Einzelbild herunterladen
 

•Metat »,«ch wH frtsnabme frei So.m- »«d Feiertage viertel« jährliche'verngrprelr ohne vringrriohn und vestekgeld inZuldafs- wie auswärts l.sollt L

Verantw. Redakteur, «art Schütter str dir Anzeigen:

Z.parzeLer tnSulöa.

Maer W Zeitung

monatsbcitoge: .Luldaer Geschichtsbiätier"

wochenbeitas«:,Illustrierte Zonntagszeitung"

>»zri-e«: vte er» spaltigepeMreileoder deren Saum 15 Pf-. Rekiamendlepetitzeile 25 pfg., de, Wieder­holungen wird entspr.

Rabatt gewährt.

»atationrdruckund Verlag der Zuldarr Ak- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher M. 9.

M 26.

Fulda, Donnerstag den 3. Februar 1910.

37. Jahrgang.

Zweites Btcltt.

X Der sozialdemokratische Wahlsieg ' in Eisenach-Dermbach.

Nach dem amtlichen Ergebnis haben bei der Reichstagsersatzwahl Dr. Appelius 5789, Herr Häd- rich 4399 und Herr Leber 10217 Stimmen erhalten. Zersplittert waren 14; die Mehrheit für den Sozialdemokraten betrug also nur 15 Stimmen.

Es härte also nur geringer Mehranstrengungen der bürgerlichen Parteien bedurft, um eine Stichwahl mit Aussicht auf Zurückvrängung der Sozialdemo­kraten herbeizuführen. So aber ist es den Roten gelungen, mit knapper Mehrheit dm Wahlkreis zu erobern. Ihre Fraktion, die 1907 auf 43 Mann berabgedrückt war, ist durch die Erfolge bei den Ersatzwahlen auf 47 gt fliegen.

Das Anwachsen der sozialdemkralischen Stimmen und Mandate ist ein sehr ernstes Zeichen der Zeit. Aber durch das Triumphgeschrei der Roten darf man sich in einer ruhigen, nüchternen Betrachtung und Abschätzung der Vorgänge nicht stören lassen. Der Erfolg im Rreife Eisenach-Dermbach ist nicht besonders überraschend oder überwältigend. Die Zentrumskorrespondenz Nienkemper führt hierzu aus Grund derselben Erwägungen, dmen wir bereits Ausoruck gegeben haben, aus:

Im Jahre 1907 hatte der Deutsch-Soziale Schack mit etwa 300 Stimmen gegen den Sozialdemokraten in der Stichwahl gesiegt. Die Entscheidung stand allo dort schon längst auf deS Mesters Schneide. Dabei ist zu berücksichtigen, daß durch das schwere Aeraernis, daS der bisherige Aba. Schack mit seiner „Slnole* angerichtet hatte, die dortige Wählerschaft weithin in Verwirrung gebracht war. Das Wahlergebnis kann nicht als gemeingiltigeS Muster gelten, da diese be­sonderen persönilichen und örtlichen Verhältnisse ein- gewirkt haben. Im Vergleich zu dem ersten Wahlgange von 1907 stellen sich die Ergebnisse der jüngsten Wahl so: der nationalliberale Kandidat hat (nach den bei der Niederschrift dieser Sätze vorliegenden Zahlen. D. Red.! 5786 Stimmen aulgebracht, damals 6089, also etwa 300 Stimmen ver­loren. Der deutsch-soziale Kandidat hatte jetzt 4356 Stimmen, damals 6986, also ein Verlust von rund 2600 Stimmen. Der Sozialdemokrat brachte es aus 10250 Stimmen, damals auf 7875, hat also fast 2400 Stimmen gewonnen. Auf den ersten Blick könnte man nun denken, die dritthalbtausend Wähler, die der bloß- aestellten, deutsch-sozialen Partei abhanden gekommen, seien fast ganz der Sozialdemokratie zugefallen. Das wäre aber eine irrige Annahme. Von den verägerlen Wählern des früheren Abg. Schack wird ein Xetl zu Hause geblieben, ein Teil zu dem national- liberalen Kandidaten übergegangen sein; es hat chöchuens ein kleiner Rest seine Mißstimmung in einen sozialdemokratischen Stimmzettel austoben lasten. Etnen Fingerzeig zur Lösung des Rätsels gibt der Um- 'stand, daß die Zahl der Stimmen für den national- liberalen Kandidaten trotz des zweifellosen ZufluffeS von srnheren Deutsch-sozialen abgenommen hat. Offen­bar sind von denjenigen Wählern, die 1907 für den Liberalismus stimmten, jetzt eine beträchtliche Menge zur Sozialdemokratie übergegangen. Die Reibereien, die zwischen den Nationalltberalen und den Freisinnigen wegen der Auswahl bei .gemeinsamen" Kandidaten stallgefunden hatten, bestätigen diese An­nahme. Vielen Ltnksliberalen war auch der im zwei­ten Anlauf nominierte Nationalliberale Dr. Appelius noch nicht oppositionell genua.

