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Heidt gewährt.

fietationsbrnduRb Verlag der Fuldaer Äk> tleudruckerei in Fuld» Lernsprecher Rr.9.

vtf 297.

Erstes Blatt.

Fulda, Freitag den 29. Dezember 1911.

38. Jahrgang.

Posa-

400

310

Zölle und Kensamstencrn:

380 Mill.

Bentz- ft eisern: 117 Mill. 10-) „

135

i i Frankreich i-i England

DeülkckOand

Tirekse Slenrrn

28,41 Mk.

57,13 .

54,28 Mk. 38,W , 23,21 ..

Megi iungsvor!ch!ag Libe n’er Barsch!ag

3 e t’ * r u m und Kn ns er v a t.

an seinen Bestrebungen beteiligt, gez. dowsly.

Zölle u.

ficucrn:

Hatte das Zentrum die Reforni nicht gemacht, dann hätten es hie Liberalen getan, denn gemacht Ware sie auf alle Fälle worden. Das Zentrum hat also im Interesse des Volkes gehandelt, indem es 30 Millionen indirekte Steuern weniger bewil­ligt lat.

Wenn tatsächlich die Preise für manche Le­bensbedürfnisse höher geworden sind, so hat ja gewiß die Finanaresorm mitgewirkt, aber nur zu einen: kleinen Teil' Die Preise sind höher geworden nicht nur in Deutschland mit seiner Finanzreform, sondern allüberall in der zivilisierten Welt. Und in Deutschland hat nichr zum mindesten, das dumme Geschrei sozialdemokratischer Blätter und Agitatoren das Meiste dazu beigetragen, daß die Preise erhöht ^wurden. Unter diesem Geschrei konnten die Fab- Tifan'en und Händler mit Leichtigkeit aufschlagen fioch :veit über die Steuern hinaus, weil ja die So- zialdeniokraten dafür sorgten, daß alles der Steuer zugeschrieben wurde.

* Wahlkreis Homberg-Fritzlar-Ziegenhain.

Gegen den Kandidaten des liberalen deutschen Bauernbundes H e sterm ann int Wahlkreise Hom­berg Fritzlar-Ziegenhain sind in letzter Zeit schwere Anschuldigungen in der Presse erhoben worden. Hern Hestermann wird von Seiten der Teutsch- Hoz alen und des Bundes der Landwirte bcschuidigt, unerlaubten Verkehr mit einer Kasseler Büroerssrau szu unterhalten. In einer Erwiderung erklärt Herr -Hestermann diese Behauptungen für verläumderisch Und kündigte an, daß er zur gericht lschen Fest­stellung Klage eingercicht habe.

* Danzig, 28. Dez. 1911. Tie Wesipreußische f Zenlrumspartei veröffentlicht im .Westpreuß. Volks!)!/ seinen Wahlaufruf. Es heißt darin: y Die Wiederkehr einer liberalen Aera würde keine -Provinz schwerer treffen als unsere Provinz West» spreußen. Ist doch bei uns die Ausschaltung beb Katholischen Volksteils, der einzig und allein kheim Zentrum die Vertretung seiner Interessen findet, gewissermaßen in ein System gebracht, und sind doch ;Mum erst Ansätze vorhanden, dieses System zu durch­brechen. Mit um so größerem Nachdruck müssen wir MS zur Geltung bringen. In keinem Wahlkreise darf £em Zentrum und der von ihm vertretenen Sache eine Stimme verloren gehen. Auch dort, wo die Zentrums- Mrtei eine winzige Minderheit bildet, muß sie ihre Stimmen zählen. Wir bitten unsere Vertrauensmänner sowie alle Partei,rcunde, alles zu tun, daß das Zen­

veuksches Reich.

