37. Jahraang
Fulda, Dienstaq den 1. Februar 1910
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Botationsbrnäunb Verla- der Zuldaer 2Ö» tienöruderei in Zulda Zernsprecher Nr. S.
Wortes an,eigen kann. Alsdann bekommt dieser neue polnische Uebeltäter diesen „Pollack". Wirtschaftet nicht unser ganze» Ostmarkenshstem nach diesem Rezept, wenn mich nicht in dieser groben Form? Da können sich die Rationalliberalen unmöglich darüber wundern, wenn ihnen auch einmal der „Pollack" zugeschoben worden ist.
So groß tft ihre Empfindsamkeit ja wohl auch nicht; in der Sattowiher Angelegenheit wandeln die Nationallibernlen wahrlich nicht in moralischen Lackschuhen. Wenn sie also jetzt so empfindlich tun, dann zeugt daS höchstens davon, daß sie etwas besonderes im Schilde führen. Und das ist sicher der Fall, man hat die Absicht, den konservativen Einfluß in der Verwaltung zu bekämpfen. Dazu dient diese geheimnisvolle Interpellation.
AuS alledem reimte man sich zusammen, daß sie von der Verzweiflung getrieben, den ungeliebten Mann, der ahnungslos auf den Turm gestiegen, mit einem einzigen kraftvollen Stoß hinabgeschleudert habe in die Tiefe, um ihn los ,n sein und dem Geliebten
Erscheint täglich »ät Knrnahme der Se-tn» gab Feiertage, viertel» Ehrlicher vnagrpreir ohne vringerlohn und veßellgeld in Fnlda s»» Die auswärts 1-50 Ml.
verant«. Hebotteurt
Toten nicht zu berühren, bis daS Gericht den Tatbe- sumd festgestellt hatte. So geschah cs mich. Aber bei der näheren Untersuchung des schrecklichen Falles wurden sonderbare Dinge zutage gefördert: In der fest- geschloffenen Hand des Toten fand man ein feiner, golden^ Kettchen, das, wie Egon Helldorff bestimmt auSsagte, die junge Frau stets getragen hatte, auch an dem Unglückstage wollte er es an chr bemerkt haben; viele Leute hatten dasselbe Kettchen sogar am Hochzeitstage am Halse der jungen Frau bemerkt.
Da« Gericht fand eS höchst merkwürdig, daß nun der Tote daS Kettchen in der Hand hielt, so, als hätte er sich im Sturze noch daran festgeklammert, um einen Halt zu finden. Man nahm an, daß dabei da» schwache Schloß nachgegeben hab«. Und die junge Frau wollte von alledem nichts wissen; Re leugnete sogar dabei gewesen zu sein, als da» Unglück geschah.
Der Gerichtsbeamtc wiegte bedenklich das Haupt und murmelte mehrere Male: .Sonderbar — höchst sonderbar," als er alle» genau notierte.
Unter den Sauern beS Dorfes befand sich auch einer, der eine seltsame Geschichte zn erzählen wußte: Er sei auf dem Wege von der Station ein Stück weit mit einem jungen Menschen gegangen. Derselbe habe sich sogleich nach der Enkelin des Müllers Brendel er- kundigt und al» er erfahren, daß dieselbe verheiratet fei, habe er laut gerufen: „Das ist nicht wahr, — Ihr lügt, — alle lügt Ihr! — Es kann ja nicht fein!" Und dabei habe er so verzweifelt ausgesehen, daß e» dem Bauern ordentlich leid getan habe. Der Fremde konnte dann vor lauter Jammer nicht gleich weiter gehen. Und in der Wohnung der grau wurde ein sehr kompromittierender Bries gefunden AuS diesem Schreiben, das sich ebenfalls bereits in den Händen b«8 Gericht» befand, ging deutlich hervor, daß die junge Frau früher einen anderen Mann geliebt habe.
