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37. Jahrgang

Zweites Wtcrtt

dazu?

5.

Misgesehen.

VIII.

L«;rlge>r vir et* spaMgepetitzrileoder deren Bonn IS pfg. Rellamenbiepetitjelle 25 psg^ bet wieder- Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

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Verantw. Redakteur:

gewahrt, sondem wo möglich (besser: um jeden Preis) gestärkt werden. Darum verlangt der. .Katholische Lehrerverband deS deutschen Reiches (und mit ihm jeder Katholik) gesetzliche Festlegung dieser Rechte (wobei aber jeder Anschein vermieden werden muß, als empfange die Kirche vomStaate Rechte, die ihr von Christus längst verliehen sind) und ist mit dem seitherigen Zustande durchaus nicht zu- frieden.' __

Tu bist noch nicht lange genug hier, um es zu wissen, aber ich weiß es. Dieser EgonHelldorff ist ein Tage­dieb, wenn nicht noch schlimmeres, man sagt ihm wenig Gutes nach."

Gerda erinnerte sich, daß auch Btktor Bolz ihr einmal etwas ähnliches erzählt hatte. Es war gleich nach ihrer Ankunft gewesen; aber sie wollte es nicht glauben; sie verschloß sich eigensinnig der besseren Einsicht Sie redete sich ein, daß alles Lüge und Klatsch sei, sie hörte nicht auf die innere Stimme, die ihr zuflüsterte, daß die Rosel vielleicht recht hatte.

' „Ich bitte Dich", flehte Gerda, „schau nicht so fin­ster "drein und rede ein gutes Wort bei dem Groß­vater für uns."

„Rein", entgegnete Rase! fest, „das tue ich nicht! Sieh zu, wie Du allein fertig wirst!"

So mürrisch hatte die gutmütige Alte noch nie

Als Egon Hellvorff die Billa betrat, war es Hel­ler Tag gewordeii. Die Sonne überstrahlte alles mit goldenem Schein. Millionen Tautropfen flmkelten wie Diamanten an Gräsern und Blumen. Egon wählte den Weg durch den Garten, betrat von hinten das Haus, immer vorsichtig nach allen Seiten aus- kpähend Offenbar wollte er von niemand gesehen werden Er ging auf den Fußspitzen die teppichbe­legte Treppe hinaus, öffnete leise die Türe seines 9;mmer8, fuhr aber mit einem halblauten Fluch zu­rück. Ada saß, den Kopf in die Hand gestützt, au dem kleinen niederen Diwan. Sie schien auf ihn ge­nietet zu haben, denn sie erhob sich bei seinem Ein­tritt und sagte mit bitterem Vorwurf: .Kommst Du endlich, — und wie siehst Du au8! Ach Egon, Du hist doch wirklich unverbesserlich l" —

Er drückte die Tür ins Schloß, warf sich in einen Sessel und gähnte laut. Dann entgegnete er mürrisch: „Herrgott machst Du wieder ein Aufhebens! Ich machte einen kleinen Morgenspaziergang, das ist alles!"

„Lüge nicht!" schrie sie ihn zomig an, „meinst Du etwa, ich weiß nicht, daß Dn die ganze Rächt nicht nach Hause gekommen bist?"

Sie stieß heftig die Türe zn dem angrenzenden Schlafzimmer auf: „Selbst wenn es Dein unberühr­tes Lager nicht verraten hätte, ich sähe cs Dir auf den ersten Blick an, daß Du die Rächt durchgekneip

Lar» Schütter

Ä«’Ä«. wsch-nb-ime«: .Muftriette SomitagrzeUung

zutrifft, wollen wir gern den Lehrem beipflich- । ten Darum möchten auch wir daS Verlangen aussprechen, die KreiSschulinspekttonen allesamt und die Ortsschulinspektionen an größeren Schulsystemen möchten in Zukunft nur noch im Hau Pt amte wahrgenommen und nur solchen Männern übertragen werden, die im V o l k s schulwesen theoretisch und praktisch hinreichend vorgebildet sind. Es braucht nicht betont zu werden, daß wir hierbei in keiner Weise ein Urteil uns erlauben, inwieweit z. B. in unferm Bezirk Kassel tatsächlich diese Forderung er­füllt ist oder nicht; darüber enthalten wir unS jeder Prüfung und jeder Meinungsäußerung.

