Einzelbild herunterladen
 

Erscheint tii-Uch mtt Aurnanme bet $o-m» und Zeiertage Viertel­jährliche» Serngrpreir ohne vringerlohn unb veßeLgelb in Znlda so­wie «lrwärtrl.SvMk.

Verantw. Kebotteurt «*ri$*8tie|

. fir bie Smetae«: 3. Par jettet in Lnlba.

Lnzrige«: Vie ei» fpalttge Petitzeile ober beten Bannt 15 Pfg, Reklamen dtepetitzeil« 25 Pfg., bet wieder- Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Lotationrdrncknnd Verlag der Zuldaer Ak. tiendruckerei in Znlda Fernsprecher Rr.»

JV5 26.

Fuldß, Donnerstag den 3. Februar 1910.

37. Jahrgang.

Avstes Wtcrtt.

deS

Der des der

Justiz und deS Innern die Ermächtigung er­teilt, den Entwurf eines Gesetzes zur Abände­rung der Vorschristen über die Wahlen zum Ab- geordnetenhause dem Landtag vorzulegen.

In so feierlicher Weise ist von amtlicher Seite kaum jemals eine Regierungsvorlage angekündigt worden. Bleibt nur zu wünschen, daß der In­halt der Vorlage der feierlichen Ankündigung entspricht. BiS jetzt wird bekanntlich als sicher angenommen, daß der neue Entwurf statt der indirekten Wahl die direkte vorschlägt, und daß er ein Mehrstimmrecht, abgestust nach Besitz und Bildung, enthatten soll. Die bisherige öffentliche Stimmabgabe wird dagegen nicht beseitigt werden.

lich im Interesse der Disziplin. Ein Redner be« ürchtete Reibungen, da die Veterinäroffiziere doch nicht als ebenbürtige Offiziere angesehen werden würden. Ein Zentrumsredner betonte die Not« wendigkeit, entsprechend der fortgeschrittenen Vor­bildung auch die Stellung der Veterinäre zu heben. Die Beschlußfaffung wurde ausgesetzt. ;

c Zum Etat der Zustizverwaltmtg hat Abg. R o eren (Z.) den Antrag eingebracht, die Staats« regierung aufzufordern, Maßnahmen zur Herbei­führung eines wirksameren Schutzes gegen di« schweren Schädigungen zu treffen, die unserem Volks­leben durch die zunehmende Verbreitung der öffent­lichen Unsittlichkeit und insbesondere der Heranwachsenden Jugend durch die überhandneh­mende Pornographie und Schundliteratur zugefügt werden.

‘)( Die Sozialdemokraten hielten am Diens­tag in Berlin aus Anlaß der Oldenburg« Aeußerung im Reichstage drei Prolestver- sammlungen ab, in denen Ledebour, Singer und Zubeil sprachen. Es wurde eine Resolution angenommen, die ihre Entrüstung aussproch über die „verbrecherischen Absichten der Junkerkaste* und zur politischen und gewerkschaftlichen Drga» nisation und zur Lektüre der sozialdemokratische« Presse ausforderte. Versuche der Versammlungs­teilnehmer, in geschlossenen Zügen nach dem Stadtinnern zu marschieren, wurden von von der Polizei vereitelt, die mehrere Verhaftun­gen vornahm. — Auch in Bremen fanden sozialdemokratische Protestversammlungen statt. Die. Polizei fand keinen Anlaß zum Einschreiten.

+ Die Ausweisungen dänischer Staatsbürger aus Nordschleswig und die Verweigerung von Nie­derlassungen, die in den letzten Jahren nur verein­zelt vorkamen, häufen sich unter dem Regime deS neuen Regierungspräsidenten wieder. Go wurden am Mittwoch wieder zwei dänische Dienstboten auS« gewiesen, weil sie an Veranstaltungen im dänisches Versammlungshause teilgenommen haben.

