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wochEase- „Illustrierte Zomtagrzeltung"
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Monatsbellage: „8uldaer Geschichtsblätter"
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JV3 7.
Fuld a, Dienstag den 11. Januar 1910.
37. Jahrgang.
einsetzt, wenn andere Leute auf gute, auf freundschaftliche Beziehungen hinarbeiten. Aber ganz im Bereiche der Träume liegt ein solcher Besuch doch nicht. Dir Zeit leitet uns weiter und schließlich .... nun, wir werden ja sehen!
* Die Ferrergenofsen wollen bekanntlich ball „bunfle* Spanien ins Licht der Kultur hinüber- führen. Ihr Rezept wird durch folgende Meldung gekennzeichnet: In Madrid wurde der Geistliche Julio Cäsador wegen eines ihm zugeschriebenen Zeitungsartikels auf der Straße von .politischen Gegnern" überfallen und so lange mit Stoö- schlügen mißhandelt, bis er bewußtlos liegen blieb. Sein Zustand ist besorgniserregend.
* Die Auflösung des englischen Parlaments ist gestern förmlich erfolgt. Der König unterzeichnete nu Ministerrat im Buckinghampalast die diesbezügliche Proklamation. Sofort nach der Unterzeichnung begann die Kronkanzlei mit der Ausgabe der Parlamentsbefehle, die den in London gelegenen Bezirken mit Motorwagen übermfttelt wurden. Die ersten Wahlkämpfe werden am Samstag statlfinden. Das neue Parlament wird am 15. Februar zusammentreten.
*♦ Leimruten der Ferrerpreffe.
Die internationale Freimaurerpresse, bie im vergangenen Jahr mit dem Ferrerrummel das Publikum heimgesucht hat, widmet sich augenblicklich mit bekannter Gewissenlosigkeit der Aufgabe, den König A l- bertvonBelgien, dem sie liberale, ja sozialistische Anschauungen nachsagt, für den Liberalismus günstig zu stimmen und den König später für Neklamezwecke zu benutzen. Der FeldzugSplan geht zunächst dahin, Albert I. gegen die Kirche und ihre Vertreter, die belgischen Bischöfe, einzunehmen und eine Entfremdung herbeizuführen. Jenes famose Machwerk, daS als Schriftstück aus dem Vatikan durch die Ferrerpreffe verbreitet, von der Kurie bald entlarvt worden ist, Hal zuerst diesem Zwecke gedient. Die Fortsetzung der Wühlarbeit ließ nicht auf sich warten. Dem König Leopold waren bekantlich in Anwesenheit der Baronin Vaughan die Sterbesakramente gespendet worden. Um einer Beunruhigung der Gläubigen und gemeinen Anwürfen der liberalen Presse entgegenzutreten, die Kirche sei von ihren ftrengen Moralvorschriften mit Rücksicht auf die Millionen und die königliche Stellung Leopolds II. einmal abgegangen, gab der belgische Epijkopat die Erklärung ab, Leopold fei mit der Baronin Vaughan kirchlich getraut worden. Diese Erklärung hat vor allem in der belgischen Ferrerpreffe, natürlich aber auch im „Berl. Tagebl." zu großer Entrüstung Veranlassung gegeben. Man behauptete, damit trete die Kirche für Thron an sprüchebe» ältesten Sohnes der Baronin Vaughan e i n. Die Kirche setze dem König Albert einen Thronanwärter entgegen, den die katholischen Belgier bet ihren Anschauungen über Eherecht notgedrungen anerkennen müßten, zumal diese Trauung auf dem Sterbebette vollzogen und auf diese Weise in Belgien auch rechtsgültig fei. Der „Statin" hat den Schwindel ent* haftet, indem er feststellte, eine Eheschließung mach« noch nicht die vorehelichen Kinder vor dem Gesetz zu legitimen Nachkommen. Vor einigen Tagen ist