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37. Jahrgang

Fulda, Samstag den 15. Januar 1910

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Drittes Wlcrtt

»wistflee: *» et» fpaltigr petttzeile oder deren Nam» 15 psg. NeNamendiepetttzeile 25 Psg.. bet Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

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geben ist, was zum Zwecke der Hllfe bei einem Todes­alle zu erledigen ist. Um der Sache Gestalt zu geben, machen wir den Vorschlag, im Fragebogen folgende Punkte zu verzeichnen:

Nach den genauen persönlichen Angaben muß zu­nächst die Willensäußerung ausgedrückt werden, daß das Mitglied dem Familienbeirat die Erledigung der Geschäfte nach seinem Slbleben überläßt. Die Fra­gen können dann wie folgt lauten:

Welchen Angehörigen soll Kunde von Ihrem Ab­leben gegeben werden, und wo wohnen diese Ange­hörigen, Verwandten und Bekannten?

Welche Wünsche haben Sie bezüglich Ihres Be­gräbnisses?

Besitzen Sie Versorgungsscheine?

Haben Sie irgendwo Kaution gestellt oder hat je­mand für Sie Kaution hinterlegt? Wer ist dies? Wie hoch ist di- Kaution? Ist sie in Papieren, in einem Sparkassenbuch oder wie sonst hinterlegt wov- den? Wer hat Anspruch auf die Kaution? Wo be­findet sich der Empfangsschein über die Kaution?

Haben Sie ein Testament gemacht und wann? Wo ist dies Testament? Ist es in amtlicher Verwah­rung, oder haben Sie eine eigenhändig geschriebene Erklärung abgegeben, und wo befindet sich diese?

Gehören Sie einer Lebensversicherungsgesellschast an? Welcher? Wie hoch sind Sie versichert? Wer erhält die Versicherungssumme ausgezahlt?

Haben Sie Sterbe- und Begräbnisgeldversicherun­gen abgeschlossen?

Gehören Sie einer P-nsionsversicherung für Hin­terbliebene an? Wie heißt diese? Wie hoch ist dir Pension?"

Haben Sie Guthaben bei Banken?

Haben Sie außenstehende Focdemngen? Wer ist Ihnen schuldig? Welche Beträge sind es? >

Haben Sie Verpflichtungen, denen nach Ihrem Tode die Hinterbliebenen gerecht werden müssen?

Befinden sich in Ihrer Verwahrung Wertpapiere, Dokumente oder Spackaffenbücher, die anderweit hin* terlegt werden muffen? Bezeichnen Sie diese Sachet? näher.

Sind Ihnen Orden und Ehrenzeichen zuteil ge­worden, und welche sind davon der Ordenskommtsston zurückzugeben? i

Spielen Sie Lotterie, bei welchem Loftecieeinneh- mer? Wenn Sie mit mehreren Personen spielen, w» befindet sich das Los? i

Hat der Familienbeirat diese Auskünfte, die, um Indiskretionen zu verhüten, in verschlossenem Brief­umschlag ringereicht, alle Jahre erneuert oder ergänzt und erst beim Tode des betu Mitgliedes geöffnet wer­den, in seinem Besitz, so ist es dem mit der Erledigun- der Geschäfte Beauftragten ein leichtes, der Witwe bete zustehen und alle geschäftlichen Angelegenheiten, so weit sie in Ordnung erledigt werden können, zu besorgen. Die Sache, glauben wir, ist es weck, daß sie in de» Gemeinschaften, die wir anfänglich nannten, zur Erör­terung gezogen werden sollte, und es scheint uns gewiß zu sein, daß großer Segen für alle Beteiligten, in3be* sondere aber für die Hinterbliebenen Witwen und Wai­sen, daraus entspringen wird.

