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Zul-aer W Zeitung

Z.parzeller tu Fulda. woch-nbekage: „Illustrierte Sonntagszeitung"

Monatsbellage: „Fuldaer Geschichtsblätter"

rrsÄetst tSglio» mtt Utisxoomt tet »,r»K««rtaqe Vtertei- sShrNch«*d«rvasvrei5 ohne «ringertohn und vestestgeld in 5«lda so­wie anrwärtr 1.50 fllt

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üotatiourdruckund verlng der Fuldaer Ak- tieudruckeret in Fulda Fernsprecher Hl 9.

22.

Fulda, Freitaft den 28. Januar 1910.

37. Jahrqanft.

Iwertes WlcrLt.

+ Mntz vas Waytrecht ei* Bollwerk gegen die Soziakdewokratie fein?

Gegenüber den Forderungen, durch die Einfüh­rung des allgemeinen gleichen und geheimen Wahl­recht» dem preußischen Volke ein gerechtes Wahlsystem zu geben, wird von konservativer Seite mit Vorliebe der Einwand erhöbe», daß die Einführung des all­gemeinen gleichen und geheimen Wahlrechts die Wahl zahlreicher Sozialdemokraten, eine „Ueber- ichwemnmng" des Abgeordnetenhauses mit Sozial­demokraten im Gefolge haben würde, daß damit der Bestand deS Staate» Erschütterungen und Gefähr­dungen ausgesetzt werde, und daß deshalb die Rege­lung de» Wahlrechts darauf Bedacht zu nehmen habe, der Sozialdemokratie einen möglichst geringe« Ein- fluß zu verschaffen.

Dieser Einwand ist nicht berechtigt. Wenn eine parlamentarisch« Körperschaft eine Vertretung des Volke» sein soll, so ist es klar, daß sie das ganze Volk mit seinen sämtlichen Richtungen und ver­schiedenen Bestrebungen vertreten muß. Von einer Volksvertretung kann nicht da gesprochen werden, wo nur ein Teil deS Volkes zur Vertretung gelangt, und das wäre doch die Folge, wenn man durch die Art deS Wahlfvstems den sozialdemokratisch gesinnten Teil der Bevölkerung in seinem Wahlrecht «ach Mög­lichkeit zu verkürzen suchte.

Nicht nur der Gerechtt^eit würde ein solches Ver­fahren widersprechen, sondern auch der Staatsklugheit. E? ist doch sicher besser, wenn die Wünsche und Be­strebungen der Raffen auf dem gesetzmäßigen Wege im Parlament zum Ausdruck gebracht werden, als daß die Erregung sich in Straßendemonstrationen und ähnlichen Kundgebungen, welche leicht eine Ge­fahr für die öffentliche Ordnung werben können, entladen muß.

Die Tätigkeit slyinldemokratischer Abgeordneter in der Volksvertretung ist in gewisser Beziehung nicht einmal unerwünscht, ganz irrig aber wäre eS, gleich zu glauben, der Staat wäre in Gefahr, wenn die So­zialdemokraten im Parlament Mitarbeiten. Die So­zialdemokratie nennt sich eine revolutionäre, eine Umsturzpartei, sie bezeichnet als ihr Ziel die Be­seitigung der bestehenden Staats- und Gesellschafts­ordnung: Bet konsequenter Verfolgung dieses Zieles müßte sie grundsätzlich die Teilnahme an der Volks­vertretung a b l e h n e n. Das tut sie aber nicht, und es ist unbestreitbar, daß die Si^ialdemokratie gar nicht fester und energischer den Bestand der jetzigen Staats­ordnung stützen kann, als indem sie die verfassungs­mäßige Grundlage des Staatswesens, die konstitutio- nelleVolksvertretung, anerkennt und in ihr mit- wirkt. Daß die Sozialdemokratie diese mit Rück­sicht auf ihre Grundanffassung unbegreifliche In­konsequenz begeht, kann man sehr wohl derstchen. Denn die großen Massen der Bevölkerung find keines­wegs geneigt, alle» Hell von einem Zukunfts- staate zu erwarten, in dem alle Glückfeli^eit ver­einigt sein soll, sie wollen bereits in der gegenwär­tigen Staats- und Gesellschaftsordnung greifbare Vorteile haben.

