uldaerWI
37. Jahrqanq
Fulda, Samstag den 29. Januar 1910
GvKes 'sßlatt.
der
jeweils
Sozialdem.
Mehrheit von Parteien
folgendermaßen:.
Bürgerliche P.
1.
3714
3585
6985
8744
6018
7875
1898:
1903:
1907:
2.
4669
7835
9509
2.
6376
8590
9834
kam ich, mir mein lachendes Glück zu holen! Ich wunderte mick, daß ich Dich nicht am Bahnhof sah, denn ich hatte doch auf der ganzen Fahrt Dein glückliches Gesicht vor Augen, Dein Lächeln, Deine Freude, daß sich nun alles so zum guten gewendet. Ms sich auch am Fenster und an der Treppe niemand sehen ließ, klopfte mir das Herz, denn ich dachte an ein Unglück. Bebend vor Aufregung betrat ich die Wohnung. Deine Stiefmutter teilte mir mit boshaftem Lächeln mit, daß Du sie heimlich verlassen und zu Deinem Großvater, dem Müller, gegangen seiest.
,3a die Gerda, das ist eine Schlaue", sagte sie, »die hat jetzt einen reichen Fabrikbriitzer geheiratet, na, sie hcttte eigenttich recht, zuzulangen, denn eine solche Partte macht man nicht cüle Tage." — Was ich darauf erwidert habe, weiß ich nicht mehr, ich erinnere mich nur, daß ich wie ein Wahnsinniger zum Bahnhof lief Ich hatte Glück, denn ich kam gerade noch recht, in den Zug zu springen und hierher zu fahren.
Unterwegs lachte ich wieder. Ich beruhigte mich vollständig, denn ich zweifelte keinen Augenblick mehr daran, daß Frau Emilie mich belogen hatte. Ganz ruhig fragte ich auf der Station nach dem Wege zur Mühle. Unterwegs begegnete mir ein Bauer aus dem Dorfe, den fragte ich, ob er die Enkelin deS Müllers Brendel kenne. Der nahm die Pfeife auS dem Munde und lachte verschmitzt. »Sie, das ist eine Schlaue!" sagte er zu mir, »die hat cs klug an- gefangen. Ist jetzt die reichste Frau in der ganzen Umgegend, man munkelt freilich, daß sie ihren Mann nur des Geldes wegen genommen hat, denn in der Kirche soll sie wie ein Steinbild neben ihm gestanden haben. Ra ja, Geld hat der wie Heu und sie kann sich ein schönes Leben machen. Der Mann sollte zu- erst seine schöne Base heiraten, ja — aber die schlaue Müllerin ließ das nicht zu. Die Base mußte aus dem Hause und sie selbst hat sich nun in das warme Nest gesetzt. Sogar das Vermögen hat sie sich erst zu- schreiben lassen, ehe sie heiratete! Na ja, ein verflixt hübsches Frauenzimmer ist sie wohl, er wird
sich halt in sie vergafft haben." (Fortsetzung foIflP
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 28. Januar 1910.
Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung ^weiten Beratung über den
Militärrtat.
scheint tlglt 4 «H Ausnahme der
Feiertage viertel« jährlicher vezfgspreir ohne vringerlohn und veßellgeld in Znlda so* wie auswärts 1.50 Mk. verantw. kedakteurr
Ministerialdirektor Wefener sagt auf eine Anregung des Abg. Schifferer die Förderung der Geschäfte der Generalkommission für Schleswig-Holstein zu.
Abg. Tourneau (Zenlr.I bedauert, daß der General- kommission in l>iet)eburg die Zuschüsse des staatlichen Dispositionsfonds entzogen würden, wodurch namentlich die Meliorationen aus dem Erchsfelde leiden.
Ministerialdirekwr Wesener erklärt, daß die Regie* rung die wirtichasllichen Verhältnisse des EichsseldS wohlwollend im Auge behalten werde.
Bei dem Kapitel „Landwirtschaftliche Lehr* an st alt en" befürwortet
Abg. Müller-Berlin (stets. Vp.) eine Erhöhung der Mittel für die landwirtschaftlichen Hochschulen und Förderung der Geflügelzucht.
Mehrere Redner traten für die Belassung des pomologischen Instituts in Proskau (Schlesien) ein.