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XÄ woch-nb-uas«!,Mustrierte Sonntagsjertung'

einer Versammlung des Universitätsdereius in Wien am 24 April 1901 gemacht hat. Er schilderte die g ü n st i g e S t i m m u n g, die er in Deutschland ge­genüber dem österreich. Universitätsprojekte vorfand. „Es war allerdings das Interesse für die Salzburger Universität in reichsdeutschen Greifen bisher ziemlich matt, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil man viele Jahre früher, bevor wir an Salzburg dachten, die Gründung einer katholischen Universität in Fulda plante. In einer großen Zeit wurde dieser^gcoße und würdige Gedanke gefaßt. ... An der Stätte, wo das Grab des hl. Bonifatius steht, sollte auch die Stätte der katholischen Jugendbildung gegründet »er­ben, ein Gedanke, dem jeder Katholik seine Sympa­thien zuwenden mußte. Und wir haben ja gehöck, daß gegen 24000 Kronen aus Oesterreich dafür ge­spendet wurden. Zwei Sammelplätze wurden errich­tet, einer in Fulda selbst und einer in Aachen, an beiden wurde eifrig gearbeitet und bedeutende Summen zusammengebracht. Die Fuldaer gingen scharf ins Zeug und haben hiefür ein kurfürstliches Schloß angekauft. (Anin.: An die Universität hat man beim Ankauf des Schlosses wohl kaum noch ernstlich gedacht; daß der Gedanke einmal ausgesprochen wor­den ist, ist ja möglich.) Das ist da, und es ist bedauer­lich, daß wir die Salzburger Universität nicht ins Fuldaer Schloß verlegen können. Ich war vorigen Monat in rheinischenStädten. In Aachen besteht seit Jahrzehnten der Karl-Verein, der jeden Winter Vor­träge von katholischen Gelehrten arrangiert, die von weither herbeigezogen werden, und ich hatte auch die Ehre, über ganz Deusschlaub weg eingeladen zu wer­den. In Aachen befindet sich auch eines der Schatz­ämter, und ich nahm die Gelegenheit wahr, zu hören, ob für unsere Salzburger Universität etwas heraus­schauen könnte. Der Schatzmeister, ein alter würdiger Herr, teilte mir nun mit. daß sie einige hunderttausend Mark beisammen haben, daß das AachenerKapi- t a I in anderem Sinn verwaltet werde, als das Fuldaer, nämlich man hält es zusammen, macht noch nicht so temperamentvolle Unter­nehmungen. (?)' Die Hälfte der Interesse» wird kapitalisiert, mit der anderen Hälfte werden junge, katholische Gelehrte, der eine an der Universität in Bonn, der andere an der Akademie in Münster, der dritte an der Universität in Breslau subventioniert. Ich stellte schüchtern und mit Herzklopfen die Frage, ob nicht, wenn in Salzburg eine Universität entstünde, auch Salzburger Dozenten etwas von diesen Remune­rationen beziehen könnten? Und zu meinem freudigen Erstaunen bekam ich die Antwort: „Ohneweiters, so viel Sie wollen. Es soll die katholische Sache geför­dert werden, Fulda ist in weite Ferne ge­rückt, (das dürfte stimmen), man traut nicht so recht. Warum soll das nicht nach Salzburg geworfen werden? Ja, es sind in den Kommissionen, die die Verwaltung haben, Stimmen laut geworden, alles nach Salzburg zu werfen, wie es geht und steht. Eine sehr einflußreiche Persönlichkeit ist der Anschau­ung, alles, was da ist, nach Salzburg, nach Oesterreich zu werfen, „in Preußen kriegen wir keine Universität". Das waren sehr erfreuliche Worte. Um mich zu versichern, wie die Sache in hochpolitischen Kreisen angesehen wird, sprach ich bann bei der Durch­reise in Köln einen sehr einflußreichen Zentrums­mann ober, wenn Sie wollen, Zentrumsführer, über bie Sache. Ich fragte, ob er für Salzburg irgend­welche Sympathie hätte und wieerüberFulda denke. Da hörte ich noch ganz andere Dinge: „Fulda i ft eine U n m ö g I i d) t e i t. In Oesterreich allein ist eine katholische Universität möglich". „Wir stehen zu Ihrer Verfügung", sagte man mir darum. „Seien Sie versicheck, daß alles geschehen wird, wir werden dafür sorgen, daß preußische Studenten hinkommen." Daß das Fuldaer Projekt zur Zeit und auch ■für absehbare Zeit aussichtslos ist, bedarf keiner näheren Auseinandersetzung; ob es aber für imm er abgetan ist, wollen wir doch nicht mit so großer Be­stimmtheit behaupten, wie es nach den Angaben Dr. Willmanns in Köln geschehen ist. Man soll bekannt­lich niemals — „niemals" sagen. Inzwischen ist es allerdings ein recht gutes und verdienstliches Weck, den Salzburger Universitätsverein zu unterstützen. Für diejenigen, die sich dafür interessieren, sei mitge­teilt, daß Spender von 2 Kronen ordentliche Mitglie­der, von 100 Kronen Förderer, von 20 Kronen Wohl­täter, von 1000 Kronen Gründer, von 2000 Kronen Stifter werden. Die Adresse für Sendungen ist: An den kaihol. Univecsitätsverein in Salzburg, fürsterzbi­schöfliches Palais, oder: „An den kaihol. Universi­tätsverein in Salzburg", postlagernd Freilassing (Bayern).

