37. Jahrgang
Jv3 17
Drittes Wlcctt
Reklame», und Anzeigenteil
man nie gesehen, denn den Sozialdemokraten verbietet
M-aer
der den hat
»nzrlgen: Vir et» spalttgepetitzeileode» deren Raum 15 pfg. ReUamendiepetitzeil« 25 Pfg., bei wieder» Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.
Lotationrdrnckund Verlag der Fuldaer Ak- üendruckerei i» Fulda Fernsprecher Rr. 4.
liberale Blatt:
Bis jetzt bestand das Zusammenarbeiten in Bolksvertretung nur darin, daß die Liberalen mit Sozialdemokraten gingen, aber das Umgckehcke
feit für die Weißen geschaffen wurde, sich dort eine Existenz zu gründen. Daraus ergibt sich ohne weiteres, daß da» Reich das Recht hat, unerwartete Glücks- zufälle, wie es die Diamanten funbe darstellen, in sehr großem Umfange für sich in Anspruch zu nehmen. Wie man daran zweifeln kann, das ist wirklich nicht klar. Die Stimmung in der Reichstagskommission ging denn auch in dien Beratungen dahin, daß die Einge- seffenen keine Ursache haben, sich zu beklagen, daß lediglich chre Behauptung über die Bevorzugung der großen Gesellschaften einer Nachprüfung bedarf
Staatssekretär Dernburg wandelt in seiner Kolonialpolitik ständig in den Spuren des ihm so verhaßten Zentrums. So war es in der Eingeborenensrage, so war es auch diesesmal. Sein Sah: Wir treiben Kolonialpolitik um des Reiches und der Reichs- steuerzahler willen, nicht um der 254 Bewohner von Lüderitzbucht willen, bildet eine Wahrheit, die genau ins Zentrumsprogramm Paßt, sofern man sie durch die kulturellen Bestrebungen des Zentrums ergänzt. ____________________
Erscheint täglich mn Rumahme der 5o.m» und Feiertage. Viertel- fährlicher Verugrpreir ohne vringrrlohn und Bestellgeld in Fuldas»« wie auswärts 1LV Ml.
Verautw. Redakteuri
Aus dem Vachbargebiete.
* Dermbach, 21. Jan. 1910. Wegen des unter den Schulkindern der unteren Klassen hier in größerem Umfange aufgetretenen Keuch- hustens wurde die dritte evangelische Schul- klaffe bis auf Weiteres geschlossen.
* Gießen, 21. Januar 1910. Gestern früh stürzte Hauptmann Stephan mit seinem Pferde auf der Nordanloge und erlitt einen schweren Sckädeibri ch.
'* Wetzlar, 21. Jan 1910. Um die erledigte Kreisbaumeisterstelle haben sich nur 500 Bewerber gemeldet.
Neustadt M.-W.-B., 21. Januar 1910. Herr Amtsgerichtssekretär Ritter ist vom 1. April 1910 auf seinen eigenen Wunsch nach Marburg verseht.
• Hann.-Münden, 19. Jan. 1910. Der am 31. Oktober verschwundene Pionier wurde in der Fuldaschleuße als Leiche gefunden. Er ist wahrscheinlich ermordet worden.
* Erfurt, 21. Januar 1910. Eine fatale Ueberraschung wurde einem erst seit zwei Wochen verheiraielen jungen Manne zuteil. Als er nach Haus zurückkehrle, war feine Frau unter Mitnahme ihrer Betten, Wäsche und Kleidungsstücke verschwunden. Sie war mit einem begüterten auswärts wohnenden Herrn durchgegangen.
«art Schütter
JSK5» Mch-nMae«-Illustrierte ronntagrzeitung"
ri Das Reich, die Kapitalisten «nd die Ansiedler.
