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M 296.
Erstes Blatt
Fulda, Donnerstag den 28. Dezember 1911
38. Jahrgang
ie von vor«.
1905:
1900:
1909:
1909:
roorben, denen zufolge beide Regierungen von dem Recht, den Vertrag und das zugehörige Zollabkommen zum 31. Dezember 1912 zu kündigen, keinen Gebrauch machen werden.
* Billige Uebcrsee-Telegrmnme. Das Amtsblatt M Reichs- Postamts bringt die Nachricht von der Einführung von Uebcrsee-Telegrammcn, deren Beför. derung nach Abwicklung des übrigen Verkehrs er- folgt, werben zuzelassen im Verkehr mit Togo, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika, Deursch-Ostafrika den Vereinigten Staaten, ferner mit Schanghai, Peking, Tsingtau, Tientsin und mehreren andern chinesischen Städren, sowie mit einer Reihe britischer außer- europäischer Kolonien, 'darunter Brttisch-Jndien Singapur, Aden, Bririsch-Oftafrika und Uganda die südafrikanische Union, Rhodesia, Sansibar. Das Amtsblatt veröffentlicht gleichzeitig die Bedinguw S,Cr'-,untet bcnat Uebersee-Telegrammx zu halber Gebühr zugelassen werd: -
--München, 28. Te, .911. Ueber das Befinden des Prinz reg ent en von Bayern liegen wieder unbefriedigende Nachrichten vor. Danach hat sich der 90 jährige Fürst eine Muskelzerrung am rechten Oberschenkel zugezogen. Die Hoffnung, daß das Leiden sich bald beheben lassen würde, hat sich bis jetzt nicht verwirklicht. Der Regent ist jetzt an das Zimmer gefesselt. — Da» bayerische Mnusterium des Innern hat einen Erlaß gegen das Submissionsunwesen herausgegeben. Eine ganze Reihe von Maßnahmen wurde augeordnet, u. a. sollen bei der Festsetzung angemessener Preise künftig vertrauenswürdig« Handwerksmeister durch ihre Gutachten mitwirken.
Ausland.
** Immer noch Marokko.
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Mr die Anzeigen:
A.ParzeLer in Fulda. wschmbeilas«: .Illustrierte §onntagrzektllng"
In der französischen Senatskouuniflion zur Beratung des deutsch-französischen Abkommens komme« recht mteressante Einzelheiten über die Hochpolstisch« Entwicklung zu Tage. Erfreulüher Weise schneidet die gegenwärtige deutsche Regierung dabei sehr gut ab, ' ------- ' " * '
1909: gegen die Zollerhöhung auf Champagner;
1911: gegen die den mühelosen Gewinn treffende Wertzuwachssteuer;
Tirses soziaidcmokratische Sündenregister könnte roch um viele Nummer» erweitert werden. Aber dics genügt zur Kennzeichnung der „Vottsparlci" die für die „armen Leute* so besorgt ist.
--- Hosiuftld, 27. Tez. 1911. Am 2. WsihrachtS« leier tage fand dah-er eine aus Hofenfeld und Um-
Wahlkreis Fulda-Gersseld-Schlüchtern. ~'
ft 28. Dez. 1911. In großen Massen lassen die Sozialbemokraten namentlich auf dem Lande ein Flugblatt verteilen, dar alle bk «ten Ladenhüter, die in der Polemik gegen da«
gegrnd gut besuchte Wahlversammlung der Zentrums an Hänger statt. Der redegewandte Bürgermeister Lauer von Pfaffenrod wies einleitend aus tcn Wahlkampf hin und betonte die Notwendigkeit eifrigen Muarbeitens in demselben. Hierauf verbreitete sich Herr Pfarrer Kiene mund in kernigen Worten über die Tätigkeit und Verdienste des Zentrums in der verflossenen Legislaturperiode und zeigte, was es besonders für den Arbeiter geleistet hat. Die Ausführungen fanden den verdienten begeisterten Beifall. Die Versammlung beschloß hierauf, an den bisherige» Reichstagsabgeordneten Herrn Richard Müller ein Telegramm zu senden, worin sie ihm auch fernerhin ihre Treue und Anhänglichkeit bekundete. Auf die Anfrage des Herrn R. Müller, ob er auch ohne Abhaltung einer Wahlversammlung auf die Stimmen seiner getreuen Vogelsberger rechnen könne, können wir ihm versichern, daß ihm sämtlich« Stimmen von Hosenfeld und Umgegend sicher sind und daß man ihm in der jetzigen Wahivorberestnngszeit, in der er ohnehin schon ganz in Anspruch genommen ist, die Abhaltung einer nochmalige» Versam > lung ersparen wolle, zumal Herr Müller in Aussicht gestellt hat, im Früh- jahr zu kommen, um di« neue Bahnlinie zu desich- tigen, was von der Versammlung mit Freuden begrüßt wurde.