Abg. Witzmann (natl.) befürwortet eine weitere Ausdehnung des hauswirtschaftltchen Unter* richts auf dem Lande. , , ,
Beim Kapitel „Tierärztliche Hochschule« und Betertnärw esen" führen die Abgg. v. Klöde« und v Erffa (kons.) Klagen über die hohe Belastung der Gememden durch die Nachbeschau der erkrantteu Tiere durch die Tierärzte.
Ein Regierungskommisfar empfiehlt zur Verteilung der Kosten die Bildung von Kassen aus den bei der Fleischbeschau eingehenden Gebühren.
Auf eine Anstage erklärte Minister v. Armm, daß hinsichtlich des Promotionsrechts für die tierärztlichen Hochschulen mtt den anderen Bundesstaaten Verhandlungen fchwevlen. Ferner erklärte der Minister, daß die bisherigen Erfahrungen mit der Fütt erung von Eostngerste eine schädliche Wirkung nicht ergebe« haben.
Abg. Heine (natL): Die veterinärpolizeilichen und gesetzlichen Bestimmungen zur Bekämpfung und gegen die Einschleppung von Viehseuchen müssen unbedingt aus rech ter»'al len bleiben. ,
Auf eine Anstage erklärte Minister v. Armm, wen« die Maul, und Klauenseuche sehr große Verluste ver* urfache, so wäre zu erwägen, ob nicht in einzelne« Fällen außerordentliche Beihilfen gewährt werden künnem
Bei dem Kapitel.Förderung d er Viehzucht" begründet Abg. Schulze-Pelkum (kons.) einen Antrag, worin die Regierung ersucht wird, die Summe von 231000 Mk. für Slaatspreste bei Rennen vom nächsten Jahre ab angeme.en zu erhöhen. Im Saufe der Debatte erklärte ein Regierungskommissar, die Regierung habe ein warmes Interesse >ür die Vollblutzucht. Im Bedarfsialle werde fie auch die Staatspreise erhöhe«. Bei der gegenwärtigen Finanzlage sei eine solche Erhöhung aber ausgeschlossen. _
Der Antrag wird hierauf der Bugetkommlssion überwiesen und die Weiterberatung auf Samstag 11 Uhr vertagt. _
ö Die Reichstagsersatzwahl in Eisenach-Dermbach
findet heute statt. Das Ergebnis wird überall mtt großer Spannung erwartet.
Voraussichtlich wird ein endgülttges Ergebnis heute noch nicht erzielt, sondern eine Stichwahl nötig werden. Die eine Pattei, die in der Stichwahl zu kämpfen hat, ist sicher die Sozialdemokratie; ftaglich ist nur, welche Partei die andere ist. Die Sozialdemokratie ist seit 1898 noch jedesmal in die Stichwahl gekommen, bezeichnenderweise jedesmal mit dem Kandidaten einer anderen Partei: 1897 mit dem des Freisinn, 1903 mit dem der Nationalliberalen, und 1907 mit dem der wittschaftlichen Vereinigung. Die , Stimmenverhältnisse im £ und 2. Wahlgange waren
preßte sie auf die Stuft, sie vermochte nicht weiter zu gehen, die Füße versagten den Dienst.
„Alfred, — um Gotteswillen, — Du hier?" stammelte sie mit fast versagender Stimme.
Sie bemertte, wie die Lippen des vor ihr stehenden Mannes sich verächtlich kräuselten und wie blaß und erregt er war.
„Ja, — ich!" sagte er, nrühsam nach Fassung ttngend. „Sie haben mich wohl nicht erwartet, gnädige Frau? Ja, ja, die Sehnsucht, Sie wieder zu sehen, ließ mich nicht ruhen noch rasten; ich konnte eS ja kaum erwarten, die ganze Nacht bin ich gefahren, — es half mir doch nichts mehr! Wie konnte ich auch ahnen, daß Sie es so eilig haben würden, unter die Haube zu kommen! Freilich, wenn so ein reicher Fabrikbesitzer kommt, da besinnt man sich nicht lange, da wirst man all den alten Kram, der Liebe und Treue heißt, weit von sich! — Daß auch Dich das verdammte gleißnettsche Gold blenden würde, hätte ich allerdings nicht gedacht I" rief er, unwillkürlich zu dem alten vertrauliche« „Du" übergehend.