♦ Berlin, 28. Dez. 1911. Der Kaiser nahm Donnerstag morgen an einer Jagd am Cntensang teil. — UnterstaotSsekretär Zimmermann im Auswärtigen Amt wird, wie verlautet, zurücktreten. An seine Stelle werde der Gouverneur von Teutsch- Ostafrika, Freiherr v. Rechen berg, treten. — Im Vorjahre sind, nachdem im Jahre 1908 in Ost- preußen, im Jahre 1909 in Westpreußen das Ent- schuldungsversahren für den ländlichen Grundbefitz durchgesührt wurde, Verhandlungen begonnen wor­den, die auf die Einführung der Entschuldung in den zwei weitere» Provinzen Brandenburg und Sachsen hinzielen.

'+' Die neue« preußische« Steuergesetze. Die neuen preußische» Steuergesetze sind, wie Berliner Blätter mitieilett, von» Staatsministerium ange­nommen worden und sollen dem Abgeordnetenhause gleichzeitig mit dem Etat am 16. Januar vorgelegt werden. Bekanntlich sollte die Neuordnung der Steuergesetze spätestens bis zum 26. Mai 1912 er­folgen. Da eS aber fraglich ist, ob dieser Termin eingehalteu werde» kann, nimmt man an, der Landtag werd« sich damit einverstanden erklären, daß die jetzige Steuergesetzgebung bis zum 1. April 1913 in Kraft bleibt. Die neuen Steuergesetze werden die Steuerzuschläg« von 1909 in die neuen Staffelsätzr der Vorlage eiuarbeiten, wobei die Härten, die die Novell« von 1909 oft ergab, ver­mieden «erden. I« allgemeinen werden die neuen Gesetz« eine Erhöhung der Steuer nicht bringen, sondern mehr ausgleichend wirken. Dagegen ent­halten di« Gesetze neu« Bestimmungen über den DeklarationSzwan- bei der Einkommensteuer und dehnen diese» Zwang auch auf die Ergänzuugssteuer

trum in Westpreuße» ehrenvoll <tuS dem Wahlkampf« hervorgeht.

• Nicht mehr kandidierende Zentrumsabgeordnete. Do« den bisherigen 108 ZentrumSabgevrdneten bei Reichstags kandidieren nicht wieder: Hamecher (Köln-Land^ Karl Fritz« (MörS-ReeS), AloiS Fritzen (Kempen), Stupp (Neuwied), Frhr. von Wolff-Metternich (Wittlich-Bernkastel), Euler (Trier), Dr. Opfergelt (HeinSberg-Erkelenz), Herzog v. Aren- derg (Lüdinghausen-Warendorf-Beckum), Profeffor Dr. Spahn (Warburg-Höxter), Graf v. Oppersdorf (Glatz-Hadelschwerdt), v. Strombeck (Heiligenstadt- Worbis), Dr. Bitter (OSnadrück-Bersenbrück), Beck (Aichach), Frhr. v. Freyberg (Ingolstadt), Spinvler (Germersheim), Frhr. v. Pfetten (Regensburg), Dr. Heim (Neustadt am Walde), Holzapfel (Schwein- surt), Kalkhof (Augsburg), Schneider (Aalen-Ell- wangen), Dr. Vonderscheer-Schlettstadt), Hoen (Saar- gemünd) und OrlowSkt (Allenstein).

*♦ Der »agrarische Zolltarif". Ein beliebtes Schlagwort, mit dem die Sozialdemokratie arbeitet, ist die Behauptung, unser Zolltarif trage einen wesentlich „agrarischen Charakter". Damit sollen bann di« Massen gegen unsere Wirtschaftspolitik überhaupt eingenommen werden; sie sei „einseitig agrarisch". Demgegenüber ist folgendes sestzu- stellen:

1. Der Ruf nach staatlichem Zollschutze, der bann zu dem Zolltarife von 1878 führte, erscholl fast lauter wie aus der Landwirtschaft au? den Kreisen der Industrie, wie denn der 1876 ge­gründete und auch heute noch sehr einflußreiche Zeniralverband deutscher Industrieller mit dem Hauptzwecke ini geben trat, der Industrie einen Zolkschutz zu verschaffen.

