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37. Jahrgang

Fulda, Samstag den 29. Januar 1910

Drittes Wlcltt

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sehen gesandt, die Menschheit für die Königsgreuel ■>u strafen. Und panikartig wuchs die Angst des Vol­kes, als dieser Riesenschwetf sich plötzlich fächerförmig ausdehnte. Man glaubte, nun würde vom Himmel das Schicksal Sodoms und Gomorras über die Erde kommen Seit diesem Kometen von 1618, den auch Kepler beobachtete, erhielt sich die Meinung im Volke, daß das Erscheinen eines solchen Schweiffternes die Ankündigung von Krieg und Pestilenz bedeute. Da­her wuchs die Erregung der Masse ins Ungeheure, als im Jahre 1744, im Jahre des zweiten schlesischen Krieges, ein riesiger Komet am Himmel erschien, des­sen Aussehen abergläubische Gemüter wahrhaft in Schrecken zu setzen vermochte. Vom Kopfe dieses Ko­meten ginnen fächerförmig sechs Schweife aus, die sich rings um den Kern verbreiteten und wie eine riesige Lichtkrone den Himmel bedeckten. Der große Komet, der im Jahre 1811 erschien, erregte nicht minder die Angst des Volkes, wie der vom Jahre 1744. Der Feldzug gegen Rußland, den Napoleon im nächsten Jähre tatsächlich unternahm, wurde noch Jahrzehnte hindurch mit der Kometenerscheinung des Jahres 1811 in Verbindung gebracht. ______

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Aurnadme »er So.m- «ad Leiertage viertel- iShrlickerverngspreis ohne «ringerlohn und Bestellgeld in Mda so­wie auswärts 1-5« Mt.

Serantw. Redakteur t

Ränchertt als„Berbesierungsmittel" der Zimmerluft.

Von Dr. Otto Gotthilf.

Wenn daS Menschenkindlein zur Welt kommt, ist feine erste und wichtigst« Tätigkeit daS Atmen, da»

Bon der Fuldaer Universität.

Ueber „Deutsche Universitäten der Vergangenheit" veröffentlicht Dr. Ewald Reinhard (Bochum) in den Akademischen Monatsblättern, dem Organ des K. V der katholischen Studentenvereine Deutschlands eine Artikelfolge. Die soeben erschienene Januar­nummer enthält einen Aufsatz über die Universität Fulda. , —, . ,

Da der Verfasser vor allem Leser aus Studenten­kreisen im Auge hat, bringt die Abhandlung nach einer allgemeinen Würdigung der Fuldaer gelehrten Schulen und nach einer Darstellung der Entstehungs­und Entwicklungsgeschichte der Universität vom Jahre 1734 bis 1805 eine Reihe interessanter Mitteilungen über den Lehrbetrieb an der Fuldaer Hoch­schule und die Verhältnisse ihrer Sru- d e n t e n. Diese Mitteilungen dürften teilweise auch manchen von unseren Lesern interessieren.

Die Professoren verteilten sich in der Weise auf die einzelnen Fakultäten, daß vier auf die theologische kamen, vier auf die juristische, drei auf die niedizintsche und drei auf die philosophische. Von den Theolo­gieprofessoren lehrten zwei spekulative oder scholastische Theologie, einer Moral und der vierte Polemik; außerdem hatte einer von ihnen die Pflicht, das Hebräische zu lehren. Besondere kirchliche Fest- lichkeiten fanden am Tage des hl. Rhabanus Maurus statt, der der Schutzpatron der Fakultät war. Die Zahl der Theologen war nie groß. In den 71 Jahren des Bestehens der Universität sind rund 300 Studenten der Theologie zu zählen, wobei noch zu beachten ist, daß auf gewisse Zeiträume eine lächerlich geringe Zahl ikommt, so von 1771—90 insgesamt 8.