X Familienbeiräte.

Wo der Tod mit harter Hand in etn glückliches Familienleben eine Lücke reißt, wohnt die Trauer; aber nichts ist bitterer, als wenn in das Leid des Herzens die Plackereien und Quälereien des Alltags, vielleicht sogar die Not ums Brot sich einmischen, wenn Witwen und Waisen noch am Sarge des Man­nes und Vaters die müden Gedanken auf die Frage richten müssen: Was soll nun geschehen, was soll nun werden? Auch die Freunde des Toten und der Hin­terbliebenen, die gerne zugreifen möchten, stehen rat­los, weil unbekannt mit den Verhältnissen, vor sol­chem Elend. Manchen schreckt da wohl der Gedanke: wie wird es bei dir einmal auSsehen, wenn sie dich hinaustragen. Und doch könnte gerade hier die Selbst­hilfe biet, ja alles tun. Die Männer des Dorfes, die Arbeiter in der Fabrik, die Beamten eines gleichen Arbeitskreises könnten sich bei Lebzeiten zu einem Fa­milienbeirat für die Hinterbliebenen bereinigen und die Pflicht, in der ersten Zeit nach dem Tode alles Geschäftliche zu ordnen, übernehmen.

Es ist der Zweck dieser Zeilen, daraus hinzuwei­fen, was dem. Familienbeirat obliegt. Ratückich wird er an seiner Spitze einen oder zwei energische Männer haben, die die zu erledigenden geschäftlichen Angele­genheiten ehrenamllich übernehmen. Die Mitglieder hätten nun gleich beim Eintritt in den Familienrat einen Fragebogen ausznsüllen, in dem alles das ange-

Allerlei.