Die Lehrerschaft hat im Anschluß hieran noch einen zweiten Wunsch, nämlich, daß auch strebsamen Volksschullehrern der Ausstieg zum Amte eines Kreisfchulinspektors, eventuell auch eines Be- zirksschulinspettors — nach Ablegung der vorgeschrie­benen Prüfungen — ermöglicht werde; desgl. daß man auch zu Seminarlehrern in ergiebiger Weise tüch- tigeVolksschullehrer heranziehen sollte. Wir finden diese Wün'che berechtigt; deren Erfüllung wird nicht bloß dem Lehrerstande ein mächtiger Ansporn zu freudiger Pflichterfüllung sein, sondem auch der Schule selber zugute kommen. Aber noch einmal sei es betont, daß bei der Erfüllung dieser Wünsche alle Rechte der Familie und der Kirche aus die Schule, wie wir sie dargelegt haben, voll und ganz ge­wahrt bleiben müssen. Eine Schule, die auf der Mißachtung oder Schmälerung des Naturrechtes und des christlichen Gesetzes aufgebaut wäre, müssen wir als Menschen und als Christen entschieden verur- teilen. Solcher Art wäre aber, und damit kommen wir auf den oben angedeuteten „Hauptgrund", eine Schule, in der die Kirche zwar über den Rell- gionsnnterricht, und über die erziehe­rische Seite des weltlichen Unterrichtes die ihr zu- stehenden Rechte besitzen und ausüben würde, nicht aber ein direktes und unabhängiges Auffichtsrecht über den weltlichen Unterricht hätte. Diese Tren­nung des Unterrichtes von der Erziehung ist ein verhängnisvoller Irrtum; wir haben oben gezeigt, daß überall, znm mindesten aber in den Volks- und Mittelschulen, der Unterricht durch und durch, ganz und gar und in unlösbarer Einheit Erziehung ist und fein muß — auch das Rechnen, auch das Lesen, auch das Schreiben. Und in manche weltliche-Fächer der Volks- und Mittelschulen (und Universitäten) schlägt nicht bloß die Erziehung unmittelbar ein, sondern auch die Religion: wir denken da speziell an Ge­schichte und Naturkunde; ein kirchenfeindlicher Ge­schichtsunterricht und eine dm w misti sch e Naturkunde sind das wirksamste Mittel, um das Christentum und den Gottesglauben, auf die schnellste Weise aus denHer- zen der Jugend zu reißen; über solche Fächer hat die Kirche barum ein doppeltes, direktes und un­abhängiges Auffichtsrecht, von feiten der Erziehung und von feiten der Religion. Würden also katholifche und christliche Lehrer die Fachaussicht und baS Rek­toren- und Hauptlehrerfystem aus diesem Grunde fordern, nämlich in Hinsicht auf die angebliche Trenn­barkeit der Religion und Erziehung vom Unterrichte in Hinsicht auf die weltlichen Fächer, bann müßten wir "ihnen mit aller Entschiedenheit entgegentreten, wir müßten ihnen sagen: das was ihr verlangt Fachanfficht nsw. — ist gut, aber der Grund, auf den ihr euer Verlangen stützt, ist uukatholisch, ist unchrist­lich, ist unpädagogifch.

Wir schließen unsere Artikelserie mit den schönen Worten des katholischen Volksschulleh­rers in Nr. 290 der „Fuldaer Zeitung" vom 18. Dezember 1909: „Die katholische Lehrerschaft (und mit ihr jeder katholische Christ) wünscht und fordert mit aller Energie, daß die Rechte der Kirche auf die Schule und den Einfluß der Vertreter der Kirche auf । die religiös-sittliche Erziehung der Kinder nicht nur

lehrerstellen noch die Rechte des seither unter ihnen . wirkenden geistlichen Ortsschulinspektors seien. Ich kann mir nicht denken, daß man im Ernste geglaubt habe, die katholischen Gemeindemitglieder hätten kein Interesse baran gehabt, zu erfahren, ob und wie weit die Rechte ihres Seelsorgers durch die Neueinführung von ?>auptlehrerstellen geschmälert würden. Auch alle einsichtigen Lehrer werden diesen Mangel an Rück- ichtnahme seitens der Regierung gegenüber den kirch- ichen Organen und gegenüber den Gemeinden bena­gen, so erwünscht ihnen auch sonst die Anordnung elber sein möchte.

