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Erstes Blatt

Fulda, Samstag den 30. Dezember 1911,

38. Jahrgang

wursten,

)ezember, sind also jetzt, Hirb, bereit» abgeschlossen.

wo dieser Erlaß bekannt

trtoditi täglich mit Ausnahme der So.m« xnd Leiertage, viertel, jährlicher vezugepreir ohne vriuarrlohn und veftelgelo in Lnlda so­wie anrwärtrl.S0Mt.

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Holungen wird entfpt. vabatt gewährt.

Notationrdrnckund verleg der Fuldaer Ak- tleudruckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.

298.

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DerhetzungSpolitik der Sozialdemokratie, die durch Flugblätter, Kalender sowie durch gewisse Personen selbst in hiesiger Gegend betrieben wird, Aufschluß gegeben werden.

.S * Frankfurt a. M., 29. Dezember 1911. Zwei Imposante Versammlungen des Frankfurter lentrumswahlvereins wurden gestern in wrnhrim und im Westen unserer Stadt abgehalten. :§ sprachen die Reichstagskandidaten Lehrer Schwarz nd Redakteur Geis, ferner Universitätsprof. Dr. st. Spahn. In den Versammlungen herrschte eine roße Begeisterung, die dafür bürgt, daß das Frank» »rter Zentrum am Wahltage mit Ehre bestehen *itb. — Auch in Höch st a. M. fand eine imposante ientmmsversammlung statt, in der Prof. Dr. ipahn redete.

3-Parlier in Fulda. Wochenheims-: „illustrierte §«imtagrzeiülng"

* Der Präsident der Republik China

Nanking, 29. Dez. 1911. (Meldung des „Reuter, scheu Bureaus".) Dr. Sunhatsen wurde von der Nationalversammlung einstimmig zum Präsidenten der Republik China ernannt. (Dr. Sunhatsen, der geistige Leiter der chinesischen Revolution, befand sich beim Ausbruch der Unruhen in Amerika. Er reiste sofort ab und begab ich über London und Paris nach Ostasien. Vor eini­gen Tagen ist er in Schanghai eingetroffen.)

Das ist die entscheidende Tat, mit der die Revolu­tionäre den schwächlichen Schritt des Thrones, der die Einberufung einer neuen Friedenskonferenz beschloß, beantworten. Die Ernennung Dr. Sunyatsens MM Prä­senten der Republik China geht von den Provinzen >es Südens aus. In der Hauptstadt Peking und in den übrigen Landesteilen scheint man sich aber dem Beschluß des Südens anschließen zu wollen. Sunhat- en hat den Friedenskongreß in Schanghai von vorn­herein nicht ernst genommen und von allen Unter­handlungen mit dem Hofe abgeraten. Andererseits steht er mit der Nationalversammlung in Nanking in engster Verbindung, und wenn diese ihn zum Präsi­denten der neuen Republik ausgerufen hat, so geschah dies, nachdem eben weitere 6000 kantonesische Truppen mit Mitteln, die Sunhatsen beschafft hat, ausgerüstet, in der alten Kaiserstadt am Jangtse angelangt waren.

Der kaiserlichen Familie in Peking wurde die Er­nennung Dr. Sunhatsens zum Präsidenten der Re­publik China mitgeteilt und ihr erklärt, daß ihr eine kurze Frist zur Ordnung ihrer finanziellen An­gelegenheiten eingeräumt werde. Die kaiserliche Fa-

Der ttefa schwende Betrachter 'steht in diesem Wahlseldzuge wett mehr als ein Ringen um Mandate und ein Streiten um Fiuanzreform, Erbschaftssteuer und wie dte Objekte des Tages sonst heißen mögen; er erkennt ta der Wahlkampagne vielmehr deutlich dte äußere Erscheinungsform de« Kulturkampfs, der den einstigen Kulturkampfs an Bedeutung weit hinter sich läßt!

