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Mittwoch 27. Dezember (9U
58. rahrgang.
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Zeitung *
2. Blatt.
drttck Verlag der 8«Ida«r RctiendruSerel in Selbe.
□ Die Neuerungen
in derJnvaliden- u. Hinterbliebenenversicherung.
Am 1. Januar 1912 treten die neuen Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung über die Invaliden« und Hinterbltebenenver« Sicherung in Kraft. Im folgenden geben wir eine Uebersicht über die wichtigsten Neuerungen, welche vom 1. Januar in Kraft treten:
1. In die Versicherungspflicht werden neu einbezogen unter der Voraussetzung, daß ihr Jahresarbeilsverdienst 3000 Mark nicht übersteigt: a) Gehilfen und Lehrlinge in Apotheken, b) Bühnen- und Orchester-Mitglieder ohne Rücksicht auf den Kunstwert der Leistungen, c) Angestellte in gehobener Stellung (in ähnlich gehobener Stellung wie Betriebsbeamte und Werkmeister), wenn diese Beschäftigung Ihren Hauptberuf bildet.
2. Die Wochen beiträge sind erhöht; sie betragen in Lohnklasse 1: 16 Pfg. (bis jetzt 14 Pfg.), Lohnklaffe 2: 24 Pfg. (bis jetzt 20 Pfg.), Lohnklasse 3: 32 Pfg. (bis jetzt 24 Pfg.), Lohnklasse 4: 40 Pfg. (bis jetzt 30 Pfg.), Lohnklasse 5: 48 Pfg. (bis jetzt 36 Pfg.). Es müssen also z. B. vom 1. Januar für weibliche Dienstboten 32 Pfg.-Marken geklebt werden.
3. Vom 1. Januar ab werden Zusatzmarken zum Preise von 1 Mark ausgegeben. Durch die Verwendung von Zusatzmarken wird der Anspruch auf eine Zusatzrente für den Fall der Invalidität erworben. Jeder Versicherte kann zu jeder Se:t und in beliebiger Zahl Zusatzmarken einer liebigen Versicherungsanstalt in die Quittungskarte einkleben.
4. Tie Leistungen der Invalidenversicherung sind erweitert.
a) Neben Invalidenrente und Altersrente hat der Versicherte auch Anspruch auf Hinterbliebenen- Fürsorge, welche besteht in Witwenrente, Waifen- rrnte, Witwengeld und Waisenaussteuer. — Witwenrente erhält nur die dauernd invalide Witwe nach 'nem Tode ihres versicherten Ehemannes. — Waisen- rente erhalten nur Kinder unter 15 Jahren. — .Witwerrente erhält nach dem Tode der versicherten Ehefrau nur der erwerbsunfähige Witwer (falls die Ehefrau aus ihrem Arbeitsverdienste den Lebensunterhalt der Familie bestritten hatte), solange er bedürftig ist. — Witwengeld erhält die versicherte Witwe nach dem Tode ihres versicherten Ehemannes. — Die W aifen aussteuer wird den Waisen bei Vollendung des 15. Lebensjahres ausbemhlt. — Keinen Anspruch auf Hinterbliebenenjürsorge haben die Hinterbliebenen solcher Versicherten, welche am 1. Januar 1912 bereits verstorben waren; desgleichen haben keinen Anspruch die Hinterbliebenen solcher Versicherten, welche am 1. Januar 1912 bereits dauernd erwerbsunfähig waren und dann verstorben sind, ohne inzwischen die Erwerbsfähigkeit wieder erlangt zu haben.
b) Hat der Empfänger einer Invalidenrente SHnbe1 unter 15 Jahren, so erhöht sich die Invalidenrente für jedes dieser Kinder um ein Zehntel bis höchstens zum IV-sachcn Betrage der Invalidenrente. Diesen Anspruch haben aber nur die Empfänger von Invalidenrenten, deren Invalidität nach dem 31. Dezember 1911 eingetreten ist oder deren Krankenrente nach diesem Tage beginnt.
5. Die Rückerstattung der Hälfte der Beiträge, insbesondere bei Verheiratung weiblicher Versicherter fällt vom 1. Januar an weg. Durch freiwillige Weiterversicherung kann der Anspruch aus sämtliche Leistungen ausrecht erhalten werden.