So bestätigte die Entwicklung in Eisenach-Derm­bach die auch anderwärts gemachte Wahrnehmung, daß die wieder sich einfindenden Mitläufer der So- Slatbemofratle gerade au8 den linksliberalen Reihen »mmen. Diese Wähler treiben die Großpolitik auf Ihre Manier zur radikalen Spitze; sie sind aufgehetzt worden und bei der ersten Gelegenheit, wo sie ihre Unzufriedenheit austoben lassen können, sagen sie sich: .Wenn schon, denn schon! Da wollen wir es der Re­gierung und den Steuerbewilligern gleich tüchtig geben

und ihnen einen Sozialdemokraten auf den Hals schicken/

Daraus erklärt sich auch die bezeichnende Tatsache, daß die Sozialdemokratie bei den letztjährigen Ersatz­wahlen nicht konsewattve oder Zentrumskreise, son­dern gerade liberale Wahlkreise erobert hat. Auch den jetzt eroberten Wahlkreis Eisenach müssen die Li­beralen auf ihr Verlustkonto setzen. Der Kreis war von 1867 bis 1907, also 40 ganze Jahre lang, von Liberalen vertreten. Daß 1907 der Deutsch-Soziale Schack durchkam, war ein knapper Zu falls sieg. Bei der jetzigen Wahl waren die Deutsch-Sozialen von vornherein unfa^g geworden zur Behauptung deS Kreises. Die Liberalen erkannten auch selbst an, daß ihnen jetzt die Aufgabe zugefallen war, den Kreis gegen die Sozialdemokratie zu sichern. Dazu haben sie sich als unfähig erwiesen. Man sieht, daß auch der steuerverweigernde Liberalismus keine gehörige Wider- slandskrast hat; ja gerade et noch weniger, als die von ihm so hetzerisch bekämpften Schöpfer der Finanz­reform.

Die Sozialdemokratie hat ihre Erfolge in der Hauptsache dem Liberalismus zu verdanken. DaS ist die Moral von den sämtlichen Ersatzwahl- Geschichten.

Deutsches Reich.

* In dem Befinden des Reichstags-Präsi­denten Grasen Stolberg ist erneut eine Ver­schlimmerung eingetrelen. Zu der doppelseiligen Lungenentzündung hat sich eine bedenkliche Herz­schwäche eingestellt.

8 Die Zustizkommission bei Reichstages beschloß am Dienstag die Ausvchnung des § 153 deS Straf­gesetzbuches betreffend Verletzung des Telegraphen­geheimnisses auch auf das Telephon. Weiter beschäftigte man sich mit dem Kinderschutze. ,

* Das Kali -Ge etz. In der Sitzung deS Bundesrates am Diensiag wurde dem Gesetzent­wurf über den Absatz von Kalisalzen nach dem Anträge der Ausschüsse zugestimmt.