Endlich aber darf noch auf folgendes hingewiesen werden: Es wäre wirklich schlecht nm Preußens innere Kraft bestellt, wenn es au8 Furcht vor der Sozialdemokratie gezwungen wäre, das wichtigste Recht, das der moderne Staat feinen Bürgern gibt, das Wahlrecht, fortdauernd mit ungleichem Maße zu messen. Wir haben größere« Zutrauen zu der Macht des monarchischen Gedanken« und zu der Kraft des Staate».

Deutfd)es Reich.

* Bon der neuen Felduniform. Die Zettfchrist „Der Zahlmeister' teilt mit: .Sobald der Kriegs- bcdarf an Felduniformen bei de« Truppen vollständig niedergelegt und eine FriedenSgarnitur fertig gestellt fehl wird, soll die feldgraue, bezw. graugrüne Feld- unssorm auch int Frieden bei allen kriegsmäßigen Hebungen und wahlweise auch zum täglichen Dienst getragen werden. Die Mannschaftslitewka fällt als­dann allgemein fort. Diese Bestimmung gilt auch für die Unteroffiziers^rlen, jedoch nicht für die Bezirks- kommandos. Bekleidungsämter, Halbinvalidenabtei- luugen und die DiSziplinarabteilung des Gardekorps Waffenröcke, Koller, NlankaS usw., Tuch-, Reithosen und Feldmützen der bisherigen Muster dürfen bis aus weiteres nicht mehr angefertigt werden. -In unter­richteten Kreisen spricht man davon, daß im diesjähri­gen Kaisernumöver das L und 17. Armeekorps die neue Felduniform tragen sollen.'

X Hebet ehrliche und unehrliche Inter­pellationen ereifert sich das konservative Haupt- blatt, die „Kreuzztg." Man will in der letzten Zett einen .Mißbrauch der Interpellationen" be­merkt haben. Schon das Einbringen gleich, lautender Interpellationen im Reichstage und daraus noch ha Abgeordnetenhaus? sei als „Be­weis^ dafür zu erachten, daß es den Frage­stellern weniger um die Sache als um die Agi­tation zu tun sei. Da muß man doch fragen: Was wird denn mit den Interpellationen be­zweckt? Sie sollen doch nicht lediglich eine Antwort vom RegierungStisch auf eine Anfrage herbeiführen, sondern einen Meinungsaus­tausch vor der großen Oeffentlichkeit ermöglichen. Jeder, der das Parlament als wirkliche Volks­vertretung gelten lassen will, muß sich damit einverstanden erklären, daß Angelegenheiten, welche die materiellen oder ideellen Interessen de« Balkes oder beträchtlicher Volkekreise in ernste Müleideuschast ziehen, im Parlament rechtzeitig zur Sprache kommen. Das kann nur durch eine Interpellation erreicht werden. Soll durchaus zwischen einer „ehrlichen" und einer „unehrlichen" Interpellation entschieden werden, so hat die Regierung ja ein Mittel in der Hand, ihre Ansicht von der Ueberflüisigkeit oder Ver­werflichkeit einer „agitatorischen" Anfrage zu be­kunden. Sie kann die Beantwortung ablehnen. Allerdings hat das Parlament auch das Recht, eine andere Ansicht über die Zulässigkeit und Zweckmäßigkeit zu bekunden, indem es trotzdem in eine Besprechung der Sache eintritt. In den jüngsten Fällen hat die Regierung die Inter­pellationen beantwortet und sich an der Debatte ausgiebig beteiligt. Auch bei den Anfragen über denselben Gegenstand m beiden Parlamenten. Man wird ja auch allseiliz anerkennen müssen, daß z. B. die Verhandlungen über die^atto- witzer Maßregelungen ^ind über den Zwangs- ardeirsnachweis bedeutend zur Klärung der Lage dergetragen haben. Und die Klarheit ist doch für jeden, der eine mannhafte Politik treiben will, ein schätzbares Gut. — Wir hoffen, daß unsere Vertreter sich nicht abhakten lassen, immer wieder von dem Interpellationsrechi Gebrauch zu machen, um die Volksvertretung zum gebüh­renden Eingreifen in jede Gährung der öffent­lichen Meinung zu befähigen und rechtzeitig die Unterlage für etwaige erforderliche weitere par­lamentarische Maßnahmen zu beschaffen.