All seine Bitterkeit, all der künstlich angewandte Groll wollte nicht stand halten beim Anblick derjenigen, die er so heiß geliebt und die ihm nun verloren war für immer.
Sie stand vor ihm, ganz fassungslos, mtt Tränen in den Äugen und rang verzweiflungsvoll die Hände.
Alfred, — ich bitte Dich, sprich nicht so. Du tust "mir weh', flehte sie. „Weshalb bist Du gekommen, wenn Du doch wußtest, daß es zn spät ist?" setzte sie leise hinzu.
„Weshalb?" brach er leidenschaftlich aus. „Das fragft Du? — Du — Begreifst Du denn nicht, daß ich Dich noch einmal sehen Wollte, daß ich nicht glauben konnte, was mtt Deine Stiefmutter erzählte, daß Du einem andern angehörsi, daß Du mich vergessen
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 28 Januar 1910.
Vizepräsident Dr. Porsch teilte mit, daß der Kaiser die Glückwünsche des Hanfes zu feinem Geburtslag huldvollst entgegengenommen habe. Auf der Tagesordnung steht zunächst Fortsetzung der zweiten Beratung ves Etats der
landwirtschaftlichen Verwaltung
Beim Kapitel „Generalkommisfionen" fordert
Abg. Dr. Schröder-Kassel (natl.', daß die Spezial- kommtsfionsfekretäre nach ihrem Befoldungsdienstaller in die neuen Stelle« einrücken f ollen.
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ÄÄu w-chE--«- «Wtlerfe $omtag$$etttmg
Bravo! hn Zentr.) Hoffentlich steht der Kriegsminister auf demselben Standpunkt. In Aschersleben war ein Arzt wegen verspäteter Anmeldung feines neugeborenen Kindes in Geldstrafe genommen, und wurde vor das Bezirkskommando zitiert. Wer hat eine solche Verfügung erlassen? Der Kriegsminister hat gemetnt, Politik gehöre nicht in die Kriegervereine. Warum hat man den Leuten, die ans dem Allgemeinen Kriegerverband in Saarbrücken ausgetreten find, weil man ihnen zumutete, für die Nationalliberalen zu stimmen, das Führen des Reichsadlers unterlagt 'r Bei drei Armeekorps wird die „Tagt. Rundschau" auf Reichskosten gehalten. Der Kriegsmimfter sollte doch seinen Einfluß dahin geltend machen, daß ein Blatt, welches so .wenig Rücksicht auf die Gefühle Andersdenkender nimmt, nicht von Reichswegen unterstützt wird. (Sehr richtig! im Ztr. und rechts.s Was die Sparsamkeit anbelangt, so kann viel bet den Dienstreisen und bei der Ausstattung von Dienstwohnungen gespart werden. Ich kenne einen Fall, in dem ein Leutnant, der eines Vergehens angeklagt war, 105 Mk. Reisekosten erhielt und dann mit 5 Mk. Geldstrafe belegt wurde. Die Reise kostete ihn etwa 40 Mk., sodaß er noch ein gutes Geschäft dabei machte. iLedh. Heitk.s Es wird darüber geklagt, daß die Lieferungen für die Militärverwaltung nur an einige wenige Firmen vergeben roeroen. Es wäre zu wünschen, daß oie Lieferungen gleichmäßig über das ganze Land verteilt würden. <Ledh. Beifall im Ztr.) Das rapide Anwachsen des Unteroffizierskorps irt bedenklich, weil öie spätere Zivilversoigung der Unteroifiziere eine Ichwere Belastung des Staates bedeute. Warum wird dem in den meisten Kreisen des Volkes gehegten Wunsch, jährlich nur eine Kontrollvers amm- lung abzuhalten, nicht Rechnung getragen? Wir wünschen em starkes Heer, wir wünschen aber auch, oaß die alte gerühmte Einfachheit und Sparsamkeit zu ihrem Rechte komme, (liebt). Beifall im Ztr.)
