diese Bodenschätze zur Beförderung bringen. Jetzt ist der einzige Bergmann nur der Maulwurf; er beweist mtt jedem Erdhäufchen, das er aufwirft. das Vorhandensein der Braunkohle- Am HilmettSer Berg befindet sich heute noch ein alter Stolle; vor demselbm entnahm ich wiederholt »er- witterte Glanzbraunkohlen, die ausgezeichnet brannten; aber nur eine Eisenbahn bietet den Schlüssel zu diesen reich« Kohlenlage«. Ein nicht zu unterschätzender AuSfichrattikel werd« auch die vielbegehrten Sandsteine Meten, die sich vielerorts im Gebiet der projekttettm Bahn befind«; so bei Poppenhausen, Weyher«, MelvettS- ES wird in weiter Umgegend fast kein Gebäude aufgefühtt, das nicht diese vorzüglich« Sandsteine der Rhön ziett. Aber mit welchen Schwierigkeit« ist jetzt der Transpott verbünd n!
Zu dies« Schätzen im Innern der Rhönberge tritt noch der Reichtum an V i e h und Holz. Der Viehumsatz auf dem sogen. Bartholomäus-Markt zu Neustadt o- d. Saale beziffert sich alljährlich auf 2 Millionen Mark; der größte Teil des aufgetrießenen Viehes stammt aus der Rhön, nur ein kleinerer Teil auS Unterfraidm Die reichen Holzbestände habe ich in mein« Ausführungen vom 12. Febr. bereits erwähnt-
Was d« Personenverkehr der angestteb- ten Bahn betrifft, so wird derselbe dem der beiden «deren Bahnen in keiner Weise nachstehen; den Tourist« wird die Bahn eine willkommene Gelegenheit bieten, leichter, wie von allen übrigen Seiten, an den Fuß bet Wafferkuppe zu gelangen, sowie sie auch m ftrategsscher Beziehung im gegebenen Fall gute Dienste leist« würde.
WaS fehft noch, um die Notwmdigkeit, Nützlichkeit und Rmtabilität der projettiettm Bahn zu beweisen? Die ausgleichende Gerechtigkeit, die vor allem ein Staat sein« gesamten Untertanen gegenüber zu wahr« hat, verlangt, daß auch dem Teil der Bevölkerung der Rhön, welcher bis jetzt so schwer unter bem Mangel des hervorragendsten der Verkehrsmittel leidet, endlich Gerechtigkeit widerfahre.
L. Frei-
vermischtes.
** Gehaltszahlung bei militärischer Hebung. ®ie Frage, ob Angestellte bei Reserveübungen das Gehalt zu fordern haben, oder nicht, ist stets ein Gegenstand des Streitens zwischen Chef und Angestellten gewesen. Es ist darum erfreulich, baß jetzt eine Gewerbegerichtsentscheidung bekannt wird, die für die Angestellten sehr günstig lautet. Das Gericht nahm mit Recht an, daß eine Gehaltszahlung nur bei Pfiichtreselveübungen zu erfolg« hat, nicht aber bei militärischen Dienstleistungen, die zum Zwecke des Avancements geleistet werden. Die Pflichtübungen sind obligatorisch und müssen unter allen Umständen geleistet werden. Sie liegen im Interesse des Staates und bild« für den betreffenden Militärpflichtigen eine Behinderung, seiner Arbeit nachzukommen, für die ihn ein Verschulden nicht treff« kann. Es kommt noch dazu, daß die Zeit bei Pflichtübung nur wenige Wochen beträgt und bet Gehaltsauställ für den Ches darum nicht erheblich ist. Es wäre aber unsozial, wenn man dem Angestellten eine militätische Hebung nicht als unverschuldete Behinderung ansehen würde, durch die dem Angestellten ein Gehaltsanspruch zusteht. Demgemäß wurde von dem Gericht dem Angestellten für eine achtwöchige Uebung das volle Gehalt zugesprochen.