2. In dem heute geltenden Zolltarif von 1902 entfallen über 700 Nummern auf die Industrie, dagegen nur etwa 200 auf die landwirtschaftliche Produktion.

3. Bon Anfang an ist man — abgesehen von ! den Capriviver trägen, bei denen die Industrie tariflich beffer abschnitt als die Landwirtschaft — bemüht gewesen, Industrie und Landwirtschast im Zolltarif gleichmäßig zu behandeln. Die Zahl der Arbeiter, deren Wohlergehen vom Industrie« zoll abhängig ist, ist größer als diejenige, die am Agrarzoll interessiert ist. — Gleichwohl singt die sozialdemokratffch-liuksliberale Agitation andauernd weiter das Lied vom „agrarischen Zolltarif".

* Gras Posadowkky und der Evangelische Bund. Von dem Bielefelder Wahlousichuß für die Kandi­datur Posadowsky erhält die »Köln. Vzo/ folgende Zuschrift: Welche Mißhandlungen die Wahrheit im W.chlkampfe erdulden muß, ergibt sich außer anderm aus dcu Tarstel'nngen der sozialdemokratischen .Volksmacht' über die Stellung des Grasen Posa- kowsky zum Evangelischen Bunde. Galt es danach zunächst als ausgemacht, daß Gigs Posadowsly dem Evangelischen Bunde überhaupt — wenn auch nur als einfaches Mitglied — anzeiöre, so ist er uacy der Weihnachtsnummer der.Volkswactzt' schon einer seiner ersten Männer, so daß bei einem derartig schnellen Avancement zu erwarten ist, daß die /Volksmacht' ihn bis zum Wahltage mindestens zum Vorsitzenden ober Hauptführer, Gründer und Vater des Evangelischen Bundes machen wird. Die.Volks­macht" (Nr. 300, Erste Beilage vom 23. Dezember) schreibt nämlich:

Wenn di» ZentrumSpreffe aber gefliffentlich den Evangelischen Bund a!5 den Todfeind der katholischen Kirche und als eine vaterlandsfeindliche Organisation bezeichnet, bann ist es in der Tat verwunderlich, wenn tast dieselbe Presse einen der ersten Männer vom Evangelischen Bunde als den geeignetsten Volksvertreter den katho-ischen Wählern anpreist. In Speyer-Lud­wigshafen hat das Zentrum dre Kandidatur Posadowsky abgelehnt, das Bielefelder Zentrum präsentiert sie. Das muß doch den gleichgültigsten Wähler stutzig machen I

Ans diese Ausführungen der .Volksmacht' hat nun Graf Posadowsky folgendes zu erwidern:

Naumburg <t b. Saale, 25. Dez. 1911. In aller Eile teile ich Ihnen mit, daß cs freie Erfindung ist, daß ich Mitglied des Evangelischen Bundes sei. Ich bin weder Mitglied, noch habe ich mich jemals

Tatsache ist ferner, daß auch bei der letzten Fi- nanzi cscrm 1902 bas Zentrum die gerech­teste Steueroerteilung erreicht hat. Die Liberalen wollten das Bier um 10 Prozent, den Branntwein um 15—20 Prozent, den Tabak um 100 Prozent höher besteuern, lieberale Abgeordnete haben den Vorschlag gemacht, eine Steuer von 80 Millionen auf die Armut zu legen, indem sie Malz­kaffee. Zichorie usw. mit dieser ungeheuren Summe belasten wollten. Das hat das Zentrum verhindert, wir es überhaupt für mehr Gerechtigkeit sorgte, wie folge we Zahlen sagen:

Zu heu ReilWgslvcheii.

Wahlkreis Fulda-Gersfeld-Schlüchtern.

