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ntonatsMiagc: „Zllldaer Seschichtsblätier" Zrrnsprecher Nr.».

Fulda, Samstag den 12.

34.

Februar 1910.

37. Jahrgang.

Aus dem Nachbargebiete.

* Vacha, 11. Febr. 1910. Mit Rücksicht darauf, daß das Lösen von Kinderfahrkarten bei starkem Andrange oft recht verkehrshemmend wirkt, ist von der Eiienbahndlrektion Erfurt angeordnet worden, daß nach den Stationen, nach denen im Vierteljahr mindestens 100 Kindersahrkarten gelöst worden find, fertig gedruckte Kindersahrkarten zur Verfügung gehalten werden sollen, um das Ab« schneiden der ganzen Fahrkarte zu verhüten.

♦ Hersseld, 9. Febr. 1910. In der vergangenen Nacht wurden einem hiesigen Einwohner 7 Hühner aus dem Stalle entwendet. Wie dann festgestellt werden konnte, hatte ein Fuchs die Hühner ge­holt. Vier der Tiere hatte er im Garten so geschickt vergraben, daß sie nur durch Zufall gefunden wurden. Die übrigen drei hat der Räuber jedenfalls mitge­nommen.

(*) Frankfurt a.M., 11. Febr. 1910. Der Frank, futter Arbeitspferdemarkt, welcher dieses Jahr versuchsweise bereits am 23. Februar auf den Reit- und Fahrplätzen des landwirtschaftlichen Vereins abgehallen wird, dürste nicht nur von den hiesigen Landwirten und Fuhrherrn zur Ergänzung ihres Pferdebestandes benützt werden, sondern auch aus der weiteren Umgebung die Kauflustigen Heran­gehen. Dieser Pferdemarkt ist diesmal der erste im Regierungsbezirk und wird eine große Auswahl im­portierter Pierde zusammensühren. Eine größere Zahl Original-Belgier sowie einige Transporte Oldenburger Arbeit-pferde wurden von den be­deutendsten Jmporlfirmcn zum Verkauf angemeldet.

* Darmstadt, 11. Februar 1910. Auf der Registratur der Bürgermeisterei wurde kürzlich ein Bruchstück einer bisher unbekannten Ehronik des Bistums Fulda aufge unven, das von der Archivverwallung als em überaus wertvolles Doku­ment mittelalterlicher Geschichte bezeichnet und in den „Monumenta Germania" Aufnahme finden wird.

drittes Matt.

X Zur Frage der Berufswahl.

Der frühe Ostertemiin legt den Gedanken an eine rechtzeitige und sorgfältige Berufs­wahl besonders nahe-

Sorgfältig muß diese Berufswahl, d. h. die Wahl eines richtigen Lebensberuss für die schulentlassene Jugend deshalb getätigt werden, weil von ihr für das körperliche und geistige Leben des spätem Staatsbürgers und Gliedes unserer Volkswirtschaft so unendlich viel abhängt. Eine Reihe von Momen­ten, die an dieser Stelle nur kurz angedeutet seien, muß deshalb bei der Berufswahl beachtet werden.

Da gilt es zunächst, den kö rperlichen An­forderungen, die der einzelne Beruf an seinen Träger stellt, und die recht verschieden zu sein pflegen, gerecht zu werden- Nicht minder ist dies bezüglich der gei­stigen der Fall, zumal das modeme Wirtschafts­leben mit seinem Jagen und Hasten hier besonders viel verlangt und heutzutage Wissen ganz besonders Macht, d. i. wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bedeutet.

Nach dieser Prüfung frage man sich nach den Aussichten, die ein Beruf nach menschlicher Vor­aussicht für die Zukunft bietet. Ganz und gar ver­kehrt wäre es da, einen Beruf zu wühlen, von dem man sieht, daß er im modernen Leben ausgespielt hat und sein Terrain im wesentlichen an die maschinelle Produktion hat abgeben müssen- Man denke hier z. B. an die Handweberei, Seilerei usw. Dagegen wei­sen andere Berufe, die mehr der modernen wirtschaft­lichen Entwicklung ihr Dasein verdanken — man er­innere sich z B. der Elektrotechnik, der Installation — sowie der Befriedigung der täglichen Konsumsbedürf­nisse (Bäcker, Metzger) ober des individuellen Ge­schmacks (Bekleidungs-. künstlerische Gewerbe) dienen, auch heute bei kleinem Kapitalbesttz und persönlicher Leistungsfähigkeit gute Aussichten auf.

