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Rotationrbrncknnb Verlag der Zuldaer Ak- tiendruckerei in Selbe Zernsprecher Rr. 9.

37. Jahrqanq

Fuld a, Donnerstag den 13. Januar 1910

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Swertes Wlcltt

Reklamen» ««d Anzeigenteil.

Arbeitsfreudiakeit.

VII.

S?b?n eK ÄS | "erbe bann hoM ^gon auch die Einwilligl.ng zur °<., -vJ« ... .....p 7 'n.rfnfutnn mit Gerda von tnm in erhalten. Las

die Anleihckalamitat erspart geblieben. Daß bie Re­gierung ba3 damals unterlassen hat, war ein schwerer Fehler, dessen Folgen nunmehr vor uns liegen.

Mittel und Wege zur Beseitigung der Schulden, die wir jetzt machen müssen, hat der Minister nicht ge­funden Wir werden also in die Defizitwirtschast hinein gelangen. Damit hebt auch hier eine Ent­wickelung an, bie im höchsten Grade bedenklich zu werden droht.

Ein Monat war vergangen. Was Egon Hell­borff sich vorgenommen, hatte er ausgeführt. Leicht war es ihm allerdings nicht geworden, Gerda zu er­ringen; aber es gelang ihm zuletzt doch. Und nie­mand ahnte etwas von dem heimlichen Liebesverhält­nis, ausgenommen Ada. Mit Staunen hätte sie die Bettchte des Bruders an, die immer siegesgewiffer lauteten. Ada hatte allerdings nicht wenig zum Ge­lingen des Planes beiqetragen. Sie kam wie zufällig öfters an der Mühle vorbei, nöhette sich ganz unbe­fangen und harmlos dem nichtsahnenden Mädchen, klagte diesem, daß sie immer so allein sei und daß sie

Tmum. Sie wagte es nicht, ihrer alten Vertrauten von dem zu sprechen, was in ihrem Herzen vorging und so verschloß sie es als tiefftes Geheimnis in der Brust. Manchmal begriff sie sich selbst nicht. Eine Angst befiel sie dann vor der Zukunft, mit bangem Zagen dachte sie daran, was werden sollte, wenn der Großvater erfuhr, daß sie ein Liebesverhältnis mit Egon Helldorff unterhielt, mit dem Sohne dessen, den der Großvater noch immer mit unverminderter Glut haßte. Sprach sie aber Egon gegenüber einmal ihre Bedenken aus, so wußte er alle Angst und Sorge zu verscheuchen. Der Großvater brauchte doch vorläufig nichts zu erfahren, — überhaupt sollte niemand das Geheimnis kenne», das doch so unendlich süß sei. Egon hatte ihr erzählt, daß sein Vetter Viktor Bolz sich demnächst mit Ada verloben werde und bann sei der Zeitpunkt gekommen, wo auch sie ihr Glück vor aller Welt verkündigen durften. Der Setter bringe freilich barauf, daß Egon ein reiches Mädchen heirate. Aber wenn er selbst auf dem Gipfel des Glückes stehen

Verlobung mit Gerda von ihm zu erhalten. Das alles wußte Egon so glaubwürdig vorzubringeu, daß Gerda nicht den leisesten Zweifel hegte.

sich unendlich nach einer ■_ ...

wurde Gerda ringelnden, in die Villa zu kommen. Anfangs sttäubte sie sich gegen den Gedanken, heim­lich, hinter dem Rücken des Großvaters hinzugehen, doch als auch die gute Rofel — die von der Liebens­würdigkeit twt vornehmen jungen Dame völlig ein­genommen war, — in Gerda drang und ihr zuredete,

Vittor Bolz wundette sich im Stillen über Gerdas verändertes Wesen. Sie war ihm sonst vertrauensvoll begegnet wie einem alten Freunde. - Nun erschien sie seltsam scheu und zurückhaltend, ja sie wich ihm förm­lich aus. Er ahnte ja nicht, daß sie in ihm nur den zukünftigen Gatten Idas sah, daß sie seine Blicke, bie bei jeder Begegnung die kaum noch zurückgehaltene Leidenschaft verrieten, als eine Beleidigung empfand Er konnte sich ihr Verhalten nicht erklären. Wenn sie unter der Linde saß und ihn von weitem kommen sah, lief sie schleunigst ins Haus, um ihm miszuwei- cheu Und wenn sie der Einladung Idas folgend, in bie Villa kam, — immer zu einer Zeit, wo sie wußte, daß Viktor abwesend war, — und es traf sich, daß er unvermutet eintrat, so konnte er sicher sein, daß sie sich unter irgend einem Vorwand entfernte.