von einer Präsioentschaftskrtsis, die durch das Verhalten deS Erbprinzen von Hohenlohe eröffnet fei. Der „Vorwärts", das Zentralorgan der Sozialdemokratie, schlägt natürlich ganz besonders scharfe Töne an. Die Sozialdemokratie läßt sich natürlich den brillanten Agitationsstoff nicht entgehen. Wie der „Vorw." ankünd'gt, werden in Berlin und in den Vororten am Dienstag zahlreiche Protestversammlungen stattfinden. — Von Jutereffe ist die Erinnerung, daß vor sechs Jahren ein Reichstag von einem Obersten und ,einem Infanterieregiment geschloffen worden ist, nämlich der ungarische in Budapest. Das geschah allerdings erst dann, al» sich bie Abgeordneten trotz der Parlamentsauflösung wieder im Hause versammeln wollten.
II Ausbildrmg unserer Offiziere im Fliegen. Seit einigen Wochen werden' mehrere Offiziere in der Kunst des Wiegens ausgebildet. Diese Flugübungen find aber einstweilen noch rein private Angelegenheiten der betreffenden Offiziere. Ein Kommando dazu ist noch nicht erfolgt, da bekanntermaßen die Militärverwaltung einstweilen noch der Flugmaschine wenig Wert für di« Verwendung im Kriege beimißt.
C. Gegen die Ausschreitungen „toilber* Automobilisten hat der Abg. Strosser (BreS- lau) mit Unterstützung sämtlicher bürgerlichen Parteien im Abgeordnetenhause den Antrag ein» gebracht, die Staatsregierung aufzufordern, die Polizei-Organe anzuweisen, dahin zu wirken, daß die für den Verkehr mit Kraftfahrzeugen erlaffeneti Borschristen auch befolgt werden und daß aus verkehrsreichen Straßen die Personenbeförderung mit Kraftfahrzeugen auf die engsten Grenzen ehu geschränkt oder ganz untersagt wird.
.{« Die ruitzluugerre fozialdemokrat. Landtagswahl - „Demonstratio»".
Zu einer .gewaltigen Demonstration" sollte sich bie Beteiligung der Sozialdemokratie an den letzten Landtagswahlen i. I. 1908 gestalten. ES ist aber bet dem Wunsche geblieben. Das geht aus einem Artikel: „Die Lehren der preußischen Landtagswahlen 1908 für die Sozialdemokratie" vom „Genossen" Dr. Arons in der jüngsten Nummer (2) der „Sozialistischen Monatshefte" hervor. Es wird darin auf Grund der kürzlich veröffentlichten Wahlstatistik deS Preußischen Stattstischen Landesamts (30. Ergänzungsheft) diese Wahlbeteiligung der „Genossen" untersucht.
Zwar habe, so führt Arons aus, die Sozialdemo- tratie bet den Wahlen 1908 598 522 Urwähler auf die Beine gebracht gegen 310149 im Jahre 1903. Aber mit einem solchen Erfolge durste sie sich nicht zufrieden geben, wenn es sich um eine „gewaltige Demonstration" habe handeln sollen. Die Bedeutung dieser Zcchl von 598 522 sozialdemokratischen Urwählern, deS Zuwachses von 288 373 gegenüber 1903, schrumpfe jedoch sofort zusammen, wenn man die Erfolge anderer Parteien zum Vergleich heranziehc. Im ganzen hätten sich 1908 835 946 Urwähler mehr als 1903 beteiligt Sei der Prozentsatz der sozialdemokratischen Wähler unter allen Abstimmenden von 18,8 auf 23,9 gestiegen, so lauteten die entsprechenden ZaUen für das Zentrum 15,1 und 19,9. Ja, der Zentrumsanhang habe sich von 251 958 Urwählern im Jahre 1903 auf 499 343 im Jahre 1908, also um 247385 vermehrt. Habe die Sozial- demokratte einen Sttmmenzuwachs von 62 Prozent erreicht, so die Z e n t r u ms p a r t e i a n d e r s e i t s einen solchen von 98 Prozent. Dabei sei zu bedenken, daß es leichter fei, für eine neue oder doch in der Mehrzahl der Bezirke neu auftretende Partei, wie eS die Sozialdemokratie fei, einen fo hohen prozentualen Zuwachs zu erzielen, als für eine alte.