* Weimar, 2. Febr. 1910. Die beiden linksliberalen Gruppen des Weimarischen Land­tages haben sich mit der nationalliberalen Partei zn einer gemeinsamen Fraktion zusammengeschloffen«

* Diez (Lahn), 2. Febr. 1910. Ingenieur Gustav Münch, der von 1881 bis 1883 frei- sinniger Reichstagsabgeordneter für Diez-Limburgs Weilburg war, ist gestorben.

kralen Ernst wäre mit der Vertretung der Arbeitet« Interesten, warum haben sie nicht die Mittel für die Versuche mit der Baumwollkultur bewilligt? (Zurufe bei den Sozialdemokraten: Haben wir getan!) Nein, daS haben Sie nicht getan! Sie haben den ganzen Kolonialetat abgelehnt, also auch die Mittel für die Baumwollversuche. (Beifall.)

Donnerstag: Fortsetzung, kleinere Etats, Rech­nungsfachen.

Deutsches Reich.

— Die Wahlreform in Preußen.

Die ,Nordd. Allg. Zeitung" meldet: Kaiser hat am Mittwoch den Präsidenten Staatsministeriums und den Ministern

Friedrich erschienen. — Das preußische Staats- Ministerium hiett am Mittwoch eine Sitzung ab. __ Üeber den Ausbau der reichsländischen Verfassung in der Richtung der Autonomie finden nach den Münch. Reuest. Nachr.' an den zuständigen Stellen Erörterungen statt, die die Hoffnung auf baldige befriedigende Ergebniffe zu- faffen. — Ein japanische Sondergesandtschast unter Führung des Prinzen Fushimi ist in Berlin ein­getroffen und vom Kaiser empfangen worden. Die Gesandtschaft überbrachte für die Majestäten und das Kronprinzenpaar kostbare Geschenke (japanische Kunstgegenstände).

Im Reichstage herrschte Dienstag Ruhe nach dem Sturm. Der Andrang, besonders zu Be­ginn der Sitzung, war zu den Tribünen so stark, wie seit langem nicht, und auch das Haus war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Die Beschwerde des Abg. Ledebour gegen den ihm erteilten Ord­nungsruf wurde ohne namentliche Abstimmung in ganz kurzer Zeit dadurch erlediatz daß die Mehr« beit die Beschwerde als unbegründet zurückwies. Dann wurde der Handelsvertrag mit Por­tugal in zweiter Lesung erledigt. Der Vertrag war bekanntlich in der Kommission mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt worden, und man sah deshalb der Entscheidung im Plenum mit einer ge­wißen Spannung entgegen. Wider Erwarten er­klärten lediglich die Nationalliberalen, und auch die nur teilweise, ihre Gegnerschaft gegen den Vertrag, zu denen sich nur noch eine Minderheit des Zen­trums und der Reichspartei gesellte. So fand sich nur eine knappe Mehrheit für den Vertrag zu­sammen. Nur — eine eigentümliche Konstellation! Konservative und Sozialdemokraten stimmten ge­schlossen für den Vertrag; alle anderen Parteien sind geteilter Meinung. — Bei Fortsetzung der '.weiten Lesuna des Kolonialetats wurden '«■Artigen erörtert. Auf alle Wünsche und An- < • antwortete Staatssekretär Dernburg, wie ui.:. e r gegenkommend.