6. Die Pensionen von Beamten und ähnliche Bezüge haben vom 1. Januar 1912 nicht mehr bie Wirkung, daß neben ihnen eine etwaige Invaliden- oder Altersrente ruht. Die Renten kommen also vom 1. Januar 1912 neben den Pensionen voll zur Auszahlung.
7. In der Organisation der Invalidenversicherung treten folgende Aenderungen ein:
a) An Stelle der jetzigen unteren Verwaltungsbehörde (in Berlin der Magistrats tritt das Versichervngs- ami. Bei diesem Bersicherungsamte sind alle Ansprüche aus der Invaliden- und Hinterbliebenen - Versicherung mizumelden. Die Entscheidung über die Ansprüche erfolgt durch den Vorstand der Landesversicherungsanflalt.
bl An Stelle des jetzigen .Schiedsgerichts" tritt das „Oberversicherungsamt", welches wie das frühere Schiedsgericht die Berufungsinstanz gegen die Entscheidungen des Vorstandes der Landesversicherunas- anstalt bildet.
Aur dem Nachbargebiete.
0 Schlüchtern, 26. Dez. 1911. Der Betrieb des der Benrksverwaltung Kasiel gehörenden Steinbruchs Romsthal hat, wre in der letzten Lan- desausschußsitzuiig zur Kenntnis genommen wurde, im Rechnungsjahre 1910 einen Reingewinn nicht ergeben, schließt vielmehr mit einer Unterbilanz von 8802,38 Mk. ab. Der Betriebsausfall hat nach dem Berichte des Landesbauamts seinen Hauptgrund darin, daß zwei neue Anbrnchsstellen geschaffen werden mußten. Nach Ansicht des Landesbauamts wird im laufenden Rechnungsjahre durch die Vorteile der nunmehr besieren Betriebseinrichtung der Ausfall des Vorjahres gedeckt werden.
* Hersfeld, 25. Dez. 1911. Die für den Betrieb der Kleinbahn Hersfeld-Heimbolds- Hansen nötigen Lokoniotiven sind von dem Kreis- ausschuß bei der Firnm Hentschel in Kassel in Auftrag gegeben worden. Es handelt sich um die Lieferung von vier Maschinen und zwar zwei schwere und zwei von einem leichteren Typ.
* Mainz, 21. Dez. 1211. Ein Mordversuch wurde dieser Tage in Kostheim verübt. Eine ganze Familie, Mann, Frau und zwei Kinder, sollten durch einen bis jetzt noch unbekannten, ruchlosen Mordbnben Vergiftet werden. In ein Glas Gelee, in die Butter und ins Salz war Strychnin gemischt worden. Als eines der Kinder, das zuerst davon aß, den bitteren Geschmack bemerkte, spie es das Butterbrot aus und machte die Eltern darauf aufmerksam. Die Untersuchung der Speise ergab das Borhandensein des Giftes. — Die Frau des Zigarrenhändlcrs Liebig wurde auf dem Schillerplatz, einer sehr belebten Gegend, in dem Zigarrenladen von einem Unbekannten mit einem harten Gegenstand zu Boden geschlagen und tödlich verletzt. Es gelang dem Attentäter, unerkannt zu entkommen, allerdings mußte er die Kasse, ans die er es abgesehen Halle, im Stiche lassen.
* Limburg, 26, Dez. 1911. Hier verschied am Samstag im besten Mannesaller nach kurzer Krank- hest plötzlich und unerwartet Oberlehrer Dr. phil. Joseph Metzen vom hiesigen Gymnasium. Mit dem Verblichenen ist eine allgemein hochgeschätzte tüchtige Kraft ans dem Lehrerkollegium unserer höheren Lehranstalt gerissen worden. (Der Verstorbene, dem der »Nass. Bote" einen warmen Nachruf widmet, wirkte, bevor er nach Limburg, seiner Vaterstadt, berufen wurde, als Probekandidat kurze Zeit, von Februar bis Apul 1899, am Kgl. Gymnasium zu Fu.d a. D. Red.)