dachte fie. „Der Name Grafenhorft scheint tu btefaU Räum« verpönt zu sein-'
5. Kapitel.
Der nächste Tag war ein Sonntag, und S «U Rottraut in 6a3 schlichte Gotteshaus, um dott bat Frieden zu suchen, nach dem ihre Seele verlangte. Sämtliche Güter der PfeileckS war« zu Dete-chast ein gedarrt Von nah und fern füllte stch das Kirchtetn mit d« Andächttgen auS den umliegenden Dorsschaßst ten. Der große Kirchenstuhl der PfeileckS mchiett 24- Plätze, und ost waren alle besetzt, wem» fie mtt Kintz' und KindeMnd erschienen. Heute war Erntefest, unbi da hielten eS die Grundbesitzer für selbstverständlich,; am ®etteti>tenft teilzunehmen-
Der Weg nach Tiefenhall um d« See herum erforderte gut zwei Stund« Wanderung- ÄotteauL« eine tüchtige Fußgängerin, hätte fie nicht gescheut, doch meinte Friedrich, daß fie besser täte, sich über da» ser setz« zu loffen. E» gehörte ein schmucke» weiß«»' Boot zvu» Schloß, da» unterhalb de»selb« angetettet, lag und mit dem man in etwa» weniger d» eine« bald« Stunde da» j«seiüge User erreich« konnte.
S» «bette Friedrich denn Äetrtaut und Fritz*: letz» Hnltz» hinüber. Er war abermal» köstliche», ltz*- de» Wetter und der Rundblick vom Wasser au» ein malerischer- Ein Kranz von Wälde« umgab fast bat
("!" ZumBahnprojekt Lütte r-Popperr» , hausen-W«stensachsen-HilderS. (II.)
Poppenhausen, 17. Febr- 1910.
Zu meinen Ausführungen in Nr. 34 brr Fulbaer Zeitung vom 12. b. M., in benm ich mehr einen allgemeinen Uederblick über daS Gebiet, da» die oben- genannte Bahn durchschneidm würde, gab, möchte ich nunmehr bte Notwendigkeit, Nützlich!eit und Rentabilität durch spezielle Angabm nach- -weif«. WaS ich vorbringe, ist mir durch eine mehr als sünszigjährige persönliche Erfahrung und Vertrautheit mit den Verhältnissen bekannt geworden.
Die Bahn ist notwendig; fit hat die:höchst bedeutsame Aufgabe zu lös«, einen groß« Teil deS MhönlandeS wirtschaftlich und kulturell zu heben, ihm eine Absatzgelegenheit für feine Produkte zu bieten unb ihm zur Hebung der ProduktionSfähigkeit deS Bodens die Errungenschaften der Neuzett zu liefe«. DaS alles hab« die zwei Rhönbahnen Fulda—Tann und Fulda- Gersfeld, für die an ihnen liegenden Gelände Doll und ganz getan; fie sind eine Quelle deS Segens für die Landwirtschaft geworden und das würde die idritte Rhönbahn in demselben Maße werden. Nach ibet letzten Volkszählung führen bte zwei erbauten iMhönbahnm zusammen einer Bevölkerung von 9903 Seelen bie Vorteile bes Eisenbahnverkehr» zu; die -projektierte Bahn allein würde jedoch im Interesse von 5660 Seelen liegen. Diese 5660 preußischen Untertanen in der Rhön haben dieselben Bedürfnisse für Empfang und Absatz, wie olle übrigen Staatsbürger, ja noch mehr: für sie besteht die Notwmdigkeit, ihre Erwerbsfähigkeit zu steige«, da die Natur fie in mancher Beziehung stiefmütterlich bedachte. Die Notwendigkeit, den Kreis Gersfeld in wirifchastlicher Beziehung zu unterstützen, ist bei der Bildung des sog. „West- fondS' staatlicherseits anerkannt und durch den Her« LanbwittschaftSminister bestätigt Word«.