Äleirres Fenilleton

— Menschenhandel in Brasilien. Die in Porto s «legte erscheinende „Deutsche Zeitung" bringt fol­gende dringende Warnung vor einer Arbeüncchme beim brasilianischen Bahnbau Madeira-Mamore: . Jnncr- Calb kurzer Zwischenräume sind in Port» Alegre meb- rere Scharen von Arbeitern angelangt, die durch die Ä'ÄT ^Werber verlockt, an diesem tro- £*! ■ dörrbar,. Beschäftigung genommen haben und hS.mh" Ä T ’M 6ar; Teil fieberkrank, hilfe-

R H ba8r Heimatkonsul wandten. Die Werber halten sie damit geködert, daß sie ihnen einen ^sl°hn von 15 Mark zusicherten und ^en d?e gesunde Waldlutt an den Nebenflüssen deS Amazonen- Uarf$itim^U<T irüv Tagesverdienst von 15 M mcn den Ködern- Den aber nicht gesagt hatte, war, daß alle Bedoris- ortrkck, echfchließlich der Lebensmittel in der Babn- duuzonc so sündhaft teuer find, daß den Leutentwtz «ller Sparsamkett nicht nur nichts übrig blleb som dern viele noch m Schulden gerieten. Auch die Ve- schaftigung im Walde war an sich nicht gelogen aber was nmßten die Angeworbenen von den klimatischen ^erhaltmffen de» tropischen Urwaldes in feiner feucht- heißesten, fiebergeschwängerten Zone! Die Folge war für die Geduschten natürlich, daß sie in Menge er­krankten und dahinstarben. Der Rest sucht zu cnt- wad chnen aber keineswegs leicht gemacht ^/d. da die Bahmmternehmer. um ihre kontraktlichen LI Fertigstellung der Bahn emzu- Ssftät™ dl^ter sogar mit Zwang an den Ar- Mensckenl>nn^?^Een- ®8 ist ein gewissenloser loHen pa ^e(- bet 6(1 getrieben wird Die Werber & tmb SÄ Kulis holen, aber keine Deub europäischen ^rei^n fehlen in gewissen Mf Pi bringen. ' tokb?r Brasilien in Der- — Nahrung nvd Charakter Es ift _ ;ttnßfte Zweifel, daß bei Völkern, di? entweder L gedrungen, oder au5 rehgiöjen Motiven sich während langer Zeiträume emfeuig ernährten, auch im Cha-

rakter eine Veränderung vor sich ging. So waren z. B. die Tataren und die Kurden in den asiati­schen Ebenen von jeher das direkte Gegenteil der saft rem vegetarischen Indier. Tas gleiche gilt von den nordameiikanischen Indianern vor zweihundert Jahren und von den Jnkastämmen Südamerika?. Erstere waren Fleifchesser und letztere lebten Haupt- sächlich von Früchten. Im allgemeinen darf ange­nommen werden, daß fleischeffende Völker unruhig, kriegerisch und unternchmend, Kölner- und Früchte- esser aber «n milden Sitten, friedlich und zur Knechlfchast geneigt find. Die gemischte Nahrung des Kutturwenschen hat auch eine Mifchimg dieser Eigenschaften erzeugt und e» ihm ermöglicht, einer­seits besser zu kämpfen als der Wllde, und anderer­seits die Künste Les Friedens zu pflegen und zu genießen. In Einzelsalleu hat es sich schon ost erzeigt, daß ein vollständiger Nahrungswechsel bei Gefangenen und namentlich bei solchen, die ihre Verbrechen im Wahnsinn begangen hatten, eine aus. gesprocheneAenderung iw Cdarakter bervorbrachte. «p

— Ta» Schaf im Ausstrichen? Nach tatet Sta­tistik betrug Lee Zahl der Schafe in Frankreich im Jahre 1820 320,000,000, im Jahre 1862 dagegen nur noch 29,000,000, 1882 23,000,000 und am t. Januar 1907 gar nur noch 17,000,000. Das "acht also in einem Bierteljahrhmidert eine Ab­nahme von 40 Prozent. 3bet Frankreich stehl warn nicht einzig da. In Deutschland ist der Rückgang ein stärkerer. Im Iahte 1870 betrug «e Anzahl der Schafe dort 27,000,000 und ging bi» zum Jabre 1907 ans 7 Millionen zurück. In Oesterreich ist der Bestand von 20 Millionen im Jahre 1869 am 10 Millionen im Jahre 1905 zu- rückgegangen. In Norwegen, Schweden, Dänemark nfw. sieht eS nicht beffer aus.