Amt Geisa un- Umgebung.
* Geisa, 24. Dez. 1911. Der Großherzog hat dem Rektor Albin Trabert in Geisa das goldene Verdien st kreuz verliehen.
* Dermbach, 24. Dez. 1911. Dem Gendarmcrie- Wachlmeister Müder in Termbach wurde vom Großherzog das Allgemeine Ehrenzeichen in Silber verliehen. Das Krieger-Ehrenkreuz ivurde verliehen dem Korksabrikanten N. Böhm in Der i bach, dem Amtsgerichtsviener Karl Kirchner in Vacha, dem Bürgermeister W. Rodcck in Weilar.
* Vacha, 25. Dez. 1911. In der vorigen Woche and hier im Rathaus eine Sitzung über das zu errichtendeKrankenhansinVacha statt. In dieser Sitzung war das Weimarische Staatsministerium vertreten, ferner die Stadt Vacha durch Bürgermeister V eide, sowie die Kaliwerke des Werragebietes, sowohl die preußischen als auch die wei- niarischen, durch die Direktoren. Die Errichtung eines Knappschaftskrankenhauses in Vacha wurde von allen Setten als Notwendigkeit anerkannt. Die wermarischen Werke verpflichten sich, je nach der Kopfzahl ihrer Belegschaft entsprechende Zuschüsse zur Unterhaltung des Krankenhauses zu leisten. Die anwesenden Vertreter der preußischen Kaliwerke gaben zwar zu, daß Vacha infolge seiner zentralen Lage im .Kaliindustriegebiet zur Errichtung eines Krankenhauses der geeignetste Platz wäre, aber sie würden für die Errichtung eines Krankenhauses in Hersseld stimmen. Da jedoch ans dem weimarischen Gebiete 15 und auf dem preußischen nur 7 Kaliwerke liegen, ferner das Sächsische Staats- ministeriun- selbst das größte Interesse an der Errichtung eines Krankenhauses in Vacha hat, so ist
dieses nach der „Rhönzeitung" auf alle Fälle gesichert.
Aus (vberheffen u. den Hess. Aemtern.
'△ Marburg, 25. Dez. 1911. Wie schon kurz gemeldet, wütete in der Nacht vom Freitag zum Samstag im dicktbebauten Geschäftsviertel tit der Barfüßerstraße ein gewaltiges G r o ß f e u e r. In dem früher Schäfcrschen Geschäftshause, wo augenblicklich der Konkursverkauf eines Schnittwaren-und Landestrachten-Geschäfts befand, brach das Feuer gegen 10 Uhr aus und verbrettete sich mit blitzartiger Geschwindigkeit so schnell durch das Haus, das mst gleichzeitig aus dem Laden und dem Dache die Flammen herausschlugen. Zum Glück waren die beiden oberen Etagen unbewohnt, der jedoch unmittelbar über den Geschäftsräumen wohnende Schuhmacher Schmidt geriet mit seiner Frau und seinen drei Kindern in die größte Gefahr. Ihnen gelang es, mit großer Mühe nur das nackte Leben zu retten. Das lichterloh brennende Gebäude bildete für die Nebenhänser, darunter die Schwanapotheke, eine große Gi fahr. Auf die Rufe: „Die Apotheke geht in die Lust!' entstand eine große Panik. Den Bemühungen der gesamten freiwilligen Feuerwehr gelang es, die Nachbargebäude, wenn diese auch tüchtig beschädigt und zum "Teil unbewohnbar wurden, zu retten. Aach der fortwährende Regen kam der Be- kämpfting des Feuers viel zu statten. Die Ursache des Brandes ist noch nicht ermittelt. Dem Schuhmacher Schmidt ist alles, u. a. auch eine Kanarien- becke mit 150 Vögeln, verbrannt. Das abgebrannte Haus gehörte einem Herrn in Frankfurt am Main.
* Kirchhain, 25. Dez. 1911. Nach einer amtlichen Bekcimtt machnng ist für die Gast- und Schank- Wirtschaften der Landgemeinden die Feiertagsstunde in der Zeit vom 25. bis 30. d. M. bis 12 Uhr nachts, für sämtliche Gastwirtschaften des Kreises kn der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar bis 1 Uhr nachts verlängert worden. — Der Bürgermeister Hieronymus Daube in Sindersfeld beging gestern das 25jährige Bürgermei- fl c r - I u b i l ä u m.
