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37. Jahrgallg

Fulda, Samstaq den 5. Februar 1910

drittes Wlertt

Reklamen- und Anzeigenteil

Die siebente Gram

lautet ein charakteristisch. Wort, mit dem in gtOckticher Stunde die Bedeutung und der Einfluss der Presse bezeichnet worden ist. Wer sich über diese Grossmacht genau und fortlaufend unterrichten will, muss den „Zeitungs-Verlag*, das offizielle Organ des Vereins Deutscher Zeitungs­verleger, Hannover, lesen, e Abonnements­preis viertel}. 3M. Probenummern kostenlos.

schlöffe werd« für den sozialen Fried« und die wirt' schastliche Wettermtwickrlung von allergrößter Bedeu- tung sei».

und wuchs wie ein wildes Reis empor, von den Dienst- leutm umschmeichelt und bald ebmso sehr gefürchtet denn nur zu früh lernte er seine Macht kenn« und ükm.

Schon als Jüngling munkelte man Unvorteilhaftes über ihn, er war mit achtzehn Jahr« ein Lebemann, der alle Genüffe kannte. Ein leidmschastlicher Spie­ler, hatte er mehrfach große Summen verloren, und als der Vater ihn deshalb zur Rede stellte, verstand er eS, sich Geld von Wucherern zu verschaff«.

Günther Erich war um diese Zeit ein bildschöner Mann, auSgestattet mit Hervorragmd« Geistesgabm und einem bezauberndem Wes« in der Gesellschaft. In Wie» und Paris, wo er die brib« letzten Jahre gelebt, hatte er trotz seiner Jugmd eine große Roll« gespielt und dm schäumend« Becher der Lebens­lust in tief« Zug« gekostet. Das Geld rollte leicht durch sein« Finger, und man erzählte stch von sein« kostspielig« Saunen, von feiner grenzenlosen Ettel- kett, die eS all« zuvor tun wollte, ohne se daran zu denken, daß auch der tiefste Säckel erschöpft wer» dm kann.

Zwischm dem Grafenhorst und der Pfeilburg la- gm nur einige Kilometer. Die beidm Brüder Kuno und Albrecht hatten sie erbaut; seitdem warm viele Generation« hier heimisch gewesen, viele Särge hattm chrm Platz in der Waldkapelle gesund«, wo jung und alt im letzt«, langen Schlafe ruhten. Gleich einem Kranz lag« in näherer oder weiterer Entfernung die anderen Güter der Pfellecks zu Füßm der beiden Hauptschlöffer, deren Eigentümer stch mit zäher An­hänglichkeit auf der heimisch« Scholle gehallm hattm. Drüben am See leuchtete daS weißgetünchte Tiefen» hall; Dedmweiß lag hinter dem Walde, und Scherrau und Winkelheim konnte man nach zweistündiger Fahrt erreich«. Eine große Hafmstadt befand stch in der Nähe und auch dort lebten mehrere Vertreter der Fa» mitte, Offiziere, Beamte, Wittvm, alle Junggesellm und Fräuletu»; sie alle zählten sich mit Stolz zu dem Geschlecht und hielt« den alten Wappenspruch: .Ehre und State' hoch. Und doch gab eS ein Glied der Kette, das faul und morsch war, eS gab ein« Pfeileck, der von fein« Blutsverwandten verstoß« und nicht mehr als ihrrSgleichm anerkannt wurde. Er haste « reichlich verdient, war er doch so völlig aus der Art geschlagen und hatte Dinge getan, die eines Edelman- u«S unwürdig, ihn zu einem Hochstapler und Betrü­ger herab würdigt«. Daß dieses schwarze Schaf der Besitzer der Niesten Burg war, daß er die Pflicht hatte, ein Ehrenmann durch und durch zu sei», statt dessen aber et» Taugenichts war, daS verzieh man ihm nicht. Der .wilde Pfeileck', wie er icklgemein hieß war ein Mensch, dem eine gütige Fee alle Gabm in' di« Wiege gelegt zu hab« schim, die ei» irdisches Wes« besitz« mußte, am glücklich zu werd« Sein Baier, Günther Freiherr von Pfeileck, hatte ein« reiche Erbin geheiratet und da» Gut durch sahrelang« kluge Bewirtschaftung gehobm und gebeflett. Im eisern« Schrank häuften sich die zinstragenden Paplerr, und al» der ältere Freiherr leider allzufrüh sterb, trat sein einziger Sohn Günther Erich in dm ungeschmälert« Besitz de» fürstlich« Vermögen». So streng der Va­ter auch über viele« dachte, sein vergöttertes Kind hatte a maßlos verwöhnt und chm in allen Stück« dm Will« gelassen. Der Rnabe verlor früh die Mutter

