Einzelbild herunterladen
 

rrschrini täglich mit flusttabm« der äo.m- IkdZeiertage. vierter. Ehrlicher Se;»yspreir chne vringrrlohn und Sefters«ldinz«ldas<,. «eie auswärts 1.50 Alt.

verantw. «edaktenrr

Lari Schütte;

für die Anzeigen:

Z.parzeller tu Fulda.

Zuldaer W Zeitung

MchoMilaee: Illustrierte Somdagsjeitung" Monabbtiiage: „Fuldaer GeschichtsbMer"

Anzeigen: Vie et» fpattig« Petitzeileoder deren Raum 15 pfg. Reklamen dkepetttzeil« 25 Pfg., der wieder» Holungen wird entspr.

Rabatt gewährt. "

Lotationsdruckuud vertag der Fuldaer SV tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Rr. 9.

i

Fulda, Samstag den 8. Januar 1910.

37. Jahrgang.

Gastes WlcrtL.

- —------ —

E) Der Sozialdemokrat. Preutzentag Vt keinen sonderlich erhebenden Verlauf genommen. Jie Berichte stimmen darin überein, daß eS auf der /agung sehr langwei lig gewesen sei und daß pn irgend welcher Begeisterung und geistiger Anteil- ,ahme ziemlich wenig zu merken war.

j@ine eigentliche Diskussion entspann sich nur im Inschluß an das Referat über das Kommunalwahl- rtogramm, aber sie ging wenig tief, hakte sich an finzelheiten fest und lieferte den Beweis, daß die Versammlung für die Behandlung der Kommunal- ?ahlprogranmls einfach nicht reif war. Gleichwohl ourde der Entwurf mit unwesentlichen Aenderungen Angenommen — ein Antrag, die Sache auf den nach- ien Parteitag zu verschieben, wurde mit Recht abge- rhnt, weil ein anderes Resultat auch dann nicht zu rwarten wäre. Immerhin verdient es Anerkennung, saß die Sozialdemokratie sich so eifrig ndt den lom- -unalpolitischen Fragen beschäftigt, und es darf an- xren Parteien als gutes Beispiel vorgestellt werden.

Bon den drei großen Referaten, die der Parteitag vtgegennahm, war zweifellos das von dem Abg. pirsch erstattete über das Kommunalwahlprogramm Ws fachlichste und beste. Was der Abg. Dr. Lieb- in e ch t zur Frage der Verwaltungsreform in einem finsstündigen Bortrage vorbrachte, ist das Papier und sie Druckerschwärze nicht wert, die ein Teil der siresse an feine Wiedergabe verschwendete. Was er pgte, war nichts anderes als eine umfangreiche Zu- dmmeilstellung von Redensarten und Gehässigkeiten, sie längst nttS der sozialdemokrattschen Presse bekannt mb. Das gleiche gilt von dem Referat des Abg. p 113 6 e I über die Wahlrechtsreform.

Herr Ströbel hat wirklich keinen einzigen neuen Gedanken zu Tage gefördert. Er schimpfte über die reuliche Ungerechtigkeit des Drerklassenwahlshstems, X schinipste über den abscheulichen „Volksbetrug", de« sie bürgerlichen Parteien, vor allem das Zentrum inb btt Freisinn, sich zuschulden kommen ließen, und jegnlndete bann eine ellenlange Resolution, die na* Lrlich von der Versammlung mit großem Beifall an­genommen wurde.

So sehen die „Taten" der Sozialdemokratie für )ie Erlangung des allgemeinen und gleichen Wahl­rechts in Preußen aus! Aber es soll ja noch mehr geschehen. Herr Ströbel erklärte, wie schon erwähnt, .Massenstreik und poliüsche Massende­monstrationen sind in der Resolution nicht aus­drücklich erwähnt, aber die Resolution ist so aufzufas­sen, daß wir entschlossen find, zu allen uns zu^ Ge­bote stehenden Mitteln zu greifen." Und er führte im weiteren aus: Es lasse sich nicht sagen, wann man 5 diesem schärferen Mittel greifen werde, aber man sei ernsthaft entschlossen, sie anzuwenden; wenn der Augenblick es fordere, werde man auf die Straße gehen.

