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Sprint tS-lichmtt Xusnebme der S».»- 1MdZ<>ert«tzt-0ierteI- jSl,eliche^v«»«arpreir >h«e Sringertoha «nb vestellgelb in Fulda f»- vir auswärts 150 ülf.

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z. parzriler in Fulda.

Zeitung

Monakbrllag«: „Fuldaer GeschichtrbMer"

,n^v«gtB; <e er» spattige Petitzeile oder deren Sau« 15 pfg. Reklamen drepetitzeN« 25 pfg., bei Wieder­holungen wird entfpt.

Rabatt gewährt.

üolattoardruckund Verlag der Fuldaer Ak- tirndruckerri ht Fulda Fernsprecher llr. S.

37. Jahrgang

Fulda, Mittwoch den ID. Januar 1910

Zweites Wtcrtt.

) 165 (— 2

Weltmarktpreise:

Reklamen» und Anzeigenteil.

) 165 ) 175 ) 170 ) 158

) 168 ) 167 ) 170

Weizen

236 (+ 7

228 ( —

235 (— 1

238 (+ 2

Hafer (+ 8 )

(+ 2«A)

Roggen (f 3 (+ 2

Aus Mrche und Schule.

* Professor Meyenberg, der gefeierte Redner auf den Katholikentagen der letzten Jahre, hat einen Ruf als Ordinarius für die Pastoral-Pro- sessur an der katholisch-theologischen Fakultät der llniverfität Straßburg erhalten.

zerstreut liegend den Helm, Säbel und einen Stiefel: eine Strecke weiter lag auch der Verunglückte in be­wußtlosem Zustande. Das Pferd war allein in Du- dcrstadt angekommen.

Danzig Berlin Frankfurt München

Anklage vertraten, ist nunmehr die eines weiteren am Prozeß besonders beteiligt gewesenen Beamten gefolgt Der Abteilungsvorsteher in der Ver­waltung der Kieler Reichswerft, Marineintendan- turaffeffor Frerichs, erhielt seine Versetzung nach Wilhelmshaven.

* Limburg, 17. Jan. 1910. Das Amt eines Parteisekretärs der nassauischen Zentrums- Partei wurde Herrn Herkenrath, dem früheren langjährigen Redakteur des .Nassauer Boten' Übertrag«. _______________________

Kuner Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des deutschen Landwirtschafts, rats vom 11. bis 17. Januar 1910.

Vom Auslände lagen in der Berichtswoche keine neuen Anregungen vor. Die amerikanischen Preis­schwankungen — scheinbar eine Folge der Vorgänge

Aus dem Nachbargebiete.

* Frankfurt a. M„ 18. Jan. 1910. In der Böh­merstraße wurde von der Sittenpolizei ein Kuppel­quartier ausgehoben. Es wurde Beweismaterial aufgefunden, das weite Kreise auS den höheren und niederen Ständen in die Sache verwickelt.

* Mühlhausen (Thür ), 18. Jan. 1910. Plötzlich g elfteste ank wurde der Lademeister^Langhammer von der Güterabfertigung. Er befand sich schon seit einiger Zett wegen Nervenüberreizung in ärztlicher Behandlung.

♦ Arolsen, 18. Jan. 1910. Zu dem Selbst­mord des evangelischen Pfarrers Budde in Landau (Waldeck) wird mitgeteilt: Dudde, der ein sehr un­terrichteter und gelehrter Herr von vielseitigein Wiffen war, erfreute sich in weitercnKreisen großer Beliebt­heit: der erschütternde Fall erregt daher allseitige Teil­nahme. Der Verstorbene war erst 40 Jahre alt und hinterläßt eine noch junge Frau und 4 Kinder im zarten Alter.

* Vom Eichöfclde, 16. Jan. 1910. Auf der Rück­kehr von einer Diensttour ouf der Chaussee verun­glückte zwischen Mingerode und Duderstadt der Gendarm Schröder aus Duderstadt. Sein Pferd scheute, warf den Reiter ab und schleiste ihn eine ©träfe mit Passanten fanden auf der Chaussee

Ausland.