[:] Neustadt, 26. Dez. 1911. Samstag abend wurden im hiesigen Schwesternhause, wie alljährlich, hilfsbedürftige Kinder armer Familien durch die nimmerruhende Fürsorge der hiesigen barmherzigen Schwestern mehr oder wenig reichlich beschenkt. — Gestern starb hier der älteste Mann unserer Gemeinde, der allseitig hochgeachtete Auszüger Franz Ochs im Alter von. 85 Jahren. Bei dieser Gelegenheit möge nicht unerwähnt bleiben, daß die älteste Person unserer Stadt, die Witwe Levi, bei noch verhältnismäßig guter Frische des Geistes, bald das 94. Jahr erreicht har. Außerdem haben wir noch 9 Personen im Alter von 80—87 Fahren, darunter die 82jährigen Zwillingsbrüder Heinrich und Jakob Gies.
* Schwarzenborn a. Knüll, 24. Dez. 1911. Ein mit 6 Wochen Gefängnis wegen Körperverletzung bestrafter polniscyei Arbeiter, der außerdem den hiesigen Ortsgendarmen überfallen und verletzt hatte, machte seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Vorher hatte er versucht, seiner Braut mit einem Rasiermesser die Kehle zu durchschneiden. Diese konnte sich jedoch durch.eilige Flucht retten.
* Zimmersrc-de, 23. Dez. 1911. Seit heute vormittag itt auf der Bahnstrecke Zimmersrode-Ge- münden oer volle Betrieb wieder ausgenommen worden. Die Ausbessurungsarbeiten an der durch Damm- bruch beschädigten Stelle, die vorläufig von den Zügen noch mit größter Vorsicht befahren werden muß, werden eifrig "fortgesetzt.
vermischle«
* Sechs Bergleute durch Schlagwetterexplosion getötet. Freitag abend ereignete sich auf Zeche Teu- tobnraia bei Castrop in Wests, eine Schlagwetterexplosion. Zwei Tote und drei Verletzte sind geborgen, vier Leute, die ohne Zweifel ebenfalls tot sind, befinden sich hinter Brüchen. Die Bergung ihrer Leichen wird aufsichtlich noch längere Zeit in Anspruch nehmen.
* Hochstapler. Durch die Aufmerksamkeit des Besitzers und der Angestellten des Hotels Kaiser
Wilhelm ist es der Polizei gelungen, zwei jung Männer zu verhaften, von denen sich der eine al' Graf Henckel v. Donnersmarck und der andere al sein Diener ausgaben. In Dresden war es ihnei gelungen, von dem Hofjuwelier Mau ein Collier tt Werte von 6000 Mark zu erschwindeln In Dessau und Leipzig haben sie zwei Vankhäusei um je 10 000 Mark mittelst gefälschter Wechsel zr betrügen versucht. Die Personalien der Betrüge sind noch nicht ermittelt.
* Bei einem ehelichen Streit ließ der Eigen iümer Meiner! in Bad Schönfließ in Brandenburg eine brennende Lampe fallen, di explodierte. Meiner! verbrannte.
* Unfall in einem I)-Zuge. Der Berliner Hof buchhcindler Schotte befand sich auf einer Vergnü gungsreise gemeinsam mit seiner Frau und benutzt den Straßburger 0-Zug nach Mannheim. Wahren! dec Nacht verließ er sein Abteil, um sich ein wem( zu restaurieren. Dabei muß er die Türm verwech feit haben; er öffnete die ins Freie führende 28a ßentür, und im nächsten Augenblick lag er unter bei Rädern des Zuges, ohne daß jemand im Zug de» grausigen Unfall bemerkt halte. Ein Streckenwärte fand bei Ludwigshafen die Leiche des Verunglückten
* Millionenschwindel durch Spiritismus. Di» Pariser Polizei verhaftete den 44 Jahre alten Reni. Etienne aus Auteuil, der beschuldigt wird, einett reichen Pariser Industriellen in Fontaine fast em Million abgeschwindelt zu haben. Durch spiritistisch Manipulationen hatte er cs verstanden, sein Opfer völlig in seine Gewalt zu bekommen.