Wir zweifeln nicht daran, daß die Sozialdemo­kratie gegebenenfalls vor neuen Straßen- demonstrationen nicht zurückschrecken wird. Der Sache dient sie damit freilich ganz und gar nicht. Der Mderflcmd der Krone, deS Herrenhauses und der Rechtsparteien gegen eine gründlichere Form deS Wahlrechts kmm auf keine Weise besser bestärkt werden als durch Revolutionsspielereien der Sozialdemokra­ten. Das wissen die roten Führer ganz gut; erfah­rungsgemäß und eingestandenermaßen kommte es ihnen ja aber nicht so sehr darauf an, für das Volk bessere Zustände zu schaffen, als vielmehr auf die Hetze, auf die Aufwiegelung der Massen gegen die estehende Staats- und Gesellschaftsordnung, und die 'chürung der Unzufriedenheit gedeiht natürlich am besten, wo die Mißstänbe in schroffster Form vorwal- ten und bestehen bleiben. Der sozialdemokratische Parteitag hat alle die enttäuschen müssen, welche von der Sozialdemokratie eine sachliche Mitwirkung zur Verbesserung des preußischen Wahlrechts ermisst ha- ben. Die wird sie nicht nur nickt unterstützen, son­dern durch die notwendigen FolgewirLngen der Art und Weise ihrer Agitation hindern.

Aus den Ausführungen des Abg. Ströbel möch­ten wir noch kurz aus zwei Punkte Hinweise». Er sagte:

„Man muß mit allen Illusionen gründlich auf» räume» und feststellen, daß auf rem parlamentarischem Wege nicht nur au keine Üebertragung des Reichstags- Wahlrechts auf Preußen zu denken, sonder» noch nicht einmal ans eine Reform zu hoffe» ist, die diesen Namen auch nur von ferne verdienen könnte."

Dieses Wort wollen wir uns merken als Antwort auf die Vorwürfe, daß das Zentrum mit feinen Forderungen betreffs der Wahlrechtsreform keinen Er­folg habe. Die Sozialdemokraten werden uns dann allerdings entgegenhalten, wir sollten gleich timen auf außerparlamentarischem Wege aus die Reform hin­wirken, also etwa aus dem Wege von Straßendemon­strationen ufre. Wir lehnen diese Art der Betätigung als unzulässig ab und umsomehr, weil wir davon kei­nen Erfolg erwarten können. Herr Ströbel erklärte weiter: „Jede Tellresorm würde nur eine Funda­mentierung, eine Verankerung des Wahlunrecht» sein, unter dem die Arbeiterklasse leibet." Unb wollte dem­gemäß von irgendwelcher Teilresorm nicht» wissen. 'Herr Ströbel jedenfalls wird also uns keinen Vor­wurf daraus machen, wenn wir — wie eS nicht un- 'wichrscheinlich ist — in die Lage kommen sollten, die Reformvorlage her preußischen Regierung abzu- lehnen und damit notgedrungen dem gegenwär­tigen Wahlsystem daS Leben zu erhalten.

Deutscher Reich.

e ** Berlin, 7. Jan. 1910. Der Kaiser be­suchte am Freitag daS Grab der Kaiserin Aw­gust« in Charlottenburg.

L. X Die angelfinblgte Reichspostkonfetenz tagt äugen- buallch nn Reichspostamt. Sie setzt sich außer de» Vertretern der zuständigen Behörden und au» Delegierten des deutschen HandelstageS, der Hand­werks» und Gewerbekammer zusammen. Bet der

Münch. Ztg/ befestigt werden. DaS sei das Resultat der letzten Sitzung der Landes • Schuft kommisfion. Es solle» die Grundsätze für die Schulaussichts • Frage geändert werden im Ein­klang mit den Beschlüssen des Vereins der grifft lichen Schulinspektoren. Endgültige Beschlüsse wür­den allerdings erst nach der vom Münchener Erze bischos nach München einberufenen Konferenz der bayerischen Ordinariate gefaßt.

