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Dcu Militärpsnchngen. gger ^ie vorgeschriebenen Meldungen zur Stamm-

Steklamen- und Anzeigenteil.

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« Zwei Hauptzüge von Scotts Emulsion erklären das Geheimnis ihres außerge-

lw$it9eitr Wt et» spaltige Petitzeile oder deren Raum 15 pfg. Reklamen d,ePetitzeUt 25 pfg., bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Rotationsdruckund Verlag der Fuldaer Ak- tiendruSerri in Fulda Fernsprecher Ur. 9.

erschein- täglich«« Ausnahme der Zsu- u.,d Feiertage Viertel- jährliche vttuqrprelr ohne Sringrrlohn m>d Bestellgeld in Fulda so­wie auswärts l 50 Mt.

Verantw Redaktemr Lar? schütter

Fulda, Dienstag den 18. Januar 1910

Abgänge der Behörde oder Person, welche ibn in die Stammrolle ausgenommen hat, als auch nach Ankunft an dem neuen Ort derjenigen, welche daselbst die Stammrolle führt, svätestens innerhalb d r e ie r T a g e

Ahnung, wie er hineingekommen war. Vermutlich haben sich die Kommilitonen einen bösen Streich ge­leistet.

* Mainz, 17. Jan. 1910. GegendasRoll- schuhlaufen in den Straßen und auf den Trot­toirs, das mit seinen Auswüchsen jetzt schon zu Unfug und zur Belästigung der Passanten ausgeartet ist, wen­det sich eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei. Vor­erst werden dje Eltern ersucht, auf ihre Kinder einzu­wirken. Die Schutzleute sind auch angewiesen, gege­benenfalls einzuschreiten.

— Umgekehrt. „Wenn ich ein neues Kleid brauche, setze ich meinen Willen bei meinem Manne immer durch; kann ich mit Weinkrämpsen nichts erreichen, dann falle ich in Ohnmacht." — „O Du Glückliche.' Wenn ich ein neues Kleid haben will, fällt mein Mann in Ohnmacht!"

rolle oder zur Berichtigung derselben unterläßt, wird mit Geldstrafe bis zu 50 Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen bestraft. Unterlassene Abmeldung zur Stammrolle entbindet nicht von der Gestellungspflicht.

volkswirtschaftliches und Soziales.

4- Für den zweiten sozialen Kursus für Landwirte, den die Zentralstelle des Voltsvereins für das katholische Deutschland in der Woche vom 14. bis 19. Februar in dem Hörsaale des Volksvereinshauses in M.-Gladbach veran­staltet, liegt eben das genaue Programm vor. Die Vorträge finden vor« und nachmittags (je einer) statt, und an dieselben schließt sich eine Diskussion an. An den einzelnen Tagen werden folgende Gegenstände zur Erörterung gelangen: Die charakteristischen Wandlungen in der Land­wirtschaft in den letzten Jahrzehnten; Prakttlche Einzelfragen des landwirtschaftlichen Genossen­schaftswesens (Montag, 14. Februar). Wie voll­zieht sich die Preisbildung landwirtschaftlicher Produkte, und wie kann der Landwirt einen Einfluß auf den Preis gewinnen? Neue Aus- sichten und Aufgaben des landwirtschaftlichen Vereinswesens (Dienstag, 15. Februar). Auf­gaben der ländlichen Wohlfahrtspflege; Die Jugend auf dem Lande (Mittwoch, 16. Februar). Die Frau ans dem Lande; Der Volksverein auf dem Lande (Donnerstag, 17. Februar). Auf­gaben und Tätigkeit der ländlichen Gemeinwesen; Die Leutenot und die Mittel der Abhilfe (Frei- lag, 18. Februar), Wie kann der landwirlfchast- liche Beruf sich den ihm zukomnienden Einfluß im öffentlichen Leben sichern? (Samstag, 19. Februar, vormittags.) Die bisher fchon einge- lausenen Anmeldungen eröffnen für den Kursus die besten Aussichten. Prospekte zu demselben sowie das genaue Programm werden von der Zentralstelle des Volksvereins gerne versandt, die zugleich zahlreichen weitern Anmeldungen ent- gegensieht!