ter und behielt eine leichte Steifheit der Unten Arme» als unangenehmes Andenk« an den »wild« Pfeileck^ Nun mußte er in die Stadt und in die Klinik de» ProfefforS L., der ihn erst nach Wochen vollständig he»> stellte. Der fatale Zwischenfall war dem jung« Gra­fen aber jetzt besonders unangenehm, da er stch um die Gunst eines schön« Mädchen» bewarb, und, rote er hoffte, mit Erfolg. Er stand auf dem Punll, sich ihr . zu erklär«, als ihn da» Mißgeschick ereilte und et vorläufig den Gedanken aufgeb« mußte, Sch daS Iw wort zu holen.

Kurz bevor er nach Hause zurückkehrte, erfuhr er, daß sei» leichtsinniger Vetter stch mtt derj«igm ver­lobt hatte, di« ihm so teuer war. Sie hatten sich auf einem Ball in der Nachbarschaft tennra gelernt, und der sonst sehr wählerische Günther Erich war sofort be­zaubert. Gewöhnt, alle», waS er begehrte, zu beste tzen, zaudette der Sieggewohnte nicht, und streckte keck die Hand nach der hold« Mmschenblume auS, die ein anderer wett mehr und tiefer ast» er liebte.

Zahlreiche Schmarotzer umgab« d« reich« jun­gen Mann und beuteten ihn schamlos an». S» ging lustig auf der Pfeilburg zu, die Münzend restauriert Word« war und in der sich prunkvolle Feste. Jagd« und Gesellschaften in bunter Reihenfolge ablöst« Und trotz der unharmonisch«, fremd« Elemente verkehrte der Adel der Geg«d dennoch mtt Günther Erich. Nur der Besitzer de» Grafenhorst», Hermann August, hiell Ach fast feindselig fcra und lehnte alle» Entgegäckom» men de» Vetter» kühl und entschied« ab.

Günther Erich» Ettelkett beschlich ihn, sobald er tat Namen de» Graf« hörte. Einmal traf« aus einer der groß« Herbihagdeu die beiden Gegner gufam» men, st« ignorierte» stch völlig und Günther Erich er­laubte stch einig« verletzende A«ßerung« über d« verhaßt« Detter, bte diesem zu Ohr« tarnen. Eine Forderung war die Folge.

Hermann August bekam et»« Schuß tu bte Schute

Erscheint täglich mit Mmnahwi« bet $♦» »ÄietertMtVterttfe sApvch^Semasprei» oh«e»kt»-rrtehnm,d vest«Midi»,tz«kraf». rott aus» orts 1^50 St­

ein so flotte» Regiment auf der Pfeilburg führtet Lange duldete es übrigen» Günther Erich auch nicht

Hermauu August aber ordnete nur seine Geschäfte daheim, bann schnürte er sein Bündel und verließ dit

Kasseler Hafer-Kakao wird, als Kinder-Frühstück, tausendfach ärztlich empfohlen.