* Zu dem Konflikt in Elsass-Lothringen.

Aus Anlaß des Konfliktes zwischen der elsässischen Regierung und den Bischöfen von Straßburg und Metz hat der Bruder des Staats­sekretärs, Frhr.Zorn». Bulach, der bekanntlich Weihbischos von Straßburg ist, nebst den General- vikaren und den Mitgliedern deS Domkapitels, dem Bischof Dr. Fritzen eine Zustimmungs­adresse überreicht, in der sie

dem Bischof ihren tiefgefühlten Dank ausspreche» für die ebenso maßvolle als enlschiebene Weise, in der er gegenüber dem Staatssekretär bte Rechte bei Kirche gewahrt habe, die dem Hirten- und Lehramt des Bischofs zukämen. Die Unterzeichner der Adresse erachten es für eine Ehrenpflicht, dem Bischof zu »er», sichern, daß sie seine Ansichten voll und ganz teilen und daß sie ihm m unwandelbarer Liebe unb Treue ergeben seien.

Auch verschiedene Gruppen von Geistlich« sind ebenfalls mit Erklärungen in die Oeffenllich» feit getreten.

Von einer Seite hat die Regierung mit ihr« unerhörten Einmischung in die kirchliche Rechts­sphäre sich Dank gesichert, von der liberalen Presse f sie streut dem Staatssekretär mächtig Weihrauch,' Man kaim daraus ermessen, wie sie und ihreHmtev- männer sich freuen würden, wem» eS „los- ginge,1 Daß es der Regierung tatsächlich um einen Konflikt zu tu» fei, möchten wir einstweilen noch bezweifeln.1 Ein Berlmer Blatt stellt bte Vermutung auf, daß der reich-ländifche Staatssekretär fich vorher in Einvernehmen mit der Berliner Zentral-1 stelle gesetzt habe und dann demgemäß sein, Vorgehen als ein bedeutsames Symptom für den, neuesten Kurs unter Bethmaun-Hollwea zu betrachten sei. Wir wollen ruhig die weiter» Entwicklungabwarteu; überaus einen Gesichts» vunkt müssen wir doch sofort aufmerksam machen. Das Schreiben des Staatssekretärs trägt auf* fallende Anzeichen der Uebereilung und des UebereiferS an sich. Wenn eS erst zur Be- gutachtung nach Berlin gewandert wäre, so würde' es wohl etwas geschickter abgefaßt worden fein.

Die Sache spitzt fich schließlich auf die Frag» zu, ob die Hirtenpflicht und das Hirtenrecht d« Bischöfe sich auch auf daS Privatleben von b«- amteten Katholiken erstrecken, oder ob alle Seel­sorge Über Amtspersonen auf di» gütige 53er»' mittiung des Staatssekretärs angewiesen ist. Eine d«artige Wüte des StaatSkirchentums hak nicht einmal der Kulturkampf der siebziger Jahr» gezeitigt und darum glauben wir nicht, daß man m Beilin diese „Heldentat" vorher geprüft und gebilligt habe.

Landwirtschaft scheinen danach keine postalische» Interessen vermutet zu werden. Bet dem I. Punkt der ZageSorbtmng erörterte Staatssekretär Kraetke die Gründe, btt gegen die Wiedereinführung des Ankunftsstempels bei gewöhnlichen Briefsen- dunaen sprechen.

* Den NrrterstützungSfonds für Witwen und Waisen von Volks schullehrern wünschte daS preußische Abgeordnetenhaus in einer im vorigen Winter gefaßten Resolution erhöht zu sehen. Diesem Wunsche soll, wie gemeldet wird, im neuen ($tat entsprochen werden. Der Fonds wird um 72000 Mark aus 900 000 Mark ver­stärkt wecken.