Es erfüllte Viktor mit banger Sorge, daß Gerda in der Villa vettehtte; denn so sehr Egon sich den

Anschein gab, als kümmere er sich nicht im Geringsten um ba8 junge Mädchen, er traute ihm nicht, den» er kannte ibn zu genau.

Daß Ada sich alle erdenkliche Mühe gab, ihn — Viktor — in ihre Netze zu locken, durchschaute er sehr bald. Die Sache war auch gar zu plump angelegt Ada überhäufte ihn mit Aufmerksamketten aller Art, sie fang ihm die schönsten Liebeslieder vor, — so süß und bestrickend, — es half nichts. Viktor schien im­mer zerstreut und achtete kaum auf ihren Gesang. Ihr Treiben ekelte ihn schließlich förmlich an, deshalb mied er ihre Rahe wo er konnte.

Eines Tages war er in Geschäftsangelegenheiten nach Berlin gefahren. Bei seiner Rückkehr sand et Gerda in der Villa anwesend. Er trat unvermutet ein, blieb aber, ohne sich zu rühren, unter der Pottiere stehen; bie beiden Mädchen bemerkten ihn nicht, beim sie wandten ihm den Rücken zu. Gerda saß am Kla­vier, präludierend glitten ihre Hände über die Tasten. Man. merlte es, daß sie viel besser spielte als Ada. Viktor wagte kaum zu atmen, als Gerda jetzt bal zunächst liegende Heft aufschlug und mü inniger Em­pfindung zu fingen begann. Es war das Ljebeslied von Grieg.

Ihre Stimme war zwar nicht groß, aber von ent­zückendem Wohllaut, so daß man unwillkürlich davo» gefesselt wurde. Ada hatte das Lied schon oft ge­sungen, zumal in der letzten Zett, ohne daß es die geringste Wirkung auf ihn ansübte und jetzt — wie süß bestrickend tönten die Wotte an das Ohr de- Lauschers:

„Du mein Gedanke, Du mein Sinn und Werdens Du meines Herzms erste Seligkeit!

Ich liebe Dich, wie nichts auf dieser Erden, Ich liebe Dich in Zeit und Ewigkeit.

Ich denke Tein, kann stets nur Deiner denken. Nut Deinem Glück ist dieses Herz geweiht!

SBie Gott auch mag des Lebens Schicksal lenken. Ich liebe Dich in Zeit und Ewigkeit!"--

(Fortsetzung folgt?

da gab sie nach. Merkwürdig war es nur, daß sie mit Vittor Bolz fast nie in der Villa zusammentraf. Die Geschwister wußten eine Begegnung geschickt zu ver­meiden. Da Vittor sich tagsüber wenig im Hause aufhielt, war das eben nicht schwer. Hätte er ahnen können, was hinter seinem Rücken vorging, er hätte besser acht gegeben.

Ost konnte Gerda natürlich nicht kommen, denn sie mußte immer einen glaubwürdigen Vorwand erfin­den, wenn sie fort wollte, da der Müller nur selten das Haus verließ.

Aber für Egon hatte» die wenigen Stunden, die Gerda in der Villa verlebte, hingereicht, dem jungen, ahnungslosen Mädchen von seiner Liebe zu sprechen. Gerda befand sich seitdem wie in einem bangen

alle. Für Ihre hingedende Arbeit verleihe Ihnen den Kronenorden zweiter Klasse.---- ,

