MldaerW Zeitung
4. »arjeHer in $nlba wochtnr-vagt: „Illustrierte SomtagrzeUung"
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37. Jahrgang, j
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-erantw. Redakteur
10.: A. wehler:
Monatrbeilage: „$ulbaer GeschichtzblAter"
MeitTfttt 86 «T spaUig« petitrelle oder deren Rana |5 pfg. ' veklamradtepetitzeil« * 25 pfg^ bti Meder- Holungen wird entspr.
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Fulda, Mittwoch den 16. Februar 1910.
Zweites Mtatt
kommen unbekannt zu fein, denn wären sie ihr bekannt, dann dürfle man ihr mit Fug und Recht den Borwur machen, daß sie, indem sie an der öffentlichen Wahl festhäll, die Sozialdemokratie geradezu begünstig t.
Aus dem Nachbargebiete.
♦ Biedenkopf, 13. Febr. 1910. Der Stadt- haukhaltsetatfür 1910 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 169 436,28 Mk. festgesetzt. An Steuem gelangen 185 Prozent Zuschläge zur Einkommensteuer, 200 Prozent zu den Realsteuern und 100 Prozent zu den Betriebssteuern zur Erhebung
* Worms, 13- Febr. 1910. Infolge deS Wegfalls des Oktrois sind hier 100 000 Mk. zu decken. Sie 'offen aufgebracht werden durch Erhöhung der Preise fit Theaterkarten, des Schulgeldes der höheren Mädchenschule, des Marktstandgeldes, der Schlachthaus- und Fleisä'beschaugebühren und durch die Umsatz- 'teuer. Die Einkommensteuer soll nicht erhöht werden
vermischtes.
* Dem englischen Schlachtschiff Dreadnought ist ein recht gewagter Fastnachtsst reich gespielt worden. Wie soeben erst bekannt lvird, haben fünf junge Leute uird eine junge Dame, alle bei, besten englischen Famffien angehörig und sehr wohlhabend, sich als a b b e s s l n i s ch e P r in z e n verkleidet, sind nach Portland gefahren und wurden mit den entsprechenden Ehrenbezeugungen an Bord des Flaggschiffs Empfänger-. Drei der jungen Leute und das Mädchen stellten die Abessssinier dar und die beiden andern den Dolmetscher und den AttachS des englischen auswärtigen Amtes, Vierzig Minuten weilten sie an Bord des Dreadnought und nicht der geringste Verdacht wurde geschöpft. Erst durch einen Bericht an das Auswärtige Amt kam die Wahrheit heraus, und die änderbaren Spaßvögel wurden so energisch gesucht, das, sie es Vorzügen, sich dünn zu machen, bis auf einen, der es wagte, in London zu bleiben und der die Vorgeschichte erzählte- Die Nachahmer des „Danpt- manns von Köpenick" gingen in eines der vomehmsten Mas.'cngeschäste Londons und verschafften sich naturechte Kostüme Sie ließen ihr Haar kurz schneiden und trugen kleine schwarze wollene Matten auf den Schädeln. Alle wurden mit kurzen, krausen schwarzen Bärten ausgestattet und erhielten Niggerlippen. Gesicht,
liebes, blondes Köpfchen zärtlich zu streicheln, mein ^bkS Schmrsterchen. Ich kenne das tiefe, leidenschaftliche Empfinden meiner Willis und weiß wie nabe ihr Schmerz und Freude gehen- Du hast unfern Vater in London gesehen, als ich mich bereits in Koblenz befand; er war sehr liebevoll gegen Dich und Du schloffest ibn innig in Dein Kinderherz. Erhalte Dir ein ungetrübtes Andenken an ihn, meine Willis- ein Kind, da» seinen Vater verehrt, ist glücklich" '
Diese letzten Worte schrieb Nottraut mit zitternder Hand. Sie legte die Feder fort und stützte den Kopf m die Rechte.
.ES ist ein Glück, daß Willis nichts ahnt", dachte sie. .Ach, möchte ihr die Ehrlosigkeit und Schande ewig verborgen bleiben, die sich wie ein Fluch an uns heften. Möchte nlemanb die Grausamkeit haben, ihr dir Augm zu öffnen! — Ich will sie wie mein'kostbarste» Kleinod hüten. — Gebe Gott, tS gelänge mir sie in Unwtflenheit zu erhalten; e» wäre schrecklich' wenn sie alle» erführe!"