X »Bar«, V Sch««" ist das Ziel der all­deutschen Angriffe. Der deutsche Staatssekretär des Aeußeren hat das Verbrechen begangen. Besuch», kart«« mit französischer Aufschrift zu gebrauchen. Nun ist daS Französische Diplomat rusprache und im internationalen Verkehr zu gebrauchen, auch hat eS Karten mit der Aufschrift „Prince de Bismarck" und „Prince de Bülow" gegeben — macht nichts; Freiherr v. Echoe« muß daran glauben. Denn er hat den Botschafter in Amerika, Grasen Bernstorfs, nicht in die Wüste geschickt, als er die alldeutsche Gesellschaft als Vaterlandsschäbiger kennzeichnete. Er hat auch i» Marokko ren alldeutschen Wünschen nicht entsprochen. Darum hinweg mit ihm I Selbst ein deutscher Querulant i» Venezuela namens Haß muß als Sturmbock gegen das Auswärtige Amt diene«. Es ist nur gut, daß die Grüße des all­deutschen Mundwerks weit die Bedeutung dieser USebernationalifte« übertrifft. Sie mögen sich aus- bellen!

* Die chinesische Marine-Studienkommiisiou traf am Freitag in Hamburg ein und besichtigte die Werst von Blohm u. Voß und die neue Vulkan­werst. Vor» Hamburg ging e8 weiter nach Kiel.

X Heber die Gesundhcitsschndlichkeit des EosisS für Schweine werden bekanntlich im Kaiserlichen Gesundheitsamt zurzeit Nntersuchun- gen angestevt. Während die Fütterung fich selbstverständlich auf einen längeren Zeitraum erstrecken muß, läßt fich, wie offiziös er Härt wird, aus der Verabreichung sehr großer Mengen Eosins schon setzt mitteilen, daß es nicht gelun­gen ist, srtbp mit einer an einem unä demselben Tag« von dem Schweine ausgenommenen Menge von 300 Gramm Eofin, also mit weit mehr al» dem Tausendfachen dessen, was einem Schweine bei normaler FSkterung mit gefärbter Gerste zn- geführt wick, Krankheit ober gar eine tödliche Wirkung zu erzielen.

♦ Handwerker und Staatskieferungen. Der Staatssekretär Krätke will nunmehr auch die Vergebung von Postaufträgen an vereinigte Hand­wecker versuchen. Er hat an die Oberpost, birettionen einen Erlaß gerichtet, worin ei heißt:

„Besonders hab« ich mit Befriedigung davon Kennt­nis genommen, daß einzeln« Oberpostdrreltionen den Zusammenschluß geeigneter Handwerker für einzeln« Fülle veranlaßt Haven. Die Anwendung diese» Ver­fahrens empfiehlt sich namentlich für diejenigen Direktionen, denen es bisher nicht gelungen ist, Liefe- rungen unb Leistungen an bereits bestehende Bereini­gungen za übertragen.'

Herr Krätke erwartet, daß die Oberpost, birettionen auch weiter bemüht sein werben, bi» Bestrebungen zur Erhaltung unb Förderung eines leistungsfähigen Handwerkerstandes nicht nur selbst in jeder Weise zu unterstützen, sondern auch die Nachgeordneten Stell« und Banbeamten hierzu anzuhakten.