Aber noch aus einem anderen Grunde können wir das Wohlgefallen vieler Lehrer an dem jetzigen Rektoren und Hauptlehrerfystem nicht billigen, näm­lich vonseiten des Haupt g r u n b e 8, der von Lehrern ür bas Rektoren- unb Hauptlehrersystem vielfach ins Fclb geführt wirb. Wohlgcmerkt, nicht alle Gründe verurteilen wir, die diesbezüglich angeführt zu werden pflegen. Es ist uns vielmehr ganz aus der Seele gesprochen, was der „Volksschullehrer" in 9tr. 290 der „Fuldaer Zeitung" (Erstes Blatt) vom 18. De­zember 1909 schreibt:

„DaS (die Beachtung der Rechte der Kirche auf die Schule) vor ausges etzt, wünscht die Lehr er­schaff für den schullechnischen Betrieb Fachaufsicht; das heißt, sie fordert für das Amt des Kreilschut- inspektors und des Leiters von größeren Schulsystemen einen Mann, der theoretisch und praktisch a!s Schul­mann bewährt ist und die Fähigkeit hat, besonders die jüngeren Lehrkräfte in der Schulpraxis einzuführen und sie durch Unterweisung und praktische Anleitung zu tüchtigen Lehrern und Lehrerinnen heranzubilden."

Der heutige umfangreiche, schwierige und hoch ge­spannte Schulbetrieb verlangt in der Tat dringend solche Männer, die durch Stubium und Praxis sich derart in das Volksschulwesen eiugearbeitet haben, baß sie Fachmänner hierin sind and den oben geschilderten Aufgaben gerecht werden können. Wir sind ferner der Ansicht, daß die Schulaufficht einem derarti­gen Fachmanne in der Regel im Hauptamte oblie­gen müsse, wenn die Schulen sich gedeihlich entivickeln sollen. Wir halten darum die Kreisschulinspektionen im Red en amte, ja gegenüber vielklassigen Schu­len auch die Ortsschulinspektionen im Nebenamte für minder ersprießliche Einrichtungen unb sind auch von biefer Seite aus für das Rektoren- unb Hauptleh­rersystem; unsere heutigen Seelsorger an größeren Orten sind durch die ausgedehnten Geschäft- der Seel­sorge vielfach so in Anspruch genommen, daß sie die Orts- oder Kreisschulinspektion nicht immer in der nachhaltigen Weise wahrnehmen können, wie bieS bei unserem heutigen Schulwesen notwendig wäre. In dieser Hinsicht sind die Wünsche der Lehrer nach Fach­aufsicht durchaus berechtigt: Die nebenamtlichen Kreis­schulinspektoren Rnb vielfach anderweitig so beschäftigt, daß sie ihr Schulamt nicht voll und ganz besorgen können. Aber Hand aufs Herz! wie viele solcher nebenamtlicher Kreisschulinspektoren gibt es denn eigentlich bei uns Katholiken? Wie viele ka­tholische Gefftliche sind denn eigentlich Kreisschulm- spektoren im Rebenamte? Wenige, äußerst wenige. Die katholischen Lehrer sollten darum wirklich nicht so bewegliche Klage führen über Kreisschulinspek- toren im Nebenamte.

Eine weitere Klage haben die Lehrer: sie beklagen sich, daß ihre Vorgesetzten gewiß recht tüchtige Akade- . miker seien, nicht alle aber auch tüchtige Schulmänner, , in der der Theorie unb Praris der Volks schule er- i probte Fachleute. Hinsichtlich der geistlichen : Orts- und Kreisschulinspektoren freilich wird diese , Klage noch am wenigsten berechtigt sein, beim jeder : Geistliche hört heutzutage mehrere Semester Päda- : gogik, macht hierauf einen praktischen Volksschulknr- i fu8 mit unb ist als Katechet fortwährend im Volks- - unterrichte tätig; aber, soweit dieser Mangel wirklich

Fulda, Montaa den 17. Januar 1910

Schattenblume.