— Lärmen der .Haartracht. In bet Neuen Wiener Frisenr-Zeitung liest man folgende Plauderei: Wer sich ein wenig in der Geschichte der Frisur umsieht und die weiblichen Haartrachten nur durch bie letzten zwei Jahrhunderte zurückverfolgt, wirb dem AuSfpmch eines geifwollen Mannes recht geben müssen, der ge*‘ sagt hat, alle Launen und Extravaganzen, die ein weibliches Him ersinnen könne, wüchsen in Form von Frisuren sogleid) durch daS Köpfchen hindurch. Auch die Situation, die augenblicklich in der Frage bet' Haartracht herrscht, ist wieder so verwickelt und Tom- plizieck, daß man sich in dieser Wirrnis gern aus der Vergangenheit Rat holen möchte. Und da löst sich denn der Streit bet Meinungen, bet Kampf um bte einfache, antikisierende Frisur und bie hochgetürmte Locken-Haartracht in den Gegensatz jener beiden wich­tigsten Prinzipien auf, die in bet Entwicklung bet Haartracht maßgebend waren: Die hohe Frisur und bie flache Frisur liegen sich von aliersher sozusagen „in den Haaren"; bald siegt die eine, bald triuuH phiert die andere. Unter Ludwig XIV. wurden die glatten Lackenlagen aus der Zett der Königin Anna verdrängt. Die Frisur stieg von Drahtgestellen, fal­schen Haarmassen und Spitzenschmuck unterstützt, zu einem riesigen Gebäude empor. Plötzlich warfen sich die Damen von dem Extrem der Höhen in das de» Flachen. Die Haare wurden bis zu Dreifingerlänge abgeschnitten und unter ganz glatten Spitzenhäubchen verborgen; sie wurden an Stirn und Schläfen ange­klebt und fielen bann später in Locken schlicht her­unter. Gegen Ende des Rokokos kam bie hohe Frisut' wieder zur Geltung und sie entfaltete sich in den merkwürdigsten Bizarrerien, indem ganze plastische Darstelllmgen aus den Haarmaffen geformt wurden und bie Damen aroße Theaterszenen, Schiffe und Lanbschaften auf ihrem Kopse trugen. Der Klassizis­mus brachte eine ganz flache Frisur. In einem sol­chen Uebergangssiil bet Frisur, in dem eirffach-schlichte, niedrige Formen gegen die Verwendung von hohen Lockenaufbauten ankämpfen, befinden wir uns gegen' wäriig wieder. Vielleicht gehört der flachen Frisul die Zukunft; wie man sich aber bei der vollen unb hohen Frisur vor Uebertreibungen hüten muß, so wirb man sich dann auch bei der klassisch einfachen daS ewige Gesetz einer fleidsamen Haartracht in die Er­innerung rufen müssen, das allen Modewechsel über- bauert: bie schönste Frisur ber Frau ist die, bie ihr am besten steht, die ber Höhe und Breite ihrer Sttrn enffpricht unb ihrem Gesicht den sprechendsten Aus­druck verleiht. ____4

— Der übliche Preis. In Schleswig wollte dieser Tage eine Maid aus ber Umgegenb in einem Gold» Warengeschäft Verlobungsringe kaufen. Aus die Frag, des Verkäufe^ nach der Preislage erhielt er bie viel­sagende Antwort: „Och, f B r gewöhnlich heß ick ttiölf Mark betalt l"

Erittnerimgen an die einstmals geplante freie katholische Universität in Fulda.

Bon Pf*. E. Atzert.

Der kaihol. Universitätsverein in Ealaburg, der im Jahre 1909 auf ein 25jaht Be­sehen zurückblicken konnte, hat dieser Tage eine kleine tzchrist versandt, die in kurzen Urnriffen die Geschichte ber katholischen Universitätsidee und des kaihol. Unt- persitäisvereins darleqte. Die Mitteilungen haben auch für Fulda Interesse, weil als Sitz bet freien katholischen Uniberfität zuerst Fulda in Betracht kam. Die Bestrebungen zur Errichtung einer jathol. Universität gehen zurück bis auf den rühmlichst bekannten Katholikenführer und Kirchenrechtslehrer Freiherr v. Buß, der im Herbst 1848 an die Würz­burger Konferenz der Erzbischöfe und Bischöfe Deutsch- landS den Eintrag unb bie Bitte richtete, bie Grün­dung einer ausschließlich unter bem deutschen Episko­pat stehenden freien katholischen Universität in die Hand zu nehmen. Die Bischöfe erfiarten sich mit bem Plan einVerftanben und bildeten unter sich ein Komitee für diese Angelegenheit. Auch die General- bersammlungen der Katholiken Deutschlands nahmen die Sache in ihr Programm auf und brachten so das Bedürfnis des katholischen Volkes nach einer freien Universität zum Ausdruck, wenn auch praktisch nicht viel zur Ausführung geschah. Erst die Generalver­sammlung zu Aachen im Jahre 1862 brachte etwas mehr Leben in die Bewegung. Nach einer herrlichen Rebe beS Professors Möller von der kaihol. Universi­tät zu Löwen faßte die Versammlung am 10 Septem­ber mit größter Einmütigkeit und heiliger Begeisterung den Beschluß, eine freie katholische Universität zu schas­sen. In wenigen Minuten wurden Tausende für das Unternehmen gezeichnet, in 4 Monaten waren bereits 50 000 Taler vorhanden. Papst Pius IX. erklärte sich mit bem Plan einverstanden unb ernannte als feine Stellvertreter zur Förderung der ganzen Angelegen­heit den Kardinal Geißel in Köln, sowie die Bischöfe v. Ketteler von Mainz und Martin von Paderborn. 1864 wurde der „Verein zur Gcünbung einer katholi­schen Universität in Deutschland" ins Leben gerufen. Auf ber Generalversammlung in Würzburg 1864 zeigte Domkapitular Dr. Monfang-Mainz, baß bei Mithilfe be8 Klerus, des Adels unb ber Bürgerschaft bie Aus­bringung ber nötigen Gelbmittel gar nicht so schwer wäre. — „Wir 40 000 Priester" meinte er — brauchen Uns nur zu entschließen, baß jeber von uns im Laufe von zehn Jahren hundert Gulden, d. h. jährlich 10 Gulden zahlt, so wäre beinahe die Fundationssumme beisammen: wir hätten eine Million " Die staat­liche Genehmigung hielt Moufang damals für irreichbar „Die Sache ist angefangen unter dem Se­gen Gottes und es braucht nicht viel, wenn die Mittel beisammen sind, und sie werden zusammen kommen. Dann braucht der liebe Gott nur einmal einen Mo­narchen zu erleuchten unb ihm einen Minister an bie Seite zu geben, ber zwei Dinge in sich vereinigt: Die Liebe zur Kirche und bie Liebe zur Freiheit."