Rottraut nahm die Feder wieder auf und fuhr zu schreiben fort: .Ladtz Deepmoore, unsere edle mütterliche Freundin, wird Dir in Deinem Kummer aütia zur Seite stehen. Halte Dich an sie, der wir so viel danken.^ Deine Traute wird sich bemühen. Dich vor allem Dturm und Leid zu schützen. Ich will Dir nicht mir eme treue Schwester, ich will Mr auch Stütze und Trost sein Tu sollst Mch nicht verwaist fühlen, ob- gleich Later und Mutter Dir gestorben sind. Ob wir fortan auf der Pfeilburg leben, weiß ich noch nickt Es wird sich in den nächsten Tagen Herausstellen und dann benachrichttge ich Dich sofort; Du wirst Deine Traute nicht allein lassen wollen, meine liebe Willi- Mr beide gehören so eng zusammen, daß nichts uns jemals trennen soll Ich werde mit Lad» Deepmoore Rücksprache nehmen; so sehr sie und Edith Dich auch vermissen werden, sie gönnen mir einen Sonnenstrahl und der bist Tu, mein Liebling.
Uebermorgen bringe ich unseren Vater zu seiner letzten Stätte — ich werde für Dich einen Kranz auf seinen Sarg legen, mein Schwesterchen, und Dein Gebet wird chn bealeiteu. .
Lebe wohl, mein Liebling, meine süße, kleine Willis, Gott segne und behüte Dich, das ist das Gebet Deiner Dich treu und innig liebenden Schwester
Rottraut von Pfeileck."
In dem Br.ef an Lady Deepmoore besprach die Schreiberin einige» Geschäftliche, dann befahl sie Friedttch, die beiden Briefe zur Post zu befördern.
Mr Rest deS Tages verging mit den traurigen Dingen, die ein Todesfall mit sich bringt Ursel und Rottraut saßen beisammen und nähten den weiften Sterbekittel deS „wilden Pfeileck'. Der Arzt kam aufs Schloß und begrüßte die Tochter des Verstorbenen; er berichtete ihr über die letzten Tage und daft bei einem so zerrütteten Organismus keine Rettung möglich geivesen. Nottraut dankte ihm herzlich für seine Pflege, und der alte Mann, der in allen Häusern des Geschlechts seit Jahren Hausfreund war, schlaft da» junge Mädchen sofort in sein Herz. Die eutften, traurigen Augen verfolgten ihn; noch ganz unter ihrem Zauber ftrhr ec nach Tiefenhall und erzählte dem Freiherrn von der Ankunft der Erbin Günther Erichs.
„So allein ist sie in dieser schweren Zeit", schlaft der A.rzt seinen Bericht, .ein so junger Geschöpf, da» gerade in diesem Mer der Elternliebe und Sorgfalt bedarf."
„Ich fahre morgen nach der Pfeilburg", sagte der Greis, „meine Frau und ich machen eine Ausnahme von den rnibern Pfeilecks, die sich fern halten Ich triff sie darum nicht tadeln, aber ich behalte mir die freie Verfügung über meine Person und mein Hau» vor."
Rottraut war sehr müde nach der durchreisten Nacht und nach all den seelischen Auflegungen, die dieser erste Tag in der Heimat mtt sich gebracht hatte.
„Ursel", sagte sie zu flüher Morgenstunde, .ich bin müde, komm, fiihre mich in mein Zimmer."
„Welche Pracht", sagte Ursel bewundernd, al- Rottrauts dunkle» Haar gelöst war und sie in seidiger Fülle umflutete. „Solch herrliche» Haar hatte Ihre Dkutter auch, Fräulein Trmitchen."
Eine große Sehnsucht nach der so früh Verlorenen
Ausland.
* Die neue ungarische Regierungspartei ist fertig. Der Er.ekuttvausschuß der Verfaffungspartei hat beschlossen, der für Montag einBerufenen Plenarversammlung die Auflösung der Partei vorzuschlagen. Der größte Teil der Partei unter Führung Navays wird in die Regierungspartei eintreten. Graf An- draffy, Wekerle, Szell, Graf Dessewffh, Szterenyt und einzelne andere führende Politiker bleiben außerhalb der Partei.