♦ Die Auswanderung aus Deutschland. Die jetzt vorliegenden Zahlen über die deutsche Auswandc rung im Jahre 1909 lassen erkennen, daß der im Jahre 1908 infolge der nordamerikanischen Wrrtschafts- krisis eingetcetene bedeutende Rückgang inzwischen zr>m Stillstand gekommen ist, denn das vergangene Jahr übertrifft mit rund 25 000 Auswanderern das Jahr 1908 um etwa 5000. Unsere Auswanderung erreichte ihren Höhepurrkt im Jahre 1881, wo fall 221 000 deutsche Auswanderer die Heimat verließen, und wenn nun im letzten Jahre unter der Wiedecer siackung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Nord­amerika unsere Auswandemng auf fast 25 000 Per­sonen angestiegen ist, so erreicht sie damit immerhin erst den achten Teil ihres Standes vor 29 Jähren. Insgesamt sind seit Begründung des Deutschen Rei­ches runb 2 850 000 Personen nach überseeischen Län­dern ausgewandert.

Aus dem Nachbargebiete.

* Gießen, 17. Jan. 1910. Vor einigen Tagen fand man in einer Leichenzelle der israelitischen Lei­chenhalle auf dem Friedhof am Rosberg einen B r u d e r S t ud i o in tiefem Schlafe. Er hatte keine

,.SÄ wochmM-ge: „Wustrielte Sonntagzzeitung"

Literarisches.

Stern der Jugend. Illustrierte Wochenschrift für Schüler höherer Lehranstalten Redigiert von Dr. Joh. Praxmarer. Jährlich 52 je 16 Seiten starke illustrierte Hefte. Preis halbjährlich M. 1,50. Verlag der Buchhand­lung Ludwig Auer, Donauwörth. Durch alle Buchhandlungen und Postanstalten zu beziehen.

Die erste Nummer des Jahrgangs 1910 der nun schon im siebzehnten Jahrgang erscheinenden Wochenschrift für Studierende an höheren Lehran­stalten ,Stern der Jugend' (die erste derartige Zeitschrift, die es überhaupt gab), liegt uns vor und entspricht wieder vollends, wie auch die Hefte der frühern Jahrgänge der gestellten Aufgabe, Geist und Herz der studierenden Jugend zu bilden, au Hand der in der Schule vermittelten Kenntnisse zu selbständigen Arbeiten anzuleiten und noch andere zeitgemäße Kenntnisse zu vermitteln, die über den Bereich der Schule hinausgehen. Eine Serie von Artikeln über das hochaktuelle Thema „Kultur und Katholizismus" führt sich sehr gut ein. Mit einem weiteren Artikel beginnt eine wissenschaftlich gehal- lene Darstellung des Krieges von 70. Eine das soziale Gebiet berührelkde Erzählung nimmt ihren Anfang, ein sozialpolitischer Unterrichtsbrief, ©tu* dierstübchen, Apologetische Rüstkammer, interessante Illustrationen und noch andere Mitteilungen, nicht zu vergessen die „Auskunstsstelle", sorgen für Abwechslung.

Scotti Emulsion wird von uns ausjchUetzltch tm proben ver­kauft und zwar nte lote n< ch Gewicht oder Maß, sondern nur in versiegelten Origwalslaschen in Karton mtt u ikerer Schutz­marke (Fischer mit dem Dorsch). Scott u. Sorone, ®. tn. b. H. Frankfurt a. M.