Die juristtsche Fakultät hatte ihr Fest am Tage des hl. Benediktus. Von den Professoren wur­den di« einzelnen Teile des römischen Rechtes vorge­tragen. Die Statuten bezeichneten es als wünschens­wert, wenn einer der Professoren auch das Jus Ful- dale den Juristen Vermittelte. Die Zahl der Juristen in Fulda war außerordentlich klein; im ganzen waren es nur halb soviel Juristen wie Theologen; in den letz­ten drei Jahren je sieben auf ein Dezennium. Die Studenten der Rechte waren gehalten, für einen Zeit­raum von fünf Jahren juristische Studien zu treiben. Die Zeit konnte aber herabgesetzt werden.

Von ollen Fakultäten führte das schattenhafteste Dasein die m e d i z i n i s ch e; es sind nämlich für die ganze Zeit des Bestehens der Universität nur 16 Medi­ziner zu ermitteln; in manchen Jahren hat sie faktisch gar nicht existiert. Von den drei Professoren las einer neben seinen medizinischen Kollegs Botanik, Chemie sowie Kapitel aus der Apothekerkunst. Dieser Pro­fessor hatte auch Gänge in den botanischen Garten zu unternehmen, wo er den Schülern heilkräftige Kräuter und Pflanzen zeigte. Sektionen an den Körpern von Verbrechern und Krankenbesuche waren vorgeschrieöen. Wer sich den medizinischen Doktorhut holen wollte, 'rite sich vorher philosophischen Studien zu widmen; er Eid, den er bei der Promotion schwur, enthielt i. a. das Versprechen, bei Todesgefahr rechtzeitig für geistige Tröstung zu sorgen. Kirchliche Festlichkeit hatte die Fakultät am Tage des hl. Valentin.

In der philosophischen Fakultät las ein Professor Logik und Dialektik, ein zweiter Physik, Ethik, Metaphysik, der dritte, der stets aus dem Je­suitenorden gewählt werden mußte, Mathematik, Geo­graphie, Astronomie, Astrologie usw. Die Zahl der Philosophiestudierenden war verhältnismäßig groß, venngleich im Vergleich mit anderen Hochschulen sehr hescheiden.

Die Studenten genossen eine Reihe von Freiheiten, so die des Schutzes vor militärischen Werbungen; weit größer als die Zahl der Vorrechte war jedoch die der P f l i ch t e n. Verkauf von Gegenständen jeg­licher Art war den Studenten untersagt, desgl. Dar­lehen aufzunehmen. Im Sommer durfte der Stu­dent nach 10 Uhr abends nicht ohne Licht ausgehen, im Winter um 8, spätestens 9 Uhr der entsprechende Termin. Nicht ohne Interesse ist es zu hören, daß der P r ot e st a n t an der katholischen Universität gleich­sam eine Sonderstellung einnahm, durchaus im guten Sinne. Der Glaubenseid, der bei besonderen An» lassen vorgeschrieben war, wurde ihm erlassen, außer­dem war ausdrücklich „unter schwerer Strafe" ver­pönt, dem Protestanten, seiner Konfession halber, den „mindesten Vorwurf zu machen". Als Privlleg galt es auch, daß die Studierenden sich nichtverloben durften; eine trotz des Verbotes eingegangene Ver­lobung sollte nichtig fein. Das Schlimmste aber war — für zeden feuchtfröhlichen Musensohn schrecklich zu hören — das T r i n k v e r b o t. Es war den armen fuldischen Studenten der Wirtshausbesuch nicht ge­stattet, nur nach Hause durften sie „mäßigen Ge­tränk" sich holen zu lassen.

Lari «»litt«,

ÄÄ „Illustrierte Sonntagszeitung"

4* Eine „wisienschastliche Quelle" Häckels.

In seinem schauerlichen Märchenbuche „Die Welt­rätsel" phantasiert Häckel im 17. Kapitel, dem er die Ueberschrist „Wissenschaft und Christentum" gegeben:

„Wenn man die Werke von Strauß unv Feueibach, sowie „die Geschichte der Konflikte ,wischen Religion und Wissenschatt" von I. W. Draper gelesen hat, so könnte es überflüssig erscheinen, dielen Gegenstand hier em besonderes Kapitel zu widmen."

