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Verstunnuma ist vor cllcni durch da) strenge !Ecr< «eben der Türlci ceMit dir bttlaarch'yrn Lausen hervorgerufen Worten. Tee türkischen Wooil- machungen haben natürlich uicht b-richigend gewirrt, und die Regierung in Sofia hat fick veranlaßt ge­sehen, die diesjährigen Rekruten, weiche Ende Marz einrücken sollten, für Ende Februar einzubucu.en.

Wirkliche Kriegsgefahr aber birgt doch allem Anschein nach nur das griechisch'türkische Verhältnis infolge der Kretafrage. Griechen­land steht unter der Diktatur des Mü.tarbundes, in dem großhellenische Elemente d,e führende Rolle spielen. Auch in dem neuen von Dragoumrr ge- bildeten Ministerium herrscht ein großhellenischer Geist. Sicher wird der Versuch gemacht werden, auch Rrttet in die Nationalversammlung zu wählen, die vor allem auf Veranlassung eines kreti­schen Agitators im Herbst zusammentreten wird. Die Türkei will nicht abwarten, bis die Kreter in die griechische Nationalversammlung gewählt worden sind, sie gedenkt einer solchen Wahl vorzubeugen. Deshalb rüstet-sie ebenso lautlos wie eifrig. Kriegs- Minister Machwud Schewket Pascha ist seit Wochen­frist Tag und Nacht in telegraphischem verkehr nut allen europäischen und astatischen Armeekorps. Als ein bedeutungsvolles Zeichen der Lage kann auch die soeben erfolgte Ernennung Rasim Paschas, eines sehr energischen Mannes, zum Nachfolger Machmud Schewket Paschas als Generalmspekteur der drei ersten Armeekorps (Konstantinopel, Adria- nopel, Saloniki) betrachtet werden. Der englische Admiral Gamble, der bisher als Oberbefehlshaber der türkische Flotte fungierte, gab diesen Dienst plötzlich auf unv kehrte in die Heimat zrrrück. Die Türkei hält 100000 Mann in Kriegsbereitschaft, die bei dem AuSbruch eines Krieges sofort die grie­chische Grenze überschreiten könnten.

Natürlich sind die Großmächte bemüht, den Zusammenstoß Griechenlands und der Türkei zu verhindern. Es schweben zwischen Frankreich, Eng­land, Rußland und Oesterreich eifrige Verhandlun­gen über die Kretafrage. Für den äußersten Fall rst die Wiederbesetzung Kretas durch inter­nationale Truppen in Aussicht genommen.

Lokales.

Fulda, den 3. Februar 1910.

S Öffentliche Arbeiter- nnd Bürgerversammlung.

Die vom Vorstand des ch r t st l. Gewerk­schaftskartells Fulda auf gestem nachmittag ins Gesellenvereinshaus einberufeue Arbeiter- und Bürgecvcrsammlung war von Männern und Frauen aus den Arbeiterkreisen sehr gut besucht. Die Hochw. Herren Protenotar Dr. A r e n h o l d, Domkapitular Herben er, Prof. Thtelemann wohnten der Versammlung bei. Der Besuch mis Bsfrgerkreisen ließ zu wünschen übrig.

Nach den Eröffnungswocten des Vorsitzenden, Herrn Laux, kam es zunächst zu einer sehr lebhaften Geschäftsordnungsdebatte. Der Vertre­ter der freien Gewerkschaften, Herr Gauleiter Marokko- Frankfurt a. M., der an Stelle des zum Leidewsen der Versammlung nicht anwesenden sozialdemokrati­schen Gewerkschaftsbeamten'Schmitt-Fulda — er war durch Krankheit verhindert — sich eingefunden hatte, forderte unbeschränkte Redefreiheit in der Dis- kuffion. Dies« Forderung, die nach bekannter sozial­demokratischer VersammlungspraxtS dazu dienen soll, dem Versammlungsvorsitzenden das Hausrecht auS der Hand zu winden, konnte nicht entsprochen werden; weitgehende Redefreiheit wurde im übrigen bereit- tvilligst zugesichert. Trotzdem teilte der sozialdemo- krattsche Sprecher mit, daß er mft seinen Genossen !um Protest gegen die „Mundtotmachung" die Ver- ammlung verlassen werde.