— Unter aller Kanone. Diese Redensart, welche bedeutet, daß etwas den Gipset der Minderwertig­keit erreicht hat, findet ihre Erklärung in einer von der Zeitschrift für den deutjchen Unterricht miige- teilten Erzählung, die der Professor Tr. Ernst Schwabe (Leipzig) gelegentlich schulgeschichllicher Studien über das Kurfürstentum Sachsen in einem alten Aktenband einer städtischen Lateinschule ge­funden. Dm Schüler dieser Anstalt waren im 18.

£? 6ine bet widerwärtigste* Erscheinungen aus dem Gebiete konfesfloneller Hetze ist die Einmischung des „Evangelischen Bundes" in rein katholische Angelegenheiten. Der Ablagerung-Platz für alle katholikenfeindlichen Stilblüten und Hetzereien ist kaum in einet Rümmer von solchen Angriffen frei. In Rr. 5 leistet sie sich folgende impertinente Rotiz: „Seligiprechung der Jungfrau von twnrdes. Rach der seligen Jungfrau von Orleans gedenkt Pins X. noch eine zweite Aianzöjm lehrt zu sprechen. Es ist Bernndetle Soubrrons, das Mädchen, dem die Jung­frau van Lourdes erschienen ist. Der Bischof von NeoerS fördert in einem Hirtenbriefe auf, es möch'en alle Be­sitzer von Briefen und schriftlichen Aufzeichnungen der Bernadette dieselben der Urnersuchungskommiffion zur Verfügung stellen, yroat, wich gleich dazu bemerkt, daß sich wohl nicht viek vorfinden wird, da Bernadette in Lourdes und später im Kloster zu Revers nicht viel geschrieben habe, aber vielleicht ist dies für die Ver­einfachung bietet Seligsprechung besonders förderlich. Denn man weiß ja, daß die Legmoe der Enislevung von Lourdes ik manche Wider spräche zeigt. Nurrjeden- talls hat Pms X. fein großes Interesse daran, sich im Simmel eine recht große Schar von französiichen Heiligen zu feinem Kampfe gegen die französische Re­gierung heranzuziehen.

So mischt sich der angeblich nur zur „Wahrung deutsch-evangelischer Interessen" gegründete Evange­lische Bund in rein innerkirchliche Angelegenheiten der Katholiken ein, und gießt in pöbelhaftem Tone seinen Spott über Dinge aus,, die jedem Katholiken heilig und teuer sind. Was in aller Welt geht die Selig­sprechung der „Jungfrau von Lourdes" den „Evan­gelischen Bund" an? Hier haben wir doch ein ekla­tantes Beispi-l, daß der „Eoanqeftkche Bund" um jeden Preis und mit den vergi stetsten Waffen katholische Einrichtungen bekämpfen will. Von all den liberalen Katlwliken, die immer so gern den sog. „ultramonta- nen" Katholiken die Schuld an der konfessionellen Spaltung znfchieüen, wagt niemand gegen solche „EvanzelifLe Lundes"-Hetze auftutreten, nicht ein­mal die „Deutsche Vereinigung", obgleich sie doch nach ihrer eigenen Erflörung die „Teulsch-evmig. Storr." regelmäßig erhalt. Dafür stöbert sie lieber in ob- flurcn Zentrumsblättchen herum, ob sich da nicht ir­gendwo ein etwas ungeschickter Ausdruck findet, der den konfessitmellen Frieden stören könnte. Ein anderes Beispiel widerwäriiger Hetze bietet schon gleich die folgende Rümmer 6 der „Deutsch-evang. Kort.": An die Mitteilung, daß nach dem „Berl. Tagebl." Bruno Auracher mit Frl. Schmidt in London zivilamtlich ge­traut worden sei, knüpft sie die perfide Bemerkung:

.,*$8 fragt sich nun bloß, ob Auracher die tirchliche Genehmigung dazu erhalten hat. Tie „kirchlich be­friedigenden ' Berhättni'fe lassen darauf schließen. Rom k an u i a viele 8 tut» wohl auch die „Keuschheitsgelübde" dispensieren, wenn e8 ihm politisch von Vorteil bünlt."

Zu solchen Gemeinheiten braucht man nichts zu sagen al»: niedriger hängen! Vielleicht gibt uns die Geschäftsstelle der „Deutschen Vereinigung" zu Bonn, die nut aus katholischer Seite Friedensstörungen steht, in der „Deutschen Wacht" eine Anfllänmg, warum sie zu solchen Anwürfen schweigt!!

Ausland.