Aus dem Wahlkreis Marburg-Kirchhain-Frankenberg.
Botschafter dasselbe gesagt, was er auch in den offiziösen Blättern jener Zeit öffentlich verkünden ließ: Wenn die Franzosen nach Rabat und gar nach Fez gingen, so sei trotz aller Versicherungen von dem provisorischen Charakter der Besetzung doch zu erwarten, daß sie den Rückweg nicht finden würden, sollten aber die Franzosen mit oder ohne Absicht über die Bestimmungen des Algeciras-Vertrages hinaus Besitz ergreifen, so erhalte Deutschland feine volle Handlungsfreiheit wieder. Die Zukunft hat sich nun genau so gestaltet, wie Herr v. Kiderlen sie in Aussicht gestellt hatte. In dem Senatsausschuß wurde gesagt, Herr v. Kiderlen habe die Aufrichtig- keit der französischen Erklärungen äuge,zweifelt; er hatte tatsächlich aber nur angedeutet, daß die Logik der Tatsachen stärker sein würde, als die damals bekundete Willensmeinung der französischen Diplomatie. Als nun die Logik der Tatsachen wirklich zur dauernden Besetzung von Fez geführt hatte, machte Deutschland von der angekündigten Handelsfreiheit Gebrauch, indem es zum Schutze der persönlichen und wirtschaftlichen Interessen das Schiss nach Agadir sandte.
Herr Bassermann, der selbstbewußte Dile» tant in der hoben Politik, wollte durchaus die Rot-
.Der goldene Sonntag hat diesmal seinem Namen alle Ehre gemacht. Er war in Wahrheit ein .goldener" Sonntag, ein außerordentlich lohnender Geschäftstag für die Ladeninhaber. In der Leipziger Straße herrschte in der sechsten Stunde ein Fußgängerverkehr, wie er bisher wohl noch nicht verzeichnet worden ist. Nur langsam vermochten sich die Menschenmasfen auf den Bürgersteigen und auch auf dem Fahrdamm vorwärts zu schieben. Seitens der Polizei waren umfangreiche Vorlehrungen aetroffen worden, um den Verkehr zu leiten. Mit dem^Ausiall des GefchästeS sind die Ladeninhaber äußerst zu- frieden. Auch auf Weihnachtsmärkten wurde tüchtig gekauft." ö
Tiefe treffende Schilderung wird entworfen, so schreibt die Deutsche Tagesztgck, von dem Leiboraan der freisinnigen Volkspartei in Berlin, die sonst das ganze Land mit ihren demagogischen Klagen darüber erfüllt, daß das arme deutsche Volk durch die agrarische Wirtschaftspolitik, durch „Hungersnot' und »schwarzblaue Steuern" „ausgepreßl" und „ausge- mergelt" werde. Nur die oberen Zehntausend oder Hunderttausend machen ihre Einkäufe nicht im Ge- lümmel des goldenen Sonntags in Berlin, es ist also nur „ausgepovertes" Volk gewesen, das die Kassen der Geschäftsleute füllte. Auf den Teue- rungs. und Steuerschwindel der liberalen Hansa- bündler wirst diese Schilderung doch ein grelles Schlaglicht. Mit solchen Meldungen spotten die Hetzer ihrer selbst und merken es nickt.
