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Domwrstag 28. »ejember VHt
58. Jahrgang.
«fuldaer M Zeitung
2. Blatt.
« Brett itnb Verlag der 5uldaer rletlendruckerei i* Selbe.
Arbeiter M. und dem Arbeiter G. entstand in der
Reklame», uuv Sinnig enteil.
oero sluua fccibcv’c]ü*>rt WM den.
!! Avendorf. Kr. Kirchhain, 28. Dez. 1911. Nach
schrift „Treue Dienste" überreicht.
* Neukirchen b. Ziegenhain, 27. Dez. 1911. Nach dem Genuß von Wurstsuppe erkrankte die Familie des Weißbinders Ritter hier an Vergiftung?-
reits verhaftet worden.
♦ Zimmnsrode, 27. Dez. 1911. Infolge der in den letzten Tagen niedergegangenen Regengüsse find Schwalm, Gilsa und Urff erheblich gestiegen. In der Nacht vom 24. zum 25. Dezember ist zwischen Gilserberg und Gemünden ein zweiter Damm- rutsch an derselben Stelle vorgekommen; es waren am 1. Festtag nahezu 100 Mann ununterbrochen nötig, um den Schaden auszubessern
erscheinungen. Die männlichen Glieder der Familie scheinen die Krstis überstanden zu haben, dagegen liegt d:e schon bejahrte Ehefrau in einem sehr bcdenllichen Zustand darnieder. Vermutlich ist durch den G.b.auch eines bleiernen Löffels B!ei-
Reich'schen Gastwirtschaft hier eine Schlägerei, wobei M. den G. mit einem Bierglas derart an den Kopf schlug, daß letzterer, aus drei Wunden blutend, zu Boden stürzte.
♦ Aus Thüringen, 28. Dez. 1911. Bei Eis- leben sand ein Briefträger aus seinem Bestellgange den Müller Treizdte mit einer Wunde am Kopfe tot vor. Ob ein llnglücksfall oder ein Verbrechen vorliegt, wird erst die gerichtliche Untersuchung ergeben. — Auf zwei Gruben bei Weißenfels ereigneten sich gleichzeitig Unglückssalle. Auf der Grube .Marie" explodierten in der Schmelzern zwei Zylinder, wodurch der Besitzer und zwei Arbeiter lebensgefährlich verletzt wurden. Auf der Grube .Neuglück' wurde ein Bergmann durch Kohlenmafsen verschüttet und getötet. — In einer Versammlung in Jena wurde bekanntgegeben, daß im zweiten Verwaltungsbezirk 73 522 Hamster ge- tötet worden sind, wozu gegen 3000 Mark verausgabt wurden.
Aur Oberhessen u den Hess. Aemtern
♦ Marburg, 28. Dez. 1911. Die hiesige Universität bat dem Strafanstaltsgeistlichen und Schriftsteller Wilhelm Speck aus Kassel in Anerkennung seiner amtlichen Arbeit wie schriftstellerischen Leistungen den Titel eines Doktors theol. honoris causa verliehen. — Goldene Hochzeit begingen die Eheleute Färbermeister Holland hier.
* Frankenberg, 26. Dez. 1911. Die Maul- und Klauenseuche ist aufs neue im Kreisgebiet aus- gebrochen und zwar im Dorfe Rengeos hausen, welches der Sperre unterworfen ist. Das Veobach-
Das Fest der LieH das Fest der Kinder
W möchte alle Wett in Gesundheit begehe«, und doch »st gerade die döse Jahreszeit der Mesmrdheit befon- deis gefährlich. Man maß darum jede Erkältung, W aus der die meiste« Krankheiten sich entwickel», von Anfang <tnbekämpfen und ment muß nach MögUch- Jf. leit »»rbeugen. Beides erreicht man ourch Gebrauch W von Fays ächten Sodener Mineral - Pastillen, die man für 81 Psg in allen Noothekeu, Drogerien und ” eiuschtäKigeu Handlungen kaust.