Damals gelang es auch der Regierung tm WahlkreiseAllenstein, den polnischen Kandida- len Wolszlegier mit Hilfe des gesamten landrSt- lichen Apparats im Wahlkampfe gegen den langjährigen Zentrumsvertreter Ra- kowski durchzubringen. ES ist nicht bekannt, daß ob dieser patriotischen Untat etwa ein Regierungspräsident oder Landrat behelligt wor­den wäre. — Es ist also gar noch nicht so lange her, daß den Polen sogar vom Kaiser die Treue gegen Kaiser und Reich rühmlichst zuerkannt wurde, daß man sie von Allerhöchster Stelle sogar als Vorbild für alle Patrioten hin stellte. Damals durste man auch ungestraft, unter dem Schutze der Pickelhaube einem Polen zum Siege verhelfen, um einen deutschen Zentrumskandidaten zu stürzen. Die Geschichte meldet nicht, daß damals einer von den Lehrern und Postbeamten, welche, dem Zwange gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, anstatt dem deutschen Zentrumskandidaten dem Polen die Stimme gaben, zur Strafe „im administrativen Wege verschickt" worden wäre, wie man in Rußland sich ausdrückt; in Preußen sagt man: im Interesse des Dienstes versetzt wor­den wäre.

* Landau, 10. Jan. 1910. Als Kandidat der Zentrumspartei für bie Landtagswahl im Wahlkreise Landau ist Rechtsanwalt A. Klug aus Landau ausgestellt worden.__

Vittor trat ohne Säumen in die Laube.

Egon schaute dem Vetter mit spöttischem Lä­cheln nach und rieb sich vergnügt bie Hände.

„Ich hoffe, daß wir gewinnen werden!" murmelte er. „Wenn Ada ihre Sache gut macht, bann ist der Sieg unser."--

[] Preußens 90 Millionen Defizit.

Der preußische Staat hat jahrelang in der Rolle des wohlhabenden Mannes geglänzt. Als der preu­ßische Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben von zwei Jahren seine große Etatrebe hielt, konnte er noch unter allerlei Anspielungen auf das Schicksal seines Kollegen Stengel im Reich erklären: eine öffentliche Körperschaft, die große Anleihen mache, bie treibe bie Wirtschaft des Bankrotteurs. Das Zentrums-Prin- zip: für jede Forbenmg zugleich auch bie Deckung, fand in Herrn n. Rheinbaben eine selten eifrige Ver­tretung. Damals, ja damals „hatte man es noch" in Preußen. Der Etat balanzierte sicher und bequem, von einer Steuer- ober Finanzreform, war keine Rebe, bie vorhandenen Steuern brachten spielend alles auf, was der Staat über feinen Riesengewinn aus bet Eisenbahn hinaus noch nötig hatte. Heute liegen die Dmge anders. Der preußische Finanzminister von Rheinbaben, derselbe, der seinerzeit in so großen Worten die Gefahren des Schuldenmachens schilderte, kam diesmal mit einer sehr bescheidenen Rede an das Haus heran Der Mann der stolzen, selbstbewußten Rede ist auf einmal ein sorgenvoller Pessimist gewor­den. Mit ca. 200 Millionen Mark Defizit haben mir das Jahr 1908, als die Krise einsetzte, abgeschlossen. Die Eisenbahneinnahmen sind damals sehr erheblich hinter den Hoffnungen zurückgeblieben, die man dar­auf nach den Erfahrungen der letzten Jahre gesetzt hatte. Die Krise schlug eben den Ueberschuß sehr bedenklich herunter. Und bann kam die Besoldungs­reform hinzu. Als man an die Sache herantrat, sprach man von 100 Millionen, die dafür aufgewendet werden sollen. "Tatsächlich ist der Betrag nahezu dop­pelt so hoch geworden. Dafür aber haben wir keine volle Deckung geschaffen. Das Abgeordnetenhaus hat die verschiedenen Vorschläge auf Erhöhung der Ein­kommensteuer bekanntlich nicht sämtlich angenommen, sodaß die Einnahmen hinter dem zurückblieben, was wirllich nötig war. Damals hat die Regierung ihr früher so hartnäckig und stolz betontes Prinzip: erst Deckung, dann Bewilligung, verlassen, und die Folge davon ist dann das heutige Defizit, das trotz aller Rechnungsexperimente noch immer die Kleinigkeit von 92 Millionen ausmacht. Und da bleibt Herrn v. Rheinbaben, der ehemals die Anleihewirt- schast die Arbeit der Bankrotteure nannte, nichts an­deres übrig, als die Erhebung einer Anleihe. Da­mit wäre bann der Rnbico der Schnldenmacherei ein­mal, und zwar^sogleich sehr gründlich, überschritten.

