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37. Jahrgang

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SwerteL,

Reklamen« und Anzeigenteil.

ul a, Dlrnita? jen 15. Februar 1910

widrigen Konjunktur in weiten Kreisen der Geschäfts­welt geschwächt worden. Insbesondere, so referiert die Handelskammer weiter, hätten die innerpolitischen Verhältnisse Dmtschlands, vor allem die Art, wie im letzten Jahr Handel und Industrie durch die Reichs­finanzreform geschädigt (?) seien, Enttäuschungen hervorgemfen und auf die Geschäftswelt stark depri­mierend gewirkt. Nicht als ob eine Finanzreform mit 500 Mll. Mark Mehrbelastung dies verschuldet habe, scndern das gerade von der Mehrheit zusammenge­stellte Steuerbukett, wodurch Stadt, Industrie und Handel in einseitiger Weise getroffen worden seien. Doch lassen sich die endgültigen Wirkrmgen der Fi­nanzreform, wie der Handelskammerbericht selbst zu­gibt, noch nicht übersehen, und der Aufschwung im Wirtschaftsleben Deutschlands wird dadurch nicht auf- gehalten, sondern nur zu anderen Richtungen hin be- einflußt-

Hunderttausende-

Die Sorge um die Gesundheit ist im Herbst und Winter am dringendsten. Schützen Sir sich daher bei Zeiten und beachten Sie ein Mittel, dessen hervor«; ragende Eigenschaften Hunderttausende von Personen vor allen schädigenden Einflüssen auf die Stimmorga« bewahren. Husten, Heiserkeit, Katarrh, di« Vorboten ost ernster Erkrankung werden durch Wybert-TadletteN' mit Erfolg bekämpft. Es wird in den nächste« Wochen Gelegenheit geboten sein, dem feit 60 Jahren hoch­geschätzten Präparate ein Heer neuer, begeisterter Aw Hänger zu werden. Originalschachteln ä Mk. 1.— sind in den Apotheken erhältlich. Depots in A»lda r Gngev Apotheke, Kof-Apothestr und ^öweu-Apotteke.

nm gen in SB i e n- Der Ministerrat kam zu einer voll­ständigen Einigung über die betreffenden Gesetzt sowie den Wortlaut des kaiserlichen Einführungspatentes, so daß die Genehmigung und die Bekanntgabe der Ver- faflungSgesetze in Kürze zu gewärtigen ist. Gras Aehrenthal gab bei dieser Gelegenheit den versammel­ten Ministern auch einen Ueberblick über den Stand der Fragen der auswärtigen Polttik Rußland sei fetz: bereit, dieselben Gnmdsätze in der Behandlung dec Balkanvolittk anzunehmen, die zu befolgen Oester- reich-vngarn sett jeher erkläre. ES scheint demnach Berchtold in Petersburg gelungen zu sein, Iswolski davon zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn mit der Angliederung Bosniens fein territoriales Ausdeh- nungsbedtüfniS völlig befriedigt hat und nunmehr in der Festigung der Verhältnisse aus dem Balkan sein Ziel sieht. — Dagegen führt die serbische Zeitung Prawda zu der geplanten Annäherung Rußlands anOe sterrei ch-U ngnrn au?, auch diesmal werde Rußland ein Geschäft abschließen, worin Serbien und sein Volk al? Rotnagel vorgeschoben werde und bei dem die ganze Balkanhalbinsel vielleicht die Zeche zahlen toeroe. Serbien? Pflicht sei es jetzt, zu einem festen Bündnis mit Bulgarien zu schreiten. DaS Schicksal der Balkanhalbinsel liege in den Händen der Kabmette von Belgrad und Sofia, die den Drang nach dem Balkan unterdrücken könnten- Sollten Ser­bien und Bulgarien vier jetzt unterlassen, so sei dar Schicksal des Balkans entschieden, und die Verant­wortung dafür würden nicht nur die Eroberer, son­dern auch die eroberten Staaten tragen, die sich nicht hätten yerteidigeu können oder wollen.

als das schöne, stolze Gesicht sich ihm unverhüllt in seiner rührenden Schwermut zeigte.

„Herrgott", sagte er leise, ,ist das Kind schön ge­worden! Dabei siehts wie eine Prinzessin auS!"