Bestandteile: Feinster Medijir.al-Lebertrav löO.O, prima Alyzerin 60.0, unierphoSvhorigsaurer Kalk 4,3. unterphorpbo taute« Natron 2,0, pu'v. Tragant 8,0, feinster ar ab. Lammt Oulu. 2,0, destill. Wasser 129,0, Alkohol 11,0. Hierzu aromatisch« Emulsion mit Zimt-, Mandel- imb SaultheriaSl je 2 Tropfen.

das ist gewiß um so bemerkenswerter, als es sich! um einen kleinen Jungen handelt, der als zarkess Geschöpfchen zu früh auf die Welt kam. Doch hören wir, was über ihn berichtet wird:

Berlin Ist. 65, Triftstr. 29|il, 21. April 1903.

„La weit- ll-ines Söhnchen infolge Frühgeburt gar nicht vor« angehen wollte, der UntererNäh-urg aber entgegengeirrten werden mutzte, entschloß ich mich, einmal einen Versuch mit Scott« Emulsion zu machen. Mit der Wirkung des Präpar ates bin ich autzerordenilich zu­frieden, den.» nur ihm denke ich es, da- der Kleine jetzt so kräftig, lebhaft und srihlch geworden ist. Er War 7 Monate alt, als Ct den ersten Löffel Emulsion bekam und hat heute, nach 5 Monaten, eist Gewicht von 20 Pfund erreicht. Sein Fleisch ist cm ganzen Körper auffallend fest, seine Beinchen so krästig und gerade, daß er schon vor Vollendung des ersten Ledenrjahre» anfing, sich au'zuktesien und an einer Hand zu lau en. Das Krnd nimmt Scotts Emulsion so gern, datz man ihm die Helle Freude ansieht, wenn die Mutter ihm nur den Löffel zeigt." (zez) Rudolf Lehmann, Rechnungsbeamter.

Nicht selten kommt es vor, daß Militärpflichtige ihre Meldepflichten überhaupt nicht oder nur teilweise kennen Es sei daher auf folgende Bestimmungen der Wehrordnung vom 22. November 1888 aufmerksam gemacht: *'•

Alle Militärpflichtigen sind verpflichtet, sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar behufs Eintragung ihrer Namen in die Rekrutiemngsstamm- rolle zu melden. Die Militärpflicht beginnt mit dem 1 Januar des Kalenderjahres, in welchem der Wehr­pflichtige das 20. Lebensjahr vollendet, und dauert so lange, bis über die Dienstverpflichtung der Wehr­pflichtigen endgültig entschieden ist.

Die Anmeldung erfolgt bei der Ortsbehorde des­jenigen Ortes, an welchem der Militärpflichtige seinen dauernden Aufenthalt hat. Als dauemder Aufenthalt ist anzusehen: 1. für militärpflichtige Dienstboten, Haus- und Wirtfchastsbeamte, Hand­lungsdiener, Handwerksgesellen, Lehrlinge, Fabrik­arbeiter und andere in einem ähnlichen Verhältnis stehende Militärpflichtige der Orte, an welchem sie in der Lehre, im Dienst oder in Arbeit stehen; Fabrik­arbeiter usw, ivelche außerhalb ihres Wohnortes be­schäftigt sind, sind am Wohnorte — nicht am Beschäf­tigungsorte — meldepflichtig; 2. für militärpflichtige Studierende, Schüler und Zöglinge sonstiger Lehran­stalten der Ort, an welchem sich die Lehranstalt befin­det, der die Genannten angehören, sofern dieselben auch an diesem Orte wohnen. Hat der Militärpflich­tige keinen dauernden Aufenthalt, so meldet er sich bei der Ortsbehörde seines Wohnsitzes. Wer innerhalb des Reichsgebietes weder einen dauernden Aufent- haltsott noch einen Wohnsitz hat, meldet sich in seinem Geburtsort zur Stammrolle, und wenn der Geburts­ort im Auslande liegt, in demjenigen Orte, in wel­chem die Eltern oder Familienhäupter ihren letzten Wohnsitz hatten.

Bei der ersten Anmeldung zur Stammrolle ist das Gebuvtszeugni s vorzulegen, sofern die An­meldung nicht am Geburtsort selbst erfolgt. Dieses Geburtszeugnis ist vom Standesamte kostenfrei aus­zustellen.