Was dagegen die Sozialdemokratte, wenn sie ihren Zweck einer „gewaltigen Demonstration" hätte erreichen wollen, hätte leisten können, weist bann Arons durch einen Vergleich der Urwähler bei den Landtagswahlen in Preußen mit der Zahl der abgegebenen Stimmen bei den Reichstagswahlen nach Dabei ergibt sich denn als Ergebnis, daß die S o - zialdemokratie ganz besonders schlecht abschneidet. Fragt man sich: Wieviel Prozent ihrer Reichstagswähler von 1907 durften die einzelnen Parteien al» chre Urwähler bei den Landtagswahlen 1908 zählen? — so stehen hier weitaus an erster Stelle die Polen mit 47,3 Prozent. Ihnen folgen Zentrum (39,2 Prozent) und Nattonalliberale (37 Prozent). Dann erst folgt mit 33 Prozent, nicht ganz einem Drittel ihrer preußischen Reichstagswähler, die Sozialdemokratie. Dr. AronS ist nun seiner Partei gegenüber nachsichtig genug, diese auffallende Rückständigkeit der Sozialdemokratte auf bie Oeffentlichkeit der Wahl zuruckzuführen. Anderseits läßt letzterer Umstand bas Fehlschlagen ber Idee der
Gerüchte um fo lieber, al» man auch mit Bestimmtheit erfuhr, daß Viktor Bolz tatsächlich schon vor bet Hochzeit sein großer Vermögen ausschließlich einiger Legate, die für seine Verwandten bestimmt waren, seiner jungen Frau verschrieben hatte. Man besprach den ungeheuerlichen Vorfall nach allen Seiten unb jeder wußte etwas hinzuzufetzen.
Währenddem lag die junge Frau in einem schweren Rervenfieber. Sie hatte keine Ahnung von den düstere«, unheimlichen Wolken, die sich über ihrem Haupte zusammenzogen.
Am Morgen nach dem unheilvollen Tage hatte sie sich nach der Mühle begeben.
„Laß mich bei Dir bleiben," bat sie die alte Rvsel, „ich halte es zu Hause nicht aus, mir ist, als müßte das Hau» über mir zusammenbrechen, eS liegt irgend etwas Furchtbares in der Luft, die Dienstboten sehen mich so scheu an, man weicht mir au», — ach Gott, ich bin am Ende meiner Kraft!"
Dann war sie zusammengebrochen. Run lag st« in ihrem ehemaligen Stübchen, treulich gepflegt von der guten Alten, die fast vergehen wollte vor Kummer und Schmerz, denn auch ihr konnten natürlich di« schrecklichen Gerüchte nicht verborgen bleiben, von denen man in der ganzen Umgegend sprach. Schon verschiedene Male war zu ihrer Verzweiflung ein unheimlicher Mensch dagewesen, der sie nach allem möglichen ausfragte und sie ungeheuer ängstigte. Sie konnten es kaum erwarten, diese erbarmungslosen Menschen, bis die arme Gerda so weit wieder ihre fünf Sinn« beisammen hatte, um auf die vielen Kreuz- und Querfragen antworten zu können und st« bis auf» Blut |» Quälen.