** Der fress. RelchsiagSassg. Dr. Potthoff hat fein Amt als Syndikus des Deutschen We rkmeister- »trbanbt» nicht so freiwillig niebergelegt, wie es »ach der erste» Meldung scheinen durste; er konnte vielmehr nicht anders, er mußte sein Amt nieder- legen, nachdem der Auffichisrat de» Verband«» einen Antrag auf Entlassung des Syndikus einstimmig au« genommen unb bet Zentralvorstond sich diesem Vo­tum mit Mebrhrrt an geschloffen. Tie scharfe poliüsche Stellungnahme Dr. Potthoff» in manchen Frage», die ihn anscheinend mitunter ganz seine Stellung aU Syndikus einet streng neutralen Korporation verges­sen ließ, hat eine große Summe Entrüstung ange= häuft. Sein« politisch« Parteizugchörigkett verdenkt ihm niemand, aber man kann Feingesühl und Takt vertan gen, unb diese mußten ihm manche» Auftreten verbieten. Herr Dr. Potthoff hat diese Eigenschaften vermiffen lasse«. In der letzte» Zeit machte er sich in Düsseldorf unliebsam bemerkbar dadurch, daß er gegen die Krankenpflege der Barmherzig« Schwestern mb Diakonissen in de» städtischen An­stalten mobil machte. Doch der Kandidat der ver­einigten liberale« Parteien Düsseldorf für die kom­mende ReichStagswvhl wird er wohkbleiben. Als solcher ist er, laut „DSffeld. Tagebk.", nämlich auSersehen, weil die Rationakliberalen nicht mehr viel zu sagen haben in der DSsseldorfir liberalen Sefamtpartei. Sie geben nur noch da» Aushängeschild ab. Der Firmeninhaber ist ein anderer. Man hofft, mtf diese Weife besonder» di« Privatbeamte» zu ködern, für beten Interessen Potthoff eine Lanze brach. Dach et ist nicht der Hauptträger de» Gedankens bet fatalen Fürsorge für die Privatangestellte». Da» ist der ZentrnmSabg. Sittart, der beim Zentrum auf da» größte VerstänbniS für seine Bestrebungen stoßt.

** Th«rir mrd Praxi». Wie die Monatschrist für die Angeiegenheilen der Handlungsgehiife« Südwestdeutschlands: „Handlungsgehilfen - Wort" mitteilt, pflegt der lintiltberale Stadtverordneten- Vorsteher Wilhelm Fulda in Mannheim, der auf Parteitagen mit großer Entschiedenheit und Wärme füreinunbedingt freies KoalitionSrecht eintritt, in die Kontrakte, die er s e Id ft mit seinen Angestellten ab­schließt, di» Bedingung aufzunehmen, daß bi» An­stellung erst bann als vollzogen gelten solle, wenn von den Angestellten der Rachweck erbracht worden

seh daß fie aus dem deutschnationale» Handlungs- gchilfen-Vereme ausgetreten sind. Dieser Zwie- ftrall zwischen Theorie und Praxis ist sür die Herren von der potizeilichen Art Fuldas charakte­ristisch.

X Eine deutsch-füdwestafrikamfche Statistik. Am 1. Januar 1909 gab eS m Südwestasrika 1320 weiße Ehepaare. Gegenwärtig sind 2831 weibliche weiße Personen in Deutsch-Sübwest- aftrka, darunter 1826 erwachsene. Auf drei männliche Personen entfällt heute eine weibliche. Me Zahl der weiblichen Weißen dort ist in den letzten Jahren sehr erheblich gestiegen.

* Weimar, 7. Jan. 1910. Zum weimarischen Landtagsabgeordnet en hat die Handelskam­mer sür daS G.oßherzogtum den Verlagsbuch- Händler Fischer in Jena (nationalliberal) gewählt, bet bei den allgemeinen Wahlen unterlegen war.

= Wiedenbrück, 6. Jan. 1909. Bei Gelegenheit des Zentrumsparteitages für den Regie­rungsbezirk Minden sand hier eine öffentliche Versammlung statt, in der nach einem Vortrage des Abg. Well stein über die politische Lage Chef­redakteur Hankamer-Essen über die Schul­frage sprach. Ter Redner schilverte die fegens« volle» Wirkungen der konfessionellen Schule und betonte,