So ist e«! Don liberaler und sozialdemokra­tischer Seite wird ja auch häufig genug und den - lich genug bet Kulturkampf gegen die .rückständigen" christlichen Elemente gepredigt. Die Verneiner deS Christentums dürfen ungestört ihre Leute auf­fordern, bei der Wahl ihre freigeistige Welt- anschauung zu belätigen. Aber wenn wir sagen, der christliche Wähler müsse seine christliche Welt- anschauung betätigen, so handeln wir .staats- feindlich".

Freilich, wir sind feindlich und handeln feindlich, nämlich feindlich gegen den .aufgeklärten" Libera­lismus und gegen dte atheistische Sozialdemokratie. Aber nicht gegen den Staat, denn der Staat ist doch bisher noch nicht zu' einem Werkzeug der frei­geistigen Großblock-Parteien proklamiert worden. Wenn jene einen antichristlichen oder wenigstens nichtchristliche» Staat anstreben, so gestatten wir uns, für da« christliche Staatswesen einzutreten, und zu diesem Zwecke am 12. Januar Vertreter zu wählen, die mit uns auf dem Boden der christlichen Weltanschauung stehen.

Der heftige Widerspruch in den liberalen Blät­ter» überzeugt unS nur umso mehr von der Be­rechtigung und der Notwendigkeit der Mah­nung, daß der Wähler am Wahltage dieselbe liebet» zeugung vertreten muß, die er am Weihnachstage aufgefrischt und bekannt hat. Sollen die treuen und folgerichtig handelnden Christen als Staalsfeinde behandelt werden, nun, dann ist eS hö h sie Zeit, daß sie zum Widerstande gegen die Kuliurkämpfer sich fest zusammenschließen. Sich wehren, bringt zu Ehren!

warum er von diesem Entschluß in einer öffent­lichen Erklärung glaubt, aller Welt Kenntnis geben zu müssen. Uns scheint die Erklärung recht über­flüssig zu sein.

♦* Der Flottenverein an der Arbeit I Der,Köln. VolkSztg/ zufolge wird die Leitung des Flotten» vereinS sich in einer Eingabe an den Reichskanzler wenden. In ihr richtet der Flottenverein in ernster Besorgnis um die bedrohte Sicherheit unseres Volke« infolge der gegenwärtigen Mächtegruppierung an den Staatssekretär des Reichsmarineamtes die drin­gende Bitte, den Ausbau der Wehrmacht des Reiches zu Master zu beschleunigen und noch für daS Etatsjahr 1912 den gesetzgebenden Faktoren eine Vorlage auf Verstärkung unserer Flotte zugehen zu lasten.

O Gegen die Frauenklöster eröffnet der Evan­gelische Bund In Württemb erg einen Feld­zug. In einer von ihm herauSgxgebenen Denkschrift teilt er der Welt die schreckliche Tatsache mit, daß sich in den letzten 50 Jahren die Zahl der weiblichen OrfeenSangehörigen in Württemberg ungemein ver­mehrt habe. Die Denkschrift deS Evangelischen Bun« des richtet sich nicht nur gegen diejenigen Klöster, in denen Unterricht erteilt wird, sondem sie schenkt auch -er Zunahme der katholischen Krankenpflege» rinnen liebevolle Aufmerksamkeit. In gemischten Gegenden sei deren Zahl unverhältnismäßig groß. Wir wiffen nicht, ob das richtig ist, halten es aber sehr wohl für möglich, das wäre nur ein Beweis da­für, daß feie katholischen Krankenpflegerinnen auch' bei Protestanten sehr beliebt sind und in Anspmch ge­nommen werden. Das Amt der katholischen Ärmtlen» schwester ist wahrhaftig nicht leicht, und daß der Evangelische Bund gegen die Schwestern, die da« Werk christlicher Barmherzigkeit zu ihrem LebenS" beruf genommen haben, zu Felde zieht, charatteristert zur Genüge seinen fanatischen Haß, mit dem er alles Katholische verfolgt. Was geht eS den Evangelischen Bund an, wenn katholische Familien ihre Töchter in Klosterschulen erziehen lassen? In der Denkschrift wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß einmal die konfessionelle Schule durch die Simul­tanschule verdrängt wird. Dann habe die römische Kirche für ihre Privatschulen in 'den Klöstern tau­sende von Lehrerinnen, welche ihr außerdem wenig kosten, zur Verfügung, während die Evangelischen alle Not hätten, ausreichende Lehrkräfte zu gewin­nen und zu besolden Steht es im evangelischen La­ger wirklich so schlecht, so können auch wir Katholiken das nur bebauern. Wir haben gar kein Interesse dar­an, daß das gläubige Protestantentum abnimmt und 'die freie Richtung, feie mit dem Christentum noch we­nig gemein hat. verstärkt rotrb. Der Svangeltsche Bund würde besser daran tun, hier andere Zustände zu schaffen, statt sich um katholische Krankenpflegerin­nen und um Ordensschwestern, die katholischen Kin­dern Schulunterricht erteilt, zu kümmern. Er würde damit feer evangelischen Kirche sowohl wie feem kon- fessinellen Frieden einen großen Dienst leisten.