Bei Wiederholung der Anmeldung zur Stammrolle ist der im ersten Militärpflichtjahr erhal­tene Losungsschein vorzulegen. Außerdem sind etwa eingetretene Veränderungen inbetreff des Gewerbes, des Standes nsw. dabei anzuzeigen. Die jährliche An­meldung (dieses sei besonders hervorgehoben) ist s o lange zu wiederholen, bis der Militärpflich­tige eine endgültige Enscheidung über seine Dienstver­pflichtung durch die Ersatzbehörden erhalten hat, mit­hin entweder einem Truppen- ober Marineteil zur Ein­stellung überwiesen oder durch Empfang eines beson­deren Militärpapiers ober Scheines von der Wieder­holung der Anmeldung entbunden ist.

Militärpflichtige, welche im Besitz des Berechti­gungsscheines zum einjährig-freiwilligen Dienst oder des Befähigungszengnisses zum See- steuermann sind, haben^heim Eintritt in das militär­pflichtige Alter ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen und find alsdann von her Anmeldung siir Rekrutierungsstammrolle entbunden.

Sind Militärpflichtige von dem Orte, an welchem sie sich zur Stammrolle anzumelden haben, zeitig ab­wesend, so haben ihre Eltern, Vormünder, Lehr-, Brot- ober Fabrikherren die Verpflichtung, sie inner­halb des obengenannten Zeitraumes zur Stammrolle anzumelden. Wechselt der Militärpflichtige im Laufe eines der Jahre, in welchem er sich zur Aufnahme in die Stammrolle angemeldet bezw. anzumelden hat, den dauernden Aufenthaltsort oder Wohnsitz, so hat er die­ses behufs Berichtigung der Stammrolle sowohl beim

wöhnlich kräftigenden Einflusses, 1. kommt bei der Herstellung nur der allerbeste Norweger (Lofoten) Medi­zinal - Lebertran zur Verwendung und 2. ist dieser Tran in Verbindung mit • anderen Materialien, gleichfalls erster Güte, tadellos verarbeitet und allen RuteM miubiej« Altersstufen, dem Säugling, der heran-' wachsenden Jugend, Männern und Frauen zuträglich gemacht.

vermischtes.

* Energisch handelte vor einigen Tagen in Mann­heim eine Metzgersfrau. Ein dortiger Metzgermei­ster hatte eine faule Kundin, die mit einer nicht unbe- ttächtlichen Summe im Rückstände war. Kürzlich traf nun die Frau des Metzgermeisters das Dienstmädchen der Kundin auf der Straße. „Wohin?" fragte die Meisterin, und das Mädchen erwiderte harmlos: „Einen Hundertmarkschein wechseln lassen". — „Ge­ben Sie her, ich wechsle Ihnen," meinte die Meisterin, nahm dem Mädchen den Schein aus der Hand, zahlte ihm unter Abzug des Schuldbetrages der Herrschaft das übrige Kleingeld heraus und segelte triumphierend von bannen. Nun wird aber die Geschichte ein Nach­spiel haben, gegen die Meisterin iswnämlich ein Ver­ehren wegen — Straßenraubs im Gange.

*■ Für den Hansa.bnnd haben die Leute vom Bund der Landwirte eine Bezeichnung erfunden, die vermut­lich bald von den Bündlern allgemein angewendet werden wird. Aus der Bündlerversammluna für Schleswig-Holstein sprach der Hannoversche Gutsbe­sitzer v. Levetzow über den Hansabimd, den er „Der bunte Hans" taufte.

* In dem dichten Walde zwischen Stahlhammer lmd Weischnik bei B e u t h e n hat ein Mann die Fahrpost aufzuhalten versucht. Als der Kutscher der Aufforderung, anzuhalten, nicht Folge leistete, gab der Mann mehrere Schüsse ab. Der Kutscher blieb un­verletzt. Gleichzeitig traten noch drei Männer ans dem Walde. Es scheint sich um einen Ueberfall t u s- s i s ch er R ä u b er zu handeln.