daß es sich heute nicht darum handle, die Schul­aufsicht fachmännisch zu gestatten, das sei ein Vor­wand. Die Bürgermeister, Förster unb sonstige Sud- alternbeamte, die zur Zeit des Kulturkamvfes die Schulaussicht auSübten, verfügten ganz gewiß über keine Fachkenntniffe — was erstrebt wurde, war die Durchführung der Staatsomnipotenz auf dem Schul- gebiete. Daraus waren auch die fonstigen „heilsamen" Reformen des Kultusministers Dr. Fatk zuaeschnitten, die sich namentlich in der Verfügung äußerten, der jchulplanmäßige Religionsunterricht werde im Auftrage und unter Aufsicht des Staates erteilt. Die Falt'sche Schulpolitik hat gründlich bankerott gemacht. Die Geistlichkeit erhielt wieder Zutritt zum Schullokale und auch die Ortsschulaussicht wurde ihr allenthalben wieder übertragen. Immer und immer wieder war es der Abg. Dr. Winoihoist, der auf die Bedeutung des relgiäfen Einflusses auf die Schule hinwies. Was ex wollte, kulminierte in der Forderung: „Ich will die Schule so wieder erkämpfen, wie sie in den allen und neue» Provinzen geordnet war, bU zu dem Schulauf­sichtsgesetz. Den Zustand vor dem Schulaussichlsgefetz will «h wieder erkämpfen, weiter gehe ich nicht. . . . Wir verlangen gar nichts anderes, als die Wiederher- stellusg des Zustandes, in d-m wir uns unter der glor­reichen Regierung Friedrich Wilhelms IV. befunden Haden. Ein preußischer König wird doch nicht staats» gc jährlich handeln! Geben Sie unS, waS damals be­stand, als dieser hohe Herr regiert hat, unb wir find vollständig befriedigt."

Im Anschluss« data« wurde eine Resolution angenommen, in der es heißt:

Die am heutigen Tage in Wiedenbrück zahlreich versammelten Zentrumswäbler protestieren gegen bte bisherigen Verfügungen der König!. Bezirksregierungeu, wonach die geiftlidje Ortsschulaufsicht an Orte», wo Rektoren find, in Fortfall kommt. Sie erkennen m der Beseitigung bet geistlichen Ortsschulauffkcht einen ver­hängnisvolle» Schritt auf der Bahn jener Bestrebungen, deren Ziel die religionslose Schule ist. Sie erblicken darin eine schwere Beeinträchtigung der Rechte der Eltern und der Kirche auf Uekerwachung der gesamten religiös-sittlichen Erzichung der Jugend und damit zu­gleich eine große Gefahr für Thron unb Altar.

Die Versammlung spricht den katholffche« Lehrern und Lehrerinnen ihr Vertrauen au» und hofft, daß fie wie bisher die Jugend im Geiste der rarholifchen Kirch« unterrichte» unb erziehen. Um jedoch die organisch« Berbindmlg der Schule mit der Kirche, welche mehr al» 1000 Jahre bestanden hat, anfrechtzuerhalten, for­dert die Versammlung die geistliche OrlSfchulausficht zurück.

Der Vorsitzende, Abg. Herold, richtete dann noch einige packende Worte an die erschienenen Ze«- trumswähler unb schloß die Versammlung mit einem Hoch auf das Zentrum.

«f Darmstadt, 6. Ian. 1910. In bei heutigen Sitzung des Finanzausschusses der Zweiten Kammer kam e» zu einer grundsätzlichen. Einigung mit bet Regierung übet die zur Gesunbung der hessische» Finanzen vom Ausschüsse vorgeschlagenen Maß­nahmen. Danach sollen nut bte alljährlichen lieber» schüsse aus den Eisenbahnen zur Schuldentilgung ver­wendet werden, soweit die Amortisation bet werbende» Staatsschulden mit % Prozent unb bte übri­gen mit 1 Prozent erfordert. Neue An­lechen sollm in gleicher Weise amortisiert werden. Der Ausschuß schlägt eine Abändernng de» hessische» Einkommensteuergesetze» dahin vor, baß die Einkommen unter 900 Mk., bi« in Preußen über- hatcht steuerfrei, in Hesse« aber steuerpflichtig flnb, von der geplanten neuen Steuererhohung bewahrt bleiben sollen. Ferner soll die Besteuerung der Ak- dengesellschafte» wie in Preußen eingefsthrt und an» der preußische» Gesetzgebung auch bet sog. Kinder- paiagradh übernommen werde», nach welchem kinder­reiche Fsmilien eine gewisse steuerliche Entlastung er- fahren. Der Rest deS staatlichen Ausgleicksfauds, der nunmehr aufgehoben wird, soll in bieStaatÄaffe fließen und ben Beamten für das Etatsjahr 1910 eine kleine Teuerung »zu läge zuteil wecken. Im nächsten Jasste wirb alsdann zu einer dauernden Regelung der Veamienbr soldungsordnung geschritten werden. MS zum Jahr« 1911 erwartet bet Finanzausschuß de- stumnt Resannvotschläge der Regierung hinsichtlich einer imtchgreftenden Reform der Staatsverwaltung zum Zweck bei Vereinfachung und Beckillizung der­selbe».