100 Prozent bet der Gesellschaftskasse und den tti Inserat angeführten Firmen statt. Die Berliner Hypothekenbank Aktiengesellschaft ist durch Allerhöchsten Erlaß vom 4. Oktober 1866 zur Ausgabe von Jnhaberpapieren privilegiert. Das Aktienkapital beträgt gegenwärtig 22 700 000 Mk., Rcservm und Vortrag ca. 5200 000 Mk., Hypothekenbestand am 30 Sept. 1911 221 423 439 Mk.. Ausgegebene Pfandbriefe 214 661540 M. Die Pfandbriefe der Berliner Hypochekenbank Aktiengesellschaft werden von der Reichsbank In Klasse I beließen.
Märkte.
Ami Seife Md Umgebung. IW" 9to- 68wfdi btt
♦ FladNNgm, 27. Dez. 1911. Gestern abend * Aus dem Kreise Homberg, 26. Dez. 1911. Ae brach in der Scheune des Oekonomen Hennemann iZigeunerplag e hat in leptet Zen toiroet sehr Feuer aus. Durch das Eingreifen der Feuer-1überhand genommen. Die Absteigequartiere, NW sich wehren konnte das Feuer auf seinen Herd beschränkt I diese Völker häuslich niederlaffen, sind immer diesel- werden. Man vermutet Brandstiftung. Die neu- ben, namentlich find es die Ortschaften Falkenberg, erbaute Hochdruckwasserleitung leistete ganz ans-1 Hombergshausen und Mosheim, sowie die angren- gezeichnete Dienste. zenden Dörfer des Kreises Melsungen. In Den nahen
* Tiefenort, 27. Dez. 1911. Bei der Gemeinde-1 Wäldern beziehen sie ihre Quartiere, weil sie hier ratsergänzungswahl wurden insgesamt 743 I Schutz gegen Sturm und Regen finden. Die Be- Stimmen abgegeben. Davon erhielt Lehrer Stein wohner der erwähnten Orte werden daher m Pausen 608 Stimmen, wov n auf die Gewerkschaft Kaiseroda von einigen Tagen immer unb immer h>*£"rcj*I.nP= als solche allein 508 Stimmen entfallen. Lehrer gesucht von diesen lästigen Geschöpfen. Es ist sehr Stein ist somit gewählt. I wünschenswert, daß polizeiliche Maßregeln getroffen
* Erbenhausen, 27. Dez. 1911. Zwischen dem würden. _ m
— — - - — - ~ - 1 * Dagobertshausen, 27. Dez. 1911. Gegen em
hiesiges aus Wollmar stammendes Dienstmädchen ist die gerichtliche Untersuchung wegen Kindes- mordes eingeleitet worden. Die Schwester des Mädchens, die Beihilfe geleistet haben soll, ist be-
vermischtes.
* Die Unsitte, das Treppengeländer hiiiabzutiitschen, hat in Wanne in Westfalen einem fünfjährigen Knaben das Leben gekostet. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte von der Treppe der zweiten Elage hinab in den Hausflur und starb alsbald.
* Eine grobe Vernachlässigung seines Dienstes Hal sich der Gefangenenaufseher in Meschede in Westfalen zu schulden kommen lassen. Damit sie sich recht „ruhig und brav" verhalten sollten, teilte er feinen" vier Gefangenen mit, daß er eine Reise zu unternehmen gedenke. Die Aussicht übeckrug er seiner 18 jährigen Schwägerin, die es jedoch versäumte, die Zellen zu verschließen. Das gab einem würdigen Diebeskleeblatt, das kurz zuvor eingeliefert worden war, Gelegenheit, die goldene Freiheit wieder zu gewinnen. Einer der Flüchtlinge ist noch nicht wieder gefaßt worden. Für seine grobe Fahrlässigkeit erhielt der Gefangenenaufseher, der es auch nickst jur nötig erachtet hatte, zu seiner Reise um Urlaub äii fragen, von der Arnsberger Strafkammer 100 M ark G eld stra fe.
tmigsgebiet erstreckt sich auf die Gemeinden Wangers' Haufen, Hommershausen und Somplar.