d* München, 29. Dez. 1911. In einem gegen den Rotblock gerichteten Aufruf des bayerischen

er» für ein nixnutziges Volk seien. Darum hat e< diesem Filser alle Schlechtigkeit angedichtet, der Filset ist ein ungehobelter, scheinheiliger, ab­gefeimter, ordinärer Kerl. Ein Charakter, vor dem man ausspucken muß. Und das soll ein Bild der bayerischen Bauern seinlll Seit eS bayerische Bauern gibt, ist chnen kein größerer Hohn angetan worden als von diesem liberalen Schreiber. Und diese schandvollen „Filserbriefe" werden in ganz Deutschland verkauft. Hunderttausende lesen sie und meinen: »Aha, so stehtS, so tote der Filser, so sind die bayerischen Bauern" . . . Und der nämliche Libera­lismus möchte jetzt haben, daß du ihn wählst! Hum Dank dafür, daß er dich als einen niederträchtigen Lacki, als einen Filser hinstelltl . . . Hat denn der Bauer keine Standesehre? O ja! Ihr Herren Li­beralen! Der bayerische Bauer ist kein »Filser". Der .Bauer" ist kein Spielzeug!" Merkt euch das, ihr

Ausland.

*♦ Sraf Ferdinand Zichy f. Einer der um den den Katholizismus in Ungarn meist verdienten Männer, Graf Ferdinand Zichy, ist in Budapest im Alter von 82 Jahren gestorben, Im Jahr« 1867 betrat er als Abgeordneter des Räczalmäser Bezirks die parlamentarische Arena, in der er nament­lich im Magnatenhause im Vordergründe stand, als er de» von Koloman Tisza eingebrachten Gesetz­entwurf über die Mischehen mit einer Majorität von 10 Stimmen zu Fall brachte. Sein politisches Wirken zurzeit der kirchenpolitischen Reformgesetze, die Gründung der Volkspartei mit dem Pro­gramm der Revision dieser Gesetze, seine Tätig­test int Interesse der Schaffung der politischen Gleichberechtigung der ungarischen Katholiken ge­hören zu den glänzendsten Blättern der Geschichte deS Katholizismus Ungarns, das an ihm einen der reinsten, charafterfestesten Patrioten verloren hat

*♦ Die französische Settatskommission setzt noch immer ihre Beratungen über den Marokko-Ver­trag fort. Es kommen dabei allerlei interessante Enthüllungen über Einzelheiten der Verhandlungen zwischen Deutschland unfe Frankreich an die Oeffentt lichkeit. Nachdem man sich, wie unsere Leser wissen, zunächst über die Expedstion nach Fez unterhalten Hane, wuuvren stcy ble weiteren Erörterungen fee» Verhandlungen zu, die zwischen dem Staatssekretär v. Kiderlen und dem französischen Botschafter Cam» bon in Kissingen stattzefunden haben. Mini­ster der Aeußem be Selbes verlas den Bericht fee» Botschafters Cambon über seine Kissinger Unterre­dung mit Herrn v. Kiderlen-Waechter am 21. Juni:

v. Kiderlen: »Sie sind nach Fez gegangen und werden eS wahrscheinlich nicht mehr verlassen. Deutsch­land will wohl auf Marokko verzichten, wenn Sie etwas für uns tun." — Cambon: -Aber was ver­langen Eie denn eigentlich?" — Kiderlen: „Ent­schädigungen." — Cambon: „Ja, aber wo?" -*> Kiderlen: „Ich weiß nicht, man muß suchen." -t' Cambon: „So suchen Sie doch selbst." — RlbetV len schloß nun: „Nun denn, da Eie doch bald nach Pari- gehen, so bringen Sie un- etwas von dort mit."