** Jugend von heute. Ein 18jähriger Techniler- schüler in P a n k o w, der sich berufen fühlte, ein großer Maler zu werden, wollte eine Kunstreife nach Italien unternehmen. Da. ihm aber das Geld fehlte, er auch vergeblich bei feinen Verwandten anklopfte und das Spielen in der Lotterie ibm nichts einbrachte, vergiftete er sich. Das Loterielos hatte er photogra­phisch vergrößert und darauf die Worte gemalt: „Lie­ber tot als arm". Sein Zustand ist hoffnungslos. — In der Nähe von Wien hat ein 17jähriger Gymna­siast am Neujahrstage seine Geliebte und sich selbst er­schossen. Das Motiv der Tat ist, wie sich jetzt her­ausstellt, ein amerikanisches Duell. In einem hinterlassenen Brief teilt er das feiner Mut­ter mit; seine Geliebte, die davon wußte, habe ihn gebeten, „sie mit sich zu nehmen".

* Der Hungertod in Spanien. In Madrid wurden am Samstag auf offener Straße die Leichen eines Mannes und einer Frau aufgelesen, die ver­hungert waren. Seit Beginn dieses Winters sind in Madrid bereits neun Personen auf der Straße Hun­gers gestorben. Zahllose Scharen von Bettlern füllen die Ärmenasyle.

* Eine unmenschliche Grausamkeit ließ ein chine­sischer Richter in Schanghai sich zu Schulden kom­men, er verurteilte einen. Angeklagten zu 4000 Stock­hieben. Man kam nur bis zu etwa 2000 Hieben, bann fiel dem unglücklichen Delinquenten das Fleisch in Fetzen von den bloßgelegten Knochen. Umso grö­ßer ist die Entrüstung wegen dieses Vorgehens, als derart schwere körperliche Strafen durch kaiserliches Edikt verboten wurden.

Zeitung

utonatsbeuage: „Fuldaer GeschichtrbMer"

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29] Originalroman von Irene v. Hellmuth.

„Ich frage nicht nach Deinen Eroberungen", un­terbrach ihn Ada finster, „mir tut das Mädchen leid, das Dich zum Manne bekommt. Es wäre eigenttich meine Pflicht, die Elsa Kramer zu warnen; denn unglücklich muß sie ja werden an Deiner Seite." —

„Du, unterstehe Dich!" rief Egon mit zornsimkeln- ten Augen, „Du kennst mich noch nicht, weißt nicht, wozu ich fähig bin, wenn ich gereizt werde!"

Ada lachte spöttisch auf.

„Deinen Zorn furchte ich nicht und Deine Drohun­gen kannst Du Dir sparen! Aber jetzt sage mir, ivo Du Dich die ganze Nacht herum getrieben hast!"

„Das geht Dich gar nichts an!" entgegnete er sbrutal.

„So? Na wir werden ja sehen! Sobald Viktor sichtbar wird, soll er erfahren, daß Du eben erst nach Hause kamst!"

„Sag' es ihm doch!" höhnte er, „mir ist es gleich! Du kannst ihm bann auch gleichzeitig mitteilen, daß ich viertausend Mark Schulden habe, die er sofort til­gen darf, wenn et Lust hat. Auf diese Weise ersparst Du mir eine Szene, denn eine solche gibt es, wenn der Knauser erfahrt, daß die Halsabschneider mir eklich tzusetzen. Sie fordern unbedingt ihr Geld — warten wollen sie nicht mehr!"

~ Ada war leichenblaß geworden. Mit großen, weit (aufgerissenen Augen starrte sie den Bruder an, der talt lächelnd vor ihr saß und sich keine Mühe gab, ein erneutes Gähnen zu unterdrücken.

„ »Um Gott — Egon, Du hast gespielt?" rief sie bebend.