* Tie Zusammensetzung des englischen Unterhauses steht nunmehr ganz sicher fest, nachdem am Montag die Wahl des Liberalen Wason aus dem Wahlfleise Orkney und Shetland gemeldet worden ist DaS neue Unterhaus besteht aus 273 Unionisten, 274 Liberalen, 41 Mitgliedern der Arbeiterpartei und 82 Nationalisten.
* Mit einer deutschen Werft abgeschlossen hat die türkische Regierung die Lieferung von Torpedobooten. Wie das „Wolffsche Bureau" aus zuverlässiger Quelle erfährt, sind die seit einiger Zeit schwebenden Verhandlungen der türkischen Regierung mit der Firma Schichau tu Danzig wegen Ankaufs von Terpedobooteu derart zum Abschluß gekommen, daß vier nahezu fertige, der Firma Schichau gehörige Boote in türkischen Besitz übergehen sollen.
Fahres-Bericht der Handelskammer zu Hanau für das Jahr 1909.
ii.
Wa» einzelne Branchen angeht, so hat da» Baugeschäft, abgesehen von einer vorübergehenden Belebung in den Monaten Mai bis Juli, auch für das Jahr 1909 ein schweres Tarniederliegen zu behagen, und hierunter litten entsprechend auch Zie- gckei, Holzhandel, Kalkbrennerei und Baumaterialienhandel. In der Textilindustrie ließ der Absatz an Schuhstoffen, Baumwollgeweben, Filzen und Woll- gamen zu wünschen übrig, während Wollweberei, Leinen- und Gebildweberei sowie die Herstellung von Caneva» und halbwollenen Buxkins sich in normaler bezw. günstiger Lage sich befanden. Die Papier- fabrikation vermochte im letzten Halbjahr sich einer Besserung von allerdings zweifelhafter Dauer zu erfreuen. Befriedigend in Produktion und Absatz arbeiteten hingegen die Fabrikation von Gummiwaren, Teersarbjtoffen, Möbeln, Wachswaren, die Müllerei, dir Diamantschieiserei und der Edelsteinhandel, die Stt ngut-, Plotina- und Aluminiumindustrie sow.e die feine Juweleilbijcurerle. Die Goldkertensabrl- kation war seit lern Herbst gut beschäftigt und ebenso der Großhandel mit Gold- und Sllberwaren Tie Maschinenindustrie und Eisengießerei berichten nur teilweise günstig, die Seifenfabrikation und die Apotheken überwiegend ungünstig, die Emaiffewarenindn- ftrie war annähernd voll beschäftigt, die Gewürzmüllerei verlief normal.
Die Preisgestaltung für Roh- und Hilfsstoffe hat sich auch für 1909 im ganzen in der jetzt bereits seit Jahren beobachteten Richtung zunehmender Verteuerung vollzogen. Das Kohlensyn- dikat hat für da? Abschlußjahr 1909/10 die Preise etwa» herabgesetzt und schon am 1. Januar 1909 diese Ermäßigungen in Geltung gesetzt Sie standen allerdings in keinem richtigen Verhältnis zur allgemeinen Geschäftslage und zu der ungünftigen Situation der Verbraucher.
