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tr|S)emt ragircy tmt Aurnahme bet So.m- «nbZeiertase Viertel­jährliche' Yezuqrpreis ohne vringerlohn uttb vefteklgeld in Zulba so­wie aurwärtsl Sv Mk.

Verantw. Redatteurr

Carl Schütter

für die Anzeigen: I.parzeller tnLulba.

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wochrnbcilagr: „Illustrierte Zonntagszeitung" Mon-ffsbcilag-: „Zulbaer GeschichtrbMer"

Anzrigen: vte ein­spaltige Petitzeile ober bereit Raum 15 pfg. Reklamen die Petitzeile 25 Pfg., bei Wieder­holungen wirb entspr. Rabatt gewährt.

Rotatkonrbruckunb Verlag berZulbaerAf- tienbruckerei in Zulba ZernfprecherM.Y.

Fulda, Dienstaa den 25. Januar 1910.

Jv3 19.

37. Jahrqanq.

Iwertes Mlcitt.

Deutsches Reich.

. * Dem Reichsvereinsgesetz, diesem .vornehmsten" Produkte gesetzgeberischer Weisheit des verflossenen -Blocks, stellt die liberale „Angsb. Abendztg." in Nr. 19 ein geradezu schauderhaft miserables Zeugnis aus. Wir lesen da in einem Stimmungsbild über die Reichstagssitzung vom 19. Januar u. a.:

„Daß der Deutsche Reichstag im Punkte der Ge­setzgebung nickt mehr auf der Höhe steht, ist eine langst feststehende Tatsache. Er arbeitet oft so fluchtig arnd wenig sorgfältig, daß Unstimmigkeiten und sogar grobe Fehler in den von ihm beschlossenen Gesetzen keine Seltenheiten mehr sind ... In den letzte» Jahren ist jedenfalls kaum ein Reichsgesetz erlassen worden, das nicht ganz erhebliche Mängel aufwies. Auch das unter so großen Mühen und Kämpfen ge- borene Reichsvereinsgesetz gehört dazu. In der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit hat es schon wiederholt zu lebhaften Beschwerden wegen seiner Handhabung an Reichstage Veranlassung gegeben, so wiederum jetzt den Freisinnigen, die deshalb eine Interpellation ein­gebracht hatten. Der Abg. Dr. Müller-Meiningen, deren Begründer, war in der Lage, wieder eine Menge Verstöße und Mißgriffe in der Handhabung dieses Reichsgesetzes vorzubringen. . . Staatssekretär Del­brück suchte die betreffenden Behörden damit zu ent­schuldigen, daß dies nicht allein op der Illoyalität, sondern auch zum Teil an dem Gesetz selbst liege. Er bekannte offen, daß er selbst manche Paragraphen des Gesetzes mehreremal habe durchlesen müssen, ehe er ihren Sinn verstanden habe. Eine schöne Ge­setzesmacherei das!"

Natürlich suchte Dr. Müller-Meiningen, der sich uui dieses ungeratene Kindlein ganz besonders viel einbildet und das Vereinsgesetz als die reifste und prächtigste Frucht der Bülow-Aera preist, sein Schoß- Lind durch die Behauplung zu retten, „daß das Gesetz an sich gut sei und mir durch eine verständnislose Bürokratie illoyal ausgelegt werde". Aber was will dieser Weißwaschungsversuch heißen, wenn sogar libe­rale Blätter über diese „schöne Gesetzesnlacheret" höhnen, bei der man, wie Staatssekretär Delbrück sagte, manche Paragraphen des Gesetzes mehrere Male durchlesen muß, ehe man ihren Sinn zu erfaffen im- stande ist? Wenn nun nicht einmal das Reichsvereins­gesetz mehr als Verdienst des Blocks übrig bleibt — was hat der dann überhaupt geleistet? Dann bleibt nur noch seine Eigenschaft — als größter Schul­denmacher unserer Zeit. Und dieses zweifelhafte „Verdienst" teilt er mit seinem Erzeuger, dem Ex­kanzler Fürsten Bülow.