Mit diesem Punkte haben wir zugleich die Frage berührt: Gelernter oder ungelernter Be­ruf? Und da merke man sich die Regel: Im Interesse des spätem wirtschaftlichen Fortkommens empfiehlt sich in erster Linie die Wahl eines gelernten Bemfs. Nur in den Fällen, wo Dürftigkeit der Eltem ein Mitverdienen der Kinder schon nach der Schulentlas­sung zur unbedingten Notwendigkeit macht, trete man in einen ungelernten Beruf (Fabrik usw. ohne beson­dere Lehre) ein Sonst wähle man, sofern die L a n d- wirtschaft keine Unterkunft bietet, ein H a n d - in e rk, das, wie oben schon an gebeutet, auch heute in der Zeit stark entwickckler Konkurrenz noch einen guten Boden hat. Nur wolle man bedenken, daß zu einer spätem Selbständigkeit hier immerhin schon ein kleine­res Kapital notwendig ist. Weniger Aussicht bietet zur Selbständigmachung der Kaufmannsberuf, du hierzu schon ein größeres Kapital Vorbedingung -si- Man vergesse auch nicht, daß zu dem Kaufmanns- bemf ein starker Andrang vorhanden ist, und auch sonst besondere Verhältnisse hier vorherrschen, bie für den Angestellten nicht immer günstig sind.

Nach ber Wahl eines gelernten Bemfs sehe man vor allem auch darauf, eine wirklich gute Lehr­stelle zu erhalten und benutze dann alle Mittel der staatlichen Gesetzgebung (Prüfungen, Fortbildnngs- einrichtungen) sowie bet Selbstschulung und Selbsthilfe (Vereinswesen), bie dazu beitragen können, einen tüchtigen unb leistungsfähigen Menschen zu gestalten Niemals lasse man bei ber Berufswahl die Neigung allein ausschlaggebend sein, stets i orientiere man sich auch an den vorher aufgeführten ! beachtenswerten Momenten; man lasse das Kind 'nicht allein mtscheiden. überlege selbst mit, ziehe er­fahrene Personen zu Rate.

Nur dann, wenn sie so verfahren, bürfen Eltem unb Vormünder beruhigt sein, die Pflichten erfüllt zu haben, die fich ans ihrer Stellung ihren Kindern bezw. Schutzbefohlenen gegenüber ergeben!

Deutsches Reich.

* Der Entwurf eines Stellenvermittler­gesetzes ist dem Reichstage zugegangen. Es sieht als Stellenvermittler an, wer gewerbsmäßig 1. die Vermittlung eines Vertrages über eine Stelle betreibt und 2. die Gelegenheit zur Erlangung einer Stelle nachweist und sich zu diesem Zwecke mit Arbeitgeber ober Arbeitnehmern in besondere Beziehungen setzt. Zur Ausübung des Gewerbes eines Stellenvermittlers bedarf es einer Erlaub­nis der von der Landeszentralbehörde bezeichne­ten Behörde. Die Erlaubnis ist zu versagen, wenn» Tatsachen vorliegen, welche die Unzuver­lässigkeit des Nachsuchenden dartun, oder wenn ein Bedürfnis nach Stellenvermittlern nicht vor­liegt. Aus den weiteren Bestimmungen des Ent- wurfs sei hervorgehoben, daß das Gesetz am 1. Oktober dieses Jahres in Kraft treten soll.

* Katiowih, 10. Febr. 1910. Zu der Meldung, daß die Versetzung des Oberpostassistenten Knährich von Katiowih nach Trebnitz (Schles.) nicht zur Aus- fühmng komme, teilt die „Kattowitzer Zeitung" mit, daß K- doch verseht worden sei. „Er hatte zu­erst seine Versetzung nach Gnadenfrei erhalten, konnte aber dort keine Wohnung finben, bann erfolgte seine Versetzung nach Trebnitz, bie „wegen verschiebener (Stünbe" auch nicht zur Ausführung kommt, dagegen soll, wie der „Neiffer Zig." mitgeteilt wird, jetzt seine Versetzung nach Bunzlau erfolgen."