Rottraut hörte ihn nicht, so vertteft war sie in ihre Gedanken. Sie hatte es sich noch gar nicht 6er* gegenwärtigt, daß sie fortan Herrin dieses Grund und Bodens sei. daß die fruchtbaren Aecker und Mesen, der Wald und fast alles, so weit ihr Auge reichte, ihr Eigentum sei, ihr und des zarten Schweiterleins stol­zes Erbe.

Das Wägelchen hielt unterkmlb des Schlosses, Rot­traut war hier ausgestiegen aus Rücksicht auf den kurz­atmigen Fuchs- Da stand ihre alte, treue Ursel vor dem Hause Die Waise legte beide Arme um sie und küßte das gute runzelige Gesicht, schüttelte Friedrich die Hand und trotz des seltsamen Empfanges sagte sie sich: „Gottlob, ich bin daheim!*

Ihre drei Getreuen geleiteten Rottraut in da» Schloß bis zur Tür de» SterbezimmerS. Hier winkte sie ihnen, zurückzubleiben.

Sie trat in das Gemach und blieb lange allein mit dem Toten Jetzt, wo er auS demLeben geschieden, daS er so schlecht verstanden, waren die einst so edlen Züge wieder hervorgetrrken. DaS Haupt etwa» zur Seite geneigt, glich er einem friedlich Schlummern­den; sein Kind kniete neben ihm nieder und weinte und betete für ihn. Da» innige Sanb, da» sie hätte umschließen sollen, hatte Günther Erich» Leichtsinn gelockert; jetzt fühlte Rottrauk, daß er trotz alledem ihr SJaler war, der Mensch, bet ihr nahe stand, wie sonst niemand auf der Welt- In dieser emsten Stunde empfand sie fiir ihn nur tiefstes Mitleid und kindliche Vergebung Später freilich sollten Augenblicke kom­mens wo rhr sein Andenken wie ein Fluch dünkte; wo sie und Willis darunter bitter leiden mußten, des „wilden Pfeileck' Töchter zu sein, jenes Ausgestoße- neu, den man verachtete und nicht mehr anerkannte.

Als Rottraut die Tür des Sterbezimmers hinter sich verschloß, hieß die alte Ursel sie noch einmal in ihrer schlichten Art als Herrin der Pfeilburg willkom­men. Sie zeigte ihr das HauS, das Tank ihrer Für­sorge angenehm durchheizt und in bester Ordnung war

Aus dem Nachbargebiete

Flieden, 14. Febr. 1910. Die Feier abend st unde (10 Uhr) hat, wie sie hier besteht und gehandhabt wird, schon mehrfach, hauptsäch­lich für abends mit den letzten Zügen ankommende Reisende, zu Unzuträglichkeiten geführt. Der letzte von Fulda hier haltende Zug läuft 1019 hier ein und der von Frankfurt a. M. Sonn- tags gar erst 11". Kommt nun ein Unbekann­ter mit einem dieser Züge, was bei dem Bahn- bau und dem regen Verkehr hier oft der Fall ist, an und will übernachten, so findet er verichlossene Türen und dunkele Fenster, ja auch dunkele Straßen, da auch die Straßenlaternen um 10 Uhr ausge­löscht werden Dieser Tage klopfte ein Herr, der aus der Richtung Fulda mit dem letzten Zuge angekommen war, an verschiedene Häuser an. Nichts regt sich; er schlägt Lärm. Schließlich öffnet jemand, aber nicht um dem Betreffenden Einlaß und Auskunft zu geben, sondern um über die Ruhestörung zu schimpfen und mit Anzeige und Gendarm zu drohen. Endlich hört er den Wächter 11 Uhr blasen und begibt sich zu diesem. Mit vereinten Anstrengungen gelingt es, einen Wirt zu wecken und zu veranlassen, dem Frem- den für gutes Geld Obdach zu geben. Daß dieses unhaltbare Zustände sind, die unserem Orte und der ganzen Gegend nicht zur Ehre gereichen, sieht jedes Kind ein. Die hiesigen Wirte haben schon mehrere Male auf diese Zustände bei den zustän­digen Behörden hingewiesen und um Verlängerung der Feierabendflunde gebeten, aber umsonst, es bleibt beim allen. Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, daß hier endlich einmal Wandel ge­schaffen wird.