Herr Geis aus Aschaffenburg, Redakteur des Staats-, Gemeinde-, Hilfs- und Jnduftriearbeiterver- bandes ergriff sodann das Wort zu einem geistvollen, großzügigen und schneidigen Referat über die Ge­werkschaftsfrage. Sozialdemokratische Partei und stete Gewerkschaften, zwei Organisationen mit gleichem Programm, haben sich nach der Eroberung der Großstädte daran gemacht, ihre Ideen in die Mit­telstädte zu tragen. Für Hessen-Nassau sind die zwei „schwarzen Hochburgen", die Bischofstädte Limburg und Fulda als die ersten Kampfziele bezeichnet worden. Der Kampfansage sind schon Taten gefolgt, und wenn der sozialdemokratischen Agitation rechtzei- ttg ein Riegel vorgeschoben werden soll, so gilt es jetzt Fuldas Arbeitern und Bürgern über den Feind die Augen zu öffnen, den Arbeitern vor altem auch das Wesen der freien Gewerkschaften, die um sie werben, zu enthüllen, und sie gleichzeitig zu überzeugen, daß ihr Platz tm heißen Kampfe i» den Reihen der natio­nal-christlichen Gewerkschaften ist. Die Dogmeirsamm- lung der Sozialdemokratie, das sog. Erfurter Pro­gramm entfaltete der Redner, zeigte an der Hand sta­tistischer Feststellungen klar, wie die sozialistischen Theorien von der Ansammlung des Kapitals, der Kon­zentratton der Unternehmung, die Verelendungs- theorte und die Krisentheorie durch den Gang der Entwicklung widerlegt worden sind, wie das Erfurter Programm, aufgegeben von den denkfähtgeren Genos­sen selber, nur noch geeignet ist Gimpel einzufangen.

Kleines Feuilleton.

= Otto Julius Birrbaum, der bekannte moderne Lyriker, ist am Dienstag abend nach einem schweren chronischen Nierenleiden infolge einer Herzlähmung tm Alter von 44 Jahren tn Dresden gestorben.

Bekannt wurde Bierbaum, der zu Grünberg in Schlesien geboten war, vor allem als Lieferant von burschikosen, zuweilen recht faden Chanjons für das Ueberbrettl Ernst von Wolzogens. Seine zahlreichen Gedichte handeln immer wieder von der „Liebe", die zumeist ganz oberflächlich, auch leichtfertig auf­gefaßt wird. Nur selten hat er einmal ernsteren Stimmungen Ausdruck gegeben, so zum Beispiel in dem schönen Gedicht »Oft in der stillen Nacht", in dem er von der Sehnsucht nach der Schuldlosigkeit der Kinderjahre singt. Die Form, in der Bierbaum seine Gedichte darbot, ist graziös, reizvoll und er­innert an die Art des vor kurzem ebenfalls ver- storbenen Detlev v. Liiienkron. Ost sind BierbaumS Redewendungen, Verse und Reime allerdings auch gesucht, gekünstelt und verschroben, waS ihm die Bezeichnung als „Klingklangglvribusch"-Lyriker ein- !>etragen hat. Bterbaums Romane und Dramen ind betabent und wertlos. Peter Hiller, der west- älffche Zigeunerpoet, hat Bierbaum nach Wesen und Schassen in folgendem Aphorismus trefflich charakterisiert: Otto Julius Bierbaum: ein Wein­laub, der Germanistik flndurt Hirt, *ci*t denkender Faun, «stge Rrm'.äffzeu-, Lieh?, oi: ö:n'Doktor gemacht bat.