Im großen und ganzen kann man dem Minister nicht unrecht geben, wenn er meinte, das stürmische Drängen der Abgeordneten nach immer neuen Aus­gaben, nach Erfüllung aller möglichen Wünsche ihrer Wühler haben den Staat in diese Kalamität hinein- gejagt. Wer das Wettrennen der Abgeordneten beim Etat jahraus, jahrein beobachtet, der weiß, daß viel­fach die Wünsche der Wähler über einer pflichtge­mäßen Abwägung des Gesamtwohles stehen. Das ist ein sehr bedenklicher Zustand Aber für den Minister bildet das keine Entschuldigung. Er war die berufene Stelle, die die (Situation abschätzen konnte und mußte. Und seine Abschätzung hat in einem Augenblicke, wo der Etat 1908 mit einer Unterbilanz von 200 Mill, abschloß, die Vermehrung der Staatsausgaben um weitere ca. 200 Millionen Mark zugelassen, obgleich dafür keine ausreichende Deckung gegeben war. Das durste niemals geschehen! D e r M i n i st e r m u ß t e unter allen Um ständen daraus drin­gen, daß hinreichende Deckungsmittel beschafft würden. Lehnte der Minister die Annahme eines Besoldungsgesetzes ab, wenn nicht vorher Deckung beschafft würbe, dann hätte das Ab­geordnetenhaus schon unter dem Drucke der Beamten­agitation dafür gesorgt, und dem Staate wäre jetzt

Deutsches Reich.

-b- Daß der Evangelische Bund den Boy­kott gegen die katholischen Krankenhäuser erklärt, geht aus einem Artikel der .Germania' Nr. 6 im 2. Blatt: „Stuttgart" hervor. Mit den Hetzern des „Ev. Bundes" stimmen jedoch viele vorurteilslose Protestanten, die in kathol. Krankenhäusern Hilfe und Pflege gefunden, nicht überein, sondern sind voll des Lobes über die selbstlose und liebevolle Behandlung, die sie in ihnen gewahrten und empfehlen diese Anstalten auch andern ihrer Glaubensgenossen. Man er­kennt am besten durch eigene Anschauung, daß solche Anstalten nur den Zweck der echt christ- lichen Charitas verfolgen, sonst nichts. Anders scheint es jedoch bezüglich des Zweckes bei Er­richtung von evangelischen Krankenhäusern sich zu verhalten, wofür uns die Kommission zur Erbauung deS evangelischen Krankenhauses in Zirke (Prov. Posen) einen Beweis liefert. Um eine noch übrige Bauschuld von 8000 Mark zu tilgen, wendet'sich die Kommission mit der Bitte um Beiträge, an die evangelischen Lehrer. In diesem Bittschreiben heißt es:

„Hart ist unser Kampf in der Ostmark. Während im Jahre 1880 in unserer Stadt noch 1522 Deutsche 1422 Polen gegenüberstanden, beträgt die Zahl der Deutschen jetzt 1188, die der Polen 1836, Wir müssen mit Aufbietung aller Kräfte käm­pfen, um nicht zu unterliegen. Noch kämpfen wir voller Mut. Neuen Mut wird uns die Bezahlung der uns drückenden Schuld geben. Reichen Sie uns eine Stärkung in unserem Kampfe und stählen Sie unseren Mut durch Ihre Liebe."

Bei Errichtung von katholischen Kranken­häusern ist die Triebfeder Nächstenliebe, hier Kampf.

* Abgelehnt. Bei den Ministern des Innern und des Kultus war beantragt, zu genehmigen, daß bei der Niederlassung der Grauen Schwestern in Danzig eine Kleinkinder-Bewahran- stalt unter Leitung der Schwestern eingerichtet werde für katholische Kinder Danzigs. Dieser Antrag ist, wie das ,Westpr. Bolksbl/ meldet, abschlägig beschieden worden, „weil ein Bedürf, nis hierfür nicht anzuerkennen sei". — Prote- stanlische Diakonissen dürfen Niederlassungen grün­den, wo sie wollen; katholische Ordens-Nieder­lassungen müssen von zwei Ministern genehmigt werden. Ob ein Bedürfnis für eine Niederlassung vorhanden ist, das wissen die Minister natürlich immer viel besser als die Katholiken in dem be­treffenden Orte.