* Neustadl a. M., 12. Febr. 1910. Die In- Hu en ja tritt hur epidemisch auf. 50 Prozent der Schüler können die Schule nicht besuchen; die Epidemie ist noch im Weiterschreiten. Auch sehr viele Erwachsene sind von ihr befallen.

Johenlohe laferFlocKen

Hartwig nahm seinen Platz in der ersten Klasse ein und blickte zum Fenster hinaus. Er sah, toie Zacharias die Peitsche hob, und der Fuchs sich schwer­fällig in Bewegung setzte, das Wägelchen rollte davon imb entschwand den Blicken des jungen Mannes.

«Wir scheinen stolz zu fein', dachte er bei sich. »Sie fertigte mich kurz ab, diese Rottraut von Pfeil­burg, die heimkehrt, um ihr Erb« anzutreten."

Er zündete eine Zigarre an und hüllte sich in bleite Rauchwolken; er ärgerte sich über sich selbst, daß ihn das Leine Begebnis verstimmt hatte

»Wir unangenehm', dacht« er weiter, »daß es nicht zu vermeiden sein wird, mtt ihr zu verkehren. Da ich das Kuratorium führe, muß ich mit ihr spre­chen und ihr Bericht ablegen Von einem intimen Verkehr kam» natürlich nicht die Rede fein? Das Kind des Zuchthäuslers und der Chansonetiensängerin wird uns ewig eine Fremde bleiben, deren Stirn gebronb- markt ist. ES wäre das Klügste von ihr, wenn sie bie Pfeilburg miede und sich Wt Einkünfte schicken ließe '

Unterdessen rollte bet Wagen, ber Rottrant in ihr traurige» Heim brachte, gemächlich weiter. Während bet Fahrt erfuhr sie burch Zacharias von ben letzten Tagen bet Vaters, von seinem sanften Tobe unb daß er ihr seine Grüße fenbe mit der Bitt«, ihm zu ver- pebcn Günther Erich hatte bestimmt, baß Rottraut ihm zur letzten Ruhestatt folge; diese wollte er nicht in ber Pseilccksckcn Familiengruft, fonbent auf dem Friebhrff, auf bem bereits feine erste Frau gebettet lag, finden.

Der Regen hatte aufgehört, als bie Reifenden sich der Pfleibnrg näherten; ein leudjtenber, bunter Re­genbogen spannte sich über bem grauen Gemäuer au» unb bie Sonne glitzerte in ben nassen Gräsern unb Bäumen. Ein kräftiger Gewch bemeHten, feuchten Laube», Vermischt mtt bem bet Erbe, stieg empor- Tief atmenb, sog bas junge Mädchen ben Heimatbust ein. Ihre Augen irrten wie liebkosend über bie Gegenb, sie schlug ben Schleier zurück unb unwillkürlich falteten sich ihre Hände im Schoß. Der alte Zacharias sah sie lange an unb stieß einen Ruf ber Verwunderung au«,.

geben delikate Suppen, Frühetllck für Alt u. Jung. Bewährte Klndernahrun*

Id pluSD Paketen ierMttiife.

Dai überraschend große Volumen beweist am besten die Preiswürdig­keit dieser kräftigen Nahrung. Ergiebigkeit Ist eine Haupteigen­schaft von Quaker Oats.

Man entleere ein Paket Quaker Oats auf den Tisch.

J. Aarzeller in Zulda woch-vMas«!,Illustrierte Somitagrzeitung"

Die kostbare Einrichtung war so wenig benutzt, daß sie fast neu erschien. Die tiefen Fensternischen in ben Wänben bildeten lauschige Plätzchen, unb weiche" Teppiche dämpften ben Schritt. In der Halle hingen Waffen unb Rüstungen, dazwischen dir Ahnenbilbet der Herren ber Pftilburg, und eS war Rottraut, alt blickten bie Ritter und Frauen zürnend auf sie herab, auf ba8 Sinb des „wilden Pfeileck', der so aus der Art geschlagen war. An ber Mittelwanb hing bal lebensgroße Ddbilb Günther Erichs; die alte Urfd hotte einen Trauerflor darum gehängt.