Gerda hatte es überhaupt nur dem energischen Einschreiten de» Arztes zu verdanken, daß man sie hier getaffen. Der Doktor erklärte auf das entschiedenste, daß die Pattenttn in der gewohnten Umgebung bleiben müsse, bis chr Leven außer Gefahr sei. Der Beamte meinte achselzuckend: „Run ja, taffen wir sie, «tn Fluchtverdacht liegt vorläufig nicht öoc"
(Fortsetzung foIffM
auf dem Felsen anfgeschlagen war. Sie dachten natürlich an einen Unglücksfall, ließen den Toten liegen und eilten fo rasch sie konnten zur Villa, das ganze Hau» mit der fürchterlichen Botschaft alarmierend. Egon Helldorff eilte sogleich mit mehreren Arbeitern und Leuten, die inzwischen ebenfalls von dem Unglück gehört hott«! und sich teil? mt8 Neugierde, teils aus Teilnahme dem Zuge anschloffen, zur Ruine. Unterwegs fragte Egon Helldorff mehrere Male nach der jungen Frau seines Vetter». Sie sei doch zusammen mtt ihrem Manne weggegangen, er habe es mit eigenen Augen gesehen, behauptete er aufgeregt. Als der ganze Trupp an der Unglücksstelle anlangte, war aber von der jungen Fran nirgends etwas zu sehen. Man durchsuchte alle» genau, keine Spur wollte sich finden. Da kam Egon auf den Gedanken, die Gesuchte könnte zusammen mtt ihrem Mann den Turm bestiegen ha den. Als man hinaus kam — eS durften wegen der Baufälligkeit nur zwei hinaufsteigen, — kauerte die unglückliche junge Fron auf der Plattform, die ehemals zum Schutze von einem ei fernen Gitter umgeben war, das aber zermürbt und vom Roste zerfresse», teilweise ganz abgebrochen war, sodaß nur noch einzeln« Stangen in die Höhe ragten. Die junge grau saß am Boden, mit entsetzten, unnatürlich großen Augen vor sich hinstarrend, da» Haar zerzaust vom Sturm. Sie machte den Eindruck, all wäre sie nicht bei ©innen und gab auf alle Fragen, die man an sie richtete, ganj verkehrte Antworten. Manchmal bewegte sie die Lippen, al; wollte Re mehr sagen, brachte aber keinen Xon heran». Nur als Egon Helldorff sie liebevoll und ganz sanft fragte, wie denn da» schreckliche Unglück hab« geschehen können, da schüttelte sie mit verzweifeltem Blick den Kopf und sagte: „Ich weiß nicht — ich Weiß nicht, — ach Gott, bet arme Viktor, ich wollte nicht, daß er hier herauf ging, — gewiß, ich wollte a nichts Er hat e» nicht ander» getanI"
0 Die geheimnisvolle Interpellation.
Die Rationalliberalen sind eifrig dabei, die Früchte ihrer Polittk von sich abzuwehren. Sie haben bekannllich im Abgeordnetenhause eine Interpellation eingebracht, in der sie gegen die Maßregelung von Beamten wegen nationalliberaler Betätigung protestieren Dabei schlagen sie eine Taktik ein, die bisher bei Interpellationen noch niemals zu beobachten war. Sie schweigen, schweigen in sieben Sprachen über das, was sie zu ihrer Interpellation veranlaßt hat. Bei Jn- terpellattonen ist eS sonst Brauch, den Gegenstand ber Kritik möglichst weit bekanntzumachen, die Ra- HonaUiberalen halten den kostbaren Schatz wieberer- wachender nationalliberaler Opposittonskraft ängstlich in ihrem Busen verborgen. Ein Schlüssel für diese» sonderbare Verhalten der Rationalliberalen ist nicht schwer zu finden. Die Herren fürchten die Ergebnisse ihrer eigenen Politik und wollen den übrigen Parteien möglichst Wenig Gelegenheit geben, darauf mit schlagendem Beweismaterial zu antworten. Das verrät auch das nattonalliberale Blatt in Königsberg, daS sich zu dieser Jnterpellatton allerlei sehr merkwürdige Gedanken schreiben läßt. Es ist ein Ausbruch tiefer Unzu- sriedenhett in den Kreisen der Nationalliberalm, die auS diesen Seiten spricht. Man lese nur:
„Die Jmerpellation kommt bereit, btt Polen er Verhältnisse kennen, nicht unerwartet. Wie nnS mit- geieilt wird, sinvet dort eine starke Beaufsichtigung ber Beamten statt, sodaß z. B. verschiedene Beamte an den nattonnflibrralat Parteisekretär die Bitte gerichtet haben, brieflichen Verkehr mit
ihnen weißer Kuverts >- be neu. Wenn etwa von der rechten Sette bet **...u> mo erhoben werden sollte, bie Sache fei pulsten tn national gefährdeten Kreisen, um eine Zerfplttlerimg ber deutschen Stimmen zu vermeiden, fo möchten wir daraus Hinweisen, daß die Interpellation nd> in der Hauptsache ans Vorgänge in einem Kreise bezieht, der durch die Polen, wie sich durch daS Stimmenverhältnis leicht feststellen läßt, ab« »lut nicht gefährdet ist."