In Deutsch-Iüdwestafrika spielen sich, seit die Diamanten gefunden worden sind, merkwürdige Dinge ab. ,
Die Bevölkerung dort, ob braun, ob schwarz, ob weiß, ist von einer Stimmung befallen worden, die neulich in der Budgeikommisfion des Reichtages von einem Mitgliede der Reichspartei zutreffend „Berei- cherungsschwindel" genannt worden ist.
Besonders der weißen Ansiedler hat sich die Stimmung mit besonderer Heftigkeit bemächtigt. Sie sind ja alle mehr oder weniger in der Absicht m die Kolonien gegangen, schnell reich zu werden. Em großer Teil von chnen wird das Prädikat Abenteurer unmöglich zurückweisen wollen. Diese Leute sind der Ansicht, alles, was in den Schutzgebieten erreicht werde, das gehöre ohne weiteres ihnen. Wenn seitens der Verwaltung etwas geschieht, was ihrer Dereiche- rungsneigung einen Widerstand entgegensetzt, dann fühlen sie sich in ihren „Rechten" miss schwerste be- einträchttgt und rufen durch eine ihnen ergebene Preße in Deutschland nach Schutz gegen diese „Ungerechtigkeit". So war es seinerzeit, als Staatssekretär Decn- burg auf Betreiben des Zentrums der schrankenlosen Ausbeutung und Mißhandlung der Eingeborenen auf den großen Plantagen ein Ende machte, so ist es auch jetzt wieder, da in Dentsch-Siidwestafrika Diamanten gefunden worden sind. Da das Reich sich berechtigt glaubt, davon einen Anteil zu bekommen, geht das Geschrei über die „Ungerechtigkeit" wieder los, und gegen den Kolonialsekretär Dernburg wird ein wahres Kesseltreiben veranstaltet, das in diesem Falle mit umso lauterem Tamtam arbeitet, als man behauptet, das Reich begünstige die großen Gesell- chaften.
Die Frage, in welchem Grade die Haltung der Kolonialverwaltung auf zuweitgehende Neigungen Dernburgs gegenüber den großkapitalistischen Gesellschaften hindeutet, wird späterer Lösung vorzubehalten sein. Es ist klar, daß auch den Neigungen der großen Gesellschaften und unseren hinter ihnen stehenden Großbanken und Äroßfinanziers, übermäßige Gewinne einzuheimsen, ein Damm entgegengesetzt werden muß. In unseren Kolonien sind diese Leute ja ohnehin weit mehr begünstigt worden, als das zulässig erscheint Die harten Kämpfe gegen die Landgesellschaften usw. sind ja auch noch in bester Erinnerung. Das spielt aber in diese Frage eigentlich nur nebenher hinein. Die Hauptsache ist die prinzipielle Frage, ob das Reich das Recht hat, von den Diamantensunden einen erheblichen Anteil für sich zu beanspruchen.
Das Reich hat die Kolonien geschaffen. Es hat ms öden Sandwüsten, die früher alle Kolonialreiche der Welt verschmäht hatten, ein Land gemacht, in dem wenigstens stellenweise ein für Weiße erträgliches Dasein möglich ist. Dorthin sind die Ansiedler unter dem Schutze des Reiches, für das dieses hunderte von Millionen und 2000 junge deutsche Leben geopfert hat, gezogen, um dort eine Existenz zu suchen. Sie sind dabei auf harte Entbehrmrgen geswßen, wie sie das sicher nicht anders erwartet haben und auch nicht anders erwarten konnten. Das Reich hat alles getan, was ihm möglich war, um die Existenz der Leute zu fördern Um Diamanten zu suchen, war keiner hin- ausgezogen. Sie alle gingen hin in der Absicht, durch Ackerbau und Viehzucht, durch Handel und im Verkehrsgewerbe eine Existenz zu suchen. Dabei ist ihnen 'vom Reich ein sehr weitgehender Schutz zutell geworden. Keiner von ihnen wird die Tatsache bestreiten, 'daß erst das Reich durch die ungezählten Millionen, 1 die in die Kolonien gesteckt worden sind, die Möglich-
vermischtes.