Nur echt in blauen Karton» fttr 1 M? niemals tos*.

an einem Ort. Al» die Jagdzeit vorüber war, zog ei ihn in die Städte zurück, in dm« er seine Jugend au»- getobt. Seine Braut liebte ihn leidenschaftlich und der Abschied fiel ihr sehr schwer. Die Elte« be» jung« Mädchen» hatten sich anfänglich bedacht, ihre Einwil­ligung ga der Verlobung mit einem so leichtsinnig« Mensch« zu geb«, Günther Erich» Versicherung« jedoch, «r wolle sich ändern, und die entschied«« Nei­gung Hedwig» bestimmt« sie, nachzugeben. Herr von Rödler, ihr Vater, verlangte aber entschieden, daß da» Paar auf-der Pfeilburg leb« und Gunther Erich stch persönlich um die Verwaltung seiner Güter kümmern feilte. Ziemlich verstimmt mußte er das versprechen. Die Hochzett wurde auf Öfter» festgesetzt, bi» dahin beabsichtigte der angehende Ehemann, sich noch einmal in den Strudel de» Vergnügen» zu stürze»

- Dortketzmra foIoMi

vermischtes.

§* Der Komet 1910a ist jetzt nur noch im Fern­rohr zu sehen und bewegt sich vom Stembilde des Wassermanns durch das des Pegasus.

* Der abgehauene Arm. Der „Vorwärts" brachte jüngst die Sensationsmeldung, daß bei der Wahl- rkchtsdemonstration in Braunschweig einem Knaben durch ein« Schntzmannssäbel der Arm abgehauen wordm sei. Die Meldung hat sich als unwahr heraus- oestellt. Der betreffende Lehrling ist ermittelt und hat erklärt, daß er an einer Stelle, an der kein Zu­sammenstoß stattgefunden habe, umgestoß« worden sei und dabei sich den linken Unterarm gebrochen habe. Mit einem Polizeibeamten sei er überhaupt nicht zu- sammengetrofsen.

s Ein kühnes Projekt. Von einem wagemutig« d«ffch-amerikanischen Joumalisten Brücker geht der Plan auS, im Luftballon btn Ozean zwischen der nm« und alt« Welt zu überqueren. Die Gondel wird ein größeres Motorboot bilden, das den Lust­schiffern im Notfall zur Rettung bient Man hofft, unter Bmutzung der sommerlichen Pastatwinde, die lteberfahrt in 4—5 Tagen machen zu könnm.

* Eine entsetzliche Tat verübte im Irrsinn in dem italienischen Orte Gros feto eine Bäuerin. Sie stach ihrem schlafend« Gatt« mit einer Gabel die Au- gm aus und verletzte auch ihre Kinder schwer.

* Ein Patriot. Ein Berufskollege des berühmt« Schusters und Dichters Hans Sachs lebt in dem klei­nen Oertchen Mannebach im Hunsrück. Run ist die­ser Hunsrücker Schuhmachermeister seinem großen Kol­leg« aber nicht allein hinsichtlich der Mffenschaft über

die Geheimniffe der edlen SchuWckerei ebenbürtig, sondem er versteht eS auch, seine Gedank« in poetische Form« zu gießen und al» echter Patriot an Kaiser» Geburtstag bekannt zu machen. Er hatte nämlich an diesem Tage an der Türe seiner Werkstätte folgen« des angehestet: „Heul' wird nicht geschustert, Heus wird nickt genäht — Heul' ist der Geburtstag Sr, Majestät!"