* Eine jugendliche Diebesbande von vier 13—14 jährigen Knaben wurde in Hamburg von bet Polizei entdeckt. Die Jungen schliefen, in Decken gehüllt, auf einem Felde unter den dort aufgestapeb ien Weihnachtsbaumen. Sie hatten sich in die Geschäfte eingeschlichen und die Ladenkaffen beraubt und so über 1000 Mark erbeutet, wofür sie Waffen, Uhren, Kleidung u. a. gekauft hatten. Man fand noch etwa 200 Mark Geld bet ihnen vor.
* Ein Unfall wurde in Grenoble (Frankreich) nachts auf zwei Soldaten, die auf dem Flugplatz Posten standen, verübt. Der eine der Soldaten wurde getötet, der andere so schwer verletzt, baß an seinem Aufkommen gezweifelt wird! Den Slatern gelang es, im Dunkel der Nacht unerkannt zu ent- kommen. Man vermutet, daß der Uebersall von Schmugglern verübt wurde.
Reklamen- und Anzeigenteil.
Ich bleibe
bei der echten
S. o 113 Emulsion, denn mit dieser habe ich erreicht, was ich wollte, nämlich eine schnelle Kräftigung und Stärkung meines sijjährigen Sohnes Friedrich nach vorausgegangener Krankheit, während eine zuerst an« gewendete, allerdings billigere Nachahmung Ihres Präparates keinen Erfolg herbeiführte. Mein Söhn« chen hat
Scotts Emulsion sofort gern genommen; dm Einfluß des Präparates aus den Appetit konnte man alsbald bemerken, denn Friedrich zeigte viel mehr Sufi zum Eisen, sein Körpergewicht hat sich infolgedessen entsprechend vermehrt, auf seine Wangen ist die frische rosige Farbe zurückaekehrt, nnd er ist auf dem besten Wege, ein kräftiger Junge zu werden. Auch schläft er nachts viel ruhiger.
(®et) Friedrich Schmidt, Weitzenburg, Bayern, kchreeteu 133, 14. September 1810.
In bet Wiedergmesungszeit ist es immer von Wichtigkeit, die Kraft des Körpers und besten Ernährung durch stärkende Mittel zu fördern. Zahllose Beispiele, ähnlich dem obigen, haben bewiesen, daß Scotts Emulsion hierzu eines der allergeeignetsten Mittel ist, die wir besitzen.
• Scotts Emulsion wird ton uns ausschließlich im großen verkauft, und zwar nie lo!e nach Gewicht oder Maß. sondern nur in versiegelten Originalslalcheu in Karton mit unserer Schntz- inarkc iFischer mit dem Dorsch). Scott * Bowuc, G.m.b.H.. Franksurt a. M.
Bestandteile: Feinster Medizinal-Lebertran 150,0, prima Glyzerin 50,0, uutrrphospborigsaur-rKalk4,Z,untirpl)oSpd:rig- iaures Natron 2,0, pul». Tragant 3,0, feinster arab. Gummi ptt.lv. 2,0, Master 129,0, Alkohol 11,0. Hierzu aromatische Emulsion mit Zimt-, Maudcl- und GauliheriaLl je 2 Tropjeu.
Me Tochter i>es Seriwien.
29] Roman von Adele Böttcher.
Orlando ist zu überrascht, die unerwartete Freude wirkt zu mächtig auf ihn — er kann zuerst kein Wort hervorbringen. Nur ihre ausgestreckten Hände nimmt er zwischen die feinen und preßt sie wiederholt an ferne Lippen.
Auch Sonja ist bie Kehle tote zugeschnürt. Ihre Wangen stich totesblcich, ihr Blick meidet den seinen. Das Gefühl ihrer Unauftichtigkeit dem Geliebten Eienüber läßt ihr alles Blut zum Herzen strömen, ampfhast drückt sie die starken Männerhände, die stoch immer feie ihren umschlossen halten, und bricht in mühsam unterdrücktes Schluchzen aus.