* Ziegenhain, 27. Der. 1911. t'-.e hiesige Hebamme, Frau Elisabeth Räubert, feiert am 4. Januar das Jubiläum ihrer 4 0 jährig en V erus § tci - ti g-feit. Aus diesem Anlaß wurde ihr die von der Kaiserin verliehene goldene Brosche mit der Jn-
• Frankfurter amtliche Notierungen der Biehmarct preise vom 27. Tez. 1911. Austrieb: 6 6 Anw er, 209 Ochsen, 21 Bullen, 455 Färsen und Kühe, 0 Fresser, 100 Kälber, 77 Schafe, 1272 Schweine. Preise für 1 Rentner: Rinder: A. Ochsen: ->. vollsteischige, auigemäftete höchsten Schlachtwertes hMens,? Jahre alt (Lebendgewicht) 50-54 Mark, (Schlachtgewicht) 91-93 M., die noch nicht gezogen haben (mrgeiocht) > Lebendgewicht) 00-00 M., (Schlachtgewicht) 00-00 Mark, b. junge fleischige nicht ausgemmtete und ältereausgemästete(Lebendgew.' 45—49 M„ (Schlachlg.) 81—89 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere (Lebendgew.) 40 -44 M, (Schlachtgew ) <4-8r Diack, d. geling genährt« jeden Alters (Lebendgew.) 00—00 M., (Schlachtgew.) 011-4)0 M. B 'tiuile n: a. vollfleischtge, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) 43- 46 M., (Schlachtgewicht) 68-/0 St., b vollstetsch'.ge jüngere (Lebendgewicht) 41-42 Mar., (Schlachtgew.) 68-70 M., c. mäßig genährte jüngere und am genährt« ältere /Lebendgewicht) 00 - 00 M., / Schlachtgew.) 00—00 M., d. gering genährte (Lebogew.) 00--00 3)1., (Schlachtgew.) 00-00 M. C. Färsen und Kühe: a. vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes (Lebendgewicht) 43 -48 M., Schachtgew.) 77-86 M., b. vollsteischige. ausgemästete, Krihe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren .Ls gew.) 40—44 M., (Schlachtgew.) 74—79M., c. 1) mentg, gui entwickelte Färsen (Lebendgew.. 38 —42 M., .Schlachlg.) 73—81 M., do. 2) ältere ausgemästete Kühe und roeittg aut entwickelte jüngere Kühe > Lebendgew.) 31-39 M., (Schlachtgew.) 63—72 'Di., d. müßig genährte Kühe u. Färsen (Ledendg.) 26—31 M., (Schlachlg.) S2-62 '11., e. gering genährte Kühe und Färjen (Lsdrudzew.: 18 -24 1H£., (Schlachtgew.) 41—55 M. D. Gering genährte» Jungvieh (Fresser) (Lebendgew.) 00 -00 M., Sch!achlg.) (60-00 M. Kälber: a. Doppelender fem,te Mast Lebendgew.> 00 —00 M, (Schlachtgew.) «K-00 M-, b. fernste Mast- (Bollnülchmast, unb bene Saugkälber (Lebendgew.) 00—00 M., (Schlachtgew.) 00 - 00 M., c mittlere Mast- und gute Saugkälber (Ledendg' w.) 55—60 M., (Schlachtgew.) 93-102 M ,^ d. geringe Saugkälber (Lebendgew. 50 -54 M., (schlackftgew.) 80-85.«) geringe Saugkälbar (Ldgew.) 45 - 47, (Schlachtgew.) 76-80M. Schafe: A. Weidemastschafe: a.Mast- lämmer und jüngere Masthämmel (Lebendgew.) 36-38 Mk., (Schlachtgew.) 78-80 M-, b. ältere Masthämmel und gut genährte Schafe (Lebendgewirgt) 32-00 M., (Schlachtgew.) 76-0o M., c. mägig genährte Hammel und Schafe (Merz-Schafe (Lebendgewicht) 00 -00 M-, (Schlachtqwicht) 00-00 Mark, 4. MarichfckMe oder !)tiederungsschase (Lebendgew.) 00—00 All, (2 chlacht- gew.) 00-00M. B. Stallmastschafe: 00. Schweine: a. vollsteischige Schweine von 80—WO kg Lebendgeivicht (Lebendgew.) 49-51 M , (Schlachtgew.) 63-60 M., b. vollsteischige Schweine bi8 100 kg keoenbgeroi^t (Lebendgew ) 48h,- 50 M., (Schlachtgew.) 58-60 M., c. vollsteischige Schwmne von 100-120 Lebendgewicht (Lebendgew.) 48—50 M., (Schlachtgew.) 62—64 M., d. vollflcnchige Schweme von 120— I-oO kg Lebendgew. (Ledendg.) 50—51 SEIL, (Schlacht«.) 64 bl» 65 Mark, e. Fetischweine über 150 kg Lebendgewicht Kebdgew.) 00 -00 M., (Schlachtg«.) 00 - 00 Mark, f. unreine Sauen und geschnittene Eoer (8ebenbg«ö.) 00-00 M., Schlachtgewicht) 00-M) M. — Jimber, Kälber unb Schafe werden bei ruhigem, Schweine bet - flottem Geschäftsgang ausve. lauft-— I» der Neufahr-- woche wird der Hauptmarli Dienstag, 2. Januar 1912, : abgehalten. t