(*) Ein« Zweikampfherausforderung infolge drr Wahlagitation wird den »Leipziger Neuest. Rachr.' aus Plauen gemeldet. Ein freisinniger Parteitührer habe einen konservativen Parteiführer infolge gewiller Aeuße- rrmgen in einer freisinnigen Wählerversammlung zum Zweikampfe herausgefordert. Beide Herren sind Rechts- anwält«. Der Geforderte soll die Forderung abgelehnt
Zentrum schon taus-ndemale dem verehrten Publikum präsentiert worden find, wieder auftischt. Insbesondere klagt das Flugblatt über die „Bedrückung und Ausplünderung" des Volkes, di« angeblich das Zentrum betrieben haben soll. Es habe, statt «ine kräftige Nachlaßsteuer zu bewilligen, 400 Millionen Mark „Arme - Leute - Steuern" bewilligt. Ueber die Nachlaßsteuer werde, wir in diesen Tagen gelegent- lich noch reden. Ueber „Arme-Leute-Sleuern" aber kann der leicht schimpfen, der nur deshalb nicht für diese Steuern gestimmt hat, weil er selbst nicht wußte, wie der Finanznot des Reiche- abgeholscn werden sollte. Daß die „atmen Leute" ht dem Maße von dm neuen Steuern betroffen würden, wie die Sozialdemokratie es dm Wählern vorredm will, ist gar nicht wahr. Das deutsche Reich hat auch jetzt, nach der Reichsfinanzreform noch eine weit gerechtere Stmerverteilung als das von Sozialisten regierte Frankreich. Warum.haben die Sosialdemokratm denn nicht in Frankreich, wo sie doch zu sagen habm, gegen die „Arme «Leute« Steuern" gestimmt, vielmehr statt dessen dort noch viel mehr „Arme-Lmte-Steuern" bewilligt? Bon einer Volkspartei, die es wirklich mit dem kleinen Mann gut meint, darf man wohl verlangen, daß sie in erster Linie jenen Stmern zuftimmt, die die Reichm treffen. Hat das vielleicht in Deutschland die „Volkspartei" der Sozialdemokraten getan? Im Gegenteil. Sie stimmte g egen alle Steuern und Abgaben auf di« Besitzenden:
Während der diplomatischen Verhandlungen des letzten Sommers wurde bekanntlich in der französischen und englischen Presse der deutschen Regierung mehrfach zum Vorwurf gemacht, daß sie den Stand- punkt gewechselt, ihre Forderungen geändert habe. Die Enthüllungen haben inzwischen gezeigt, daß nicht ein unsicheres Schwanken oder gewundene Ueberli- stungsversuch« Vorlagen, sondern nur das redliche Streben, den Bedenken der anderen Seite möglichst entgegenzukommen und Hindernisse, die den einen Weg zu versperren schienen, auf einem anderen Wege zu umgehen. Eine wirkliche Schwenkung hat aber eingestandenermaßen die sranzösische Diplomatie vollzogen und zwar anläßlich eures der landesüblichen Ministerwechsel. Zur Zeit des Herrn P i ch o n als auswärtigen Ministers versuchte Deutschland für eine wirtschaftliche Verständigung die Grundlage zu ge- toinnen in der Organisation einer internativ- n a I e n Gesellschaft für Eisenbahnbauten rc., bei der Deutschland zu 50 Prozent beteiligt gewesen wäre. Als Herr C r u p p i das Ministerium des Auswärtigen übernahm, ließ Frankreich diesen Plan unter den Tisch fallen. Damit scheiterte die letzte Möglichkeit, den Vertrag von 1909 in erträglicher Weise zur Durchführung zu bringen. Aus gewissen Andeutunzen ergibt sich die Vermutung, daß Herr Cruppi bei >er Ablehnung der bisherigen Verhandlungsbasis von England beeinflußt wurde. England war nämlich in dem fraglichen internationalen Konsortium nur zu 7 Prozent vertreten. Es wäre sehr interessant, wenn genau festgestellt würde, ob England chon in diesem ersten Stadium der Verhandlungen der Störenfried gewesen ist.