Was würde man sagen, wenn ein Mensch über die Bedeutung und Geschichte des Königtums Be­lehrung holen würde aus den Schriften von — Anar­chisten und Nihilisten und alles, was er darin über diesen Punkt gesagt fände, als — bare Münze an­nehmen wollte I Man würde ihn auslachen.

Gerade so machts aber Häckel, wenn er bekennt, seine Weisheit, die unter aller Kritik ist, bei eingeschwo­renen Gegnern und Hassern des Chri- stenstums geschöpft zu haben.

Noch bedenklicher wird die Sache, wenn man weiß, daß Häckel aus dem Inhalt seiner Quellen selbst hätte erkennen müssen, daß es U n s i n n ist, was darin sieht, und es doch nicht erkannt, sondern wacker nach- geschrielen hat, was er in seinen Vorlagen fand.

Wenn ein Katholik in einem Buche einen Satz liest wie den: „Unerachtet der Unfehlbarkeit, worin doch zugleich Allwissenheit liegt, vermochte Seine Hei­ligkeit (der Papst Pius IX.) den Ausgang des deutsch- sranzösischen Krieges nicht vorauszusehen", so weiß er, woran er ist, daß nämlich der Schreiber eines sol­chen UnsinnS von der katholischen Lehre auch nicht das Allergeringste versteht, und er wird darob auch mißtrauisch gegen weitere Angaben des­selben Verfassers über vermeintliche kirchliche Dinge! Der diesen unsinnigen Satz über die Unfehlbarkeit zum Vesten gegeben, ist der von Oäckel als Kronzeuge und Hauptgewährsmanu angerufene I. W. Draper. Nun versteht man, wie Häckel zu all dem blühenden Unsinn gekommen, den er über katholische Dinge zum Besten gibt!

Mit welcher Leichtfertigkeit und echt amerikanischen Unverfrorenheit, mit welcher Unwissenheit und Fabu­liersucht dieser Gewährsmann Häckels zu Werke ge­gangen, illustriert seine Behauptung über die Geltung des biblischen Schöpsüngsberichts. Der sei nämlich als naturwissenschaftliche Offenbarung Gottes zu be­trachten und als solche von den Kirchenvätern betrach­tet worden, insbesondere von dem — heiligen Augu­stinus. Der Mann hat die Courage, zu schreiben:

So wurde die Genesis (der biblische Schöpfungs­bericht) in philosophischer Beziehung von den Kirchen­vätern als Autorität hingestellt. Die Astronomie, die Geologie, die Geographie, die Anthropologie, mußten mit der Darstellung in der Genesis übereinstimmen. Durch des heiligen Augustinus Ausführungen halte die Theologie sich in Widerspruch gesetzt mit der Wissen­schaft ..... Niemand hat im gleichen Maß wie

Augustinus dazu beigetragen, einen Gegenlatz zwischen Wissenschaft und Religion aufzurichten; er hauptsächlich entrückte die Bibel ihrer wahren Bestimmung, der Führer zu einem frommen Leben zu sein und wies ihr die bedenkliche Stellung an, das Schiedsrichteramt über das menschliche Wissen zu üben" (bei Donal, Die 8reihest der Wissenschaft. Innsbruck 1910, Rauch, eite 99.

So kann nur jemand schreiben, der von Augustinus Ici n e 3 eil e gelesen hat. Denn das gerade Gegen­teil von dem Behaupteten ist wahr. Das nämlich lehrt Augustit.us, daß man in der Bibel keine itaturwissenschaftlkchen Offenbarungen Gottes sehen dürfe. Gott wolle, so läßt er sich einmal vernehmen über die Frage, ob die heilige Schrift astronomische Belehrungen über die Himmelskörper geben wolle, den Menschen lehren, wie man in beit Himmel komme, aber nicht, wie es a m Himmel aus­sehe. In solchen naturwissenschaftlichen Fragen dürfe man nicht außer acht lassen, daß die heilige Schrift die Sprache der damaligen Welt rede, welche die Be­wegung der Gestime nach dem Augenschein beurteilt.