* Erfolge der Polizeihunde. Im Kaliweck Walkramshausen bei Sondershausen tourben jüngst ungefähr für 300 Mack Kupfer, Messing und Werkzeuge gestohlen. Telephonisch ließ man um den Erfurter Polizeihund „Cleon" eines Polizeisergeanten bitten. Das Tier erhielt durch Fußspuren Witterung, lief über das Kaliwerk nach dem Maschinenraum, apportierte dock die Sttesel eines Maschinisten, lief in den Arbeitsraum, wo er den Besitzer derselben verbellte. Nach kurzem Verhör gestand der Gestellte seinen Ein- bruchsdiebstahl ein. — In Felsberg wurde der
Fulda, Samstag den 22. Januar 1910,
Deutscher »eich.
# Karlsruhe, 20. Jan. 1910. Dem Berichte über die badische Budgetdebatte (vergl. Nr. 15) möge noch ein kurzer Nachtrag folgen. Wurde im ersten Bericht fast ausschließlich die Stellungnahme der badischen Regierung zu dem neuen Großblock besprochen, so muß heute noch die Teilnahme der Parteien erwähnt werden. Der Zenttumsabg. Dr. Zehnter zog nach sachlicher Besprechung der Finanzlage die allgemeine Politik in die Debatte. Er hielt dem Großblock die schamlose Steuerhetze gegen das Zentrum vor und bezeichnete als die eigentlichen Führer in diesem skrupellosen Kampfe die Nationalliberalen, benen er ihr ganzes politisches Elenb an der Seite der Genossen vorhielt. „Man kann sich nur wundern" — rief er —, „wie der Nationalliberalismus so weit her- untergefommen ist" und: „soviel steht fest: die natio- nalliberale Aera ist mit dem Jahre 1909 zu Ende." Die schwere Serirrvng dieser Packei neben den Genossen ihr Mittun bei antimonarcknschen Demonstrationen geißelte Herr Zehnter in gebührender Weise und kündigt dem feindlichen Packeigebilde den baldigen Zusammenschluß eines Blocks der Rechten an, letzterer werde sicherlich die große Mehrheit im Volke haben. Als zweiter Redner kam der Sozialdemokrat Kolb zum Wock, dessen aggressives Wesen wenig Haltbares zutage förderte. Die Nationalliberalen hatten, da Herr Rohrhurst im Präsidium und Rebmann in der BudgetkommUion feilgetegt sind ,nur einen Neuling vorzuschicken, nämlich den Abg. K ö n i g-Mannheim, dessen Leistungen herzlich gering anssielen. Richt besser machte es der badische Gebetbuch-Müller, der Demokrat Muser; seine Hetzreden, ein ödes Sammelsurium, langweilen und haben längst schon keine Wirkungen mehr. Nun schickte das Zentrum seinen besten Redner, den früheren Kammerpräsidenten F eh- renbach, vor. Was er hier leistete, war unbestritten das beste, was man seit vielen Jahren in diesem Hause zu hören bekam. Der Eindmck war mächtig und nachhaltig tief, denn tagelang stand die ganze polittsche Oeffentlichkeit unter dieser Wirkung. Sachlich treffend, in der Form voll Feuer und Eleganz, voll Humor und beißender Sattre, ging er mit den Blockpolitiken! und ihrer Moral schonungslos zu Gericht; es waren schwere Stunden für den prahleckschen Großblock. — Der „Schwäbische Merkur" empfindet wachsendes Unbehagen über die würdelose Unterwer- ftmg der badischen Liberalen unter die Fuchtel der Sozialdemokratie. In Rr. 28 schreibt das national-
ihr Pcknzip jede Abweichung von ihrem Programm. Sie spielen die politischen Unbeugsamen, und die andern geben nach. . . . Die »ationaliberale Partei wurde innerhalb zweier Wahlpeckoden von der stäcksten zur drittstärksten Fraktion herunterexpeckmentiert. Aber „wir auf der Linken" bleiben unentwegt „einig »nd geschlossen". Die Geschichte wird nun bald ihren Höhepunkt überschritten haben und nicht mehr lange dauern.