* Das jungtiirkifche Komitee beweist soeben seinen übertriebenen Nationalismus in einer Affäre, an der auch die deutsche Regierung be­teiligt ist. Ein Deutscher namens Rospen hat in Serres in Mazedonien einen Polizisten er- schossen. Rospen behauptet, in der Notwehr ge­handelt zn haben, da der Polizist ihn tätlich an­griffen habe. Rospen wurde verhaftet. Auf Grund der diesbezüglichen Befiimniungen ver­langte der deutsche Botschafter, Freiherr v. Mar­schall, die Auslieferung Rofpens an den deutschen Konsul in Saloniki zur vorläufigen Host. Die Pforte beschied das Gesuch des Botschafters ab- lehnend. Der Justizminister hat den ursprüng- lichen Befehl, Rospen dem deutschen Konsul in Saloniki auszuliesern, infolge eines Protestes des jnngtürkischen Komitees widerrufen.

* Der Gesundheitszustand der Zarin scheint, allen bisherigen Ableugnungen zum Trotz, recht be­denklich zu fein. Am Sonntag fiel die Zarin in eine tiefe Ohnmacht, die über eine Stunde andauerte. Die Aerzte wurden sofort hinzugezogen und machten Aethereinspritzungen. Die Zarin erlangte Darauf das Bewußtsein wieder, blieb aber noch drei Strmden in einem Dämmerzullande. Die Krankheitserscheinungen beruhen auf Hysterie und nervösen Herzzuständen.

Marktbericht.

• Frankfurt, 17. Jan. 1910. (Gekreidemar kt.) Die am Wellweizenmarkte eingetretene Ernüchterung kam am heuttgen Markte insofern zum Ausdruck, als sich eine große Geschäftsunlust bemerkbar machte. Wenn sich Landweizen trotzdem auf vonvöchenlticher Höhe behaupten konnte, so kommt dies von dem knappen An­gebot der, insbesondere gute Ware mangelt Reg gen gefragt bei unveränderten Preisen. Gerste leicht an­ziehend. Hafer unverändert. Ausländifche Brotfrüchte fest. — Es notieren je nach Qualität: Weizen, dies. u. Wetterauer 23.40 - 23.50 Mark, kurhesfischer 23.40— 2360 Mark, norddeutscher 23.40—23.50 Mk., russ. 24.50—25.50 M., Nedwinter 00.00—00.00 Mk., Kansas 00.00-00.00 Mk., La Plata 24.50 -25.50 Mk., Auman. 00.00—00.00 Mark, Roggen, hiesiger, 17.00 bis 17.10 Mk., russischer 00.00—00.00 Mk., rumänischer 00.00—00.00 Mk., Gerste hies. u. Wetterauer 16.25 -17.25 Mark, Pfälzer 17.00-17.50 M., Ried 17.00—17.50 M., Hafer, dies. 16.00—17.00 Mk., hager. 16.00-17.'0 Mk,. württbq. 00.00-00.00 Mk., russischer 00.00-00.00 Mk., rumän. 00.00-00.00 Mk., La Plata 00.00-00.00 Mk., Mais (Mixed) 03.00 —00.00 M., russ. 16.00—00.00 M., Donaumaö 16.00-00.00 M., La Plata 15.85—16.00 Mk. Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Niehl: stetig. Weizenmehl Nr. 0 32.50-00 00 Mk., Nr. 1 31.00 -00.00 Mark, Nr. 2 30.00 - 00.00 M., Nr. 3 29.00—00.00 Mk., feinere Marlen 0.50—1.00 M. höher. Roggenmehl Nr. 0 24.75—25.00 M., Nr. 1 21.75—22.00 Mk., Nr 2 17.75-18.00 Mk Alles per 100 Kilo inklusive Sack loko hier. Futtermittel: stetig. Weizenschalen 10.25—10.50 Mk.,Weizeukleie 10.00—10.25 Mark, Roggenkleie 10.50-11.00 Mark, Futtermehl 14.00— 00.00 M, Biertreber, getrocknet, 13.50—14.00 Mark. Alles per 100 Kilo netto effektiv loko hier.