Dieselbe bodeiilose Unwissenheit in katholischen Dingen verrät Drapers wunderbare Entdeckung, daß der heilige Cyrill von Alexandrien mit besonderm Eifer für die „Anbetung" der Jungfrau Maria ge­wirkt, daß dir Beichte im Jahre 1215 eingeführt wor­den feil

Ueber solchen Blödsinn lacht jedes Kind! Wie muß es in Köpfen ausfehen, die solche Bücher als wissenschaftliche Quellen betrachten^ aus denen sie ihre Belehrung über katholische Lehren schöpfen. Und das tun Universitätsprofessoren! deutsche Universitäts- Professoren.

△ Der neue Komet.

Das Jahr 1910 führt sich mit äußerst interessanten Ereignissen am Sternenhimmel ein. Gefaßt war man allgemein auf das Erscheinen des Hallehschen Kome­ten, dessen schon seit Jahrhunderten bekannte Umlaufs« Jett 75 Jahre beträgt. Aber noch ehe dieser Himmels- vagabund dem unbewaffneten Auge sich zeigt, kommt ihm em hellerer Genosse zuvor.

allenthalben sichtbare Komet, von der .«IO A" benannt, wurde zunächst in ^Hannisbürg (Südafrika) bemerkt. Drei Arbeiter »er Preimermine wurden am 17. d. M bei Sonnen- W78 ansichtig; ihnen schien bet

Ed)meifbie schembareLange von einem Meter zu ha- Pen. Die Leute machten Bahnbeamte auf ihre Wahr- «omung aufmerksam; durch biete wurde die Noch-

richt nach Johannisburg gebracht und dort durch den Augenschein sofort bestätigt. Man muß bei dieser Entdeckung in Betracht ziehen, daß in Südafrika ge­genwärtig Sommer ist, daß Johannisburg zudem bei­nahe unter dem Wendekreise des Steinbocks liegt, also in der subtropischen Zone, wo der Himmel besonders llar zu fein pflegt.

Seit der Entdeckung am 17. Januar muß der Ko­met „1910 A" seine Sonnennähe passiert haben, da er zuerst westlich von der Sonne, am Morgenhimmel, ge­sehen wurde, während et nunmehr bereits östlich vom Zentralgestirn in der Abenddämmerung steht.

Während der Sonnennähe ist die Geschwindigkit der Kometen außerordentlich groß. Vom Hallehschen Kometen weiß man z. B., daß er während dieser Zeit 120 Kilometer in der Sekunde zurücklegt. Auch der neue Weltenbummler muß an , der Sonne mit fabel­hafter Schnelligkeit vorbeigesaust sein.

Seiner großen Sonnennähe verdankt der neue Ko­met seine auffallende Helligkeit. Er wird in der Nähe der Sonne derart erhitzt, daß das Spektrum des Ko­metenkernes sich beinahe wie das Spektrum eines festen ober flüssigen Körpers darstellt. Es zeigt außer­dem noch eine helle gelbe Linie, die wahrscheinlich iden­tisch ist mit der gelben Toppellinie im Spektrum des Natriumdampfes, deren färbende Wirkung der Leser von der Verbrennung des Kochsalzes her kennt. Dem­nach ist also die Temperatur des Kometen durch die Sonnennähe — die Entfernung beträgt noch immer ca. 6 Millionen Kilometer oder wenig mehr als vier Sonnendurchmesser, vom Mittelpunkt der Sonne aus gerechnet — eine solche, daß Leichtmetalle, wie Na­trium, aus ihren chemischen Verbindungen gelöst und verdampft werden. Auch der Kopf des Kometen zeigt die gelbliche Färbung. Es wird angenommen, daß außer der Sonnenbestrahlung auch noch elektrische Vorgänge das Glühen des Kometen mitbewirken.