Mit Beziehung auf daS christliche Sittengesetz und den gesunden Menschenverstand widerlegte der Redner die sozialdemokratische Lehre vom Klassenkamps, von der Notwendigkeit und Möglichkeit der Herrschaft der Ar­beiter. Der Arbeiterstand kann nut ein gleichberech­tigter Stand neben den anbem Ständen sein. Die Todfeindschaft, die die Sozialdemokratie jeglicher Re­ligion, vor allem aber dem Chttstenttim, entgegen­bringt, zeigte der Redner u. a, auch an Stilblüten, mit benen daS Frankfurter sozialdemokratische Organ, die »Volksstimme", über Fuldaer Vorgänge berichtet. Mit Recht durfte er darauf Hinweisen, daß die pöbel­haften Bemerkungen sozialdemokratischer Dutzendagita- toren über Katholizismus, Kirche, „finsteres Pfaf­fentum" keinen Eindruck auf eine Bevölkerung machen können, die von Jugend auf weiß, daß Zivilisation und Kultur durch den Glaubensboten Bonifattus und feine Mönche in ihre Heimat gebracht worden sind. Herr Geis schilderte dann den Werdegang, die Ziele und Erfolge der national-christlichen Gewerkschaften. Sie sind bestrebt dem Arbeiter den Anteil an dem Nattonalvermögen zu verschaffen, der ihm gebührt, verlieren aber dabei nicht aus dem Auge, daß eS neben den materiellen für den christlichen Arbeiter noch höhere Ziele gibt. Sie empfehlen daher drin­gend, daß ihre Mitglieder auch den konfessionellen Ar­beitervereinen angehören. Mit einem Hinweis auf das, was für das materielle Arbeiterwohl gerade in der Fuldaer Gegend durch die Organifation noch zu leisten fei, und mit der Aufforderung an die Ver­sammelten zum festen nnd mannhaften Anschluß an die christliche GewerkschastSsache schloß der Referent unter lebhaftem Beifall.

Es folgt: eine Diskussion. Herr Volksver­einssekretär Fran k-Fulda, der ausdrücklich feststellte, daß man den sozialdemokratischen Vertretern weit­gehendste Redefreiheit bewilligt haben würde, ging auf die sozialdemokratische, die sogen, materialistische Geschichtsauffassung ein, die ihre Anhänger notwendig zu ©egnem der Religion machen muß. Herr Ge- werkschastssckretär K e rn p f-Franksurt empfahl feste­ren Zusammenschluß der einzelnen hiesigen Gewerk­schaften, forderte zu intensiver Tätigkeit, zu Entschlos­senheit und Mut im Kampfe für materielle und geistige Interessen auf Herr Stadtverordneter Reit h-Fnlda zeigte an Beispielen, wie die Sozialdemokratie, vor allem bestrebt Thron und Altar zu vernichten, gar oft die Sache der Arbeiter verraten habe. Herr Ge­werkschaftssekretär Scher er-Ofsenbach weist nach­drücklich auf die Gefahr hin, die in-ter sozialdemokra­tischen Gewerkschaftsbewegung droht, bereit verderb­liche Waffen die sozialdemokratische Presse und Ju- genborganifatron sind; er zeigte die Notwendigkeit planmäßiger, opferwilliger Gegenarbett, die in einer Mittelstadt auch deshalb geleistet werden müsse, um den unter wett schwierigeren Verhältnissen in den Großstädten kämpsmden christlichen Arbeitern den Rücken zu stärken.