* Ter norwegische Reichstag ist am Mittwoch cnuch König Hakon eröffnet worden. Die Thron­rede erklärt bte Beziehungen Norwegens zu den iremden Mächten für besriediaend. Es werden Gesetzentwürfe über die Reckt pflege, über eine Produktionssteuer auf Bier und über Schiedsge­richte bei Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern migefünbigt. Da die Wahlen die bisherige Wajorftät zerstört haben, so wird wahr- ichemlich eine neue konservative Regierung an» Ruder kommert

J Die bulgarischen Banden treiben wieder ihr Unwesen. In Neßima ('JJlarebottien) bemächtigten

! Jahrhundert besonders im Lateinischen sehr ver­wahrlost und erregten damit den berechtigten In­grimm der Stadtväter. Auf deren Veranlassung nahm der Oberpfarrer eine Visitation vor und ließ die Schüler ein „Extemporale" schreiben. Das Er­gebnis war sehr unbefriedigend, und in dem darüber an den Stadtrat ermatteten Bericht teilte der Pfarrer mit, daß er sich „einen canon zu fünf Zensuren gemachet habe (sehr gut, gut, genügend, schlecht, sehr schlecht), daß aber leidet viele der Arbeäeu so schlecht seien, daß sie nur als „sub omni canone' (unter jedem Kanon) bezeichnet werden tönnien". Die „Kanon" in der in Rede stehenden Redensart ist also nichts anderes als die absichtlich oder nnabfichllich ver­drehte, „Kanon" genannte Staffel der Schülerzen- suren.

— Lnstfchlffmanödet nnd Lustschiffahrt. Von unterrichteler Seite wird milgeteilt, daß die dies­jährigen Luftschiffniauöver im Monat Februar in Äietz beginnen und längere Zeit dauern werden. Hebet den geplanten Ausbau des Zeppelin-Lu't- ichiffverkehrs verlautet, daß man gegenwärtig mit dem Bau eines Zeppelin-Ballons beschädigt ist, der 300 Meter lang sein soll. Tiefer gewaltige Ballon wird mit 8 Motoren ausgerüstet. Bei zehn Seknnden- meta genügen vier Motore, die übrigen vier dienen nur dazu, bei Sturm und Unwetter einzugreifen. Die Verkehrslinie, die zuerst eröffnet werden joü, wird von Hamburg über K ln nach Baden-Baden geben. Die zweite angeblich von Hamburg nach London. Gegenwärtig wird bei der Herstellung neuer Lenkballons der Schwerpunkt auf die Bereit­stellung großer Verkehrballons gelegt. Das Kriegs­ministerium wird, wie es heißt, vorläufig keine weiteren Ballons abnehmen, da man zunächst ab* roarten will, in welcher Weise die Vervollkommnung der Luftschiffe vor sich geht. -p.

— DaS ewig Weibliche in Rußland. Jedermann weiß, daß der Franzose den Frauen gegenüber von allen männlichen Stoöegen anderer Länder am galan­testen ist. Die Franzosen behaupten nun, daß die den Frauen gegenüber geübte ®a'anterie immer mehr abnehme, jemehr wir nach Roroen gehen, und sie sagen, der fltoiddeulsche tonnte m Bezug auf Liebenswürdigkeit gegenüber dem zarten Geschlecht

sich Bulgarien der griechischen Kirche, vernichteten einen Teil der Einrichtung und zerriffen die Kirchen­bücher. Sie wurden durch türkisches Militär ver­trieben, das elf Verhaftungen vornahm. Plänkeleien der türkisch-bulgarischen Grenze, über die wir schon berichteten, haben noch kein Ende gefunden.

vermischter.

* Die Bewirtung der geretteten Bergleute von Zeche Holland hat Mittwoch nachmittag auf Kosten des Kaisers stattgefunden. Im Hotel Scheingold, wo die Feiet stattsand, stand auf einem Tisch zur Seite die vom Hosmarschallamt gesandte Kiste, enthaltend 18 Flaschen edelsten alten Weines aus den königlichen Kellereien, die als Geschenk für die Geretteten bestimmt waren. Bergrat Reimann begrüßte bte Geretteten und gab seiner Freude übet den ihm gewordenen Auftrag des Kaisers Ausdruck. NamenS der Geretteten ant­wortete der Fabchauer Schupp. Für die an den Ret» iungsatbeiten beteiligten Beamten und Arbeiter wird noch eine besondere Belegschaftsfeier veranstaltet wer­den. Der Genemldirettor der Zeche Holland hat je­dem der gealteten Bergarbeiter mit einem Glück­wunschschreiben 100 Mark „Schichtlohn" für die „un­heimlich lange und gefährliche Schicht" zugehen lassen.