Der im ganzen aufsteigenden Richtung der Preise für Roh- und Hilfsstoffe, mit welcher sich vielfach auch eine fortgesetzte Steigerung der Arbeitslöhne verbindet, entspricht ebenfalls seit Jahren bereits in zahlreichen Branchen die Preisgestaltung für die fertigen Produkte keineswegs, und von einer völligen Gesundung der deutschen Volkswirtschaft wird man, solange dieses Verhältnis andauert, nicht sprechen dürfen. Hinsichtlich des Geld stände» zeigt das Berichtsjahr keineswegs ein ungünstiges Bild, sondern wir konnten uns einen großen Teil des Jahres hindurch eines mäßigen und sogar billigen Diskontsatzes erfreuen, welcher erst im letzten Quartal Deg
Den weiteren Ausbau des Scheckverkehrs hat das Berichtsjahr ebenfalls gebracht, indem der Bundesrat ■ eine Reihe von Abrechnungsstellen sowie die als benachbarte Ortschaften int Sinne des Scheck- gesetze» bekannt machte. Ein Erlaß des Ministers des Innern hat ferner die öffentlichen Sparkassen in Preußen in den Scheckverkehr einbezogen. Der am 1. Jan. 1909 zur Einführung gelangte und vom Scheckstempel freigeloffene Post-Ueberweisungs- und Scheckverkehr hat in kurzer Zeit schon einen sehr Erheblichen Umfang angenommen; vom 1. Januar Bis 31- Dezember 1909 sind auf Postscheckkonto 4942 Millionen Mark gut- und 4878 Millionen Mark zur fLast geschrieben, und die Zahl der Konten stteg im {elften Jahre auf 36427
Die internationalen Handelsbe- ;81 e 6 u n g e n de» Deutschen Reiches haben n!ach mehreren Seiten hin eine entschiedene Erschwerung erfahren Zwar sino mtt einzelnen kleineren Staaten Handelsverträge geschloffen worden und das mit dem
Arme und Hände wurden entsprechend gefärbt, sie tau gen Turban, faltige Tunika» und für etwa 10 000 Mk, echte Juwelen, die sie in abessinische Schmuckstücke hat» ten soffen lassen. Sir sandten dem Oberstkommandi« renben der Heimatsflotte in Portland ein Telegramnj folgenden Inhalts: „Prinz Mokaliu und Gefolgt in Weymouth um 4,20 Uhr eintreffen. Bitte trefft Vorbereitungen zum Empfang " Unterzeichnet waj do» Telegramm mit dem Namen eine» hohen Staats. Beamten, und hieraus wird den Spaßvögeln vielleicht noch ein Strick gedreht werden.
HevvcrndmcrE.
Roman von G. Freifrau von Schlippenbach.
„Meine gute Alte, ich komme", erwiderte die An- gerebete freundlich, der vorantrippelnden Dienerin nachschrettend.
Da» große, altdeutsch eingerichtete Speisezimmer war Friedrich für die erste Mahlzeit der neuen Schloftherrin mit peinlichster Sorgfalt gelüstet und gesäubert worden. Blitzblank funkelten die großen Humpen und Krüge auf Den Kredenztischen, frisch ge- toftnert glänzte das Eichenparkett, und der alte treue Diener stand in der Blau und silbern en Livree de» Hmlses hinter dem hochlehnigen Stuhl und kündigte mit feierlicher Stimme an: „Es ist angerichtet, gnädiges Fräulein."
„Friedrich, lege einen Teller für Ursel auf", befahl Nottraut „ES ist zu traurig, allein zu essen. Komm, meine Mte, setze Dich zu mir, ich will es, Höch Du."
Diese letzten Worte wurden mtt so großer Bestimmtheit gesprochen, daß keine Widerrede möglich war und Ursel sich neben das junge Mädchen fetzen mußte. Sie tat e» nach einigem Zieren und fragte bei jeder Speise: „Sckmeckt es Ihnen, Fräuleinchenk Nl» kl-i -e» Mädchen liebten Sie dieses Gericht sehr. O, ich erinnere mich an affe» cm» jener Zeit und habe mir Mühe gegeben, eS ebenso herzurichten."
Rottraut lobte der Alten zuliebe die einfache Kost, »f* sie nur wenig und sagte auf eine diesbezügliche Bemerkung: „Ich habe keinen Hunger" ter imK "ufgehobener Tafel schrieb sie an ihre Schweim W n » Ä Deepmoore. Wir wollen hier den Brief tzas spricht er doch am heften für
^Verhältnis der ält«m Schwester zu der jün-
m. . M der Pfeilburg, Oktober 18 . .
Höchst unser 9?un Rnb rolr beide ganz ver-
kin hierher bof,3roe* Tagen gestorben, und ich Ich nwchie firfay “J", !5m bn8 Geleit zu geben, krhälfft um rhL®,ir fcin' wenn Du diese Trauerkunde
um Dich in meine Arme zu schließen und Dein
Deutsches Reich.