ch T.r Schlußakt im Fall Oldenburg. Man schreiet uns aus Berlin: Mit großer Mehrheit hat am Dienstag der Reichstag die Erteilung des Ordnungsrufs an den Abg. Ledebour für gerechtfertigt erklärt. Mit der Maß­nahme des Präsidenten erklärten sich außer den Sozialdemokraten die Freisinnigen und Polen nicht einverstanden, ein Ergebnis, das nicht über­raschen konnte. Die Rechte, Zentrum und National- liberale billigten das Verhalten des Erbprinzen Hohenlohe. Wie es zu erwarten war, wird jetzt vmi der linksliberalen und sozialdemokratischen Presse ein großes -Geschrei darüber erhoben, daß das Zentrum durch diese Abstimmung die Ver­höhnung des Reichstags durch Herrn von Oldenburg gebilligt, daß es schmählicheriveise einen Verfassungsbruch unterstützt habe. Nichts ist dummer als diese Auslegung. Das Haus hatte lediglich darüber zu entscheiden, ob Herr von Oldenburg eine Zurechtweisung verdient und der Präsident einen Verstoß gemacht habe. Man wird aber gegenüber der ganzen Behandlung des Falles in der ltnksliberalen Presse gut tun, immer wieder das Gegenstück der beiden liberalen Präsiventen in der Blockaera im Auge zu haben. Was Herr Paasche und Herr Kämpf auf dem Präsidentenstuhl gesündigt haben, das war wirklich nicht zu über­treffen und ist auch bis jetzt nicht wieder erreicht worden. Vielleicht erinnert man sich auch jetzt noch des Tages vor zwei Jahren, als Herr Kämpf als amtierender Präsident — es war ebenfalls an einem Samstage und es war ebenfalls der Abg. Ledebour — drei Ordnungsrufe zu erteilen sich genötigt glaubte. Abg. Ledebour beschwerte sich und die Mehrheit des" Reichskaxs erklärte die Beschwerde für gerechtfertigt. Herr Kämpf legte fein Amt nieder wurde dann aber in der nächsten Sitzung mit den Stimmen des Blocks wiederum mit dem Amte des zweiten Vizepräsidenten betraut. — Wir erinnern unS nicht, daß die freisinnige Presse damals sich in so höhnischer und gehässiger Weise über die „Nn- fähigkeil' des Herrn Kämpf geäußert hätte, wie sie es jetzt gegenüber dem Erbprinzen Hohenlohe zu tun für recht befindet.

e. Dir Budgetkommisfion des Reichstages trat am Dienstag in die Beratung der ihr überwiesenen Titel des Militäretats ein. Kap. 22, General stab und Landesvermessungswesen, gab Anlaß zu einer Bemängelung von Neuwrderungen cm Beamten, welche eine nur sechsstündige Arbeitszeit haben. Allgemein wurde betont, daß die neuen Stellen abgelehnt werden müßten, es müffe die Arbeitszeit verlängert werden, dadurch würde die Schaffung neuer Stellen überflüffig. Die Kommission lehnte eine Reihe dcr Neuforderungen ab. Es wurde dann von Mitgliedern der Kommission nach den Absichten der Militärverivaltung betr. die Hebungen mit den Luftschiffen gefragt. Die Antwort lautete dahin, daß jährlich vierwöchentliche Hebungen bet Luftschiffe stattfinden sollen und daß sie zu den Mancvern herangezogen werden. Auf den Hinweis, daß sich die Flugapparate bewährt hätten und wegen ihrer größeren Wohlfeilheit auch für Heereszwecke nutzbar gemacht werden sollen, erwiderte ein Ver­treter deS Kriegsministeriums, Flugapparate seien noch zu unsicher. Ihr größter Fehler sei, daß sie nicht langsam stiegen konnten. Ihre Entwicklung werde jedoch von der Armeeverwaltung gleichwohl verfolgt und unterstützt. Die lenkbaren Luftschiffe hätten große Fortschritte gemacht, hauptsächlich, weil die Regierung alle Systeme gleichmäßig unterstütze. Wir seien auf diesem Gebiete allen anderen Staaten voraus. Eine Luftflotte fei zu teuer, aber in dem Lande müßten eine gewisse Anzahl von Luftschiffen vorhanden fein. Die deutsche Industrie liefere den Luftschiffen ausgezeichnete Motore. Eine längere Erörterung folgte bann über den Titel eine halbe Million Mehrkosten zur Bildung eines Veterinär- osfizierkorps. Die Debatte dreht sich darum, ob die Militärroßärzte nur Beamtenquatität haben, oder Offiziere sein sollten. Der Minister trat leb­haft für das Veterinär-OfkuierkorvS ein bauvtiäck«

Gesttttsverwaltung.