* Die rollende Sparbank. Ein englisches Bank­unternehmen hat ein großes Automobil als Spar­kaffe und Wechselstube eingerichtet, das bestimmt ist, nach einem genau festgelegten Reifeplan eine Reih« kleiner Dörfer und Städte regelmäßig zu besuchen, die bisher keine eigene Bankstelle besaßen. Der Wage» ist völlig als Wechselstube eingerichtet; man sieht barte den Wechseltisch mit Schalter, hinter einem Gitter dit Pulte der Beamten und im Hintergrund einen feuep ficke« Kaffenschrank, der die Ersparnisse der Land betroffen«g aufnimmt und hütet. Wenn das Unter# nehm« Erfolg hat, wird voraussichtlich ein autom» bllistischer Bankdienst durch ganz England errichtet

Deutscher Reich.

j Da» Oldenburgsche Kraftwort wird von dm Sozialdemlckrate» fleißig weiter ausgebeutet. Ihr ist jedes Sättel recht, die Angelegenheit aufzubauschen, um wieder Stoff zu einem Hetzfridzuge zu haben. Da­her wurde» flugs drei sozialistische Volksversamm­lung« in Berlin abgehalten. Die Resolution die dort angmommm wurde (natürlich einstimmig) ist eine Prachtleistuug an zielbewußter Uebertreibung. Erstens werd« dem Abg. v. Oldenburg ohne weiteres .verbrecherische Absichten" zugeschriebm, und zweitens wird dann frischweg behauptet, diese verbrecherrschm Absichten feten .unter dem Beifall und der Zustimm­ung der herrschenden Junkerkaste" geäußert worden. Es ist doch «in starkes Stück, eine solche Behauptung in die Wett hinauszuposaunen, nachdem die konser­vativ« Partei fick entschieden verwahrt hat gegen dir sog. verbrecherischen Absicht«. Die SiHialdemokratte kommt bei ihrem lärmend« Widerspruch gegen .Rechtsbruch. Gewalttat und Derfassungsverletzung" in ein eigenartiges Gedränge. Die ,Kr«zztg." weist treffend darauf hin, daß gerade diese zur Zett so recktsbefliff«e Sozialdemokratie dm Umsturz der bestehende» Ordnung sich zum Ziele gesetzt und durch ihre Führer erfldrt hat, Verfaffungseide feien Zwirnsfäden, über die das revolutionäre Volk nicht stolpern würde. In der Tat, darüber ist ja kein vernünftiger Mensch im Zweifel, daß an demselben Tage, an dem die Führer der Sozialdemokratie die Macht in di« Hand bekämen, nicht zehn Mann, son- drm einige Tausend in die Parlamente einbringen würden, um die »reaktionäre Mehrheit" wenigstens nach Hause, vielleicht sogar ins Gefängnis oder an dir nächst« Laternenpfähle zu befördern. Die »sittliche Entrüstung" der Gewaltpolitiker von links über einen Krastredner von rechts ist nur Schauspielerei. Leider gibt es aber unklare Köpfe genug, die stch trotz alledem von einer künstlichen Hetze mit fortreiß« lassen, und deshalb bleibt der Augeblicksausbruch des Olden- burgschen Temperaments als eine politische Torheit zu Bebauern.

§ „Der christl. Vater an seinem sozialdemskratischen Sohn". Unter dieser Ueberschrift veröffentlich« so­zialdemokratische Blätter einen Brief, den ein .Ge­nosse" in Bad« von seinem besorgt« Vater erhielt. Der Brief ist zwar in mangelhafter Orthographie ge­schrieben, aber er verrät doch in rührender Weise Sie Sorgen eine» christlichen Vaters um das Wohl seines Sohnes. Wa» für ein jämmerlicher Patron muß die­ser Sohn in der Gesellschaft der .Genossen" gewordm fein, daß er d« Brief des eigenen Vaters dem öffent­lichen Gespötte preisgibt, und welche Gesinnungsroh- hett der sozialdemokratischen Preßl«te gehört dazu, ihn ab zud rucken!