28] Originaltoman von Irene v. Hellmuth.

„Ach, was liegt daran", lachte er, „erst muß ich einen Kuß von Dir haben, mein süßes Täubchen, eher gehe ich nicht!"

. „Nein, — nein, nicht jetzt!" wehrte Gerda angst­voll, „wo kommst Du denn eigentlich her?" So früh pflegst Du doch sonst nicht aufzustehen?"

Sie ließ ihre Augen forschend über den jungen Mann hingleiten, den sie noch nie nachlässig gesehen hatte. Ihr wollte e8 fast erscheinen, als ob er sich nui mit Muhe aufrecht hielte. Doch daS mußte wohl Täuschung fein.

Er schien ein wenig verlegen bei der Frage des Mädchens unb blieb die Antwort schuldia.

„Bitte, süße Kleine, gib mir einen Kutz", begann er wieder. Er stand ganz dicht vor dem niebrigen Fenster. Gerda beugte sich unvorsichtig ein wenig hin- nauS, da schlang er rasch den Arm um ihren Hal» unb küßte sie.

; „Aber nun gehst Dn!" bat Gerba, „jetzt ist eS nicht Zeit für uns, glücklich zu fein! Ich habe solche Angst. Großvater ift die ganze Nacht umhergewan- bert, ich darf ihm nicht neuen Kummer bereiten!"

Wieder umschlang Egon daß Mädchen.

„Warum schickst Du mich immer fort? Laß mich doch hier bleiben, ich habe Dich so lieb!"

„Wirklich?" fragte Gerda lächelnd.

„Ja, — ja, — sehr lieb', beteuerte er mit schwerer Zunge In diesem Augenblick wurde die HauStüre, fit in den Hof führte, geöffnet. Rosel, im Begttff, »nauSzutreten, stand wie erftant beim Anblick der -tiden, die erschrocken auseinander fuhren. Der ble­cherne Eimer, den sie in der Hand hielt, ftel flirrend 'tzu Boden unb rollte ein Stück weiter fort. Sie schien e» nicht zu bemerken; sie bückte sich nicht, um ihn aus- «mheben; unbeweglich schaute sie nach dem jungen Paare hin.

; Gerda faßte sich zuerst, sie bat dringend und angst­voll, sich an Egon wendend: „Ich bitte Dich, — geh letzt, id^ werde mit Rosel sprechen."

„Um GotteSwillen — Gerda, — Kind, war daS 'denn nicht der junge Helldorff?" rief sie jammernd.

Serba nickte.

„Ja, Rosel, — ich kann es nicht leugnen, erfahren mußt Du e8 ja nun doch: Er hat mich sehr lieb, — er kann nicht leben ohne mich, er hat es mir schon oft gesagt" — — —

„Ach — Kind, bas gibt ein Unglück, glaube es mal Mein Gott, — warum müßtest Du das zulassen! Armes, verblendetes Miidcken!"

Gerda warf trotzig den Kopf zurück.

„Weshalb soll es denn ein Unglück geben? Egon liebt mich, ich hoffe an feiner Seite sehr glücklich zu werden!"

•Die Alte griff sich an die Stirn.

„Lieber Gott", jammerte sie, „gerade wie die Trudel! So stand die auch vor mir, wenn ich sie tränten wollte Mir ist, als wäre jene Zeit wieder lebendig geworden! Kind laß Dir raten, ehe es zu spät ist! Ich meine es doch so gut!"

Gerda lächelte.

„Du bist abergläubisch, Rosel. das ist alles. Ich halte Egon für einen ehrenhaften Menschen. Er wird sein mit gegebenes Wort ernteten, verlaß Dich dar­auf."

Ober er wird Dich unglücklich machen! Du bist ein unerfahrenes Kind, Du kennst die Menschen nicht. WaS weißt Du, wie schlecht die Männer find! Lieber Gott, laß e» nicht zu, daß wir noch einmal solch einen Jammer erleben müssen!"