Hierbei wird die Frage der Konkurrenz der Gra- dttzer Zucht mit den Prioatställen lebhaft erörtert, ins­besondere vertritt

Abg. v. Oertzen (freik.s unter voller Anerkennung der Leistungen des Graditzer Gestüts und unter Betonung seiner Notwendigkeit für die Vollblutzucht die Jnlereffen der Pnvatställe.

Minister v. Arnim hebt die Nützlichkeit des Gra­ditzer Gestüts hervor; die Konkurrenz seiner Pferde fei auch dadurch etnge chränkt, daß sie sich nur an Rennen über 3000 Mk. beteiligen. Er kommt dann aus den Rennbetrieb im allgemeinen und auf die Zuchtfrage yx sprechen.

In der weiteren Beratung über das Graditzer Gestüt beteiligen sich die Abgg. Graf v. Spee (Ztr.i, v. Pappenheim (kons.), Henckel v. Donnersmarck (Ztr.), v. Oertzen (Reformp.); schließlich wird der Gestütsetat bewilligt.

Er folgt dann.die zweite Lesung des

Forftetais.

Abg. Wendland (natl.) wünscht eine Denkschrift über die aus den inländischen Forsten zu gewinnende Menge von Eisenbahnschwellen. Holzschmellen müßten überall da verwendet werden, wo das dafür geeignete Holz gedeiht, wie z. B. im Regierungsbezirk Staffel.

Oberforstmeister Wesener erklärt, daß schon heute nach Möglichkeit inländisches Holz zu Eisenbahnschwellen verwendet wird.

Abg. Borgmann (Soz.) begründet einen Antrag, die Regierung zu ersuchen, dem Hause bis zur dritten Lesung des Etats Mitteilung zu machen, in welcher Weise beim Abtrieb der vom Nonnensraß geschädigten Waldungen in Ostpreußen für die Arbeiter Fürsorge getroffen war.

Oberforstmeister Wesener gibt eingehende Auskunft. Es sei alles geschehen, was unter den schwierigen Ber- bältniffen geschehen konnte. Er bitte deshalb, den An­trag zurückzuziehen.

Abg. Drinnenberg (Zir.) bringt Beschwerden der Gemeinde Roßbach vor wegen der Abgabe des Losholzes; letzteres werde den Roßbackern aus weit entfernten Wäldern zugewiesen, trotzdem staatliche Forste in unmittelbarer Nähe lägen; zudem käme gegenüber dem Reisigholze zu wenig Hartholz zur Abgabe; auch werde die Qualität des Reisigholzes bemängelt.

Oberlandforstmeister Wesener: Ohne Beschwerden gehe so etwas ja nie ab, doch sei im vorigen Jahre nur eine Beschwerde an den Minister gelangt. Man möge sich doch nut bei Beschwerden an ihn selbsi wenden.

Abg. Rosenow (ftf. Ap ) bedauert, daß die Anzeigen über staatliche Holzverkäufe nur in einem einzigen Blatt erscheinen.

Oberlandforstmeister Wesener erklärt, daß die bis­herige Art der Anzeigen den Wünschen der Jnlereffen« ten entspreche.

Auf eine Anregung aus dem Hause erklärt Land- wirtfchastsminister v. Arnim, daß es bisher keine Sta­tistik über die Vernichtung der Privatwaldun­gen gebe. Gegenüber den großen Flächen, die in den letzten Jahren aufgeiorftet seien, komme die Abforstung von Prwatwaltungen nicht in Betracht. Ein Gesetz, das eine solche Abforstung verbieten würde, würde vom Landtag nicht genehmigt werden. Auch können wir keine Zwangsmaßnahmen gegen die priva'en Ab­forstungen treffen.

Hieraus wird der Antrag Borgmann abgelehnt.

Beim Titel „Jagd' befürwortet

Abg. Borgmann (Soz.), daß die staatlichen Jagd­bezirke in Zukunft an den Meistbietenden verpachtet werden sollen.

Minister U. Arnim weist darauf hin, daß die Sozial- demokraten früher in dieser Angelegenheit einen ent­gegengesetzten Standpunkt angenommen haben.