X Kattowitz 1909 — Allenstein 1893. Als im Jahre 1893 die Caprivische Milttärvorlage im Sinne des Huenefchen Antrages, allerdings nur mit einer schwachen, mit polnischer Hilfe er- reichten Majorität angenommen wurde, drahtete der Kaiser an den polnischen Abg. von Koscielski folgendermaßen:

„Neues Palais, 17. Juli. Ich danke Ihnen und Ihren Landsleuten für Ihre Treue zu Mir und Meinem Hause. Sie sind ein Vorbild für

Ausland.

* Das 31. französische Infanterieregiment, dem die Mörder der Frau Gonin angehörten, scheint eine „er­lesene" Truppe zu sein. Vor sechs Monaten stellte der Direttor des Gefängnisses von Malun, wie jetzt bekannt Wird, bei der Militärbehörde den Antrag, daß fortab keine Soldaten des in Meltin garnisonierenden Bataillons des 31 Infanterieregiments mehr als Wachtposten in die Gefängnishöfe gestellt Würden, da dies den Bock zum Gärtner machen heiße. An­statt die Strafgefangenen zu bewachen und ihre event. Flucht zu hindern, verbrüderten sich die Soldaten mit den Zuchthäuslern, gaben ihnen heimlich Tabak und Lebensmittel und wechselten skandalöse Reden mit ihnen. Der Gesängnisdirettor fügte hinzu, er ziehe es bei weitem vor, gar feine Soldaten als Wachter des Gefängnisses zu haben, als die des 31. Regiments.

*§ Die Lösung der Kreta-Frage soll durch Ver­handlungen erzielt worden sein, die zwischen den Kabinetten von Rom, Athen und Konstant!- n op d in diesen Tagen geführt werden. Der Plan geht dahin, daß die Türkei auf Grund einer Verein­barung mit den kretischen Schutzmächten die Insel Kreta gegen eine entsprechende Ablösungssumme an Griechenland abtreten soll, worauf bann in einer internationalen Konferenz sämtlicher europäischer Großmächte dem türkischen Reiche sein Besitz- stand für tmmetwährenbe Zeiten garantiert werden soll. Groß würbe sicher der Nutzen fein, den sowohl die Türkei als auch Griechenland im Innern und nach außen hin von einer endgilttgen Verein­barung über Kreta ziehen würden. Und auch ganz Europa hatte Vorteil davon, da die Vereinbarung unter der Garantie her Machte den Abschluß nicht bloß der kretischen, sondern geradezu auch der gesam­ten orientalischen Frage bedeuten würde.

vermischtes.

* Ein FichrkarienfSlscher, der Ingenieur Krümpel- mann in Köln, der als Angestellter des Südbrücken- baueS Freibillets für das ganze westdeutsche Eisen- bahnnetz fälschte und diese in Verkehr brachte, wurde

Schattenblume.

25] Originalroman von Irene v. Hellmuth.

,Jch denke, der Müller ist uns sehr feindlich ge­sinnt?" entgegnete Ada zögemd. „Ich habe mich zwar nie um den Alten gekümmert, aber schon manch­mal etwas dergleichen sagen hören!"

Ach was, der alte Dachs sitzt immer hinter dem Ofen, der stört uns nicht. — Jetzt will ich mich schleu­nigst zurückziehen, ich sehe Viktor kommen; also spiele Deine Rolle gut!“--

Egon trat aus der Laube. Vittor, dem seine barschen Worte von vornherein schon wieder leid taten, kam auf den Vetter zu und begann: „Du hier im Garten? Und ganz allein? Das wundert mich. Was tatest Du denn hier?"

„Ich suchte Ada auf", versetzte Egon rasch. „Ihr Aussehen will mir nicht gefallen, überhaupt hat sie sich sehr verändert in der letzten Zeit. Sie ist blaß, klagt über Kopfschmerzen, — vorhin bemerkte ich so­gar Tränen in ihren Augen. Sie wollte es allerdings nicht eingeftehen, daß sie geweint hatte,, wie sie über­haupt nicht mit der Sprache heraus will, wenn man sie fragt, was ihr eigentlich fehlt. Ich ahne es zwar, — aber helfen kann ich ihr leider nicht."

Vittor machte ein sehr erstauntes Gesicht.

„Aber von alldem habe ich noch nicht eine Spur bemerkt! Ada war doch heute mittag sehr vergnügt und sah so rosig aus, wie immer. Ich glaube, Du täuschest Dich."

Egon zuckte vielsagend die Achseln.