Im Lause des Jahres 1865 bildeten sich in ver­schiedenen Diözesen Lokalkomitees und Lokalvereine; adelige Damen erließen einen Ausruf an die katholi­schen Frauen, durch Gründung des St. Kathari­nenvereins für bie katholische Universität zu wir­ken Ende 1865 waren ca. 30000 Taler vorhanden. Die Arbeit für die kaihol. Universität war überall im besten Gange — da brachte der Krieg des Jahres 1866 den Riß zwischen Oesterreich und Deutschland and damit neue, unvorhergesehene Schwierigkeiten, neuen Aufschub. Trotzdem hielten die Bischöfe Deutsch­lands an dem Unternehmen fest. Auch der HI Vater PiuS IX. ermunterte das bischöfliche Universitäts­komitee zum Ausharren und die Mitglieder des Uni- versitäts-ZentralkomiteeS bei einer Audienz im April 1869 zur unverdrossenen Fortsetzung der Arbeiten. Als bei dieser Audienz die verschiedenen im Wege stehen­den Hindernisse erörtert wurden, betonte PiuS IX. dreimal mit Nachdruck, daß man nur mit Gott anfan­gen solle, der gewiß dem zu feiner Ehre begonnenen Werke Segen und Gedeihen geben werde.

So einigten sich denn die deutschen Bischöfe bei Ihrer Konferenz in Fulda am 3. September 1869, rinstweilen als Vorstufe der katholischen Universität eine philosophische Akademie, unb zwar in Fulda zu errichten; da nur 40 000 Taler zur Verfügung stan­den, beschloß man durch Aufrufe und Kirchensammlun- gen ehestens den nötigen Fonds zu beschaffen. Die Hoffnungen, die man infolge des Beschlusses der Bischofskonferenz in Fulda damals gehegt hat, ta­rnen u. a. auch zum Ausdruck in ber Begrüßungsan­sprache, bie bei der Wallfahrt deutscher Katholiken nach Fulda im Ottober 1870 Regens Dr. Komp im Ball­haus hielt. Er sprach u. a. von der großen Vergan­genheit FuldaS und auch von seinen Schulen: J®ie Fulda den Ruhm seiner Vergangenheit zwei Schulen, ber Klosterschule und dem päpstlichenSeminar zu verdanken habe, so seien die Hoffnungen ber Zu­kunft toieber an eine Schule geknüpft: an die in Aussicht genommene katholische Universität, die Stätte einer Wissenschaft, die frei sein solle, frei von Zunst- fctoaug unb Maßregelungen, frei von Allem, nur nicht bon Gott". Auch Freiherr v. Anblaw aus Freiburg, der große Vorkämpfer der badischen Katholiken, ber Jm Namen der Gäste dankte, kam auf die geplante Uni­versität zu sprechen. „Es müsse", sagte er bei dieser Zusammenkunft in Fulda, „auch der besonderen Be­friedigung gedacht werden, welche die Mitglieder beS Komitees für Errichtung einer freien katholischen Uni» dersität heute empfinden, da die große Idee, bie diese