Er nickte. „Ja glaubst Tu vielleicht, ich treibe -Mich d-e ganze Nacht auf der Straße hemm? Ich jpielte schon manchmal — und verlor natürlich im­mer; es kann ja gar nicht anders sein! — Denn Glück in der Liebe — Unglück im Spiel! Das trifft auch bet mir zu. Aber mein Pech ist geradezu schcm- ^rhaftl Schon vor mehreren Monaten hatte ich große

Verluste Da ich aber bestimmt glaubte, das Verlorene wieder einbringen zu können, borgte ich erst bei mei­nen Freunden, als die aber nichts mehr geben konnten, da wandte ich mich an einen Gelbverleiher. Das war ein Schuft. Er verlangte unermeßliche Zinsen, man bekommt nicht viel mehr als bic Hasste von bem, was man zahlen muß. Ich wollte das Geld esst nur auf einige Wochen, bis dahin hoffte ich wieder flott zu sein, aber ich verlor immer, statt zu gewinnen. Als jener Wucherer mich um Bezahlung drängte, da sagte ich ihm, daß ich mich nächstens mit b*m Fräulein Else Pramer verloben werde, da gab er sich zufrieden. Jetzt scheint ihm aber die Sache zu lange zu dauern. Er will nun durchaus nicht länger mehr warten. Er drohte mir gestern, sich direkt an Viktor Bolz wenden zu wollen. Du siehst also, daß ich Viktor doch vorbe­reiten muß, damit er die Sache nicht allzu plötzlich erfährt. Wem, Da das vielleicht übernehmen willst, Schwesterchen, bin ich Dir dankbar, denn erfahren muß er es bald und jetzt kann ich nicht mit ihm sprechen, — Du stehst ja, mir fallen die Augen zu, ich bin tod­müde! Ich muß endlich schlafen, um am Nachmittag frisch zu sein, wenn Else kommt! Schlägt Viktor die Sache ab, so bleibt mir nichts übrig, als mich schleu­nigst mtt Ella zu verloben, um dem elenden Kerl, dem Wucherer den Mund zu stopfen! Und jetzt laß mich schlafen!"

Ada ging hinaus. Einen verachtungsvollen Blick warf sie dem Bruder noch zu. Dieser bemerkte es nicht, denn ihm fielen tatsächlich die Augen zu. Ada stieg in den Garten hinab. Der Kopf tat ihr weh, sie sah ungemein blaß aus. Auf der Treppe begegnete ihr Vittor, der schon auf dem Wege nach der Fabrik war. Er blieb stehen und begrüßte sie freundlich: „Gu­ten Morgen, Ada, schon so früh au8 den Federn?"

Sie senkte den Blick vor den forschend auf ihr ruhenden Augen.

„Fehlt Dir etwas?" fragte er teilnehmend.

Ich habe schlecht geschlafen und möchte nun etwas frische Luft schöpfen."

„So, so, — hast Du Egon schon gesehen? Er schläft wohl noch?"

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„Ja, — wahrscheinlich," entgegnete sie auswei­chend.

„Wenn er zum Vorschein kommt, bitte, sage ihm, er möchte sich doch gefälligst in die Fabrik bemühen. Während meiner Abwesenheit hat er sich gar nicht dort blicken lassen, wie man mir gestern noch sagte. Die Beamten haben ihn vergebens erwartet. Er treibt es etwas bunt, der junge Herr. Ich werde ihm gehörig den Text lesen. .Wahrscheinlich hilft das ja nicht viel, ich hoffte immer, ihn bessern zu können. Er ist und bleibt ein arbeitsscheuer Mensch."

Viktor entfernte sich grüßend.

Ada schaute ihm lange nach. Die Hoffnung, ihn für sich zu gewinnen, mußte sie aufgeben. Das sah sie ein. ES tat ihr bitter weh, denn sie liebte Viktor wirklich. Aber er sah nur die Schwester in ihr, sie konnte sich darüber nicht länger täuschen Es war ihr längst klar geworden daß er eine andere liebte.