Dringen. So schreibt ftie „Köln. Zeitg.": Der groß-I herzogliche Einweisungskommissar, der nach der Verfassung die Konstituierung der zweiten Kammer bis zur Feststellung des Alterspräsidenten zu übernehmen Hat, gab m der Kammer nach der Verlesung der An- fvcsenheitsliste bekannt, daß die Einladung an den Abg. Jautz als unbchellbar zurückgekommen sei. Er übergebe daher die amtlichen Schriftstücke in dieser Sache dem Präsidenten. Der hierdurch abs verschollen bezeichnete Abgeordneie war aber tatsächlich er- schienen, hatte sich ordnungsmäßig in die Anwesenheitsliste eingeschrieben und auf seinen alten Platz Pesetzi, obschon dieser für ein neues Mitglied der Kammer bestimmt war. Von alledem und von dem Mehrfachen Räuspern des „Verschollenen" nahm der Regkerungskommissar keine Kenntnis, wenigstens nicht pmtlich, er stellte vielmehr fest, daß 54 Abgeordnete anwesend seien, trotzdem es deren 55 waren unb bei drei darauffolgenden Abstimmungen auch 55 Stimmen stbgegebon wurden. Vermutlich wird nunmehr der Sentorenkonvent dir Angelegenheit zu prüfen haben Und unter Umständen die Ungültigkeit des Mandats beantragen müssen, da nur derjenige das Amt des Abgeordneten ausüben kann, der u. a. seinen festen Wohnsitz in Hessen hat und zu einer direkten Staats- -und Gemeindesteuer veranlagt ist.
Männer-- und Arbeiterverein St. Jo- ——————
seph seine Mitglieder und Freunde in oen Decher- Lzattdel Und Industrie,
scheu Saal ein. Er konnte mit einem reichen Pro- , .
gramm aufwarten. Die beiden ersten Theaterstücke I * Berlin, 27. Dez. 1911. Rach den Feiertagen entsprachen dem Charakter der Festzeik, beim dritten fehle die Börse reckt zuversichtlich em. Bankaliten kam der Humor zur Geltung. Die Spielenden hat-1 teilweise höher. Montanakiien halten Lurchweg ten ihre Rollen gut erfaßt und schufen durch ihr I Preissteigerungen von 1 Prozent zu verzeichnen, flottes Zusammenspiel eine überraschend günstige i Sch.sfahrlsakticn und Eleklrtzttatt werte nicht em- Wirkung. Zum Schluß trat noch die Tinner-Riehe I bcitl'ck-
auf und erntete mit ihren äußerst exakten Hebungen ** Die Berliner Hypothekenbank AktiengeseLfchaft am Barren wohlverdienten Beifall. ladet laut Inserat zu einer Zeichnung em auf
* Gilserbero, 27. Dez. 191L Hier tritt bie 110 000 000 Mark ihrer stprozentigen Pfandbriefe, Diphth eritis auf unb forbert Opfer. Am Weihst frühestens kündbar zum 2. Januar 1922. Die Zetch- , nachtsabend starb an 6er tückischen Krankheit ein! nnng findet am 5. Januar 1912 zum Kurse von
** Muß man einem vermögenslosen Käufer Waren auf Kredit liefern? Ein sehr wichtiges Urteil, das alle Kaufleute zur Vorsicht mahnt, hat in letzter Instanz das Reichsgericht gesprochen. Der Kläger hatte vom Beklagten Waren gekauft, einen Kaufvertrag hierüber abgeschlossen, die Lieferung auf Kre' btt aber für später vereinbart. Beklagte weigerte sich aber später, die Waren zu liefern, da er schlechte Auskünfte über die Zahlungsfähigkeit des Käufers erhalten habe. In der Tat wurde ber Käufer resp. Kläger bald danach fruchtlos gepfändet. Dennoch gab das Reichsgericht dem Kläger recht; minftestens habe er einen Anspruch auf Schadenersatz. Der Verkäufer, also der Beklagte, hat die Folgen seiner Handlung bzw des Kaufvertrages zu vertreten, zumal er nicht
Aus dem Nachbargebiele.