Männer unter so schwierigen Verhältnissen verfolgt hät­ten, nach jahrelangem, gleichsam heimatlosem Umher- irten endlich eine ehrwürdige Stätte für ihre nahe Verwirklichung finde. Sie solle an der Grabstätte des hl. BoniiatiuS ihre vielversprechende Heimat fin­den. ES stehe zu hoffen, baß in ber Erbe, in welcher der hl. Apostel Deutschlands seinen Hirtenstab einge- sentt habe, und wo dessen Geist ungeachtet aller Stürme, die seit elf Jahrhunderten die Mensch­heit erschüttern. heute noch walte, die freie katholische Universität einem fröhlichen Gedeihen entgegen gehen werde." (cf. Amtlicher Bericht über die Wallfahrt nach Fulda). Der Gedanke der freien katholischen Universität in Fulda kam auch auf der Kaiholikenversammlunß in Mainz im Jahre 1871 zum Ausdruck.

In der dritten öffentlichen Versammlung sprach Dr. Jos. Hohwarth über die Wissenschaft. Am Schluffe seiner auch heute noch in vielen Be­ziehungen recht interessanten Ausfüh­rungen sagte er:

„Frei muß die Wissenschaft fein, frei auf dem Boden der Kirche, verantwortlich nur der Kirche und deren Organen, frei von jeder Bevormundung des Staates, frei von jedem Hineinregierenwollen der weltlichen Ge­walten. Die Erfahrung bat es gezeigt, wie die Winen- schast verkümmert jedesmal, wo eine weltliche Gewalt ihrer sich zu bemächtigen sucht. Frei soll die Wissen- schast sein — wenn dieses Wort ausgesprochen wird, e, m. H., richten sich da nicht Aller Augen hinüber über die Berge, an jenen Ort, wo unser großer heiliger Bo­nifatius sein Kreuz in die Erde gepflanzt? Wenn das Wort gesprochen wird: frei soll die Wissenschaft sein, wer verlangt nicht mit sehnlichem Gemüte nach Fulda, daß diese lange Hoffnung, dieses sehnliche Erwarten endlich einmal in Erfüllung gehe? (Bravo!) O, wer etwas dazu beitragen kann in Wünschen, in Verlangen, in Gaben und Gebet, der möge sich der Wissenschaft erbarmen, daß ihr eine Stätte gebaut werde, wo sie frei auf dem Boden der Kirche, verantwortlich gegen die Organe der Kirche, ihre herrliche Arbeit ausführen kann! So lange dieses Verlangen nicht in Erfüllung geht, ist unsere Wissenschaft nicht frei. Wir haben überall bischöfliche Seminarien, wir haben Knabenkon- vitte, wir haben Unternehmungen der Presse. Ein­treten müsien wir da für jedes gute Werk, ablegen den Hochmut, der auf Universitäten gepflanzt worden ist, alS ob auf einem bischöflichen Seminar die Wissen­schaft nicht gedeihen könne, ablegen müssen wir die Vorurteile gegen die wahrhaft kirchliche Wissenschaft, heraus müssen wir aus der Sumpflust, in der wir groß gewachsen; auf die sonnigen Höhen müssen wir steigen, wo da? ewige Licht des Glaubens leuchtet und erwärmt und erfreut und stärkt und tröstet. Mit der Klarheit deS Blickes, mit dem Ernste des Willens, mit der Wärme des Herzens, mit der Treue des Charakters müssen wir uns um unsere Wissenschaft annehmen und immer unb überall und bei jeder Gelegenheit dafür eintreten, daß ihr eine Stätte bereitet werbe auf deutschem Boden." (Sgl. flenograph. Bericht der Mainzer Katholikenversammlung.)