Man kann diesen galligen Erguß wohl begreifen, wenn man die würdelose Umschmeichelung der Um- sturzpartei durch die Liberalen sieht. An anderer Stelle schreibt der „Schwäb. Merkur":
Das „Zusammenarbeiten" der „gesamten Linken" in der 2. Kammer hat in der Sitzung vom Dienstag abend wieder eine bengalische Beleuchtung erfahren durch die sozialdemokratischen Anträge, die Ausgaben für Orden und für die Gesandtschaften, selbst die in Berlin, zu streichen. Beide Anträge wurden durch Mehrheiten verworfen, die aus den Nationalliberalen und einigen Demokraten, sowie aus dem Zentrum bestanden. Die sogenannte „Arbeitsmehrheit" hat sich bei dieser Gelegenhett wieder von selbst gebildet. Was sollen solchen Tatsachen gegenüber die großspurigen'Redensarten von der „gesamten Linken", die bei jeder Gelegenheit in die Brüche geht!
Wie groß muß das Schwäckegefühl des badischen Liberalismus sein, daß er so charakterlos an den Karren des Umsturzes sich spannen läßt, obwohl er sieht, daß er zur Leistung von positiver Arbeit doch auf das Zentrum angewiesen ist!
begüterte Viehhändler Hammerschlag seit tätigen1 Zett vermißt. Zwei Polizeihunde aus Aachen uri | Frankfurt a. M. hatten ohne Erfolg gearbeitet. Da j Erfucker Polizeihund wurde ein Strumpf des Bar mißten vorgehalten, dann suchte er das Gehöft uriU den Garten ab, lief in eine Gasse und 2000 Meter übet die Wirsen nach dem nahen Flusse Eiter. An ein«! tiefen Badestelle sprang der Hund schnell ins Maffeis bellte laut, und fand im Gestrüpp einen Hut. Natj stundenlangem Suchen fischten die Leute den total Viehhändler aus dem Flusse auf. — Im Dorfe R o t« b i 8 le b e n bei Rastenberg ließ der Amtsvorstehstz den Polizeihund „Harras" aus Weimar kommen, um einen Einbruch zu klären. Mit einem Ockscheite wäre» die Eisenstäbe zerbogen und ein Fenster zertrümmerst worden. An diesem nahm das Tier Witterung fand die vergrabenen gestohlenen Gegenstände und stellt» einen Knecht, der den Diebstahl eingestand. J
* Anläßlich des fünfzigsten Todestages von E r n N Moritz Arndt findet am 29. d. M. in der ArndÜ- ruhe, an dem einstigen Lieblingsaufenthalte des Dichters, wo sich auch das Arndtmuseum befindck, eil» Gedenkfeier statt.
♦ Weil sie ihm kein Geld geben wollte, hat d« 29jährige Gäckner in Beckin einen Revolverfchuß cmf seine Braut, dir Schauspieleckn Kasten gefeuert uni sie lebensgefährlich verletzt. Der Täter flüchtcke hiev' auf in seine Wohnung, wo er sich mit Leuchtgas M vergiften suchte. Mtt Hilfe eines Sauerstoffapparati» wurde er ins Leben zurückgerufen.