* Zur Frage der geheim;» Wahl erhielt die natronalliberale ,Köln. Ztgck eine Zuschrift, der wir folgende» entnehmen:
Die liberalen Parteien der Stadt Elberfeld hatten mich vor langen Jahren zum Bezirksvorsteher bestellt, und als solcher Halle ich bei der lebten Wahl sur Wahlbezirke 4X6 = 24 Wahlmänner aufzustellen. Da es sich um ein Arbeiterviertel handelte, war es eine außerordentlich schwierige Aufgabe, die ich lösen sollte, und überhaupt nicht vollständig lösen konnte. Zunächst sah ich mir die Wähler meines ersten Bezirke» an. In der ersten Abteilung waren es ihrer zwölf. Ak» langjähriger Einwohner des betreffenden Bezirke» waren mir sieben der Wähler persönlich bekannt; ich war mir auch dessen bewußt, daß sie im allgemeinen einer liberalen Weltanschauung huldigten. Also machte ich mich auf die Suche. Wähler Nr. 1 war ein Kolonial warenhändler. Als ich ihm nwm Anliegen vortrug, wehrte er sich mit Händen und Fußen gegen meine Zumutung. „Ich würde Ihnen persönlich gern den Gefallen tun; aber ich kann es nicht, und wenn Sie mir tausend Mark auf den Tisch legen. Ich darf nicht einmal wählen, wenn ich nicht meine Arbeiterkun dschast verlieren will!“ Bei der folgenden Tür — da wohnte ein Metzger — wurde ich wieder abgewiesen, und so erlebte ich hintereinander bei sechs liberal en Männern sech» Abweisungen. Endlich fand ich bei dem 7. Wähler, einem Bäckermeister, ein Gehör. Da die anveren fünf Wähler ausgesprochene Sozial- demokraten waren, stellte ich noch einen Wähler bet 3. Abteilung als Wahlmann für die 1. Abteilung auf, einen kleinen Schuhmachermeister, und wat endlich froh, wenigstens äußerlich in dieser Abteilung mit meiner Arbeit zustande gekommen zu sein. Daß diese Arbett irgend einen Erfolg haben könnte, daran dachte ich nicht im entfernteren; denn die sechs liberalen Wähler, die mich abgewiesen hatten, dachten — mit Rücksicht auf ihre Kunden — sicher nicht daran, zum Wahllokal zu schreiten. Aber es kam noch bessert In der 2. Abteilung ließ sich überhaupt kein Wahlmann auftreiben, und als ich endlich meine lückenhafte Liste der Wahlmänner der Zentral- leitung der Liberalen eingejchickt hatte, da erklärten mir nachträglich die beiden Herren, die ich für die 1. Abteilung verpflichtet hatte, Geichästsinteressen zwängen auch ste, nachträglich ihre Einwilligung zurückzuziehen. Trotzdem also mindestens in der 1. Abteilung eine liberale Majorität vorhanden war, siegten in allen Drei Abteilungen die Sozialdemokraten, weil sich kein Geschäftsmann getraute, Überhaupt nur lein Wahlrecht auszuüben. Mit vieler Mühe gelang es mir, in den übrigen Bezirken die Wahlmänner aufzutreiben: Fabrikbeamte und Arbeiter, Postbeamte usw. Aber gewählt wurde kein einziger, weil der liberale Friseur, Buchbinder, Zigarrenhändler, Schreiner usw. ruhig bei der Wahl zu Hause blieb und der Sozial- ^°8 Feld überließ. In den Städten können sich die Sozialdemokraten kaum etwas Besseres wünschen, als bte öffentliche Wahl, während die Geschäfts- leute, die Angehörigen des Mittelstandes, keinen Ge- brauch von ihrem Wahlrecht machen dürfen, wenn sie "'Nt geichäftllch zugrunde richten wollen. Der Staatsregierung scheinen aber diese Tatsachen voll-
Jahre 1909 oblaufenbe Abkommen mit dem Britischen Reiche ist wiederum verlängert; aber mit wichtigen Ländern ist e» auch im Berichtsjahre noch zu keinen Vereinbarungen gekommen. Von noch weit größerer prakttscher tote symptomatischer Bedeutung erscheint jedoch die Tatsache, daft einzelne Großstaaten stark protektionistische Zolltarife vorbereiten. So vollzieht sich anscheinend in stetigem Uebergteifen auf immer mehr Kulturstaaten die gmndfähliche Abkehr von dem Prinzip der Erleichiemng de» internationalen Güteraustausche» und entsprechend immer enschiedener bet Uebergang zu autonomer Schutzzollpolitik. Wenn bereit Uebertreibungen sich auch' alsbald burch unerwünschte Folgeerscheinungen im eignen Lande offenbaren und an der eignen Volkswirtschaft sich rächen, so Bereiten die so geschaffenen und zum Teil noch in der Bildung begriffenen Verhältnisse des Außenhan- delsveckehr« doch auf vorläufig unabsehbare Zeit hinaus gewaltige Schwierigkeiten.