— Der Chriftusleugner Professor Drews, von desi« Vortrag in Berlin wir berichtet haben, war kurz vorher auch in Jena, mitten in der Hochburg der liberalen Theologie als Reiseprediger ausgetreten. Er sprach im Vo!k»- hanssaal über die Frage nach der historischen Wirklichkeit Jesu. ES mag Profeffor Drews nicht wenig überrascht haben, aiS ihm dort eine Reihe UniversitLISprosefforen mit Energie entgegen- traten. Der .Schwäbische Merkur' berichtet darüber:

«Rach Profeffor DrewS ist Christus ein Kultheros, dessen Kult lange vor Christus begonnen, der vielleicht mit dem Josua in der Bibel identisch ist. Profeffor Drews beweist etwa wie folgt: Da die Evangelien nicht vor 70 n. Ehr. abgefaßt sind, ist Paulus der älteste Z«ge. Von den pautinifchm Brief« sind aber höchst«s vielleicht vier: 1. und 2. Storr., Röm., Gal., echt. In dies« Brief« spricht der Apostel nichi» vom

D Em Rieseulampf.

«Jn des politisch« Wirrnissen der letzten Zeit hat ma» »ehr und mehr übersehen, daß unser Wirtschafts- lebm augenblicklich von einem Riesenkampf bedroht wirb, wie ihn Deutschland »och nicht erlebt hat. DaS ist nicht der Lergarbeiterstreik gegen d« Zwangsar- beitSnachwei» der Arbeitgeber: der soll ja nach allem, wa» darüber bekannt geword« ist, vielleicht erst nach Jahresfrist komm«. Brennender ist die Frage des aHgemein« Bauarbeiterstreik» oder einer allsemeiu« Bonarbeiter-AuSsp erriung.

Die Sache ist, kurz dargestellt, die: Sett mehrer« Jahr« sind di« Bauunternehmer aller Art zu Arbert- geberorganisation« zusammen geführt worden. Diese Arbettgeüerbünde haben mit den Vereinigung« der Arbeiter wiederholt Tarisoertröge abgeschloffm, die sich für beide Telle als seg«sreich erwiesen haben. Diesen aber die Verträge ab, dann gab es stets grö­ßer« Auseinandersetzung«, bte meistens friedlich aus­gingen, hin und wieder aber auch zu einem Kriege, zum Ausstand« oder zur Aussperrung führten. Nun ist in bat Köpfen der Geschäftsführer dieser Arbeits­nachweise die Erkenntnis gereift, daß di« Situation der Arbeitgeber besser sek, wenn man all« Bunde ge­meinsam gegen die Arbeiter in den Krieg führe. Vor­aussetzung bafür war nun die Sammlung aller Unter­nehmer. In dieser Beziehung bestand« insofern Schwierigkeit«, als gerade die beruflich und geschäft­lich tüchtigsten Unternehmer für diese Bestrebung« sehr schwer zu gewinnen war«. Aber an der Spitze dieser Bestrebung« standen Generalsekretäre, die diese Orgam'sation als ihr« Lebensberuf ansah« und für die Abwehr der Achetterinteressen mit wahren Mini- siergehältern besoldet wurd«. Diese Leute hab« e» nach und nach fertig gebracht, die Bunde zufammenzu- bringen. Der Zusammenschluß wurde nun zu dem gemeinsam« Beschlüsse benutzt, alle Tarifverträge an einem einzige» Zeitpunkte ablauf« zu las­sen. Dieser Dermin ist der 31. März 1910.

Die Verhandlung«, die darauf über ein« neuen Vertrag eingeleitet wurden, warm nicht örtlich, sie betreff« vielmehr da» ganze Reich und spielen sich zwischen den Zentrcckmstanz« der Arbeiter und den Zentralmstauz« der Unternehmer ab. Sie sind vor einiger Zett io Berlin gepflogen worden, haben aber nicht zu einem Ergebnis geführt. Es stehen sich dabei die Sßertreter von 22000 Arbeitgebern und ca. 300 000 Bauarbeitern gegenüber. Kommt eS zu der Aussperrung, dann werde» 300 000 Mann arbeitslos werden. Das würde für unser Wirtschaftsleben den täglich« Verlust eines Arbeitswertes von 2% Mil­lionen Mark bedeuten.