Einstimmig nahm sodann die Versammlung fol­gende, von Herrn Kempf vorgelegte Resolution an:

Die am Lichtmeßtag im katbolischen Gesellenbaus zu Fulda vom Oclskartell der christlichen Gewerkschaften einberufene, von über 600 Personen besuchte Versamm­lung erklärt sich mit beit Ausführungen des Referenten einvcrstcmdcn. Tie Versammlung erkennt tobend an, daß durch b:e christlichen Gewerkschaften und ihre Wirksamk.it in Fulda schon manche Verbesserungen für den Arbeilerstand errungen würben. Die Ver­sammlung ist auch davon überzeugt, daß es notwendig ist, weitcr auf diesen Bahnen zu schreiten, um auch in Zukunft die Verhältnisse und die Lage der Arbeiter­schaft den jeweiligen Zeitverhcilluissen anzupassen. Von dieser Erkenntnis durchdrungen, gelobt die Versamm­lung, mit Mut und Ausdauer für die Sache der christ­lichen Arbeiter kämpfen zu wollen. Sie erkennt an, daß die christlich denkenden Arbeiter sich unbedingt den konfessioneUen Vereinen und den christlichen Geiverk- schattcn anschließen müssen.

Der Referent ofrderte in seinem Schlußwort noch­mals zum Anschluß an die Gewerkschaften auf; wie notwendig die Organisation sei, zeigte et an dem Fall eines hiesigen städtischen Arbeiters, dem von der Stadt der Tagelohu von 2,50 Mk. aus 80 H herabgesetzt worden sei, da er nicht mehr vollständig arbeitsfähig ist. Es sei darauf zu bringen, daß entweder ein vol­ler Tagelohu gezahlt oder dem Mann als einem In­validen die Invalidenrente bewilligt werde. Hierauf schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf die christliche Eewerlschastssache.

Die Arbeiterschaft der Bischossstadt Fulda hat in dieser Versammlung einer Kundgebung christl. Männer, in deren Augen der Glanz des sozialen Geistes des Christentums nicht durch das Blendwerk der sozialist. Utopien verdunkelt werden kann, zu wichtigen Fragen wirtschaftlicher und geistiger Art in würdigster und be- dcutungsvollcr Weise Stellung genommen. Der Rück­blick und Ausblick, zu dem die gestrige Versammlung Gelegenheit bot, wird für die Gewcrkschaftssache in Fulda und Umgegend segensreiche Folgen haben.

i£M Zum Erweiterungsbau der hiesigen Wagenreparaturwerkstä'ite sind die Arbeilen und Lieferungen von der Königl. Eisenbahndirektion zu Frankfurt nunmehr nochmals ausgeschrie- bett worden und zwar nach Wunsch der Hand­werker in einzelnen Losen. Die mehrfach in der

— Das Vorrecht, bett Schnurrbart rasieren zu las­sen, besitzen die Offiziere b e 8 vierten öfter» reichischenDragonerregiments. Das Recht datiert vom Tage der Schlacht bei Kollin (1757). Da­mals hatte der Feldmarschall Daun bei dem Defilie­ren des Dragonerregimentes, das aus lauter blutjun­gen Rekruten bestand, die noch keinen Schnurrbart hatten, auSgerufen: „Mit solchen grünen Jungen soll ich eine Schlacht gewinnen!" Tags barauf lie­ferte das Regiment seine weltgeschichtlich berühmt ge­wordene Attacke. DaS Regiment erhielt als Anden­ken an diesen Sieg das Vorrecht, daß seine Offiziere sich die Schnurrbärte rasieren lassen dürfen. Nun hat­ten, der neuen Mode entsprechend, viele Offiziere an­derer Kavallerieregimenter sich die Schnurrbärte ra= siren lassen. Das 4. Dragonerregiment rekHte des­halb Beschwerde bei dem Kriegsministerium ein. Das Kriegsministerium beschick diese Beschwerde zusttm- menb, indem es einen Geheimerlaß herausgab, der allen Offizieren in der k. und k. Armee mit Aus­nahme der Offiziere des 4. Dragonerregiments ver­bietet, sich künftig ben Schnurrbart rasieren zu lassen,

— lieber Blinddarmentzündung schreibt Herr Dr. med. Bohn aus Ziegenhals tn Schlesien, daß sich zu den Ursachen, welche diese Krankheit Hervorrufen, neu­erdings auch der verstärkte Gebrauch von Margarine und anderen Kunstspeisefetten gesellt"habe. Die Ver­dauungs-Produtte der Kunstbutter geben seiner An­sicht nach' Anlaß zu abnormen Gärungen im Darm­kanal, welche giftige Produtte liefern, an denen schließ­lich die Darmschleimhaut effranlt. Bei der auffälligen Vermehrung bet Blinddarmerkrankungen verdient die­ser Hinweis jedenfalls gewisse Beachtung.