Kriegsminister v. Heeringen: Die Unterosfizterver- mehrung ist auch den Militärbehörden sehr unangenehm. Wir können auf die Kontrollversammlungen nicht verzichten wegen der Durchführung der Mobilmachung. Der 1. April ist bekanntlich — ich verrate ja kein Geheimnis — der Anfang des Mobilmachungsjahres, und der Herbst der Zeitpunkt für die Entlahung der Reserve. Mit diesen beiden Terminen müssen wir rechnen. Die Angelegenheit der Verdinge ist ganz im Sinne des Herrn Vorredners gelöst. Es ist uns bereits gelungen, auch unter dein Durchschnittspreis Lieferungen zu erhalten. Die „Tägl. Rundschau" ist Niemals auf Reichskosten gehalten worden. Hinsichtlich der Dienstwohnungen sind wir bestrebt, die Verwendung der hierhin gehörenden Fonds nach Möglichkeit zu kontrollieren.
Abg. Noske (Soz.) teilt eine Reihe Fälle von Soldalenmißyanölungen und Einschränkung des Be- Ichweroerechts mit und tragt den Kriegsminister, ob er eine von ihm gemachte Aeußerung dahin deute, daß die Sozialdemokraten nicht zu den staatserhaltenden Parteien gehörten.
Kriegsminister v. Heeringen weist einige vom Vorredner angeführte Fälle als unrichtig zurück, bet anderen verspricht er Untersuchung. Seine Ansicht über die Sozialdemokratie gehe dahm, daß sie nicht zu staatserhaltenaen Parteien gehöre. Oifixiere dürsten aus keinen Fall Sozlaldemokraien fein, denn der Offiziersstand vertrete die Devise: Für Kaiser und Reich! Die Sozialdemokraten aber hätten sich bis jetzt gegen diesen Grundsatz gegenteilig verhalten. (Lebhafter Beijall.)
Samstag: Fortsetzung.
Schattenblume.
89] Originalroman von Irene v. Hellmuth.
„ES ist ein recht unfreundliches Wetter, bleib' zu Kaufe, Gerda, in einer Stunde bin ich zurück", sagte Wiktor.
„Ach, das bischen Wind soll mich nicht abhalten", ^sntgegnete Gerda.
Sie fürchtete sich vor dem Alleinsein, vor ihren schweren Gedanken. Der Brief Alfreds hatte fie in ein Meer von bangen Zweifeln gestürzt. Warum konnte er nicht ein paar Wochen fttiher eintreffen? Warum gerade jetzt, wo es zu spät war, wo sie einem andern angehörte? Und dieser andere war so gut, er verdiente ein volles, reiches Glück, und das, — fie fühlte es deutlich, — konnte fie ihm nie-geben. Ein großes Unrecht hatte sie begangen, als fie Viktors Gat- rin wurde. Sie begriff sich in diesem Augenblick selbst nicht mehr.
Schweigend schritt fie neben chrem Manne hin, tzanz^vetti^t in ihre quälenden Gedanken. Plötzlich fiel chr ein, daß sie den Brief vorhin rasch in das Kästchen geworfen und vergessen hatte, den Schlüssel abzuziehen. Eine heiße Angst bemächtigte sich ihrer. Cie fürchtete die Neugier der Dienstboten. Wenn irgend jemand den Brief las, so konnte das möglicherweise für sie verhängnisvoll werden. Auch wollte sie rasch ein paar Zeilen an Alfred schreiben. Er durste svicht kommen, sie fürchtete ein Wiedersehen mit ihm. Zwar würde er bei der Stiefmutter erfahren, was sich inzwischen ereignet und bann von einem Wiedersehen «wstehen, aber sicher War daS nicht.
«x. »34 will rasch noch einmal zurück, um mir ein Solen ,der Wind weht so falt',tagte fie, sich tn.tr r ^^mmennehmend, zu Viktor. „Gehe einst- en langsam voraus, ich komme sogleich nach."
i ^ne Antwort abzuwarten, eilte fie den '9mradLbn Villa zurück.
'm . bodj, irf) hole eS!" rief er ihr nach.
. f! „n> nem' Viktor, Du würdest eS doch nicht fln- oen , klang eS zurück.
Von Anfang an ist eine , .
in den Wahlkampf eingetreten. In den ersten vier Wahlen ist das Mandat jeweils an die Nationallibe* ralen gefallen, und zwar sofort im ersten Anlauf. Mtt 1881 hat die Aera der Stichwahlen eingesetzt, die nur 1887 und 1890 vermieden wurden. In dieser
Kopfschüttelnd sah er ihr nach, wie fie eilig dahin- siürmte.
„Sonderbar", murmelte er, was mag fie nur haben? Sie erscheint so erregt, es ist doch sicher nur ein Borwand, den fie gebraucht."