„Setz dich, mein Lieb!" tröstet er, zärtlich die kleinen, kalten Hände streichelnd. „And dann — erzähle!" /
--Nein, nein!" rüst sie heftig. „Wir wollen hin- gu8 ins Freie! Mir ist, als müsse ich hier ersticken. Reich mir deinen Arm! — So, jetzt wird mir schon besser. — Sieh mich an!"
Die Farbe ist in ihre Wangen zurückgekehrr; dir «arten Lippen umspielt ein Lächeln. Voll Inniger Liebe tauchen ihre Blicke in die seinen. —
Was die beifeen einander sagen, als sie gleich darauf, Arm in Strm, die Via Ludovist hinunter- Zchlendem, hinaus zur Porta Pia — nur die vov- Mhuschenden Fledermäuse und das dunkle Nacht- tzkvögel hören es, das weitklasternfe daherstiegt, und die ewigen Lichter dort oben am sternenübersäten Firmament. —
„Woher wußtest du meine Adresse, Sonja?" fragt tt nach einer Weile.
„Du gabst uns ja deine Karte.*
....»Und du verließest deinen Großvater? Um ntet- Mwulen? — Ich muß doch wohl annehmen, daß Ku ohne seine Einwilligung zurückgeblieben bist?"
Sie schauert zusammen.
k? »Laß feaS! Was geht mich mein Großvater an! !§u dir gehöre ich. Alles andere ist wir gleichgiltig.
Mr sind jetzt beide frei — frei tote der Vogel in der Luft!"
Sonjas ganzes Wesen atmet eine ihr selbst unbewußte^ Leidenschaftlichkeit. Ein ihr bisher fremdes Gefühl hat von ihrem ganzen Denkm und Wollen Vejitz ergriffen. Sie heuchelt nicht mehr: sie gibt sich völlig selbst.
„Wie mußt du meiner Ebre vertrauen, daß du um meinetwillen mit feeinem Großvater brachst!"
Sie bleibt stehen und blickt ihn forschend an.
„Bereust du, was wir getan?"
®r schließt ihr den Mund mit einem innigen wup. Und doch bleibt er still und in sich gekehrt.
»Denk nur, in welch eigentümliche Lage ich plötzlich gekommen bin*, versucht er zu scherzen.
besitze auf einmal eine Prinzessin und nicht den geringften Hauch eines Schlosses, in dem sie residieren könnte?"
Doch sie lacht ihn aus wegen seiner Pefeanterie. Jetzt, da der Schritt einmal getan ist, redet sie sich in eine fast unnatürliche Lustigkeit Hindin.
„Bist du denn wirklich so ganz arm?"
„Ganz arm, mein Lieb. Wenn mein Vater uns feine Unterstützung entzieht, so geht es mir ebenso schlecht, wie anbem ungehorsamen Sohnm."
„Ich wünschte es fast", ftüftert sie mit einem weichen, hingehenden Blick. „Auch ich besitze ja nichts, als was ich an mir habe."
Sie schlägt den langen Mantel zurück und steht vor ihm tn der Hellen Gesellschaftstoilette, In der sie gestern di« Villa Fortuna verlassen.
Mit einem Ausruf fees Entzückens zieht er aufs neue ihre Hände cm seine Lippen.
„Diese teuren Hände machen wich reicher, als alles Geld der Welt*, flüstert er leidenschaftlich. »Geld hat nur den Wert dessen, was man dafür erstehe« kann. Aber hätte ich mir für Geld itn Glück wie dieser erkaufen können?*
Noch manches reden feie belben Verliebten, baS dem Unbeteiligten töricht erscheinen muß. Mer durch bie rosige Brille ihrer Siebte gesehen, bedeuten Hoffnungen Tatsachen ttrtb Luftschlösser Besitz.
. Als Orlando seine Braut nach dem Grand Hotel geleiten will, wehrt sie mit einem Schauder ab.
„Nein, nein — nicht dorthin! Bringe mich Irgendwo unter; aber nicht feort!"
Orlando überlegt. Es ist schon spat in der Nacht, kein Haus mehr offen. Was tun?