Lange ftanb Rottraut und blickte das meisterhaft gemalte Porträt an; ei stellte ihren Vater als zwanzig- jäkrige,! Jüngling bar. Er trug ein bunkelgrüne« Jagbwams unb unter dem Tirolerlmt mit ber Spiel- bahnfeber unb dem Gemsback lachten die blauen Au- gen lebenslustig den Beschmier an. Da» abfallend« Kinn deutete auf Mangel an Charakter und die sinn­lichen Lippen auf Empfänglichkeit für die gröberen Genüsse bei Daseins So grundverschieden das Ge­sicht des jungen Mädchens von bem bei Verstorbenen tuar, so vergeistigt ber Ausdruck ber edlen Züge, es herrschte dennoch eine stacke Familienähnlichkeit zwi­lchen Rottraut unb bem „wilden Pfeileck'.

Roch war die hohe Gestalt zu schmächtig, um voll­kommen schön zu fein; aber bie Haltung war königlich, jebe Bewegung weich unb voll Anmut. Die schwarz« Trauerklcibung hob das matte Weiß der Haut, bie Wangen waren zack gefärbt, und ber schön geschweifte Mund mit ben korallenroten Lippen konnte bezaubernd lächeln, war aber meist ernst und nahm leicht einen strengen Zug an- Die langen Wimpern dämpften bal Feuer bet tiefbraunen Augen, beten Ausdruck von cv-ter Mr. weit ober - "> jigex tluttc fein konnte DaS seidenweiche, schwarzbraune Haar mar zu einem losen Knoten am Hinterkopf aufge|tedt unb schmiegte sich in natürlichen Wellen um ben ebelge» ornrten Nacken unb die hohe Stirn.

„Trautchen, wollte sagen, Fräulein Trautchen, die Suppe wirb kalt', meldete Ursel, sie aus Ihren Ge­danken weckend. „Sie müssen etwas Warmes genießest unb sich bann balb zur Ruhe begeben *

(Fortsetzung folgt*

vermischtes.

* Z« fchweren Stteikausschteitungen kam es ist ben Tuch-Fabriken bei Toulouse in Frankreich. Die streiken den Arbeiter versuchten, die Einrichtungen ber Fabriken zu zerstören, woraus Genbarmerie aufge­boten würbe, bie gegen bie Leute mit Schärfe vor-' ging. Als drei Streikführer verhaftet würben, gab el aufregenbe Szenen. Man versuchte das Gebäube, ist bem bie Gefangenen untergebracht worben waren, zu zerstören, unb bie Behörben sahen sich schließlich wohl ober übel genötigt, bie Verhafteten «lebet freizu­lassen.

• Dem Polizeipräfekten von Paris würbe von ber Akabemie ber Andtffre t-P teil im Betrage von 15000 Francs in Anerkennung ber unermüblichen Hingebung, welche er währenb ber Überschwemmun­gen bewiesen habe, verliehen.

Ausland.

* Die bosnische Verfassung wat Gegenstand eines gemeinsamen Ministetcates ber l-eiben Donau-Regie-

veutsches Reich.