— Ein Seufzer der Erleichterung wird sich mancher liberalen Mannesbrust beim Lesen folgen- der Mitteilung der „Münchener Neuesten Wad)« richten" (Nr. 42) entringen: „Zu der Nachricht, daß in parlamenlarischen Kreisen mit Bestimmt­heit versichert wird,' der konservative Parleisührrr Dr. v. Heidebrand sei bisher der einzige Parlamentarier, mit dem der Reichskanzler in engerer Fühlung steht, wird mitgeteilt, daß Herr v. Bethmann-Hollweg aus bestimmtem Anlaß wiederholt auch mit Parlamentariern anderer Fraktionen Rücksprache gepflogen hat, so u. a. mit den Abgg. Bassermann und Dr. Pach- nicke." — Das wird die aufgeregten Nerven hoffentlich etwas beruhigen.

* Halle a. d. S., 2. Febr. 1910. Die ,Sö(n. Ztg/ meldet: „Ter liberale Verein gewann bet der Prüfung des Ergebniffes der letzlen Reichs­tags-Ersatzwahl die Ueberzeugnng, daß das Zusammengehen mit den Konservativen, zumal bei der durch die ReichS-Finanzreform ge- schaffenen allgemeinen Verbitterung, dem liberalen Kandidaten starken Abbruch nach links getan habe. Man beschloß, künftig ein Bündnis mit den Konservativen abzulehnen." — Der „Dreh" nach links zu den roten Freunden hin liegt dem heutigen Liberalismus ja auch bester.

* Mülheim (Rhein), 1. Febr. 1910. In deck­ten en Saale, wo am Sonntag Abg. Bassermann vor einer leidenschaftlich erregten liberalen Ver­sammlung anläßlich der bevorstehenden Reichs- tagSersatzwahl seine Angriffe gegen daS Zen- trum richtete, wurde gestern abend in einer impo­

santen Zentrumsversammlung den Liberalen die ebenso würdige alS deutliche Antwort zuteil. Richt an die Leidenschaften und an den Fanatis­mus heißt es in dem Bericht der „K. Vztg.", wie am Sonntag die liberalen Redner, sondern an den Verstand, an die Wahrheitsliebe und an den Ge­rechtigkeitssinn der Zuhörer wandten sich die Herren Trimborn und Marx in ihren Reden. Der stür­mische Beftall, der ihnen zuteil wurde, war die bündigste Antwort auf die Angriffe der Herren Bassermann und Falk. Kein Mißton trübte das Bild begeisterter Zentrumstrene, das die Mülheimer Wählerschaft in ihrer Mehrheit ablegte. — Bezeich­nend für die Sonntagsversammlung der Partei von »Bildung und Besitz" sind folgende Koseworte, mit denen, wie in der Zentrumsversammlung sestgestellt wurde, der Zentrumsredner Gödde bedacht wurde. In dem Bericht heißt es darüber: Während seiner Rede wurden ihm u. a. folgende Beleidigungen zu­gerufen: „Schwarzer Hund", „schwarze Bande", .Lügenkerl", „Heuchler", „Denunziant", „verlogener Jesuit", „Schufterei", „so'n gemeiner Kerl". Ra- iürttch wollen die Liberalen, besonders die Jung- liberalen, niemals gehetzt haben!