Der Schweif des Kometen schießt aus der Seite des Kometen hervor, die der Sonne zugewandt ist. Auf dieser Seite wird durch die starken Wänne- strahlen der Sonne die obere Schicht des Kometen­körpers zu Dampf erhitzt, der Dampf steigt eine kurze Strecke in die Höhe, wird dann aber von der abstoßen­den Kraft der Sonne zurückgestoßen und umgebogen und bildet bann ben langen von der Sonne^abge- wandten Schweif. Diese abstoßende Kraft der Sonne ist entweder elektrischer Natur oder identisch mit dem fogen. Lichtdruck. Beim Zurückfluten rings um den Kern bildet der Schweif einen hohlen Mantel. Wir fehen die Ränder natürlich stärker und so erscheint der Schweif anscheinend in der Mitte schwächer oder gar geteilt zu fein. Je weiter der Komet sich wieder von der Sonne entfernt und die ^Hitzung infolge dessen schwächer wird, schwindet auch nach und nach der Schweif.

Die Bahn des neuen Kometen scheint sehr der­jenigen der Hellen Kometen „1668", „1680", „18431", „1880 I" und „1882 II" zu ähneln. Der Komet ge­hört also, soweit die vorliegenden unsicheren Bahn­berechnungen ein Urteil zulassen, zu der von dem Astronomen Kreutz untersuchten Kometensamilie. Diese Kometenfamilie zeichnet sich dadurch aus, daß sie der Sonne sehr nahe kommen, sodaß die meisten von ihnen am Hellen Tage in der Nähe der Sonne sicht­bar sind. Die Umlaufszeit des neuen Kometen um die Sonne ist noch vollständig unaewiß, da, wie gewöhn­lich, der ersten Bahnrechnung die Annahme einer para­bolischen Bahn, nach welcher der Komet niemals zur Sonne zurückkehren würde, zugrunde gelegt worden ist. Der Winkel zwischen der Bahnebene des Kometen und der Erdbahn beträgt etwa 60 Grad.

Sonnenferne Kometen sind in neuerer Zeit öfter erschienen, die wegen ihrer geringen Größe und Hel­ligkeit nur dem scharf bewaffneten Auge sichtbar wa­ren: bet Komet „1729 II", „1885 II", „1903 II" und „1905 IV", die 4—600 Mill. Kilometer als größte Sonnennähe zeigten. Dagegen flog der oben genannte „1882 II" in nur 500 000 Kilometer Abstand an der Sonne vorbei. Und doch war der Komet „1729 II" mit den damaligen schlechten Fernrohren ebenso weit verfolgt worden, als der „1882 II" trotz des Unter­schiedes in der äußeren Erscheinung. Der Komet von 1729 hatte weit größere Stosimassen als der von 1882, während allerdings bei letzterem eine ungeheure Dampfentwicklung ftattgefunben hatte, sodaß sein Schweif sich fast über ein Viertel des Himmüsgewöl- bes erstreckte.

Aus dem Altertum und aus dem Mittelalter gibt c8 nur wenige verbürgte Nachrichten über besonders auffällige Kometenerscheinungen. Zwar berichten schon alte chinesische Annalen von einem Kometen, der durch seinen Glanz alle Sterne unsichtbar gemacht und die Nacht in hellen Tag verwandelt haben soll. Seneca erzählt, daß nach dem Tode des Demetrius ein Komet erschienen fei fo groß wie bet Mond und mit feuer­rotem Lichte. Aristoteles schildert einen Kometen, der im Jahre 371 vor Christi Geburt erschien; dieser hatte einen hellen und breiten Schweif, der ein Drittel des sichtbaren Firmaments bedeckte. Ein außerordentlich heller Komet erschien im Jahre 43 v. Chr. Geburt, bald nach CäsarS Tod; sein Licht war fo intensiv, daß er zu Rom am Hellen Mittag wahrgenommen wurde. Die Auguren verkündeten, der Stern fei vom Himmel gesandt, den Geist Cäsars auszunehmen, um ihn dem Sitze der Götter zuzuführen.