„Fuldaer Zeitung" besprochene Eingabe des hiesigen Gewerbevereins und die Bemühungen unseres Herrn LandlagSabgeordneten Rhiel beim Ministerium in Berlin haben allo die erwünschte Wirkung gehabt. Wir verweisen auf die betr. amtliche Bekanntmachung in der heutigen Stummer der „Fuldaer Zeitung".

Dem Herrn Assistenten Simon Gutberlet (gebürtig aus Fulda) in F r i tz l a r ist vom 1. Februar d. I. an die Stelle als Stadtkämmerer in Naum­burg übertragen worden.

* Der Schulbeginn ist von nächsten Montag (7. Februar) ab in den dornpfarrlichen Schulen morgens wieder auf 8 Uhr festgesetzt. In den stadtpsarrl ich en Schulen beginnt der Unterricht wegen deS „vierzigstündigen Gebetes" am Montag und Dienstag erst vorn darauffolgen­den Mittwoch (Aschermittwoch) ab um 8 Uhr.

[) Unter dem Szepter des Prinzen Karneval stand im Stabtsaale gestern das Konzert be8 Trompeter' korps unseres Feld artillerie-RegimentS. Alljährig vor den Faschingstagen pflegt die Regimentskapelle ihren vielen Freunden ein besonders lustiges Pro­gramm mit Pritschenknal! und humorgewürzten Musikstücken und Liedern vorzuspielen. So auch gestern. War die Gemeinde, die sich zur Huldigung Sr. Tollität vereinigt hatte, auch nicht groß, so ging es doch recht fröhlich her. Ein. ganzes Dutzend Komponisten, die in des Lebens Nöten Humor und Witz nach Noten ein neckig Spiel treiben lassen, tarnen zu Gehör: Blättermann, Supp«, Wachts, Lincke, Triebel, Aletter, Fall, Schreiner, Löser, Albert, Hause nnd Büttge. _ Das wohl­gelungene Konzert schuf eine urgemütliche Unter­haltung, und das Publikum kargte nicht mit dem wohlverdienten Beifall. Von großer Wirkung war bas Potpourri „Laßt ben Kopf nicht hängen", „Der musikalische Speisezettel", ein Scherz in Form eines Quodlibets, und „Fidele Faste acht". Die Herren Musici sahen sich genötigt, die ohnehin reiche Vortragsordnung noch um einige Nummern zu erweitern, die ebenfalls dankbar ausgenommen wurden.

gU Die Faschingsveranstaltung der Turn- gemeinde am Dienstag im Stadtsaale hat mit wohlgelungenen Aufführungen und bei zahlreichem Besuch einen durchschlagenden Erfolg erzielt. Mit etwas Verspätung langte Prinz Karneval auf einem lebendigen Schimmel mit seinem Ge­folge cn, begleitet von den Märchengestalten aus alten Zeiten. Nach einer Ansprache vollzog sich die Ordens-Verleihung. Der Saal bot mit der Menge der bunten Kostüme ein farbenprächtiges Bild. Bei der Darstellung einzelner Märchen- szenen auf der Bühne kannte der Beifall keine Grenzen.