Da» erste Wort Wer dte Kompensationen t« Kongo soll von dem deutschen Botschafter in Pa­ris, Frhm. v. Schön, in einem Briefe an den dama­ligen Minister des Aeußern, Truppt, gesprochen wor­den sein. Interessant war auch feie Erklärung deS früheren frcmzöstschen Ministerpräsidenten Moni», der zurzeit deS Beginnes der Marokkoverhanfelungm noch im Amte war, daß er von den Kissinger Gesprä­chen» überhaupt feine Ahnung gehabt habe, weder daß sie stattgefunden hätten, noch roor* über gesprochen worfeen sei! Auch der Präsident bet Republik habe niemals von btefen Gesprächen ms» ■ wußt! Diese Aufklärung über die Ahnungslosigkeit des verantwortlichen Setter» bet französischen Politik rief in ber Senatskommission ungeheure Verblüffung unb Erregung hervor.

** Die Lage in Perfien. Da» russische fünfte Schützenregiment ist nach ISflünbtgtm Kampfe in die Stadt Täbris eingedrungen und hat die Ruhe wiederhergestellt. — Der brittsche Konsul, der nach dem Ueberfall vermißt unb deshalb totgesagt wurde, ist aufgefunden worden. Er ist nur verwundet.

Deutscher Reich.

** Berlin, 24. Dez. 1911. Das Kaiserpaar machte Frottag vormittag einen Besuch gut kcow- prinzlichen Palais. Später empfing ber Kaiser ben ncuernannten japanischen Botschafter. — Der Kronprinz wirb spätestens Silvester in Berlin erwartet. — Der Kronprinz von Sachsen wirb Mitte April nächsten Jahres eine Jnbienreise antreten. — Der König von Eng laufe wufe im nächsten Sommer, wahrscheinlich zu berselben Zeit wie ber deutsche Kaiser, eine Norblanb- reise unternehmen. — Das Reichsgesetzblatt ent­hält baS Versicherungsgesetz für Ange- st e l l t e, ba» Gesetz bett, ble Aufhebung betz Hilfs'- kaffengesetzeS, bas Hausarbeitsgesetz unb bas Gesetz bett. ble Harchelsbeziehungen zum briti­schen Reiche, alle vom 20. Dezember. — Das Agafeir- Schiff „Panther", bas in Danzig einer grünb­lichen Reparatur unterzogen worben ist, ist jetzt wie- ber in See gegangen, um sich wieberum nach ben westafttkantschen Gewässern zurückzubegeben. Befeh­ligt wirb baS Schiff jetzt von bem Korvettenkapi­tän Heine. Der bisherige „Panther"-Kommandant, Korvettrnkapitän Dehnlsch, ist ins Reichsmarineamt berufen worfeen.

** Graf Tchlih-Goerh -J-. Der beutsche Geschäfts­träger in Norwegen, Graf v. Schlitz, genannt von Goertz, ist gestern nachmittag in Christtania im Al­ter von 34 Jahren gestorben. Er war seit anbert- halb Jahren in Christtania, zuerst als Legationsse­kretär, später als Geschäftsträger. Erbgraf v. Goertz war in Christtania als tüchtiger unfe liebenswürdi­ger Diplomat bekannt und in der dmtschen Kolonie sehr geschätzt. Längere Zeit gtchtleidend, starb er an Herzschwäche. Verheiratet war Goertz mit einer Prinzessin von Thurn und Taxis; der Ehe sind zwei Kinder entsprossen.