' Frankfurt a. M., 17. Jan. 1910. Amtliche No­tierung der Biehmarkk-Preise. Zum Berkans standen 532 Ochsen, 54 Bullen, 1196 Kühe und Jungnnder, 465 Kälber, 337 Schase und Hämme! und 1977 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Psd. Lebenvgewichl: Ochsen: a. vollsteischige, ausgemältete höchsten Schlacht­wertes bis zu 6 Jahren 42—45 M., b. junge steif chlge nicht ausgemästete und Altere auSgemästete 38-41 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 33 —3a 3W., d. gering genährte ieöen Alters 00—00 M. Bullen: ». vollfleischige höchsten Schlachtwertes 39--41 Mark, b. n-äßig genährte jüngere und gut genährte ältere 00— 00 Mk., c. gering genährte 00—00 Mark. Kühe und Jungrinder: ». vollfleischige, ausgemästete Jungrinder höchsten Schlachttvertes 33—38 Mark, b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlacht- wertes bis zu 7 Jahren 33 bis 38 Mark, c. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Jungrinder 26 bis 30 M-, d. mäßig genährte Kühe und Jungrinder 20—26 M., e. gering genährte Kühe u. Jungrinder 14—19 M. Bezahlt wurde für 100 Psd. Lebendgewicht: Kälber: a. feinste Mast- (Vollmilchmast) und beste Saugkälber 52—56 Mk., b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 45—50 Mk., c. geringe Saugkälber 40 - 43 Mk., d. ältere, gering genährte Kälber (Fresser) 00- 00 Mk. Schase: a. Mastlämmer und jüngere Mast Hümmel 33—34 Mk., b. ältere MasthLmuret 28—00 Mk., c. mäßig genährte Hämme! und Schafe (Merz-Schafe 00 - 00. Schweine: a. Fetischweine über 3 Zentner Lebendgewicht 00.00 M., d. vollfleischige über 2*/« Ztr. Lebendgewicht 00.00 Ni., e.vollfleisch. über 2 Ztr. Lebendgewichl58.'/,-60.00 Mt., d. vollfleisch. bis zu 2 Zir. Lebendgew. 58-60.00 Mk., e. fleischige 58—60 Mk., t. Sauen 00—00 Mk. Der Rindermarkt wickekte sich lamgsam ab und hmlerläßt Ueberstand. Der Kälber- und Schafhandel gestaltete sich gut; Auftrieb wird geräumt- Das Schweinegefchaft war mittelmäßig; es wird nahezu ausverlauft.

Hunderttausenden

Die Sorge um die Gesundheit ist im Herbst und Winter am dringendste«. Schützen Sie sich daher bei Zeiten und beachten Sie ein Mittel, dessen hervor­ragende Eigenschaften Hunderttausende von Personen vor allen schädigenden Einflüssen auf die Stimmorgam bewahren. Husten, Heiserkett, Katarrh, die Vorbote» ost ernster Erkrankung werden durch Wybert-Tablette» mit Erfolg bekämpft. Es wird in den nächsten Woche» Gelegenheit geboten fein, dem seit 60 Jahren hoch­geschätzten Präparate ein Heer neuer, begeisterter An­hänger zu werben. Originalschachteln ä Mk. 1.— sind in den Apotheken erhältlich. Depots in Iulda: Hngek- Äpottseäe, K»k-Ap«kSeke und ^öwex-Ap»tüeIe.

Weizen: Berlin Mai 227.75 (— 1.25 ), Juli 228.25 (— 1.00) Budapest April 242.70 (+ 0.75), Paris Jan. 194.75 (— 2.85) Liverpool Mär, 1S6.70 '(— 4.40) Ehicaao Mai 171.85 (— 2 95) Roggen: Berlin Mai 178225 i-f- 1.25), Juli 181.25 (4- 2.25) Haier: Berlin Mai 166.50 (Z- 0.50) Juli 168.50 0.50) Mk. per 1000 Kilogramm.

[] Die sozialpolitische Bremse.

Von allen Berussständen des Reiches hat sich in de« letzten Jahrzehnten der Stand der privaten Au- fftefften verhältnismäßig am schnellsten vermehrt, ine selbständige Existenz nach der anbem ist von den Großbetrieben ausgesogen worden. Die Möglich- fcit, in einem selbständigen Berufe voran zu kommen, ist immer geringer geworden.