E» klang eine (elfe Ungeduld auS Gerdas Stimme, al» sie erwiderte: „Ach waS. alle sind nicht schlecht. Seit vierzig Jahren fitzest Du hier auf der Mühle, kaum daß Du alle Jahre ein paar Mal in die Stadt kommst. Du weißt ebenso wenig von der Welt und den Menschen, wie ich. Ihr verkehrt ja fast mit nie­mand."

„Aber denke doch an die Trudel!"

Gerda wurde noch ungeduldiger

„Ich bitte Dich, Rosel, well die Trudel durch einen Mann imglücklich wurde, der, ich gebe eS zu, nicht ehrenhaft handelte, und weil ich nun zufällig den Sohn diese» Manne» liebe, deshalb muß ich un­bedingt auch unglücklich werden? Da? ist durchaus falsch. Wer sagt Dir denn, daß der Sohn ist wie sein Batet war?" , . ,

Ach Gott, — Kind, das ist es ja eben, Was mich ängSigt. Die Leute sagen e8 alle, die ihn kennen! In einem Reinen Ort bleibt so etwas nicht verborgen.

guföaer tÜ Seitwig

monatsbellage: „Fuldaer Geschichtsblätter"

deutscher Reich.

* Die Budgetkommisfion be» Reichstage» besuche am Samstag die Diamantenregi für Deutsch-Süd« westafrika, um die Einrichtungen dort, insbesondere die für das Sortieren der Diamanten, kennen zu lernen.

= Ostmärtische Parität. In dem Städtchen Bal­ben b u r g im Kreise Schlochau (1905 : 74 deutsche Katholiken neben 2361 Evangelischen und 76 Is­raeliten) befinden sich 9 katholische Schulkinder und zwar ohne jeden katholischen Religionsunterttcht. Die Stadt dentt gar nicht daran, einen katholischen Leh­rer anzustellen, ja sie ist auch nicht einmal zur Bewil­ligung der Kosten des katholischen Rellgionsz Unterrichtes durch einen auswärtigen katholisches Lehrer zu bewegen. Nun ein umgekehrter Fall. In dem benachbarten Kirchdorfe E i ck f i e r (1004 beut«, sche Katholiken, 129 Evangelische) sind 8 bi» 10 evan­gelische Kinder vorhanden, neben mehr als 200 katho­lischen Kindern. Für die elfteren, denen sehr wohl ein benachbarter evangelischer Lehrer den Religion»^ unterricht erteilen könnte, ist sogar ein besonderer evangelischer Lehrer an gestellt und für' die weit über 200 katholischen Kinder auch nur zwei katholische Lehrer. Warum ist in Baldenburg nicht dasselbe möglich, waS in Eichler möglich ist?" Warum nicht? Nun das erfährt man, wenn man folgende weiteren Mitteilungen deS „Westpr. BolkSbl." liest tz

„Zu wiederholten Malen wurde der Antrag der katholischen Familienväter zwecks Erteilung des ton«, sessionellen Unterrichts vom Magistrat in Baldenburg aus finanziellen Gründen abgelehnt. Um nun endlich Den Kindern den Religionsunterricht zu be­schaffen, erbot sich die bischöfliche Behörde, die Kosten selbst zu tragen. Am 12. Dezember würbe den katholischen Vätern der Beschluß der bischöflichen Behörde mitgeteilt. Sie wurden nun gefragt, ob dem Religionslehrer wohl ein Klassenzimmer zur Ver­fügung gestellt werden würde. Darauf erwiderten sie, daß dies doch selbstverständlich sei, da sie doch auch zur Unterhaltung des Schulgebäudes beitragen müßten; außerdem würde ja auch jüdischer Religionsunter­richt in einem Schulzimmer erteilt. Ein katholischer Bürger teilte nun dem stellvertretenden Bürgermeister Dahms mit, daß nach Neujahr katholischer ReligionS« unterricht erteilt werden würde, und die Stadt habe doch nichts dagegen, wenn derselbe in einem Schul«, zimmer siatlfinde. Darauf erwiderte Herr Dahm» kurz: „Das wird wohl nicht gehen!- Herr Lehrer Konitzer war von der bischöflichen Behörde beauftragt, den Religionsunterricht zu erteilen. Er setzte hiervon den Magistrat in Kenntnis mit der Bitte, ihm Mitt«, wochs nachmittags ein Klassenzimmer zur Verfügung zu stellen. Er erhielt keine Antwort! Deshalb, nahm er an, daß der Magistrat damit einverstanden sei. Als er zur festgesetzten Zeit den Unterricht beginnen wollte, wurde ihm vom stellvertretenden Rektor Herrn Molzahn mitgeteilt, er habe die Kinder (die zu bestellen ihn Herr Konitzer gebeten hatte), nicht kommen lassen, well derMagistrat sich weigere, ein Schulzimmer herzugeben. — Also jüdisch« Kinder können in der Schule ihren Religionsunterricht erhalten, aber ja nicht katholische. Eine solche 3m» Parität setzt wohl allem die Krone auf."