Aus Mrche und Schule.

o Pädagogischer Kursus in Dortmund. Wenn unsere christliche Volksschule in ihrer historisch über- kommenm konfessionellen Gestaltung erhalten werben soll ,so muß bie christliche Pädagogik sich auch auf wissenschaftlichem literarischem Gebiete behaupten. In der Erkenntnis bieser Sachlage hat sich unter ber Führung des großen katholischen Pädagogen Otto Willmann der „Verein für christliche Er­ziehungswissenschaft" gebildet, der zurzeit über 800 Vertreter und Freunde der chrsstlichen Er­ziehungswissenschaft geistlichen und weltlichen Stan­des, männlichen und weiblichen Geschlechtes umfaßt vnb sich in eine norddeutsche, eine süddeutsch-schwei­zerische unb eine österreichische Gruppe gliedert. Der Verein hat in Verbindung mit dem katholischen Leh- rerverbande unb mit dem Verein katholischer beutscher Lehrerinnen einen neuen pädagogischen Kursus vor­bereitet, ber in ber Osterwoche dieses Jahres in Dortmund statttfinden soll. Heworragende Do­zenten werden sich über wichtige Fragen verbreiten- Dem Kursus in Dortmund ist ein reicher Besuch zu wünschen, schon damit sich die Veranstalter ermutigt fühlen, auf dem kühn beschrittenen Wege weiter zu gehen. Es erscheint für die Vertreter des christlichen Erziehungsgedankens als eine Ehrensache, der zur Wahrung ihres Standpunktes unternommenen Ver­anstaltung zum vollen Erfolge zu verhelfen. Neben den Männern unb Frauen des Lehrerstandes sind auch Angehörige anderer Stände auf dem Kursus sehr willkommen. (Prospekte und Mitgliedskarten sind er­hältlich durch Herrn Fr. Sube in Xanten a. Rh- und durch Herm Lehrer Otto Rohde in Dortmund, Lieb- frauenstraße 21.)

vermischtes.

* Eine Kannibalenbande wurde in Argen­tinien aufgehoben, die während ber letzten vier Jahre 62 Reisende getötet hat. Die Reste der Menschenopfer wurden noch vorgefunden.

* Zu sechs Wochen Haft um eine — Birne, bie er einem Kellnerlehrling gestohlen hatte, würbe ein Ar­beiter vom Gericht in Neu-Ruppin verurteilt-

♦ Nach einer Statistik der Welthäfen, bie von ber amerikanischen Handelskammer veröffentlicht ist, steht N e w h o r! jetzt an der Spitze der Welthafen im Tonnengehalt der Schiffe für den Auslandshandel. London sank an die dritte Stelle, während sich Antwerpen auf den zweiten Platz emporschwang. Hamburg ist an die vierte Stelle gerückt, während Liverpool an fünfter Stelle steht. Das schnelle Wachstum Hamburgs wird auf den großen Auf­schwung von Handel und Industrie im Deutschen Reiche und die Unternehmungslust der Schiffahrts­gesellschaften zurückgeführt, während Antwerpen sei­nen Auffchwung vor allem seinen hervorragenden Hasenanlagen verdantt-

Literarisches.

Künstlerische Kommumonandenken. Ohne Frage ist es für den Religionslehrer von großer Wichtig­keit, bei der Wahl der Kommunionbilder auch künstlerische Gesichtspunkte in Betracht zu ziehen, denn abgesehen davon, daß es ein Schaden für die Sache wäre, wenn die jetzigen @ififommunifanteti später einmal die Wertlosigkeit des erhaltenen