Wg. Die Temperatmverhiiitnisse unserer Gegend waren im Januar 1910 recht ungewöhnliche. Während die langjährige Lurchschnittslemperatur dieses Monats im Bezirke der Wetterdienststelle Weilburg in den Tälern —.1° C beträgt, belief sie sich im verflossenen Monat auf 4-2». Im Januar pflegt bei uns die Temperatur am Tage durchschnitt­lich auf 4-1° zu steigen und in der Nacht aus — 4° zu sinken; im Januar 1910 stieg sie dagegen durchschnittlich auf 4- 4° und sank »in der Nacht im SJlittel noch nicht bis zum Gefrierpunkte. Während wir sonst im Durchschnitt an 21 Tagen nachts und. an 11 Tagen auch tagsüber Frost haben, hatten wir in diesem Januar im Mittel nur 12mal nachts Frost und nur Imal (am 27.) am ganzen Tage Frost. Besonders war die Mitte des Monats zu warm (5° bis 6°), gegen Ende wurde die Tempera­tur normaler. Auf den Bergen waren die Tem­peraturverhältnisse nicht so ungeivöhnlich. Die Be­wölkung wich im allgemeinen nicht so stark vom Mittel ab (8'io gegen 7/in). Ebenso belief sich die Zahl der trüben Tage nur auf 21 (im Mittel 18). Unter den Winden pflegen sonst die südwestlichen zu überwiegen. Im Januar 1910 hatten die Winde eine ausgesprochene Neigung, aus Süden zu wehen. Nur an 2 Tagen (7. und 8. Jan.) hatten wir trockenes Wetter; sonst wurden täglich Nieder­schläge beobachtet. Im Mittel pflegen sonst nur an 17 Tagen im Januar Niederschläge zu fallen. Dementsprechend war auch die Gesamtniebnschlags- höhe zu hoch. Sie betrug im Mittel aller Stationen 69 cm, wahrend sonst im Januar nur gegen 50 cm zu fallen pflegen. Auch hier zeichnet sich die Mitte des Monats durch auffallend starke Niederschläge aus, während besonders im Anfänge zu trockenes Wetter herrschte.

Ehrenvoll für Herrsch ft u id Dienstbote ist es, daß die Köchin Fräul. Katharina Gil­den heute ihr 25jähriges Jubiläum in b *r Familie Adam Feuerstein (Löherstraße) feie.n kann. Die Jubilarin wurde von der Herrschaft beschenkt und von vielen Seiten beglückwünscht.

Aus dem Nachbargebiete.

* Geisa, 2. Febr. 1910. Der bisher zum Landbestellbezirk der Postagenlur Wenigen«

— Im Kasseler Architekten- und Ingenieur-Verein machte kürzlich der Vereinsvorsitzende, Direktor Pro­fessor Schick, eine interessante Mitteilung über ben Ott o-H einrichsbau nm -Heidelberger Schloß. Danach hat das badische Finanzministe­rium von dem Oberbaurat Professor Warth in Karls­ruhe ein .Gutachten über den baulichen Zustand der Otto-Heinrichsfassade eingefordert, das nunmehr in einem sehr ausführlichen, durch eine große Anzahl Zeichnungen und Berechnungen erläuterten Bericht vorliege. Das Gutachten bringe den Nachweis da- für, daß die früher angenommenen Bewegungen im Mauerwerk des Baues tatsächlich nicht vorhanden, daß ferner eine nennenswerte Verwitterung und sonstige Schädigungen nicht eintraten und auch für absehbare Zeit nicht zu befürchten feien, sodaß kein Anlaß vor­liege, wesentliche Veränderungen an dem Bau vorzu­nehmen. Damit wird also die Beantwortung der Frage einer Wiederherstellung und des Ausbaues der schönen Ruine, die die Kunst- und Gelehrtenwelt schon Jahre lang sehr erregt hat, auf unbestimmte Zeit ver­schoben. K.