„Starke Beaufsichtigung der Beamten"! Wer hat denn die gewollt?! Wer hat eS auS vollstem Herzen -ebMgt, als die Rrgtemng die Wahlen in Kattowitz kontrollierte und die Zentrumswähler versetzte? Dort zeschah eS, nach nationalliberaler Meinung „im Interesse deS Dienstes", im „Interesse des Vaterlandes". Richtet sich diese Beaufsichtigung aber auch auf na- Itonalliberale Beamte, dann entrüstet man sich darüber! In welcher Form soll denn" die Scheidung ber Nattoncckliberalen und der übrigen Samten bei dieser Kontrolle wohl vor sich gehen? Wenn die Beamten „im Interesse deS Dienstes" und „im Interesse des Vaterlandes" deanffichtigt werden muffen, dann muß :diese Kontrolle doch notgedrungen alle Beamte treffen. Ausnahmen können da doch nickt gemacht werden, fonst könnte sich ja irgend ein polnischer Wolf im ,nationallibernlen Schafskleide einschleichen I Wollen
bie Rationalliberalen also eine Kontrolle, bann müssen sie sich nicht wundern, wenn ihre eigenen Parteigänger dabei in Mitleidenschaft gezogen werden. DaS Wanze ist übrigens letzten Endes ein Vorstoß gegen 'ne Konservativen, deren Einfluß in der Verwaltung nun alflchwächen möchte. Dafür zeugt die Wahl des llugenblicks für diese Interpellation. Nach dem Zeugais des Königsberger BlatteS ist die „starte Beaufsichtigung der Beamten" keine Erscheinung, die von heute datiert, auch nicht vom letzten Jahre. ®>ie hak die Polenpolitik der Regierung eben immer begleiten müssen, weil diese ja gerade eine Beanfsichtigungs- pvlitik ist. In einer Schule in einer polnischen jGrgend hat ein Lehrer einen Strafstcck ausgegeben, den man „Pollack" nennt. Dasjenige Kind bekommt ihn, daS sich im Verkehr mtt seinen Mitschülern eines polnischen Wortes bedient. DaS Kind, daS diesen Stock im Besitz hat, muß ihn solange behalten, bis eS irgend einen ?tiischüler wegen Gebrauches eine» polnischen
Ausland.
** Um Persiens Unabhängigkeit ist eS schlecht bestellt, wie folgender Fall beweist: Als Hochverräter is^bekanntlich vor einigen Tagen ein vornehmer Pern fff in Teheran öffentlich gehängt Worben. Ruß« land und England erhoben gegen diese Hinrich» tung Protest und zwangen die Regierung dazu, di» Richter und Henker deS Hochverräter- in- Gefängnis zu werfen. Der persische Minister des Aeußern mußt» außerdem bei ber russischen Gesandtschaft erscheine^ und sein Bedauern auSsprechen.
** In Sinnt, dem hinterinbischen Königreich, s» chen die O e st e r r e i ch e r festen Fuß zu fassen. Ma» will versuchen, die Abtretung eines geeigneten Land« striches am Menam in der Nähe von Bangkok zu ev> langen, um dort eine österreichische Siedelung zu ew richten, die einen Ausgangspunkt bilden könnte für eine erfolgreichere Betätigung des österreichischen Ausfuhrhandels
Rur mit Mühe konnte man sie überreden, herunter zu steigen. Sie War kaum imstande, sich auf den Füßen zu halten und faß dann später in ihrem Schlafzimmer, ohne sich zu rühren und ohne Speise und Trank anzunehmm. Egon Helldorff hatte nicht eine ...__________ .... o„ ......... „........