Von besonderem Werte ist die Feststellung, daß die Fahrt nach Agadir durchaus nicht ein Blitz aus heiterem Himmel oder eine überraschende „Geste" des brutalen Deutschland gewesen ist, son- i)ern eine den deutschen Staatsmännern aufgenötigte Maßnahme, welche die französischen Staatsmänner als natürliche Folge der vorhergegangenen offenher- zigen Erklärungen Deutschlands betrachten mußten. Herr v. Kiderlen-Wächter hatte dem französischen
+ Der Wahltag naht!
Die Festtage sind nun vorüber, und nur zwei Wochen trennen uns von dem großen emscheidungs- volleu Tage, an dem das deutsche Volk wiederum seine Vertreter für fünf Jahre in den Reichstag sendet.
Alts dem Wahlaufruf, mit dem sich die Zentrumsfraktion an die Wähler wandte, wiffen wir bereits, worum es sich bei dem Kampf am 12. Ja- nuar dreht. Es ist dort mit aller Deutlichkeit gesagt worden, daß zwei Tinge im Vordergrund sieben-
Der Kampf um die Fortführung unserer be- wahrten Wirtschaftspolitik und der Kampf um dte christliche Weltanschauung.
Zieht eine Mehrheit von Sozialdemokraten und Liberalen in den nächsten Reichstag ein, dann wird mit bett Zöllen, die unseren Bauernstand lebenskräftig und leistnngsfähig erhalten, unter deren Schutz unsere Industrie zur höchsten Blüte gedieh und zum Stolz Deutschlands wurde, aufgeräumt. Die Folge wäre der Ruin unserer Bauern, Herabsctz ing der Lichn« der Arbeiter und unter der schweren Erschütterung des Wirtschaftslebens hätte der Mittelstand nicht am wenigsten zu leiden. Dos Ansehen unseres deutschen Vaterlandes würde schwinden, seine Welt- machistellung wäre erschüttert und die Millionen Deutsche, die im Auslande ihre wirtschaftliche Exi- swnz haben und dort deutsche Kultur und deutsche Sitte verbresten, touren in ihrer Existenz vernichtet. Deutschland würde zu einem Staat zweiter Klasse herabsinken.
. Wenn Liberale kommen und sagen, sie wollten w gar nicht unser Schutzzollsystem Plötzlich brechen, dann weisen wir auf die Debatte hin, die sich an die Verteidigung unseres Schutzzollsystems durch den Reichskanzler anschloß. Dort erklärte der freisinnige Redner namens seiner Fraktion, daß die Freisinnige Partei den „A b b a u u n s e r e r Z ö l l e" verlange. In einer liberal-sozialdemokratischen Mehrheit würden die Sozialdemokraten die stärkste Partei sein und infolgedessen den größten Einfluß haben. Die So- ztaldemokraten begnügen sich nicht nur mit dem „Abbau", sondern fordern die sofortige Aufhe- b u n g aller Zölle. Und der strikten Forderung der Sozraldeinvkrawn fömtieit sich die Liberalen, die zusammen vielleicht mir die Hälfte des Großblocks ausniachen würden, nicht widersetzen.
* Mühlhause« i. Thür., 27. Dez. 1911. Das Zentrum im Wahlkreis Mühlhausen - Langensalza beschloß den konservativen Kandidaten Gutsbesitzer Arnstadt zu unterstützen.