d" München, 2 Febr. 1910. Der Groß- block in Bayern wird vom „Vorwärts", dem sozialdemokratischen Hauptorgan, für unmögltch erklärt, „solange die Casselmannschen Gestalten an der Spitze des Liberalismus stehen." Man müsse da der „Augsd. Adendzlg." recht geben, die ganz nüchtern den Großblockgedanken be­kämpfe und in geradezu bewundernswerter Selbst­erkenntnis ausspreche, „daß der bayerische Liberalismus in seiner gegenwärtigen Ver- saffung überhaupt nicht bündnissähig sei. Der bayerische Liberalismus ist zurzett in einem solchen Zerfftzungsprozeß begriffen, daß die Ge­meinschaft zwischen Stationalliberalen, Junglibe­ralen, Freisinnigen und Demokralen so gut wie gelöst ist." — Was man begreift, das ist die Ängst, die den Lideraltsmus angesichts des Lan­dauer Bündn-.sses zwischen Zentrum nnd Bauern- biind erfaßt hat ; dazu meint selbst der „Vorw.": „Ein Bündnis des Zentrums mit dem Bauern­bund bei allgemeinen Wahlen bedeutet in Bayern den völligen Nurn des Liberalismus. Und das Bündnis, zunächst für die Reichstagswahlen des Jahres 1911, steht heute schon so gut wie fest. In dieser verzweifelten Situation klammern sich die ertrinkenden liberalen Politiker an einen Strohhalm, an den Gedanken des Großblocks nach badischem Muster." Die sozialdemokratische Partei wird abwarten und sich durch keine Fata Morgana der liberalen'Presse täuschen lasten." — Das ist deutlich abgewunken. O armer Libe­ralismus!

Aus Kirche und Schule.

* Limburg, 1. Febr. 1910. Im FastenHir­te n br i e f für Limburg beantwortet Herr Bischof Dr. Willi die Fragen: „Was dünkt euch von Christus? Wessen Sohn ist er?" Dybei heißt es: „Heute aber ist die Verfolgung (gegen das Christentum) eine plan­mäßige, fast allgemeine. Man begnügt sich nicht mehr, wir das sollst Üblich, mit Angriffen auf unsere katho­lische Kirche, sondern man will überhaupt das Chri­stentum und die seitherige Weltordnung zerstören, und, wenn es möglich wäre, auj den Trümmern eine neue Ordnung ohne Gott, ohne Kirche gründen. Man be­reitet den Boden vor, indem man ungescheut und offen nicht nur die Erwachsenen verführt, sondern selbst die Jugend durch die abscheulichsten Druckschriften und Bilder bis ins innerste Mark verdirbt und vergiftet. Die alten heidnischen Schriftsteller rühmen an den Germanen die Sitllichkeit und betrachten diese mit

Recht als die Quelle der Kraft, mit welcher sie bte schon verweichlichten übrigen Völker niederwaifen. Das Christentum hat seinerseits diese Vorzüge erhal­ten, befestigt und veredelt, und noch immer gilt die deutsche Nation als Säule und Hort der SitÜichkettz Und nun soll auch diese Säule fallen, wenn es nicht in letzter Stunde dem überall von edeldenkenden Män­nern auf genommenen Widerstand gelingen sollte, die verheerende Sturmflut einzudämmen und gänzlich ab- zulenken."

Aur -em Nachbargebiete.

* Bom Vogelsberge, 2. Febr. 1910. Bei dem jetzigen hohen Schnee bewährt sich wieder die Einrichtung der Vogelsberger Land­wirte, Wohnung, Stallung unter einem Dach zu vereinigen.

* Frankenberg, 2. Febr. 1910. Während her letzten Tage hatte die Bahn von hier nach Bestwig sehr mit Schneewehen zu kämpfen. So blieb zwischen Züschen und Winterberg und bei Siedlmghausen je ein Zug im Schnee stecken und mußte herauSgeschaufelt werden. — Beim Rodeln am Goßberge brach der 13jährige Sohn einer Witwe ein Bein.

* Kassel, 2. Febr. 1909. Der Magistrat hat beschlossen, dahin zu wirken, daß städtischer«' feit« in keinem Geschäfte gekauft wird, da- sich mit dem Vertrieb von Schundliteratur be« saßt. — Falsche Zweimarkstücke sind hier wieder in großer Zahl im Umlauf. Sie ftnb. 'chlecht geprägt, leichter al» die echten und fühle« sich fettig an.