Kommunionandenkens erkennen würden, wäre es an unb für sich bedauerlich, wenn der Klerus diese günstige Gelegenheit, gute Kunst unter das Volk zu bringen, nicht benützen wollte. An paffenden Darbietungen ist gewiß kein Mangel. Man beseh« sich nur einmal daS Kommunionandenken-VerzeichniS der.Gesellschaft für christliche Kunst in München, die auf diesem Gebiete bahnbrechend vorangegangen ist. Was hier geboten wird, kann ruhig neben die besten Vierfarbendrucke von See­mann gestellt werden. Wenn man die neuen Kunst­produktionen, soweit eS nicht teuere Liebhaber-Aus­gaben sind, zum Vergleich heranzieht, findet man kaum eine, die dem bekannten Abendmahl von Prof. Fugel an Tiefe der religiösen Auffassung gleich tänie. Dieses Werk dürfte wohl auch den Höhe­punkt von Fugel's künstlerischem Schaffen bedeuten. Es ist erfreulich, daß die Gesellschaft für christliche Kunst dieses Blatt neu herausgegeben hat. Neben Fugel's Abendmahl dürfen das auf den ersten Blick etwas ähnlich erscheinende Bild von Professor K. Schleibner und das mehr historisch aufgefaßte Bild von K. Daumeister nicht unerwähnt bleiben. Von den übrigen Kommunionandenken möchten wir noch besonders das trotz aller Bewegtheit der Szene feierlich anmutenbe Kcmmunionbild von Emonds- Alt hervorheben. Diese drei Kommunionandenken werden von der Gesellschaft für christliche Kunst, München, Karlstr. 6, gegen Einsendung von 1 Mk. portofrei zur Probe versandt. Das illustrierte Ver­zeichnis ist gratis zu beziehen. C. W.

Reklamen- unb Anzeigenteil.

Menn man die Sache recht überdenkt,

dann ergibt sich auch ohne weiteres, warum Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen bei allen Erkältungen so ausgezeichnete Dienste leisten! Die Pamllen enthalten eben in vollkommenster Form alle wirksamen Bestandleile der berühm- len Sodener Heilquellen, und es ist klar, baß

ähnlich, nur um vieles prompter als bie Quellen selbst wirken müssen. Daß die Pillensalze auch dem Magen vortrefflich bekommen, ist eine an­genehme Nebenwirkung. Mau kauft FayS Sodener in eiufchlägigen Geschäften für 85 Pfg. per Schachtel.

Kasseler

Hafer-Kakao

kräftigt, wirkt nachhaltig sättigend und lässt während des Unterrichts kein nervöses Hungergefühl aufkommen. Er wird deshalb als

Kiaderfriibstikk .

tausendfach ärztlich empfohlen.

Nur echt in blauen Kartons für 1 M., niemals lose.

Kevrrcrndmcrvkt.

7] Roman von G. Freifrau von Schlippenbach.

Die Gräfin war eine stattliche Frau von fünfzig Jahren, ihre hohe Gestalt noch schlank und ebenmäßig, das Gesicht von frischer Farbe, nur ba8 volle Haar war silberweiß unb umrahmte bte fast jugendlichen Züge, auf denen meist ein schwermüttger Ernst lag, der besonders in den etwas tief liegenden grauen Augen zum Ausdruck kam. Sett dem Tode ihre» Gatten trug Frau Hedwig nur Schwarz; bie feinen Brüsseler Spitzen bedeckten den leicht gewellten Schei­tel in Form eines jener Schnebbenhäubchen, wie Rit­terfrauen be? Mittelalters sie bevorzugten-

2>hr Verhältnis zu ihrem Sohne war bas einer älteren Schwester unb zärtlichen Mutter zugleich; be- TonberS seit dem Tobe Hermann Augusts hatten sie sich noch inniger aneinanber angeschloffen. Nach jener Beichte an ber Bahre bes Verstorbenen war es Graf Hartwig gewesen, als übertrage ihm ber Vater bie Pflicht, nun boppelt liebevoll gegen bie Mutter zu iflin.

Kein Sohn war so rücksichtsvoll, selbAos unb opferfreudig, wie Hartwig, keine Muiler so stolz und Gott dankbar, wie bie Schloßfrau bes Grasenhorstes.

An ber Beratung ber Männer am Fmnilientage hatten bie Frauen keinen Anteil; später zk^inte ein fröhliches Mahl bie beiben Geschlechter, unb heitere Geselligkeit füllte bie Räume des Stammschlosses.