Abg. Weißärmel (kons.): Es ist recht sonderbar, daß die Sozialdemokraten, die doch sonst das ganze Budget ablehnen, diesmal aus der Jagd Einnahmen erzielen wollen.

Nachdem Abg. Bahrenhorst (frkons.) sich gegen den Antrag ausgesprochen hatte, wird die Weiterberatung auf Donnerstag vertagt.

Ausland. <

* Der dänische ArbeitSmiuister Jensen ist, zurückgetreten. Er hatte das dänische Offizier« korps beleidigt, indem er gegen eine Anzahl höherer Oifttiere die Beschuldigung aussprach, daß sie bei der Regelung der Landesverteidigungsfrage nur deS«, halb in eine Einschränkung ihrer Forde« tun gen gewilligt hätten, weil ihnen zugleich nut der Regelung dieser Frage auch eine Gehalts­erhöhung in Aussicht gestellt worden sei. . J

** Ei» neues norwegisches Ministerium ist tm Auftrage des Königs von Konow gebildet roorben. Entsprechend dem Ausfall der letzten Kan mer« wählen, setzt es sich auS Männern mit gemäßigt konservativen Anschauungen zusammen. -

* Der Friede im Rif steht nicht auf allzu sichere« Füßen. Triumphierend meldete zwar ein amtliches spanisches Telegramm aus Melilla, daß dort eine Abordnung der bedeutendsten Stämme erschienen, ist, um ihre Unterwerfung anzubieten. Natürlich ist das nur Verstellung. Die wahre Gesinnung der, Kabylen offenbart sich aus folgender Depesche: Nach einer amtlichen Meldung wurden bei Sidi« Amaran ein Unteroffizier und einige Soldaten" beim Wasserbolen von Eingeborenen überfallen; der Unteroffizier wurde getötet und ein Soldat »er« mundet.

$ Der König von Siam brachte am DtenS- tag abend in seiner Hauptstadt Bangkog auf einem Festbankett einen Trinkspruch auf den Herzog- Regenten von Braunschweig aus, der alS erster regierender Fürst Siam und seinem alten guten Freunde einen Besuch ab stattete. Der Her«, zog gab in seiner Erwiderung feiner Bewunde­rung über die Fortschritte, die Siam gemacht habe, Ausdruck.

r Der indische Fanatiker, em jugendlicher Bengale, der mährend der Prozeß-Verhandlung gegen die Verschwörer von Alipore am 24. Ja« nuar den Polizei-Inspektor ShamS ul Alum er- schaffen halte, ist zum Tode verurteilt wor­den. Er hatte jeden Rechtsbeistand abgelehnt.

» Die Ermordung von zwei deutschen Rei­senden in der Mongolei hat thre Sühne gefun­den. "Gä sind der indischen Regierung Nachrich­ten über die Mörder der deutschen For­scher Dr. Brunhuber und Schmitz zuge­gangen. Danach sind vier bei dem Morde be­teiligte Angehörige des Sutzu-Stammes von einer Straf-Expedition ergriffen und aus Befehl der chinesischen Behörden in Teng Iuehe hin ge­richtet worden.

5 Die Wetterwolken auf »em Balkan.

Die diplomatischen Beziehungen der Türkei zu Serbien, Bulgarien und Griechenland sind gleich schlecht, so daß niemand u .& gegen welchen Nachbarstaat eigentlich die Rüstungen ge- richtet sind, die man in Konstantinopel zweifellos mit großer Energie betreibt. . !

Die Serben beschweren sich über dre Behänd«, lung, die türkischen Untertanen serbischer Nationalität zu teil wird. Viel wesentlicher sind schon die Kon« sliktspuntt« zwischen Bugarien und der Türkei." Die blutigen Grenzzwischenfälle, die in letzter Zett zu melden waren, zeugen von der Erbitterung, die! die Anaebörioen der beide« Staaten beseelt. Di»'

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vorn 1. Februar 1910.

Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung Etats der

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 1. Februar 1910.

Auf der Tagesordnung steht an erster Stelle die Beschlußfaffung über die Einsprache des Abg. Lede­bour (Soz.) gegen den ihm erteilten

Ordnungsruf.

Hau? und Tribünen weisen eine ungewöhnlich starke Besetzung auf. Der Einspruch wird in einfacher Abstimmung abgelehnt. Mit den Sozialdemokraten stimmten nur die freisinnige Fraktionsgemrinschaft und die Polen.

Es folgt die zweite Beratung des

deutsch-portugiesischen Handelsvertrages.

Die Kommission beantragt, die Genehmigung nicht zu erteilen.

Abg. Herold (Ztr.): Wir sind alle darin einig, daß der Vertrag für Deutschland verbältnismäßig ungünstig ist. (Sehr richtig! im Zentrum.) Trotz­dem wird ein Teil meiner politischen Freunde für den Vertrag stimmen, weil er den vertragslofen Zustand für noch ungünstiger hält und in der Meistbegünstigung einen nicht unbedeutenden Vorteil für den deutschen Exporthandel und auch für einzelne Industriezweige erblickt. Jedoch sprechen diele meine politischen Freunde die Erwartung au8, daß die Regierung beim Abschluß neuer Handelsverträge in Zukunft günstigere Bedingungen zu erzielen bemüht ist. Der Teil meiner Freunde, der sich ablehnend verhält, ist der Ansicht, daß die Tarife seitens Portugals zu hoch gehalten sind und daß nach Ablehnung dieses Vertrags von Portugal ein neuer Handelsvertrag unter günstigen Bedingungen zu erzielen sein werde. (Beifall.) । Abg. Kaempf (ftf. Vp.) hat zwar große Bedenken gegen den Vertrag, erklärt aber, daß die über­wiegende Mehrheit seiner Partei für den Vertrag, durch dessen Abschluß der Zollkrieg vermieden werde, stimmen werde. (Bravo! links.)

Abg. Graf Schwerin-Löwitz (kons.) erllärt namens seiner politischen Freunde, daß sie dem Handelsvertrag zustimmen würden, aber nur mit der entschiedensten Verwahrung dagegen, daß etwa aus dieser Stellung­nahme irgendwelche Schlüsse gezogen werden könnten auf eine gleiche Nachgiebigkeit gegenüber Ländern, bei denen nach 1 einer Ansicht unsere Handelsbeziehungen in wesentlichen Puntten diametral entgegengesetzt liege« wie bei Portugal.

Abg. Strefemann (ntlb.) erklärt, daß der über­wiegende Tetl feiner Freunde gegen den Vertrag, ein kleinerer Teil für denselben stimmen werde.

Abg. Molkenbnhr (Soz.): Wir werden für den Vertrag stimmen, weil wir danach streben, bei möglichst «Uen Ländern die Meistbegünstigung zu erlangen.

Abg. Linz (Rp ): Ich werde mit einem kleinen Äeil meiner Freunde gegen den Vertrag stimmen, da einzelne Industriezweige wie die Textil- und Klein- «ifeninbuftrie aus Portugal verdrängt werden. Hof­fentlich werden bei künftigen Verhandlungen die deutschen Interessen seitens unserer Unterhändler energischer wahrgenommen, als diesmal.

Staatsiekretär v. Schön nimmt den deutschen Konsul in Ltffabon gegen den Vorwurf in Schutz, daß er bei Abschluß des Handelsvertrags die deutschen Jnlereffen nicht genügend wahrgeiiommen habe. .

Abg. Hanisch (wirtsch. Bereinig.) erklärt, daß seine politischen freunde gegen den Vertrag stimmen werden.

Abg. Pauly iCochnm) (Ztr.) führt aus, daß durch den Vertrag die Einfuhr von Obst, Weintrauben usw. aus Portugal sehr begünstigt werde, und daß dadurch die Landwirlschast im Rheinland und der deutsche Weinbau schwer geschädigt werde. Er werde daher mit einem Teil feiner Freunde gegen den Vertrag fttatmen.