— Den ganzen Tag Theater für — 5 Pfennig. Japan ist in gewisser Beziehung noch heute ein recht orientalisches Land, wo der Einfluß des Abendlan­des nur in gewisse Kreise eingedrungen ist. Das zeigt sich an den Theatern, die meist in ganz orientalischer Weise geleitet werden, d. h. sie sind von morgens 7 bis abends 8 Uhr ununterbrochen geöffnet und diese 13 Stunden lang wird darauf ununterbrochen gespielt. Der Eintrittspris beträgt nach unserem Gelbe nicht ganz fünf Pfennig, wofür man der Vorstellung den ganzen Tag beiwohnen kann. Soweit sind wir noch nicht! •>.

tast gehörende Ort «derbeH ist seit gestern Di Landbestellbezirk des Post amtS Ge if a zugeteitt

(!) Schröck (Kr. Marburg), 2. Febr. 191Q Arn vergangenen Sonntag trat hier em kathoi lischer Arbeiter-Verein ins Leben, der b< reits eine stattliche Mitgliederzahl aufweist. MöF der junge Verein zum Segen der Pfarrei wirke» und mögen alle Arbeiter in feine Reihen tintreW da er nur ihr Beste- will. — Am 26. Januc» sand eine gut besuchte VolkSvereinS-Ver^ fammlung statt, in der HerrArbeiter-SekretSl Gotthardt-Frankfurt a. M. über die Reichs« Finanzreform berichtete. Seine klaren und über« zeugenden Ausführungen fanden lebhaften Beifalls-

* Frankfurt a. M„ 2. Febr. 1910. In hei Filiale Frankfurt der Landwirtschaftlichen Zen« tral-DarlehnSkasse haben sich sehr beträchtliche Unterschlagungen des bisherigen Rendanten Flick berauSgestellt. Flick, der am 1. Oktobers nach ISjähriger Dienstzeit aus der Organisation! auSgeschieden ist und jetzt flüchtig ist, hatte ein«: Gehende Beträge nicht gebucht. Bisher soll ein ehlbetrag von 160 000 Mark festgestellt sein.' — Bei einer in der letzten Nacht vorgenommenen polizeilichen Revision der Wartesäle im. Hauptbahnhof wurden siebzig Personen sistier^ die sich ohne Fahrkarten dort aufhielten. Vierzig: kamen mit einem Verweis davon, dreißig wurden inl Polizeigefängnis verbracht.

* Bebra, 2. Febr. 1910. Dem Lokomotiv« führer a. D. Reimöller wurde der Kronenorden vierter Klasse verleihen.

* Eschwege, 2. Febr. 1910. Der Regierungs- Präsident ordnete an, daß zum 1. April d. I.' für den Bezirk der Stadt Eschwege eine Schlosser- ZwanaSinnung errichtet werde.

; Kassel, 2. Febr. 1910. Wie alljährlich, hat auch jetzt wieder unsere Stadtverwaltung Arbeits­stellen zur Beschäftigung Arbeitsloser gerichtet. Solche sind zurzeit auf dem Lagerr'itz am Viehhof und in der Kohlenpraße in Wab'-rs« Hausen vorhanden, wo etwa 60 Arbeitslose he» fchästigt werden. — DieRevision des vor kurzem vom hiesigen Schwurgericht wegen des Rauban­falles bei Harleshausen zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilten Polen Pominiak wurde vom Reichs­gericht verworfen.

* Kassel, 2. Febr. 1910. In der letzten Sitzung des Vereins für hessische Volkskunde hielt Herr Bibliothek-Sekretär Jacobi einen sehr interessanten Porlrag über „Die Rikusberge und ihre Umgebung in Sage und Geschichte." ES. handelt sich hierbei um den Gebirgszug, der ba^ Dammersfeld mit dem Distelrasen verbindet unbj die Wasserscheide zwischen dem Main und bet Fulda, zugleich auch die Scheibe ber Fulbaifchen und Hanauischen Mundart: varstellt. Herr Grebe sprach über „Entstehung und Bedeutung hessischer und deutscher Redensarten." Er legte dar, daß gewissen Redensarten, die im Volke lebendig sind, deren Ursprung jedoch im Laufe ber Zeit völlig, unbekannt geworben ist, meistens ein historisches Faktum zu Grunde''lieg!; andere sind auö reli­giösen, politischen und foy.alm Vorstellungen heraus entstanden. 1,.