Im Gegensatz zum Staats- oder Kommunalbe- amten steht der Privatangestellte nicht in fester Stel­lung. Der Prinzipal kann ihn jederzeit mit mehr oder weniger kurzfristiger Kündigung auf die Straße fetzen. Die Aolge davon ist eine Lebensunsicherhelt, wie sie nur Wenigen Berufen eigen ist. Der Arbeiter, wenn er arbeitslos ist, wird rüativ schnell wieder eine Stelle zur Verivendung seiner Arbeitskraft finden, weil die Verwendungsmöglichkeit der einzelnen Kraft größer ist Der Privatangestellte aber hat, wenn er nicht gleich nach dem Ausscheiden aus der Stellung eine neue findet, meistens wenigstens ein volles Vier­teljahr der Stellenlosigkeit vor sich. An die Aufsamm- I»ng von Ersparnissen ist nur in seltenen Fällen zu denken. Die weitaus meisten verdienen nur 50 Proz. dessen, was der Staat seinen gleichartig vorgebtldeten Beamten zahlt; haben dabei auch im allgemeinen auf keine Pension und keine Versorgung ihrer Hinter­bliebenen zu rechnen, bekommen keinen Wohnungs­geldzuschuß, genießen keine steuerlichen Vorteile.

Unter diesen Umständen hat man allgemein die Erfüllung des Wunsches der Angestellten auf Schaf­fung einer Privatbemuten-Pensionsverficherung als berechtigt anerkannt. Der gesamte Reichstag war schließlich unter Führung des Zentrums dafür einge­treten. Gras Posadowskh, des Reiches großer Loko­motivführer der Sozialpolftik, war seinerzeit dem Projette freundlich entgegengetreten. Dann kam der BlockreichÄag und knickte die Blüte, die sich zu ent­wickeln strebte. Herr b. Bethmann-Hollweg wurde von dem Posten des preußischen Polizeiministers zum Staatssekretär im Reichsamt des Innern berufen und wirkte dort sofort als sozialpolitische Bremse. Und sein Gift ist auch auf seinen Nachfolger übergegangen. Herr Delbrück, des Reichskanzlers Stellvertreter, hat sich sehr geschickt in seines Herrn und Meisters Auf­fassung hineingelebt und versteht daS: „Ja gewiß! — Aber — Aber —* genau so sicher und eindrucks­voll vsrzutragen, wie es Herr v. Bethmann-Hollweg konnte.

Die Begründer der Interpellation wurden am Montag sehr deutlich. Aber der Staatssekretär hat kein Wort gesagt, das wiederum Hoffnungen ertoedt hatte. Er verschanzte sich hinter die „technischen Schwierigkeiten*. I« Oesterreich sind die technischen Schwierigkeiten glatt überwunden worden; warum soll da das Deutsche Reich, das mit feinen großen sozialen Versicherungen aller Welt ein Beispiel ge­geben hat, nrcht auch solche Widerstände auszuränmen vermögen?! Wenn der gute Wille da ist, bann geht das. ES fragt sich nur, ob er ba ist. In btefer Hin­sicht aber hat man feit ben letzten Reichstagswahlen allerlei Zweifel zu hegen gelernt.

Deutscher Reich.

♦ Der neue französische Zolltarif. Arn 31. März ». I. tritt der neue französische Zolltarif in Kraft. Die Rordd. Mlg. Ztg. macht bie Interessenten barauf mit bem Bemerken aufmerksam, daß die an dem Ab- Mtz nach Frankreich beteiligten deutschen Handelskreise pittun, bei Abschlüssen, beren Ausfiihrung erst nach km 30. März b. I. bewirkt werden soll, auf die bann zettenden Zollsätze des neuen ftanzösischen Ta­rifs Rücksicht zu nehmen.