) ( Wir habens ja! Die N e i ch s m a r i ne ver­mal t u n g hat die bisher gepachteten Grundstücke Leipzigerplah 17, Königgrätzerstraße 132 und Paß­straße 20 in Berlin füt 21/» Mill. Mark gekauft, vor­behaltlich der Genehmigung des Reichstags. Zu­züglich Zinsen für das Restkaufgeld und sonstige Ab­gaben beläuft sich der Preis auf 2 997 000 Mark. Er­freulich ist dabei nur, daß man vorläufig noch keinen Neubau nötig hat Darüber, daß man alle großen Zentralämter in den teuersten Stellen Berlins zusam­menhält, muß das Reick wie auch der Staat unge­heure Summen aufwenden.

* Ferrer und die Loge. Wir haben bei dem be­kannten Ferrerrummel stets die Ansicht vertreten, daß wegen dieses Lumpen deshalb ein so großes Geschrei gemacht wurde, weil et ein Freimaurer war. Nun wird von der Loge selbst eingestanden, daß Ferrer Freimaurer war. Die „Franco-Maconnerie demasque" veröffentlicht nämlich ein Zirkular, in dem ein Buch über Ferrer den Logenbrüdern empfohlen wird. In diesem Zirkular heißt es:

„Ferrer war einer der Unseren. Er war ein tätiger Freimaurer bis an das Ende seines Lebens und Inhaber des 31. Grades. Auch seine zwei ältesten Töchter Trinitad und Paz wurden 1892 von dem Grand Orient ausgenommen.-

— I« Kattowitz ist, wie gemeldet, ein Mitglied des Ausschusses der Ferrer-Versammlung, der „frei- innige" Oberlehrer Hacks, vom Provinzialschul- ollegium amtlich über seine Tätigkeit im Ferrer« Ausschusse vernommen worden; nach anderer Mel­dung soll er erst noch vernommen werden. Das letztere ist wahrscheinlicher. Denn „so schnell schießen die Preuße« nicht" — nach der liberalen Seite. Der Kultusminister hat bekanntlich im Abgeordneten­hause erklärt, er habe von der Teilnahme des Ober­lehrers Hacks am Ausschüsse der Ferrerversammlung, in der Sozialdemokraten und Liberale in trauter Harmonie gegen die katholische Kirche tobten, keine Kenntnis gehabt. Die hohe Schulaussichtsbehörde hatte offenbar ihre Augen so fest auf die Polen gerichtet, daß sie für anderes keine Aufmerksamkeit haben konnte. Und die Augen des so überaus katholikenfreundlichen Ostmarkenvereins standen ihr nicht zur Verfügung. Wie oberschlesische Blätter meldeten, befand sich ferner in der Ferrerversamm- lung der Oberrealschuldirektor Hacks, ein Bruder des Oberlehrers. Dieser Herr ist vor einigen Tagen von der „freisinnigen" Mehrheit des Stadt­verordnetenkollegs zum Stadtschulrat in Breslau er­koren worden.

)( Im Kampfe gegen den Alkohol werden gegenwärtig durch die Krankenkassen verschiedene sehr entschiedene Vorstöße versucht. Der deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hat an ‘ den Reichstag die Bitte gerichtet, den Krankenkaffen die Ermächtigung zu einer aus­klärenden und vorbeugenden Tätigkeit hinsichtlich der Wirkungen des Alkohol - Mißbrauchs zu er­teilen und sämtliche Versicherungsträger zu ver- pflichtm, die Renten und Krankengelder von Trinkern durch Darreichung des Lebensbedarfes zu ersetzen oder sie an Ehegatten zu zahlen. — In Berlin hat kürzlich eine Versammlung von Krankenkaffen-Jnter-ssenten stattgefunden, in der ähnliches verlangt wurde.