(!) Oberufhausen (Kr. Hünfeld), 27. Dez. 1911.1 Gestern abend wurde im hiesigen Gesellenhause das Ritterschauspiel „Vom Verräter umgarnt" I vor recht zahlreichem Publikum gegeben. Zum Lobe 1 des Verfassers muß gesagt werden, daß Karl I Schwienhorst, Ehrenmitglied des Gesellenvereins in I Ahlen i. W., welcher als Autor mehrerer Theater-1 stücke bereits rühmlichst bekannt ist, hier ein Stück I für bie Veremsbühne geschaffen hat, welches nicht nur flott gefcbrieben, sonoern auch durch markante Churakterzeichnung und reich wechselnde Szenerien die Zuschauer in fortgesetzter Spannung hält. Das Stück fand hier ungeteilten Beifall, besonders gut gefielen die beiden Knabenrollen. Es wird am I Neujahrstage, abends 7 Uhr, nochmals zur Aufführung gelangen.
V Kassel, 27. Dez. 1911. Wir gehen wieder dem Beginn eines neuen Schuljahres entgegen, und damit erhebt sich für viele Eltern die bange Sorge: „Wo bringen wir unsere Kinder unter?" Kamen bisher in den meisten Fällen nur die Knaben in Betracht, so bringen es bie veränderten Verhältnisse mit sich, daß auch die Mädchen einer besseren Schulbildung bedürfen, als es sonst der Fall war. Von diesem Gedanken geleitet, hat die königliche Regierung ben höheren Mädchenschulen einen neuen Lehrplan vorgeschrieben, der mit Ostern 1912,vollständig in Kraft tritt. Anerkannte höhere Mädchenschulen, | die nach diesem Plane arbeiten, führen die Schülerinnen in einem zehnjährigen Kursus (vom 6—16. Jahre) zu dem Ziele, daß sie ohne Prüfung in ein höheres Lehrerinnenseminar), in die Fach- und Kimstgewerbeschulen aufgenommen weiften können. Es muß noch bemerkt werden, daß auch bei dem Eintritt in den Eisenbahn- und Postenensl die Abiturientinnen der 1. Klasse bevorzugt werden, Im Sinne der ministeriellen Bestimmungen vom 18. August 1908 ist die kathol. höhere Mätzchen- schul e,Ständeplatz 16, geleitet - von den Schulschwestern aus Heiligenstadt, anerkannt worden nutz bietet somit den Mitgliedern der kathol. Gemeinden Kassels bie Gelegenheit, ihren Kindern eine getzie- gene kathol. Erziehung angedeihen zu lassen. Auch auswärtigen Kindern ist Gelegenheit geboten, die Schule zu besuchen, da mit derselben ein Pensionat verbunden ist. Die Schule liegt im Zentrum der Stadt, nahe dem Hauptbahnhof und tzer Pfarrkirche ad St Familiam, sie hat bequeme Verbindungen mittels der Elektrischen nach allen Richtungen. Ein Hinweis in Bekanntenkreisen auf das gut besuchte Haushaltungspensionat der Schulschwestern wird sich verlohnen, wenn man die herrliche Umgebung unserer Residenzstadt mit ihrer einzigartigen Wilhelms- höhe, die sehr bemerkenswerten neuen Kunst- und Bildungsstätten in Betracht zieht.
* Darmstadt, 27. Dez. 1911. Der als verschollen erklärte Abg. Jautz ist, wie schon kurz gemeldet wurtze, bei der Eröffnung der zweiten hessischen Kam" jner im Sitzungssaale erschienen. Der Fall wird nun verschiedene Verwickelungen mit sich
Sie TWer i)t5 Lerbmlerl.
80] Ron an von Adele Böttcher.
„Gut. Nun eine Frage, Toselli! Sie find ein erfahrener Mensch auf diesem Gebiet: was halten Sie von der ganzen Sache?"
Der Kleine räuspert sich.