Abg. Ahlhorn (freis. Volksp.) will aus Furcht vor jnem Zolllrieg für den Vertrag stimmen.

Staatssetretär Dr. Delbrück: Unser Handels- und Kchiffadrtsverkehr mit Portugal, der sich in den letzten fkahrzehnten außergewöhnlich rasch vermehrt hat, würde eit dem Eintreten eines Zollkriegs so gut wie abge- chnitten sein, und ob es uns bei Beendigung eines toldjen Konflikts möglich fein würde, die verlorene Position roieöer ju gewinnen, erscheint mir zum minde­sten zweifelhaft. Andererseits bietet der Vertrag doch tine Reihe wesentlicher Vorteile, und ich bin bei lieber* jeugung, daß er besser ist, als die zollpolitischen Ver­wicklungen, denen wir im Falle seiner Ablehnung un­weigerlich entgegengehen wurden.

Der Vertrag wird in der Abstimmung mit schwacher Mehrheit angenommen; geschlossen dafür stimmen nur die Konservativen und die Sozialdemokraten.

Es folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Kolonial-EtatS.

Abg. v. Siebert (Reformp.» bittet den Staatssekretär, ftt BarrmwvUklUrur in Ostafrika die regste Aufmerk- ,'amtett zu schenken. Für Kamerun wäre der Bau einer MrlteUauvbahn sehr wünschenswert, im Interesse des Handels und der Arberterbeschaffung.

Abg. Dr. Goller (Freis. Volksp.): Die Beschwerde ,es Abg. Erzberger auf dem Gebiete des kolonialen Schulwesens kann ich nicht ganz unterfchreibe«. Wrr erblicken die Hauptaufgabe der Millionen darin, die Eingeborenen zur Arbeit und zur Kultur zu erziehen tob ich habe mit meiner aus persönlicher Anschauung ^eschöp'ten Ueberzeugung nie zurückgehalten, daß in Kamerun die katholischen Missionen Erfreuliches ge­leistet haben. Wenn sich die Millionen aber der Schule vemächtigerr wollen, so sage ich- bis hierher und nicht weiter! (Lebh. Bravo! links). Aus dem Gebiete der Schule muß der Staat und die KolouialverwaUung plletn herrschen. (Lebh. Beifall links). Gegenüber oem Islam bitte ich um strengste Neutralität. Die Bahnpolitik des Staatssekretärs findet die vollste Zu­stimmung meiner politischen Freunde; bedauerlich ist nur, daß nicht auch in Kamerun mit dem Bahnbau lns Innere rascher vorgegangen wird.

Staatssekretär Dernburg führt auS, daß die Meu­terei in Kamerun durch das Verbot der Vielweiberei Veranlaßt sei. Die Frage der Baumwolle ist eine sehr «mfangreiche. Wenn ich nicht diele Frage für wirt- sthajtllch nicht bedeutsam hielte, hätte ich mcht bie Reise aach Amerika gemacht. Der Staatssekretär geht dann Kf einige Bemängelungen deS Abg. Noske em und st u. a.r Der Abg. Rotte hat sich über bie 93er» J>e""un9 von Maschinengewehren in den Schutzgebieten »e>chwert; ja meine Herren, ich möchte mal wiflen, domu Herr Bebel schießen lasten würde, wenn er ein» ™ ™ die Lage käme, daS Vaterland zn verteidigen, Vermutlich nicht mtt Bonbons. (Große Heiterkeit.» R” *><n Kolonien kann es ohne Gewalt nun einmal •«t abaeben. UebnaenS wenn es den Sozial demo­

; Bersin, r. Febr. 1910. Der Kaiser nahm Mittwoch be« Vortrag des Chefs des ZivilkabineUS entgegen, — Der Großherzog und die Großherzogin von Sachsen-Weimar find Mittwoch mittag ans dem Anhalter Bahnhof in Berlin eingeboren. Bum Enwfana waren der Kaiser unb Prick Eitel