Er setztt dann langsam feinen Weg fort, indes Gerda in den Salon eilte. Gottlob, niemand war chr begegnet, das Kästchen stand noch unberührt an derselben Stelle, hastig zog sie den Schlüssel ab, steckte ihn zu sich, setzte sich an den Schreibtisch und warf mtt zitternder Hand ein paar Zeilen auf ein Blatt Papier:
„Wir dürfen uns niemals Wiedersehen, eS ist zu spät, ich bin bereits gebunden, suche mich zu vergessen und verzeche mir."
Gerda."
Sie stecktt den Brief in einen Umschlag und schrieb zitternd vor Austegung die Adresse; fie wollte ihn auf dem Rückwege selbst in einen Btieflasten Werfen, jetzt blieb keine Zeit dazu.
Sie eilte so rasch fie konnte dem Gatten nach, etwa eine Viertelstunde später betrat Egon den Salon. Er hatte beobachtet, wie die beiden Gatten zusammen da» Hau» verließen. Daß Gerda nochmals zurückkam, wußte er nicht. Run sah er sich aufmerksam um, wohin die junge Frau den Brief gelegt haben könnte. Sein Blick fiel sofort auf das Kästchen, allein eS war verschlossen. Er setzte bcsttmmt voraus, daß der Brief darin lag, aber vorläufig durfte er nicht wagen, sich denselben anzueignen.
Gerda verfolgte inzwischen eilig ihren Weg. Sie hoffte, den Gatten noch einholen zn können, aber vergebens spähte sie nach ihm aus. Wahrscheinlich wollte er sie bei ihrer Ankunft schon mtt dem gefundenen Kettchen überraschen, weil er nirgends zu sehen war. Der Sturm, der immer heftiger wurde, riß und zerrte an ihren Kleidern, fie achtete dessen kaum.
Plötzlich stockte chr Fuß, — sie stand da, wie angewurzelt, ihr Herz pochte in rasenden Schlägen, die Äugen jtarrten wie entgeistert einer bohen Männergestalt entgegen, die eben aus dem dichten Gebüsch trat und mit wenigen Schritten vor ihr stand. Ihre Hand
übergangen werden» sondern sie bleiben, solange sie ihren Dienst leisten könne«. WaS daS Duell anlangt, so hat die «abineltSordre wohltätig gewirkt. Von 20000 aktiven Offizieren haben binnen Jahresfrist nur 3 im Duell gestanden und von den beurlaubten Offizieren nur 9. Auch ist es nicht richtig, daß im Offizierskorps LuxuS tat große« herrsche und der Adel bevorzugt werde. Wenn der Luxus im einzelnen getrieben wird, so soll dagegen eingeschritten werden, soweit das möglich ist. Der Aerzte-Mangel beruht daraus, das die Herren «erjte ihre Zivilpraxis nicht in dem Um- fang ausüben können, wie sie es mtt Recht wünschen. (93e,f£. «orsantv (Pole): JmGegensatz zum Kriegsminister bin tch wohl bet Auffassung, daß in der Armee Polittk getrieben wird. Woher sollte es anders kommen, daß die Soldaten polnischer Nationalität mcht in ihrer Heimat dienen dürfen und militärische Vorgesetzte bei den Kontrollversammlungen antipolnische Hetzreden halten. Die polnischen Soldaten werden besonders scharf aus« Korn genommen. Einer wurde regelmäßig mißhandelt, bloß weil er Korfanty hieß. Die Kriegsgerichtsurteile sind meist drakonisch.
Kriegsminister v. Heeringen: Den angeführten Fall werde ich untersuchen lassen. Die Rechtsprechung der Kriegsgerichte ist gar nicht so drakonisch, wie behauptet wird. Bon 10000 Verurteilten waren nur 150 mit Gefängnisstrafen über 2 Jahren. Die Armee hält sich von der Politik fern. Die Kriegervereine gehören nicht zur Armee und ich bin daher für fie nicht verantwortlich. , ,, „,
Abg. Werner (Rfp.) spricht sich gegen die zweijährige Dienstzeit bei der Kavallerie aus.