Das Mittagslutten erklang beretts vorn Turm des Fabrikgebäudes, als Ada wieder mit Viktor zusam- mentraf. Sie befanden sich im Speisezimmer. Die junge Dame betrachtete verstohlen ihren Vetter, der einen geöffneten Brief in der Hand hassend, von Zeit zu Zeit einen Blick darauf warf und dabei wie ungläubig den Kopf schüttelte. Sein Gesicht zeigte einen finsteren, aber energischen Ausdruck. Ada fühlte ein heftiges Herzklopfen, sie ahnte, daß Viktor Kunde erhalten hatte von dem Treiben des Bruders.

„Hast Du schlimme Nachrichten bekommen?" fragte sie, sich zur Ruhe zwingend.

„Jawohl, sehr schlimm", entgegnete er kurz. Ehe Ada etwas erwidern konnte, hatte er schon auf die silberne Glocke gedrückt. Dem eintretenden Diener tief er energisch zu: „Ich wünsche meinen Vetter zu sprechen, sogleich!"

„Entschuldigen Sie, gnädiger Herr, der junge Herr ist noch in seinem Zimmer, — er schläft wahr­scheinlich noch," lautete die Antwort.

-,So wecken Sie ihn auf, es ist Mittag!"

Der Diener zögerte, sich zu entfernen.

„Nun, Sie hören wohl schlecht? Wamm gehen Sie denn nicht?"

„Der junge Herr hat verboten, ihn zu wecken." r-

„Na, dann werde ich wohl selbst geben müssen!"

Vittor schob den verdutzt dreinschauenden Diener zur Seite und eilte an ihm vorbei die Treppe hinauf. Dort pochte er hart und laut an Egons Türe und rief: Schämst Du Dich nicht, so lange zu schlafen? Steh auf, ich habe mit Dir zu reden! Aber beeil« Dich, meine Zeit ist gemessen!"

Der Angerufene brummte etwas, das man draußen nicht verstand, bequemte sich aber doch noch, nach einiger Zeit den Riegel zurückzuschieben. Als Viktor sich mit den Wotten: „Ich erwarte Dich im Speise­zimmer" entfernt hatte, begann Egon in aller Ge- müstrnhe Toilette zu machen.

Die Geduld Viktors wurde auf eine harte Prob« gestellt, fein Gesichtsausdruck wurde immer drohen­der. Endlich erschien Egon. Er war tadellos geklei­det und friftert, ein kaltes Lächeln lag auf feinen Lip­pen. Obwohl er ahnen konnte, wovon die Unterhal­tung handeln würde, fragte er mit der harmlosesten Miene: „Du wünschest mich zu sprechen? Ist es denn so wichtig, daß Du mich aus dem besten Schlafe ausweckst? Ich träumte gerade etwas so Schönes". —'

Er verstummte vor dem Zornesblick, den Vittor ihm zuwarf.

„Laß jetzt die Possen, — da lies, und bann sage mir, ob die Sache ihre Richtigkett hat!"

Der Fabrikherr reichte seinem Vetter den geöff­neten Brief, den er immer in der Hand gehalten hatte.

Egon wurde zwar un» einen Schein bleicher, laS aber doch mit halblauter Stimme.

Sehr geehrter Herr!

„Verzeihen Sie, wenn ich mich direkt an Sie wende. Leider bleibt mir keine andere Wahl. Herr Egon Hell­dorff hat von mir nach und nach die Summe von Mertausend Mack entliehen. Er berief sich habet auf Sie, indem er versicherte. Sie würden alle» in kurzer Zeit bezahlen. Da er alle Mahnungen unbeach­tet ließ, so beschloßich, Sie selbst um Erledigung der Sache zu bitten. Ich kann nun nicht länger mehr watten."-- s

Egon knitterte den Brief zusammen und schleu­derte ihn in die Ecke. lForts. folgt.)