* Aschaffenburg, 1. Febr. 1910. Die irr­sinnige Arbeiterehesrau Maidhos übergoß sich in der vergangenen Nacht mit Petroleum und^' zündete sich dann silbst an. Die Frau ist heute vormittag ihren Verletzungen erlegen.

* Weimar, 2. Febr. 1910. Der Großher- z o g hat auf der Berliner Geweih-Ausstellung für einen Zillbacher ungeraden Vierzehnender und für einen Primkenauer Damschaufler je eine erste Medaille erhalten.

* Meiningen, 2. Febr. 1910. Der Land­tag des Herzogtums wird sich auch mit dem Bahnprojekt Meiningen-Hünfeld-Schlitz m beschäftigen haben. Der Gesuchsausschuß beantragt, ein darauf bezügliches Gesuch desf Regierung als Material zu überweisen.

-..„j । _____—" '•"!!——BaeSBBSBSega

vermischter. z

* Der Marionische Mädcheuschuhverrin Berlin hat gedrängt von der Not und der sittlichen Gefährdung ver vielen alleinstehenden Mädchen, eine Stätte geselligen Zusammenseins in der neuen Frtedrich <i straße 4 gegründet, wo alle unbescholtenen katho- lischen Damen und Mädchen gegen einen kleinen Jahresbeitrag Erholung, Fortbildung, angenehme Lektüre und einen gemütlichen Aufenthalt finden, jeden Abend von 7—10 und Samstag- von 5—10 Uhr. ES wird um wärmste Unterstützung diese» wichtigen Unternehmens gebeten, sowohl in ideelle? wie in materieller Hinsicht. Auf tatkräftige Hilfe der Provinz und der deutschen Staaten wird gehofft weil die Berliner Katholiken wirtschaftlich schwach sind, und weil eS leider erwiesen ist, daß die aut, der Fremde Zngezogenen durch ihre Unerfahrenheit" und Verlassenheit am meisten dem Verderben bet^ Großstadt erliegen. Vertrauend auf die Mithilfe guter sozialdenkender Menschen, haben einige Tarnens bei MäbchenschutzvereinS unternommen, in Berl. W.>, Augsburgerstr. 23, ein Damenhospztßzn,

bringen, und sie war fest entschlossen, alles zu sagen, f mochte mch Md ein schice» Licht auf sie selbst fak-

Beweise, hnmet wieder Beweise, verlangten sie, und die hatte sie doch nicht! Sie verbrachte lange, qualvolle Stunden, den Kopf sich zermalmend um eine lösung der furchtbaren Frage, wie sie sich auS der un­heilvollen Lage befreien könnte. Sie wußte, wie da» Unglück geschehen war, aber man glaubte ihr nicht, man forderte Beweise. Ja, eine« Beweis konnte sie er-

Gerda war völlig erschöpft. Ihr Peiniger mochte merken, daß das Verhör sie übermäßig anstrengte und daß er ihr Ruhe gönnen mußte.

„Rur noch eine Frag« gestatten Sie mir, dann will ich es für heute genug sein lassen. Wissen Sie, daß in der Hand Ihres loten Gatten ein goldenes Kettchen gesunden wurde, das Ihnen gehört? Sie trugen er alle Tage, wie durch Zeugen erwiesen ist!" Hatte er gehofft, die Angeklagte mit diesem offenbaren Schuld­beweis zu erschrecken, so sah er sich getäuscht. Sie blieb ruhig, nur heiße Tränen traten in ihre Augen, als sie sagte:

„Mein Kettchen? Ach ich hatte es verloren, der arme Viktor ging es zu suchen. Er hat e» wirklich gefunden? Ach, und mußte es mit dem Leben be­zahlen."

liebet das Gesicht des ernste» Manne» flog ein un­gläubiges Lächeln.

„DaS müßten Sie beweisen können k Man sagte mir, Sie hätten das Kettchen an dem Unglückstage um den Hals gehabt."