Abg. Erzberger (Ztr.): Von der viel besprochenen Sparsamkeit merkt man beim Etat nichts. Wenn er auch eine gewisse Zurückhaltung beobachtet, so fordert er doch 14 Millionen mehr. Herr Mugdan hat uns Bewrlligungseiser vorgeworsen und auf das Feldjägerkorps hingewiesen. Wir wollten dieses ;a bebeseitigen, aber es wurde uns nachgewtesen, daß Bann Kuriere eingerichtet würden und die wären viel teuerer gewesen. Diesen Sachverhalt haben Sie gekannt, Herr Mugdan, und ich begreife daher nicht, wie Sie uns einen Borw urf machen können. (Beifall im Zentr.) Die Sozialdemokraten haben uns vorgehallen, wir hätten die Erhöhung der Bezüge für die Offiziere ablehnen sollen, dann wäre Geld für die Mannschaften dagewesen. Warum haben Sie (zu den Soz.s keinen Antrag gestellt? Sie haben ja m der Kommission selbst für die Erhöhung der Osfiziersgehälter gestimmt. (Hört, hört!) Bewilligen Sie die Steuern, dann haben wir Geld für die Mannschaften. Beklagenswert ist, daß die Söhne der Industrie sich mehr als bisher der Osfizrerskarriere widmen. Wir hoffen, daß das Versprechen, es solle der Adel nicht bevorzugt werden, eingelöst wird, und wir ver langen unt r allen Umständen, baß keinerlei Ausschließung bürgerlicher Offiziere aus einzelnen Regimentern staitsindet. Daß ein Manko in der militärischen Karriere besteht, hängt zum Teil damit zusammen, daß sich viele junge Leute von dieser Karriere durch die Sieben abgaben abschrecken lassen, welche die Leuinants für die Kleiderkasse, für das Kasino usw. zu zahlen Haden. Dazu kommt, daß der Oifiziersberuf ein unsicherer ist. Erfreulich ist, daß das Durchschnittsalter der Offiziere in den letzten Jahren gestiegen ist. Dringend not tut eine Reform des ehren gerichtlichen Verfahrens In dieser Beziehung verweise ich auf die Erfahrungen, Die man auf dem Gebiete des Duells gemacht hat. Redner führt aus, daß diese Erfahrungen eine Aenoe- rung des herrschenden Systems dtmgeno notwendig machen. Bedauerllch ist es, daß im Jahre 1906 der Abg. Storz es gewesen ist, der in der Kommission einen von uns gestellten Antrag, der fL. er eine Einschränkung der Duelle zur Folge gehabt haben würde, zu Fall gebracht hat, nämlich den Antrag, daß Ossiziere, die sich duellieren, keine Pension erhalten. Leider wird die Zuständigkeit des Ehrengerichts gegenüber den Reseroeosfiperen immer mehr ausgedehnt. In Oberschlesien hat sogar das Beziikskommando eine Vertilgung erlassen, daß gegen Ossiziere des Beurlaub- tenftandes vorgegangen werden soll, well fie bei den Landtagswahlen 1908 für den Zentrumskandidaten gestimmt hatten. (Hört, hört!im Ztr.) Die betreffenden Reserveoffiziere haben die Sache weiter verfolgt und das Mtliiärkabinett hat sich aus ihre Seite gestellt mit dem Bescheid, daß zu einem ehrengerichtlichen Einschreiten kein Anlaß vorliege, zumal da eine so rein politische Angelegenheit sich für das ehrengerichtliche Verfahren nicht eigne. (Lebhaftes
Abg. Byern (kons.) spricht sich für die Erhöhung der Löhne der Mannschaften, eine einmalige freie Eisenbahnsahrt in die Heimat, für die Vermehrung kleinerer Garnisonen und die Schaffung von Lehrstellen für inaktive Offiziere aus. Dem Herrn Häusler können wir hinsichtlich der zweijährigen Dienstzeit für die Kavallerie nicht zustimmen, da dies nicht ausreicht. Daß die Btttglieder von Kriegervereinen mcht Sozmt- demokraten fein dürfen, versteht sich von selbst. Dem Wunsch, daß der Luxus bei den Ein,ährigen eingeschränkt werde, schließe ich mich an. (Zuruf des Abg. Dr. Müller-Meiningen: Vor allem bei Offizieren!» Gewiß bei diesen auch; aber die Offiziere treiben allein nickt diesen Luxus. Gehen Sie nur mal auf die 2ter« gartenstraße und sehen Sie sich dort die Wohnungen Ihrer Parteigenossen an, Herr Müller! (Große Heitk.) Zum Schluß bittet Redner, kleinen Fabriken größere ; Aufträge für Seitengewehre zu erteilen.