„Hm — aus den Informationen, die ich bott Ahnen und aus anderen Quellen erhalten habe Möchte ich entnehmen, daß die OrloffS mit ben Lnn- aos unb wahrscheinlich noch anderen unter einer Decke necken, daß alle an dem Diebstahl beteiligt sind unb Daß ft er Raub sich gegenwärtig in den Händen der Arloffs befindet. Besonders gravierende Umstände dafür sind, daß die Orlofss sofort ins Ausland reifsten, ohne ihre Dienerschaft und ihr Gepäck abzn- ■■toarten."
x „Ganz meine Meinung."
Der Detektiv verbeugte sich.
„Ich glaube nicht, daß irgend jemand einen anderen Schluß ziehen könnte, nachdem Sie ihm mitge- teitt haben, daß die Qrlosfs notorische —"
„Schon gut, schon gut!" wehrt der Marchese Sil' vio ab, mit einem Seitenblick auf seinen Sohn, dessen finsteres G-sicht deutlich seine Verstimmung zeigt. „Vorläufig danke ich Ihnen, Toselli. Fragen Sie Morgen früh wieder bei mir an, ob weitere Nachforschungen erwünscht sind!"
Damit begleitet er den Detektiv zur Türe. Dann jtritt er rasch auf Orlando zu und sagt, ihm kardial iauf die Schulter schlagend, in gutmütig-spöttischem Lotte:
„Ich gratuliere tzir, daß du zur Zeit den Rückzug Mngetreten hast. Ich fürchtete schon, du würdest dir durch einen unüberlegten Schritt deine Zukunft ruinieren."
Orlando erwiderte nichts. Die Ellbogen auf die Mnie gestützt, starrt er finster auf das Teppichnmster Hu feinen Füßen.
k Durch sein Schweigen beunruhigt, blickt der Mar- kKese ihn mißtrauisch von der Seite an. . Dann läßt
er sich in einen Fauteuil fallen, legt die Beine überein nutzer, stützt dir Arme auf bu Seitenlehnen des Sessels und drückt die ausgestreckten Finger beider Hände aneinander.
„Ich habe gestern durch bie russische Gesandtschaft dir Nachricht erhalten, daß jener blintze Russe, der sich Fürst Orlofs nennt, wahrscheinlich mit einem berüchtigten Dieb namens Samueloff identisch ist, der samt feiner Familie wegen Diamantendiebstahls nach Sibirien verbannt war und von dort "ntflohen ist. Du kennst also jetzt tzen wahren Charakter jener Leute, mein Sohn."
Zum erstenmal blickt Orlando ans.
„Ich sehe keinen Gründ, meine bisherige Meinung über Boris Orlofs unb feine Enkelin zu ändern," entgegnete er kühl. „Daß ftie russische Regierung sie eines gemeine» Verbrechens zeiht, ist ein alter Kniff, um politische Flüchtlinge im Ausland in Mißkredit zu bringen. Auch ist sie vorsichtig genug, sie Beschuldigung hinter dem Wort wahrscheinlich zu verschanzen."
Aergerlich schüttelte der alle Marchese ben Kopf.
„Deine Halsstarrigkeit kann dich doch unmöglich für Tatsachen blind machen! Die Orlofss wären nicht so Hals über Kopf abgereist, wenn sie sich un- schubtzig fühlten."
Lebhaft springt Orlando auf. Etwas wie Triumph blitzt aus seinen dunklen Augen.
„Wen hältst du für ben schuldigen Teil, Vater - den Alten ober bie Enkelin?"
„Beide."
„Und du siehst in ihrer Abreise tzm Hauptbeweis ifcer Schuld?"
„Ja."
„So sage ich dir. daß du Sonja Orlofs ungerecht beschuldigst! Sie hat Rom nicht verlassen."
„Hat Rom — nicht verlassen?" wiederholte der Marchese in einem Tone, als glaube er, nicht recht gehört zu haben.
„Ich halte sie gleich mit mir gebracht, wenn ich nicht fürchrete . .
„Erspare mir die Beleidigung!" fährt der Marchese auf . „Wo steckt ter alte Schurke?"
„Wo Boris Orlofs sich gegenwärtig aufhält, wissen wir nicht," kämet die ruhige Entgegnung. „Gestern abend reifte er ab."
„Unb feine Enkelin hat sich — unter deinen Schutz begeben?"