„Da» ist nicht wahri" schrie Gerda verzwetfiungS- voll, „ich bitte, haben Eie Erbarmen ,e3 wendet sich alle» gegen mich, glauben Sie mir, ich bin einer sol- chen Tat nicht fähig, — mein Gott, wenn Viktor nur noch ein einzige» Wort hätte sprechen können, er hätte gesagt, daß ich unschuldig bin an dem grausamen Vorkommnis I Wenn er wüßte, wie man mich jetzt quält, er, der mich so lieb hatte l Ach wie schrecklich ist doch daS Leben!" Al» Gerda endlich allein war, sank fie wie betäubt auf einen Stuhl und schlug die Hände vor da» Gesicht.

Schattenblume.

42] Originalroman von Irene v. Hellmuth.

Er sollte nur kommen, der schreckliche Mann vom Mericht, Rosel nahm sich fest vor, keinen eher hckein- £ lassen, bis Gerda vollständig gesund war. Aber sie nnte e« doch nicht verhindern, dieser Polizei-Kom- Mlffar war von einer geradezu grausamen Zudring­lichkeit. Er ließ sich nicht mehr abweisen. Er sprach allerlei- von seiner Pflicht und von Gott weiß wa», daß die alte Mosel völlig grob wurde.

.fcengott-, schrie sie den Zudringlichen einmal Weftt, an, „das arme Weib da drinnen läuft Euch doch nicht davon, kann ja kaum auf den Beinen stehen I tzchr braucht leine solche Angst zu haben I'

„Ich tue nur meine Pflicht", lautete die ruhige Antwort.

Aber die gute Roffl vermochte mit all ihrer Grob­heit nicht» gegen da» Gesetz. Sie mußte es mit an- (elfen, daß man Gerda in Untersuchungshaft nahm, ob» llkeich sie tausendmal verfichette, daß kein wahre» Wort vn all dem Unstnn sei Auch den alten Müller traf da» Geschehene mit furchtbarer Geivalt. Gerda zeigte sich jetzt am tapfersten von allen. Rur al» fie endlich öegttff, um iva» rt sich handle, saß sie mit weit aufge» M«nen Augen da und starrte den GerichtSbeamtrn Wit solch entsetztem Blicke an, daß dieser für einen •wment beinahe cu» seiner gewohnten Ruhe kam.

. Rur langsam und allmählich tauchte in Gerda die «unnening an da» auf, wa» geschehen war. Sie ahnt« ,n?$ nichts von dem furchtbaren Verdachte, J^rad) — "siete, bi» man et mit bürten Worten au»- . .Stt sollte ben atmen Viktor vom Turm hinabge- & Fbmt Welch heilloser, fürchterlicher Irr- wml Eie brach in einen Strom von Tränen au», al» .** Beamte ihr die» mitteilte.

<wo'i^r.?^Een", schtte fie verzweifelnd auf, f/T?’hLfet> Ihr geraten! Wer konnte denn auf eine ggeJJbbt kommen! 9» ist ja um den verstand z»

„Bitte, gnädige Frau", sagte der Beamte, der sie verhötte, sehr ruhig und höflich, „befinnep Sie sich genau, eS kommt da auf jede Kleinigkeit an. Die Ver- dachtSgmnde sind sehr schwerwiegender Natur. Be­denken Sie, Sie gingen zusammen mit Ihrem Gatten nach der Rucke, das müssen Sie doch zugeben?"

„Allerdings", betätigte Gerda kopfnickend.

„Und dann bestiegen Sie mit ihm den Turm, nicht wahr?"

„Reck, nein," wehrte Gerda angstvoll Dieses erste Verhör schon zeigte ihr klar die Gefahr, in der sie schwebte. Der Beamte blieb völlig ruhig.

„Also nicht", begann er wieder, „Sie wurden aber doch, nachdem man Ihren Gatten gefunden, auf dem Turm angetroffen? Wo als» waren Sie, während Ihr Gatte den Turm bestieg?"

„Ich? — Meck Gott, — ich — hatte zu Hause etwa» vergessen."---

Der Kommissar bemerkte iljr Zögern.