nun in dem in Gent erscheinenden Blatte LibertS behauptet worden, daß für die Aneckennung der Rechtsgültigkeit drrEhedesjetzigenKönigsAlbert mit seiner Gemahlin Elisabeth nach der Verfassung Belgiens ein ministerieller Beschluß gefaßt und entweder so- gleich oder später amtlich veröffentlicht fein müht« Da dieser Beschluß nicht gefaßt worden fei, wäre Alberts Ehe ungültig. Diese staatsrechtliche Berwicke», lung, die nach allgemeiner Ueberzeugung sicher keine praktischen Folgen haben wird, gab den liberalen Blättern aufs neue Veranlassung, von einer .klerikalen In- trigue" gegen den neuen König zu reden. Die .Liberty, ein ganz unbedeutendes Blatt, die diese staatsrechtliche Frage aufgetischt hatte, wurde nämlich als maßgebendes Organ der Katholiken proklamiert. AIS neuestes Dokument für den Wunsch und Willen der Kirche, die Königskrone Belgiens womöglich dem Sohn der Königsgeliebten zuzuschanzen, brachte jetzt der „Soir" die sehr „glaubwürdige" Meldung, der P ap st habe infolge der amtlichen Bestätigung der kirchlichen Trauung des Königs Leopold mtt Baronin Vaughan den Söhnen der Baronin seinen Segen erteilt und ihnen fein Beileid ausgedrückt.
Ein treffendes Urteil über diese Vogelstellerkunst» stücke der Ferrerpreffe, die auch in mancherlei Spielatt noch für die Zukunft zu erwarten sind, enthält ein Brief aus Brüssel an die „Köln. VolkSztg.". Dott heißt es:
Die Ferrerleute fühlen in ihrem fanatischen Haffe nicht einmal die Beleidigung, die sie mit derartigen Manövern gegen daS Urteilsvermögen des Königs verüben. König Albert weiß beffer, a!S die Leute jener Freimaurerpresse und ihrer GestnnungSgenoffen vom .Berliner Taaebl.', von der »Frankfurter Zeitung' ufw., daß gerade das katholische Volk in Belgien mit Unmut und Ungeduld die Zustande am Hofe ertrug, die im liberalen Lager höchstens frivolen Spöttereien begegneten: er weiß, wie energijch die Sprache gerade der katholischen Presse in bezug auf diese Zustände seit Jahren gewesen ist. Da kann ihm unter keinen Umständen der Gedanke kommen, Katholiken seines Lande? könnten auch nur einen Moment in ihrer Treue zu ihm wanken. Diese Umgarnungsversuche find in der Tat zu plump, als daß man sich ihretwegen sollte beunruhigen können. Abgesehen von der zu verneinenden Rechtsfrage würden die belgischen Katholiken nie und nimmer einen Sohn der Delacroix als König ertragen.
Erstes Wlatt
worden, daß der im Reichsland bestehende katholische Lehrerverband mit 900 Mitgliedern längst dem großen katholischen Verband im Reich angeschlossen ist, ohne daß bisher die liberale Presse davon Aufhebens gemacht hätte!
Aller Voraussicht nach wird der Zwischenfall im demnächst zu eröffnenden Land es ausschuß zu lebhaften Erörterungen Anlaß geben, und es darf sehr bezweifelt werden, ob es der Regierung gelingt, für ihre Aktion eine Mehrheit zu gewinnen, sie wird sich allerdings mit der Hoffnung trösten, daß sie in Berlin Halt findet. Aber auf die Dauer wird ihr das nichts nützen, die Zeiten sind doch vorbei, wo sich im katholischen Elsaß-Lothringen direkt gegen die Katholiken regieren ließ. Das hat vor einem Menschenalter schon der antiklerikale Staatsrat August Schneegans zu spüren bekommen. Herr v. Koeller, Bulachs Vorgänger, hat es so gut gewußt, daß er vor vornherein erklärte, er würde, wenn es immer ginge, mit den „Klerikalen" regieren.