"Dir Verbandsleituiig der Aiudthorstbund« veröffentlicht einen Wahlaufruf an die Mitglieder des Bundes. Es heißt darin:
„Die Partei ruft. Sie ruft die Wähler, sie baut aber mit Recht besonders auf geschulte Vertrauensmänner, welche die gewaltige Wahlarbeit leisten. Aus den Windthorstbunden müssen und sollen ihr die besten, die geschultesten, die eifrigsten und opferwilligsten Hilfskräfte erstehen. Jetzt gilt cs zu zeigen, wa? wir in zäher, unermüdlicher Aufklärungsarbeit in unseren Reihen geleistet, welche guten Fortschritte wir in dieser Beziehung in den letzten fünf Jahren gemacht haben. Jetzt muß den Parteiführern erneut zmn freudigen Bewußtsein kommen: Wir haben eine politisch durchgebildete, stramm disziplinierte, von hoher Beaeisternnq und ArbeUssreudigkeit erfüllle Mannschaft, die furchtlos und treu allezeit cinstcht für die hohen Ideale des ötntrumä! Wir bitten alle Vundesnütgleder. sich ungesäumt, jeder nach Anlage und besserer Befähigonn ui den Dienst der Partei zu stellen. Wir wollen einen gulen Anteil an dem Verdienste, um den Sieg unseres Zentrums uns erringen!"
* Spotten ihrer" selbst ... Wir lesen in einer Berliner Zeitung folgenden erfreulichen Berichi:
also zunächst vereitelt. Um sich zu trösten, rufen sie jetzt. „Wehe" über Rupp, weil er es nicht für angebracht hielt, persönlich zu dem Jesuitengesetz Stellung zu nehmen, während ein Vertrauensmann Bred^ erklärt habe, Bredt sei g eg en die Aufhebung. Wir bezweifeln wohl mit Recht, daß eS der ober- faulen Bredt-Sache besonder- nützen wird, wenn man weiß, daß Bredt strikte für die Aufrecht- erhaltung des Jesuitengesetzes ist, dieses Ausnahme- gesetzes, das aller freiheitlichen Gesinnung Hohn spricht. Daß aber von Seiten der Bredt-Freunde die Jesuiten in die Debatte gezogen worden sind, erinnert uns lebhaft an eine heitere Episode d e sich vor einigen Jahren im Reichstag abgespielt hat: Als eine längere Debatte über eine Steuer- frage durch eine Rede des geistlichen Abg. Dr. Pichler (Ztr.) beendet war, meldete sich der bekannte Kulturkämpfer Müller-Meiningen zum Wort
Geschäftsordnung und sprach: Ich möchte an den Präsidenten die Frage richten, ob es gestattet bk" Ausdruck Jesuit zu gebrauchen. Daraus bestieg der Zentiumkabgeordnete Dr. Heim den Rednerpult: „Ich möchte", erhärte er zur Ge- schaftsordnung, „mir auch eine Anfrage an den Präsidenten erlauben. Ist folgendes Zitat ge- stattet: Gutzkow sagt in dem Ritter vom Geist: „Wenn man einen minderwertigen Menschen möp uchst rasch erkennen will, darf man nur die Sprache auf die Jesuiten bringen." Die stürmische Heiter- kett des ganzen Reichstages hat damals bewiesen, daß man mit Gutzkow, dem Protestanten, so ziemlich ^stug ist in der Beurteilung der Leute, die, wie jetzt die Bredt scheu Agitatoren im Kreise Frankenbera, bie Jesuiten als Unholde verschreien und für ihre Wahlzwecke die protestantische Bevölkerung vor der jesuitischen „Gefahr" bange machen wollen.
Aber es gilt rwch mehr. Es gilt beit Kampf für tic christliche Weltanschauung! Liberale und Sozialdemokraten suchen das zwar zu leugnen. Sie habens auch im Jahre 1909, als in Baden der Wahlkampf tobte, geleugnet und den Wählern vor- geredet, es gelte gegen die Zündholz st euer M pre testieren. Als sie dann durch diese irreführende Parole bei den Hauptwahlen einen Erfolg errungen hatten, da triumphierten sie, das Volk habe sich gegen das „katholische und protestantische Pfaffentum" entschiede! i. Bei den Stichwahlen gab ihnen dann das badische Volk die Antwort, soweit es noch möglich war. Dasselbe Manöver versuchen Liberale und Sozialdemokraten bei den jetzigen Wahlen. Lassen wir uns nicht täuschen. Sorgen wir dafür, daß die Großblockpartei keine Gelegenheit habe, über die Niederlage der Parteien zu triumphieren, die den Kampf zur Verteidigung der christlichen Weltanschauung im deutschen Baterlande führen!