(:) „Arme Leute-Steuern". Dar m unferm Wahlkreise verbreitete sozialdemokratische Flug­blatt geht, wie schon erwähnt, mit der Behauptung krebsen, dar-Zentrum habe „die armen Leute mit neuen Steuern Belaßet", es habe i„400 Millionen Arme Leute-Sieuem" bewilligt. Um kräftige Sprüche sind diese mit dem Mundwerk, als stärkstem Teil ihres Verstandes ausgerüsteten Polt» tiker, nie verlegen gewesen. Je mehr die Aufklä- Mng über die Finanzreform in das Volk dringt, um so m hr wirds den roten Herrschaften himmelangst um die Felle, die sie dem arbeitenden Volk bisher über die Orhen zogen. Sie müssen daher aufs neue mit ihren Kraftsprüchen von „Arme Leute- Steuern" usw. kommen. Die Wahrheit ist, daß das Zentrum eine genaue Prüfung der von ihm vor ge­schlagenen Steuern auf die' Belastung der unteren Schichten des Volkes nicht zu scheuen braucht. Daß die neuen Steuern auch von dem Mittelstände und jn geringerem Maße auch von der ärmeren Bevölke­rung mit getragen werden, ist richtig. Steuern zu fchafsen, dir nur die reichsten Leute treffen, das War eben ganz unmöglich. Man hätte die reichen Leute so stark unter die Steuerschraube pressen Müssen, daß sie aus Deutschland herausgeflüchtet tnären, sonst hätte man die nötigen Millionen von Ihnen allein nicht aufbringen können. Die andern Schichten des Volkes mußten mithelfen. Die Masse mußte es bringen. Immerhin aber tragen >te oberen Schichten des Volkes doch noch mehr Steuern als die unteren. 75 Prozent, also drei Viertel der Bevölkerung haben in Deutschland ein Jahreseinkommen bis zu 1500 Mark. Diese unte­ren drei Viertel des Volkes bringen insgesamt 1100 Millionen Mark Steuern und Zölle auf. Das eine Viertel des Volkes, das mehr als 1500 Mark Jah­reseinkommen hat, bringt dagegen 2350 Millionen Mark Steuern und Zölle auf; also drei Viertel der !Deutschen, die große Masse, zahlt ein Viertel der Steuersumme, dagegen das obere eine Viertel zahlt zwei Drittel, b. h. mehr als das Doppelte. Das ist freilich gerecht und billig, aber die roten Flugblatt- Schreiber schweigen davon I

/ In Deutschland ist auch die S t e n e r v e r- fleilung gerechter, als in dem sozialistisch regier’- fen Frankreich und England, demz t>ie Steuern betragen pro Kopf:

aus. Die Strafbestimmungen für Steuerhinter« ziehungen werben verschärft.

** 3» der Frage der Festlegung de? Osterfestes hat, wie di« ,Germania' hört, bi« Reichsregierung mehrere Staaten über ihre Stellungnahme befragt. Die Antworten sollen zum Teil zustimmend, zum Teil ausweichend gehatten sein. Italien und Ruß­land sollen nicht geneigt sein, für eine Festlegung des Osterfestes zu stimmen und auch keine Dele­gierten zu einer Konferenz zur Beratung dieser Frage zu entsenden. Damit dürfte die Frage erledigt sein.

** Auflösung der Zentralstelle der Preußische» LandwirtschastSkammeru. Die bisherige Zentralstelle der Prenßifchen Landwirtschastskammern ist, wie man der,Post' schreibt, nunmehr aufgelöst worden. Dementsprechend sind die bisherigen „Mitteilungen der Zentralstelle der preußischen Landwirtschafts, kammern" in daS „Zentralblatt der preußischen LandwirtschaflSkammern'' umgewandett worden.