* Einen frivolen Bubenstreich verübte auf dem Bahnhof Blankenstein a. d. Ruhr ein russischer Arbeiter. Als dort mehrere Arbetter mtt dem Abla­den von Benzinfässern beschöfttgt waren, hielt et au» Uebermut eine brennende Zigarre in das Spundloch eines FasseS. Es erfolgte eine schwere Explosion, drei Arbetter wurden hoffnungslos verbrannt. Der Urheber, der ebenfalls Brandwunden davontrug, ist flüchtig.

♦ Eine ganze Straße ist in Budapest, al» fie von einem schwer beladenen Kohlenwagen befahren wurde, plötzlich zwei Meter tief versunken. Di« Bewohner der Häuser können nur noch durch die Fen­ster des ersten Stockwerkes in tiae Behausung gelan­gen. Der Unfall hängt vermutlich damit zusammen, daß an der Stelle der Katastrophe vor hundert Jahren^ ein Donauarm floß, dessen Austrocknung offenbar nicht mit genügender Sorgfalt durchgeführt wurde.

* Eine mächtige Lawine verschüttete ans der Rei­chenhaller Straße einen Schlitten und ein Pferd. Der Fuhrmann ging glücklicherweise etwa zwanzig Meter hinter dem Schlitten, sodaß et mit dem Schräken da­vonkam.

* Die bevorstehende Ausstellung in Brüssel lockt bereits haufenweise die Leute, namentlich auch au» Deutschland, nach Brüffel, die dort Stellung und Ar­beit bei der Ausstellung suchen. Die Enttäuschten find schon jetzt Legion. Was wird das erst in einigen Mo­naten werden?

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etwas mehr tun. Ganz unzufrieden aber find sie mit ihren Verbündeten, den Russen. Zum Beweise der tusfischrn Brutalttät gegenüber bet Frcm führen sie folgende in Rußland gebräuchliche Sprichwörter an: „Dn kannst mit einem Besen auf Deine Fra« einhauen, .denn sie ist nicht von Porzellan". — „Zwei Frauen bilden eine Versammlung, drei eine Hölle". — „Der Frauenkops ist leer wie bte Börse des Tartaren". — „Bei der Fran wie beim Trun­kenbold find bte Tränen sehr billig". — „Jemehr Du Deine Frau verprügelst, umso besser rotrb es in Deinem Haushalt aussehen". Allerbings, wenn die Russen nach diesen Rezepten ihre Frauen behandeln, so kann man nicht gerade von Ltebens- roürbigfeit reden. p.

— Die verschiedenen Schritte. „Beige mir, wie Du gehst, und ich sage Dir, wer Dn bist," sagen die modernen Psychologen. Es gibt vier verschie­dene Schrittforten. Die kleinen eilfertigen Schritte gehören den oberflächlichen Leuten, bett Pessimisten, deu Geisteshelden und den Frauen. Kleine lang­same Schrttte bezeichnen einfache, heitere Seelen. Große langsame Schritte bezeichnen bett wohlüber­legten Willen, die kluge Berechnung. Große hastige Schritte verraten Energie, festen Entschluß, Kampfes­lust. Hnternehmenbe Leute, bte alles Selbstver­trauen in sich selbst setzen, setzen ben Absatz scharf auf; verschlagene Leute, Diplomaten beschreiben beim Gehen schlängelnde Kurven, während die Ent­mutigten und Dielancholischen die Füße geivisser- maßen nachschleppen. ;P-

— Die Füße der Ehinefimte». Nach einer Melvung des Courier von Haipyong hat der chinesische Minister ernt hohe Strafe ausgesetzt, die die Füße ihrer Töchter mit Bandagen umwickeln, um ihr Wachs­tum zn verhindern. Tie sorlschtittlich geftnntrn Chinesen hoffen, daß durch dieses Gesetz enblid) bte barbarische Sitte, die Füße der Frauen zn verstümmeln, abgeschafft wird. Bereits vor mehreren Jahren hat der bekannte Minister Li-Hung-Tjchang schon diese Grausamkeit der Eltern verboten.

— Ktudermund. „Trudchen, wen hast btt lieber, mich oder die Aiama?" — Trudchen: „Tas darf ich nicht jagen, fous. tat mich.'«