Leider hat der bald beginnende Kullurkampf mit all' feinen traurigen Folgen die Ausführung der llniversitätSpläne in Deutschland bis auf heute mo­ralisch unmöglich gemacht. Der Eifer für die edle Sache sank in Schlummer, die Sammlungen wurde t eingestellt, die aus Deutschland und Oesterreich geflossenen Geldsummen kapitalisiert, in der stillen Hoffnung, daß die so lang gehegte Idee doch wieder einmal unter günstigeren Verhältnissen aus ihrem Grabe erstehen könnte.

In Oesterreich war das der Fall; im salzbur- gischen Landtag wurde am 3. Oktober 1884 ein von dem Führer der katholisch-konservativen Partei, Hosrat Dr. Limbacher, gestellter Antrag angenom­men, in Salzburg die Gründung einer freien katholischen Universität mit allen Kräften anzu- streben; Ende deS Jahres wurde zu gleichem Zweck der Univerfitätsverein gegründet, der bis jetzt unter Mitwirkung des gesamten österreichischen Episkopats zirka 4 Millionen Kronen gesammelt hat, womit jedoch erst ungefähr die Hälfte der vorläufig er­forderlichen Mitteln vorhanden ist.

Auch in Deutschland hat der Plan, in Salz­burg eine freie katholische Universität zu gründen, Sympathien gefunden. Auf der Katholtkenver- sammlung in Würzburg 1893 wurde folgender Antrag angenommen: „Die XL. Generalversamm­lung der Katholiken Deutschlands empfiehlt den Gläubigen der katholischen Kirche in Deutschland und Oesterreich, für die Begründung freier katho­lischer Universitäten in beiden Ländern, speziell in Fnlda und Salzburg, freiwillige und reiche Beiträge zu leisten. Das empsiehtt sie umsomehr und umso dringender, als von der Begründung und Ver­tiefung des katholischen Glaubens in der studieren­den Jugend zum nicht geringen Teil bte Erhaltung des katholischen Glaubens überhaupt in Deutsch- land und Oesterreich abhängt." Das Fuldaer Pro- jett ist hier wohl zum letztenmal auf einer General­versammlung der Katholiken erwähnt worden. Die Katholiken Deutschlands bekundeten mit dieser Re­solution, daß ihnen die Sorge um die Errichtung einer freien katholischen Hochschule im eigenen Lande noch immer am Herzen liege, sie bewiesen jedoch auch ihre Bereftwilligkett, den Brüdern in Oester­reich hilfreich zur Sette zu stehen zur Ausführung des graften Werkes der Errichtung einer freien ka­tholischen Universität. Im gleichen Jahre erklärten sich auch die Bischöfe Deutschlands berett, seinerzeit einen Teil des deutschen Universitätsfonds für Salzburg freizugeben. Infolgedessen beschloß die Verwaltung deS deutschen Umverfitätssonds, bei Gründung der katholischen Universität zu Salzburg jene Bettäge, die seinerzeit aus Oesterreich ge­widmet worden warm und ungefähr 24 000 Kronen betrugen, zur Verfügung zu stellen.

Auf ber Katholikenversammlung in München 1895 würbe, in ber Resolution nur noch bie kräftige Unterstützung der Salzburger Projette „aßen Katholiken Deutschlands wärmstens empfohlen, da baS ehebalbigste Zustandekommen einet freien katholischen Universität in Salzburg int lebhaftesten Interesse bet Katholiken, namentlich ber Katholiken Süddeutsch- lanb», gelegen ist". Seht interessant für un8 Fuldaer sind bie Ausführungen, bie ber bekannte Universitäts­professor Hofrat Dr. Otto Willmann von Prag auf