△ Marburg, 2. Febr. 1910. In der hiesigen Klinik starb ein Mann namenS Kleinschmidt auS Münchhausen an den Folgen einer Verletzung, bi« er an der Kreissäge durch einen Stoß vor betf Leib erhalten halte.

* Gotha, 2. Febr. 1910. Da nach einet Zählung bet freien Gewerkschaften tunk 250 Einwohner (zumeist Bauhanbwerker), in» diesem Winter arbeitslos sind, so wurde an den Stadlrat das Ersuchen gerichtet, Notstands^ arbeiten aussühren zu lassen.

* Wiesbaden, 1. Febr. 1910. Aus einem Mansardenfenster ist der etwas über vier Jahre' alte Sohn eines Portiers ab gestürzt. Di« Mutter hatte das Kind zur Bestrafung in die Bodenkammer gesperrt, weil sich Nachbarn über ben Kleinen beschwert hatten. Der Junge r ollste sich befreien, kletterte auf bas Dach und s ürz e aus bem britten Stockwerk hinunter; er ist halb darauf gestorben. — Die Genehmigung der Regierung zu der für den 1. März d. I. von der Stadt beschlossenen Einführung der Kur­taxe ist nunmehr erfolgt. — Der Lehrer« mangel in unserem Bezirk scheint, soweit di« evangelischen Stellen rnbetracht kommen, beseitigt zu sein. So sind z. B. von den Lehrern, die im Herbst in Dillenburg abgingen, noch eine Anzahl ohne Stellung.

vermischtes.

♦* eine entsetzliche Bluttat spielte sich tu dH Kaserne des 28. Jägerbataillons zu Greuodis (Frankreich) ab. AIS dort der Hauptmann Sutter die Inspektion der unter seinem Befehl stehendem Kompagnie vornahm, befahl er dem Gemeinen Coehde, den Inhalt seines Tornisters zu zeigen s D.r Soldat öffnete seinen Tornister und nahm das Hemd heraus; plötzlich schleuderte er seinem Vor­gesetzten das Hemd ins Gesicht. Im nächsten Augen­blick zog er sein Bajonett und versetzte dem ahnungs­losen Offizier einen Stich in den Unterleib, der fast vollständig durchbohrt wurde. Der Feldwebel Oichon stürzte sich auf den Soldaten; doch schon hatte dieses das Bajonett aus dem Leibe des Offiziers gezogen und warf sich auf den Feldwebel. Dieser ergriff die Flucht und der blutdürstige Soldat setzte ihm nach. Nun spielte sich eine aufregende Jagd auf Sm Kasernenhof ab. Schließlich erreichte bei »üterich den Unteroffizier und versetzte ihm «inert tiefen Stich. Der Mörder stürzte darauf au8 der- Kaserne, das bluttriefende Bajonett in der Hand» und eilte zum Bahnhof. Ein Korporal stellte sicht bem Mürber entgegen, warf ihn zu Boben unbj hielt ihn fest, bis anbere Solbaten zu Hilfe tarnen.? Auch biefem Korporal versetzte ber Wahnsinnige;' ehe er unschädlich gemacht werben konnte, einem Bajonettstich. Der Hauptmann, sowie ber gleich-/ falls schwerverletzte Unteroffizier Oichon würbe« sofort ms Lazerett gebracht. ;

♦ Zwei Kinder erstickt. In Stuttgart geriet^ in der Wohnung eines Kaufmanns in Abwesenheit ber Frau bie am Ofen aufgehängte Wäsche i# Brcmb. Zwei Knaben, Zwillingskinber, ersticktes im Rauch unb konnten nicht mehr ins Leben zurück« gerufen werben. Ein btitttr Knabe ist außer Leben« gefahr. — In Magdeburg verbrannte ein in bro Wohnung alleingelassenes dreijähriges Kind, drssery Kleider am Ofen Feuer finden, bei lebendigem Le"«»