Minute lang d— ®o»f verloren. Er ordnete an, den ihre- Herzens folgen «t können. Man glaubte all bier‘
Schattenblume.
11] Originalroman von Iren« v. Hellmuth.
; „Alfred!" schrie Gerda auf, „Was willst Du tun? D'llst Du mich noch elender machen, als ich bin?" Er wandte sich ab.
„Verzeih', sagte er leise, „ich will ja versuchen, dies Leben weiter zu tragen, wenngleich ber Tod für mich «ine Erlösung wäre. Die Versuchung, die- Dasein zu znben, wird wahrscheinlich noch öfters an mich her- Xitreten! Aber jetzt lebe wohl!"
St riß sich gewaltsam los und stürmte, ohne auf ben Weg zu achten, mitten durch daS dichte Gestrüpp hindurch davon —.
Wie ein Trunkener eilte ec weiter, et sah sich nicht .«in einziges Mal um. Gerda aber stand und starrte . ihm nach, bis seine Gestalt zwischen den Büschen verschwand. Tann seufzte sie tief auf und schlug den Weg kttach der Ruine ein, im stillen verwundert,daß Viktor inoch nicht pt sehen war.
„gewaltigen Demonstration" erst recht hewortreten. Denn, so betont AronS:
Die Oeffentltchkeil der Abstimmung sollte ja die Möglichkeit der „gewaltigen Demonstration" erst geben. Bon allen Seiten hieß es auf dem preußischen «artet» tag von 1907: Wenn die Massen in Preußen etwas erreichen wollten, dann müßten sie Opfer bringen, dann müßten sie auch ihre Haut zu Markte tragen. Jetzt aalt eS für bie Massen unter voller Erkenntnis der Möglichkett von Opfern tn öffentlicher Abstimmung zu zeigen, daß sie sich zur Sozialdemokratie bekennten, daß sie deren Wahlrechtekampf mitfechten rooüten, koste es, was es wolle. Hier haben aber dtedemonstrations- lnstigen Gen offen völlig versagtl
H' b fo gefleht Dr. Arons denn schließlich, daß die Beteiligung der Sozialdemokratie an den preußischen Lrndtaa-wählen keineswegs die Gestalt einer „gewaltigen Demonstration" angenommen habe. Und diese Feststellung läßt ihn auch an der Möglichkeit und dem voraussichtlichen Erfolg weiterer Demonstrationen sehr zweifeln.
Man dürfe, so führt er aus, sein Urteil nicht allein nach der begeisterten Stimmung und ber glänzenden Haltung der Berlmer „Arbeilerregimenter" bilden, bie leider nur sehr vereinzelt Nachahmung gesunden hättet'. In ber Überwältigenden Zahl der Bezirke hätten die Massen »erfagt Hätten sie aber schon vertagt gegenüber den Opfern, bie die Beteiligung an bet öffentlichen Stimmabgabe für bie Sozialbemokraten im Gefolge haben konnten, so dürfe man um so weniger erwarten, daß sie bie Opfer auf sich nehmen würden, die Siraßendemonstrationen in teuften vermutlich, ber Massenstreik sicher mit sich bringen würbe. Die Massen hätten es v er s äum t, den Beweis ihrer Opfer- willtgkett für den Wahlrechtskamvf bei einet verhältnismäßig nicht allzulchweten Probe zu erbringen; damit müßten bie verantwortlichen Führer rechnen.