Vorwärts, wo es so Großes zu verfechten gilt! Mit aller Kraft müssen wir danach streben, schon itnerstenWahlgangausderganzenLi- Nre unsere Kandidaten durchzuhauen. Schvii int ersten Wahlgang muß deshalb der letzte Mann an die Urne
geholt werden. Auch dort, wo keine Gefahr ist, baß ein Gegner uns an die Seite drückt. Auch dorr fällt ftse Stimme ins Gewicht, und der glänzende Ausfall der Wahlen in den „bombensicheren" Kreisen erhöht auch den Kampfesmut unserer Parteigenossen. die erst in der Stichwahl den Sieg erringen müssen.
Vorwärts! Der Parteiparole entsprechend, einig und geschlossen! In zahlreichen Wahlkreisen hat die Zentrumspartei nach reiflicher Ueberlegung und mit wohlbegründeter Absicht auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichtet und die Unterstützung eines rechtsstehenden Kandidaten proklamiert. Hier muß der Wahlparole unbedingt Folge geleistet werden und zwar schon in der Hauptwahl, denn es bandelt sich meist darum, eine Stichwahl zu vermeiden. Ganz so muß chr Folge geleistet werden, als ob es sich um den Kandidaten der eignen Partei handle. Wir wiffen wohl, daß das Opfer, das man fiter von den Zentrumswählern verlangt, kein ge» m®«" ist. Aber es muß gebracht werden im Jn- terejie der Sache. An den Massen, wie der Partei- Parole ft-olge geleistet wird, läßt sich erkennen, ob es mit einer ausgeklärten und disziplinierten Wohleiychar zu tun hat oder nicht.
Vorwärts! Die Vorgefechte, die bei den Kommunalwahlen m Köln, in Trier und in zahlreichen anderen Städten stattfanden, endeten mit dem glänzenden Liege des Zentrums. Der Siegeszug, den die Zkittrnmspartei damit antrat, darf keine Unterbrechung erfahren bei den kommenden Wahlen. i mCr 3anuar, des kommenden Jahres muß ein R uhmestag in der Geschichte unserer Parier werden. '
(i.) Die Profess orenpariei in unserem Wahlkreis, die dem freikonservatio • nationalliberaleii Herrn Bredt das Reichstagsmcmdat verschaffen will, hat in einer Wahlversammlung m Roda bei Franken- berg ihren letzten Trumpf ausaespielt. Ein Wahl- artikel im Frankenberger Kreisblatt, dessen Einleitung einen abstoßenden Eigendünkel und geistigen Hoch- mut des Verfasser- verrät, trägt die erstaunliche Ueberschrist: Rupp und bie Jesuiten. Es wird in dem Artikel erzählt, in der Diskussion sei an den bentsch - sozialen Kandidaten Rupp von Seiten einer Anhängers Brrdts die Frage gestellt worden: Her, Rupp, wie stellen Sie sich zur Aushebung der Jesuilengesrtzes? Die Intelligenz der Proseflorenparlei glaubt sicherlich mit dieser Frage, neben bet laut dem erwähnten Artikel Getreidezöüe, Fmanzresorm, Seuchenschuh nur Nebensachen find, ihren höchsten taktischen „Triumph" zu feiern. Eie erwartete, Herr Rnpp werde erklären müssen, um di« Unterstützung des Zentrums zu erhalten, habe er sich verpflichtet, für die Aufhebung deS Jesuttengesetzes einzutreten. In diesem Falle würde bie Prvsefforenpartei den Evangelischen Bund mobil gemacht haben, um gegen Rupp, ben „Verräter bei Vaterlandes", dm „Zu- rücksührer brr Jesuitm", bie Posaunen von Jericho zu blasen. 68 kam anbet«, all die gelehrten Herren erwartet««. Herr Rnpp hat der Parteitnstanz deS Zentrums kein Berspreche« gegeben, für die Aushebung be« Jesmtengefetze« zu stimmen. Rupp konnte nach dem Bericht bef ,Frankenbergrr Rret«. blatte«' erklären, bw Katholiken feien viel zu loyal ihm in dieser Beziehung trgenb eine Verpflichtung' aufzuerlegen. Der KtiegSplan der Brrbt-Lmt« war