* Karlsruhe, 24. Jan. 1910. In der badifchen Zweiten Kammer hat der Minister des Innern den Entwurf eines Gesetzes über die Aenderung der Ge­meinde- und Städteordnung vorgelegt. Der Entwurf sieht die Einführung einer Wertzuwachs st euer für alle Gemeinden des Land.es vor. Von besonderm Interesse sind die Erweiterungen des Gemeinde- wahlrechts, die der Entwurf vorfieht; danach soll die Altersgrenze auf 25 Jahre herabgesetzt, die Klasseneinteilung der Wähler zwar beibehalten, zugun­sten der untern Klassen aber gemildert werden. In Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern soll die Verhältniswahl mit Listen einyeftihrt werden. Der Landtag hat die Aenderung des ie t jteuer ge = setzes angenommen, dagegen stimmten nur die So- -naldemokraten und der Vertreter des Bundes der Landwirte. Gegen die einstimmig angenommene Re­solution, worin die Regierung ersucht wird, die brot­los werdenden Brauerei arbeitet zu ent- schädigen, machte die Regierung ernste Bedenken geltend. Auch der Gesetzentwurf über die Einführung einer Pauschalierung der Tages gebühren für die Landtagsabgeordneten wurde einstimmig angenom­men

volkswirtschaftliches und Soziales..

M lieber die Lage des Arbeitsmarktes in Hessen- Itaffau im Dezember 1909 berichtet der Mitteldeutsche Arbeitsnachweisvetband: Das Wechnachtsgeschäst

brachte wohl in verschiedenen Gewerben eine inten­sivere Beschäftigung der vorhandenen Arbeiter, dage­gen wenig Neueinstellungen. Die Mehrarbeit, die durch daS Weihnachtsgeschäft bedingt war, konnte mei­stens durch einige Ueberstunden geleistet werden und wo Neueinstellungen oorgenommen wurden, erfolgten diese nur auf kurze Zeit. Im allgemeinen ist von

einer B e s s er u n g des Arbeitsmarktes im Verbands- gebiete, ganz abgesehen von der Jahreszeit, noch w e- nig zu bemerken. Wie im Vormonat, so waren auch im Berichtsmonat ztoei Branchen, die Lederwa­renbranche (Portefeuille, Reisearttkel usw.) und die Schuhindustrie seht gut beschäftigt. Die Metall­industrie hat immer noch keine Besserung zu ver­zeichnen und zählt eine große Zahl Arbeitsloser, die teilweise schon viele Monate ohne Arbeit sind. Das- elbe gilt auch von der H o l z i n d u ft r i e. Der Streik der Schreiner in Höchst a. M. dauert noch immer an und das Ende ist noch nicht abzusehen. Das Bau- b a n d w e r k ruht trotz des bis jetzt sehr milden Win­ters fast ganz. Das Bekleidungsgewerbe war annähernd zufriedenstellend beschäftigt, konnte aber lots mit Leichtigkeit genügend Arbeitskräfte erhalten. Neueinstellung von landwirtschaftlichen Ar­beitern erfolgten hn Verbands gebiete sehr wenig. Auf dem Dienstbotenmarkte scheint die Spannung zwischen Angebot und Nachfrage nicht mehr so groß zu fein. Wenn auch in den Großstädten immer noch lange nicht alle Stellen besetzt werden können, so scheint aber doch in den kleineren Städten eine Besse­rung eingetreten zu sein, wenigstens wird von ver­schiedenen kleineren Städten berichtet, daß die Nach­frage nach Dienstboten geringer geworden sei. Von den Organen des Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverban­des wurden, soweit Meldungen von den kommunalen bezw. Kreisarbeitsnachweisen und Herbergen zur Hei­mat Vorlagen, 5924 Stellen vermittelt (gegen 7126 im Vormonat) darunter Fulda 13. Nach der Statistik der Ortskrankenkassen ist die Zahl der ver- sicherungspslichtigen männlichen und weiblichen Mt- glieder überall, teilweise sogar ganz bedeutend, zurück­gegangen. Die Zahl der freiwilligen Mitglieder ist mit wenigen Ausnahmen, wenn auch nur unbedeutend, etwas gestiegen. In F u ld a fiel die Zahl der ver­sicherungspflichtigen männlichen Kassenmitglieder von 2587 auf 2337, der weiblichen von 1190 auf 1175, die Zahl der freiwilligen stieg bei den männlichen von 20 auf 25, bei den weiblichen von 125 auf 127.

vermischtes.