ns. Der preußische Lehrerverein, der jetzt 67130 Mitglieder zählt, trat in Hannover zu seiner sechsten Tagung zusammen. AlS Vertreter des Kultusministeriums war Geh. Oberregierungsrat Schoeppen anwesend. Rektor PeterS (Kiel) hielt einen Vortrag über Jugendpflege. Er führte u. a. auf: Die Schule kann für bi« Jugendpflege wichtige und notwendige Verarbeiten leisten. Sie kann dafür formen, daß gefährdete und verwahrloste Kinder rechtzeitig in die Fürsorgeerziehung kommen. Sie hat in den Kindern den rechten Heimatsinn zu wecken und zu pflegen und den Konfirmandinnen bei der Wahl des Berufes behilflich zu sein. Die Lehrer betrachten es als ihre soziale Pflicht, an der Jugendpflege in erster Linie mitzuardeiien. Lehrer Diekmann (Magdeburg), der über die Reform der staatlichen Schulverwaltung sprach, forderte kollegiale Verfaffung und ausreichende Berücksichti­gung des fachmännischen Elementes. Di« Unter­ordnung der Schulverwaltung unter die Organe der allgemeinen Staatsverwaltung sei abzulehnen. Kreis- schulmfpektor düye nur ein im Volksschuldienste praktisch bewährter Fachmann sein.

Profeffor Dr. Delbrück über einen Krieg mit England.

Der bekannte Herausgeber der „Preußischen Jahrbücher", Professor Dr. Delbrück, hat sich von einem engliichen Korrespondenten über daS Verhältnis Deutschlands zu England ausfragen lasten. ES war der Vertreter des „Daily Mail", des deutsch-seindlichsten Blattes m London, dem der bekannte deutsche Politiker seine Ansichten zum Besten gab. DaS Blatt teilt in einem langen Ar­tikel das Ergebnis bet Ausfragerei mit, dem wir folgendes entnehmen:

„Glauben Sie wirtlich, daß der Krieg sich noch vermeiden läßt? Ich sehe in dieser Beziehung sehr schwarz." Das waren die Worte, mit denen Prof. Delbrück den englischen Vnbli- ziften empfing. Er ging dann noch auf die Frage ausiührlicher ein und suchte nachzuweifen, baß es nicht möglich fein werbe, einen blutigen Zusammenstoß zwischen ben beiden Na­tionen zu vermeiden, seitdem man nunmehr wisse, daß Großbritannien während des Sommers den Plan hatte, Deutschland ohne Kriegs­erklärung zrr überfallen. »Man weiß jetzt in Deulschlaud, wie nahe man vor der Prophezeiung deS britischen Admirals gestanden hat, der einmal sagte, die Deutschen würden eines Morgens erwachen und finden, daß fie einmal eine Flotte gehabt hätten!" Die deutsche Nation sei so empört über diese Enthüllung, baß es sehr zweifelhaft sei, ob eS der Regierung gelingen werde, dem Verlangen weiter Streife des deutschen Volkes nach einer weiteren Ver­stärkung der deutschen Verteibigungsmittel zu wider­stehen. Die Marokko-Angelegenheit habe, wenn noch ein Beweis notwendig war, mit aller Bestimmtheit ge­zeigt, baß Großbritannien der Erbfeind Deutschlands sei! Daher gebe es für Deutsch­land nur ein: Noch mehr Dreadnoughts zu bauen! Man wisse sehr wohl hier, baß eine neuer­liche Verstärkung der deutschen Flotte in England vielleicht als Kriegsfall angesehen weiden würde, aber damit müsse man eben rechnen. Aus keinen Fall aber könne sich Deutschland noch einmal die Ein­mischung Großbritanniens in berechtigte deutsche In­teressen gefallen lasten!"