+ Förderung deS Handwerks. In der vergangenen Woche fand in Berlin die erste Sitzung des von der Konferenz der preußischen Handwerkskammern im Oktober gewählten ständigen Ausschusses zur Behand­lung und Ueberwachung des behördlichen Sub- missionSwesens statt. Um einwandfreies Ma­terial für alle weiteren Verhandlungen zu beschaffen, beschloß der Ausschuß, an sämtliche preußischen Handwerkskammern mit der Bitte heranzutreten, die in ihrem Amtsbezirk bei AnSbietung und Vergebung handwerksmäßiger Arbeiten und Lieferungen beob­achteten tatsächlichen Mißstände spätestens bis zum 1. April 1912 mitzuteilen.

O Gilt bas Motu proprio ? So fragt das »Berliner Tageblatt' neuerdings wieder. Anlaß dazu gibt ihm eine öffentliche Erklärung, die der Chefredakteur deS Reißer Zentrumsblattes, Herr Steinhäuser in der.Reißer Ztg/ veröffentlicht:

„Ich erkläre hiermit, daß ich Veranlassung ge­nommen habe, den Hochwürdigsten Herrn Bischof Willi von Limburg um die Erlaubnis zu bitten, den Dr. theol. und phiL Carl Maria Kaufmann in Frankfurt, Diözese Limburg, wegen der in ber Anklageschrift gegen mich enthaltenen schweren Injurien gerichtlich zur Verant­wortung ziehen zu dürfen."

Das ,Brrl. Tagcbl.' will darin eine Bestätigung seiner Auffassung sehen, daß kein Katholik in Deutsch­land sich um die zwischen Herrn v. Mühlberg und Merry del Val gepflogenen Verhandlungen und noch weniger um die Behauptung des offiziösen Wolff-BüroS kümmern werde, baS Mota proprio habe für Deutschland keine Geltung. Wenn Herr Redakteur Steinhäuser, der von dem bekannten aus der Erzdiözese Köln auSgewiesenen katholischen Geist­lichen Dr. Carl Maria Kaufmann beleidigt roinbe, den Bischof der Diözese Limburg um die Erlaubnis bittet, Herrn Kaufmann gerichtlich zu belangen, so ist das seine Sache und geht das,Berl.Tagebl.', das sich toiebet einmal berufen fühlt, sich zur Hüterin der Rechtspflege deS Deutschen Reiches aufzuwerse«, nicht daS geringste an. Herr Stein« »äuser war durchaus nicht verpflichtet, vorher nm Erlaubnis einzukommen. Warum er sich doch dazu entschlossen hat, wisse» wir nicht, noch weniger.

Zentrums war davon die Rede, daß die bayerische Regierung „bereits im stillen den Kulturkampf auf dem Gebiet des OrdenSwesenS führt". Die ,Frankf. Ztg/ (Rr. 358) spottet darüber, und nennt diese Bemerkung „eine ungeschickte Variante der ZentrumSparole für Kreuz und Christentum". Das katholische Volk wird ganz anders denken über ben aktiven Kulturkampf, der zurzeit, und zwar seit einem halben Jahr, in Bayern von feite« der Staatsregierung geführt wird. Man sollte meinen, die bayerische Staatsgewalt hätte in diesen ernsten Zeitläufen etwas anderes zu tun, als auf dem Ver- ordnungSweg mit ganz unhaltbarer Begründung den Vorträgen der Jesuiten im Volke ent» gegenzutrelen, ihnen die Kirche für religiöse Vor­träge zu versperren und sie damit ins Wirts­haus zu verweisen, ihnen das Gebot aufzuerlegen, nur eine stille Messe zu lesen, und die Ministerial- verfügung von 1851 dem Pfarrklerus neu einzu- schärfen, wonach außerordentliche Gottesdienste beim Bezirksamt anzuzeigen sind. Diese Dinge können nicht mehr länger zurückgehalten werden, da in einer Anzahl von Fällen bereits in dieser Weise verfahren worden ist. Roch unterdrücken wir die sich ausdrängende Kritik. Aber das sagen wir doch: So etwas hätten wir für unmöglich gehalten. Revolutionäre, Monisten, Freidenker können machen was sie wollen, die Gegenagitation gegen sie er­schwert man! — Für das Zentrum gearbeitet hat jüngst kein geringerer als Hr. Lubwig T h o m a, der Simplizissimus-Dichter. In einer linksliberalen Wochenschrift spie et Gift und Galle über das „verflossene Zentrum" des bayerischen Landtags; die bisherigen Mitglieder der Zentrumsfraktion suchte er in bekannter Manier gruppenweise und einzeln lächerlich zu machen. Vorab spottete cr über die bäuerlichen Abgeordneten. Run, das ist ja seine Spezialität, und die liberalen Blätter, in denen sich sofort ein vergnügtes Gemecker erhob, hielten den Ton fest, und mänuiglich witzelte über „Joseph Filser", diese Karikatur des bayerischen Bauern­tums, in der zugleich das Zentrum getroffen werden soll. Doch mit diesem Hohn hat sich die Partei „von Bildung und Besitz" doch etwas sehr übernommen. Sie durfte damit nicht kommen in einem Augenblick, wo sie gerade die Bauern zu ködern sucht, weil m den sozialdemokratisch gewor­denen, früher liberalen Städtebezirken für sie^nichts mehr zu holen ist Eine treffende Antwort gibt darauf ein im Verlage der Augsburger Postzeitung erschienenes Flugblatt, dem wir folgende Sätze entnehmen:

Weißt du, lieber Bauersmann, wer „Joseph Filser" ist? Patz auf? Ein liberaler Schriftsteller hat eine Menge Artikel unb Bücher unb sogar ein Theaterstück geschrieben, wo er den bayerischen Ba ern zum Gespött der Welt macht. Da stellt ex» hin, als seien die Bauern, besonders die Zentrumsbauern, lauter Deppen, Pharisäer, Gauner und Spitzbuben. Den Hauptlumpen in seiner Geschichte heißt er Jo­seph Filser. DaS ist natürlich ein erfundener Name, daß daS Kiub halt einen Nomen hat. An dem Filser will der liberale Schreiber bloß zeigen, was die Bau-

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Monatsbeüager „Mdaer Seschlchtrblätter"

K Das „staatsfeindliche" Christentum

v Vor Jahresschluß ist wieder einmal das Zentrum tot eine „staatsfeindliche Partei" erklärt worden. Nämlich in der liberalen Presse. Und warum? Weil in einigen Zentrumsbiättetn zu Weihnachten der Gedanke betont worden war, der christlich ge­sinnte Wähler müsse christlich gesinnte Abge- ördnete wählen.

ES ist wirklich weit gekommen, wenn die Libe­ralen uns verbieten wollen, bei der Wahlhandlung Uns von unfein religiös-sittlichen Grundsätzen leiten zu lassen! Was da für „staatsfeindlich" erklärt wird, ist im Grunde nicht das Zentrum, sondern der ch r i st l i ch e G l a u b e. Es wird als ein Frevel gegen den Staat gebrandmarkt, wenn man „das christliche Denken an Stelle des politischen setzt." In Wirklichkeit ist in dem fraglichen Artikel nicht von einer solchen Stellvertretung die Rede, sondern von der Verschmelzung des christlichen Denkens tnit der politischen Urteilsbildung, von der Einheit der Denk- und Willenstäligkeit in dem Manne, der zugleich ein treuer Christ und ein treuer Staats­bürger ist und im Gottesdienst rote im Vaterlands» dienst die gleiche Wei anschauung betätigt.

Die liberale „Kölnische Zeitung" ruft aus: „Rann eine Partei dem staatsbürgerlichen Sinn der Nation größeren Schaden antun, als indem sie solche Grundsätze predigt?" Wir haben bisher immer geglaubt, daß dem staatsbürgerlichen Sinn der Nation kein größeren Schaden zugcsügt werden könne, als durch die Verbreitung und Begüpstigung der Umsturzideen, die auf die Vernichtung der bestehenden staatlichen, gesellschaftlichen und mora­lischen Ordnung hinansgehcn. Run erfahren wir aber, daß der roerttätige Christenglaube noch schlimmer ist, als die revolutionäre Untergrabung von Thron und Altar. In den Augen unserer Liberalen nämlich, die sich selbst sür die einzig regierungsfähigen Staatsstützen unb Nationalhelden halten, dabei aber teils offen, teils heimlich mit der Sozialdemokratie sich gegen die positiven Parteien verbünden.