* Der Streit zwischen Krankenkassen und Aerzten hat in Bocholt scharfe Formen angenommen. Eine Einigung scheiterte, weil der Generalsekretär des Leip­ziger Verbandes, Kuhns, in einem Telephongespräche, das van anderer Seite gehört worden war, die Aerzte zu einem hinterhältigen Verfahren bei den Einigungs­verhandlungen aufgefordert haben sollte. Herr Kuhns erklärte später, daß ein Telephongespräch des angeb­lichen Inhalts nicht stattgefunden habe. Der Kranken­kassenverband bezichtigt jetzt Kuhns öffentlich der Lüge und fordert ihn auf, gerichtlich gegen den Vor­stand vorzugehen, damit die Wahrheit festgestellt werde.

** Ein Riefenbrand hat in Hamburg das Kork­lager der Firma Lopiz u. Co. und die dahinter lie­gende Oelfabrik und Schmidt u. Co. eingeäschert. Sechs Nachbarhäuser wurden ebenfalls eingeäschett. Dadurch find etwa 40 Familien obdachlos geworden. Eine schwerkranke Frau mußte aus dem Bett geholt werden; außerdem wurden eine Frau und zwei Kin­der, die sich in Lebensgefahr befanden, von der Feuer­wehr gerettet In einem der abgebrannten Häuser befand sich das Konsulat von Honduras. In dem Geldschrank, der in die Tiefe stürzte, lagen zahlreiche Wertpapiere und Dokumente, die vernichtet wurden.

* Ei« Gaunerstreich wurde dieser Tage m Oest­rich - W i n k e l (Rhein) verübt. Im Pfarrhause erschien ein Mann mit dem Ersuchen, eine plötzlich schwer erkrankte Frau versehen zu wollen. Während der Pfarrer den Verfehgano machte, jedoch die betref­fende Frau gesund antraf, stahl der angebliche Bote aus dem Psarrhause 20 Mark bares Geld. Kurz dar­auf sprach derselbe Schwindler beim Arzt in Winkel vor mit dem Ersuchen, schnell zu einem entfernt woh­nenden verunglückten Arbeiter zu kommen. Inzwi­schen führte der falsche Bote beim Arzt dasselbe Ma­

növer aus, wobei ihm 50 Mark Bargeld in die Hände ieien. Trotz sofort aufgenommener Verfolgung durch die Polizei gelang es nicht, des Mannes habhaft zu werden.

* Der Bau eines Abflugturmes, des ersten für Deutschland, begann bei Stetkrade der Westdeutsche Verein für Flieger. Die Eröffnungsfeier, der mehrere Flugtechniker mit ihren Apparaten bei­wohnen werden, soll Ostern stattfindeu.

* Von einem Fremden mit anscheinend falschem Bart, der einen Hundertmarkschein gewechselt haben wollte, wurde ein Gastwirt in Mallerbachtal bei Koblenz mit einem Revolver niedergeschossen.

* Der Fleisch-Boykott iu den Bereinigten Staate« von Nordamerika, der, wie wir berichteten, infolge der Fleischteuerung unternommen wurde, ist im Wachsen begriffen; mindestens eine Million Personen aller Kreise des Landes haben die Ver­pflichtung Übernommen, kein Fleisch zu essen. Die Preise haben bisher unter dem Druck des Boykotts noch nicht wesentlich nachgegeben. Die Behörden beschleunigen infolge des Boykotts das seit tangerer Zeit angekündigte gerichtliche Vorgehen gegen den Trust. Man bezweifelt aber mit Recht, daß die Be­friedigung über diese Haltung der Bundesbehörden der Boykottbewegung unter der erbitterten Bevölke- tung Einhalt tun werde, solange nicht die Fleisch­preise sinken.

Reklamen- und Anzeigenteil.