herein klar be« Gärig der Dinge durchschaut, der Pariser Regierung r«htreitig die Wahrheft gesagt und später in folgerichtiger Weise die Interessen Deutschlands unter Schonung des Friedens verfochten hat. Weniger günstig ist der Rückblick für untere frühere Regierung. Fürst Bülow ist für das Abkommen von 1909 verantwortlich und dieser oberflächlich garbeitete Vertrag wird jetzt von Shm» digen auch auf französischer Seite als verfehlt hingestellt. Er war ungeeignet für ein friedliches Zusammenarbeiten auf wirtschaftlichem Gebiete und führte alsbald zu bedenklichen Zweifeln und Zwistig» feiten.
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»»tatlonrdruckund Verlag -er Fuldaer Ak- monatsbeilage: „HuldiM Seschichkblätter" Zenisprecher Ur.-.
1881: gegen bie Einführung der Börsensteuer;
1885: gegen der schärfere.Ausgestaltung beuelben;
1894: gegen die erste Erhöhung der Börsensteuer;
1900: gegen bie neue Erweiterung berielben;
1900: gegen die Besteuerung der Wetteinsätze bei Rennen;
1900: gegen die Besteuerung der Schiffahrtssracht« urkunden;
1900: gegen die Erhöhung des Zolls auf Champagner:
1902: gegen die Einführung der Champagnersteuer;
1902: gegen alle Zölle auf Luxusgenußmütel (Austern, Kaviar usw.);
1902: gegen all« Zölle auf Luxusgegenstände (persische Teppiche, Edelsteine usw.);
gegen die Erwefterung der Besteuerung der Wetteinsätze bei Rennen;
gegen die Automobilsteuer;
gegen die Talonsteuer;
-----gegen die Erhöhung des Aktienstempels;
1909:- gegen die Verdoppelung der Champagnersteuer;
ventsches Neich.
** Berlin, 27. Dez. 1911. Der Pariser „Figaro" hatte eine Meldung verbreitet über Schwierigkeften, dir wegen des Kongoabkommens jtoifdfen Frankreich und Deutschland aufgetaucht wären, diese Meldung wird in Paris amtlich für vollkommen grundlos erklärt. Was die Zugehörigkeit der Kongo- infeln betrifft, so liege es m der Hand des einzusetzenden Ausschusses, die Fessstellung der neuen Grenze zu bestimmen. Die Breite der Fühlhörner an der Stelle, wo sie den Ubangi und Kongo erreichen, sei im Vertrage ausdrücklich mit 0—12 Kilometer angegeben. — Der bisherige fortschrittlich« ReichStagsabgeordnete Dr. Heckscher wurde bei einer AgftationSreise im Automobil bcrletzt. Das Auto schlug um, nnd Dr. Heckscher wurde der linke Arm ausgerenkt.
** Keine Kündigung deS bmifch-japanischen Han- bd8»ertt«fli. Die ,Rordd. Allgrm. Ztg.' schreibt: Nachdem d«r Reichstag dem neuen deutsch-japanischen Handelsvertrag seine Zustimmung erteilt hat, sind ztvssche« dem Auswärtigen Ami und der hiesigen japanische« Botschaft heute Noten anSgetauscht