* Zeugniszwangshast gegen eine» Redakteur. Wie bie in Gleiwitz erscheinende Oberschlesische _ Volks­stimme mitteilt, befindet iich der Redakteur dieses Zen- krumsblatteS, Edmund Nowak, schon seitAn- fong Dezember in ber Zeugniszwangsbast in Zabrze, ohne baß alle Emgabcn um Beendigung der Hast einen Erfolg gehabt hatten- Die Veranlassung zu Wesir Hast rühtt, wie seiuerzeit berichtet, auS einer Zeit her, als Nowak an einer Zeitung in Klausthal tätig war. In Weser Zeitung erschien einst ein Ar­tikel, In dem Beleidigungen eines Kiausthaler Sena­tor? gefnnben wurden unb beffentroegen Nowak be­straft mürbe. Nachttäglich mürbe nun ein Diszipli­narverfahren gegen ben Amtsgerichts rat Kölle einge­leitet, den ber beleiblgte Senator für den Urheber unb Verfasser bes Artikel« hielt. Nowak wurde als Zeuge in diesem Disziplinarverfahren vernommen unb ver­weigerte jebe Auskunft. Er übernahm inzwischen bie Leitung ber Zabrzer Filiale ber Oberschlesischen Bolks- ftimme unb wurde bann, nachdem er wegen seiner ZeugniSverweigeruna zunächst mit 30 Mk. Geldstrafe verurteilt worben war, mit Zwangshast belegt. Nicht einmal währenb ber Weihnachtszeit würbe er auf freien Fuß gelassen. Das Landgericht Göttingen lehnte ein dahingehendes Gesuch ab, da Nowak es ja in bet Hanb habe- „jederzeit bie Aufhebung ber Zwangshast herbeizuführen, indem er seine staatsbür­gerliche Pflicht, Zeugnis abzulegen, erfülle* Be­kanntlich soll nach einem Erlaß b e 3 Juftizmi- nister« bie ZengmszwangShast gegen Redakteure mir bei schweren S erbte rf? e n mie Hochverrat usw verhängt werben- Um so auffälliger ist es, baß hier in einem bloßen Disziplinarverfahren auS ver­hältnismäßig geringer Ursache ein Rebakteur monate­lang in Hast gehalten wirb. Am allerauffälligsten ober ist, daß zur selben Zeit ein Redakteur ber Bruhn- kchen Wahrheit schon nach wenigen Tagen aus ber Zwangshast entlassen worben ist, währenb man gegen ben Rebakteur des oberschlesifchen Blattes die volle Strenge be« Gesetzes an wenden zu müssen glaubt Die Obetschlestfche Volksstimme teilt nun mit, daß sie sich nunmehr mit einer Eingabe an ben Justiz­minister gewanbt hab«, non besten Eingreifen sie eine Aufhebung ber Zwangshast ermattet-. Das ist allerbings bringenb zu wünschen, unb ber gesamte beutsche Redakteiltstand wirb in dem Verlangen ein­mütig fein, daß bie ZeugniSzwangShast gegen ben Re­dakteur Nowak, der bas Rebaktionsgeheim- nis in rühmenswetter Weise gewahrt hat, alsbalb aufgehoben werbe. Im übrigen wirb Weser „Fall Nowak' bei ber Revision bet Strafprozeßorbnung nicht übersehen werben können.

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Vcrantw. Redakteur

i. V.: A weßler;

^ebranömarät.

8] Roman von G. Freifrau von Schlippenbach'

Der Zug fuhr eben über bie Schienen unb hielt hot dem Bahnhofsgebäude. Nur eine Tür ber zwei­ten Wagenklaste würbe von bem Schaffner geöffnet, Fine hohe weibliche Gestalt in tiefer Trauer stieg ans unb sah sich prüfe,rb um.

Zacharias ftanb schon neben ihr und begrüßte sie-

„Herrgott, ist baS bie kleine Traute, bie kaum mit bem Näschen auf ben Labentisch reichte? Ist daS tzu glauben, ist baS zu glauben?'

Rottraut ergriff die Hanb ihres alten Freundes unb schüttelte sie; sie konnte nicht sprechen, so ergrif­fen war sie, unb zog ben Kopsschleier, bet ihr Gesicht verhüllte, noch sester zu.

„Mein guter Zacharias', sagte sie enbltch mit auf- fallenb klangreicher, weicher Stimme, „ich freue mich. Euch zu sehen.'

„Ich bin Ihnen mit meinem Wägelchen ent- ägegengefommen, gnäbige Baronesse', sagte bet Alte. ^Hiet, bas ist wohl Ihr Gepäck, nun können wir fahren."

Gras Hartwig, ber hinter ben beiben ftanb, hatte jebe« Wort gehöck, jetzt trat er vor unb lüftete bie Aagbmütze.

„Gestatten Sie, daß ich mich vorstelle', sagte er höflich „Pfeileck auf Grafenhorst, bitte, benutzen Sie freunblichst meinen Jagt»wagen, er wartet hier unb toürbe Sie schneller nach ber Burg bringen, al« be« braven Zacharias kurzatmiger Fuchs/

Nottraut trat einen Schritt zurück und maß den Sprecher mit einem kalten Blick vom Kops bi« zu den Rügen, bann sagte sie ebenso höflich, jeboch mit eisiger Betonung: „Ich danke, Herr Graf, ich ziehe vor, mtt fneinem alten Freunde Zacharias zu sichren.'

Kaum merllich neigte sie da» hochgetragene Haupt, dann schritt sie schnell auf das Bahnbofsgebäude zu. ' „Einsteigen mein Herr', mahnte der Schaffner, toBLSuj muß Metzen-'

Sabres-Bericht der Handelskammer 1 zu Hanau für das Jahr 1SVS.

i.