Da hat daS „Westpr. Volkrblatt" vollständig rechtz WaS sagt der neuerdings so überau» katholikenfreund liche Ostmarkenverein dazu? Was sagt die Regierung

V Zur Schulauffichtsfrage.

HL Die Rektoren« und Hauptlehrerfrage.

B. (Schluß.)

। Das Hauptlehrerfystem schaltet »war bie Ortsschulinspektton nicht völlig aus, aber es beschrankt dieselbe in fühlbarer Weise; ja es ist im höchsten Grade dazu angetan, die geistliche Orisschulmspektion nach und nach überflüssig zu machen und dadurch aus dem Wege zu räumen. Jeder nüchtern denkende Mensch wird sich nämlich fragen, wozu man beim eine doppelte Leitung der Schule an einem unb demsel­ben Orte brauche, wo doch eine einzige genüge In dem viel größeren und umfangreicheren Rektoren- system genügt ja auch der Rektor allein und ist der geistliche Ortsschulinspektor überflüssig und darum Nicht vorhanden. Zudem muß der Anblick allzu vieler AusfichtSbeamten dem Lehrer notwendig die Freudig­keit an feinem Berufe rauben: eher einen Aufsichtsbe­amten zu wenig als einen zu viel. _ Diese und ähnliche Erwägungen, denen kein Vernünftiger die rtftigleit absprecheu kann, werden ganz gewiß auch bet bet Re­gierung platz greisen und die Ortsschulinspektton auch in Hauptlehrershstemen über kurz ober lang unfehlbar zu Fall bringen, auch ohne daß die in vielen Regie­rungskreisen herrschende Abneigung gegen bie geist­liche Schulaufficht überhaupt noch wirksam zu fein brauchte. Sv sind also auch mit Errichtung einer Hauptlehrerftelle an einem Orte die Tage der geist­lichen Schulaufficht gezählt. Und was dann? Dann wird die Kirche in allen Schulen ohne Ottsschul- aussichtsrechte fein, und da zu Bezirksschulinfpettoren überhaupt keine Geistlichen ernannt werden, zu Kreis- schulinfpettoren aber auch nur noch selten, unb feit Jahren immer spärlicher, so wird über kurz oder lang der Traum der Kirchenfeinde sich völlig erfüllen: die Kirche wirb überhaupt gar keine Auf­sichtsrechte mehr in den Schulen haben. Sollte eS auch wahr fein, was wir aber bezweifeln, daß wir diese Bewegung nicht mehr a u f h a l t e n können, so kann doch kein katholischer Mann ohne Ermächtigung fehler kirchlichen Behörde positiv dazu Mit­wirken, weder dadurch, daß er als Gemeindeorgan für die Errichtung einer Hauptlehrerstelle stimmt, und die Amtszulage für den Hauptlehrer au8 dem Ge- Meindesäckel bewilligt, noch daß er eine solche stelle Jnnimmt; er kann es nicht als Katholik, er tann eS aber auch nicht als billig denkender Mann, "möchte er sonst auch nicht besonders katholisch denken Wb fiihlen, beim bie Art unb Weise, wie die König­liche Regierung zu Kassel in dieser Frage verfahren Ift, läßt — es tut uns aufrichtig leid, es sagen zu ■prüften — bie rechte Billigkeit vermissen. Während die Dienstanweisung für bie Hauptlehrer im Regie­rungsbezirk Kassel schon feit dem 2. September 1909 Vergangen ist, warten die geistlichen Ottsschulinspek- toren noch bis auf den heutigen Tag auf eine ähnliche Dienstanweisung für sie in ihrer Eigenschaft als Orts- fchulinspektoren, ja man hat ihnen noch nicht einmal fceine Mitteilung über diese Schmälerung ihrer Rechte ßugehen lassen. Unb, was als noch unbilliger erschel- nen muß, nicht einmal der bischöflichen Behörde ist, soweit wir wissen, eine Mitteilung zuteil geworden Mer blefe durch kein allgemeines Gesetz auserlegte, ifonbem nur durch die Regierung zu Kassel auf dem Dienstwege erfolgte Anordnung. Es hieß den Ge- rr.elnbeorganen wirklich eine Unbilligkeit zumuten, wenn man an sie die Aufforderung stellte, „schleunigst und bedingungslos" über die Errichtung von Haupt- tejjrerfteüen Beschluß zu fassen, ohne wenigstens ihnen '^i^eröffnen^velche^ia^^rrichtun^olche^^aup^