Wodurch aber könnte dem hier in Frage kommenden Gebiet des Kreise» Gersfeld eine bessere und nachhalti» iere Unterstützung geboten werden, als urch die Herstellung der projektierten Bahn?
Die in Bttrieb stehenden beiden Rhönbahnen bringen, wie ich von Sachverständigen hätte, bem Staat keine Verluste; wenn nun hier ber größere Vorteil auf feiten ber Bevölkerung liegt, so muß doch bei . @Lbauung von Staatsbahnen dieses mit einen Hauptsfaktor bilden Die projektierte dritte Rhönbahn wird rober sicher auch in erster Beziehung bessere Resultate i erzielen, da in ihrem Gebiete reiche und manigfaltige Ausfuhrartikel zur Verfügung stehen; viel mehr als bl- B. bei dem der Linie Tann—Fulda.
Damit käme ich zu der Frage: Wird sich die an- «gestrebte Bahn auch für den Staat rentieren? (Die Beantwortung dieser Frage bleibe vorerst zurückgestellt und der fieundliche Leser folge mir zuerst im Geiste der projektierten Bahnlinie entlang durchs Lütter- und Ulstertal. Finden wir auf dieser Strecke daS, was die Erbauung einer Eisenbahn überhaupt besingt unb ihre Rentabilität sichert? Im Lüttertal treff« wir ein« bebeutenben Fischereibe trieb nevst künstlicher Forellenzucht; ber Besitzer verausgabt beim jetzt bestehenben Umfang des Geschäft-? pro Monat burchschnittlich mehr als 200 Mark für Fracht von Poppenhausen, bezw. Hnhnmühle, bis Lütter; in Poppenhausen finden wir eine großartige Metzge- r e i mtt Dampfbetrieb, die den größten Teil der Ware :-um Versand bringt; ein Warenhaus, das im Winter täglich einmal, im Soinmer täglich zweimal e'n Geschirr zum Bahnhof Lütter sendet, um die ankommenden Güter abzuholen; eine leistungsfähige ö ettl erci mit umfangreichem Versand, bedeutende Lein wandgeschä fie und 3 Bierbraue- t-»»-
Eingesandt.
(Für Mitteilung« an dieser Stell« übernimmt bte Sw baftton n u r bte preßgesetzttch« Berantwottung.)
DtphtheritiS und Scharlacherkranteug«. Der tikeljchrrwer in Nr. 35 der .Fuldaer Zeitung» viel« Familienvätern aus dem Herz« gesprochen, er zu o« zahlreich« DiphtbertttS» und Schar erkrankuug«, bie fett Monaten tn Fulda h unb zahlreiche Opfer verlangt hab«, da» Wott Man darf wohl annehm«, daß bte Hauptanfb gefahr fite unsere Kinder in der Schule zu such« und zwar deshalb, weil erfahrungsgemäß die be» an DiphthertttS erkrankt« Kinder trotz der Schm die sie im Halse verspür«, di«S nicht immer gleich Ette« meld«, fonbern vielleicht noch mehrere Tag» in der Schule mit ihr« Mitschülern verkehren, s» boty dadurch bte Krankheit Übertrag« wird. ES b stch daher unter all« Umständ« empfehl«, daß Klassenzimmer, in welchem ein Kind an Dip erkrankt ist, gründlich desinfiziett wteb, was ja stenS ein oder zwei Tage in Anspruch nimmt ®b wärm auch die Aborte zu desinfizieren. Bei diese» Anlaß möchte ich noch bemert«, daß auch der mutz lich« Metdungszwang bei DtphtheritiS- und Scharlach» erkrankunaen vielfach alS sehr schlmpend beobachtet wurde. ES ist mir ein bestimmter Fall bekannt we dem betreffenden Vater erst nach vier Tagen nach tz» Feststellung der Krankheit feiten» de» ArzteS bie Bev» haliungSmaßregeln amtlich zugestellt wurden, obgleich doch.anzunehmen ist, daß der Ar»t die vorgefchriedert« Meldung gemacht hat. Auch wäre eS zu empfehl«^ sogar notwendig, daß polizeilicher» oder städttscherfeM dem Haushaltungsvorstand fofott ein« BeschetniguuG über die vollzogene Desinfettio» der Wohnung w gestellt wurde, damit diese Beschemigung d« bti Schule besuchenden Kindern al» Ausweis mitgegeben werd« kann. Ohne biefen Ausweis dürft« Ml Schulvorstände Kindern unter kein« Umständ« de» Besuch ber Schute wieder gestatten.