„Gut, Sie hatten etwa» vergessen, — ich will dar gelten lassen, aber wollen Sie nicht sagen, wa» e» war? Siebenten Sie, e» ist wichtig."

Mit deutlicher Klarheit stand jegt der ganze Bor- gang wieder vor ihrer Seele. Der Bttef, bet in jenem Kästchen tag. — wenn derselbe in ben Händen be» Gerichts sich befände, da» müßte ja den furchtbaren Verdacht noch bestücken Eine heiße Blutwelle stieg ihr in» Gesicht, bem fie verhörenden Beamten entging da» nicht, et beobachtete sie genau. ö 8

»Ich hatte einen Brief erijaltett," berichtete fie jetzt b:r Wahrheit gemäß.

„Ja, einen Bries von, — nun sagen wir, — von Ihrem früheren Verlobten."

Gerd« fuhr empöck in die Höh«.

„Sie wissen? — Wie kommen Die zu be% fJrtcfe?

<Fl wer eingeschloffen!'

Der Andere lächelte. M

„Ich sagte Ihnen schon, in solchem Falle ist olle» wichttg, wie wir zu bpt Beweis«, konWen, werd« Sie lväter gefahren "

len, was lag daran? Wenn sie nur gerettet wurde von dem furchtbaren Verdacht. Sie hatte nicht» litt«’ rechtes getan, sie brauchte die Augen nicht niederzu­schlagen, — vor niemand. Wenn man genau wußte, zu welcher Zeit da» Unglück geschehen war, nun gut* so mußte das ja ihre Rettung werden, denn e» tonnte^ nur geschehen sein, während sie mit Alfred sprach. Als sie an den Turm kam und nirgend» ihren Gat­ten erblickte, da stieg sie unbedenklich hinauf, weil sitz sicher voraussetzte, daß er sich noch oben befand Eck einziger Blick in die grausige Tiefe belehrte sie bantt über das Geschehene. Sie sah, daß der Gatte, bet sich im Eifer des Suchens gewiß unvorsichttg weit vor­gebeugt hatte, da unten lag, zerschmettert — totl Ditz, morschen Steine mußten unter seinem Tritt nach ge­geben haben, er fand keinen Halt mehr und stürzte ix die Tiefe. Die Sinne schwanden ihr, eS wurde Nacht um sie. Wie lange fie so gelegen, wußte sie nicht, sie kam erst wieder zu sich, als sie Stimmen vernahm, al» man kam, sie zu suchen. Wa» dann geschah, erschien ihr wie ein wüster Traum.

Bei den weiteren Verhören erzählte fie genau be? Wahrheit gemäß alle», wie e» sich zugetragen.

„Wenn Sie den Beweis erbringen könnten," sagt» bet verhörende Berichts beamte, als sie geendet, „wenn Sie genau nachweisen könnten, baß Sie mit dem Schlag zwölk Uhr nicht in bet unmittelbaren Nähe be» Turme» sich befanden, — bann allerdings sind Sie gerettet Denn wunderbarer Weise hat sich herauSge- fiellt, daß da» Unglück genau um zwölf Uhr geschehen, sein muß. Da» ®la» auf der Uhr de» ®erunglfitften nämlich ging bet bem verhängnisvollen Sturz In Trüm­mer. Die Uhr selbst steckte noch in der Westentasche. Ein kleiner Splitter diese» Glase» nun hat sich berat« ttig zwischen die beiden, gerade aufeinander stehende« Zeiger der Uhr gezwängt, daß diese sich nicht mehr be»1. wegen konnten. Ich selbst hatte die Uhr, die na-' tückich bei ben Akten liegt, am Tage nach dem Un­glück in der Hand, fie tickte mhig weiter, während dir Zeiger auf zwölf standen. Ein sicherer Beweis, hast der Sturz genau um zwölf Uhr erfolgt»^

GoMtztty« KlM