Profeffor Delbrück, o hä test bu geschwiegen! Gewiß mag der Korrespondent des Deutschen- srefferblatte^ in London aus den Ausführungen Pros. Dr. Delbrücks hekausgehört haben, was man an der Themse zu hören wünschte. Rechnet man ober diese Uedertreibungen ab, so bleiben noch so viele kriegerische Klänge übrig, die schließlich gerade das Gegenteil von dem bewirken werden, was Prof. Delbrück mit seinen Ausführungen beabsichtigt halte. Tie Engländer, die Tr. Delbrück glauben, werden sich jetzt nicht mehr ausreden lasten, daß Deutschland einen Krieg mit England vorbereite. Eine deutsche Autorität hat es ihnen ja in einem ihrer Hetzblätter bestätigt. Wenn jetzt neue deutsche Fiottensorderungen kommen werden, so wird man, auf Profeffor Delbrück fußend, uns Angriffsabsichten unterschieben. Die bedeutenden Politller anderer Länder lehnen es ab, sich von Vertretern ausländischer Blätter ausfragen zu lassen, insbesondere von Vertretern solcher aus­ländischer Blätter, deren Gesinnung zur Genüge bekannt ist. Prof. Delvrück konnte sich sagen, baß die Vertreker ausländischer Blätter mit solcher Ten­denz wie die „Daily Mail", nur zu ihm kommen mit der Absicht, etwas zu erfahren, was Deutsch­lands Ansehen in der Welt und seinen Interessen schaden könnte. Vielleicht dient dieser Vorfall zur Lehre.

Ausland.

** Aehrenthal über den Krieg und die Marokko- frage. Graf Aehrenthal, der Leiter der auswärtigen Politik Oesterreich-Ungarns, hat gestern in der un­garischen Delegation eine bedeutsame Rede über dir auswärtig« Lage gehalten. Der Grundton der Rede ist ohne jeden Vorbehalt friedlich. Bei der Be­sprechung deS türkisch-italienischen Krieges trug der Minister der Schwierigkeiten seiner Lage gegenüber

einem verbündeten und befreundeten Staate vollauf Rechnung. Soviel ist ersichtlich, daß Oesterreich- Ungarn in Uebereinstimmnng mit den anderen Mächten auf schleunige Beendigung des türkisch- italienischen Krieges drängt, der bei längerer Dauer nicht ungefährlich werden könne. Der Friede, er­klärte Graf Aehrenthal, muffe aber für beide Teile ehrenvoll fein, und weder der jetzige Bestand auf dem Balkan, noch die Kraft und die Autorität der Türkei dürfen geschwächt werden. Was die Ma- rokkofrage anbelangt, betonte er, daß die Unter- zeichnung deS deutsch - französischen Abkommen? Oesterreich-Ungarn mit aufrichtiger Genugtuung erfüllt habe, nicht nur, weil dadurch eine Frage, welche die Welt durch eine Reihe v n Jahren in Unruhe versetzt hat, in friedliche Bahnen gelenkt ist, sondern auch, weil dadurch die wirtschaftlichen Prin- zipien in Marokko keine Veränderung erfahren haben. Im Lause der Debatte nahm der Minister noch einmal das Wort, um hervorzuheben, daß die österreichische Diplomatie sich nicht mit guten Wünschen gegenüber Deutschland begnügt, sondern fördernd eingegriffen habe.

r Heber französische Kriegsvorbereitungen zurzeit der Marokkoverhandlungen kommt eine Enthüllung aus Rußland. Im russischen Reichsrat bemerkte Mittwoch Ministerpräsident Kokowzow bei Beratung der Frage wegen der neuen Bestimmungen für di« Budgetbewilligung, die französische Regierung habe zur Zeit der Marokkokrise ohne Genehmigung der Kammer 300 Millionen Franken für die Landesverteidigung verausgabt.

** Die Schändung des Grabes des Vaters des Serbenkönigs. Auf einem Abladeplatz bei dem Friedhose Et. Mare in Wien fanden Kinder einen Menschenschädel, bei dem eS fich vielleicht um den geraubten Schädel des Fürsten Alexander Karageorge- wftsch handelt. Gestern mittag wurde die Gruft des Fürsten anttlich geöffnet, um sefizustellen, ob der gefundene Schädel wirklich der geraubte ist. Die österreichisch-ungarische Gesandtschaft in Belgrad ist beauftragt worden, König Peter und der serbi­schen Regierung das aufrichtige Bedauern der österreichisch - ungarischen Regierung wegen deS Schädelraubes auszusprechen.