Doch erst ben Aufzeichnungen ber beginnenden neueren Zeit ist mehr Glauben beizumeffen und es kann als ausgemacht gelten, daß im Jahre 1402 zwei sehr große und Helle Kometen erschienen sind. Auch im Jahre 1532 ward ein großer Komet gesehen, ber den ganzen Tag hindurch am Himmel verfolgt werden konnte. In diesen Jahrhunderten, in denen ein Ko- pernikuS, ein Galilei und bet große Kepler durch ihre genialen Entdeckungen das Fundament zur astrono­mischen Wissenschaft legten, begleiteten Aeußerungen des Aberglaubens beim Volke das Austauchen dieser sonderbaren Weltenbummler. So erzeugte der Komet vom Jahre 1618, in welchem der 30jährige Krieg be­gann, Furcht und Schrecken in Deutfchland. Sein riesiger Schweif, dessen Ende noch unter dem Hori­zonte wellte, wenn der Kopf schon die Mitte des Him­mel» einnahm, wurde für eine Zuchtrute Gottes ange-

Atterlei

— Der neue Komet hat schon Unheil angestifted indem er verwirrend auf einige Berliner Blätter (u. a. auch die so aufgeklärte „Tägl. Rdsch.") ge­wirkt hat, die sich folgenden Blödsinn haben auf« binden lassen: „Sterndeuter aller Art, an denen Italien ja reich ist, sind der Ansicht, daß in diesen beiden Sternen (nämlich den beiden Kometen dieses Jahres) „Ignis argen»* — das silberne Feuer — liege, das der Prophet Malachias erwähnt." Also ignis argens — das silberne Feuer! Selbst Karlchen Mießnick würde zu dieser Prachtleistung das gedankenreiche Haupt schütteln! Natürlich ist ignis argens — das brennende Feuer — gemeint, der auf den gegenwärtigen Papst gedeutete Spruch aus der fälschlich dem irdischen Erzbischof Malachias (1094/1148) zngeschriebenen sogenannten Papstweissagung, die in Wahrheit aber erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden ist.

— Die Todessense. Ein junger Arzt hatte sich ans dem Lande niedergelassen und ist, wie sich von selbst versteht, Gegenstand ber allgemeinen Aufmerksamkeit. Der mächtige Schmiß, ber seine Backe „ziert", das Andenken an den für ihn unrühmlichen Ausgang einer studentischen Meiifur, ben er zur Schau trägt, veran­laßt einen der Bauern, der sich die Wochenstoppeln abkratzen läßt, zur Frage, wie ber neue Doktor zu dieser Schramme gekommen fein möchte. „Ganz ein­fach", belehrt ihn ber Barbier, „als Anfänger wird er einmal ungeschickt mit Frennb Heins Sense umge­gangen fein "

— In einet englischen Garnison, wo eine Anzahl Rekruten zettweilig lag, wurde ein alter Feldwebel beauftragt, fchzustellen, zu ivelcher Religion jeder Mann gehöre, und darauf zu achten, daß jeder an dem betreffenben Gottesdienste teilnehme. Einige von den Leuten verspütten keine große Luft, zur Kirche zu gehen, und ecklätten daher, Atheisten zu fein. Aber ber Feldwebel war ein schlauer Schotte und ein Mann von Erfahrung. „Ah, gut", sagte er, „dann habt ihr nicht nötig, ben Sabbat heilig zu halten, unb bic Ställe haben das Reinigen groß nötig." Unb et kommandierte die Leute zur Stallreinigung. Dies nahm den ganzen Tag in Anspruch, unb die Leute kamen auf diese Weise um ihren üblichen Sonntagnachmittagur- laub. Am nächsten Sonntag überstrahlte ein behag­liches Grinsen bas Gesicht bei Feldwebels, all er hörte, daß die Atheisten ber Hochkirche von England beigetreten wären.