Literarischem
Ein bemeckenswerter Eckolg bet „Allgemeinen Rundschau" (Wochenschrift für Politik und Kultur, Heraus gebet und Verleger Dr. Armin Kaufen in München, Quackalspreis Mk. 2.40) ist die vor einige« Tagen in Wien erfolgte Beschlagnahme von nicht weniger als dreißigtausend Bänden pornographischer Literatur. In den jüngsten Ackikeln Dr. Otto vo« Erlbachs sowie in der aus diesen zusammengesetzt«! Broschüre „Rechtsprechung und Pornographie" warm die schärfsten Schläge gegen die Wiener Pornogra- phenzentrale Stern-Rosner geführt. Endlich ist diese- scha tbbate Nest ausgenommen. Hoffentlich wird bi» unablässige Arbeit unserer wackeren SittlichkeitSvev tretet auch in bet deutschen Justiz halb entscheidend» Erfolge zu verzeichnen haben. DaS soeben erschienene Heft Nr. 3 der „Allgemeinen Rundschau" be* richtet in ausführlicher Wcffe über bie erwähntes Vorgänge in Wien. Auch sonst enthätt biefe Nummer sehr interessante Beiträge zu dieser Lebensfrage der gefittcken Welt. Aber auch andere aktuelle Fragens wie namentlich der Straßburger Konflikt, werdM eingehend behandelt. Aus dem reichen Jnhall de- neuen Heftes seien noch genannt: Politische Sorg« im Reichskanb. Von Chefredakteur Thomas Seltz. — Schulpolitische Werterschau. Von F. Weigl. —i Der Kulturkampf in Straßburg. Aus bem brutsch«! Packeileben. Die englischen Wahlen. (Wettrund^ schau.) Von Fritz Nienkemper. — Oesterreich-Ungarn zur Jahreswende. Von Chefredakteur Fr. Eckardt-i I. Oesterreich. — Probehefte und Prospekte werd«! gratis an jede gewünschte Adresse versandt.
eitung
Monatrbellage! „Fuldaer Geschichtsblätter"
Schattenblume.
33] Originalroman von Irene v. Hellmuth.
Die beiden sahen sich nicht einmal um, sonst blicken sie bemerkt, daß Egon auf das bestürzte Mädchen laut weinend davonlief. —
Gerda befand sich in einem unbeschreiblichen Gemütszustand Sie war auf sich selbst zornig, daß sie Pich so weit hotte hinreißen lassen. In welch häßliche'Lage hatte sie sich und Vittor gebracht! Die Röte der Scham stieg ihr ins Gesicht, wenn sie daran ! dachte, daß Egon die Sache auf seine Weise ausbeuten würde. Und daß er sie nicht zu schonen gedachte, ! davon war Gerda im Voraus überzeugt. BÜtor be- trachtcke das Mädchen verstohlen von der Seite; er ahnte, welcher Art die Gedanken waren, die hinter der weißen Stirn kreuzten. Doch wagte er nicht, das eingetretene Schweigen zu unterbrechen. So stiegen sie den sonnigen Weg hinab. Vogelgezwitscher drang aus jedem Busch. Der Ginster blühte und geschäftig flogen die Bienen umher. Ein Summen wie feine Musik erfüllte die sommerliche Lust. Sie waren schon nahe bei der Mühle angelangt, als Gerda sich an ihren schweigsamen Begleiter wandte mit den ®orten: („Sie verachten mich jetzt jedenfalls sehr?"
Er schaute sie bewegt an.
„Ich, Fräulein Gerda? Weshalb?"