Von anderer Seite wird noch geschrieben: Das Vorgehen des Staatssekretärs Frhr. Zorn v. Bulach hat noch eine gewisse persönliche Seite. Frhr. Zorn v. Buloch ist Katholik und gehört nach Geburt einer altelsäffischen Familie an. Seine auf die persönliche Entschließung des Kaisers zurückzuführende Ernennung zum Staatssekretär hat die alldeutsche Presse zu den schärsstcn persönlichen Angriffen gegen Frhr. v. Bulach und feine Familie veranlaßt. Von Metz aus wurde eine förmliche Preßkampagne inszeniert. Gegen einen Sohn des Staatssekretärs wurden kürzlich freterfunbene Beschuldigungen wegen deutschfeindlicher Gesinnung verbreitet und der Vater unmittelbar damit in Verbindung gebracht. Die Unhaltbarkeit der erhobenen Anwürfe wurde an Gerichtsstelle einwandfrei bargetan. Es scheint nun. als sei Frhr. v. Bulach dieser fortgesetzten alldeutschen Singriffe überdrüssig gewesen und wolle jetzt seine Politik nach den Vorschriften dieser verschrobenen Kultuckämpser einrichten. Das erinnert an den früheren preußischen Kultusminister v. Wühler zu Beginn des preußischen Kulturkampfes. Unter dem Einfluß seiner überaus gescheiten Frau Adelheid hat er zuerst das christliche Prinzip auf dem S ch u l g eb i c t e mit stacker Hand gegenüber dem liberalen Ansturm hochgehalten. Aber als bann später an seinem Ministersessel gerüttelt würbe, ging er zuerst gegen Bischof Kremenz in Braunsberg in der Frage des Religionsunterrichtes im Falle des Professors Wollmann vor, bann gab er die katholische Abteilung im Kultusministerium preis, und schließlich brachte er auch noch das Schuläufst chtsge setz em, gegen das er früher sich so schaff ausgelassen hatte Aber der Liberalismus traute ihm nickst die nötige Entschiedenheit im Kampfe gegen die katholische Kirche zu und deshalb mußte er fallen und Dr. Falk wurde fein Nachfolger. Soll sich in Elsaß- Lothringen jetzt Sehnliches abspielen!?
Gegenüber der ,Köln. Ztg.tz die bemerkt hatte, die Zenttumspartei und Zentrmnsprcfse sehne sich nach einem neuen Kulturkampf, bemerkt die ,Köln. Volksztg.:
Wir wissen uns jedenfalls von einer solchen Sehnsucht frei. J£in kirchenpolitischer Konflikt kann nur dem Staate und der Kirche schwere Wunden schlagen. Es wäre frivol, ibn herbeizuwünscheu. Die Zentrumspolitik läßt sich auch ohne den Hintergrund kirchenpolitischer Berwickelungen sehr wirkungsvoll vertreten. Darauf ist die Probe hinlänglich gemacht worden. Wir sind nie in Verlegenheit geraten, wie man Zentrumspolitik zu treiben habe, auch wenn kein Kutturkampf in Sicht war. Kein einsichtiger Katholik will einen neuen Kulturkampf, und kein einsichtiger Vaterlandsfreund, gleichviel welcher Konfession er angehört, kann ihn wollen. Sollte man aber an den maßgebenden Stellen der Ansicht sein, daß wieder einmal Krieg gegen die kathol. Kirche in Deutschland geführt werde» müsse, so wird, daran zweifeln ,vir nicht, dieselbe Ueberzeugungstreue, Opserwilligkeit und Ge- schlossenhett, welche die deutschen Katholi'en und die aus ihrer Milte hervorgegangene große Zeutrumspartei in den siebziger und den achtziger Jahren des vorigen Jahrhundetts bewährt haben und vor der ein Bismarck auf der Höhe seiner Macht im Gefühle seiner Verantwortlichkeit für das Staatswohl einlenkte, sich aufs neue bewähren. Dann wird auch mit einem Schlage alles weggeblasen sein, was an Meinungsverschieden- heiten innerhalb des deutschen Katholizismus und der deutschen Zentrurnspartei in den letzten Jahren aufge- tauchtjist, dann wird es für diejenigen Katholiken, welche dem konfessionellen Frieden in weitherzigem Zusammenarbeiten mit andersgläubigen Volksgenossen auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens am besten zu dienen glauben wie für diejenigen, welche in immer weitergehender Sonderung und engerer Abschließung das Heil erblicken, nur ein Wille und ein Ziel geben, einer Friedensstörung auf der ganzen Linie geschlossen zu begegnen.