X Stuttgart, 7. Jcm. 1910, Die württem- bergische Landesversammlung berSüddeutschen BolkSpartei, der „Demokraten", hat hier am DonnerSlaq unter der Leitung ihres Häuptlings Dr. von Payer, getagt unb beschlossen, sich für bte Einigung des LinksiiberalismnS auszuiprechen. Man sprach auch seine Zustimmung zu dem Pro- grammentwurf, den die Berlmer EinigungS- kommisston geschaffen bat, aus.

d! München, 7.Jan. 1910. Di« geistliche Schulaufsicht soll nach einer Meldung der

Amlasd.

* Die Beschlagnahme russischer Staatsgelder in Berkrn in Sache« de- HeÜsew-PrvzeffeS hat bte Regierung in Petersburg veranlaßt, bett Professor der Staats- und Völkerrechts Dr. Hat­scheck in Göttingen zur Ausarbeitung einet GutakPenS aufzufordern.

* Eine Kaiser-Wilhelm-Straße in Wie« ist geschaffen wocken. Die Bezirksvertretung deS Wiener Stadtbezirks beschloß einstimmig und unter lebhaftem Beifall, als Ausdruck der herz­lichen Beziehungen zwischen der Monarchie und dem Deutschen Reiche bes Alleegasse, durch bW dar dewsche Kaiserpaar am 14. Mai 1909 seine» feierlichen Einzug vom Südbahnhof in bte Hof­burg hielt, den Ramen ^Kaiser-Wilhelm-Straße* beizulegen.

r Die Neußilbung deS ungarischen Mini- steriums ist bem Mimsterpräsidenten LukacS nach heißem Bemühen geglückt; er hat bi» Hälft» der zehn Ministerpostrn, die z» besetzen waren, glücklich an ben Mann gebracht. Damit gibt et sich vottSnfig zufriede«. Die Pmteie« machen nicht mit, und Herr v. LukacS war daher ge­nötigt, höhere Beamte und persönliche Freunde einznladett, die Sorgen der Regierung mit ihm zu teilen. DaS neue Ministerium, daS als außer» parlamenkarifcheS GeschäflS-MmPerium gilt und wahrscheinlich zunächst die Kammer auflösen wird, soll am Sonntag vom Kaiser bestätigt werden.

*♦ Die Saat der ftwizöjischeU Äirtfiewfeinbe und ihr« reliGionsftindlichen Stilen geht herrlich auf. Dafür zeugt folgende Meldung: I» bet großen H» fenstadt MarsrÄe wncke am DonsrrStag der Abb» Maffabo, ÄS « daS vo» ihm geleitete Erziehmlgsii». ftitut »«Meß, vo» eä*r Band« t»ng« Burschen am gefaät«, die ihn zwang, fax de» P««fion2garie» gl flüchte». Zwei Singreif« kletterte» auf bie Garten- mau« unb feuerten mehrere Revolverfchüsse auf bett AbbS, b« sich hint» einem Baum« decke« konnte. Da» Snstaltsperssnal vertrieb schließlich bi« 88* logaet

S Zu einer Meuterei in der ttalienischett Marin» kam eS, wie erst jetzt bekannt wird, in ben WeihnachStagen. Truppen, Nnteroffiziere^ unb die Offiziere des in Bart liegenden TranS-