„Ich habe mich vorhin unverantwocksich benommen. Ich hätte bedenken sollen, daß ich nicht allein .mich, sondern auch Sie in eine schiefe Lage brachte. »Aber der Zom ckß mich fort, ich — konnte nicht anders. Jener schamlose Lügner mußte entfärbt werden. Denken Sie nicht schlecht von mir, well ich mich dem Verräter so schnell ergab, weil ich mich so rasch von ihm einfangen ließ, er verstand es, mich mit List dieser Scheinheilige handelte nach einem chem Zwe^n $lan' ~ wenn ich nur wüßte zu wel- ganz klar", entgegnete Viktor. ES j ^tter bekannt, daß —' er stockte, und »Ä S teCV' ?? et die Worte setzen sollte, um «Mr8a mcht zu verletzen — „baft ich ein Interesse für
Sie habe", — fuhr er nach sekunbenlangem Zögern fort, „deshalb — beeilte er sich, mir zuvorzukommen: denn er hatte mich für seine Schwester Ada zum Gatten ausersehen. Mir fällt jetzt fo mancherlei ein, was meine Annahme bestätigt. Deshalb heuchelte Egon eine Liebe, die er nie emviand, denn er ist keiner Leidenschaft fähig. Und Sie glaubten, daß ich Sie deswegen gering achten würde, weil es dem Elenden gelungen ist. Sie in seine Netze zu ziehen? Wie wenig kennen Sie mich!"
Er versuchte, ihr in das Gesicht zu shen, sie wandte sich rasch ab.
„Nur eine« sagen Sie mir", Hub er wieder an, „haben Sie Egon wirklich geliebt? Verzeihen Sie, — die Frage mag Ihnen vielleicht indiskret erscheinen, — aber ich möchte Sie recht innig bitten, grämen Sie sich nicht, — jener Mensch ist es nicht weck, daß Sie ihm nachtrauern. Sie sind viel zu gut für ihn."
Gerda hob den Kopf und sah Viktor offen an. „Es war eine Täufchung, daß ich mir kurze Zeit einredete, ich liebe Egon Helldorff Ich glaubte feinen Liebesbeienerungen, feinen Schwüren, und wenn er mir bei jedem Zusammentreffen versicherte, nicht ohne mich leben zu können, so schmeichelte das mehr meiner Eitelkeit, al« daß es mein Herz berühcke. Ich war stolz darauf, einem Menschen alles fein zu können."
Vittor atmete wie befreit auf. „Ich danke Ihnen für dieses offene Bekenntnis", sagte er, es nimmt mit eine schwere Sorge vorn Herzen."
Gerda schaute ihn betroffen an.
„Sie dachten doch nicht etwa, daß ich eS machen könnte wie die arme Trude?"
Da keine Antwock erfolgte, fuhr Gerda fort: „Fürchten Sie nichts, denn das werde ich nicht tun! Freiwillig auS bem Leben gehen, — nein! Ich werde mein LoS zu tragen wissen. Das bin ich dem Andenken meines guten Vaters schuldig. Er erzog mich im Glauben an einen strengen, gerechten und gütigen Gott und lehrte mich, alles — GutrS wie Böses — als von oben kommend zu betrachten. Daran will ich mich hallen. Und wo» das Schicksal auch Schweres für mich aufgespack hat, — ich hoffe oben zu bleiben!"--
Et sah sie mit einem leuchtenden Blick an.
Sie beschleunigte ihre Schritte, sodaß er ihr kaum zu folgen vermochte. Die Mühle wat bald erreicht. Unter der Linde vor dem Hause stand Rosel und schaute nach Gerda aus. DaZ Mädchen flog auf die Alle zu mit den Worten: „Wie geht es dem Großvater?"
Die Angeredcke zuckte die Achseln.
„Schlecht, — er findet nirgends Ruhe. Bald ist er oben, bald unten, er macht so ein merkwürdiges Gesicht, — freilich nun gilt? bald Abschied nehmen von der alten Heimat, und das tut weh."
Viktor wat inzwischen näher getreten. Rosel beachtete ihn kaum. Sie warf ihm nur einen finsteren Blick zu. Sie zürnte ihm, weil er versprochen hatte, zu helfen und nun noch keinen Finger rühcke.
„Kami ich den Müller heute noch sprechen?" fragte er, einen raschen Entschluß fassend. „Glauben Sie, daß er meinen Besuch annehmen wird? Ich wollte ihm gerne beistrhen."
Rose! fuhr mit einem Ruck herum.