Das Blatt schließt:
Wir wollen damit den Kutturkampf nicht an die Wand malen. Aber man kann auch nicht an den mancherlei Anzeichen, welche neuerdings zutage getreten sind, achtlos vorübergehen. In den nächsten Tagen wird man wohl klarer sehen.
Daß der Allgemeine Deutsche Lehrerver- e i n liberale Tendenzen in politischer wie in religiöser Beziehung »erfolgt, die insbesondere gegen die katholische Religion und gegen die Kirche ge richte t sind, ist bekannt. Der Charakter dieses Vereins wirb jur rechten Zeit toieber beleuchtet durch einen Beschluß der 83ertreter»erfammlung des ihm angeschlossenen Sächsischen Lehrervereins, bie kurz nach Neujahr in Dresben tagte, und sich im besonbecen mit bei Frage be» Religionsunterrichtes beschäftigte. Der Vorstanb hatte eine Resolution vorgelegt, bereu erster Teil lautet:
Wir etbliden nach wie vor in der konfessionslosen allgemeinen Bollsschule im Interesse der einheitlichen nationalen Erziehung unseres Volkes die Grundpfeiler eines zukünftigen Aufbaues unsere? gesamten Schulwesens.
Dieser Satz würbe einstimmig angenommen. Die „Deutsche Tageszeitung" bemerk bazu: „Die christliche Religion ist ohne Konfession unbenlbar. Ein konfessionsloser Religionsunterricht schwebt in ber Luft unb ist bet Willkür des Einzellehrers preisgegeben. Die KonfeffionSlosigkeit muß in ihren letzten Konsequenzen zur Religionslosigkeit führen. ReligionS-
veutsches Reich.
r Berlin, 10. Jan. 1910. Der Kaiser hörte am Montag Vorträge des Chefs des Zivil-Kabinetts v. Valentins. — Die chinesische Studien- Kommission besuchte die Krupp'schen Fabriken.
*♦ Ein Jahresbericht über die Kolonien in Gestalt einer Denkschrift ist dem Reichstage gestern zugegangen. Die Denkschrift behandelt wie in früheren Jahren die Entwickelung der Schutzgebiete in Afrika und Polynesien. Infolgedessen werden die Beratungen in der Budget- kommisston über den Kolonialetat sogleich beginnen können.
V Die Postkonferenz, die in diesen Tagen km Reichspostamt getagt hat, hat, wie jetzt amtlich gemeldet wird, folgende Beschlüsse gezeitigt: Für Postanweisungen wird ein Formular eingeführt, das, wie die Zahlkarten im Scheck- verkehr, rechts mit einem zweiten Abschnitt versehen ist, auf dem der Absender die Postquittung vorbereitet. Für gewöhnliche Pakete kann man später einen'Einlieferungsschein für 10 Pfg. erhalten, der ebenfalls vom Absender ausgefüllt wird. Voraussetzung dieser Neuerung ist eine Aenderung des Posttaxengesetzes. Auch der PostfiskuS kommt auf feine Rechnung! Postlagerkarten werden für 25 Pfg. auf einen Monat ohne den Namen des Inhabers ausgestellt. Die Geltung der Karten kann gegen eine neue Gebühr um dieselbe Zeit verlängert werden. Fraglich ist eine Aenderung im Nachnahmeverkehr, wie sie die Post wünscht, und die etwaige weitere Wiedereinführung des A n k u n f t s - stempel- in gewissen Grenzen, etwa auf dem Lande und bei kleineren Postanstalten.