** Di« Kämpfe in Perfie«.

DaS Schicksal des englischen Konsuls, der auf dem Wege nach Schiras von den Persern überfallen würbe, ist noch ungewiß. Weder er, noch die indischen Sowars, die ihn begleitet hatten, sind bisher in Sicherheit gebracht röotoen. Wie v.rlautet, liegt der Konsul verwundet in einer Kara­wanserei bei Kaserun. Die englische Regierung will wegen der letzten Vorfälle weitere iudffche So.oalcn nach Südpersien schicken. Rußland plant >ür den Norden ras gleiche. Die beiden Mächte haben sich d e Demütigung Persiens zu leicht vorgcstellt. Tas große Volk mit feiner ruhmreichen Vergangenheit läßt sich nicht nut einem Federstrich annullieren. Es ist nicht ausgeschloffen, daß sich in den Bergen Irans ein Widerstand entwickelt, der Rußland und England wenig Freude machen wird.

Dem amerikanischen Konsul in Teheran sind ein­gehende Instruktionen wegen der Rückkehr Morgan Shust e rs aus Persien nach Amerika erteilt worden. Der ehemalige persische Finanzverwalter soll unter großer Bedeckung über die persische Grenze gebracht werden und auch für seine Fahrt nach Amerika sind große Maßnahmen zu seinem Schutze getroffen.

x Kries «Seil Wies ms Ser Arkei.

Die türkische Siegesnachricht von Tobuk wird auf italienischer Seite für Schwindel erklärt. Offiziös wird behauptet, den Türken und Arabern sei cs in dem betr. Kampfe weder gelungen, d e italienischen Linien zu durchbrechen, noch irgendetwas zu er­beuten, sondern sie seien mit erheblichen Verlust er zurückgeschlagen worden.

** Tie Revolution in China.

* Peking, 28. Dez. 1911. Die revolutionäre Be­wegung in China ist auf einem sehr kritischen Punkt angekommen. Die Friedensverhandlunaen in Schanghai haben bisher zu keinem andern Re­sultat geführt, als daß die Revolutionäre bestimmt erklärt haben, daß fie von ihrer Forderung einer republikanischen Regierungsform unter kei­nen Umständen abgehen werden. Der kaiserliche Uw terhandler soll deshalb bereits abgedankt haben, und die Verhandlungen sollen tnfolgedeffen abgebrochen sein. Die Mandschu-Prinzen des kaiserlichen Hofes haben gestern bei ter Kaiserin-Witwe einen gehei- men Familienrat abgehalten.

* Peking, 28. Dez. 1911. Die Kaiserinwitwe, Auanschikai und die Mcmdschu-Prinzen verbrachten den ganzen Vormittag damit, die von der Frie­denskonferenz in Schanghai gemachten Vor­schläge zu beraten. Prinz Pulang und Prinz Tsaitao traten dem Plan entgegen, eine zahlreichere und mehr repräsentative Konferenz als die in Schanghai einzuberufen. Prinz Ching sprach sich dagegen für den Plan aus. Der Thron wurde schließlich dahin schlüssig, den Vorschlag anzunehmen. Infolgedessen ließ der Thron dem Kabinett die Weisung zukonr-, men, das notwendige Reglement für die E i ir- b erufun g einer neuen Konferenz auszu- arbeiten mA dir Delegierten der Friedenskonferenz in Schanghai davon zu verständigen, daß der Thron die Entscheidung dieser neuen repräsentattvcn Kon­ferenz annehme, welche Regierunzsform fie auch beschließen möge.

* Peking, 28. Dez. 1911. Gestern abend wurde das kaiserliche Edikt bekanntgemacht, in dem der Thron seine Zustimmung ausspricht zu der borge« scklagenm repräsentativen Konferenz, die über die Negierungsform Chinas entfcheiden soll. — In einer oeftem abgehaltenen Versammlung mongoli' scher Fürsten wurde beschloffm, die Unab« hänzigkeit der M«»»»lei zu erklären, wem»