Der soeben erschienene Jahresbericht charatterisiert allgemeine Wirtschaftslage kurz folgenbermaßen: Tas Wittschaftsjahr 1909 ist für Industrie unb Han- Sei Deutschlands ein überaus ernstes unb außerordent­lich lehrreiche» gewesen, ein Jahr voll schwe- yen Ringen» unb bitterer Enttäusch- un gen Man hatte alles Recht z,l hoffen, bem beut* tchen Wirtschaftsleben sollte bie langanhaltenbe unb iefgehenbe Depression in Ruhe zu überwinden ver- gönnt sein; anstatt dessen sel/en wir bie Periode Weser so notwendigen Rekonvaleszenz ausgefüllt mit d. stärk­sten Beunruhigungen durch gefahrdrohende politische Wirren im Osten, burch neue ungünstige Zolltarifmaß- yepeln Ivichtiger Absatzlänber unb nicht zuletzt durch da? Riesenprojekt der ReichSsinanztesorm. Trotz sol- cher gewaltiger Störungen hat sich im abgelaufenen Sabre, namentlich in feiner zweiten Hälfte eine iunverkennb-re, wenn auch langsame Hebung bet Konjunktur im ganzen voll­zogen Nicht ein Ueberhnlen ber statistischen Ziffern von 1908 bürfen wir jeboch schon als erfreuliche Bes- senmg begrüße», sonbern nur soweit dieses lieber* hole» sich bi« |U einer Annäherung an frühere, min­desten« normale Ergebnisse erhebt.

Gerade letztere» können wir leibet noch nicht fest- t. i hinsichtlich bes Arbeitsmarkte«. Bi« i . Juli einschließlich war ba« lleberangebot von A:veit»kräften fast in allen Monaten erheblich größer lS in den Vergleichspettoben ber voraufgehenden 6 Jahre, und in allen Monaten noch größer al» für 1908- Erst mit bem August trat gegen bas letzte Jahr eine Wenbung »um Bessern ein, entschiedener noch im September unb Oktober unb namentlich im November .-ervottretenb, aber immer noch ungünstig zu nennen im Verhältnis zu den betreffenben Ziffern bet übrigen Vorjahre.

In erfreulicher Entwicklung hat sich nach ben Ein­nahmen bet beutschen Eisenbahnen die Güterbewegung gestaltet; hier setzte nur im Mai vorübergehenb unterbrochen, bereits mit bem März eine stänbige Hebung ein gegen 1908, unb wenn auch bie hohen Ziffern be» Jahres 1907 nicht zu erreichen waren, so braucht doch mit bem Iahte 1906 unser Berichtsjahr einen Vergleich nicht zu scheuen In ähnlicher Weis« zeigen ein günstiges Bild bie Z oll- Einnahmen bes Reiches. Der beutsche Äußenhanbel zeigt ebenfalls eine entschiedene Tendenz zur Steigerung, inibesonbere für bie Aus­fuhr.

Die KonluySstatistik zeigt für bas erste Oi artal 1909 noch eine geringe Zunahme gegen ben gleichen Zeitraum bei Vorjahres, von da ab jeboch eine erfreuliche Abnahme. Auch bie Jahressumme wirb, wie schon jetzt mit Sicherheit vorauszusehen, hinter ber hohen Zahl bes Jahres 1908 Zurückbleiben, bie allerbings ohne Betipiel seit 1895 dasteht; die Summen ber Jahre 1907 unb 1906 werben jeboch auch burch bie Summen für 1909 voraussichtlich nicht ibeträchtlich überschritten werden.

Im ganzen betrachtet, zeigt sich somit eine bemer­kenswerte Besserung, unb man wird auf bie Wieber- kehr normaler Absatz- und BeschästigungSverhaltniffe in absehbarer Zett rechnen bürfen- Hinzukommen muß allerbings noch ein Moment, bas sich ziffern­mäßig nicht auSbtücken läßt unb primär mehr psycho- .vgischet al« wirtschaftlicher Natur ist: bieFreube an erfolg verheißen be r gewerblicher Tätigkeit. Diese Freube, bie ein« unerläßliche Morbebingung für bie Betätigung be« Unternehmungs­geistes barstellt. ist aber unter dem Eindruck bet