®er Ton, mit dem er die letzten Worte ausspricht, und der begleitende Blick find so beleidigentz, daß Ockanda Zornesröte in bie Stirne steigt.
„Bitte, setz dich wieder!" bemerkt tzer Marchese kalt. „Ich darf wohl erwarten, oaß bu mir alle Einzelheiten deines — wie soll ich sagen — deines Abenteuers mitteilff?"
Mit zusammengepreßten Lippen unb gefurchter Stirne geht Orlando einige Sekunden im Zimmer auf und ab, um feiner Erregung Herr zu werden. Dann bleibt er vor seinem Vater stehen m;ft blickt ihm fest in die Augen. Ganz genau erzählt er ben Hergang — i-en ferner Unterredung mit dem alten Orloff an bis zu dem Augenblick, da er gestern abend Sonja in die Wohnung Benedettas gebracht. Auch nicht die geringste Kleinigkeit verschweigt er, damit die einfachen Tatsachen tzen fleckenlosen Cha: Fier der Geliebten beweisen und seines Vaters unrechtes Vorurteil verscheuchen möchten.
Ilufmerkfam hört oer Marchese zu. Dabei nehmen feine Gedanken zwei verschiedene Richtungen: er versucht aus Orlandos Mitteilung-» Schlüsse zu ziehen und überlegt gleichzeitig, welche nachteiligen Folgen es für feine politische Laufbahn haben könne, wenn sein Sohn wirklich jene Russin heiratete. Schon sieht er im Geiste, reit welchem Wohlbehagen die ihm feindlich gesinnten Zeitungen die romantische Liebesgeschichte zum ErgötzE des Leseprchlikmns aufbauschen werden . . . schon fühlt er den beißevtzen Sarkasmus feiner politischen Gegner ftn Parlament —
„Jetzt weißt bu alles, Vater," schließt Orlando, tief aufatmend.
Der Marchese streicht ein paarmal über sein glatt rasierter Sien, bevor er kalt kzt: ,,e .
„Was du da erzählst, klingt ganz föon, ineto Sohn Trotzdem sind meine Zweifel an der Ehrlichkeit dieser Russen durchaus nicht gehoben SU» jedem kleinen Zuge deiner Mitteilungen spricht die
listige Verschlagenheit des Alten, und seine Eiflelm ist ohne Zweifel feine Mitschuldige. An den vollständigen Bruch der beiden glaube ich nicht. Er hat sie sicher mit ihrem Emverständms zurückgelaffen, damit sie sich möglichst vorteilhaft verheirate. Als Opfer list du aus ersehen —'
„Sonja kennt meine pekuniäre Lage unb weiß, dass ich nichts von meinem Vater zu erwarten habe, wenn ich gegen seinen Willen heirate," fällt Orlanfto rasch ein.
„Aber sie weist auch, daß o« mein einziges Kind bist und daß ich dich nicht verhungern lassen kmm - schon ms Rücksicht auf meine Polirische Stellung "
Mit einer unwilligen Gebärde nimmt Orlando seinen Hut. Er fühlt, bei solch völlig entgegengesetzten Auffassungen der Sachlage ist eine Einigung unmöglich.
„Ich habe nichts weiter darauf zu erwidern, als daß ich Sonja Orloff heiraten toetfte,“ sagte er fest unb wendet sich zum Gehen. „Leb wohl, Vater!"
„Einen Augenblick noch! Wenn ich bir den Beweis dafür gebe, daß die junge Person dich nur aus Gewiwcfuchs heiraten will, einen unumstößlichen Beweis — würdest da dich ftann >u meinet Auffassung bekennen?"
„Selbstverständlich." Aber das wird dir nicht gelingen." . . .
„Wir werden sehen. Du willigst also ein, dem Ideal einer Prüfung zu unterziehen?"
„Gut. Ich fahre noch heute mit dir zu Bene dekta um mit Sianorina Samueloff — Pardon! ber> beffert er sich spöttisch, als er seinen Sohn empört abwehren sieht — „um mit Signmma Orloff zu sprechen."
♦
Iowischen ist auch Sonja nicht müßig gewesen Sie hat die notwendigsten Einkäufe gemacht und sich aller an die Adresse der guten Benedetta schicke, lassen.
(Fortsetzung folgt.)