hast! Du wirft Dich und mich noch unglücklich m»- chen, denn wenn Viktors Geduld einmal erschöpft ist, schickt er uns beide au8 dem Hause!"

„Du bereitest mir ja einen recht liebenSWÜtblgeÄ Empfang, mein holdes Schwesterleln", lallte er, „wen# Viktor immer noch nicht anbeißt, wenn Du noch Nicht seine Braut bist, so ist eS Deine Schuld, ich habe da» Menschenmögliche getan!"

„Sprich nicht so!" rief Aba zomig, ,e8 wiberi strebt mir, mich Viktor an den Hals zu werken; ich kann die Rolle, bie Du mich spielen ließest, nicht wei­ter führen! Viktor werft bereits bie Absicht, ~ zieht sich mehr als je zurück. Er liebt eben eine anbere. Aber selbst. Wenn er mich liebte, würbe et sich besinnen, mir seine Hanb zu reichen, denn einen Menschen tote Dich nimmt men nicht zmn Schwager. — Wo warst Du denn die ganze Nacht? Rede, ich Will e» wissen!"

Sie schüttelte ihn derb an der Schulter. Er wat. bei der Strafpredigt der Schwester doch etwa« fteln- laut geworben.

„Zuerst suchte ich Else Kramer auf", erzählte <t mit unsicherer Stimme; „weißt Du, ich muß mir bie reiche Erbin doch für alle Fälle warm zu halten suchen. Wenn alles fehlfchlagt, heirate ich sie. Sh liebt mich und ist nebenbei ein ganz netter Stäfft. Ueberhaupt die Weiber, — alle sind verrückt nach mir!, Die Heine spröde Müllerin kann ich um den Fing« wickeln. Deine Zofe schielt nach mir, so oft ich ihr begegne, und erst die Elfe Kramer, die weint sich di« Augen auS, wenn sie mich eine Woche nicht zu sehen bekommt! Feine» Mäderl — ich habe für den Mu­tigen Nachmittag ein Stelldichein bei d" Ruine mit ihr verabredet. Der Alte, ihr Vater, ließ durchb licken, daß er seiner Tochter 50 000 Mark in bar mitjugebett im Stande ist; - später bekommt sie noch mehr., Feine Partie, waS? Die muß ich mir sichern. Weich, ick mich noch nicht mit ihr verlobte, so geschah e» rin« zig Deinetwegen. Ich versprach Dir, die Heine Mül­lerin so lange hinzuhalten, bi» Du Viktor gewonnen, hast, ich bitte Dich ober, die Sache möglichst zu be- schleunigen, den der alte Kramer läßt nicht mit sich sp'assen, e» könnte ihm von meinen vielen Eroberungen etwas zu Ohren kommen."

(Fortsetzung folati