In ber „Kemenate" Frau HebwigS saßen mehrere .Pfeileckfche Damen, währenb bie Jugend sich in bie änberen Zimmer verteilt hatte Die Gattin btS Tie-

"ebst jüngster Tochter, einem munteren d)$e.n' hatten den alten Herm begleitet; die

Landrat war erschienen, und die Dedenui-r^^defi^er von Winkelheim, Scherrau und aus TÄritet,n,feWwbenb ihre Männer. Auch hätten um w?™ Mitglieder vertreten; sie

jnrf dm man ben Kamilienlag versäumt,

DieDame^^k hindurch freute.

se» bes Kapitals am besten für bas nächste Jahr zu verwenben seien.

Frau Hedwig hatte hier ben Vorsitz, wie ihr Sohn bei ber Beratung ber Männer; heute war sie jeboch nicht wie sonst bei ber Sache, ihre Augen irrten ost ?um Fenster unb schauten nach der Stelle, wo bie Pfrilburg lag, bie man indes von hier au8 nicht sah weil ber Wölb sie verbarg.

Die Damen hatten sich getabe dahin geeinigt eS solle ein Armmhaus in Tiefenhall erbaut unb' bie Waisenanstalten erweitert werben, als ein etwa vier­zehnjähriger, hübscher Backfisch in das Erkerzimmer stürmte mir dem Ruf:

„Mama, Mama, weißt Du es schon, bei „wilde Pfeileck" ist zurückgekehrt! Tante Hulba erzählte eS mir soeben!"

Gräfin Hebwig beugte sich tiefer über bas Buch in welches sie Zahlen notierte.

„Wirklich?" rief bie lebhafte Frau Landrat.

„Wußtest Du eS, Hebwig?"

„Ja", klang es zurück, „ich erfuhr es vor Eurer Ankunft."

„Mamachen, mir ist ganz unheimlich, sett bet böse Mensch in ber Nachbarschaft ist", flüsterte bie kleine Ella von Pfeileck, sich an bie Mutter anschmiegend

„Wo unb wie mag bie Tochter Günther Erichs fern? Schlecht genug erzogen ohne Zweifel", bemerkte eine sehr emft aussehende Matrone, Mutter von secks Söhnen, bie sie mit soldatischer Strenge erzogen

„Ww muffen uns hüten, bem armen Mädchen mit £^teiIc2uAUr belleynen", warf die freundliche Ftei- ftmi von Pfeileck auf Tiefenhall ein, „vielleicht ist sie gor nicht so, wie wir beulen, vielleicht verbient sie unfere Liebe unb Achtung." ni ,te

Apfel fällt nicht weit vom Stamm" meinte

6tl4e s, vte Tochter solcher Eltem!

„Rottraut — so heißt bie Tochter des wilhen M^eck" — ist mit ihrer Schwester von zartester Ju- gend cmf ta einem vortrefflichen englischen Pensionat Een erzählte eine junge, fteunblich aus sehende

die «st Jett turnet Zeit verheiratet war und aus eutschland stammte.

-Sie schein« ja recht genau unterrichtet zu sein.

Liebste", lautete bie spitze Entgegnung einer alten Jungfer, bie man wegen ihrer Bosheit fürchtete. „Woher haben Sic benn Ihre Nachrichten, wenn man fragen bars?"

„Meine ältere Schwester ist in Englanb verhei­ratet", erwiberte bie junge Frau mhig. „Sie kennt Rottmut unb ihre um sechs Jabre jüngere Schwester MlliS, ba ihre Tochter eine Schulsreunbin ber letzte­ren ist. Günther Erich heiratete bekmmttich zum zwei­ten Male, auch biesmal freilich nicht stanbesgemäß."

„Unb wer war benn eigentlich seine zweite Frau?" unterbrach sie eine Stimme. „Wahrscheinlich eine Balett-Tänzerin ober Zirkus reiterin, da bie erste Freifrau eine Chansonettensängerin bie Ehre zu sein gehabt hat."