ergriff die Tochter, und heiße Tränen stiegen bet b<( Worten der Alten in ihre Augen
„Erzähle mir von ihr", bat ste leise. Niemand bat zu mir von ihr gesprochen- War ste sehr schön»"
„Ja, das war ste, und immer lustig", berichtete Ursel. „Lachen konnte sie, daß man mitlachen mußte, und eine Stimme hatte sie wie eine Nachtigall, so hell und füft. Wir gut sie war. das weiß mehr al» einer im Dorf; und ihr Grab wird heute noch ost mit Blumen geschmückt."
Rotttaut weinte still vor sich hin, worüber Ursel ganz erschrocken war „Gottlob", dachte da» junge Mädchen, „so segnet man doch wenigsten» das Andenken der Mutter — vielleicht mildert da» den Fluch, der un» durch den Vater anzuhasten scheint."
Ursel zog daS schöne Hauvt an sich und streichelst Rottraut, die an dem Hetzen der alten, treuen Dienerin ihren Kummer auSweinte, der sich jetzt gemalt» kam Bahn brach.
Endlich brachte Ursel sie zu Bett und hüllte |U sorglich in die Decken, dann küßte ste ste auf da» £>aat und ging hinauf, um im Nebenzimmer ihr eige-' ne» Lager aufzusuchen. |
Fest und tief schlief Rottraut in dieser ersten Nachts unter dem Dach chre» Vaterhaufe», leise fang der ffiinb um die Mauern der Pflilburg und wiegte die' Heimgekehrte in süße Träume. In der Totenkammer' brannte ein Licht und warf einen matten Schein auf Günther Erich» Gesicht — auf ihn, der fein Kind fe lange heimatlos gemacht, daß sie al» eine Fremde und Geächtete da» Hau» ihrer Ahnen betreten mußte.
4 Kapitel.
Der Friedhof, auf dem einst Rottraut» Mutter ihi stille» Ruheplätzchen gefunden, lag auf der Grenze, bi« den Grafenhorst von der Pfeilburg trennte- Mitten im schönsten Eichenwald, in der Nähe der fogenamw ten „Wolfsschlucht", an die sich eine alte, romantische Sage knüpfte, befand sich daS Grab der atmen Peppt bie gleich nach der Geburt ihre» Kinde» gestorben war Seit einigen Jahren wurde der BegräbniSort nichj mehr benutzt und bot einen trostlosen Anblick bat, j
'' tSortsetzung
Marktbericht.