Was die Kosten der Desinfektion angeh^ so glaube ich, daß sie im Vergleich zur ausgewendet« Zeit und Material z u h o ch sind, besonders, wenn man bedenkt, daß bte Desinfektion nicht bloß zum Schutz« der mit der Krankheit heimgesnchte» Familie, sonde« auch im allgemeinen Interesse erfolgt. ES wär» richtiger, wenn die DesinfektionÄost« au» vffenüt^ Mitteln bestritten wurden, oder aber, wem» dafür I Beider vorhanden sind, sollte mau wmigstens bei bemittelt« entweder die Kosten stäbttscherseitS übernehmen oder aber ganz wesentlich billigere einsühren und zwar ohne daß, wie eS jetzt der ist, erst eine Eingabe an die Stadt gemacht mitß, we» viele Leute bekanntlich schmen.
Ein heimgesuchter Femiliennat«^ im Namen mehrerer.
^ebranömarät.
»13jRoman von G. Freifrau von Schlippenbach. i Da der Weg zu weit war, um ihn zu Fuß zu- -urückzulegm, waren der Freiherr und seine Gattin in den Tiefeuhaller Wagen gestiegen; Rottraut und Hulda schritten nebeneinander hinter dem Sarge her, und das alte Fräulein hätte gar zu gern bie Hand des jungen Mädchens gedrückt, wenn dieses nicht so unnahbar erschien« wäre, so abgeschlossen in ihrer M-rauer.
Der vom Grafenhorst führende Weg kreuzte stch mit »bem von ber Pfeilburg kommenden. Plötzlich schlug :etn Hund an, ein Reiter kam zwischen den Bäumen eS war Hartwig, ber ben Förster cmffuchte- Beteofsm zugelte er sein Pferd und hielt es an, als er dm Zug bemerkte. Ter Weg war so schmal, daß ein Ausbtegm unmöglich war; der jimge Graf nahm den Hut ab und erwartete so das Herannahen des Lei- chenzugeS. Rottraut hob das gesenkte Haupt, einen Moment kreuzten sich bie Augen • eisige Kälte lag in den ihren und in dm sein« etwas wie Veracktung. Dann toaren fie einander vorüber; Hartwig wandte sein Pferd und ritt denselb« Weg zurück, den er gekommen war- Er hatte feine Besprechung mit dem Förster ganz vergeffen. „Die Gnädige scheint gewaltig stolz zu sein', dachte er ärgerlich. „DaS habe ich Sestem schon erfahren, alS fie mir die Schlüssel zum Erbbegräbnis zurückschickte. Eigentlich gefüllt mir das;
Pfeileckfches Blut, daS auS ihr spricht. — Schön sie auch da? muß ihr der Neid laffen. Vielleicht »Mit st- ber Mutter, bie soll ja einst Furore gemacht «ben." gr fuornte sein Pferd zum rasenden Ga- pp an unb jagte wie ber Sturmwind dahin.
triaiA rtc!n® Hügel wölbte sich über Güncher Erich» « yüKrei Fräulein Huldchen legte schluchzend , M bte frisch gehäufte Erde. Man hätte C, und Recht für die Hauptleidtragende halte, t.n Rottraut stand starr und tränenlos E eL ihr« filtern, nur hin und wieder flog
E, Zuck« um die feinen Nüsmflügel, und > Z«hne grub« sich in die rote Unterlippe-