Die Sache erinnert an den Anfang des Bis- marck-Falk'schen Kulturkampfes vor 40 Jahren. ^Staatsfeindlich" war damals das beliebteste Schlag­wort, das gegen den Papst und die katholische Kirche, gegen alle treuen Katholiken und auch gegen iiUe protestantischen Freunde der Gerechtigkeit und 1Friedens fortwährend geschleudert wurde. Soll ist demselben Schlagwort em neuer Kultur» ampf eingeleitet werden? Der protestantisch» onservativen ,Kreuzzeitung' wird soeben von nationaler Seite" ans Hamburg geschrieben:

Bauernbeschimpfer, und wenn ihr meint, der bäuerisch« Bauer macht euch guetft einen Filser- t, und dann wählt er eine«

Zs kn ReWMahIen.

Wahlkreis Fulda • GerSfcls - Schlüchtern.

Flieden, 29. Dez. 1911. Dieser Tage wollten die Sozialdemokraten hier eine öffentliche Wähler« Versammlung adhalten. Ihr Kandidat, RomanuS Göller, war dazu eingetroffen. Da aber ein Saal für eine sozialdemokratische öffentliche Wähler» Versammlung nicht zur Verfügung gestellt wurde, Wußte „Genosse" Göller sich mit einer Besprechung Mit seinen wenigen Getreuen von hier und Um» aegenb begnügen. Wenn sich bte in christlichen Atbeiterkreisen erfreulicherweise herrschende Begeiste» tung für die Zentrumssache dadurch äußerte, daß eine Reihe christlicher Arbeiter sich an dem Ver­sammlungsort der „Genossen" eingefnnden hatte, um in einer etwaigen Diskussion ihren Mann zu stehen, so halten wir diese Absicht nicht für rätlich. Wie sozialdemokratische „Volksstimme" schärft smmer wieder ihren Anhängern ein „Bleibt gegne­rischen Versammlungen fern". Das sollten auch Mjete Parteifreunde tun. Wer einmal seine poli- ische Zugehörigkeit zum Zentrum dokumentieren vtll, politischer Aufklärung und neuer Begeisterung fit unsere Sache teilhaftig werden möchte, der stelle ich am Sonntag den 81. Dez. ein zurZentrumS- erfammlung, die im Gasthause „Zum Hasen" Ibgehalten werden wird. Da wird auch über die

Liberalen — bann seid ihr auf dem Holzweg! Den „Filser", ihr liberalen Herren, den werden wir bayerische Bauern euch am Wahltiw heimzahlen, daß ihr an ihn denkt! Diesmal bleibt kein einziger baye­rischer Dauer von der Wahl weg und mußt er puf Krücken gehen! "

♦ Ei senbahner und Reichstagswahlen. Auch bie Lisenbahnbirektion Frankfurt hat ben bekannten Er- mß an ihre Dienststellen gerichtet, worin fearauf hin'- 'ew lesen wirb, baß eS Patriotische Pflicht sei, von >em Wahlrechte Gebrauch zu machen. Jebem Beam- ifii unb Arbeiter, insbesondere auch dem Fahrperso- al, soll Gelegenheit gegeben werben, sich an der ßahl zu beteiligen. Obwohl feie Wahl während beS anzen Tage» ausgeübt werben kann, ist ben Arbei- trn, soweit feie dienstlichen unb betrieblichen Jnter- ssen es zulaffen, bie Ausübung be8 Wahlrechtes auch sährenb ber Arbeitszeit ohne Lohnkürzung zu gestatt en. Etwaige Wünsche ber Arbeiter, zu einer 3et »Ahlen zu burfen, wo bie Hauptmasse gnbtrer Mäh­er nicht wählt, soll nach Möglichkeit entsprochen wer- >en. — Es wäre von Interesse zu erfahren, wann ieser Erlaß ben Bebtensteten bekanntgegeben wor- en ist. Die Wählerlisten lagen aus vom 14. bis 21