* Prinz Adalbert, der am 14. Juli 1884 geborene dritte Sohn deS Kaiserpaares, ist von seinem Besuche am Hofe zu Stockholm in Potsdam wieder eingetroffen. Wie der „Voff. Ztg." gemeldet wird, wird von der schwedischen Presse das Zusammentreffen des Prinzen mit der Prinzessin Viktoria Patricia von Connaught am schwedischen KönigShofe als Zeichen einer nahe l -vorstehenden Verlobung angesehen. Die Prinzessin ift eine jstichte des Königs Eduard.
(♦) Die Vorstrafen der Angeklagten. Das preußische Justizministerium hat die Verfügung von neuem In Erinnerung gebracht, nach ber bie Vorstrafen von Angeklagten in ber öffentlichen Gerichtsverhandlung ber Regel nach nur insoweit mitgeteilt werben sollen, als sie für ben zur Verhandlung stehenden Straffall .Yon erheblicher Bedeutung fein können.
)( Die liberale „Einigung" macht Fortschritte. Am vorletzten Sonntage hat die Süddeutsche VoikSpartei, die schwäbischen „Demokraten", ihre Zustimmung zu dem Einigungsprogramm der drei linksliberaleu Gruppen ausgesprochen. An diesem Sonntag ist dann in Berlin die Freisinnige Vereinigung gefolgt. Man erklärte nach mehrstätünger Beratung das Einverständnis mit der Fusion, setzte aber einige Forderungen auf Umänderung des Einigungsprogrammes auf. Ueber das Wesen der kommenden linksliberalen Partei herrscht danach unter den sreundlichen Brüdern noch immer allerlei Meinungsverschiedenheit.
Der Zehn-Gebote-Hoffmanu als „Partei- Witzbold". Wir sind nicht gewiß, ob „Genösse" • Hoffmann mit dieser neuen Charakterisierung seiner werten Persönlichkeit ganz einverstanden sein wird. Jedenfalls aber wird er keinen Grund haben, uns ihretwegen Vorwürfe zu machen, denn eS ist der ! .Vorwärts' Nr. 7 vom 9. Januar, wo Genoffe Soffmann mit preisenden Worten als „unser artei-Witzbold" gerühmt wird.
* Eisenach, 10. Jan. 1910. Bei der Reichstagsersatzwahl in Eisenach-Dermbach wird der Bund der Landwirte den Kandidaten der Wittschaftlichen Vereinigung Hädrich unterstützen.
' * Mülheim Rh., 10. Jan. 1910. In Mühl- hausen-Wipperfürth stelltet, die Christlich-sozialen und der Bund der Landwirte bekanntlich einen eigenen Kandidaten in der Person des Pastors Hoemann auf. Darin wittert man die „Gefahr", daß die Sozialdemokraten die Nationalliberalm überflügeln und mit dem Zentrum in Stichwahl kommen. Pastor Hoemann scheint mit dem Hinweis auf diese „Gefahr" gehörig bearbeitet wor- ben zu sein, denn er erklärt jetzt, man habe ihn wider seinen Willen ausgestellt, und er werde nicht a'S Kandidat auftrelen.
**Zu dem Konflikt in Elsaß-Lothringen.
DaS Antwortschreiben derRegierung sst gestern den Bischöfen von Straßburg und Metz zugegaugen. Ueber den Inhalt bewahrt die Regierung Stillfchweigen, doch heißt es, im ersten Teile des Briefes bedaure bet Statthalter bie zu frühzeitige Veröffentlichung bes ersten Schreibens ber Regierung.