„Beobachte sie nur einmal genau, bann wirst Du finden, daß ich recht hatte. Sie ist nicht mehr wie sie sonst war."

„Ist sie hier im Garten?" fragte Vittor.

„Ja — dort in der Laube, sie suchte die Einsam­keit auf, um ungestört ihren Gedanken nachhängen zu können", sagte Egon mit leisem Seufzer.

„Da muß ich mich doch selbst überzeugen."

Wie oft wirb einem Menschen das als Träg­heit vorgeworfen, was doch nur ein Zeichen von Abspannung und Müdigkeit, eine Folge von lieber« arbeitung ist. Mit Scotts Emulsion wirb bem am besten entgegengetreten, bie Körperkräfte werben sich bann bald wieber heben, unb bie Arbeitslust kommt zurück. Scotts Emulsion hat nicht den unange­nehmen Geruch unb Geschmack bes gewöhnlichen Leberttans, wesdald bie meisten Leute sie leicht nehmen.

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wegen Urkundenfälschung unb Betrugs zu neun Mo­naten Gefängnis verurteilt.

♦* Der Beleidigungsprozeß Ruhland-Biermer ist. Wie gemeldet, durch Vergleich beendet worben. Au- Ven Verhandlungen des letzten Tages ist noch hervor-: zuheben, daß der Berliner Unwersitätsprofeffor von I ch m o! I e r sich äußerst abfällig über Prof. Ruhlanb äußerte. Er erklärte, daß er die Schriften des Prof. Ruhlanb seit längerer Zeit nicht mehr lese, weil et benfelben keine wissenschaftliche Bedeutung beimesse. Besonders habe sein rascher llebergang in ein bisher von ihm bekämpftes Lager überraschen müssen. Da­gegen sprach sich Prof. Adolf Wagner über Ruh- land sehr günftig aus; er hatte ihn übrigens als wis­senschaftlichen Beirat dem Bunde der Landwirte em­pfohlen. Wenn man ihm zum Vorwurf mache, daß er bald für Schutzzoll und bald für Freihandel einge­treten sei, so könne er darauf Hinweisen, daß man keinem Arzt einen Vorwurf daraus machen kann, wenn er je nach den Verhältnissen einmal ein Schließen der Fenster anordnet. Er halte Herrn Ruhland nicht für. einen so untergeordneten wissenschaftlichen Mann, wie' cs Prof. Dr. Biermer getan. Für ihn fei der Beweis geliefert, daß Rußlands wissenschaftliche Entwickelung und ferne, wenn auch wechselnde Stellungnahme unb Beurteilung wirtschastspolitischerMaßregeln etwas in sich Einheitliches seien unb daß der behauptete Gesin-i nungslvechsel auch als Folgerung au8 feiner Grund- ibee genügend erklärt werden kann, ohne ihn auf äußer«! egoistische Beweggründe zurückführen zu müssen. Pros.' Sombart erklärte, Ruhlanb fei gegenwärtig bet1 energischste Vertreter der sogenannten ethischen Natio- ! nalökonomie. Von der ersten Zeile, die er geschrieben,^' führe fein Weg in den Bund der Landwirte hinein,i Betrachte man seine Schriften äußerlich, so könne maii; auf scheinbare Widerspräche kommen; betrachte ma» sie aber als Aeußemngen einer ganz bestimmten öko­nomischen Grundauffassung, so schwänden diese Wider­spräche. Von den kommissarisch vernommenen Zeuge» sagte Prof. Dr. Beck in Freiburg aus: Es sei irrig, Freiburg als eine Stätte deutschfeindlicher Verhetzun­gen zu bezeichnen. Deutschland sei mit 23 Professoren und Dozenten am Lehrkörper vertreten gewesen urb nur neun Professoren waren französischer Nationalittt.! Von kleinen unbedeutenden Reibungen abgesehen, sei das kollegiale Verhältnis der Deutschen und Franzo­sen recht gut gewesen. Dein Prof. Ruhland fei auf seine Anfrage vor Antritt der Professur versichert wor­den, daß von einer antideutschen Agitation in Freiburg nichts bekannt sei, daß jede Nationalität sich dort un­gestört unb frei nach ihrer Eigenart entfalten könne. Aehnlich haben sich Prof. Schnürer und Staatsrat Python geäußert.