* Den Versetzungen der drei Staatsanwälte, die in dem großen Kieler Werftprozeß die

auf dem Banmwollmmckte — übten keine sonderliche Wirkung, zumal sich Argentinien nur wenig ent­gegenkommender zeigte und Rußland an seinen For­derungen festhielt. Ebensowenig war in der Berichts­woche inländischer Weizen billiger zu beschaffen. Für das andauernd knappe Jnlandsangebot bestand sowohl seitens der Mühlen als auch zum Export gute Nach­frage Auf dem Lieferungsmarkte waren Abgeber an- glsichts der Disparität gegenüber dem Weltmärkte sehr zurückhaltend, sodaß mehrfach vorliegende Kaufauf­träge nur wenig billiger als in der Vorwoche ausge­führt werden konnten. Namentlich die Provinz hatte diesmal größere Kauforders nach Berlin gesandt, nach deren Erledigung eine mäßige Mschwächung eintrat. Der Schluß war 1%. bis 1 Mar! niedriger als vor acht Tagen. Fester als für Weizen war diesmal die Stimmung für Roggen, dessen im Vergleich zu Wei­zen niedriger Preisstand mehrfach Käufer anzog. Außerdem bietet Rußland nur wenig und nur zu sehr hohen Preisen an und so erklärt es sich, daß sowohl Skandinavien und Dänemark sowie Oesterreich in stärkerem Maße auf deutschen Roggen zurückgreifen. Sogar Nordrußland zieht andauernd deutsche Ware heran. Diesen Ansprüchen, zu denen sich auch bessere Kauflust seitens de8 Inlandes gesellte, steht in letzter Zett nur geringes Angebot gegenüber, da das feuchte Wetter den Ausdrusch verhindert. Zum Teil lag der fefteren Meinung für den Artikel die Auffassung zu­grunde. daß sich der Mangel an guten Qualitäten zum Frühjabr hin noch verfchärfen bürfte. Gegenüber letz­ter Woche zeigen bie Lieserungspreise eine Besserung von iy4 bis 914 Mark. Hafer hatte bei schwachem Angebot gleichsalls feste Tenbenz, boch hielt sich bas Geschäft in verhältnismäßig engen Grenzen, ba bie im Konsum erzielbaren Preise mit ben Forderungen der Provinz schwer in Einklang zu bringen find. Gegen nach dem Auslände gemachte Albschlüsse wurde mehr­fach auf dem Lieferrmgsmarkte Deckung genommen. Die Forderungen für russische Futtergerste zogen zu­nächst weiter an; erst in ben letzten Tagen trat eine mäßige Abschwächung ein Mais hatte ruhigen Ver­kehr. ba sich her Verbrauch bet den weiter gestiegenen Preisen noch mehr als bisher einschräntt. Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Marktage wie folgt:

Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Marr pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei das Mehr (4-) brzw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern 0 beigefügt if wie folgt:

Schattenblume.

80] Originalroman von Irene ». Hellmuth.

„Dieser Schuft", stteß er zornig hervor.

Viktor kreuzte die Arme über der Brust. Müh­sam zwang er sich zur Ruhe.

»Ich wollte und konnte es nicht glauben,* sagte «, »aber es scheint doch Wahrhett zu fein! Also auch das noch? Und Du glaubst, weil ich das erstemal gutmütig genug war. Deine Schulden zu bezaUen, daß das so weüec gehen würde? Du irrst Dich ganz ge­waltig! Abgesehen davon, daß ich auf diese Weise mein ganzes Vermögen opfern könnte, f» sollst Tu i«tzt begreifen lernen, was es heißt auf sich selbst an* Srimefen zu sei«. Von heute ab bekommst Du Drin Gehalt, w'e jeder meiner Beamten, nut mit dem Un- ierschted, daß Dir bie Tage, an denen Du nichts ar- beitest, ab gezogen werden. Für Deine Schulden aber magst Du selbst ouffonrmen, sie gehen mich nichts an."

Egon schlug einen bittenden Ton an.

»Aber Viktor, macke doch nicht so em Aufhebens dsu bei Bagatelle! Das bischen Mammon ist boch für Dich eine Kleinigkeit!'