" Frankfurt a. M., 14. Febr. 1910. Amtliche SNor tierung der Viehmarkt-Preise. Zum Verkauf standen 357; Ochsen, 37 Bullen, 918 Kühe und Jungrinder 308 Kälber, 140 Schafe und Hämmel und 19911 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfd. Lebendgewicht I* Ochsen: a. vollfleischige, ansgemästete höchsten Schlacht- wertes bi» zu 6 Jahren 43—47 M., b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 38—42 M.,' e. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 36 —38 M.,1 d. gering genährte jeden Alters 33—00 M. Bullen ff a. vollfleischige höchsten Schlachtwertes 86—88 Mark, ! b. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere l 00—00 Mk., c. gering genährte 00—00 Mark. Kühe '> und Jungrinder: ». vollfleischige, ansgemästete! Jungrinder höchsten Schlachtwertes 38—43 Mark! b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlacht«! wertes bis zu 7 Jahren 35 bis 40 Mark,- c. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut en treidelt, ■ jüngere Kühe und Jungrinder 27 bi» 34 M., d. mäßig' genährte Kühe und Jungrinder 20—26 M, e. gering’ genährte Kühe u. Jungrinder 17—20 M. Bezahlt wurde' für 100 Pfd. Lebendgewicht: Kälber: a. feinste Mast., (Bollmilchmast) und beste Saugkälber 52—66 Mfl b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 60—52 Mk,' c. geringe Saugkälber 44—48 Mk., <L ältere, gering genährte Kälber (Fresser) 00—00 Mk. Schafe: a,1 Mastlämmer und jüngere Masthämmel 38—39 Mkri b. ältere Masthämmel 00—00 Mk., c. mäßig genährtff Hämmel und Schafe (Merz-Schafe) 00 —00. Schweine ff a. Fetifchweine über 3 Zentner Lebendgewicht 00.00 M. b. vollfleifchige über 2'/, Ztr. Lebendgewicht 00.00 M, o. vollfleftch. über 2 Ztr. Lebendgewicht55.00—57.00 Mk, d. vollfleftch. bis zu 2 Zir. Lebendgew. 55.00—58.00 M, e. fleischige 54—56 Mk., f. Sauen 00—00 Mk. Da» Geschäft in Ochsen verlies flott bei starker Nachfrage i< bester Ware; das Rindergeschäft im übrigen ruhig? Uebestand gering. Bei Kälbern und Schafen glatte»1 Handel und wird flühzeitig ausverkauft. Der Schweinen markt hinterläßt bei mittelmäßigem Geschäftsgang Ueberstand.
’ Frankfurt, 14. Febr. 1910. (® etreibemarltlj Das Geschäft am heutigen Markte bewegte sich tin engen Grenzen. Weizen fit reichlich angeboten bet sehtl chwacher Kauflust; die Preise gaben nach. Roggens st gegen die Vorwoche unverändert. Hafer aut get] tagt, besonders in mittleren Qualitäten. Gerste seht: ttU und unverändert. Mehl stetig. — Die heutige») Notierungen sind je nach Qualität: Weizen, hiesiger »j Wetterauer 23.25 - 23.40 Mark, kurhessischer 23.25-« 23.40 Mark, norddeutscher 23.25-23.40 Mk, raff.1 24.00-25.00 Di., Redwinter 00.00—00.00 Mk.ff Kansas 001)0—00.00 Mk., La Plata 24.00-25.00 Mk, iHumän. 00.00—00.00 Mark, Roggen, hiesiger, 16.9Ü bi» 17.00 Mk., russischer 00.00- 00.00 Mk., rumänische, 00.00—00.00 Mk., Gerste hies. u. Wetterauer 16.25-17.«' Mark, Pfälzer 17.00-17.50 M., Ried 17.00—17.50 M-i Hafer, hies. 16.00—17.25 Mk., hager. 16.00—17.25 Mk,« württbg. 00.00—00.00 Mk., russischer 00.00-00.00 Mk-< rumän. 00.00 -00.00 Mk., La Plata 00.00—00.00 Mk,i Mais (Mixed) 16.00-16.25 M., raff. 00.00-00.00 StJ Donaumats 00.00—00.00 M., La Plata 16.40-16.50 3M Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. Mehl: stetig. Weizenmehl Nr. 0 32.25-32.50 Mk,! Nr. 1 80.75 —31.00 Mark, Nr. 2 29.75- 30.00 M,! Str. 3 28.75-29.00 Mk., feinere Marken 0.50—1.04 M. höher. Roggenmehl Nr. 0 24.50—24.75 M., Nr. I 21.50—21,75 Mk., Nr. 2 17.50—18.00 Mk. Alle» pri 100 Kilo inklusive Sack loko hier. Futtermittel: fest' Wetzenschalen 10.50-11.00 Mk, Weizenkleie 10.25—10.50 Mark, Roggenkleie 10.50—11.00 Mark, Futtermehl 12.50—13.50 M., Biertreber, getrocknet, 13.25—14.00 Mark. Alles per 100 Kilo netto effektiv loko hier. •