Die erwähnt« Berliner Verhandlung« hab« ein Ergebnis nicht gehabt, well die Unternehmet eine Klausel verlangt«, die ihn« die MöglichkeN geben sollte^ solch« Arbeitern, di« nicht et» bestimmtes Maß von Arbeit leisteten, geringer zu entlöhn«. Außer­dem stemmten sie sich mit aller Entschiedenhett geg« die Verkürzung der Drbeitszett. In beiden Punkten hab« ine Arbeiter bisher an den Beschlüff« ihrer Generalversammlungen festgehalten. In dem ersten Punkt find Re der Ansicht, daß eine derartige Klausel den Stoettgefrem die Möglichett schaff« werde, die Verträge zu umgeb« und die Löhne yembzudrücken. Im zweiten Punkte verweis« sie auf die steigenden Schwierigkeiten der Arbetter bei dec Auffuchung der Arbeitsstelle, bte in groß« Stadt« oft mehr als llundeulange Wege zur Arbeitsstelle haben, und die »a6ei bedingte Zerreißung de» Familienleben».

So sind denn die Berliner Verhandlung« geschei­tert, bte Zentrale der Arbeitgeberbunde im Bauge­werbe hat die Haltung ihrer Delegierten bei dies« Be- eotnngen gebilligt, und am 24. Februar wird in Ktraßburg eine Konferenz der gesamten Ar­beitgeberverbände zusammentveten. Die Be-

Ein täglicher Begleiter.

Nicht nur bei Hurt« und Katarrh als Folge de schlimm« Herbst- und SBinterro ttter ung schätzen Ta» sende in den berühmte« Wybert-Tabletten em vorzügl liches Lmoerungsmtttel, das rote kein anderes geeignet ist, als wahres Hausmittel za bienen. Beinahe noch größer ist die Zahl derjenigen Personen, bei welche« Wybert-Tabtett« im täglichen Gebrauch steh« al» außerordentlich angenehmes Bonbon, da» bei anhate kendem Sprechen den Mund feucht erhält, daS beim Singen der Stimme Wohlklang und Straft verleibt kurz das Unzähligen von Mensch« zum unenlbehM lieb« täglichen Begleiter und Beschützer geworden ist Sie finden Wyvert-Tableten in Schachteln i. Mk. 1. < in allen Apocheken. Depots in $»lbe; Lngel-Apothete' Hof-Apochek« * Löwen Apotheke

(Seßrandmarfit

i] Roman von G.Freifrau von Schlippenbach

L Kapitel.

Auf de« Tur« des .Grafeuhorpe»* flattert« bte Mau und weiße Fahne des Graf« vo« Pstileck. Der leichte Herbstwmd strich um das alte Gemäuer, und bte Abendsonne glänzte in des Fensters, die aus Beinen Viereckige» Scheiben bestand«, welche unregelmäßig Jn bte bäte» Wände des Schlosses «iugefügt waren.

Seit vielen Jahrhundert« erhob sich der schwer- ftillige Ban auf dem fest« Kegel, der so schroff war, daß man ihn nur schwer anders al» zu Fuß erklim- me« konnte. Oben «gelangt, schöpften bte meist« «es Atem und schauten bewundernd in die heCTliche Ge­gend, die sich zu Füßen des Grafenhorfte» ausbreitet« und deren landschaftliche Schönheit berühmt war. E» «ab Flüge und Beat, Wälder und Täler, dazwischen Vorwerke, blühend« Dorfschaften und viele umliegmde Güter, die zwntell im Besitz de» alten Geschlechts derer Po» Pfelleck stand«.