Mr Mutter und Kinder!

i. eilig. (Pott Bao Oteroor'), 5- März 1303. >

„Meinen Betirn Kindern hat Scotti Smul^oit imm.r die besten, Dienste getan, besonder« gut aber hat sie ihnen über die Lahnzeit h.n-, weggeholfen. Mein 12/. Jahr alte8 Söhnchen Alfred war durch ver- schtedeneUmstände sehr vonKrLNe» gesomrne», als ich ihm zur Scott« Emulsion verabreichte. Nach Seorauch von 2 Flaschen wurd«, da« Bürschchen wieder billig und vergnügt und ist heute ein Itlttig«! Kind. Auch meinem a,, Jahr alten Töchterchen gab ich Ihr Präpa­rat au« dem gleichen chrunde und habe auch hier die besten Ersolga gesehen. Das Kind kann jetzt frei sitzen, tat sein» Hälmchen phnz Schmerzen bekommen und sieht bereits auf feinen Flistawu, s» daß w die besten Hoffnungen haben. Wir konnten ferner feflftella», daß dl« Kinder infolge bei fortgesetzten Gebrauch»» von Scott» Ewulstpu viel widerftandäfahtger gegenüber den sogenannten Kinderkrautheiten IMIW Auch meine grau, die eine Zeitlang sich matt und miibe fWtt und deshalb Scott» Emulsion ebenfalls einnahm, ist dadurch zu Reifte», gekommen und arbeitsfähig geworden." (goz.) Wilhelm Benetz,^

In richtiger Weise haben bieft. Eltern erkannt, wie wichtig es ist, bett, kindlichen Körper frühzeitig so zu kräft tigen, daß er den so häufig auftrettn* den Kinderkrankheiten Widerstand zu leisten vermag. Als leichtverdanlicheS/ wohlschmeckendes Stärkungsmittel et# weist sich Scotts Emulsion in solchen Fällen überaus nützlich und darf ba# rum in keinem Hause fehlen. Ebenso , unschätzbar ist sie aber auch sür Gag rte-umsw rvachsene, wenn es gilt, den durch - dem angestrengte Arbeit ermatteten Körper 'Ä sÄSf zu erfrischen, den Lebensmut zu heben und den Appetit anzuregeu.

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Schattenblume.

35] Originalroman von Irene v. Hellmuth.

Tagtäglich sah man ihn den Weg nach der Mühle «Inschlagen

Wenn sie wicklich als Herrin in der Villa einzog, bann, das ahnte Egon, war seines Bleibens hier nicht mehr, denn seine Anwesenheit würde Viktor nach dem, was vorgefallen, nicht dulden. Aber wie sollte man es verhindern?--

Auf der Mühle ging inzwischen alles seinen ge­wohnten Gang. Gerda war sttller als je, sie half wo sie konnte, tat dem Großvater, was sie ihm an den Augen absah, sorgte für fein Wohlbehagen, so viel als möglich. Der alte Müller war in der letzten Zeit viel heiterer und gesprächiger geworden, auch ihm war eS natürlich kein Geheimnis geblieben, daß sich Viktor Bolz um Gerdas Gunst bewerbe, und der Müller hatte den Fabrikherm sehr lieben und achten gelernt, er war mit dieser Bewerbung durchaus einverstanden und neckte die Enkelin öfters mit der Eroberung, die sie gemacht. Gerda wußte längst, daß Viktor eines Ta­ges mit der entscheidenden Frage an sie herantreten würde. Sie schätzte seine guten Eigenschaften und fdannte dankbar an, was er dem Großvater Gutes erwiesen, aber ihr Herz ließ sich nicht zwingen, — Liebe empfand sie nicht für ihn. Es tat ihr selbst leid, aber änbem konnte sie es nicht.

Und als Viktor wicklich eines Tages ihre Hände ergriff und sie mtt seinen ehrlichen guten Augen so treuherzig ansah und mit bebender Stimme sagte: „Gerda, Sie wissen es längst, was ich für Sie em­pfinde, ich kann das Geständnis, das mir schon Wochen Ian3 auf den Lippen schwebt, nicht länger mehr zu- rückdrängen! — Ich habe Sie sehr lieb, — können Sie mich nicht auch ein bischen lieben? — Gerda, ich will ja mit wenigem zufrieden fein, nur sagen Sie nicht „nein", weifen Sie mich nicht ab, — Gerda, — willst Du die Meine werden?"