Ein Regierungskommissar erwidert, daß in letzterer . Beziehung aus Sparsamkeitsrücksichten nicht in der gewünschten Weise verfahren werden könne.
Abg. Dr. Mugdan ifrs. Vp.)-. Das Zentrum verlangt Sparsamkeit, aber selbst in der Blockzeit hat eS sie nicht geübt. Ich erinnere an die Frage des FekdjSgerkorps. Für die Veteranen und Man ischaften ist kein Geld da. Dagegen haben wir die völlig unnützen Stellen von persönlichen Adjutanten für sämtliche Fürsten und Prinzen, sowie von Stadtkommandanten für die größeren Städte. Auch durch eine Verminderung der Mufilkorps kann gespart werden. Die sogenannte Reform der Pferderation ist ein Skandal. Ist ein Generalspferd biologisch vom gewöhnlichen Pferd so verschieden oder ist seine Freßluft so viel größer, daß es eine größere Ration haben muß, als das andere? (Heiterkeit.) Im Duellwesen sind unsere Proteste wirkungslos geblieben. Die Herren vom Zentrum haben die Entscheidung in der Hand. Die Zentrumsgrafen sollten einmal ablehnen, Reserveoffizier zu werden, weil fie sich nach ihren religiösen Ansichten nicht mit anderen schießen dürfen. Dann wirb es vielleicht besser werden. Mit der Bevorzugung des Adels wirb es von Jahr zu Jahr schlimmer. Der LuxuS beim Offizierkorps geht zu weit. Von den Einjährigen gilt dasselbe. Das Eindringen des Reserv eoffiziertums in alle bürgerlichen Verhältnisse fängt an, geradezu eine Gefahr zu werden. Dringend nötig tü eine weiter» Herabsetzung der Dienstzeit, zunächst vielleicht durch einen weiteren Ausbau des Einjährigfreiwilligen-Jnftituts. Dringend not tut auch eine Reform des Milttärfanttäiswesens. Der Mangel an SanitStsoifizieren wird zu einem großen Teil« durch den Ausschluß von jüdischen Aerzten her- .•jorgerufen.
Abg. Liebermann v. Sonnenberg (wirtsch. Vgg.): Ich stimme dem Antrag Häusler darin zu, daß in den Dingen gespart werden muß, die mit der Schlagfertigkeit der Armee nichts zu tun haben. Ich kann mich daher mit der Einführung der zweijährigen Dienstzeit für die Kavallerie nicht befreunden, weil diese die Schlagfertigkeit nicht berührt. Bezeichnend waren die (Ausführungen des Abg. Osann. Früher hatte bet diesen Debatten der nationalliberale Redner 'stets das Ohr des Hauses, jetzt ist es anders. Aber das kommt daher, daß die Nationalliberalen stückweise auf die Wege der Sozialdemokratie geraten und diese roiro Sie (zu den Naiionalliberalen) als die stärkere Ws Schlepptau nehmen. (Unruhe und Wider- Spruch bei den Nationalliberalen. Sehr richtig! rechts.) Eine Partei, die das Wort „national" an der Spitze K sollte nicht eine Kritik üben, roie-eS der Abg.
t getan hat. (Erneute Unruhe bet den National- liberalen.) Die Erhöhung der Löhne für dir Mannschaften muß baldigst erfolgen.
Kriegsminister v. Heeringen: Dem Abg. Osann habe rch zu erwidern, daß mir mit der Munition sehr sparsam umgehen und daß die Zahl der verabschiedeten Offiziere nicht zu-, sondern abnimmt. Es ist auch nicht richtig, daß sich Offiziere pensioniere« lasten, wenn sie
hast? Ich hielt e8 für boshafte Verleumdung. Ich lachte sie einfach auS. „Meine Gerda vergißt mich nicht", sagte ich mtr. Ahnungslos kam ich in Deiner Vaterstadt an, da» Herz ganz erfüllt bon Wonne und Glück! Ich durste ja nun das Haupt wieder hoch tragen, unser Name ist gereinigt von dem entehrenden Verdacht, mein Vater ist glanzend gerechtfertigt. 3hn
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