Sett und«klich« Zeiten toaren sie hier ansässig und zählten gn dem vornehmsten Adel de» Lande». Wrafmhorst war der Sitz des Oberhaupt«» der F» Milte, daS immer dm Grafmtitei führte, währmd die Itorigen Glieder de» Geschlechtes sich Freiherren nann­ten. Da» Geschlecht war wett verzweigt, und bte GlückSgüter toaren ungleich verteilt; «8 gab viele arme Pfeilecks, die neben ihrem alten Wappenschild« nichts schwer und hart um das tägliche Brot

Grafenhorst war die Pfeilborg da» ,der Famlli«. Im Mittelalter hatten die schätzt. SEteiito-i^L ^gend gebrand-

ttner Febde eine Feuersbrunst infolge

tza- And traftia ^tnt?„^1T noch da» Hauptgebäude

Tal Man könnt, s ^^te bas ehemalige Raubnest

Milderten. Sanken Umgegend

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historisch« Jesu, nicht» von seiner hoh« sittlichen Persönlichkeit, nichts von feiner Geburt, seinem Leb« nfro. Wohl find einige Worte ,Jeiu' Mert, da» find aber offenbar spätere »Einschübe». Die heümffchm und jüdffch« Schrtsisteller jener Zett wist« überhaupt nicht» von Lhrtstus; alle Zitate in Josepha» u-s.w. fiod Einschübe, auch die Stelle bei TacUus, da die neronffche Thrtstenverfokgung auch ein Mythus ist. Hebetbaupt wimmelt die älteste Zett von »christlich« Fälschungen'. Also: Alles, was von einem historisch« Jesus erzählt wird, ist Sage. — Als Redner gegen biete Ausführungen traten die Professoren der Theo­logie: Thümmel, Wemel, Stärk und Härtlein auf. Besonders scharf polemisierte Professor Weinei, aber nicht auf G«nd hypothetischer Annahmen, sondern durch Heraushebung des geschichtlichen Materials und der historischen Tatsachen. Alle bisherig« Chnstusleugner hätten, so sagte er nach einem länger« Referat der Jenaer Zeitung' u. a, in Erkenntnis der Wichtigkeit der pauliniichm Zeugnisse, zuerst die Echtheit derfelb« bestritten. Echte Paulu-briefe und Christi Ungeschichtlichkeit zugleich an,unehmen, habe noch keiner gewagt: da» sei Herrn Drews vorbehalt« gewesen. Dann stellte Professor Wemel die geschichtliche Gewißheit der Quellen der Evangelien, rote die unbestreit­bare Möglichkeit, sie aus unteren Texten herauszuholen, fest und zeigte an einem frappanten Beispiel, rote die Sprüche Jesu nach einem mnemotechnuchen System geordnet, nach Stichwörtern, sich leicht und fest dem Gedächtnis einpräg« konnten und io eine Gewißheit der richtigen Hebet rietetung garantieren. Nach Drews Methode fei es allerdings leicht, jede historische Per­sönlichkeit, von der wir keine per önlichen oder gleich­zeitigen Urkunden haben, wie ». B. Sokrates, als un- aeschichtsich zu beroetjen. Man leugne einfach den Wert der Tradition, als ob nicht schon die Existenz derselben zu erklären wäre. Nicht die »rtslliche Theo­logie habe darum die Glaubwürdigkeit der Tradition zu beweis«, wie Drcws wolle, fonde« ihm obliege Die Beweislast, dreie ganze Tradition zu zerstreuen. Nach allgemeiner Ansicht hat Professor Drews hier eine schwere Niederlage erlitten.*

Es ist jedenfalls ein erfreuliches Zeichen, wenn nun auch von prolestanltscher Seite den Vertretern des modernen Heidentums mit Nach­druck entgegengetreten und daS „wissenschaftliche* Mäntelchen, in das die Herren sich zu hüllen lieben, etroaS gelüftet wird.

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Anläßlich deS TodrS feine» Batet» kehrte Gün- Gegmd, Me ihm verleidet war, fett der nm« Herr ther Erich bann in bte Heimat zurück. . - - ----- — ■