„Sie haben es also nicht vergessen?" rief sie freudig, „ach, und ich glaubte. Sie bereuten Ihr großmütiges Anerbieten von neulich."
„Nein, — nein, aber ich dachte, der Muller würde mich abweisen, wenn ihn nicht die Not zur Annahme meines Vorschlages zwingt! Deshalb wartete ich."
„So kommen Sie, jetzt ist die Zett da, wo ihm keine Wahl mehr bleibt Ich führe Sie zu dem Müller, es wird ihm wohl tim, wenn er erlöst wird von dem Kummer, der so schwer auf ihm lastet."
Gerda hatte sich auf baS Bänkchen unter der Linde gesetzt, indes die Me ins HauS lief, gefolgt von Vittor.
Der Müller faß in feinem lederbezogenen Lehnstuhl und ftante trübe vor sich hin. Er hob kaum den Kopf, als Rosel eintrat und ihrem Begleiter ein Zei- chen machte, einstweilen noch still zu fein. „Müller", begann sie sogleich, „ich habe Euch eine wichtige Mitteilung zu machen, die Euch sehr freuen wird. ES ist jemand da, der Euch baS Kapital, dessen Ihr bedürft, gerne vorstrecken möchte, der Euch helfen will.
Ihr braucht bloß „ja" zu sagen und alles wird
gut!"
Der Angeredete riß die Augen auf. „Das —. wollte jemand tun? Rosel ists wahr, was Du sagst? — Ja ist eS denn möglich? Hab' ich mich nicht vev- höck?" - !
Rosel hatte sich so gestellt, daß bie Gestalt Viktor»'
beinahe verdeckt war, jetzt trat sie rasch zur Seite.
„Rosck, — „wen bringst Du da? rief der Mül»! ler in höchster Ueberraschung. Seine weißen, buschig« Augenbrauen waren finster znsammengezogen, er nxnf Viktor einen haßfunkelnden Blick zu und machte Stienti hinauszugehen.
„Mtt dem da will ich nichts zu schaffen haben," murrte er grimmig, „ich will ntchti"
Rosel brummte etwas, was nicht sehr schmrichck- hast Rang, Bittor aber ging jetzt geradeswegs auf sein t Ziel los.
.Ich komme in friedlicher Abficht", begann er. ruhig, „laßt doch den alten Haß einmal begraben fein! Ich weiß, daß Euch von meinen Verwandten einst etil > filrchtbareS Unrecht zugefügt wurde, ich bin gewiß der letzte, der ein solches Verhalten entschuldigt; aber wenn ich die Tat meines Onkels wenigsten» einigermaßen' wieder gut machen möchte, indem ich Euch baS Kapital dessen Ihr bedürft, vorstrecke, so könnt Ihr daS ruhig annehmeu. Ihr erweist mir damit einen Gefallen, denn eS ist mir bekannt, daß Ihr von dem Tage an, da man Euren toten Liebling auS dem Waffer nicht mehr die Kraft hattet. Euch aufzuraffen. Run,» so trägt mein Onkel eigentlich die Schuld, daß e$ fe mit Euch steht. Er Ist tot und wir wollen dem Total die Schuld vergeben. Er hat schwer und bitter bereuet was er verbrach. Seine Reue konnte freilich "öuerj Kind nicht mehr lebendig machen, aber wenn ich heute vor Euch stehe und Euch bitte: Vergeßt den Groll, den Ihr lange genug mit Euch herumgetragen, laßt. Euch helfen von mir, ich tu'S ja so gern, ich fühle, daß, es mir eine Erleichterung gewährt, ei tft mir Hev-i zenSbedürfnA, Euch zu helfen, — fe dürft Ihr mir die Bitte nicht abfchlagen. Denn Ihr würdet Euch^ selbst betrügen. ES ist doch schön, dem Fcknde zu vrv^ gebe» ^Fortsetzung solätck >