Mar: schreibt uns aus Straßburg: Man ist allge- Mein ber Meinung, ber Staatssekretär habe sich zu feiner unbegreiflichen Maßregel verleiten laffm, weil mm seine Umgebung mit ber Möglichkeit droht-, baß «m anderes Verhalten als ein „Schlag gegen das .Deutschtum" auSgelegt werden könnte. Die Liberalen, deren Mache der Anschluß an den Lehrervereiu ist, haben nämlich diesen als einen hervorragenden gerniani- satorischen Akt empfohlen. ES ist dabei verschwiegen
losigkett aber würde bie schweffte Schäbigung ber nationalen Erziehung unseres Volkes sein.
** Neue Maßregelungen in Kattowitz.
Die Kattowitzer Behörden schaffen für die Beamtenmaßregelungs-isnterpellattonen des Zentrums und der Polen im Landtag immer neues Material zur Kritik. Auch private Arbeitgeber schließen sich jetzt dem Vorgehen der Regierung an. Seitens der Hohenlohewerke war dem Markscheiderassistenten Wenzel wegen seiner Abstimmung bei ben Kattowitzer Stadtverordneten- wablen gekündigt worden. Dasselbe Los soll noch drei Betriebsbeamte der Hohenlohewerke treffen. Diese Beamten, die sechswöchentliche Kündigung haben, müssen am 1. April ihre Stellung verlassen.
Die „Germ." schreibt: Der Regierungspräsident von Oppeln, Herr v. Schwerin, sandle uns vor e nigen Tagen die Berichtigung, daß die ihm zugeschriebene Aeußerung „Sie mußten den Kreisschulinspektor fragen, wie Sie wählen sollen", weder den Tatsachen entspreche, noch auch dem Sinn nach' gefallen sei. Auch dem Sinne nach nicht? Die Berichtigung des Herrn Regierungspräsidenten war sehr weitgehend und kam schließlich darauf hinaus, daß die ihm in den Mund gelegte Aeußerung vollständig aus den Fingern gesogen sei. DaS ist aber keineswegs der Fall, denn dem Sinne nach hat sich der Herr Regierungspräsident genau so geäußert, wie ihm di?s zugeschrieben wurde, nur mit etwas anderen Worten. Wie uns nämlich von unserem Gewährsmann mitgeteilt wurde, hat der Herr Regierungspräsident etwa gesagt: „Wenn Sie nicht wissen, wen Sie wählen sollen, dann gehen Sie zu Ihrem Schulinspektor, und wenn der vernünftig ist, dann wird er eS Ihnen sagen ", oder nach einer anderen ähnlich lautenden Version: „Wenn Sie sich über die Sachlage nicht klar waren, konnten Sie Ihren Kreisschulinspektor befragen, und wenn er vernünftig wäre, dann hätte er Ihnen gesagt, was Sie tun sollen." Der „Oberschlesische Kurier" stellt in seiner vir. 6 vom 9. Januar den Sachverhalt folgendermaßen dar:
In jener berühmten Audienz der gemaßregelten Lehrer bei dem Herrn Regierungspräsidenten zu Oppeln stellten die Lehrer jede Schuld in Abrede. Die vor der Hauptivahl, die nicht den gewünschten liberal-nationalen Erfolg brachte, so keusch zurückhaltende Regierung hatte mit keinem Ton geäußert, daß sie e? für die moralische Pflicht der katholischen Lehrer erachte, anstelle der San» diäten der polniich sprechenden Katholiken atheistische Deutfche zu wählen, die noch tapferer waren als Bismarck, der doch wenigstens Gott sürchtete. Was also, fragte Herr Lehrer (Hplla den Regierungspräsidenten mtt Recht, was sollten wir tun ?