Wir find nun wett genug davon entfernt, über dieses Mißlingen der erhofften sozialdemolratifchen Wahldetetligung Schadenfreude zu empfinden. Im Gegenteil! Im Interesse einer Wahlreform ist es sehr zu bedauern, daß die großen Wählermaffen ihrem Willen nach einer zeitgemäßen Reform nickt durch eine große Wahlbeteiligung stärkern Ausdruck gegeben haben. Wenn man dagegen sieht, wie bie sozialdemokratische Presse unter verdächtigenden Lufthieben auf wirklich resormwahlrechtsftcundlichc Parteien sich den Anschein zu geben sucht, als ob es nur in der Sozialdemokratie rechte „Wahlrechtskämpser" gäbe, so erscheint für ein derartiges Pharisäertum die Lektion des „Genossen" Dr. Arons nicht unverdient!
Deutscher Reich.
Der Sturm im Reichstag beschäftigt natürlich auch die Presse lebhaft. Bemerkenswert ist, daß auch von den konservativen Blät- lern nut die „Deutsche Tageszeitung- mit Begeisterung Herrn v. Oldenburg beispringt. Sie findet es unbegreiflich, daß man den „köstlichen Humor" der Rede mißverstehen wolle. Eine wirkliche Ursache zur Erregung habe durchaus nicht Vorgelegen und nur ausgesprochene Böswilligkeit habe das annehmen können. Vor- sichtiger urteilt die „Kreuzzeitung". In ihrem kurzen Bericht über die gestrigen Verhand lungen läßt sie durchblicken, daß 'sie von den Taten des „Januschaners" nicht- weniger als entzückt ist. Sie sagt kurz zu dem Zwischenfalle, „Herr v. Oldenburg habe sich, in seinen Ausfällen immer heftiger werdend, zu der Aeußerung hinreißen lasten, der König von Preußen müffe jederzeit in der Lage fein, einen Leutnant zur Schließung deS Reichstages zu kommandieren." Dte liberalen Blättern sehe» mtt Ausnahme der „Täglichen Rundschau", die dem Falle tetne politische Bedeutung beilegen will, den ganzen Vorgang als höchst bedenklich an und sprechen
r Am Nachmittag und Abend, sowie an den folgenden Tagen befanden sich alle Bewohner be« kleinen Drte» in einer unbeschreiblichen Aufregung. Sruppen- (toeife stauben die Leute beisammen und besprachen erregt den ungeheuren, schrecklichen Vorfall. So etwas War seit Menschengedenken nicht bagewefenl Wie ein jLauffeuer ging die furchtbare Kunde von Mund zu Mund und war am anderen Tage gleich einer Lawine l gewachsen: Di« junge Frau deS Fabrikbesitzer» Bolz sollte den Gatt«, den fie nur seine» großen Lermö- »ns weg« geheiratet hatte, nach dem Turm ber Ruine j®61' Wen, um ihn von dort herabzustürzen.
c» ® ”t>en fürchterlichen verdacht zuerst auSgespro- nl4t, Tatsache aber war, daß Egon ?__rtl baS Ehepaar gegen halb 12 Uhr hatte zu-
f°rtgeh« seh« und daß fte die Richtung nach Dfe. u-T rttrgrschiagen ^a6en- Etwa um halb ein vr imwen Jlrbeiter ben Fabrikbesitzer unterhalb deS LAÄ A dem der alte Turm stand. Der Tote Dttle Nch im Sturm bte Hirnschale zerschmettert, ba er
Ans dem Nachbargebiete.
G Hanau, 31. Jan. 1010. Im benachbarten Groß-Steinheim fuhr beim Rodeln der 13jährige Knabe Weigand eine steile Wegstrecke am Feste» keller hinab, vermochte aber seinen Schlitten v« dem Main nicht rechtzettig zu wenden und saust« in den hochgehenden Strom. Ein Fischer rettet« den Knaben.
* Frankfurt a. M., 31. Jan. 1910. Wie das Präsidium der International« Au», stellung für Sport und Spiel mitteilh hat der Kaiser genehmigt, daß sich die östed reichischen Offiziere an den Propofitionen, di« für den ConeourS hippique ausgeschrieben sind, beteiligen dürfen.
* Frankenberg, 80. Jan. 1910. Bei dem gestern 7.26 Uhr nach Marburg von hier abge-
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