»Eine Kleinigkeit nennst Du bas? Weißt Du, baß mit bem Äavitiü eine ganze Familie ein Jahr lang anständig leben kann? Was Du ix kurzer Zett am Spieltisch vergeudet hast, darum muß ein Arbeiter vielleicht zwei Jahre lang angesftengt schaffe«. Hast Du nur einmal daran gebadjt, was das heißt? Wenn Du Dir das vor Augen hältst, mußt Du Dich nicht schämen?*

Egon bat noch einmal: »Geh, Viktor, fei kein Krauser, toa3 sind für Dich viertausend Mark!*

»Die Sache ist für mich abgetan!* schnitt der Fa- öfttherr seinem Vetter das Wort ab, ich will davon «ichts mehr hören! Versuche nicht, mich innzustim- «en, — es bleibt dabei!*

„Herrgott* tief er wütend, „warum verweigerst Du gerade mir die Kleinigkeit, während Du cmderen Leuten Dem Geld nachwirfst — und wärest dabei noch ftvh, wenn sie es annehmen möchten! Da sinnst Du kraus, wie Du es anstellen sollst, daß sie e8 nehmen!

Aber freilich, — wenn man verliebt ist — macht man noch größere Torheiten! *

Viktor schien nicht gleich zu begreifen, wo Egon mtt seiner Anspielung hinaus wollte. Er warf feinem Vetter einen fragenden, halberstaunten Blick zu. Die­ser fuhr hämisch fort: »Du denkst wohl, ich habe es neulich nicht gehört, wie Tn mit der Alten drunten auf der Mühle wegen der Hypothek sprachst, wie Du Ihr die Versicherung gabst, dem Müller aus der Klemme Ijelfen zu wollen? Du haft Dich keinen Augenblick befoimeu, obwohl Du so gut wie jeder andere wissen mußt, daß daS Geld verloren ist, denn die alte Klitsche drunten ist sa nichts wert! Aber ich weiß genau, war- umDu das inst! Weil Du Dich in die hübsche Enke­lin des Müllers vergafft haft — Ha, ha, gelt jetzt hab ich Dich? Leugne, wenn Du kannst!*

Viktor «ar bei dm höhnischm Worten zusammen­gezuckt, auf seiner Stirn erschien eine drohende Falte, er schien ben Sprecher züchtigen zu wollen, aber noch bezwang er sich. Egon aber fuhr in demselben Ton fort: »Laß Dir sagen, daß Du Dir die Mühe sparen kannst, um bfe Kleine eine Hand zu rühren, — beim sie gehört längst mit, sie ist in mich verliebt unb des­halb wird sie Dich mit Glanz abfcrhrm laffm, wenn Du Dich ihr nahm wolltest! Wenn Du mir nicht gfaubft, so frage sie doch — ob sie mich nicht erst heute früh — geküßt hat!*

Jetzt war es vorbei mtt Viktors Selbstbeherrschung. Mit einem »fdenben Schrei stürzte er sich auf den Schwäher, packte ihn bei der Kehle, fodaß Egon müh­sam nach Lust schnappte, barm warf er ihn mit einer einzigen, kraftvollen Bewegung zu Bodm, dabei sich immer von neuem auf dm Gegner stürzend. Keuchend rangm sie eine Weil- mit einander.

Egon schrie, schäumend vor Wut: »Laß.mich los, sag ich*, aber Viktor, der ihm an Kraft weit über­legen war, schüttelte ihn nrtt solcher Wucht, daß dem am Boden liegenden Hören und Sehen ver­ging.

„Schuft, elmder, — Du wagst es. Dich Deiner Freveltaten noch zu rühmm?* bonnerte Viktor, kaum feiner Sinne mäckftia. .Tn wagst es. bie Augen zu

jenem reinen, unschulbigen Mädchen zu erheben? Du — der Du nicht wert bist, ihr auch nur die Schuh­tiemen zu lösen? Du halt das nichtsahnende Kind umgarnt — ich hätte es ja wissen können — denn es ist nicht das erste Mal, daß Du Deine Kunst, solch unerfahrenem Ding den Kopf zu verdrehen, mit Er­folg aus geübt hast' Aber dem Mädchm werde ich selbst die Augen öffnen, Du sollst Dich nicht mehr ihrer rühmen duffen — denn Du wirst sie niemals wieder lüffm, verlaß Dich daraus!*

Er fiefc endlich von Egon ab wwb wandte ihm mit einer Geberbe beS Ad scheues ben Rücken Jetzt erst bemerfte er Ada, toelche beide Hände vor das Gesicht geschlagen, bitterlich weinend in einen Sessel gesunken war.