Da fallt ihm eine frühere Dienerin seiner verstorbenen Mutter ein, die ihn als Kind aufzog und ihm große Zuneigung bewahrt hat. Sie ist jetzt Krankenpflegerin und hat eine kleine Wohnung in der Via Nationale für sich allein. Vielleicht, daß sie Sonja bei sich aufnimmt!
Bereits eine Stunde später schläft Sonja m bem traulichen Zimmer der guten Benedetta tief und fest.
Orlando aber sitzt die ganze Nacht hindurch, den Kopf in die Hand gestützt, an seinem Schreibtisch und grübelt — grübelt —
Seine Leidenschaft für Sonia macht ihn nicht blind für das Mißliche seiner Lage.
15.
Als Orlando spät am nächsten Morgen erwacht — miifee und wie zerschlagen an allen Gliedern — findet er eine kurze Zelle von seinem Vater vor, die ihn zu ihm ruft.
Nachdem er Sonja ausgesucht, sie ftisch und munter vorgefunden, mit Ihr das Nöttgste besprochen und sie gebeten hat, sich unter Benedettas Leitung einige notwendige Gegenstände einzukaufen, fährt er sofort nach dem Palazzo Campcmelli.
Mit einer tiefen Verbeugung öffnet der Dimer feie Tür zu dem Vorzimmer, das zu drm Privatsalon des Marchese Sllvlo führt und das niemand ohne seine besondere Erlaubnis betreten darf.
„Der Herr Marchese sind noch beschäftigt, haben aber befohlen, ben Herrn Sohn sofort vorzulaffm."
Orlando geht an dem jungen Gehelmsekretär vorbei, der Auszüge aus einem großen blauen Buche macht und öffnet feie gepolsterte Tür zu seines Vaters Privatsalon.
Am Schreibtisch sitzt ein Herr — dem Marchese Silvio gegenüber.
„Tritt nur näher!" ruft der letztere heiter, cis Orlando auf der Schwelle zögert. Ein Zug von Befriedigung umspielt seine Lippen. Mit warmer Herzlichkeit, die man sonst an dem kalten strengen Diplomaten nicht gewohnt ist schüttelt er bem Söhre die Hand Darauf stellt er mit einer Hcindbewegun i feen fremden Herrn vor:
„Toselli — ein Privatdetektiv.*
Der Detektiv, ein kleiner, behender,Mensch mit scharfen, durchdringenden Augen und energisch her- bortrefenbem Kinn, springt auf.
„Sehen Sie sich, lieber Toselli!* wehrt der Marchese ab. „Und fahren Sie dort fort, wo wir stehen geblieben sind! Er teilt mir nämlich die Resultate seiner Nachforschungen Über feen Verbleib des Boris Orloff und seiner Enkelin mit —* wendet er sich erklärend an Orlando. „Also vorwärts!*
„Gemäß erhaltener Informationen —* fährt der kleine Mann in dienstlichem Tone fort — „begab ich mich nach dem Bahnhof und erfuhr am Schalter, daß dort zwei Personen, die feem Signalement des Signor Orloff und seiner Enkelin entsprechen, gesehen worden find. Auch der Billettkontrolleur entsinnt sich, daß er einen alten Herrn von militärischem Aeußern, der auf beiden Augen blind zu fein schien, in ein Kupee erster Klaffe einsteigen sah. Da der Zug sich gleich daraus in Bewegung setzte, unterliegt es keinem Zweifel, daß beide Personen abgereist sind.*
Der Marchese nickt befriedigt mit bem Kopf.
„Und was über die Lungos?*
„Ich bedauere melden zu müssen, daß die Informationen über diese Leute nicht so weit gediehen sind. 28tr wissen nur, daß sie gestern abend au8 Frascati hier in Rom eintrafen und eine große Anzahl von Koffern und anderm Reisegepäck mit sich führten. Was hier aus ihnen geworden ist, weiß man nicht. Im Hotel de l'Europk wohnen sie nicht; doch erkundigte sich gestern nachmittag ein unbekannter Mensch — wahrscheinlich ein Komplize — dort nach ihnen.*
(Fortsetzung folgt.)