„Entschuldigen Sie gütigst, mein Fräulein. Die zweite Frau war eine sehr schöne unb feingebilbete Deutsche, welche in einer aristokratischen englischen Familie als Lehrerin angestellt war. Sie liebte ben glänzenden Kavalier unb folgte ihm als sein Weib nach Wien. Die Unglückliche blieb aber nur einige Jahre bei bem leichtsinnigen Gatten; er war auch ihrer überbrüffig geworden und ließ sie gern gehen- Durch Vermittlung von Lady Deepmoore, bei der sie als -Ertteherin gewesen, erhielt sie bie Stelle einer Vor­steherin in bem Institut, in dem bie beiben Töchter Günther Erichs ihre Ausbilbung genossen. Vor zwei Jahren ist sie gestorben, ihre kleine zarte Willis ber lieb.'vollrn Obhut ber älteren Schwester anverirauenb."

„Nun, bas Hingt so übel nicht", meinte bie Frau Lanbrat, „es ist ein Glück, daß bie Kinder so wenig vom Vater wissen."

„Rottraut weiß, baß er sie unb ihre kleine Schwe­ster gebrandmackt, sie weiß, baß er ehrlos ist, daß man sie mit Milleib unb Verachtung betrachtet. Ihr Stolz leibet sehr schwer herunter, ich weiß es durch meine Schwester."

„Wie ist denn eigentlich diese Rottraut von Pfeil­eck, die nun unsere Gegend unsicher machen wirb?" fragte die spitze Stimme beS alten Fräuleins neugie­rig- „Wahrscheinlich schön, klug, gut unb ein AuS- bunb aller Tugenben, nicht wahr?"

„Sie werben ja selbst urteilen können", versetzte die junge Frau. „Wenn ihr Vater sticht, wird Rot.

traut von Pfeileck doch gewiß in ihre Heimat kom­men, um ihm die letzte Ehre zu eriveism."

Gräfin Hebwig hatte kein Wort gesprochen, nur gespannt zugehört. Jetzt erhob sie fich unb sagte bann:

„Ich höre bie Stimnie unserer Herren. Wenn? gefällig ist. meine Damen, tvollen wir ste begrüßen unb bann in bas Speisezimmer gehen, wo bk Tafel unser schon lange harrt."

Die Damen folgten ber Schloßfrau; eS fanb eine allgemeine Begrüßung statt, bann ordneten sich bk Paare je nach Belieben- Der stattliche Sohn bei Hanfes, ber junge Graf Harttvig, unb seine Mutter schritten voran, so erheischte eS bie Sitte, unb in hei­terem Geplauder folgten bte Gäste des GrafmhorsteS

„Meine liebe Mutter", sagte Hartwig leise zur Gräfin. „Du siehst müde aus. Fühlst Du Dich etwa nicht wohl?"

,, die traurigen Augen zu ihm empor und schüttelte stumm den Kopf, er aber drückte ihren Arm ninig, verstand er doch nur zu gut ben Aufruhr In tbrem Herzen, benn auch sie mußte bereits von bet Heimkehr Günther Erichs gehört haben.

Es war eine stattliche Tafelmnbe, bie sich in bie* fern Jahre um ben langen Eichentisch beS Grafen­horstes versammelt batte; nun waltete bie Fröhlichkeit, die Gesichter strahlten, Scherz unb Wihworte flogen heniber unb hinüber. Die Diener in Kniestrümpfen unb ber blauen, mit Silber reich verbrämten Livree glitten geräuschlos hin und her: auf bem kunstvoll geschnitzten Krebenzttsch staub bie große Kristallbowle, bie der Major mit Kennermiene gebraut, bie kleinen Gläser klangen hell aneinanber unb Toaste unb Trink- sprach: wechselten ab- Fräulein Hulba beklamierk voll Pathos ein selbstverfaßtes Gebicht zu Ehren be8 Tages. Die jungen Offiziere, Stubenten unb Refe­rendare waren so begeistert, daß sie die „Familien* bichterin" bieimal hoch leben ließen, wofiir Hulbchen hochbeglückt bankte.

Unb währenb dessen schimmerte ein einsames Licht aus dem Fenster ber Pfeilburg durch bie Nacht. El kam aus bem Zimmer Gunther Erichs, bes Gebrand- martten, ber, fein sündiges Leben hinter fich, vor den ewigen Richter berufen wurde.

(Fortsetzung folgt*