„Du hattest wohl mich Deine Hand im Spiel, als es galt, Deinem sauberen Bruder zn einer neuen Er­oberung zu verhelfen?* schrie er bem Mä'bchm z«. Dieses ließ bie Hände sinken unb sah ihn mtt einem so verzweifttinasvolleN, traurigen Blick an, daß eine leise Ahnung der Wahrheit in dem erzürnten Manne aufzudämmern begann. Der harte Ausdruck feiner Zuge milderte sich. Er zwang sich gevalffam zur Ruhe.

»Ich weiß schon,* begann er nach einer kleinen Weile, »wenn Du etwas tatest, um jenes Kind Deinem Dm der zuzuführm, so geschah es auf feine Veran­lassung. Aber ba5 muh ich Dir fagen, dem alten Müller wurde schon genug Leid zugefügt, es darf nicht noch mehr hinzukommen. Durch die Schuld Deines Vaters wurde ihm rinft feine Tochter entrissen. Dein Vater hat das schöne, heißgeliebte Kind in ben Tob getrieben! Er ruhte nicht eher, bis sie im Mühlbach Erlösung von allem Leib suchte! Soll bet Alle viel­leicht an seiner Enkelin das gleiche Leid erfahren? — Wenn Dein Bruder vorhin sagte, daß ich dem Müller aus der Klemme helfen will, so ist das richtig. Aber ich tue es nicht aus selbstsüchtigen, unlauteren Motiven, sondern einzig darum, die Schuld eures Vaters wenig- stenS in etwas gut zu machen. Denn daß der sonst so strebsame Müller ein energieloser Mensch wurde, bet alles gehen ließ, wie es eben wollte, ist ebenfalls bie Schulb eures SWers Dem Müller ging durch das

Unglück, das ihn traf, die Kraft zu fernerem Schaffen fast vollständig verloren.*

Ada streckte Viktor die Hand entgegen. »Du bis / ein guter Mensch,* sagte sie gerührt, „ich danke Dir für Deine Mitteilungen.*

„Verzech meine harten Worte von vorhin,* bat f t, „ich habe Dir Unrecht getan. Aber wenn Du (in gutes Werk vollbringen willst, so hilf mir, das arme Kind, das Egon zu betören wagte, zu überzeugen, '»aß es in bie Krallen eines Geiers geraten ist, daß es un­glücklich werden muß, wenn es sich nicht schleuuigjf von ben Feffeln befreit. „Willst Du?*

Aba nickte.

„Ich werde Sorge tragen, baß Gerba nicht mehr mit Egon zusammentrifft.*

In biefem Augenblick kam ein Diener herein unb fragte, ob nun das Essen aufgetragen werden dürfe

Viktor bejahte.

„Speise heute ohne mich,* sagte er bann zu Ada, „mir ist bie Kehle wie zugeschnüct; ich kann nicht essen ich muß allein fein.*

Damit verließ er, ohne Egon eines Blickes zu inütbigen, das Zimmer.

Lange war Viktor planlos umhergewandert. Es war ein heißer Tag. Kein Wölkchen stand am Him­mel. Endlich stieg er den steilen Weg zur alten Burg­ruine empor. Das altersgraue Gemäuer war über* spönnen von dunklem Efeu, der sich hier ungehindert emporrankte über das ^rbröckelnde Gestein, dasselbe umkleidend mit dichtem Grün. Niemand wehrte dem Verfall dieses alten Bmiwerks. An den Mauern wu- ckerten auch wilde Kletterrosen und deckten mit den zahlreichen Blüten mitleidig die Löcher und Riffe zu, die im Laufe der Jahre entftanben. In einem weiten, viereckigen Raum, bem ehemaligen Burghof, bet jetzt mit Gras unb totblühendem Klee bewachsen war, 6U- beten einige mit Moos überzogene Steine ganz be­queme Ruhesitze. Da ließ Viktor sich nieber. Die tiefe Ruhe unb Stille wurde nut unterbrochen durch ben Gesang der Vogel, die sich gar nicht genug tun konn­ten, den herrlichen Tag zu Preisen.

Fortsetzung folat->