Und der Herr Regierungspräsident antwortete ungefähr mit folgenden Worten, die jedenfalls den Sinn seiner Rede vollkommen enthalten:
„Da mußten Sie den Kreisschulinspektor fragen, und wenn er ein vernünftiger Mann gewesen wäre, dann hätte er Ihnen schon gesagt, was Sie zu tun hatten."
Wenn also die betreffende Aeußerung des Herrn Regierungßpräsidenlen von Oppeln in ihren einzelnen Worten verschieden wiedergegeben wird, so stimmen alle Versionen doch dem Sinne nach genau überein mit dem, was ihm als seine tatsächliche Aeußerung den gemaßregelten Lehrern gegenüber zugeschrieben worden ist. Die Lehrer konnten daraus auch gar nichts anderes entnehmen, als daß sie sich zuvor bei dem Kreisschulinspektor hätten erkundigen müssen, wen sie hätten wählen sollen, wenn sie sich nicht der Gefahr einer Maßregelung hätten ausfehen wollen. Deshalb ist es schließlich auch richtig, daß als „letzte Ursache" der Maßregelung gesagt werden kann: „Sie maßten den Kreisschulinspektor fragen, wen Sie wählen sollten."
Ausland.
** ®ne Kaistrreise nach Paris? Gott, wie oft hat man nicht schon über bie Möglichkeit einer solchen Reise gesprochen, wieviel Worte finb barüber gefallen, wieviel Tinte ist verschrieben ivorben, ohne daß bis heute ber beutsche Kaiser ben Fuß auf französischen Boden gesetzt hatte. Neuerdings hat ber „Gil Blas" einen brutschen Diplomaten während seiner Durchreise in Paris übe: die Aussichten einer Zusammenkunft Wilhelms II. mit dem Präsidenten Fallieres befragt. Und der deutsche Diplomat antwortete:
„Man kennt ben deutschen Kaiser schlecht, wen» man annimmt, er würde feine Einwilligung zu einer gewissermaßen verstohlenen Zusammenkunft mit Monsieur Falliöres geben. Persönlich empfinde der Kaiser für Herrn Falberes, der ihm den Eindruck eines „braven pommer'schen Bürgers" mache, hohe Sympathien. Wenn er aber eines Tages mit Herrn Falliöres zusammentreffen wolle, dann könne dies nur offiziell geschehen, im hellsten Lichte des Tages und ohne Zweideutigkeit, entweder in Berlin oder in Paris, eher in Paris, wenn man die Altersdifferenz der Beteiligten in betracht zieht, die dem Kaiser schon rein formell die Pflicht auserlegt, sich zu einer Zusammenkunft zu begeben, wenn sie beschlossen ist."
Gewiß, es wärt ein volitisches Ereignis erster Ordnung, wenn der Kaiser der französischen Hauptstadt einen offiziellen Besuch machte unb es könnte für bit Beziehungen ber beiden Länder, bie so vieles miteinanber gemein haben, nur von den allerbesten Wirkungen, sein. Aber, wie gesagt, vorläufig stnb wir noch sehr weit bavon entfernt unb eS wirb wohl noch sehr viel Wasser bie Seine hinunterlaufen, bis der Kaiser einmal nach Paris kommt. ES gibt eben hüben wie drüben Hetzer, deren unselige Tätigkeit stets bann
Stadtverordneten- Versammlung.
C Fulda, 11. Januar 1910.
An bet gestrigen Sitzung der Sladtverorb- netcn-Versammlung nahmen 27 Mitglieder be# Kollegiums unb Herr Schlachthofdirektor Dr. L e m« gen teil. Der Magiarat war durch die Herren Oberbürgermeister Dr. Antoni, Beigeordneter August Müller und Stadtrat Arnd vertreten. Den Vorsitz führte Herr Stadtverorbnetenvorfteher Gegenbaur, beim 2. Punkt bet Tagesordnung das älteste Mitglied des Kollegiums, Herr Esch» wege.