— „Kriminaldiensthund" ist der neue Titel, der ben Großen im Reiche der Polizeihunde beigelegt worden ist. So gibt'Z nun selbst bei den braven Wauwaus Rangstufen. Der „Wachhund" auf dem Hofe ist die erste Stufe, der treue Begleiter bei Nachtwächters ist schon eine höhere Charge, die dann von der des Polizeihunds übertroffen wird. Krimi­naldiensthund zu werden, d. h. selbst die kniffiichsten Spuren ausfindig zu machen, das «uch das Sehnen jedes Hundeherzens bilden.

alsbald durch Schreien zu einer wahren Atemgymna­stik sich steigert. Und während ber ganzen Lebenszeit „bis zum letzten Atemzuge" bilbet die Lust bas eigent­liche Lebenselement bes Menschen. Tag unb Nacht muß er ohne Unterbrechung atmen, um überhaupt exi­stieren zu können. Ohne Nahrung haben Leute, mit ober ohne Absicht, schon Monate lang sich erhalten, aber ohne Luft nie länger als wenige Minuten.

Die Lust ist an Güte sehr verschieden. Am besten ist immer die Lust draußen in der freien Natur, weni­ger gut die Binnenlust unserer Wohnzimmer, nament­lich in der kälteren Jahreszeit, wenn Fenster und Tü­ren meist geschloffen sind. Denn nicht nur die Men­schen verderben dann die Luft durch ihre Atemgifte unb Ausdünstungen, sondern auch das Heizen und die Be­leuchtung. Mele Personen nehmen, wenn sie von draußen in ein nicht ventiliertes Zimmer eintreten, diese Luftverderbnis sofort wahr, und zwar vermit­telst desjenigen Organes, das in dieser Hinsicht einen „Wächter der Gesundheit" barstellt: der Nase. Ent- seht rufen sie bann beim Eintritt in das Zimmer aus: „Ist bas hier aber eine schlechte Luft!" Unb wal geschieht nun sehr oft? Statt sofott die Fenster aufzu­reißen und in Hülle unb Fülle biejenige Luft hereinzu- laffen, bie man soeben draußen als überaus rein em­pfand, sucht man nur sein beleidigtes Geruchsorgan zu beruhigen ober vielmehr zu täuschen, indem man räuchert ober Parfüm verspritzt. Dadurch ist doch aber, wie jeder einsehen muß, die Lust nicht reiner unb bes­ser geworben, sondem es ist nur ber üble Geruch durch einen stärkeren, auf das Organ intensiver einwirkenden andern verdeckt worden. Die vorherigen Bestandteil ber Lust, besonbers die giftige Kohlensäure, sind noch ebenso vorhanden. Und das nennt man bie Luft „ver­bessern". ■

Pros. Dr. Mendelson sagt hierüber: „Wissen mochi ich, wer bas Räuchem erfunden hat. Vermutlich Kol­lege Eisenbatt; denn es hat berteufelt Aehnlichkeit mit dessen schmerzlosen Zahnoperationen: im selben Au­genblicke, wo er den Zahn zog, verabfolgte er dem Pa­tienten eine kräftige Ohrfeige, damit ber Kranke nut den Schmerz von dieser, nicht von dem Ausreißen bei Zahnes verspürte. Gerade so ist es mit ben Räuche­rungen ; auch hier wirb versucht, den Teufel mit Beel­zebub auszutreiben. Sie üerbeffem bie schlechte Lust nicht, — denn verbessern kann man bie schlechte Lust nur badurch, daß man sie durch neue ersetzt, — son­dern haben in bet Tat nur ben einen Nutzen, einen so abscheulichen Gestank zu verbreiten, daß man ge­zwungen ist, die Fenster anf^ureifcen." Ja, wenn das letztere nur immer geschehen würbe, bann hätte bas Räuchem wirllich großen Nutzen. Auch die Gesunb- beitspredigerin Miß Nightingale stimmt dem bei, in­dem sie sagt: „Die besten Räucherkerzchen sind bie, welche solchen Gestank verbreiten, daß man notgedrun­gen alle Fenster anssperren muß."

Man möge also hinsüro nicht durch Räuchern obex Parfümieren seine Nase auf Kosten ber Lunge betrü­gen, sondem stets die wahre Lungensp'ise, des Men­schen Lebenselixier, die reine frische Außenluft, Ge­sundheit und Lebensfrische wirb ber Lohn fein.

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