Er toartete in atemloser Spannung auf ihre Ant­wort, und sie hatte nicht den Mut, seinem dringenden Werben ein „nein" entgegenzufetzen.

Kalt lag Gerdas Hand in der Viktors, sie schlug

die Augen zu Boden, nichts von bräutlichem, jubeln­dem Glück regte sich in ihrem Herzen. Warum nur konnte sie den Mann nicht lieben, der da bittend vor ihr stand? Noch immer hatte sie kein Wort gesprochen, bange Sekunden verstricken und als Viktor endlich mahnte: „Gerda, fällt Ihnen denn die Antwock, die ich so heiß ersehne, so schwer?" —- da hob sie den Kopf leise: „Ick will mir Mühe geben, Sie so glück­lich zu machen, wie Sie es verdienen, — wenn Sie es mit mir versuchen wollen!" —

Ein Jubelrvs unterbrach sie.

„Gerda, — Du ahnst nicht wie lieb ich Dich habe! Wie ich bangte vor diesem Augenblick! Immer in der Angst, Du könntest „nein" sagen. Ich weiß es ja. ich muß Dick und Deine Liebe erst erringen, aber wenn Du mir nur an gehören willst, dann wirst Du es schon lernen, mich ein klein wenig lieb zu haben!"

In seiner freudigen Erregung bemerkte er gar nicht, wie blaß und still sie war, doch als er sie an sich ziehen wollte, wich sie scheu zurück. Sie bemerkte seine traurige, enttäuschte Miene und sagte rasch: „Bitte, lassen Sie mir Zeit, ich muß mich erst daran gewöhnen, — seien Sie mir nicht böse" — da war er schon wie­der versöhnt und scheinbar heiter begann er: „Gut, — gewöhne Dich daran meine Braut zu heißen, ich will geduldig fein und warten — aber nenne mich wenigstens „Du" und „Viktor", dies eine gewährst Du mir, nicht wahr?"

Sie nickte und ein leise? Lächeln flog über ihr schönes Gesicht.

Er schob feinen Arm durch den ihren und sühcke sie zu dem Großvater.

„Ich hab es ja kommen sehen", sagte dieser be­wegt, „Gott segne Euch, meine lieben Kinder. Frei­lich, wer mir früher gesagt hätte, daß es so kommen mürbe, daß ein Verwandter des Hauses Helldorf meine Enkelin heiraten würde, dem hätte ich ins Ge­sicht gelacht. Ja, ja, es geht manchmal doch ganz anders, al» wir denken." —

Es war eine recht stille Verlobungsfeier, obwohl Viktor es sich nicht nehmen ließ, die besten Weine her­beizuschaffen. Gerda nippte kaum davon. Ihre Ge­danken weilten ganz wo anders. Immer und immer

mußte sie an ihre Verlobung mit Alfred denken. Da­mals ging es ja auch nicht laut lustig her, aber ihr Herz jubelte dem Geliebten zu und sie saßen den gan­zen Abend eng aneinander geschmiegt, drückten sich gegenseitig verstohlen die Hand und sahen sich glück­selig in die Augen. Ja. da war das richtige, jubelnde Glück gewesen, Gerda fühlte, daß sie nie wieder so empfinden würde, wie damals. Wie schnell warm die seligen Stunden enteilt, wie kurz war ihnen die Zeit des Beisammenseins erschienen, — und heute? Der Zeiger der alten Wanduhr wollte gar nicht vor­wärts rücken; endlos lang dehnten sich die Stunden. Und in Gerdas Herzen wollte kein Frieden, keine Ruhe auflommen.

„Habe ich recht gehandelt, mich ohne Liebe zu binden?" fragte sie sich bang. Die Zweifel wollten nicht schwinden, trotzdem sie sich immer wiederholte, daß sie den selten Vorsatz habe, Viftor glücklich zu machen, ihm eine gute treue Gattin zu werden. Er selbst wollte ja nichts anderes. Er wußte, daß sie ihm keine jauchzende, überschwängliche Liebe ent- aegenbrachte. Er war zufrieden mtt dem, was sie zu bieten batte. Und doch wollten die Gedanken nicht zur Ruhe kommen. Immer wieder sah sie Al­freds Augen zürnend und vorwucksvoll auf sich »ge­richtet. Und doch dürste auch er ihr feinen Vorwurf wachen. Nie hatte er auch nur ein Wort von sich hören lassen, nie eine Zeile geschrieben oder einen Gruß gesandt. Gewiß hatte er sie aufgegeben, viel­leicht lächelte auch er über das törichte kleine Mäd­chen, das er einmal zu lieben geglaubt. Sie wollte ihn vergessen, gar nicht mehr an ihn denken. Sie war nun die Braut eines andern. Und dieser andere liebte sie, er hatte ihr ein ruhiges, angenehmes Leben zu bieten. Sie mußte ihm dankbar fein für das, was er dem Großvater getan und es war nun in ihre Hand gegeben, den Lebensabend des alten schwergeprüften Mannes freundlich zu gestalten. Sollte sie da die Gelegenheit nicht ergreifen? Taufende würden sie beneiden um die Stellung, die sie fortan in der Welt einnehmen würde und dennoch — sie konnte sich des Glanzes und Glückes nicht freuen, das Herz tat ihr weh, bei all diesen Gedanken und Vetrachttmgen.

Wie erlöst von schwerer Last atmete sie auf, al» sie endlich in ihrem stillen Zimmer allein war. Sie biß die Zähne aufeinander, um nicht aufzuschreien vor bitterem Weh und als sie ihr Lager aufsuchte, wühlte sie den bunfien Kops in die Kissen und meinte bitter­lich —

Gerda war nicht zu bewegen, die Villa zu betreten, so lange sie Egon Helldorff dort wußte. Ada hatte gleich, nachdem Viktor ihr seine Verlobung mit der Enkelin des Millers mitgeteilt, das Haus verlassen. Sie könne nicht hier bleiben, hatte sie erklärt, und Viktor empfand es als Erleichterung, daß sie ging. Er sorgte in jeder Weise für sie, setzte ihr eine reich­lich bemessene Rente aus, die es ihr ermöglichte, ein sorgenfreies Leben zu fuhren. Sie siedelte nach Ber­lin über zu einer entfernten Verwandten. Es war bestimmt worden, daß Egon bis zur Hochzett bkeiben und dann in ein anderes Geschäft eintreten sollte. Das war die einzige Bedingung, die Gerda stellte, daß Egon das Haus verließ, sobald sie dock einzog.

Egon war wütend bariiber. Aber ob er auch die Zähne zufammenhiß, daß sie knirschten, ändern konnte er an bet Sache nichts, denn Viftor tat alles, was Gerda verlangte. Daß ein ferneres Zusammenleben Gerdas mit Egon unmöglich war, sagte sich Viftor selbst, da die beiden sich gegenseitig glühend haßten. Egon wußte, daß es mit dem Leben, das er bisher geführt, nun au8 sei. Er hoffte noch immer, ein Mittel zu finden, um bleiben zu können. Alle mög­lichen Pläne hatte er schon gemacht, aber alle mußte er wieder verwerfen. Er wußte, daß Gerda sich auf diese Weise an ihm rachen wollte, — es kam chm der Gedanke, ob es nicht am heften sei, sich der jungen Braut wieder zu nähern. Hatte sie schon einmal sei­nen Worten Glauben geschentt, warum sollte sie es nicht ein zweites Mal tun? es kam doch auf den Versuch an. Wenn es ihm gelange, sich bei Gerda wieder in Gunst zu setzen oder chre Verzeihung zu erlangen, so hätte er gewonnenes Spiel. Sie würde dann nicht auf der Erfüllung ihrer Bedingung be­harren und er konnte bleiben; denn Viktor zu über­reden, dünfte ihm durchaus nicht schwer.

(Fortsetzung folffP